Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

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Lutheraner
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:Wer die Handauflegung biblisch verfolgt, wird auch schnell merken, dass es dabei um weit mehr als ein "Symbol" (woher plötzlich diese reformierte Theologie?) geht. Für die CA ist sie sogar die pars pro toto bei der Ordination, worauf Jobst Schöne, früherer Bischof der SELK, zurecht sehr massiv hinweist. Und Schöne ist gewiss ein waschechter Lutheraner. Das bedeutet: Für die CA ist die Handauflegung (und das mit ihr verbundene Wort) das unaufgebbar Entscheidende an der Ordination.
Ich würde Dir und Bischof Schöne gerne zustimmen, aber so ohne weiteres kann ich das nicht.
Wo steht das in der CA? Für Luther war die Ordination nicht eindeutig als Sakrament festlegbar, weil seiner Auffassung nach ihre Einsetzung durch Jesus Christus mit einem Verheißungswort und einem sichtbaren Zeichen nicht in der Hl. Schrift überliefert ist. Somit kann man die Gültigkeit nach evang.-luth. Auffassung m.E. nicht an der Handauflegung festmachen.
Das ist doch ähnlich wie bei der Absolution oder der Konsekration beim Hl. Abendmahl: Ist die Absolution nur unter Handauflegung gültig? Ist die Konsekration nur mit einem Segenszeichen gültig? (Seit wenn ist es überhaupt gebräuchlich das Kreuz als Segenszeichen zu verwenden? Die Apostel haben das bestimmt nicht gemacht.)
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Lutheraner hat geschrieben:Ich würde Dir und Bischof Schöne gerne zustimmen, aber so ohne weiteres kann ich das nicht.
Wo steht das in der CA? Für Luther war die Ordination nicht eindeutig als Sakrament festlegbar, weil seiner Auffassung nach ihre Einsetzung durch Jesus Christus mit einem Verheißungswort und einem sichtbaren Zeichen nicht in der Hl. Schrift überliefert ist. Somit kann man die Gültigkeit nach evang.-luth. Auffassung m.E. nicht an der Handauflegung festmachen.
Das ist doch ähnlich wie bei der Absolution oder der Konsekration beim Hl. Abendmahl: Ist die Absolution nur unter Handauflegung gültig? Ist die Konsekration nur mit einem Segenszeichen gültig? (Seit wenn ist es überhaupt gebräuchlich das Kreuz als Segenszeichen zu verwenden? Die Apostel haben das bestimmt nicht gemacht.)
In Apol. CA XIII, 11 wird "das Auflegen der Hände" als pars pro toto der Ordination verstanden. Es wird dort sogar gesagt, dass die Ordination als Auflegen der Hände Gottes Befehl habe (besonders auch den lat. Text lesen!). Wichtig ist im Zusammenhang, dass in Apol. CA XIII, über die Zahl der Sakramente gehandelt wird. Da die CA Sakramente anders definiert als Luther in seiner Schrift "De captivitate" kommt Apol. CA XIII zur Vierzahl der Sakramente: Taufe, Nachtmahl, Absolutio (4) und Ordination (9-11).

Bischof Bo Giertz schreibt (Die Kirche Jesu Christi): "Weil die Kirche das Organ des lebendigen Herrn ist, in der er sein Werk fortführt, darum wissen wir, daß er selbst bei jeder Ordination gegenwärtig ist. Der Auftrag kommt nicht nur durch die Zeiten, durch die lange Reihe bevollmächtigter Diener [Bo Giertz lehrt dort sehr lebendig die apostolische Sukzession], er kommt im Augenblick der Weihe auch von dem lebendigen und gegenwärigen Herrn. In diesem Sinne spricht auch unser evangelisches Bekenntnis von der Ordination als einem Sakrament."

