Gerhard Tersteegen

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
GeorgBln
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Gerhard Tersteegen

Beitrag von GeorgBln » Sonntag 20. September 2009, 08:10

Gerhard Tersteegen, (1697-1769), deutscher Theologe, niederrheinischer Prediger, Seelsorger, Schriftsteller, bedeutender Kirchenlieddichter und einziger Mystiker des reformierten Pietismus. (Wikipedia)
Bild
Hinweis: Bild durch Mod. hinzugefügt
Tersteegen verband in einzigartiger Weise zwei christliche Richtungen, die von unserem Verständnis her kaum in Einklang gebracht werden können: Das Christentum in seiner reformierten/calvinistischen Tradition und die Verehrung der katholischen Heiligen.

Er selbst wurde auch schon einmal als der "einzige Heilige der Reformierten Kirche" bezeichnet....Jedenfalls ist seine Spiritualität auch heute noch unzähligen evangelischen und katholischen Christen eine Lebenshilfe.

http://www.heiligenlexikon.de/Biographi ... teegen.htm

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Edi
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Edi » Sonntag 20. September 2009, 10:52

GeorgBln hat geschrieben:Tersteegen verband in einzigartiger Weise zwei christliche Richtungen, die von unserem Verständnis her kaum in Einklang gebracht werden können: Das Christentum in seiner reformierten/calvinistischen Tradition und die Verehrung der katholischen Heiligen.
Ich denke Tersteegen ging weit über die reformierte und calvinistische Tradition hinaus, die sich m.E. kaum vorstellen konnte, was ein Mystiker ist. Im Sinne der Heiligenverehrung und Anrufungen von Heiligen hat er die kath. Heiligen auch nicht verehrt, wohl aber sehr geschätzt, was man anhand seiner Schriften sehen kann. Er gab ja auch ein Buch heraus mit dem Titel: "Leben heiliger Seelen", wo er vorwiegend kath. Heilige und grosse Christen beschrieben hat.
http://www.amazon.de/heiliger-Gerhard-T ... BBUQHQ
Ausserdem schrieb er auch das Vorwort zu dem Buch: "Das verborgene Leben mit Christo in Gott" von Johann von Bernières-Louvigni. http://www.tauschticket.de/cgi-perl/ang ... Id=756848

Er kannte und erkannte aus seiner eigenen Gottverbindung her ganz klar die Glaubenssubstanz und die Glaubenspraxis der Heiligen, die theologischen Unterschiede zwischen den Kirchen interessierten ihn nicht sonderlich. Es kam ihm ausschliesslich auf den gelebten Glauben und eine intensive Gottverbindung an.
Tersteegen war nicht der "einzige Heilige der Reformierten", es gab mindestens noch einen weiteren. Allerdings ist dieser kaum bekannt. Er wurde auch nicht sehr alt.
Ich weiss nicht, ob Tersteegen heute so sehr geschätzt wird. Ich habe seine Schriften schon manchen Protestanten. oder freikirchlichen Menschen empfohlen, die meisten aber waren daran nicht interessiert. Allerdings hat ein Freikirchler namens Jost Müller-Bohn eine Lebensbeschreibung von ihm verfasst, herausgegeben 1993 vom Johannis Verlag in Lahr. Der Autor prangert in diesem Buch in etlichen Fußnoten anhand dieser Lebensbeschreibung Tersteegens so manche in gewissen freikirchlich-charismatischen oder pseudocharismatischen Kreisen eingerissenen falschen Lehren an. Damit hat er auch recht.
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von GeorgBln » Sonntag 20. September 2009, 12:33

"Tersteegen war nicht der "einzige Heilige der Reformierten", es gab mindestens noch einen weiteren. Allerdings ist dieser kaum bekannt. Er wurde auch nicht sehr alt."


und wer war das?

