Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
Stephen Dedalus
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben:...Stiftskirche Stuttgart... ist der wöchentliche Abendmahlsgottesdienst üblich.
In der Stiftskirche Stuttgart wird Abendmahl höchstens viermal im Jahr im Sonntagsgottesdienst gefeiert (Karfreitag, Pfingsten, Ostern, Weihnachten). Der Normalfall dort ist der Predigtgottesdienst.
Abendmahl findet wöchentlich am Samstagabend in einer Abendandacht statt, aber nicht sonntags. Eine ganz merkwürdige Regelung, die mich immer sehr irritiert hat, zumal die Kirche vom Bekenntnis her lutherisch ist.

In Hamburg allerdings ist in vielen Gemeinden der Sonntagsgottesdienst ein Abendmahlsgottesdienst.
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Bischof
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Bischof »

Nunja, die Evangelische Kirche Würtemberg ist stark vom Pietismus geprägt, Bengel und Co. Der Piet Kong konnte damals und kann heute kaum etwas mit dem Abendmahl anfangen. In der Tat wird an den unierten Berliner Hauptkirchen, wie Dom, Marienkirche, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche etc. das Mahl sonntäglich gefeiert. Anders sieht es aus, wenn man sonst durch die Union surft - mal die Kirchenkreise anklicken und dann auf die normalo Gemeinden. Da schauts dann schon teilweise anders aus. Aber Berlin ist ja stock uniert. Wenn man z.B. bei google lutherische Kirche Berlin eingibt, sucht Landeskirche vergeblich.

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Florianklaus
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Florianklaus »

Bischof hat geschrieben:Nunja, die Evangelische Kirche Würtemberg ist stark vom Pietismus geprägt, Bengel und Co. Der Piet Kong konnte damals und kann heute kaum etwas mit dem Abendmahl anfangen. In der Tat wird an den unierten Berliner Hauptkirchen, wie Dom, Marienkirche, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche etc. das Mahl sonntäglich gefeiert. Anders sieht es aus, wenn man sonst durch die Union surft - mal die Kirchenkreise anklicken und dann auf die normalo Gemeinden. Da schauts dann schon teilweise anders aus. Aber Berlin ist ja stock uniert. Wenn man z.B. bei google lutherische Kirche Berlin eingibt, sucht Landeskirche vergeblich.

"Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche", das ist wirklich eine völlig unmögliche Benennung für ein Gotteshaus!

Bischof
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Bischof »

Jepp. Aber so ist die Union. Das neue Gebäude ist genauso unmöglich wie der Name. Nach dem Krieg zwar schwer beschädigt, hätte man es in etwa wieder so aufbauen können. Aber was hat die Union getan: Ein modernes Bauwerk. In meinen Augen nicht schön - aber über Geschmack lässt sich ja....

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Lioba
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Lioba »

Dabei habe ich gerade heute Mittag im Nachbarstrang eine Tube von selbiger Kirche verlinkt.
http://www.youtube.com/watch?v=DaA2rtIQUHY
Zumindest kriegt man von den Glasfenstern keine Netzhautablösung.
Allerdings bekomme ich in diesen komischen ei- und wabenförmigen Gebäuden Platzangst. Ich mag lieber kirchenförmige Kirchen. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, sollte ein ordentliches Langschiff besitzen.
Wenn ichs eng, aber gemütlich haben will, gehe ich in die Kneipe.
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Allons
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Allons »

KWG ist von innen gesehen schon nicht so schlecht. Die sieht von innen nach aussen besser aus als von aussen nach innen gesehen. Für eine Kirche ist das ein Vorteil imhho :breitgrins: Der Volksmund hat ja gleich "Lippenstift & Puderdose" draus gemacht.

Grüße, Allons!

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SpaceRat
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von SpaceRat »

Clemens hat geschrieben:
SpaceRat hat geschrieben:
Evagrios Pontikos hat geschrieben:Bis auf wenige Gemeinden in der EKD ist der Predigtgottesdienst die Regel und der Vollgottesdienst mit Wort und Sakrament die (maximal monatliche) Ausnahme.
Das "maximal" ist zuviel. Monatlich ist die Regel, mit der Ausnahme von Bayern, dort gibt es wohl auch häufigere Abendmahlsfeiern.
Weniger als monatlich kenne ich nicht einmal aus der Ecke des Rheinlandes, die stark von der niederländischen Seite aus reformiert geprägt ist.
Ich kenne EKD-Gemeinden, in denen das Abendmahl an Karfreitag, Buß- und Bettag und Silvester gefeiert wird und wo ein Mehr als überflüssig abgelehnt wird.
Aber das sind (inzwischen) sicher Ausnahmen.
Ich kenne eine, die ist noch fetter.

