Könntest Du kurz aufschreiben, wie Du "das röm.-kath. Opferverständnis" inhaltlich umschriebest? Ich erinnere mich nämlich nicht, in den letzten vierzig Jahren in einer rk. Ortspfarre ernsthaft mit diesem konfrontiert worden zu sein, und was ich dazu gelernt habe, geht in Richtung: Eucharistisches Opfer heißt: eine logiké thysía, ein vernunftgemäßes Opfer, das die reale Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers des Herrn beinhaltet, weil sein Pascha vom Tod zum Leben als ganzes in der Eucharistiefeier real-symbolisch und sowohl des Herrn Hingabe (Opfer) an uns als auch unsere und der Kirche Hingabe an Ihn in der Darbringung der Danksagung real-symbolisch gegenwärtig gesetzt wird.Marcus, gestern, 30.5., 22:19 h hat geschrieben: [...] Jemand, der nicht an die Realpräsenz glauben kann, ist genauso wenig ein Lutheraner wie jemand, der das röm.-kath. Opferverständnis teilt oder die Rechtfertigungslehre und die Kleinkindertaufe ablehnt.
Bitte sieh mir nach, Lutheraner, dass ich Dir diese Frage gestellt habe. Ich hatte beim Formulieren und Formatieren vergessen, dass nicht Du, sondern Marcus vom rk. Opfer-Verständnis geschrieben hast. Hast Du vielleicht auch Lust, Dich dazu zu äußern?
Im Übrigen: 1.
Findet sich etwa in II. Vatikanum, Liturgie-Konstitution Art. 7 Abs. I.Stephen Dedalus hat geschrieben:Die Repräsentation Christi im und durch den Priester erstreckt sich auf die Gesamtheit der Feier, einschließlich der Austeilung, nicht nur auf das Hochgebet.
2. Traditionalistische und konservative Katholen neigen imho gern dazu, die nachtridentinische Lehrverkündigung und Frömmigkeitspraxis der Papstkirche unreflektiert fortzuschreiben. Allerdings haben sich die Zeiten seither geändert. Mir scheint, es nütze mehr, wenn man von orthodoxem Luthertum aus danach schaut, welch umfassende und teilweise auch positive Veränderungen in Lehrverkündigung und Frömmigkeitspraxis sich in der Papstkirche vollzogen haben, seitdem Napoleon, Metternich u. Konsorten die römisch-katholische alte Reichskirche zerschlagen haben und die Industrielle Revolution auf Zentraleuropa übergegriffen hat: das Aufblühen einer monastischen Erneuerung, einer historisch genauen Erforschung der hochmittelalterlichen Scholastik, die patristische, liturgische, biblische Bewegung der Vorkonzilszeit, welche dann nach 1970 so urplötzlich abgeebbt sind (und trotzdem, untergründig, auch in der Pflege des Usus antiquior, weiterwirken).
Aus den genannten inner-rk. Erneuerungsbewegungen geht dann hervor, dass man so festgefahren scheinende rk. Lehrbegriffe wie das Priesteramt oder auch das Messopfer, besonders vor dem Hintergrund von Bibel und Patristik, heutzutage viel offener und beweglicher, betrachten muss. Hat es nicht Sinn, sich auch als orthodoxer Katholik A. B. an diesen Stimmen innerhalb der römischen Kirche zu orientieren, einfach, um für sich selbst klarzukriegen, dass die hergebrachten, nachtridentinischen, antireformatorischen Lehrbegriffe so nun definitiv nicht mehr vertreten werden dürfen? (Dass in manch einer Predigt, Katechese, christlichen Unterrichtung gar keine Lehre mehr betrieben wird, steht auf einem anderen Blatt und ist nicht Folge der Erneuerungsbewegung, sondern ihres Missverständnisses.)
Also, ehrlich: Aus dem Grund tät' ich als Altlutheraner nichts aus irgendwelchen "Initiativkreisen" berücksichtigen.
Gruß
c.

