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"Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Montag 8. November 2010, 22:05
von Moser
Schneller als erwartet ist es mal wieder soweit: Bei der EKD-Synode steht die Wahl des (regulären) Vorsitzenden an, und nach Lage der Dinge wird's Schneider werden bzw. bleiben.

Was haltet ihr davon?

Ich persönlich bin nicht richtig zufrieden, aber auch nicht richtig unzufrieden damit. Besser als Käßmann ist (fast) alles - ich halte sie zwar grundsätzlich für keine schlechte Theologin und ganz unsympathisch ist sie ja auch nicht, aber die fast schon Messias-artige Verehrung vor allem in den Medien (die sie ja auch selbst ordentlich mit befeuert hat) ist mir schon ziemlich auf die Nerven gegangen.

Tja, und Schneider - einerseits hat er sich schon haarsträubende Dinge geleistet (Stichwort Sühneopfer) andererseits aber aus meiner Sicht auch wieder den richtigen Ton getroffen (seine Predigt bei der Trauerfeier für die Loveparade-Opfer fand ich z.B. hervorragend, da hat er Overbeck ganz schön in die Tasche gesteckt). Verglichen mit dem Käßmann-Hype also auf jeden Fall eine angenehme Erscheinung.

Nichtsdestotrotz wäre mir ein konservativerer Lutheraner (z.B. Bohl, July, Friedrich) lieber gewesen. Aber das ist derzeit vielleicht einfach nicht durchsetzbar. Beim Ratsvorsitzenden kommts halt mehr auf die Telegenität als auf den theologischen Inhalt an. Und die meisten Leute denken halt nicht in denselben Kategorien wie wir hier... :)

Was mich allerdings schon wundert, ist, dass es (bisher) keine ernstzunehmende Gegenkandidaten gibt und die Frage des Vorsitzes auch überhaupt nicht geführt wird, das scheint im Hinterzimmer schon ausgemauschelt worden zu sein...Schade - eine Kampfabstimmung in der Synode hätte doch auch mal was :-)

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Montag 8. November 2010, 23:24
von ziphen
Moser hat geschrieben:Was haltet ihr davon?
Keine Ahnung. Der Mann ist bei mir überhaupt nicht präsent. Ich weiß überhaupt nicht, wofür der steht.
Moser hat geschrieben:Besser als Käßmann ist (fast) alles
Moser hat geschrieben:die fast schon Messias-artige Verehrung vor allem in den Medien (die sie ja auch selbst ordentlich mit befeuert hat) ist mir schon ziemlich auf die Nerven gegangen.
Allerdings, da stimme ich mit Dir überein. Ich befürchte auch, dass diejenige Person, wer auch immer jetzt gewählt wird, nur Lückenbüßer sein wird bis unsere Margot wieder als reabilitiert gilt bzw. gelten will. Sie wird dann, gleich dem Phönix aus der Asche, auf der medialen Bühne wiederauferstehen, um die Evangelische Kirche aus der dann noch größeren Misere zu erretten. Oh, wie sich dann insbesondere die Damen mittleren und gehobenen Alters freuen werden...

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 11:23
von Granuaile
Ich vermute, dass die Wahl von Nikolaus Schneider praktisch feststeht. Er hat im Januar unerwartet rasch den Vorsitz des EKD-Rates als Stellvertreter übernehmen müssen und in den knapp 10 Monaten keine gravierenden Fehler begangen. So wie ich dies aus der Ferne einschätze, fühlt er sich wohl in diesem Amt.
Zu beachten ist weiter, dass von den Landesbischöfen und Landeskirchenpräsidenten bei der Wahl des EKD-Rates vor einem Jahr nur Margot Käßmann und Nikolaus Schneider die Wahl problemlos schafften, während alle anderen dies nur nach vielen Wahlgängen und mit Geknorze taten. Da sich die EKD-Synode noch immer gleich zusammensetzt, sehe ich kaum eine Chance für einen anderen Landesbischof / Landeskirchenpräsidenten, Nikolaus Schneider zu verdrängen. (Dies natürlich immer unter der Voraussetzung, dass Nikolaus Schneider kandidiert. Davon ist jedoch auszugehen, nachdem in der heutigen Presseerklärung der EKD zu lesen ist: "Voraussichtlich einziger Kandidat für das Amt des obersten Repräsentanten von fast 25 Millionen Protestanten ist der bisherige amtierende Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider".)

