Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

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Dunkelmann
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Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von Dunkelmann » Freitag 4. Mai 2012, 12:40

Diese Tage lief bei Arte eine Dokumentation über Leben und Werk des Verlegers Axel Cäsar Springer (1912 - 1985).

Springer war eine schillernde und umstrittene Persönlichkeit, nicht nur was sein unternehmerisches Wirken anbelangt. Auch sein Privatleben war turbulent, er war nicht weniger als fünf mal verheiratet. Die ersten vier Ehen endeten sämtlich durch Scheidung.

In späteren Lebensjahren wurde Springer zunehmend religiös, ein "Gottessucher", wie der Biograph Jürgs es umschrieb. 1969 trat er den Altlutheranern bei, wie sie damals noch hießen. In der Fernsehdokumentation hieß es dazu, ihn habe die liturgische Verwandtschaft zur katholischen Kirche angezogen.

Bischof Jobst Schöne war ein persönlicher Freund, er vollzog auch Springers letzte Eheschließung mit Friede Springer.

Nun kommen Ehescheidungen heutzutage in den besten Familien vor; kaum jemand wäre heute noch so hartherzig, von zwei Menschen, die sich definitiv auseinandergelebt haben, zu verlangen, dass sie die gescheiterte Ehe bis zum bitteren Ende durchleiden. Die katholische Kirche indes weigert sich bekanntlich bis heute, Geschiedenen eine neue (kirchliche) Eheschließung zu gestatten.

Im Falle der dritten sowie der vierten Ehe von Springer fühlt man sich jedoch unweigerlich an das 10. Gebot erinnert:
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.
Denn sowohl Springers dritte Ehefrau, Rosemarie, als auch die vierte Ehefrau, Helga, waren zuvor mit ein und demselben Mann verheiratet, nämlich Springers Nachbarn Herbert Alsen. Mit anderen Worten: Der Verleger spannte seinem Nächsten zweimal hintereinander die Frau aus.

Kann man daraus schießen, dass es die Altlutheraner (bzw. heute die SELK) in diesen Dingen auch nicht so eng sehen? Oder gab es für Springer einen Prominentenbonus?

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taddeo
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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von taddeo » Freitag 4. Mai 2012, 12:44

[OT]
Dunkelmann hat geschrieben:... kaum jemand wäre heute noch so hartherzig, von zwei Menschen, die sich definitiv auseinandergelebt haben, zu verlangen, dass sie die gescheiterte Ehe bis zum bitteren Ende durchleiden.

Richtig. Das tut auch die Katholische Kirche nicht, eine erlaubte Trennung der Gatten ist seit jeher sogar kirchenrechtlich geregelt.
Dunkelmann hat geschrieben:Die katholische Kirche indes weigert sich bekanntlich bis heute, Geschiedenen eine neue (kirchliche) Eheschließung zu gestatten.

Das hat mit dem obigen überhaupt nichts zu tun.
[/OT]

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Marcus
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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von Marcus » Freitag 4. Mai 2012, 13:08

Dunkelmann hat geschrieben:Denn sowohl Springers dritte Ehefrau, Rosemarie, als auch die vierte Ehefrau, Helga, waren zuvor mit ein und demselben Mann verheiratet, nämlich Springers Nachbarn Herbert Alsen. Mit anderen Worten: Der Verleger spannte seinem Nächsten zweimal hintereinander die Frau aus.

Kann man daraus schießen, dass es die Altlutheraner (bzw. heute die SELK) in diesen Dingen auch nicht so eng sehen? Oder gab es für Springer einen Prominentenbonus?
Die SELK anerkennt zwei Fälle, in denen eine „Wiederverheiratung“ bzw. erneute kirchliche Trauung zulässig ist:

1. Bei ehebrecherischer Unzucht.
2. Bei böswilligem Verlassen durch den ungläubigen Ehepartner.

In beiden Fällen hat aber nur der unschuldige Ehepartner die Möglichkeit, sich nach einer Scheidung erneut kirchlich trauen lassen zu können.

Ansonsten besteht noch die Möglichkeit, dass bei einer erneuten standesamtliche Eheschließung kirchlich gehandelt werden kann (keine kirchliche Trauung), wenn das Zerbrechen der früheren Ehe als Schuld erkannt wurde und die Absolution darauf erfolgt ist.

Das ähnelt nach meinem Wissen auch der Praxis der Ostkirche. Es ist nach dem Verständnis der SELK auch so, dass der Pfarrer als berufener Diener Gottes das Brautpaar zusammenschließt, womit man auch wieder vom Eheverständnis der Orthodoxie recht nahekommt.

Wie das im Fall von Axel Springer war, weiß ich nicht. Auch weiß ich nicht, ob in seinem Fall wirklich eine kirchliche Trauung erfolgt ist.