Woher weißt Du, dass die Apostel kein Kreuzzeichen gemacht haben? Wenn Jesus vom "Zeichen des Menschensohns" spricht, was soll dies anders sein als das Kreuzzeichen? Und es ist auffällig, dass die Alte Kirche durchweg die Taufwasserweihe kennt, nämlich indem ins Taufwasser ein Kreuzzeichen gemalt oder ein Kreuz (aus Metall oder Holz) eingetaucht wird. Das sich Bekreuzigen der Gläubigen lässt sich bis in älteste Zeiten nachweisen, und zwar in West- und Ostkirche. Woher die Allgemeinheit dieses Brauches? Es gab damals keine Internetforen, kein Fax und kein Telefon. Geht man davon aus, dass es tatsächlich gemeinkirchlich war, dann spricht Offb 7,3 offenbar vom Kreuzzeichen. Und wenn man fragt, wie die Christen darauf gekommen sind, dann kann nur Jesus selber als Ursprung genannt werden: Er segnete seine Jünger bei der Himmelfahrt - warum nicht unter Verwendung des Kreuzzeichens? Und er sprach davon, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen - warum nicht dadurch, dass man sich in der heidnischen Öffentlichkeit auch durch das Kreuzzeichen zu Christus dem Gekreuzigten, bekannte? In der Antike wurden Sklaven durch ein Siegel Besitz ihres Herrn. Augustinus berichtet von Christen, die das Kreuzzeichen als Tätowierung auf der Stirn trugen. Viele Belege hierzu bei Gabriel Bunge, Irdene Gefäße, S. 233f.

Natürlich sagst Du jetzt: "Davon steht aber nichts in der Bibel... ad fontes..." Und ich sage: Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Wir müssen vom gemeinkirchlichen Leben her die Bibel lesen. Wie das Leben der Kirche auszusehen hat, lässt sich nicht aus der Bibel deduzieren, sondern das Leben der Kirche und ihr Gnadenreichtum wird durch die Bibel erschlossen. Dasselbe gilt für die Firmung, die Krankensalbung etc.

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Lutheraner
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:Ich würde Dir und Bischof Schöne gerne zustimmen, aber so ohne weiteres kann ich das nicht.
Wo steht das in der CA? Für Luther war die Ordination nicht eindeutig als Sakrament festlegbar, weil seiner Auffassung nach ihre Einsetzung durch Jesus Christus mit einem Verheißungswort und einem sichtbaren Zeichen nicht in der Hl. Schrift überliefert ist. Somit kann man die Gültigkeit nach evang.-luth. Auffassung m.E. nicht an der Handauflegung festmachen.
Das ist doch ähnlich wie bei der Absolution oder der Konsekration beim Hl. Abendmahl: Ist die Absolution nur unter Handauflegung gültig? Ist die Konsekration nur mit einem Segenszeichen gültig? (Seit wenn ist es überhaupt gebräuchlich das Kreuz als Segenszeichen zu verwenden? Die Apostel haben das bestimmt nicht gemacht.)
In Apol. CA XIII, 11 wird "das Auflegen der Hände" als pars pro toto der Ordination verstanden. Es wird dort sogar gesagt, dass die Ordination als Auflegen der Hände Gottes Befehl habe (besonders auch den lat. Text lesen!).
Stimmt, das steht sogar im deutschen Text:

Wenn man das Sakrament des Ordens also verstehen wollte, so möchte man auch das Auflegen der Hände ein Sakrament nennen. Denn die Kirche hat Gottes Befehl, daß sie soll Prediger und Diakonos bestellen.

