gute inhalte bei den protestanten

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Lutheraner hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:Du hast es.
Nein. Die röm.-kath. Kirche lehrt heute erfreulicherweise, dass man wohl das Heil auch ohne Taufe erlangen kann.
Wo steht das geschrieben? Der KKK-Auszug sagt das jedenfalls nicht. Da ist in KKK 1261 von HOFFNUNG die Rede, nicht von Sicherheit.
Lutheraner hat geschrieben:Im Gegensatz dazu sah Augustinus die Taufe als heilsnotwendig: Allein sie wäscht seiner Meinung nach die Erbsünde ab, die den Menschen so sehr von Gott trennt, dass eine Anschauung Gottes (und damit Aufstieg in den Himmel) für den ungetauften Menschen unmöglich ist.
Die Taufe ist heilsnotwendig. Die Frage ist nur, wie die Taufe durchgeführt wird und was man unter "Taufe" versteht. Siehe z.B. KKK 1250, 1257, 1258 (Bluttaufe) und 1259 (Glaubenstaufe).

Cheers,

John
Der Beweis, dass Gott einen Sinn für Humor hat: Er hat die Menschheit geschaffen.
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Paul Heliosch
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Beitrag von Paul Heliosch »

John Grantham hat geschrieben:
Paul Heliosch hat geschrieben: ....aber wehe Dir, wenn er einen Dreizack hat...
Du meinst, er sieht so aus?
Bild
...
...nicht ganz:
ich meine, daß man beim Original-Dreizack den mittleren Zack zuerst spürt ;D
...ausserdem funktioniert Dein Beispiel nur in unmittelbarer Wassernähe...

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Paul Heliosch hat geschrieben:...ausserdem funktioniert Dein Beispiel nur in unmittelbarer Wassernähe...
Nanu, wir reden doch von der Taufe. *duckundweg*

Cheers,

John
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Paul Heliosch
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Beitrag von Paul Heliosch »

Lutheraner hat geschrieben: Nein. Die röm.-kath. Kirche lehrt heute erfreulicherweise, dass man wohl das Heil auch ohne Taufe erlangen kann.
Jetzt möchte bitte Lutheraner die (lebendige Wasser-)Quelle aufzeigen, auf die er sich stützt!

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anneke6
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Beitrag von anneke6 »

Nicht ohne Taufe, aber in Sonderfällen ohne Wassertaufe. Es gibt ja noch die Begriffe Begehrungstaufe und Bluttaufe.

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overkott
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Beitrag von overkott »

anneke6 hat geschrieben:Wie stehen die Protestanten eigentlich zu Bonaventura… 8)
Dänen widmen sich Luther und Bonaventura etwas ausführlicher.

Für Bonaventura interessierte er sich in der Pubertät aus Neugier auf Mystik, hat Bonaventura nach eigener Aussage jedoch nicht verstanden.

Auch später blieb sein Bonaventura-Studium selektiv, stark subjektiv und oberflächlich.

Sein Urteil fiel vergleichsweise maßvoll aus.

"Dass Luther Bonaventura eifrig gelesen hat, ist nicht auffällig; die grosse Zahl der Drucke beweist des Mystikers Beliebtheit, Gersons Empfehlung wird ihm auch zu gute bekommen sein... Wie immer aber, so hat auch Luther her souverain mit seiner Quelle gewaltet, sie gelesen von den ihn bewegenden Ideen aus und von seiner persönlichen Ueberzeugung zue beurteilt. So darf es u. a. nicht Wunder nehmen, dass er nur dem Kommentar zum 4. Buch der Sentenzen seine Aufmerksamkeit zuwandte, die übrigen Bücher ignorierte."

http://www.martinluther.dk/koehler02.html

Immerhin finden sich in einigen evangelisch-theologischen Bibliotheken Gesamtausgaben Bonaventuras. Z.B. in Münster die Gesamtausgabe von 1668.

