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Preußen zwischen Toleranzedikt und Kulturkampf
Verfasst: Donnerstag 9. September 2010, 18:35
von Stephen Dedalus
Da in allen möglichen Strängen immer wieder die Frage nach der Haltung Preußens in religiösen Fragen auftaucht, möchte ich einen eigenen Strang dafür eröffnen. Die ersten 7 Beiträge wurden aus der Diskusssion um die preußischen Tugenden hierhin verschoben.
Lutheraner hat geschrieben:Amandus2 hat geschrieben:Die Grundlage dieser Tugenden in Preußen waren jedoch einerseits der "Hofcalvinismus", andererseits die Aufklärung, die eine große religiöse Toleranz zuließ.
Die orthodoxen Lutheraner wurden in Preußen lange verfolgt.
So jedenfalls entspricht es den Gründungsmythen der SELK.

Re: Protestantisch-preußische Tugenden
Verfasst: Freitag 10. September 2010, 09:38
von Florianklaus
Stephen Dedalus hat geschrieben:Lutheraner hat geschrieben:Amandus2 hat geschrieben:Die Grundlage dieser Tugenden in Preußen waren jedoch einerseits der "Hofcalvinismus", andererseits die Aufklärung, die eine große religiöse Toleranz zuließ.
Die orthodoxen Lutheraner wurden in Preußen lange verfolgt.
So jedenfalls entspricht es den Gründungsmythen der SELK.

Wieso bezeichnest Du das als einen Mythos? Die Unterdrückung der unionsunwilligen Lutheraner unter Friedrich-Wilhelm III. ist doch eine historische Tatsache.
Re: Protestantisch-preußische Tugenden
Verfasst: Freitag 10. September 2010, 09:54
von Stephen Dedalus
Mythen müssen nicht falsch sein. Es können auch Tatsachen sein, die in der Tradierung einer bestimmten Gruppe eine ganz bestimmte Funktion übernehmen. Dazu gehört die gar schröckliche Verfolgung der rechtgläubigen Lutheraner in Preußen. Das eignet sich dann auch gut für die Sonntagsschulen.

Re: Protestantisch-preußische Tugenden
Verfasst: Freitag 10. September 2010, 10:03
von Allons
Stephen Dedalus hat geschrieben:Es können auch Tatsachen sein, die in der Tradierung einer bestimmten Gruppe eine ganz bestimmte Funktion übernehmen. Dazu gehört die gar schröckliche Verfolgung der rechtgläubigen Lutheraner in Preußen. Das eignet sich dann auch gut für die Sonntagsschulen.

Lutherbeck, bitte einmal Sedativa fürn Bischof aufziehen lassen..

Prost Monsignore

Re: Protestantisch-preußische Tugenden
Verfasst: Freitag 10. September 2010, 11:26
von Florianklaus
Stephen Dedalus hat geschrieben:Mythen müssen nicht falsch sein. Es können auch Tatsachen sein, die in der Tradierung einer bestimmten Gruppe eine ganz bestimmte Funktion übernehmen. Dazu gehört die gar schröckliche Verfolgung der rechtgläubigen Lutheraner in Preußen. Das eignet sich dann auch gut für die Sonntagsschulen.

Angesichts der damaligen Ereignisse und ihrer Folgen finde ich Deine Ausdrucksweise hier etwas zu salopp.
Re: Protestantisch-preußische Tugenden
Verfasst: Freitag 10. September 2010, 11:42
von Stephen Dedalus
Florianklaus hat geschrieben:Stephen Dedalus hat geschrieben:Mythen müssen nicht falsch sein. Es können auch Tatsachen sein, die in der Tradierung einer bestimmten Gruppe eine ganz bestimmte Funktion übernehmen. Dazu gehört die gar schröckliche Verfolgung der rechtgläubigen Lutheraner in Preußen. Das eignet sich dann auch gut für die Sonntagsschulen.

Angesichts der damaligen Ereignisse und ihrer Folgen finde ich Deine Ausdrucksweise hier etwas zu salopp.
Das kommt immer drauf an, welche Seite man sich ansieht. Ich habe mich vor Jahren einmal in die Konflikte zwischen dem reformierten Herrscherhaus und der orthodox-lutherischen Partei in Kurbrandenburg eingearbeitet. Viele Details sind mir da nicht mehr erinnerlich, aber Verhalten und Positionen der lutherischen "Orthodoxen" waren häufig nicht weniger abstoßend und fragwürdig wie die der Regierungspartei. Wenn auch echte Gewissensnöte eine Rolle gespielt haben mögen, so war doch auch ein gerüttelt Maß an Dickköpfigkeit und menschlicher Eitelkeit dabei, verbunden mit einem Mangel an christlicher Nächstenliebe.
Re: Protestantisch-preußische Tugenden
Verfasst: Freitag 10. September 2010, 11:53
von Florianklaus
Stephen Dedalus hat geschrieben:Florianklaus hat geschrieben:Stephen Dedalus hat geschrieben:Mythen müssen nicht falsch sein. Es können auch Tatsachen sein, die in der Tradierung einer bestimmten Gruppe eine ganz bestimmte Funktion übernehmen. Dazu gehört die gar schröckliche Verfolgung der rechtgläubigen Lutheraner in Preußen. Das eignet sich dann auch gut für die Sonntagsschulen.