Ich habe im übrigen gegen die Wahl von Nikolaus Schneider nichts einzuwenden.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 11:31
von Amandus2
der Mann ist telegen????

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 11:58
von lutherbeck
Hier die aktuellen Synodenseiten:

http://www.ekd.de/synode21/index.php

:)

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 12:12
von lutherbeck

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 13:37
von tmansor
Er ist genau der richtige Bischof in diesen Zeiten. Schneider hat die EKD nach den Schockwellen des Käsmann-Rücktritts wieder in ruhigere Gewässer gebracht und dem Amt eine neue Bodenhaftung gegeben, jenseits irgendwelcher Medienzwänge und Polarisationen.

Tarec

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 23:16
von Torsten
Moser hat geschrieben:Schade - eine Kampfabstimmung in der Synode hätte doch auch mal was :-)
Du weißt ja nicht, was Du redest.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Mittwoch 10. November 2010, 03:49
von Granuaile
Torsten hat geschrieben:
Moser hat geschrieben:Schade - eine Kampfabstimmung in der Synode hätte doch auch mal was :-)
Du weißt ja nicht, was Du redest.
Im gegebenen Moment ist es wohl gut, dass die Wahl des Vorsitzenden ruhig über die Bühne ging. (Ich verweise auf den Beitrag von tmansor.)
Grundsätzlich kann aber eine Kampfwahl auch Chancen bieten, nämlich dass über verschiedene Vorstellungen von verschiedenen Kandidaten gesprochen wird und damit auch eine Richtungsdiskussion geführt wird. Ich wäre dshalb etwas vorsichtig mit dem Vorwurf, Moser wisse nicht, was er rede.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Freitag 12. November 2010, 18:25
von Marienkind
Es besteht eine informelle Absprache darüber, dass sich beim Vorsitz der EKD die konfessionellen Gruppen abwechseln.

Auf Professor Huber (reformiert) folgte Margot Käßmann (lutherisch) und jetzt Präses Schneider (reformiert).

Bisher wurden die von der jeweiligen Gruppe vorgeschlagenen Kandidaten auch akzeptiert, wobei es im Vorfeld sicher (wie bei anderen Wahlen auch) zu einem Meinungaustausch kommt.

Darüber ist aber in den Protokollen nichts zu lesen.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Freitag 12. November 2010, 21:14
von Lutheraner
Marienkind hat geschrieben:Es besteht eine informelle Absprache darüber, dass sich beim Vorsitz der EKD die konfessionellen Gruppen abwechseln.

Auf Professor Huber (reformiert) folgte Margot Käßmann (lutherisch) und jetzt Präses Schneider (reformiert).

Bisher wurden die von der jeweiligen Gruppe vorgeschlagenen Kandidaten auch akzeptiert, wobei es im Vorfeld sicher (wie bei anderen Wahlen auch) zu einem Meinungaustausch kommt.

Darüber ist aber in den Protokollen nichts zu lesen.
Weil es auch nicht stimmt.

1945–1949: Theophil Wurm, Landesbischof, Württemberg
1949–1961: Otto Dibelius, Bischof, Berlin-Brandenburg
1961–1967: Kurt Scharf, Präses, ab 1966 Bischof, Berlin-Brandenburg
1967–1973: Hermann Dietzfelbinger, Landesbischof, Bayern
1973–1979: Helmut Claß, Landesbischof, Württemberg
1979–1985: Eduard Lohse, Landesbischof, Hannover
1985–1991: Martin Kruse, Bischof, Berlin-Brandenburg
1991–1997: Klaus Engelhardt, Landesbischof, Baden
1997–2003: Manfred Kock, Präses, Rheinland
2003–2009: Wolfgang Huber, Bischof, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
2009–2010: Margot Käßmann, Landesbischöfin, Hannover
2010–0000: Nikolaus Schneider, Präses, Rheinland

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Samstag 13. November 2010, 20:28
von berneuchen
[quote="Marienkind"]Es besteht eine informelle Absprache darüber, dass sich beim Vorsitz der EKD die konfessionellen Gruppen abwechseln.