Zur Bonaventura-Rezeption:

http://books.google.de/books?q=luther+bonaventura
Zuletzt geändert von overkott am Mittwoch 23. April 2008, 19:02, insgesamt 1-mal geändert.

Gerhard
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Re: gute inhalte bei den protestanten

Beitrag von Gerhard »

conscientia hat geschrieben:daher die frage an alle mitdiskutantInnen: gibt es gute inhalte, strukturen, bräuche usw., deren übernahme durch die katholische kirche sinn machen würde?
Lasst uns doch einfach alles übernehmen, dann haben wir Ökumene. :D

Ist die Frage wirklich ernst gemeint? Willst Du missionieren?
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Marcus
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Beitrag von Marcus »

Lutheraner hat geschrieben: Nein. Die röm.-kath. Kirche lehrt heute erfreulicherweise, dass man wohl das Heil auch ohne Taufe erlangen kann.
Solche Sätze können schnell dazu führen, dass unsere katholische Leserschaft denkt, Lutheraner hätten für Sakramente nicht viel übrig oder würden sie als "schnödes Beiwerk" betrachten, was allerdings nicht richtig ist. Ich weiß, dass Du die Taufe sicherlich für notwendig erachtest, aber nicht von einer absoluten Heilsnotwendigkeit sprechen willst, was ja sonst konsequent hieß, dass jeder Nicht-Getaufe automatisch verdammt wäre, selbst abgetriebene Kinder, Todgeborene, Katechumenen, bei denen die Taufe wegen vorherigen Ablebens nicht mehr möglich war etc...
Das kann ich gut verstehen. Üblicherweise wird so etwas aber leicht missverstanden.

In unseren Bekenntnisschriften steht zum Thema:
Das Bekenntnis von Augsburg hat geschrieben:Von der Taufe wird gelehrt, daß sie nötig sei, und daß dadurch Gnade angeboten werde; daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden.

Deshalb werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht sei.
Die Apologie hat geschrieben:Den neunten Artikel lassen ihnen die Widersacher auch gefallen, da wir bekennen, daß die Taufe zur Seligkeit vonnöten sei, und daß die Taufe der jungen Kinder nicht vergeblich sei, sondern nötig und seliglich
Der Gr. Katechismus Luthers hat geschrieben:In diesen Worten sollst du zum ersten merken, daß hier steht Gottes Gebot und Einsetzung, daß man nicht zweifle, die Taufe sei ein göttlich Ding, nicht von Menschen erdacht noch erfunden. Denn so wohl als ich sagen kann: die zehn Gebote, Glauben und Vaterunser hat kein Mensch aus seinem Kopf gesponnen, sondern sind von Gott selbst offenbart und gegeben, so kann ich auch rühmen, daß die Taufe kein Menschentand sei, sondern von Gott selbst eingesetzt, dazu ernstlich und streng geboten, daß wir uns müssen taufen lassen, oder sollen nicht selig werden, daß man nicht denke, es sei so leichtfertig [gleichgültig] Ding, als einen neün roten Rock anziehen.
Der Gr. Katechismus Luthers hat geschrieben:Zum ersten aber nehmen wir vor uns die Taufe, dadurch wir erstlich in die Christenheit genommen werden.
Die Wassertaufe selbst ist natürlich nicht heilsnotwendig. Wenn jemand zum Glauben gefunden, aber keine Gelegenheit mehr hatte, getauft zu werden, ist das zur Seeligkeit hinlänglich (siehe Schächer).

Das ändert aber nichts daran, dass die Taufe grundsätzlich heilsnotwendig ist und man als Christ auch jederzeit dazu bereit sein sollte, bei Gefahr in Verzug eine Nottaufe durchzuführen.

Kann es sein, dass Du u.a. wegen solcher Formulierungen davon ausgehst, dass die Taufe aus röm.-kath. Sichtweise nicht mehr heilsnotwendig ist?

