Probleme und Missstände im konfessionellen Luthertum

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Lutheraner
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Registriert: Donnerstag 9. November 2006, 10:50

Re: Probleme und Missstände im konfessionellen Luthertum

Beitrag von Lutheraner »

Hallo Till,

einem Freund von mir ist kürzlich die Frau weggelaufen. Sie steht durch ihren Freundeskreis und ihre Familie stark unter Druck zu ihm zurückzukehren, aber bislang sieht es nicht gut aus. Angeblich ist der Grund für ihre Trennung, dass sie ihn nicht mehr liebt. Ich vermute stark, dass es sich bei ihr um eine "midlife crisis" handelt.
Nehmen wir an, sie zieht das durch (was Gott verhüten möge), verliebt sich in einen anderen und bekommt Kinder mit ihm und lebt mit zusammen. Was soll mein Freund machen? Sie haben noch keine Kinder gehabt. Ist das kinderlose und zölibatäre Leben die einzige Möglichkeit die er noch hat? Das wäre wider die Natur und gegen die Schrift (das zölibatäre Leben ist laut Bibel eine Berufung). In diesem Fall müsste er m.E. die Chance auf einen Neuanfang haben.

Jesus Christus spricht: "Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe." (Mt. 5, 32)

Ich denke, dass "einfacher Ehebruch" (also eine Affäre) kein Scheidungsgrund sein darf, sondern hier unter Christen Vergebung möglich sein sollte, aber wenn der Partner zu einem anderen geht und damit dauerhaft die Ehe bricht und er sich nicht bewegen läßt zurückzukehren, dann muss m.E. der Verlassene die Chance zu einer neuen Ehe haben. Ich denke, dass das ein guter Mittelweg zwischen der harten röm.-kath. und der viel zu laxen liberal-evangelischen Auffassung ist.

(Interessant ist übrigens, dass obige Bibelstelle meines Wissens von keiner Kirche für ihre Lehre zu Scheidung und Wiederheirat herangezogen wird)
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

TillSchilling

Re: Probleme und Missstände im konfessionellen Luthertum

Beitrag von TillSchilling »

Das von mir verlinkte Dokument der Lutheran Church Missouri Synod behandelt diese Stelle, siehe http://www.iclnet.org/pub/resources/tex ... rem-1.html .

Von LCMS und auch WELS - das andere Zitat in meinem Beitrag - weden zwei Situationen genannt, in denen nach der Schrift eine Scheidung möglich sein kann:

- Ehebruch
- Verlassenwerden durch den Partner

Die beiden Zitate in meinem Beitrag beschäftigen sich mit Scheidung bzw. Wiederheirat in anderen Situationen. Sprich, das ganz normale "Es geht nicht mehr, lass uns Schluß machen". Leider gibt es in der LCMS auch solche Scheidungen. Und ich glaube gar nicht wenig.

Nochmal: Ich möchte mich über niemanden erheben. Es ist nur so: wenn man das Beispiel setzt, daß Scheidung möglich ist, auch wenn nicht eine der beiden obengenannten Situationen vorliegt, dann hat das einen negativen Einfluss. Ich habe es an mir selber gesehen. Ich wußte zwar, daß Jesus sich gegen Ehescheidung ausgesprochen hat, aber irgendwie dachte ich dann doch, es wäre eine Möglichkeit. Man sieht es bei anderen, dann redet man sich auch noch selber was ein wie "Wir leben ja eh nur aus Gnade" und so weiter. Es geht ganz schnell, dann hat man ein gehöriges Chaos im Kopf. Wenn dann Probleme kommen, ist der Gedanke gleich da: "Man könnte ja auch Schluß machen." Und das Perfide ist, daß dieser Gedanke die Probleme in der Ehe nur noch schlimmer macht und dann immer immer attraktiver wird und man immer mehr bereit ist, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Was wiederum die Probleme noch mehr verstärkt. Ein Teufelskreis. Seit ich Busse getan = umgedacht habe, werden die Probleme wieder kleiner. Umgedacht habe ich aber nur, weil mir mir jemand gesagt hat: Scheidung ist keine Option. Full stop. So wünsche ich es mir eigentlich von der Kirche auch.

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