Guten Abend beisammen,
wenn ich recht sehe, ist die Anamnese sowohl lobpreisend-betend-gegenwärtigsetzende memoria der Heilstat Gottes als ganzer (in Sonderheit seines Namens und des Ereignisses, dessen am je gegebenen liturgischen Tag besonders gedacht wird) als auch der Heilstat Gottes in Christus als auch der Heilstat Gottes in Christus, da er ja am Abend vor seinem Leiden das eucharistische Opfermahl gestiftet hat.
Also, es gibt mehrere anamnetische Bestandteile im Eucharistiegebet (und wie meist in der Wissenschaft, ist das konkret gelebte Leben (hier: Beten) vorgängig zu aller Theorie und passt daher nicht 100 % dazu).
Vielleicht hilft der Blick auf ein konkretes Gebet.
Römisches Messbuch, Hochgebet II hat geschrieben:Vorst.: Der Herr sei mit euch.
Gem.: Und mit deinem Geiste.
Vorst.: Erhebet die Herzen.
Gem.: Wir haben sie beim Herrn.
Vorst.: Lasset uns danken, dem Herrn, unserem Gott.
Gem.: Das ist würdig und recht.
Präfation
[Hymnisches Exordium lobpreisender Anamnese / Prooemium des Kanon actionis/ Anamnese I] Vorst.: In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch deinen geliebten Sohn Jesus Christus. Er ist dein Wort, durch ihn hast du alles geschaffen. Ihn hast du gesandt als unseren Erlöser und Heiland: Er ist Mensch geworden durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Um deinen Ratschluss zu erfüllen und dir ein heiliges Volk zu erwerben, hat er sterbend die Arme ausgebreitet am Holze des Kreuzes. Er hat die Macht des Todes gebrochen und die Auferstehung kundgetan. Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit:
Sanctus: Zuruf der Gemeinde
A.: Heilig, heilig, heilig, Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.
Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit.
Hosanna in der Höhe.
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe.
Kanon actionis
[Anamnese II] Vorst.: Ja, du bist heilig, großer Gott, du bist der Quell aller Heiligkeit. Darum feiern wir in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den ersten Tag der Woche, den Tag, an dem Christus von den Toten erstanden ist.
Durch ihn, den du zu deiner Rechten erhöht hast, bitten wir dich: [Epiklese I / Gabenepiklese] Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus,
[Anamnese III: der Stiftung des eucharistischen Opfermahls] denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte den Kelch seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.
- Akklamation [Anamnese IIIa] Diak. (oder Vorst.): Mysterium des Glaubens. – Gem.: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. -
Vorst.: [Anamnese IVa] Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und (memores) –
(offerimus) [Darbringungsformel] bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar.
[Anamnese IVb] Wir danken dir, dass du uns berufen hat, vor dir zu stehen und dir hohepriesterlich zu dienen.
[Epiklese II / Kommunionepiklese] Wir bitten dich: Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut, und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist.
[Interzessionen] Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde, und vollende dein Volk in der Liebe, vereint mit unserem Papst N., unserem Bischof N. und allen Bischöfen, unseren Priestern und Diakonen und allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind. Gedenke unserer Brüder ud Schwestern, die entschlafen sind in der Hoffnung, dass sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht. Vater, erbarme dich über uns alle, damit uns das ewige Leben zuteil wird in der Gemeinschaft mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit deinen Aposteln und mit allen, die bei dir Gnade gefunden haben von Anbeginn der Welt,
[Doxologie] dass wir dich loben und preisen durch deinen Sohn Jesus Christus. Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit.
Hier kommt die Anamnese sowohl als Gedächtnis der Vorgeschichte als auch der Sakramentsstiftung als auch als direkte Anwendung auf die feiernde Gemeinde zum Ausdruck.
Zur Epiklese: John hat weiter oben dafür plädiert, die Epiklese zusammenzufassen. Dann klingt das Hochgebet wie folgt:
Römisches Messbuch, Hochgebet II, umgestellt hat geschrieben:Vorst.: Der Herr sei mit euch.
Gem.: Und mit deinem Geiste.
Vorst.: Erhebet die Herzen.
Gem.: Wir haben sie beim Herrn.
Vorst.: Lasset uns danken, dem Herrn, unserem Gott.
Gem.: Das ist würdig und recht.
Präfation
[Hymnisches Exordium lobpreisender Anamnese / Prooemium des Kanon actionis/ Anamnese I] Vorst.: In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch deinen geliebten Sohn Jesus Christus. Er ist dein Wort, durch ihn hast du alles geschaffen. Ihn hast du gesandt als unseren Erlöser und Heiland: Er ist Mensch geworden durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Um deinen Ratschluss zu erfüllen und dir ein heiliges Volk zu erwerben, hat er sterbend die Arme ausgebreitet am Holze des Kreuzes. Er hat die Macht des Todes gebrochen und die Auferstehung kundgetan. Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit:
Sanctus: Zuruf der Gemeinde
A.: Heilig, heilig, heilig, Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.
Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit.
Hosanna in der Höhe.
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe.