KKKK hat geschrieben: 171. Was bedeutet die Aussage: „Außerhalb der Kirche kein Heil“?

846-848

Diese Aussage bedeutet, dass alles Heil von Christus, dem Haupt, durch die Kirche, seinen Leib, kommt. Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die wissen, dass die Kirche von Christus gegründet wurde und zum Heil notwendig ist, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen. Zugleich können durch Christus und seine Kirche diejenigen das ewige Heil erlangen, die ohne eigene Schuld das Evangelium Christi und seine Kirche nicht kennen, Gott jedoch aufrichtigen Herzens suchen und sich unter dem Einfluss der Gnade bemühen, seinen durch den Anruf des Gewissens erkannten Willen zu erfüllen.

Wer Christus und die Kirche nicht kennt, wird auch nicht getauft sein. Insoweit könnte man natürlich sagen, dass die Taufe nicht mehr absolut, sondern nur noch grundsätzlich heilsnotwendig sei. Aber das Interpretieren der eigenen Lehren überlasse ich lieber unseren katholischen „Jungs und Mädels“...
Zuletzt geändert von Marcus am Mittwoch 23. April 2008, 21:48, insgesamt 1-mal geändert.

Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

Marcus hat geschrieben:Solche Sätze können schnell dazu führen, dass unsere katholische Leserschaft denkt, Lutheraner hätten für Sakramente nicht viel übrig oder würden sie als "schnödes Beiwerk" betrachten, was allerdings nicht richtig ist.
Lieber Marcus,

was nimmst Du bei der Hl. Eucharistie zu Dir?


Gruß
Gerhard
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Marcus
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Beitrag von Marcus »

Gerhard hat geschrieben:
Marcus hat geschrieben:Solche Sätze können schnell dazu führen, dass unsere katholische Leserschaft denkt, Lutheraner hätten für Sakramente nicht viel übrig oder würden sie als "schnödes Beiwerk" betrachten, was allerdings nicht richtig ist.
Lieber Marcus,

was nimmst Du bei der Hl. Eucharistie zu Dir?


Gruß
Gerhard
Ich glaube, dass ich den wahrhaftigen Leib und das wahrhaftiger Blut meines Herrn und Heilandes im heiligen Altarsakrament unter den Gestalten des Brotes und des Weines zur Vergebung meiner Sünden und Stärkung meines Glaubens empfangen.

Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

Und das glauben Lutheraner oder habe ich da falsch zusammen gereimt?
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Marcus
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Beitrag von Marcus »

Gerhard hat geschrieben:Und das glauben Lutheraner oder habe ich da falsch zusammen gereimt?
Echte Lutheraner glauben das. Vielleicht hast Du das lutherische mit dem reformierten Abendmahlsverständnis verwechselt...

Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

Mir ist was eingefallen, was ich bei den Evangelischen gut finde:

Die Verwendung und Erhaltung der Kanzel.
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Raimund Josef H. hat geschrieben:Mir ist was eingefallen, was ich bei den Evangelischen gut finde:

Die Verwendung und Erhaltung der Kanzel.
Heh. Ich persönlich finde das nicht gut.

Ich finde es sogar schön, wie unser Pfarrer sich vorne hinstellt und einfach lospredigt. Das ist m.E. viel persönlicher und menschennäher. Die Tatsache auch, daß er ad libitum (also ohne Notizen) predigt, ist umso schöner.

Cheers,

John
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Marcus
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Beitrag von Marcus »

John Grantham hat geschrieben:
Raimund Josef H. hat geschrieben:Mir ist was eingefallen, was ich bei den Evangelischen gut finde:

Die Verwendung und Erhaltung der Kanzel.
Heh. Ich persönlich finde das nicht gut.

Ich finde es sogar schön, wie unser Pfarrer sich vorne hinstellt und einfach lospredigt. Das ist m.E. viel persönlicher und menschennäher. Die Tatsache auch, daß er ad libitum (also ohne Notizen) predigt, ist umso schöner.