In der Kölner Antoniter-Kirche finden diesen Monat 5 Abendmahlsfeiern statt, davon eine unter Leitung des Großneffen meines Avatars.
Im Februar waren es nur 4, ebenfalls u.a. unter/mit Pfr. Bonhoeffer.
So what?

Es wird mit Sicherheit immer Extreme der einen oder anderen Art geben und da zählen sowohl "weniger als monatlich", als auch "öfter als 1-2x im Monat" dazu.
Jedenfalls finde ich "maximal monatlich" deplaziert, weil es suggeriert, daß monatlich schon das Extrem in die eine Richtung wäre, was einfach Blödsinn ist.

Da ich Kirchen als POI für Navis "sammle" und dabei nach Möglichkeit auch den regelmäßigen GoDi-Termin - mit Angaben zur Feier des Abendmahls - erfasse, kann ich sagen, daß 1x monatlich die Regel ist, soweit diese Angaben halbwegs auffindbar waren.

Wobei man zur Not durch "Springen" auch (fast) wöchentlich Abendmahl feiern kann:
1. Sonntag Alsdorf oder Broichweiden oder Setterich oder Siersdorf
2. Sonntag Baesweiler oder H'rath oder H'rath/Merkstein oder Übach-Palenberg (2x)
4. Sonntag H'rath/Kohlscheid

Ich sehe da nicht so sehr das Drama drin, die meisten dieser Gemeinden sind eh durch Ausgemeindungen auseinander entstanden. Eine gewisse Distanz (Ein Radius von ca. 10km) ergibt sich dadurch, daß wir hier mit gerade mal ca. 15% Bevölkerungsanteil in der Minderheit sind, wo es mehr Evangelische gibt, sinkt der Radius natürlich (Und der für Römer steigt).
Katholiken aus dem Bekanntenkreis springen auch, nur bei denen abhängig davon, zu welcher Zeit man sich aus dem Bett bequemen will. Deren 4 am nächsten liegenden Gemeinschaftshäuser ("Kirchen") liegen hier zwar dem Bevölkerungsanteil entsprechend auch im selben Ort, gehören aber auch nur durch Priester- und Geldmangel erst seit diesem Jahr zu einer Gemeinde, vorher war's formal genauso eine Springerei zwischen Gemeinden.
Alles nix im Vergleich dazu, wie weit es Alt-Katholiken (Von hier: ca. 20km) oder SELKies (ca. 20km bis zu einem 1x monatlich bedienten Gottesdienstort, 60-70km bis zum "Sitz" der eigentlichen Gemeinde) haben.

Problematisch ist da schon eher die Ausgestaltung der Abendmahlsfeier und/oder die dahinterstehenden "Intention", die kann nämlich auch bei einem Pfarrer mit lutherischem Beffchen hier durchaus sehr (krypto-)calvinistisch sein.
Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert.

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Lutheraner
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Lutheraner »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:In den normalen Kirchen landauf, landab wird maximal monatlich das Hl. Abendmahl gefeiert. Es ist zu beachten, dass an den von Dir genannten Kirchen einerseits keine "normale" Gottesdienstgemeinde da ist. In diesen City-Kirchen gibt es faktisch keine Parochiegemeindem mehr.
Das stimmt. Das sind meist implizit oder explizit Personalgemeinden (wie der Berliner Dom).
Evagrios Pontikos hat geschrieben: Und zum anderen finden an diesen Kirchen viele verschiedene Gottesdienste statt, oft sogar mehrere am Sonntag. Wenn dort tatsächlich jeden Sonntag Abendmahlsgottesdienst ist, dann erklärt es sich vor allen aus diesen Eigenarten. Aber normal im Sinne von "in normalen Kirchengemeinden" ist das nicht. Du wirst kaum in Kleinstädten wöchentliche Abendmahlsfeiern in einer Kirche finden, schon gar nicht auf dem Dorf.

