Lutheraner hat geschrieben:
Nein. Die röm.-kath. Kirche lehrt heute erfreulicherweise, dass man wohl das Heil auch ohne Taufe erlangen kann.
Solche Sätze können schnell dazu führen, dass unsere katholische Leserschaft denkt, Lutheraner hätten für Sakramente nicht viel übrig oder würden sie als "schnödes Beiwerk" betrachten, was allerdings nicht richtig ist. Ich weiß, dass Du die Taufe sicherlich für notwendig erachtest, aber nicht von einer absoluten Heilsnotwendigkeit sprechen willst, was ja sonst konsequent hieß, dass jeder Nicht-Getaufe automatisch verdammt wäre, selbst abgetriebene Kinder, Todgeborene, Katechumenen, bei denen die Taufe wegen vorherigen Ablebens nicht mehr möglich war etc...
Das kann ich gut verstehen. Üblicherweise wird so etwas aber leicht missverstanden.
In unseren Bekenntnisschriften steht zum Thema:
Das Bekenntnis von Augsburg hat geschrieben:Von der Taufe wird gelehrt, daß sie nötig sei, und daß dadurch Gnade angeboten werde; daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden.
Deshalb werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht sei.
Die Apologie hat geschrieben:Den neunten Artikel lassen ihnen die Widersacher auch gefallen, da wir bekennen, daß die Taufe zur Seligkeit vonnöten sei, und daß die Taufe der jungen Kinder nicht vergeblich sei, sondern nötig und seliglich
Der Gr. Katechismus Luthers hat geschrieben:In diesen Worten sollst du zum ersten merken, daß hier steht Gottes Gebot und Einsetzung, daß man nicht zweifle, die Taufe sei ein göttlich Ding, nicht von Menschen erdacht noch erfunden. Denn so wohl als ich sagen kann: die zehn Gebote, Glauben und Vaterunser hat kein Mensch aus seinem Kopf gesponnen, sondern sind von Gott selbst offenbart und gegeben, so kann ich auch rühmen, daß die Taufe kein Menschentand sei, sondern von Gott selbst eingesetzt, dazu ernstlich und streng geboten, daß wir uns müssen taufen lassen, oder sollen nicht selig werden, daß man nicht denke, es sei so leichtfertig [gleichgültig] Ding, als einen neün roten Rock anziehen.
Der Gr. Katechismus Luthers hat geschrieben:Zum ersten aber nehmen wir vor uns die Taufe, dadurch wir erstlich in die Christenheit genommen werden.
Die Wassertaufe selbst ist natürlich nicht heilsnotwendig. Wenn jemand zum Glauben gefunden, aber keine Gelegenheit mehr hatte, getauft zu werden, ist das zur Seeligkeit hinlänglich (siehe Schächer).
Das ändert aber nichts daran, dass die Taufe grundsätzlich heilsnotwendig ist und man als Christ auch jederzeit dazu bereit sein sollte, bei Gefahr in Verzug eine Nottaufe durchzuführen.
Kann es sein, dass Du u.a. wegen solcher Formulierungen davon ausgehst, dass die Taufe aus röm.-kath. Sichtweise nicht mehr heilsnotwendig ist?
KKKK hat geschrieben: 171. Was bedeutet die Aussage: „Außerhalb der Kirche kein Heil“?
846-848
Diese Aussage bedeutet, dass alles Heil von Christus, dem Haupt, durch die Kirche, seinen Leib, kommt. Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die wissen, dass die Kirche von Christus gegründet wurde und zum Heil notwendig ist, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen. Zugleich können durch Christus und seine Kirche diejenigen das ewige Heil erlangen, die ohne eigene Schuld das Evangelium Christi und seine Kirche nicht kennen, Gott jedoch aufrichtigen Herzens suchen und sich unter dem Einfluss der Gnade bemühen, seinen durch den Anruf des Gewissens erkannten Willen zu erfüllen.
Wer Christus und die Kirche nicht kennt, wird auch nicht getauft sein. Insoweit könnte man natürlich sagen, dass die Taufe nicht mehr absolut, sondern nur noch grundsätzlich heilsnotwendig sei. Aber das Interpretieren der eigenen Lehren überlasse ich lieber unseren katholischen „Jungs und Mädels“...