Cheers,

John
Kommt darauf an, wo die Kanzel steht. In alten röm.-kath. Kirchen war sie z. T. beinahe in der Mitte des Kirchenschiffs angebracht. Da musste man in den vorderen Reihen sein Haupt ganz schön nach hinten verrenken.

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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

Lutheraner hat geschrieben:Die röm.-kath. Kirche lehrt heute erfreulicherweise, dass man wohl das Heil auch ohne Taufe erlangen kann. Im Gegensatz dazu sah Augustinus die Taufe als heilsnotwendig: Allein sie wäscht seiner Meinung nach die Erbsünde ab, die den Menschen so sehr von Gott trennt, dass eine Anschauung Gottes (und damit Aufstieg in den Himmel) für den ungetauften Menschen unmöglich ist. Später hat die röm.-kath. Kirche als Abschwächung dieser These die Limbus-Theorie entwickelt.
Das die Lehre von der Heilnotwendigkeit der Taufe aufgehoben ist, wäre mir neu.
Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1257 hat geschrieben:
Der Herr selbst sagt, daß die Taufe heilsnotwendig ist [Vgl. Joh 3,5.]. Darum hat er seinen Jüngern den Auftrag gegeben, das Evangelium zu verkünden und alle Völker zu taufen [Vgl. Mt 28, 19-20; DS 1618; LO 14; AG 5]. Die Taufe ist für jene Menschen heilsnotwendig, denen das Evangelium verkündet worden ist und die Möglichkeit hatten, um dieses Sakrament zu bitten [Vgl. N4k 16,16]. Die Kirche kennt kein anderes Mittel als die Taufe, um den Eintritt in die ewige Seligkeit sicherzustellen. Darum kommt sie willig dem vom Herrn erhaltenen Auftrag nach, allen, die getauft werden können, zur „Wiedergeburt aus Wasser und Geist" zu verhelfen. Gott hat das Heil an das Sakrament der Tauft gebunden, aber er selbst ist nicht an seine Sakramente gebunden.
Wir wollen die kirchliche Lehre nicht verdrehen! Ansonsten wäre die folgende Vorschrift (!) wohl unsinnig:
Codex Iuris Canonici, Can. 867 hat geschrieben:
Nr. 1. Die Eltern sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß ihre Kinder innerhalb der ersten Wochen getauft werden; möglichst bald nach der Geburt, ja sogar schon vorher, haben sie sich an den Pfarrer zu wenden, um für ihr Kind das Sakrament zu erbitten und um entsprechend darauf vorbereitet zu werden.

Nr. 2 Wenn sich ein Kind in Todesgefahr befindet, ist es unverzüglich zu taufen.
Der einzige Weg zum Heil, der der Kirche bekannt ist, führt über die Taufe. Alle anderen Weg sind allein der Barmherzigkeit Gottes überlassen.
Zuletzt geändert von cantus planus am Mittwoch 23. April 2008, 22:03, insgesamt 1-mal geändert.
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Marcus hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:
Raimund Josef H. hat geschrieben:Mir ist was eingefallen, was ich bei den Evangelischen gut finde:

Die Verwendung und Erhaltung der Kanzel.
Heh. Ich persönlich finde das nicht gut.

Ich finde es sogar schön, wie unser Pfarrer sich vorne hinstellt und einfach lospredigt. Das ist m.E. viel persönlicher und menschennäher. Die Tatsache auch, daß er ad libitum (also ohne Notizen) predigt, ist umso schöner.
Kommt darauf an, wo die Kanzel steht. In alten röm.-kath. Kirchen war sie z. T. beinahe in der Mitte des Kirchenschiffs angebracht. Da musste man in den vorderen sein Haupt ganz schön nach hinten verrenken.
Mir geht es weniger um die physikalische Positionierung der Kanzel als um die Anmutung der Kanzel selbst -- man hat eine Mauer zwischen sich und der Gemeinde, wo man sich fast majestätisch übers Volk erhebt.