Auf Professor Huber (reformiert) folgte Margot Käßmann (lutherisch) und jetzt Präses Schneider (reformiert).

Bisher wurden die von der jeweiligen Gruppe vorgeschlagenen Kandidaten auch akzeptiert, wobei es im Vorfeld sicher (wie bei anderen Wahlen auch) zu einem Meinungaustausch kommt.

Darüber ist aber in den Protokollen nichts zu lesen.[/



Weder Bischof Huber noch Präses Schneider sind reformiert, beide gehören zur unierten Fraktion.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Sonntag 14. November 2010, 08:21
von Granuaile
berneuchen hat geschrieben: Weder Bischof Huber noch Präses Schneider sind reformiert, beide gehören zur unierten Fraktion.
Grundsätzlich richtig. Wie die von Lutheraner gepostete Liste zeigt, ist bislang noch kein Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Deutschlands und kein Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche (der immer reformiert ist, da die grosse Mehrheit der lippischen Kirchgemeinden reformiert sind) EKD-Ratspräsident geworden. Sowohl die Evangelische Kirche von Berlin-Brandenburg-Schlesisch Oberlausitz (Wolfang Huber) wie auch die Evangelische Kirche im Rheinland (Nikolaus Schneider) sind uniiert.
Allerdings hat Nikolaus Schneider sich selbst schon als Reformierter bezeichnet und am Evangelischen Kirchentag 2009 in Bremen im Abendmahlsgottesdienst im Reformierten Zentrum gepredigt. Der Moderator des Reformierten Bundes Peter Bukowski ist Pfarrer in der Evangelischen Kirche des Rheinlands und der frühere Bundespräsident Johannes Rau, der sich explizit als Reformierter sah, kam aus dem Rheinland. Wenn Marienkind Nikolaus Schneider und die Evangelische Kirche im Rheinland mit "reformiert" in Verbindung setzt, liegt er / sie jedenfalls nicht völlig daneben.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Sonntag 14. November 2010, 13:14
von Marienkind
Kann mir jemand sagen, in welcher unierten Landeskirche es lutherisch geprägte Gemeinden oder Persönlichkeiten gibt?

Dabei meine ich aber nicht die SELK oder die AB-Gruppen innerhalb einzelner Landeskirchen wie etwa in Baden.

Es dürfte doch konfessinsgeschichtlich und konfessionssoziolgisch unbestreibar sein, daß in den unierten Landeskirchen die Reformierten die Lutheraner verdrängt haben.

In der Evangelischen Kirche von Westfalen behielten sogar einzelne Kirchenkreise bis heute die Bezeichnung "ev-ref." bei, wie etwa der Kirchenkreis Siegen.

Auch in der Evangelischen Kriche des Rheinlands (Präses Scheider kommt ja aus der EKiR) gibt es Kirchenkreise (wie Wuppertal), die in vielem rein reformiertes Gepräge tragen.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Sonntag 14. November 2010, 14:02
von conscientia
Lutheraner in unierten Landeskirchen: In der Evangelischen Kirche von Westfalen z. B. gibt es traditionell lutherische Gebiete wie etwa (ganz im Nordosten) das Gebiet des ehemaligen Fürstentums (d.h. säkularisierten Fürstbistums) Minden, in der sich die Pfarrämter und Kirchengemeinden als "Ev.-luth." bezeichnen. Ähnliches in der Pommerschen Landeskirche, die an sich zur (altpreußischen) Union gehört, aber auch dem Lutherischen Weltbund angehört (und jetzt mit Nordelbien und Mecklenburg (beide evangelisch-lutherisch) zusammengehen will. Naja, stimmt schon, in NRW sind die altpreußisch-unierten Landeskirchen sehr stark vom Kalvinismus dominiert.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Sonntag 14. November 2010, 23:12
von Moser
Granuaile hat geschrieben:
Torsten hat geschrieben:
Moser hat geschrieben:Schade - eine Kampfabstimmung in der Synode hätte doch auch mal was :-)
Du weißt ja nicht, was Du redest.
Im gegebenen Moment ist es wohl gut, dass die Wahl des Vorsitzenden ruhig über die Bühne ging. (Ich verweise auf den Beitrag von tmansor.)
Grundsätzlich kann aber eine Kampfwahl auch Chancen bieten, nämlich dass über verschiedene Vorstellungen von verschiedenen Kandidaten gesprochen wird und damit auch eine Richtungsdiskussion geführt wird. Ich wäre dshalb etwas vorsichtig mit dem Vorwurf, Moser wisse nicht, was er rede.
Ich hatte gehofft, mit dem Smiley zum Ausdruck gebracht zu haben, dass diese Aussage jetzt nicht 100%ig ernst zu nehmen ist. Ich hatte genau das ausdrücken wollen und danke Dir hiermit für die Klarstellung und Unterstützung.