Eben habe ich mal kurz zwei Deiner Beispiele nachgeschaut:

Berliner Dom: 10 Uhr Abendmahlsgottesdienst, 18 Uhr Predigtgottesdienst.
Hamburger Michel: Der sonntägliche Hauptgottesdienst scheint die Evang. Messe zu sein.
Stiftskirche Stuttgart: Der nächste Abendmahlsgottesdienst nach Karfreitag ist dort, wenn ich recht sehe, am 23. Mai, also in über einem Monat!
In der Stiftskirche gibt es jeden Samstag Abend einen Abendmahlsgottesdienst. Das ist zwar ein ungewöhnlicher aber trotzdem wöchentlicher Termin.
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

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Lutheraner
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Lutheraner »

Florianklaus hat geschrieben:
Bischof hat geschrieben:Nunja, die Evangelische Kirche Würtemberg ist stark vom Pietismus geprägt, Bengel und Co. Der Piet Kong konnte damals und kann heute kaum etwas mit dem Abendmahl anfangen. In der Tat wird an den unierten Berliner Hauptkirchen, wie Dom, Marienkirche, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche etc. das Mahl sonntäglich gefeiert. Anders sieht es aus, wenn man sonst durch die Union surft - mal die Kirchenkreise anklicken und dann auf die normalo Gemeinden. Da schauts dann schon teilweise anders aus. Aber Berlin ist ja stock uniert. Wenn man z.B. bei google lutherische Kirche Berlin eingibt, sucht Landeskirche vergeblich.

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Das ist richtig. Aber jede Denomination hat da so ihre Altlasten.
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cantus planus
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von cantus planus »

Was ist an einem Benediktinerkloster verwerflich? Oder an einem Monument zu Ehren des Heiligen Kreuzes? Ich nehme an, dass der Aufmarschplatz ja nicht vom Kloster genutzt wird.
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Bernado
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Bernado »

cantus planus hat geschrieben:Was ist an einem Benediktinerkloster verwerflich? Oder an einem Monument zu Ehren des Heiligen Kreuzes? Ich nehme an, dass der Aufmarschplatz ja nicht vom Kloster genutzt wird.
Denen, die die Spanische "Republik" der 30er Jahre für eine Republik halten, ist alles verwerflich, was an deren Terrorregime erinnert. Insbesondere natürlich, daß die Kirche inzwischen Hunderte von Martyrern dieser epoche zu Seligen erklärt hat.

Schrieb die TAZ am 23. 10.2007:
Doch die Seligsprechung, an der Papst Benedikt XVI und über 70 spanische Bischöfe teilnehmen werden, hat einen Schönheitsfehler: Alle Märtyrer unterstützten den Putschisten und späteren Diktator General Francisco Franco und wurden von linken Milizen umgebracht, die die verfassungsmäßige Ordnung der Zweiten Republik verteidigten.
Beim Verteidigen einer angebl. Republik kommt es auf ein paar Hundert ermorderte Priester und Nonnen nun wirklich nicht an.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Lutheraner
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Lutheraner »

cantus planus hat geschrieben:Was ist an einem Benediktinerkloster verwerflich? Oder an einem Monument zu Ehren des Heiligen Kreuzes?
Der Name des Bauwerkes ist politisch motiviert, genauso wie bei der "Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche".
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ad-fontes
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von ad-fontes »

Im katholischen Kalender finden (fanden) sich ja auch Feste, die sich dem Sieg über die Türken verdanken.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Niels
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Niels »

ad-fontes hat geschrieben:Im katholischen Kalender finden (fanden) sich ja auch Feste, die sich dem Sieg über die Türken verdanken.
Exakt: Etwa das Rosenkranzfest am 7. Oktober zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz. :ja:
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Siard
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Siard »

ad-fontes hat geschrieben:Im katholischen Kalender finden (fanden) sich ja auch Feste, die sich dem Sieg über die Türken verdanken.
und natürlich Maria Tür..., äh... Mariä Namen! Besonders für die Befreiung Wiens aus der Umklammerung 1683.

Achtung: gehört nicht zum Thema

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ad-fontes
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von ad-fontes »

Nicht zu vergessen: Verklärung des Herrn (6. August) zur Feier des Sieges über die Türken bei Belgrad (1457 in den röm. Kalender aufgenommen).
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

Allons
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Allons »

Man hat ja 1933-45 einige Marienfeste anlaßbezogen umbenannt:

- Maria Denunziata
- Mariä Hausdurchsuchung
- Mariä Gefängnis

:breitgrins:

Dieter
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Dieter »

Bischof hat geschrieben:Nunja, die Evangelische Kirche Würtemberg ist stark vom Pietismus geprägt, Bengel und Co. Der Piet Kong konnte damals und kann heute kaum etwas mit dem Abendmahl anfangen. In der Tat wird an den unierten Berliner Hauptkirchen, wie Dom, Marienkirche, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche etc. das Mahl sonntäglich gefeiert. Anders sieht es aus, wenn man sonst durch die Union surft - mal die Kirchenkreise anklicken und dann auf die normalo Gemeinden. Da schauts dann schon teilweise anders aus. Aber Berlin ist ja stock uniert. Wenn man z.B. bei google lutherische Kirche Berlin eingibt, sucht Landeskirche vergeblich.