Ich kann mir kaum vorstellen, daß Jesus stets 'ne Kanzel bei sich hatte.

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Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

Marcus hat geschrieben: Kommt darauf an, wo die Kanzel steht. In alten röm.-kath. Kirchen war sie z. T. beinahe in der Mitte des Kirchenschiffs angebracht. Da musste man in den vorderen Reihen sein Haupt ganz schön nach hinten verrenken.
Na ja, im Prinzip gehts da auch weniger um das Sehen als um das Hören. Deswegen wurde zuweilen die Kanzel auch in die Mitte gesetzt (siehe z.B. Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg in Niederbayern). Auch die "Deckel" der Kanzeln dienen der besseren Akkustik. So gesehen sind diese in Zeiten der Lautsprecheranlage natürlich obsolet, aber kunsthistorisch ist es schon schad' das die vielen schönen katholischen Kanzeln überhaupt nicht mehr benutzt werden (falls sie nicht gar in den 70er Jahren herausgerissen wurden). Mittlerweile ist es sogar so, daß manche Kanzel aus kunsthistorischen Gründen wieder errichtet wird, aber trotzdem nicht benutzt wird.
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Linus
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Beitrag von Linus »

Naja er benutzte Naturalkanzeln: Berge und Hügel.
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Linus hat geschrieben:Naja er benutzte Naturalkanzeln: Berge und Hügel.
Dann wäre ein Ambo angebracht (also eine leicht erhobene Stufe oder Stelle) aber das ist immer noch nicht das Gleiche wie eine Kanzel.

Cheers,

John
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Wo die Diskussion aus dem Ruder gelaufen ist: Hier biete ich ein paar Ansätze an, was (manche) Protestanten gegenüber Römisch-Katholiken anzubieten hätten:

- Kirchenmusik, vor allem in Volkssprache.

- Größere Anbindung an liturgische Tradition (wobei diese leider auch sehr geschwächt ist). Der Satz fällt schon öfter: wenn man eine schöne feierliche Messe sehen will, geht man zu den Anglikanern oder Alt-Lutheranern.

Cheers,

John
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Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

Marcus hat geschrieben:Echte Lutheraner glauben das.
Lieber Marcus,

verstehe mich bitte nicht falsch - hast Du eine Quelle für Deinen Glauben?


Gruß
Gerhard
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Gerhard hat geschrieben:
Marcus hat geschrieben:Echte Lutheraner glauben das.
Lieber Marcus,

verstehe mich bitte nicht falsch - hast Du eine Quelle für Deinen Glauben?
Ich bin zwar kein Lutheraner, aber...
Luthers Große Katechismus, "Von dem Sakrament des Altars" hat geschrieben: Was ist nun das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut des HERRN Christi, in und unter dem Brot und Wein durch Christus Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken. Und wie von der Taufe gesagt, dass es nicht schlechtes Wasser ist, so sagen wir hier auch: Das Sakrament ist Brot und Wein, aber nicht schlechtes Brot noch Wein, so man sonst zu Tische trägt, sondern Brot und Wein in Gottes Wort gefaßt und daran gebunden.

Das Wort, sage ich, ist das, das dies Sakrament macht und unterscheidet, dass es nicht lauter Brot und Wein, sondern Christus Leib und Blut ist und heißt; denn es heißet: accedat verbum ad elementum et fit sacramentum, wenn das Wort zum äußerlichen Dinge kommt, so wirds ein Sakrament.
Confessio Augustana, Artikel X. hat geschrieben: Vom Abendmahl des Herrn wird also gelehret, daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und des Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen wird. Derhalben wird auch die Gegenlehr verworfen.
Cheers,

John
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

John Grantham hat geschrieben:allein weil es in der Ruckedigu weit verbreitet ist.
Witzig. Der Admin hat seinen Spaß mit dem Schimpfwortfilter. Tippt man "r k K" ein (ohne Leerzeichen), erscheint "Ruckedigu".