(Quelle)
Evagrios Pontikos hat geschrieben: Woher weißt Du, dass die Apostel kein Kreuzzeichen gemacht haben? Wenn Jesus vom "Zeichen des Menschensohns" spricht, was soll dies anders sein als das Kreuzzeichen? Und es ist auffällig, dass die Alte Kirche durchweg die Taufwasserweihe kennt, nämlich indem ins Taufwasser ein Kreuzzeichen gemalt oder ein Kreuz (aus Metall oder Holz) eingetaucht wird. Das sich Bekreuzigen der Gläubigen lässt sich bis in älteste Zeiten nachweisen, und zwar in West- und Ostkirche. Woher die Allgemeinheit dieses Brauches? Es gab damals keine Internetforen, kein Fax und kein Telefon. Geht man davon aus, dass es tatsächlich gemeinkirchlich war, dann spricht Offb 7,3 offenbar vom Kreuzzeichen. Und wenn man fragt, wie die Christen darauf gekommen sind, dann kann nur Jesus selber als Ursprung genannt werden: Er segnete seine Jünger bei der Himmelfahrt - warum nicht unter Verwendung des Kreuzzeichens? Und er sprach davon, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen - warum nicht dadurch, dass man sich in der heidnischen Öffentlichkeit auch durch das Kreuzzeichen zu Christus dem Gekreuzigten, bekannte? In der Antike wurden Sklaven durch ein Siegel Besitz ihres Herrn. Augustinus berichtet von Christen, die das Kreuzzeichen als Tätowierung auf der Stirn trugen. Viele Belege hierzu bei Gabriel Bunge, Irdene Gefäße, S. 233f.
Du kannst schon recht haben. Bereits im Briefteil des NT wird das Kreuz Christi besonders betont. Was für mich gegen Deine Annahme spricht: Meinem Wissensstand nach verwendete die Urchristenheit nicht das Kreuz sondern den Fisch als Zeichen und das Kreuz war damals ein alltägliches Hinrichtungsinstrument wie in neuerer Zeit das Schafott oder die Pistole. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass eine Religionsgemeinschaft ein alltägliches Hinrichtungsinstrument zu ihrem Symbol erheben würde, aber das ist zugegebenermaßen natürlich nur Spekulation meinerseits.
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Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Lutheraner hat geschrieben:Du kannst schon recht haben. Bereits im Briefteil des NT wird das Kreuz Christi besonders betont. Was für mich gegen Deine Annahme spricht: Meinem Wissensstand nach verwendete die Urchristenheit nicht das Kreuz sondern den Fisch als Zeichen und das Kreuz war damals ein alltägliches Hinrichtungsinstrument wie in neuerer Zeit das Schafott oder die Pistole. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass eine Religionsgemeinschaft ein alltägliches Hinrichtungsinstrument zu ihrem Symbol erheben würde, aber das ist zugegebenermaßen natürlich nur Spekulation meinerseits.
Das mit dem Begriff "Spekulation" ist so eine Sache. Gabriel Bunge nennt als Belege z.B. Tertullian und die pachomitischen Mönche. Rein historisch-kritisch gedacht fällt auf, dass die Urkirche extrem konservativ war. Neuerungen wurden nicht zugelassen. Wenn man jetzt aber nicht historisch-kritisch ansetzt, also von der Quelle der Bezeugung her, sondern vom Leben der Kirche her, was meines Erachtens der einzig fruchtbare Ansatz ist, dann fällt auf: die gemeinkirchliche Bezeugung weist auf apostolischen Brauch hin. Wer das Gegenteil behauptet, hat die Beweislast. Und vom Leben der Kirche her muss dann die Bibel ausgelegt werden, nicht umgekehrt.

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Bernado
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Bernado »

Lutheraner hat geschrieben:Du kannst schon recht haben. Bereits im Briefteil des NT wird das Kreuz Christi besonders betont. Was für mich gegen Deine Annahme spricht: Meinem Wissensstand nach verwendete die Urchristenheit nicht das Kreuz sondern den Fisch als Zeichen und das Kreuz war damals ein alltägliches Hinrichtungsinstrument wie in neuerer Zeit das Schafott oder die Pistole. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass eine Religionsgemeinschaft ein alltägliches Hinrichtungsinstrument zu ihrem Symbol erheben würde, aber das ist zugegebenermaßen natürlich nur Spekulation meinerseits.
Ich denke, es ist schon mehr als Spekulation - wenn auch keine feststehende Tatsache.