Mal etwas zur unierten Kirche von Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO):

Diese Kirche ist laut Grundordnung eine "Kirche der lutherischen Reformation".

In ihr sind lutherische, reformierte und unierte Gemeinden zu einer Verwaltungs(!)union zusammengeschlossen. Es handelt sich also nicht um eine Konsensunion wie etwa in der Pfalz oder in Baden. Die Gemeinden mit den verschiedenen Bekenntnisständen existieren weiterhin nebeneinander her, haben aber eine gemeinsame Kirchenleitung/-verwaltung.

Zu den Zahlen:

Es gibt in der gesamten Landeskirche etwa 1.000 Reformierte, somit sind weniger als 1 % der Mitglieder der EKBO reformiert. Sie sind in einem reformierten Kirchenkreis zusammengeschlossen.

Darüber hinaus gibt es lediglich zwei(!) bekenntnisunierte Gemeinden. Eine davon ist der Berliner Dom, die andere ist mir nicht bekannt, es läuft aber zur Zeit eine Anfrage beim Konsistorium (vielleicht kennt jemand hier diese zweite bekenntnisunierte Gemeinde in der EKBO).

ALLE anderen Gemeinden haben den lutherischen Bekenntnisstand. In ihnen gilt also der Kleine Katechismus Luthers.

Somit kann man bei der EKBO von einer -ganz überwiegend- lutherischen Landeskirche sprechen.

Fragesteller
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Fragesteller »

Ich weiß nicht, ob die Zahlen hier so aussagekräftig sind. Keine (!) der mir bekannten Berliner eigentlich lutherischen Kirchen weist sich auf Schildern o. ä. als "lutherisch" aus, und ein lutherisches Predigen oder Tun im Gottesdienst ist (je nachdem, welche Kriterien du ansetzt) zumindest selten.

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umusungu
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von umusungu »

Ich denke, allle evangelischen Kirchen auf dem Gebiet des ehemaligen Preußen sind unierte Kirche seit der königlichen Union vom 27. September 1817.

Fragesteller
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Fragesteller »

Naja, das stimmt schon, aber Dieter schrieb ja, dass es sich bei der dabei um eine reine Verwaltungsunion handelt, d. h. lutherische und reformierte Gemeinden blieben im Prinzip, was sie waren, unterstellten sich aber einer gemeinsamen Kirchenleitung. Darum ging es bei dieser königlichen Union (später kam eine gemeinsame Liturgie hinzu, was zu Streit führte). Wenn Dieters Zahlen stimmen, müssten auch die allermeisten Neugründungen nach dem Zeitpunkt der Union eigentlich lutherischen Bekenntnisstand haben. Man müsste aber im Einzelfall sehen, wie die tatsächliche Situation diesem Schema "Verwaltungsunion" entspricht. Für Berlin, meinte ich oben, ist ein darüber hinausgehendes Maß an "Union" festzustellen.

Fragesteller
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Fragesteller »

Clemens hat geschrieben:Matthias von Jagow 1525-44 Bischof von Brandenburg, aber ebenso wie sein Nachfolger
Joachim v.Münsterberg (1545-60 Bischof von Brandenburg) offenbar nicht geweiht.
Woher kommt Dein Wissen, dass Jagow kein geweihter Bischof gewesen sei? Ich glaube irgendwo einmal recherchiert zu haben, dass feststehe, dass dies zum einem gewissen Stichtag vor 1540 nicht geschehen sei.
Die kurbrandenburgische Kirchenordnung von 1540, die die Einführung der Reformation markiert, scheint recht eindeutig zu belegen, dass er zu diesem Zeitpunkt geweihter Bischof war. Er wird dort sozusagen zum landeskirchliche Ordinationsbeauftragten erklärt. Die entsprechende Stelle (1) argumentiert u. a. mit Hieronymus: Zu Anfang sei kein Unterschied zwischen Priestern und Bischöfen gewesen, folglich könnten auch Priester ordinieren (die Ordinationspraxis in anderen Territorien sei also nicht prinzipiell verwerflich), andererseits sei es der Einheit der Kirche förderlich, wenn ein Priester zur "Superattendenz" und zum Bischofsamt "erwelet vnd erhöhet" werde. Schon nach diese Logik muss Matthias von Jagow mindestens geweihter Priester sein, und da es parallel zu ihm bereits einen per Verwaltungsakt "erhöhten" Superintendenten, Jacob Stradtner, gibt, der aber nicht ordiniert, scheint die hier angesprochene "Erhöhung" tatsächlich eine Bischofsweihe zu meinen.
Später wird das noch expliziter. In seinem Bestätigungsschreiben, dass der Kirchenordnung angehängt ist, verweist der Bischof auf seine Verpflichtung, auf die reine Lehre zu achten, die in seiner Weiheliturgie durch die Überreichung und Auflegung des Evangelienbuchs versinnbildlicht worden sei. (2) Eine solche Zeremonie gibt es doch nur bei der Bischofsweihe, oder?