Mannometer, manche sollten gelegentlich mal den Stock aus dem ... nehmen [Punkt] :-)

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Montag 15. November 2010, 10:09
von Lutheraner
Granuaile hat geschrieben:
berneuchen hat geschrieben: Weder Bischof Huber noch Präses Schneider sind reformiert, beide gehören zur unierten Fraktion.
Grundsätzlich richtig. Wie die von Lutheraner gepostete Liste zeigt, ist bislang noch kein Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Deutschlands und kein Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche (der immer reformiert ist, da die grosse Mehrheit der lippischen Kirchgemeinden reformiert sind) EKD-Ratspräsident geworden. Sowohl die Evangelische Kirche von Berlin-Brandenburg-Schlesisch Oberlausitz (Wolfang Huber) wie auch die Evangelische Kirche im Rheinland (Nikolaus Schneider) sind uniiert.
Allerdings hat Nikolaus Schneider sich selbst schon als Reformierter bezeichnet und am Evangelischen Kirchentag 2009 in Bremen im Abendmahlsgottesdienst im Reformierten Zentrum gepredigt. Der Moderator des Reformierten Bundes Peter Bukowski ist Pfarrer in der Evangelischen Kirche des Rheinlands und der frühere Bundespräsident Johannes Rau, der sich explizit als Reformierter sah, kam aus dem Rheinland. Wenn Marienkind Nikolaus Schneider und die Evangelische Kirche im Rheinland mit "reformiert" in Verbindung setzt, liegt er / sie jedenfalls nicht völlig daneben.
Ich habe den Eindruck, dass zwischen den letzten EKD-Ratsvorsitzenden Schneider (uniert/reformiert), Käßmann ("lutherisch") und Huber (uniert) keine konfessionellen Unterschiede erkennbar sind. Oder seht ihr welche?

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Montag 15. November 2010, 10:13
von Lutheraner
conscientia hat geschrieben:Lutheraner in unierten Landeskirchen: In der Evangelischen Kirche von Westfalen z. B. gibt es traditionell lutherische Gebiete wie etwa (ganz im Nordosten) das Gebiet des ehemaligen Fürstentums (d.h. säkularisierten Fürstbistums) Minden, in der sich die Pfarrämter und Kirchengemeinden als "Ev.-luth." bezeichnen.
conscientia hat geschrieben: Ähnliches in der Pommerschen Landeskirche, die an sich zur (altpreußischen) Union gehört, aber auch dem Lutherischen Weltbund angehört (und jetzt mit Nordelbien und Mecklenburg (beide evangelisch-lutherisch) zusammengehen will.
Die Pommersche Kirche gehört zwar dem LWB an und hat angeblich vor Jahrzehnten alle reformierten Gemeinden ausgegliedert, sie möchte aber ausdrücklich nicht lutherisch sein, da sie sich in "unierter Tradition" sieht. Deshalb war sie auch gegen die Bezeichnung "evang.-luth" für die neue Nordkirche, konnte sich glücklicherweise aber nicht durchsetzen.