Die neutestamentliche Rede vom Kreuz Chrsiti bedeutet noch nicht, daß das Kreuz selbst als Emblem verstanden und genutzt wurde. Und in der Kunst (und damit wohl auch in der Liturgie) erscheint es aus den von dir genannten Gründen erst spät - m.w. nicht vor dem 3. Jh.

Andererseits muß man die Frage der Bekreuzigungsgeste auch von der bildlichen Darstellung des Kreuzes trennen - das eine setzt nicht notwendigerweise das andere voraus. Wieder andererseits ist aber wohl die Geste der sogenannten "kleinen Bekreuzigung", wie sie heute noch vor dem Evangelium üblich ist, früher nachweisbar als das große Kreuz. Und ohne jetzt die Zeit zum Nachschlagen zu haben, möchte ich doch die "kleine Bekreuzigung" nicht auf das Zeichen des Kreuzes zurückführen, sondern auf in der Antike allgemein gebrächliche Zeige-Gesten. auch die Römer haben schon Dinge "angekreuzt", um sie zu markieren. Und so markierten die Christen Stirn (Gedanken). Mund (sprechen) und Brust (fühlen), um ihre Ganzhingabe zum Ausdruck zu bringen.

Das "Zeichen des Menschensohns" aus der Offenbarung ist eine sehr abstrakte Wendung. Es leuchtet im Osten auf und wird im Westen sichtbar - also in der ganzen Welt. Es ist ein Zeichen, das von allen Menschen gesehen und verstanden wird, unabhängig davon, ob sie jemals etwas von Christus gehört haben oder das Kreuz als Zeichen kennen. Wie es aussehen wird, weiß niemand. Aber wenn es aufleuchtet, wird jeder wissen, was es bedeutet.
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Stephen Dedalus
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Stephen Dedalus »

@Evagrius

Bist Du mit den Arbeiten Augustinus Sanders vertraut?

Folgenden Text fand ich vor einiger Zeit:
http://www.die-tagespost.de/Archiv/tite ... p?ID=14974

Mir ist noch nicht ganz klar, welche These Du eigentlich zum lutherischen Ordinationsverständnis vertrittst. In meinen Augen ist das alles wenig transparent und zum Teil sehr widersprüchlich.

Einerseits stellst Du hier Luthers Ablehnung jeglicher Ordinationsriten dar - andererseits ist aber Augustinus Sander (für den späten Luther) davon überzeugt, daß es eine vergleichsweise "hohe" Theologie des Amtes bei ihm gab. Ähnliche Wertschätzung des Amtes, der Ordination und der Handauflegung suchst Du aus den Bekenntnisschriften zu belegen - was aber dann wiederum der jahrhundertelangen Praxis der lutherischen Kirchen in einer recht beiläufigen Ordinationspraxis (oder sogar deren Abwesenheit!) zu widersprechen scheint.

Muß ich daraus schließen, daß es im Luthertum weder eine einheitliche Theologie des Amtes und der Ordination noch eine einheitliche Praxis gab (und gibt)?

Mit Gruß
SD
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Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Muß ich daraus schließen, daß es im Luthertum weder eine einheitliche Theologie des Amtes und der Ordination noch eine einheitliche Praxis gab (und gibt)?
So ist es.

Derzeit ist Deutschland (VELKD: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland) weit weg von einem guten Ordinationsverständnis. Evangelisch sein, pardon: protestantisch sein bedeutet: sich von der katholischen Kirche abgrenzen. Kosenspapiere des lutherisch-katholischen und lutherisch-orthodoxen ökumenischen Gesprächs aus den 80er Jahren, die in jahrzehntelanger Arbeit entstanden sind, wurden mit einem Federstrich zu den Akten gelegt. Vikare verwalten das Abendmahl, obwohl sie nicht ordiniert sind. Prädikanten ebenso, obwohl sie nicht ordiniert sind. Landeskirchliche Gemeinschaften ebenso, ohne ordinierten Leiter. Hauskreise feiern das Abendmahl, ohne Ordinierten. Und dies, obwohl in jenen Papieren feierlich festgestellt wurde, dass zur Abendmahlsverwaltung die Ordination unbedingte Voraussetzung sei. Hinzu kommt, dass die Gültigkeit der Ordinationen sowieso fraglich ist (wie ich oben ausführlich dargelegt habe). Hinzu kommt auch die Frage der Frauenordination, die nicht einmal diskutiert werden darf, weil man sonst Schwierigkeiten mit der Kirchenleitung bekommt.