-- Die These von der Notordination wird dennoch implizit bestätigt, insofern die rein priesterliche Ordination in den anderen evangelischen Territorien damit gerechtfertigt wird, dass man die Ordination durch den Bischof "on beschwerung der gewissen [...] nicht hat haben mögen". (3) Ob nun die angesprochene "Beschwerung" die Gewissensbisse wegen einer Weihe durch einen Papistenbischof meint oder vielmehr die dem Gewissen der Ordinanden durch diesen Bischof üblicherweise zu Unrecht auferlegten Verpflichtungen (Zölibat v. a.) möge ein mit der reformatorischen Terminologie Vertrauterer entscheiden, ich habe den Eindruck, dass letzteres gilt.

[...](Hat jemand eine Idee, was mit den Links schiefgelaufen ist?) @SpaceRat: Danke für den Tipp! So sieht es in der Tat sogar besser aus als eigentlich beabsichtigt.
Zuletzt geändert von Fragesteller am Montag 28. Oktober 2013, 23:51, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von SpaceRat »

Fragesteller hat geschrieben: (1) http://dfg-viewer.de/show/?set%5Bimage% ... 2_mets.xml
(2) http://dfg-viewer.de/show/?set%5B1image ... 2_mets.xml[/size]
(Hat jemand eine Idee, was mit den Links schiefgelaufen ist?)
Yepp.
Square Brackets ( Also "[" und "]") sind normalerweise 'web safe', werden also innerhalb URIs nicht in Entitäten umgewandelt. Da aber BBCode dieselben Brackets für sich verwendet, dürfen die darin nicht vorkommen. BBCode sucht in Deiner Variante z.B. das Ende des "image"-Blocks und findet es nicht, jedenfalls nicht vor dem Ende des "url"-Blocks.

Ich hab's mal korrigiert.

Tip:
Schöner ist diese Verwendung von URL:

Code: Alles auswählen

[url=<Link-Adresse>]<Link-Beschreibung>[/url]
Also z.B.

Code: Alles auswählen

[url=www.google.de]Google-Suche[/url]
mit diesem Ergebnis
Google-Suche
statt des doch eher häßlichen
http://www.google.de
Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert.

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Clemens
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Re: Evangelisch gewordene katholische Bischöfe:

Beitrag von Clemens »

Wikipedia (Artikel zur Person) schreibt: "Er stammte aus dem alten Adelsgeschlecht der von Jagow aus der Altmark, studierte Theologie und Jurisprudenz und wurde unter anderem Propst des Benediktinerinnenklosters zu Spandau. 1527 wurde Jagow als Nachfolger entschiedener Gegner Martin Luthers (Hieronymus Schulz und Dietrich V. von Hardenberg) zum Bischof von Brandenburg gewählt. Die päpstliche Bestätigung der Wahl wurde im Jahr 1532 mit der Auflage gewährt, die fehlenden Weihen nachzuholen. Dieser Forderung kam Jagow, der nur die Weihe zum Subdiakon empfangen hatte, jedoch nicht nach.
Obwohl von der Notwendigkeit kirchlicher Reformen überzeugt, begnügte er sich doch bei Lebzeiten des reformfeindlichen Kurfürsten Joachim I. mit der Abstellung von Missbräuchen und der Besserung des Klerus. Als einflussreichster Ratgeber Joachims II. bewog er diesen zum Übertritt zur lutherischen Reformation, reichte ihm am 1. November, dem Berliner Magistrat am 2. November 1539 das Abendmahl in beiderlei Gestalt und leitete 1541 die erste Kirchenvisitation in der Mark, woraus die Reformation durchgeführt wurde; auch verheiratete er sich 1541. Dem Bergfried seiner Residenz Burg Ziesar ließ er um 1535 als Zeichen für die kirchlichen Nutzung der Burg die sogenannte Bischofsmütze aufsetzen. Er starb 1544 in Ziesar."

Worauf sich diese Darstellung stützt, haben ich nicht recherchiert.

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