Sorry, lieber Admin, aber das ist einfach kindisch und albern.

Cheers,

John
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conscientia
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Beitrag von conscientia »

Entschuldigt bitte, Nachtrag: h) die wirklichen synodalen Strukturen in den Landeskirchen und
i) die Bischofs- und Pfarrerwahlen durch Gremien (Synode, Kirchenvorstand)
sind auch beachtenswert.
Ich weiß, manchmal verkommt die bischöflich-synodale Struktur in den Landeskirchen zum Gremienunwesen und schwarzgekleidetem Funktionärsgewimmel. Mir geht's um die positiven Seiten.
Beten wir, dass das innergemeindliche Intriganten- und Schleimertum in keiner Kirche oder Gemeinschaft um sich greift!
c.

Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

John Grantham hat geschrieben:
Luthers Große Katechismus, "Von dem Sakrament des Altars" hat geschrieben: Was ist nun das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut des HERRN Christi, in und unter dem Brot und Wein durch Christus Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken.
Danke, John. ;)

Ist der Katechismus heute noch in den protestantischen Kirchen gültig?
"Ad Deum, qui laetificat juventutem meam."

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

John Grantham hat geschrieben:
Luthers Große Katechismus, "Von dem Sakrament des Altars" hat geschrieben: Was ist nun das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut des HERRN Christi, in und unter dem Brot und Wein durch Christus Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken.
Danke, John. ;)

Ist der Katechismus heute noch in den protestantischen Kirchen gültig?
In den lutherischen zumindest formal ja. Jedenfalls kenne ich keine lutherischen Kirchen, wo sie nicht formal gelten. Aber da müßten die anwesenden Lutheraner was dazu sagen.

Cheers,

John
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Lutheraner
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Beitrag von Lutheraner »

Gerhard hat geschrieben:
Luthers Große Katechismus, "Von dem Sakrament des Altars" hat geschrieben: Was ist nun das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut des HERRN Christi, in und unter dem Brot und Wein durch Christus Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken.
Danke, John. ;)

Ist der Katechismus heute noch in den protestantischen Kirchen gültig?
Hallo Gerhard,

der große Katechismus war urprünglich für die Pfarrer gedacht. In den evang.-luth. Landeskirchen und Freikirchen sowie in den evang.-luth. Gemeinden der Unierten Kirchen lernen die Konfirmanden (hoffentlich) ihren Glauben auch heute noch mit dem Kleinen Katechismus.
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

Lutheraner hat geschrieben:
Gerhard hat geschrieben:
Luthers Große Katechismus, "Von dem Sakrament des Altars" hat geschrieben: Was ist nun das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut des HERRN Christi, in und unter dem Brot und Wein durch Christus Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken.
Danke, John. ;)

Ist der Katechismus heute noch in den protestantischen Kirchen gültig?
Hallo Gerhard,

der große Katechismus war urprünglich für die Pfarrer gedacht. In den evang.-luth. Landeskirchen und Freikirchen sowie in den evang.-luth. Gemeinden der Unierten Kirchen lernen die Konfirmanden (hoffentlich) ihren Glauben auch heute noch mit dem Kleinen Katechismus.
Da gibt es in den Formulierungen aber einen "kleinen" Unterschied.
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Beitrag von Lutheraner »

Gerhard hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:
Gerhard hat geschrieben:
Luthers Große Katechismus, "Von dem Sakrament des Altars" hat geschrieben: Was ist nun das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut des HERRN Christi, in und unter dem Brot und Wein durch Christus Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken.
Danke, John. ;)

Ist der Katechismus heute noch in den protestantischen Kirchen gültig?
Hallo Gerhard,

der große Katechismus war urprünglich für die Pfarrer gedacht. In den evang.-luth. Landeskirchen und Freikirchen sowie in den evang.-luth. Gemeinden der Unierten Kirchen lernen die Konfirmanden (hoffentlich) ihren Glauben auch heute noch mit dem Kleinen Katechismus.
Da gibt es in den Formulierungen aber einen "kleinen" Unterschied.