Angesichts der damaligen Ereignisse und ihrer Folgen finde ich Deine Ausdrucksweise hier etwas zu salopp.
Das kommt immer drauf an, welche Seite man sich ansieht. Ich habe mich vor Jahren einmal in die Konflikte zwischen dem reformierten Herrscherhaus und der orthodox-lutherischen Partei in Kurbrandenburg eingearbeitet. Viele Details sind mir da nicht mehr erinnerlich, aber Verhalten und Positionen der lutherischen "Orthodoxen" waren häufig nicht weniger abstoßend und fragwürdig wie die der Regierungspartei. Wenn auch echte Gewissensnöte eine Rolle gespielt haben mögen, so war doch auch ein gerüttelt Maß an Dickköpfigkeit und menschlicher Eitelkeit dabei, verbunden mit einem Mangel an christlicher Nächstenliebe.
Darum geht es doch hier gar nicht, sondern um die Einführung der Union und ihre zwangsweise Durchsetzung. Lutheraner wurden durch Soldaten aus ihren Kirchen getrieben und zur Auswanderung gezwungen, wenn sie ihrem Bekenntnis treu bleiben wollten.
Preußen zwischen Toleranzedikt und Kulturkampf
Verfasst: Freitag 10. September 2010, 12:00
von Lioba
Mod.-Hinweis. Dieses Thema berührt sowohl religiöse als auch politische Fragen, ich bitte jedoch darum, den Schwerpunkt auf den religiösen Bereich zu legen und die Politik nur soweit hineinzubringen als es zum Verständnis notwendig ist.
Re: Protestantisch-preußische Tugenden
Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 19:59
von Allons
Florianklaus hat geschrieben: Lutheraner wurden durch Soldaten aus ihren Kirchen getrieben und zur Auswanderung gezwungen, wenn sie ihrem Bekenntnis treu bleiben wollten.
Da ich keine theologischen Einzelheiten des Falles diskutieren kann wieder zum politischen

Nun ja, freilich ist das ganze, soweit es sich mir aus wikipedia und lutherisch-berlin erschließt, bedauerlich. Deine Schilderung ist auch soweit korrekt, bloß dass die Rollen vertauscht sind: Die Soldaten wollten in die Kirche und die Leute standen draussen und wollten sie nicht reinlassen. Es wurde also keine Witwen und Waisen von geweihten Altären an die Landesgrenzen gerissen wie Deine Schilderung nahelegt. Soweit offensichtlich ein Einzelfall, wenigstens nennt lutherisch-berlin keinen weiteren.
Alles in allem offensichtlich nichts was den unierten Kirchen heutzutage die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste denke ich. Grüße, Allons!
Re: Preußen zwischen Toleranzedikt und Kulturkampf
Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 21:30
von Florianklaus
Dann solltest Du Dich einmal etwas intensiver mit dem Thema beschäftigen. Immerhin hat sich die EKU bei den Altlutheranern für die erlittene Bedrückung und Verfolgung entschuldigt.
Re: Preußen zwischen Toleranzedikt und Kulturkampf
Verfasst: Montag 13. September 2010, 04:04
von Allons
Wie ich schrob: bedauerlich. Um so besser wenn sich die EKU entschuldigt hat. Schön wenn ich die Zeit hätte mich da mal einzuarbeiten. Grüße, Allons!
Re: Preußen zwischen Toleranzedikt und Kulturkampf
Verfasst: Montag 13. September 2010, 09:26
von Lutheraner
Stephen Dedalus hat geschrieben:Da in allen möglichen Strängen immer wieder die Frage nach der Haltung Preußens in religiösen Fragen auftaucht, möchte ich einen eigenen Strang dafür eröffnen. Die ersten 7 Beiträge wurden aus der Diskusssion um die preußischen Tugenden hierhin verschoben.
Lutheraner hat geschrieben:Amandus2 hat geschrieben:Die Grundlage dieser Tugenden in Preußen waren jedoch einerseits der "Hofcalvinismus", andererseits die Aufklärung, die eine große religiöse Toleranz zuließ.
Die orthodoxen Lutheraner wurden in Preußen lange verfolgt.
So jedenfalls entspricht es den Gründungsmythen der SELK.

Das ist keine Mythos, sondern eine historische Realität. Du solltest dich erst einmal mit dem Thema beschäftigen, bevor du darüber zu diskutieren versuchst.