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Lioba » Sonntag 20. September 2009, 14:28

Klasse Thema- Georg, auch wenn ich bisher einige deiner Postings echt "bln?" fand, das hier ist wirklich toll! :klatsch:
Gute Links:
http://www.zeno.org/Literatur/M/Tersteegen,+Gerhard

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Stillen_im_Lande

http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Hei ... g-Stilling
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Siard » Sonntag 20. September 2009, 14:56

GeorgBln hat geschrieben:"Tersteegen war nicht der "einzige Heilige der Reformierten", es gab mindestens noch einen weiteren. Allerdings ist dieser kaum bekannt. Er wurde auch nicht sehr alt."

und wer war das?
:hmm:
ich erinnere mich da an darstellungen von dr. martin luther mit heiligenschein... und natürlich entsprechende texte. aber der gehört ja zu den lutheranern :ja:
ansonsten einfach mal im "namenbuch" nachschauen, auch, wenn der begriff von "heilig" vielleicht nicht ganz vergleichbar ist.
Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen
Und schrieen sich zu ihre Erfahrungen,
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Mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen,
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Lioba » Sonntag 20. September 2009, 15:23

Paul Gerhardt? Aber der erreichte ein recht hohes Alter für seine Zeit.
Siard- welches Namenbuch?
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von GeorgBln » Sonntag 20. September 2009, 18:01

Lioba hat geschrieben:Paul Gerhardt? Aber der erreichte ein recht hohes Alter für seine Zeit.
Siard- welches Namenbuch?


Paul Gerhardt war ganz sicher NICHT reformiert......

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Lioba » Sonntag 20. September 2009, 18:06

Stimmt :tuete:
Ich war nur so verzweifelt auf der Suche!
Gib doch noch mal eine brauchbaren Tip, Edi- oder sag´s einfach.
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Edi » Sonntag 20. September 2009, 22:20

GeorgBln hat geschrieben:"Tersteegen war nicht der "einzige Heilige der Reformierten", es gab mindestens noch einen weiteren. Allerdings ist dieser kaum bekannt. Er wurde auch nicht sehr alt."


und wer war das?
Der Gottesmann Johannes Gommel, wohnhaft in der Nähe von Stuttgart, der im 19. Jahrhundert lebte; den kann man zurecht auch als Mystiker ansehen. Er ist aber kaum bekannt, hat keine Bücher geschrieben so wie Tersteegen und ist, als er um die 3 Jahre alt war, gestorben.

Hier ein Buch über ihn: https://www.lesen.ch/taschenbuch/tasche ... BID=874389

http://www.edel-verlag.de/index-Dateien/Page42.htm
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Niels » Sonntag 20. September 2009, 23:17

GeorgBln hat geschrieben:Jedenfalls ist seine Spiritualität auch heute noch unzähligen evangelischen und katholischen Christen eine Lebenshilfe.
Mir gefällt von dem Mysiker aus meiner Nachbarstadt besonders "Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten", was wir in unserer Gemeinde oft bei der eucharistische Anbetung gesungen haben.
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Siard » Montag 21. September 2009, 00:03

Lioba hat geschrieben:Siard- welches Namenbuch?
ein grünes buch mit vorallem evangelischen "heiligen" (= vorbildern im glauben)
tja, ich finde keinen hinweis im internet - vielleicht war die ausgabe im eigenverlag...

aber so ziemlich das gleiche ist:

Erb, Jörg: Die Wolke der Zeugen: Lesebuch zu einem evangelischen Namenskalender; zugleich eine Kirchengeschichte in Lebensbildern. 4 Bde. Kassel 1951. Stauda-Verlag

Erb, Jörg: Geduld und Glaube der Heiligen : Die Gestalten des evangelischen Namenskalenders. Kassel 1965. Stauda-Verlag

hoffentlich stehen die in der UB Kassel (oder im landeskirchenamt)!
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Niels » Montag 21. September 2009, 00:05

Siard hat geschrieben: Erb, Jörg: Die Wolke der Zeugen: Lesebuch zu einem evangelischen Namenskalender; zugleich eine Kirchengeschichte in Lebensbildern. 4 Bde. Kassel 1951. Stauda-Verlag
Habe ich hier im Regal stehen! :ja:
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in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von GeorgBln » Montag 21. September 2009, 08:26

Auszug aus Ansprachen von Johannes Gommel:

"Ziehe den Balken aus deinem Auge

Wie viele Christen meinen, eine große Tat getan zu haben, wenn sie in ihrer eigenen Weise arbeiten und sich opfern, wie sie meinen, wenn sie andere zu bekehren suchen, wenn sie andern ihre Fehler vorhalten, und wissen nicht, daß das vor dem Herrn nicht angenehm ist.