Welchen denn?
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Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

"in"
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Marcus
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Beitrag von Marcus »

Lieber Gerhard,

als Altlutheraner und Glied der SELK möchte ich Dir Deine letzten Fragen wie folgt beantworten:

John war ja bereits dankenswerterweise so gut, Dir die entsprechenden Passagen aus Luthers Großen Katechismus sowie aus dem Bekenntnis von Augsburg zu zitieren. Ähnliche Stellen findet man auch in der Apologie, im Kleinen Katechismus Luthers sowie in den Schmalkaldischen Artikeln und natürlich in der Konkordienformel.

Für konfessionelle Lutheraner (sozusagen die „Pius- und Petrusbrüder“ unter den Lutheranern, was man allerdings auch nicht so pauschal sagen kann und darf) gilt die Heilige Schrift nach wie vor als unfehlbares Wort Gottes und daher als Norm aller Normen, woran sich jede Lehre und Lehrer zu messen hat. Die Bekenntnisschriften der Lutherischen Kirche, das sind die oben genannten Schriften sowie die Traktat und die drei altkirchlichen Glaubenssymbole gelten als einzigst verbindliche und gültige Auslegung der Bibel, weil sie unserer Meinung nach ihr voll und ganz entsprechen.

Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche sind im Vadenhoeck & Ruprecht abgedruckt, der 1228 Seiten deck ist. Konfessionelles Luthertum ist also sehr dogmatisch und lässt für individuelle Bibelfrömmigkeit wenig Raum. Größte Vertreterin des konfessionellen Luthertums ist in Deutschland die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK).

In der VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirchen in Deutschland), der die ev.-luth. Landeskirchen angehören, gilt ein anderes Verhältnis zwischen Bibel und Bekenntnisschriften. Dort gelten die Bekenntnisschriften nur insoweit als gültige Auslegung der Bibel, soweit sie der Heiligen Schrift entsprechen, womit ein relativ großer Freiheitsgrad geschaffen wird. Da die Bibel in der VELKD durch die historisch-kritische Methode immer mehr in Frage gestellt wird und man nur noch davon ausgeht, dass sie das Wort Gottes enthalte und jeder Theologe je nach Ausrichtung mehr oder weniger göttliche Inspiration gelten lässt, braucht man sich über einige Missstände nicht zu wundern. Durch die Leuenberger Konkordie, durch die eine Abendmahlsgemeinschaft zwischen Lutheranern und Reformierten ermöglicht worden ist, wurde nicht nur das reformierte, sondern auch das lutherische Abendmahlsverständnis ziemlich aufgeweicht.

Nicht überall dort, wo letztlich „evangelisch-lutherisch“steht, ist es auch wirklich drin. Die Landeskirchen sind für uns spätestens seit der Leuenberger Konkordie keine lutherischen Kirche mehr und eine Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft ist somit unmöglich.
Selbstverständlich gibt es aber auch innerhalb der VELKD noch lutherische Bekenntnisgemeinden und Bekenntnislutheraner.

Falls es Dich interessiert, wie und wo sich lutherische Kirchen in Deutschland unterscheiden, empfehle ich Dir diese Wikipedia-Artikel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelisc ... he_Kirchen
http://de.wikipedia.org/wiki/Interkommunion
http://de.wikipedia.org/wiki/Apostolisc ... he_Kirchen
http://de.wikipedia.org/wiki/Selbst%C3% ... che_Kirche
http://de.wikipedia.org/wiki/VELKD


Liebe Grüße

Marcus

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