Kanon actionis
[Anamnese II] Vorst.: Ja, du bist heilig, großer Gott, du bist der Quell aller Heiligkeit. Darum feiern wir in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den ersten Tag der Woche, den Tag, an dem Christus von den Toten erstanden ist [und den wir mit diesem hochheiligen Opfermahl feiern dürfen,]
[Anamnese III: der Stiftung des eucharistischen Opfermahls] denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte den Kelch seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.
- Akklamation [Anamnese IIIa] Diak. (oder Vorst.): Mysterium des Glaubens. – Gem.: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. -
Vorst.: [Anamnese IVa] Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und (memores) –
(offerimus) [Darbringungsformel] bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar.
[Anamnese IVb] Wir danken dir, dass du uns berufen hat, vor dir zu stehen und dir hohepriesterlich zu dienen.
Durch Christus, den du zu deiner Rechten erhöht hast, bitten wir dich:
[Epiklese I / Gabenepiklese] Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus,
[Epiklese II / Kommunionepiklese] Wir bitten dich: Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut, und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist.
[[Interzessionen] Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde, und vollende dein Volk in der Liebe, vereint mit unserem Papst N., unserem Bischof N. und allen Bischöfen, unseren Priestern und Diakonen und allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind. Gedenke unserer Brüder ud Schwestern, die entschlafen sind in der Hoffnung, dass sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht. Vater, erbarme dich über uns alle, damit uns das ewige Leben zuteil wird in der Gemeinschaft mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit deinen Aposteln und mit allen, die bei dir Gnade gefunden haben von Anbeginn der Welt,]
[Doxologie] dass wir dich loben und preisen durch deinen Sohn Jesus Christus. Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit.
Bitte: einmal laut lesen! Und noch einmal laut lesen, dabei die Interzessionen weglassen! Das ist eine ganz interessante Erfahrung - so ungefähr haben sich die Jungs in der Alten Kirche gefühlt, wenn, etwa in Syrien, das Eucharistiegebet mit zusammengefasster Epiklese und noch nicht ausgebauten Interzessionen erklungen ist.
Dass die lateinische Kirche (und ihr folgend die Lima-Liturgie, wenn man dorten die gespaltene Epiklese nimmt) nur die gespaltene Epiklese kennt, liegt an einer Besonderheit des römischen Ritus. Die römische Anaphora (also das heutige Hochgebet I aus dem Römischen Messbuch) ist nämlich ein kunstvoll formulierter Text mit der Stiftungsanamnese in der Mitte, um die herum in konzentrischen Kreisen weitere wichtige Teile des Gebets angeordnet sind, unter anderem eben Epiklese I und Epiklese II. Nur wegen der Anordnung der Epiklese I vor der Stiftungsanamnese hat man im Hochmittelalter bei genauerer Reflexion auf den Wandlungsmoment gesagt: Die hl. Wandlung geschieht beim betend-lobpreisenden Gegenwärtigsetzen der Stiftung des eucharistischen Opfermahls. Wegen dieser Engführung der Theologie nun lehren die Anhänger D. Luthers (und eben auch unser Mitdiskutant Marcus), dass "die Realpräsenz durch das Sprechen der Konsekrationsworte und das Segenszeichen über die Gaben" zustandekommt.
Ich meine, es hat mehr Sinn zu lehren: Das ganze Eucharistiegebet ist in seiner anamnetisch-epikletischen Struktur ein Herabrufen des Heiligen Geistes auf die Mahlgaben, der denn die hl. Wandlung dann auch zustandebringt. Die hl. Wandlung wird nie durch das Sprechen von Worten durch wenn auch immer zustandegebracht, sondern von Gott dem Herrn selbst, vermittelt durch die Kraft seines Geistes!
Nebenher und ganz bös, nimm's mir nicht übel, Marcus: Ist das nicht eine Schand, dass bewusst lutherische Theologie in diesem Punkt so zäh scholastische Engführungen in der Reflexion der Eucharistiefeier festhält? Würde sie nicht frei gemacht von einer erneuten Meditation der Eucharistietheologie der Väter, der lateinischen und der griechischen, und von einer bewussten Rezeption orthodoxer und anglikanischer Theologie, wenn es schon (was ich verstehen kann) papistische nicht sein soll?
Ich muss weg, darum noch der Versuch einer kurzen Analyse des von Marcus gebrachten Zitats aus dem Kanon actionis der Altlutheraner.
Alt-luth. Messbuch hat geschrieben:
Anamnese: So gedenken wir vor dir, himmlischer Vater, deines Sohnes. Er ist am Kreuz gestorben und am dritten Tage auferstanden. Ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, und er vertritt uns allezeit vor dir.
Epiklese II: Gedenke, Herr, deiner Kirche hier und an allen Orten. [Hier Interzession für die Kirche, die Heiligen, die Verstorbenen möglich!] Schenke ihr Eintracht und Frieden. Bringe zusammen, die du erwählt hast von den Enden der Erde zu einem heiligen Volk. Vollende dein Reich in Ewigkeit und versammle uns zum himmlischen Mahl deines lieben Sohnes.
Schlussdoxologie: Durch ihn und mit ihm und in ihm sei dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit.
Wo ist da eigentlich noch der Unterschied? Wir sollten uns an unseren Talaren und Chorhemden packen und uns gegenseitig helfen, über den eigenen Schatten zu springen!
Grüße
c.