Wer einen Eindruck von den gegensätzlichen Positionen bekommen will, sollte in Kerygma und Dogma 2006/1 das Referat von Ulrich Körtner und den heftigen, sehr guten Widerspruch von Altbischof Ulrich Wilckens lesen. Es ist zum Haareausreißen. Oder zum Katholischwerden. Aber man wechselt seine Konfession eben nicht so einfach wie die Socken. (Das sollten auch unsere katholischen Freunde, die dauernd von einer Rückkehr-Ökumene reden, bedenken.)
Zuletzt geändert von Evagrios Pontikos am Dienstag 19. Januar 2010, 21:39, insgesamt 1-mal geändert.

Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Stephen Dedalus hat geschrieben:... Einerseits stellst Du hier Luthers Ablehnung jeglicher Ordinationsriten dar - andererseits ist aber Augustinus Sander (für den späten Luther) davon überzeugt, daß es eine vergleichsweise "hohe" Theologie des Amtes bei ihm gab. Ähnliche Wertschätzung des Amtes, der Ordination und der Handauflegung suchst Du aus den Bekenntnisschriften zu belegen - was aber dann wiederum der jahrhundertelangen Praxis der lutherischen Kirchen in einer recht beiläufigen Ordinationspraxis (oder sogar deren Abwesenheit!) zu widersprechen scheint...
Bei Luther finden sich ab den 1530er Jahren Äußerungen, die höher vom Amt reden als früher. Das hängt vor allem damit zusammen, dass er erlebte, was der eigenmächtig-charismatische Vollmachtsanspruch der Schwärmer an Destruktivem in der Kirche bewirkt hat. Aber Luther ist eine schwierige theologische Persönlichkeit. Bei ihm finden sich zum Teil so gegensätzliche Aussagen, dass man sich manchmal fragt, wie das von ein und derselben Person stammen soll. Es ist auch auffallend, dass sich in der derzeitigen Debatte die auf Luther berufen, die ein Amtsverständnis vertreten, das sich ganz vom Allgemeinen Priestertum herleitet und ein Amt nur um der Ordnung willen akzeptieren, während die, die eher ein geistlich gefülltes Amtsverständnis vertreten, vor allem von der CA her argumentieren und hierbei eine "Hermeneutik der Kontinuität" vertreten, wie es mal jemand im Forum hier genannt hat. Als in der VELKD jüngst ein Streit über ein Papier zum Thema "Berufung, Amt und Ordination" ausbrach, das ganz von der ersten Position geprägt war, schrieb ein Kritiker: "Wir sind lutherische Kirche und nicht Kirche Luthers!" Da ist viel Wahres dran.

Stephen Dedalus
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Stephen Dedalus »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:Als in der VELKD jüngst ein Streit über ein Papier zum Thema "Berufung, Amt und Ordination" ausbrach, das ganz von der ersten Position geprägt war, schrieb ein Kritiker: "Wir sind lutherische Kirche und nicht Kirche Luthers!" Da ist viel Wahres dran.
Da ist es doch einfacher, in einer kirchlichen Tradition beheimatet zu sein, die sich nicht über die mehr oder weniger treue Nachfolge oder Loyalität zu einer konfessionellen Gründerfigur definiert.

