„Ein Licht zu erleuchten die Heiden“ (Lk 2, 32)
Unbewegliche Feste und Gedenktage der Kirche; so nennt unser Gesangbuch die Apostel- und Evangelistentage, aber auch eine Reihe anderer Feste und Gedenktage im Kirchenjahr (ELKG ab S. 217). Da sie jedes Jahr am selben Datum gefeiert werden (insofern also „unbeweglich“ sind) fallen sie oft nur auf, wenn sie auf einen Sonntag treffen, und dann womöglich einmal seine Lesungen und Lieder bestimmen. So kommt es, dass viele Gemeinden selten oder nie mit ihnen in Berührung kommen, und so kommt bei manchem wohl gar die Frage auf, ob es denn überhaupt lutherisch sei, etwa „Darstellung des Herrn (Lichtmess)“ oder den Aschermittwoch zu feiern. Nehmen wir als Beispiel einmal den Tag der Darstellung des Herrn (Lichtmess). Ist es lutherisch, Lichtmess zu feiern? Schauen wir zuerst einmal in die Geschichte.
Luther selbst hat sein ganzes Leben lang als Pfarrer Lichtmess gefeiert und gerne und oft an diesem Fest gepredigt, wie die zahlreichen erhaltenen Predigten des Reformators zu diesem Tag belegen. Auch nach Luthers Tod haben die Lutherischen Kirchenordnungen den Tag der Darstellung des Herrn
(Lichtmess) beibehalten. Zusammen mit dem Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn am 25.03. und dem Tag der Heimsuchung Mariens am 02.07. ist Lichtmess als biblisches Marienfest beibehalten und weiterhin als Feiertag (mit Hauptgottesdiensten!) begangen worden. Im Zuge der Aufklärung ist Lichtmess
als gesetzlicher Feiertag abgeschafft worden, aber weiterhin – zumindest offiziell – als kirchlicher Feiertag beibehalten und begangen worden. So verzeichnet selbstverständlich bereits die allererste eigene altlutherische Agende von 1886 ein eigenes Proprium für diesen Tag, und das allererste eigene altlutherische
Gesangbuch von 1898 liefert der Gemeinde die dazugehörigen von ihr zu singenden Stücke. Es ist also lutherisch, Lichtmess zu feiern.
Fragen wir also anders: Warum lohnt es sich, Lichtmess zu feiern? Wie Ostern hat auch Weihnachten nicht nur eine vorbereitende Fasten- und Bußzeit, sondern ebenso eine vierzigtägige Festzeit; sie endet am 02. Februar, dem Lichtmesstag. Diese 40 Tage nach Weihnachten haben einen biblischen Hintergrund: 40 Tage nach der Geburt galt eine Frau nach der Entbindung als unrein und
musste sich durch ein Opfer im Tempel reinigen. Noch vor einer Generation wurden auch bei uns Mütter 6 Wochen (40 Tage!) nach der Geburt durch einen besonderen Akt wieder in die Gemeinschaft aufgenommen („Aussegnung der Wöchnerin“). Da nach dem Gesetz des Mose alles männliche Erstgeborene dem Herrn gehört, muss der erstgeborene Sohn durch ein Opfer im Tempel ausgelöst
werden. Diese „Darstellung“ des Christuskindes im Tempel fand nach der Schrift ebenfalls 40 Tage nach seiner Geburt statt (Lk 2, 22). Mit diesem Ereignis schließt St. Lukas die Berichte um die Geburt Jesu, und mit seiner gottesdienstlichen Verlesung schließt die Kirche den Weihnachtlichen Festkreis, bis er – noch
zaghaft – wieder von neuem eröffnet wird am „Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn“, am 25. März, genau neun Monate vor Weihnachten. Insbesondere bei einem frühen Ostertermin wie dem diesjährigen lädt uns Lichtmess ein, die
weihnachtliche Festzeit auch über den Letzten Sonntag nach Epiphanias hinaus zu begehen; auch der Weihnachtsschmuck darf ruhig einmal bis Lichtmess stehen bleiben. „Herre, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren.“ In jedem Gottesdienst singen wir nach dem Empfang der hl. Speise ein Wort aus dem Evangelium
des Lichtmesstages. Schon um dieses Gotteswort einmal in seinem
ursprünglichen Zusammenhang zu hören, lohnt es sich, Lichtmess zu feiern. In diesem Jahr fällt der Tag der Darstellung des Herrn (Lichtmess) auf einen Sonnabend. Um dieses Fest mit seiner tiefen Bedeutung und langen Vorgeschichte auch in unserer Gemeinde in Erfurt wieder stärker bekannt zu machen, wollen wir von der Möglichkeit Gebrauch machen, ein Fest nachzufeiern, in diesem
Fall am darauf folgenden Sonntag, an Estomihi. So sind wir als Gemeinde eingeladen, uns immer wieder neu von den verborgenen Schätzen im Acker der Kirche überraschen und bereichern zu lassen!
Quelle:
http://www.selk-erfurt.de/Pfarrbrief_Ja ... l_2008.pdf