Nachtrag: Laut Wikipedia ging Springer seine 4. Ehe mit Helga im Jahre 1962 ein. Lt. der HP der SELK gehörte Axel Springer aber erst seit 1969 zu den Altlutheranern. Friede heiratete er 1978. Es kann daher nur um die 5. Eheschließung gehen.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Springer#196er_Jahre
http://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Springer#197er_Jahre
http://www.selk.de/index.php?option=com ... l&Itemid=3
Zuletzt geändert von Marcus am Freitag 4. Mai 2012, 14:18, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Korrektur.
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

Dunkelmann
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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von Dunkelmann » Freitag 4. Mai 2012, 13:43

Marcus hat geschrieben: Wie das im Fall von Axel Springer war, weiß ich nicht. Auch weiß ich nicht, ob in seinem Fall wirklich eine kirchliche Trauung erfolgt ist.

Nachtrag: Laut Wikipedia ging Springer seine 4. Ehe mit Helga im Jahre 1962 ein. Lt. der HP der SELK gehörte Axel Springer aber erst seit 1969 zu den Altlutheranern. Friede heiratete er 1978. Es kann daher nur um die 5. Eheschließung gehen.
Ja, es geht nur um die Eheschließung mit Friede Springer im Jahr 1978 (die allerdings schon seit 1965 im Haushalt der Springers lebte und schon früh die Geliebte des Verlegers wurde).

Der Dokumentation zu Folge fand diese Eheschließung zurückgezogen statt. Grund hierfür waren aber vorderhand die ständigen Morddrohungen, unter denen der Verleger damals lebte (es gab ja Anfang der 70er Jahr schon den Bombenanschlag der RAF auf das Verlagshochhaus in Hamburg sowie den Brandanschlag auf das Anwesen in der Schweiz).

Aber wie sich die Eheschließung mit Friede Springer jetzt im einzelnen aus kirchlicher Sicht darstellte, erfuhr der Zuschauer nicht. Auf jeden Fall war Jobst Schöne ein enger persönlicher Freund, er kam in der Dokumentation ausführlich zu Wort.

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Marcus
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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von Marcus » Freitag 4. Mai 2012, 14:16

Zum Eheverständnis sowie zum 6. Gebot hat Pfr. Dr. Martens (SELK) zwei ausführliche Beiträge verfasst:

http://www.lutherisch.de/index.php?opti ... &Itemid=4

http://www.lutherisch.de/index.php?opti ... &Itemid=4

Und hier findet man noch ein Themenheft, wo es ab Seite 7 um die Wiederverheiratung geht:

http://www.selk.de/download/Lutherische ... erung2.pdf
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von pneumatikos » Mittwoch 16. Mai 2012, 22:35

Und Bundesministerin Kristina Schröder (vormals Köhler) , lt. wikipedia Kirchglied der SELK, war beim CSD zugegen.


http://www.kristinaschroeder.de/aktuell ... -christop/
Ich bin kein Gnostiker, auch wenn dies mein Username suggeriert.

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Marcus
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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von Marcus » Mittwoch 16. Mai 2012, 22:47

Zu der Dame habe ich bereits zwei Beiträge hier verfasst:

http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?p=24876#p24876
http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?p=332725#p332725


Darüber hinaus sei noch angemerkt, dass sie sich und ihr Ehemann auch nicht von einem SELK-Pfarrer haben kirchlich trauen lassen. Vielmehr nahm sie hierfür die Dienste von Pfr. i. R. Michael Schulz in Anspruch, der früher die Pfarrstelle in der Wiesbadener Marktkirchengemeinde bekleidete: http://www.fr-online.de/wiesbaden/hochz ... 994.html
Zuletzt geändert von Marcus am Mittwoch 16. Mai 2012, 23:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Inhaltliche Korrektur vorgenommen.
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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von anneke6 » Mittwoch 16. Mai 2012, 23:30

Friede Springer und ich sind zwar entfernte Verwandte, aber sie ist mir ziemlich suspekt. Sie mag wohl einen Einfluß darauf gehabt haben, daß Axel Springer in die SELK eintrat…aber hatte sie vielleicht auch einen Einfluß darauf, daß Mausi Springer den "Villenhaushalt" verließ?
Mausi hätte es wissen müssen: Wer mit dir betrügt, der betrügt auch dich.
???

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Re: Axel Springer, die Altlutheraner und das 10. Gebot

Beitrag von Lutheraner » Donnerstag 24. Mai 2012, 15:00

Dunkelmann hat geschrieben:Kann man daraus schießen, dass es die Altlutheraner (bzw. heute die SELK) in diesen Dingen auch nicht so eng sehen? Oder gab es für Springer einen Prominentenbonus?
Offensichtlich gab und gibt es einen Prominentenbonus. Es geht ja nicht nur um das 10. Gebot. Schau dir doch mal die Bild-Zeitung an.
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

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