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Montag 15. November 2010, 15:31
von Granuaile
Lutheraner hat geschrieben: Die Pommersche Kirche gehört zwar dem LWB an und hat angeblich vor Jahrzehnten alle reformierten Gemeinden ausgegliedert, sie möchte aber ausdrücklich nicht lutherisch sein, da sie sich in "unierter Tradition" sieht. Deshalb war sie auch gegen die Bezeichnung "evang.-luth" für die neue Nordkirche, konnte sich glücklicherweise aber nicht durchsetzen.
Das finde ich interessant.
In Zürich gibt es eine Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde. Deren gegenwärtiger Pfarrer stammt aus der Pommerschen Landeskirche und seine Amtseinführung vor rund drei Jahren erfolgte durch den Pommerschen Landesbischof Hans-Jürgen Abromeit. Ich bin deshalb davon ausgegangen, die Pommersche Landeskirche sei klar lutherisch, auch wenn sie das "lutherisch" nicht im Namen führt. Jetzt habe ich wieder etwas gelernt!

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Montag 15. November 2010, 16:22
von Lutheraner
Hallo Granuaile,

ich habe das u.a. diesem Zeitungsartikel entnommen:

"Gegen den Zusatz "lutherisch" hatte sich der Pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit ausgesprochen. Die neue Kirche müsse auch einladend sein für Menschen, die bislang nicht dazugehören. Die Pommern werden mit dem neuen Namen aber leben können. "

(Quelle)

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Montag 15. November 2010, 16:46
von overkott
Dem neuen EKD-Ratsvorsitzenden ist genug Mut zu einer Kultur des Lebens zu wünschen. Ist Gott immer noch ein Freund des Lebens?

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 16. November 2010, 17:44
von berneuchen
Marienkind hat geschrieben:Kann mir jemand sagen, in welcher unierten Landeskirche es lutherisch geprägte Gemeinden oder Persönlichkeiten gibt?

Dabei meine ich aber nicht die SELK oder die AB-Gruppen innerhalb einzelner Landeskirchen wie etwa in Baden.

Es dürfte doch konfessinsgeschichtlich und konfessionssoziolgisch unbestreibar sein, daß in den unierten Landeskirchen die Reformierten die Lutheraner verdrängt haben.

In der Evangelischen Kirche von Westfalen behielten sogar einzelne Kirchenkreise bis heute die Bezeichnung "ev-ref." bei, wie etwa der Kirchenkreis Siegen.

Auch in der Evangelischen Kriche des Rheinlands (Präses Scheider kommt ja aus der EKiR) gibt es Kirchenkreise (wie Wuppertal), die in vielem rein reformiertes Gepräge tragen.

Hallo Marienkind,
Es gibt m.W. verschiedene Modelle: in Schaumburg- Lippe eine Kirche mit zwei "Klassen" (luth. und ref.) mit jeweils eigener Leitung (eine Art Verwaltungsunion), dann (ich glaube im Rheinland) Gemeinden mit bestimmten konfessionellen Status (luth. oder reformiert). Die Badener haben eine "Buchbinderunion", d.h. Luthers Katechismus n der Heidelberger Katechismus sind einfach in ein Buch zusammengeführt worden und jede Gemeinde sucht sich aus, was ihr gefällt.
Eine typisch österreichische Geschichte ist die Sache mit zwei Kirchen unter einer Verwaltung ( A.B. = Augsburgisches Bekenntnis= lutherisch; H.B.= Helvetisches Bekenntnis= reformiert). Daran ist mir sympathisch, dass die elenden Personalisierungen im Kirchennamen auf Luther oder einen andren Reformator überwunden sind. Hier hat offensichtlich jemand den 1. Korintherbrief etwas gründlicher gelesen. Am einfachsten und sachgemäßesten fände ich ohnehin " Katholische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses", wie einmal ein Bischof vorgeschlagen hat. (Aber dann träfe sowohl in den Unionskirchen wie hier im Kreuzgang vermutlich einige der Schlag.) :bedrippelt:

Re: "Neuer" EKD-Ratsvorsitzender 2010

Verfasst: Dienstag 16. November 2010, 22:32
von conscientia
Schaumburg-Lippe (gehört zu Niedersachsen): nur evangelisch-lutherisch.
Lippe (gehört zu NRW): evangelisch-reformiert mit "Lutherischer Klasse" (nur in Lemgo).
Baden: bei bestehender Bekenntnisunion der Norden eher lutherisch (wie Franken-Bayern), der Süden reformiert (Schweizer Einfluss und Vorbild).