Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

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Stilus
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Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Stilus » Freitag 1. Oktober 2010, 19:14

Liebe Lutheraner,

vor einigen Wochen war ich auf einer Hochzeit eingeladen, ein Kollege (DDR-Heide) ehelichte seine BGB-Gattin (ev. luth.), die Trauung nahm die Klassenkameradin und Freundin der Braut vor - eine unierte Vikarin (dem Beffchen nach).
Nun sagte sie am Ende des Abends mit Seegang in Stimme und Gang:
"Da habe ich das Paar doch schön eingesegnet."


Gut, dass ich ohnehin gehen musste - bei uns Katholiken werden naemlich nur
Grabstellen :panisch: eingesegnet... :pfeif:

Fehlte der jungen Dame das korrekte Vokabular?
... wird bei Euch der Begriff ausgeweiterter verwand als bei uns?

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Benedikt
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Benedikt » Freitag 1. Oktober 2010, 19:26

Nach evangelischer Vorstellung wird die Ehe bereits vor dem Standesamt geschlossen.
"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

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Clemens
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Clemens » Freitag 1. Oktober 2010, 19:28

Doch, das kann sie so sagen.

Wir segnen ein: Konfirmanden, Ehepaare.
Wir segnen aus: Tote (vor der Beerdigung).
Von allen Gottesgaben ist die Intelligenz am gerechtesten verteilt. Jeder ist zufrieden mit dem, was er hat und freut sich sogar, dass er mehr hat, als die anderen.

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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von taddeo » Freitag 1. Oktober 2010, 19:31

Benedikt hat geschrieben:Nach evangelischer Vorstellung wird die Ehe bereits vor dem Standesamt geschlossen.
Das hat aber mit Stilus' Frage nix zu tun, soweit ich sehe.
Das hier vermutlich schon eher: http://de.wikipedia.org/wiki/Einsegnungsgottesdienst

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Lioba
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Lioba » Freitag 1. Oktober 2010, 19:31

Benedikts Antwort trifft es nicht ganz, denn die Regelung, dass nur die standesamtliche Trauung vor dem Staat gültig ist, betrifft nicht alle Länder und ist auch hier erst durch Napoleon eingeführt worden.
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Clemens » Freitag 1. Oktober 2010, 19:36

Ähm neeh,
der Napoleon hieß im allergrößten Teil Deutschlands Bismarck, bzw. Willi eins und hat diese Tat 1875 begangen (Kulturkampf).
Von allen Gottesgaben ist die Intelligenz am gerechtesten verteilt. Jeder ist zufrieden mit dem, was er hat und freut sich sogar, dass er mehr hat, als die anderen.

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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Lioba » Freitag 1. Oktober 2010, 19:38

Nene, Napoleon hatte das in den besetzten Gebieten schon mal vorher angeleiert. :neinfreu:
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Benedikt » Freitag 1. Oktober 2010, 19:49

Benedikts Antwort trifft es nicht ganz, denn die Regelung, dass nur die standesamtliche Trauung vor dem Staat gültig ist, betrifft nicht alle Länder und ist auch hier erst durch Napoleon eingeführt worden.
Deswegen spricht man in anderen Ländern, wo die staatliche Registrierung der Ehe in der Kirche vorgenommen wird, auch nicht von einem Einsegnungsgottesdienst. In Deutschland wird die Ehe jedoch vor dem Standesamt geschlossen - sie ist laut Luther ja ein weltlich Ding - und in der Kirche nur noch "eingesegnet".
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Lioba » Freitag 1. Oktober 2010, 21:20

Benedikt, es ging mir darum, dass die Aussage von der bereits standesamtlich geschlossenen Ehe nicht verallgemeinert werden darf- in Ländern mit anderen Gesetzen wird sie durchaus erst in der Kirche geschlossen.
Was das weltlich Ding angeht, so gab es dazu schon eine Metadiskussion. Im Übrigen sehen viele konservative Evangelische aus verschiedenen Gemeinden die standesamtliche Ehe als eine Pflicht- etwas das der weltliche Regierung geschuldet ist, während die kirchliche Trauung bzw. die vor der Gemeinde für sie viel wichtiger ist.
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Stilus » Freitag 1. Oktober 2010, 21:41

...also ist dann die evangelische Kirche der Auffassung, dass 1. Mose II.22-25

22 Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. 23 Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. 24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch. 25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht.


nicht eine von Gott in der Schoepfung angelegte Ehe meint - also etwas, was direkt von Gott impliziert wurde, als er den Menschen als zweihaeusig zweigeschlechtliches Wesen schuf (um es botanisch auszudruecken)???

Oder geht es darum, die israelische Polygamie* nicht kirchlich zu foerdern, die ja deutlich im AT dargestellt wird?