Ihr eigenes Herz bleibt das Alte, ihre eigenen Fehler erkennen sie nicht, so daß der Herr zu ihnen sagen muß: „Du Heuchler, ziehe am ersten den Balken aus deinem Auge, danach siehe, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.“ - So gibt's viele Menschen, die umher gehen, die andern zu bekehren, selbst aber wissen sie nichts von Bekehrung, und wollen sich nichts gefallen lassen von dem Nächsten.

Wenn man sie tadelt, wollen sie sich nicht beugen unter das Joch Jesu, kennen keine Verleugnung ihrer selbst, keine Nahrung ist ihnen recht. Mit den Kleidern prangen sie und wollen nicht als demütige Christen wandeln, was dem Herrn sehr mißfällt; denn der demütige Heiland hat sich nicht der Welt gleichgestellt auch in der Kleidung."

http://das-lebendige-wort.de/MP3-Vortra ... gommel.htm

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von GeorgBln » Freitag 25. September 2009, 12:30

Ich empfehle das kleine Buch von Walter Nigg mit dem Titel "Gerhard Tersteegen - Der Verstand des Herzens. Ein Lebensbericht", Brunnen-Verlag. Ich halte dieses Büchlein für das beste, was über Tersteegen geschrieben wurde. Walter Nigg (1903-1988) war reformierter Theologe und Professor für Kirchengeschichte

Nigg bezieht sich vor allem auf Tersteegens Buch "Auserlesene Lebensbeschreibung heiliger Seelen" und schreibt: "Die Stellung zu diesem Buch ist die entscheidende Probe, ob man Tersteegen in seinem tiefsten Wesen verstanden hat oder nicht. Dass dieses Werk in den populären Darstellungen seines Lebens gewöhnlich nicht einmal erwähnt wird, zeigt deutlicher als alles, wie die bloß erbauliche Auffassung seiner Persönlichkeit daneben greift. (...) Man hielt sich darüber auf, dass Tersteegen in diesen Bänden "lediglich katholische und nichtdeutsche Menschen aus dem Zeitalter der Gegenreformation dargestellt habe".

Nigg vergleicht Tersteegen mit Joh. Seb. Bach, der, ohne seinem Protestantismus untreu zu werden, die religiösen Wurzeln tiefer als in das reformierte Erdreich bis ins Mittelalter hinabsenke. Auch in Tersteegens "Lebensbeschreibung heiliger Seelen" lebe das Gefühl vom inneren Zusammenhang des Protestantismus mit der katholischen Kirche, der nie ganz gelöst werden dürfe. Sein Werk sei ein seltenes Dokument jenes evangelischen Bewußtseins, das die besten Elemente des Katholizismus noch lebendig in sich berge.

Nigg schreibt, dass Tersteegens Buch den Leser mit jener grandiosen Theologie der Heiligen bekannt mache, nach der einem alle Schultheologie wie abgestandenes Wasser schmecke.

Tersteegen bleibe aber immer bewusst ein reformierter Protestant. Seine geistige Unabhängigkeit, die nur seinem an Gott gebundenen Gewissen folge, verrate den Heiligen des Protestantismus. Tersteegen beschreibe die "unreife Bekehrungssucht" mancher Christen als eine Krankheit am Leibe der Christenheit. "Die Bekehrung ist ein Werk des Geistes Gottes und nicht ein Werk menschlicher Überredung".

Terstegen kam es mehr auf die Praxis als auf die Theorie an. Er schreibt "Ich glaube und bin gewiß, dass sowohl in der Partei der Römisch-Katholischen, als auch unter den Lutheranern, Reformierten, Mennoniten usw die Seelen nicht weniger als unter den Separatisten zu den höchsten Gipfeln der Heiligkeit und Vereinigung mit Gott gelangen können".

Tersteegen war ein begnadeter Seelenführer, der von Tausenden von Menschen besucht wurde. Er gilt als das protestantische Gegenstück des katholischen Franz von Sales. Freilich kannte Tersteegen als reformeirter Christ keinerlei Unterwerfung unter das Urteil des Seelensführers.

Über das Leiden schreibt er einmal einem Freund "Weil es denn nun Gott gefället, euch so elend, verderbt und ohnmächtig zu sehen, so laßt es euch gefallen!...So freue dich denn darüber, dass du so elend bist, und dass dein Gott so heilig und vollkommen ist. Das Elend und das Nichts ist unser uralter Platz; und die Heiligkeit und Allheit ist Gottes...Derhalben entschließet euch nur, mit Hiob auf dem Misthaufen eurer Elenden in Ruhe sitzen zu bleiben und Gott zu lieben".

Tersteegen redet nicht einer Werkgerechtigkeit das Wort, aber sein Kampf gilt einer allzu bequem aufgefassten Rechtfertigungslehre, die allmählich zu einem Ruhekissen geworden war. Er schreibt "War damals ein Paulus nötig, der den Juden ihre Werkgerechtigkeit über den Haufen warf, um die Gerechtigkeit in Christo aufzurichten, so ist auch in diesen Tagen wieder ein Petrus und Jacobus nötig."

Tersteegen warnt davor, die Reformatoren als alleinigen Maßstab zu betrachten. Es gebe auch noch andere Möglichkeiten innerhalb des Protestantismus, deren religiöses Wesen anders geartet sei als das von Luther, Zwingli oder Calvin. Wer diese andere Möglichkeit nicht zugeben wolle, sei in Gefahr, die Reformation zu vergötzen.

Geistesgeschichtlich bereichert Tersteegen mit seinem Heiligenleben ("der Heilige des Wuppertales") den Protestantismus um eine Tiefendimension. Er ist die erste Ankündigung eines neuen Heiligentypus, der als echt protestantischer Laie in der Welt bleibt, um im alltäglichen Leben das ewige Licht erstrahlen zu lassen.

Ich habe dieses kleine Buch von Walter Nigg mit großem Gewinn gelesen!

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von GeorgBln » Freitag 25. September 2009, 12:46

(...)Seitdem wird gesehen, daß sich in Tersteegen protestantische, altkirchliche und katholische Traditionen bündeln und zu einem Entwurf neuzeitlicher oekumenischer Spiritualität verschmelzen. - Tersteegen war ein »Meister« der christlichen Kontemplation und des kontemplativen Lebens.

Dringt man durch zeitbedingte Einkleidungen und Einseitigkeiten hindurch, so kann T. wegweisend für das gegenwärtige Bedürfnis nach Meditation und Spiritualität sein. In seinem Werk liegt in dieser Hinsicht ein reicher Schatz an Erfahrungen und Einsichten vor. Dabei können sich Menschen in ihm wiederfinden, die in den großen Konfessionen beheimatet sind, aber auch solche, die zu den Großkirchen in Distanz stehen, weil dort ihre spirituelle Suche nicht befriedigt wurde.
aus:
http://www.bbkl.de/t/tersteegen_g.shtml

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Lioba » Freitag 25. September 2009, 23:01

Dieser Strang ist eine Wohltat, leider habe ich im Moment weing Zeit zu schreiben, einige Threads nerven teilweise, einige fordern zum Denken heraus, manche machen Spass und ein paar wenige bauen einfach nur auf. :)
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Lioba » Sonntag 25. Oktober 2009, 00:15

Damit der Strang nicht ganz versinkt.


Nun sich der Tag geendet

1. Nun sich der Tag geendet,
mein Herz zu Dir sich wendet
und danket inniglich.
Dein holdes Angesichte
zum Segen auf mich richte,
erleuchte und entzünde mich!

2. Die Zeit ist wie verschenket,
drin man nicht dein gedenket,
da hat man´s nirgend gut;
weil du uns Herz und Leben
allein für dich geben,
das Herz allein in dir auch ruht.

3. Ich schließe mich aufs Neue
in deine Vatertreue
und Schutz und Herze ein.
der Finsternis Geschäfte
und alle bösen Kräfte
vertreibe durch dein Nahesein!