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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Lioba » Freitag 1. Oktober 2010, 21:47

Nee, Stilus- das nun nicht. Vorschlag - wir überlassen die Erklärung unseren Theologen, wobei da schon mal was von Marcus verlinkt wurde.
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Christiane » Freitag 1. Oktober 2010, 22:01

Jetzt wollte ich schon zum zweiten Mal statt "Ehen" "Eltern" lesen.
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Lioba
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Lioba » Freitag 1. Oktober 2010, 22:08

Auch gut! :breitgrins:
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Stephen Dedalus » Freitag 1. Oktober 2010, 22:21

Ich kenne diese Formulierung auch. Sie geht m. E. auf die Tatsache zurück, daß die Ehe nicht durch den Pfarrer zustande kommt, sondern durch das gegenseitige Eheversprechen der Eheleute. Der Pfarrer kann die so entstandene Ehe nur "einsegnen". Auch nach katholischem Verständnis spenden sich die Eheleute das Sakrament ja gegenseitig, es wird ihnen nicht durch den priesterlichen Segen zuteil.
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von cantus planus » Freitag 1. Oktober 2010, 22:27

Der Begriff wird bei Protestanten tatsächlich anders verwendet. Hier im Forum gab es mal Sr. Meike, die auch eingesegnet war, nämlich in einer Kommunität.
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

Stephen Dedalus
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Stephen Dedalus » Freitag 1. Oktober 2010, 23:13

Auch die Konfirmation wird als "Einsegnung" bezeichnet.
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obsculta
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von obsculta » Freitag 1. Oktober 2010, 23:14

cantus planus hat geschrieben:Der Begriff wird bei Protestanten tatsächlich anders verwendet. Hier im Forum gab es mal Sr. Meike, die auch eingesegnet war, nämlich in einer Kommunität.

Ich bin auch eingesegnet worden,zu meiner Konfirmation.

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Clemens
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Clemens » Samstag 2. Oktober 2010, 12:16

Clemens hat geschrieben:Doch, das kann sie so sagen.

Wir segnen ein: Konfirmanden, Ehepaare.
Wir segnen aus: Tote (vor der Beerdigung).

Das schrieb ich gestern schon (um 19:28 Uhr MESZ).
Ihr wiederholt mich. :breitgrins:

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Marcus
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Marcus » Samstag 2. Oktober 2010, 12:53

Ich empfehle zum Thema Luthers Traubüchlein:
http://www.glaubensstimme.de/doku.php?i ... ubuechlein

Dass die Ehr zwischen Mann und Frau ein göttlicher Stand ist, wird nicht in Abrede gestellt. Nicht das Brautpaar schließt einander die Ehe. Vielmehr wird sie durch den berufenen Diener Gottes (Pfarrer) nach den Eheversprechen verbindlich geschlossen. Aus der darin enthaltenen Trauungsliturgie kann jedenfalls Luthers Eheverständnis herausgelesen werden.

Es gab übrigens genug lutherische Pastoren, welche die Ehe vor dem Standesbeamten (Zivilehe) ablehnten. Das führte gar zu einem Schisma und der Gründung altlutherischer Gemeinden in Hannover. Als Beispiel wäre hier Pastor Theodor Harms zu nennen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Harms

Zu Luthers Traubüchlein und der Handhabung in der SELK hat sich auch Pfr. Dr. Martens ausführlich geäußert:

http://www.lutherisch.de/index.php?opti ... &Itemid=4
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Stilus » Samstag 2. Oktober 2010, 13:31

:) Danke fuer Eure Antworten, aber eine komische Konotation im Katholbreich des Vermis funkt da schon ein schiefes Grinsen auf die Lippen...
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Lioba
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Lioba » Samstag 2. Oktober 2010, 13:50

Theologische Anmerkung: ich weiss nicht, ob es eine römische Lehraussage gibt, wo in der menschlichen Anatomie die Katholizität zu verorten ist, die Evangelizität ist jedoch mit Gewissheit nicht im sog. Reptiliengehirn angesiedelt.
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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von ad-fontes » Sonntag 3. Oktober 2010, 00:44

Lioba hat geschrieben:Theologische Anmerkung: ich weiss nicht, ob es eine römische Lehraussage gibt, wo in der menschlichen Anatomie die Katholizität zu verorten ist.
In den Knien, wo sonst! :patsch:




















(Scherz, Lioba. :huhu: Und alles Gute zum Namenstag nachträglich!
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Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Evangelische Ehen werden "eingesegnet"???

Beitrag von Lioba » Sonntag 3. Oktober 2010, 18:07

:kugel: Danke für die Anatomiestunde und die Blumen!
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