4. Dass Du mich stets umgibest,
dass Du mich herzlich liebest
und rufst zu Dir hinein,
dass Du vergnügst alleine
so wesentlich, so reine,
lass früh und spät mir wichtig sein!

5. Ein Tag, der sagt dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
mein Herz an dich gewöhne,
mein Heim ist nicht in dieser Zeit!
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Lutheraner » Sonnabend 7. November 2009, 14:27

Im evang.-luth. Kirchengesangbuch der SELK befinden sich insgesamt 10 Lieder von Tersteegen
(und übrigens nur ein einziges Lied eines röm.-kath. Lieddichters, nämlich das wunderschöne "Großer Gott wir loben Dich" von Ignaz Franz. Ja, die Protestanten sind bei der Musik halt unschlagbar...).
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Lioba » Freitag 1. Oktober 2010, 09:59

Ein paar seiner Lieder.- Hinweis: ich habe bewusst einfache Versionen gewählt, weil sie die zurückhaltende Innigkeit für mich besser zum AusdrucK bringen.
Gott ist gegenwärtig
Ich bete an die Macht der Liebe
So nimm denn meine Hände
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Edi » Freitag 1. Oktober 2010, 13:56

Über Tersteegen wird u.a. folgendes berichtet:

"Mehrere seiner Vertrauten sahen ihn beten mit einer Inbrunst, die auf den Flügeln einer seligen Andacht getragen schien; sie sahen wie er mit einer Bewegung gen Himmel seine bleichen Hände faltete, als ob er von der grossen Gnadenfülle etwas für sich einfangen wollte und es blieb ihnen unvergeßlich wie sein Auge hinweg über die Schranken des Irdischen floh, voll Vertrauen am Blick des Ewigen hangend und wie sein ganzen Wesen im Anschauen seiner Herrlichkeit versunken war."

Zitiert aus dem Buch von Jost Müller-Bohn. Gerhard Tersteegen, Leben und Botschaft, Seite 8.

Das oder Ähnliches ist etwas, was mich immer wieder fasziniert, aber auch erschüttert, egal bei wem man das findet. Von Pater Pio wird Ähnliches berichtet.
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Marienkind » Dienstag 16. Januar 2018, 21:08

Zu Gerhard ter Steegen


Eine Quelle guter Gedanken sind auch seine Briefe.
.
Diese gab Gustav Adolf Benrath (1931-2014) in der Reihe "Texte zur Geschichte des Pietismus" heraus.
Das Buch kostet freilich 199 Euro (kein Schreibfehler); es ist bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen erschienen.

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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von Edi » Donnerstag 18. Januar 2018, 09:39

Beim SCM-Verlag gibt es auch noch einige Bücher von oder über Tersteegen:

www.scm-verlag.de/
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von berneuchen » Sonnabend 20. Januar 2018, 12:37

Eines meiner Lieblingslieder ist ein Abend- bzw. Nachlied aus seiner Feder:
1. Nun schläfet man; / und wer nicht schlafen kann,
der bete mit mir an / den großen Namen,
dem Tag und Nacht / wird von der Himmelswacht
Preis, Lob und Ehr gebracht: / o Jesu, Amen.

2. Weg, Phantasie! / Mein Herr und Gott ist hie;
du schläfst, mein Wächter, nie, / dir will ich wachen.
Ich liebe dich, / ich geb zum Opfer mich
und lasse ewiglich / dich mit mir machen.

3. Es leuchte dir / der Himmelslichter Zier;
ich sei dein Sternlein, hier / und dort zu funkeln.
Nun kehr ich ein, / Herr, rede du allein
beim tiefsten Stillesein / zu mir im Dunkeln.

martin bruder
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Re: Gerhard Tersteegen

Beitrag von martin bruder » Freitag 9. Februar 2018, 12:35

Lt. Richard Reschika (Ich will ins Meer der Liebe mich versenken, 2013, Claudius-Verlag) gibt es kein Tersteegen-Porträt. Obiges Porträt zeigt lt. Reschika den deutschen Dichter der Romantik Ludwig Tieck.
Weitere Informationen über Gerhard Tersteegen und Bruder Lorenz sind unter www.arbeiter-im-weinberg.de zu finden.

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