Deine Beiträge haben mir immerhin geholfen, klarer zu sehen, warum ich bei den Lutheranern manchmal nicht klar sehe. ;)
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Lutheraner
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:Derzeit ist Deutschland (VELKD: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland) weit weg von einem guten Ordinationsverständnis.
Deutschland heißt aber auch SELK und die hat ein sehr gutes Ordinationsverständnis ;)
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Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Lutheraner hat geschrieben:
Evagrios Pontikos hat geschrieben:Derzeit ist Deutschland (VELKD: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland) weit weg von einem guten Ordinationsverständnis.
Deutschland heißt aber auch SELK und die hat ein sehr gutes Ordinationsverständnis ;)
Aber die Pfarrer innerhalb der SELK entwickeln eine immer größere Bandbreite. Die SELK ist bei weitem nicht so homogen, wie sie manchmal den Anschein hat. Die theologischen Lehrer in Oberursel sind inzwischen großteils genauso historisch-kritisch wie anderswo (auch im Blick auf die Amtsfrage!). Und dass die Frauenordination kommen wird, auch das wird nur noch eine Frage der (vielleicht noch etwas längeren Zeit) sein. Denn auch SELK-Pfarrer sind zum Teil mit studierten Theologinnen verheiratet, die die Frauenordination befürworten.

Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Evagrios Pontikos hat geschrieben:Als in der VELKD jüngst ein Streit über ein Papier zum Thema "Berufung, Amt und Ordination" ausbrach, das ganz von der ersten Position geprägt war, schrieb ein Kritiker: "Wir sind lutherische Kirche und nicht Kirche Luthers!" Da ist viel Wahres dran.
Da ist es doch einfacher, in einer kirchlichen Tradition beheimatet zu sein, die sich nicht über die mehr oder weniger treue Nachfolge oder Loyalität zu einer konfessionellen Gründerfigur definiert.

Deine Beiträge haben mir immerhin geholfen, klarer zu sehen, warum ich bei den Lutheranern manchmal nicht klar sehe. ;)
Der von Dir oben verlinkte Artikel des jüngst verstorbenene Ökumeneexperten Prof. Schütte skizziert ja sehr anschaulich die "Krise in der Amtsfrage" innerhalb des deutschen Luthertums.

Allerdings sehe ich bei den Anglikanern auch nicht so richtig klar. Einerseits versuchen sie, den Kirchenvätern und der kirchlichen Tradition ein hohes Gewicht zu geben. :klatsch: Andererseits sind viele Anglikaner sehr calvinistisch in ihrer Lehre, gerade auch bei den Sakramenten. :achselzuck:

Stephen Dedalus
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Stephen Dedalus »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:Allerdings sehe ich bei den Anglikanern auch nicht so richtig klar. Einerseits versuchen sie, den Kirchenvätern und der kirchlichen Tradition ein hohes Gewicht zu geben. :klatsch: Andererseits sind viele Anglikaner sehr calvinistisch in ihrer Lehre, gerade auch bei den Sakramenten. :achselzuck:
Ja, das ist nicht verwunderlich. Die Anglikaner verkörpern in gewisser Weise das andere Extrem des konfessionellen Spektrums. Sie legen Wert auf Dinge, die den dt. Protestanten in der Regel fremd sind (Tradition, Bischofsamt, Hierarchie, Liturgie) - bei einer gleichzeitigen Indifferenz in Fragen des "Bekenntnisses". Man wird den Anglikanern nicht näherkommen, wenn man in den Kategorien des Konfessionalismus denkt. Diese Erfahrung habe ich vor vielen Jahren gemacht, als ich - einerseits den Heussi im Kopf, andererseits die anglikanische Liturgie vor Augen - nicht verstehen konnte, wo die Anglikaner eigentlich hingehören. Das gab sich aber, sobald ich meine vorgefertigten Kategorien in der Schublade gelassen habe...
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Lutheraner
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:Es ist zum Haareausreißen. Oder zum Katholischwerden. Aber man wechselt seine Konfession eben nicht so einfach wie die Socken. (Das sollten auch unsere katholischen Freunde, die dauernd von einer Rückkehr-Ökumene reden, bedenken.)
... und m.E. auch nicht wegen des vermeintlich besseren Amtsverständnisses. Was zählt ist der Weg zum Heil und der wird in der SELK - im Gegensatz zur RKK - klar aufgezeigt.
Evagrios Pontikos hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:
Evagrios Pontikos hat geschrieben:Derzeit ist Deutschland (VELKD: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland) weit weg von einem guten Ordinationsverständnis.
Deutschland heißt aber auch SELK und die hat ein sehr gutes Ordinationsverständnis ;)
Aber die Pfarrer innerhalb der SELK entwickeln eine immer größere Bandbreite. Die SELK ist bei weitem nicht so homogen, wie sie manchmal den Anschein hat. Die theologischen Lehrer in Oberursel sind inzwischen großteils genauso historisch-kritisch wie anderswo (auch im Blick auf die Amtsfrage!). Und dass die Frauenordination kommen wird, auch das wird nur noch eine Frage der (vielleicht noch etwas längeren Zeit) sein. Denn auch SELK-Pfarrer sind zum Teil mit studierten Theologinnen verheiratet, die die Frauenordination befürworten.
Natürlich gibt es SELK-Pfarrer, die die FO befürworten, genauso wie es röm.-kath. Pfarrer und Bischöfe gibt, die dies tun. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die FO in der SELK nie kommen wird. Es gibt zu viele Pfarrer und theologisch interessierte Laien, die die FO entschieden ablehnen. Selbst wenn sich rein theoretisch eines Tages die notwendige Mehrheit finden würde, würde man kaum eine Kirchenspaltung (die unweigerlich kommen würde) und die Aufhebung der Kirchengemeinschaft mit LCMS und IELB und das freundschaftliche Verhältnis zu anderen lutherischen Kirchen, die die FO ablehnen und das bewußte Verlassen eines ökumenischen Konsenses hierfür in Kauf nehmen.
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lutherbeck
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von lutherbeck »

Ich habe alle bisherigen Diskussionsbeiträge aufmerksam gelesen - und fühle mich niedergeschlagen ( wobei man sagen muß, daß ich heute eh keinen so erfreulichen Tag habe...)!

Katholiken, Lutheraner, SELK, VELKD, Orthodoxie oder Altkatholiken mit ihren jeweiligen Untergruppen; von den Anglikanern weiß ich am wenigsten weil ich keinen persönlich kenne - bei ausnahmslos allen scheint schon innerhalb ihrer eigenen Kirche zwischen steinharten Traditionalisten und weichen Modernisten das Tischtuch größtenteils zerschnitten - auf eine gemeinsame Linie können sie sich kaum noch einlassen; aber natürlich können sie das alles mit klugen Worten glaubhaft erklären! Zwischen diesen unversönlichen Positionen aber steht der "normale" Gläubige - und fühlt sich irgendwie zwischen beiden Blöcken zerrieben; nicht wenige verlassen sich irgendwann nur noch auf ihre eigenen ( oft nebulösen ) Gedanken und viele kehren ihrer Kirche gar den Rücken!

Wenn aber schon innerhalb der einzelnen Kirchen so wenig Einigkeit herrscht - wie soll es dann je zwischen den verschiedenen Konfessionen besser funktionieren, wie soll jemals die Einigkeit der Christen wieder hergestellt werden?

Vermutlich wird es die niemals wieder geben ( unser aller Schuld?) - vielleicht sollten wir uns einfach daran gewöhnen und dennoch versuchen das Beste daraus zu machen: etwa die jeweilige Schönheit in Eigenheit der jeweils anderen Kirchen anerkennen ohne sie gleich als heilsgefährdend niederzumachen und miteinander ein liebevolles Gespräch versuchen! Vielleicht können wir auch von Frere Roger etwas lernen: wie man seine eigene Tradition lebt und doch in die anderen langsam hineinwächst...

Auf diese Weise ließe sich vielleicht auch noch der Schaden begrenzen, den das Christentum aufgrund des ewigen internen Gezeters bei Nichtchristen genommen hat...

Lutherbeck :bedrippelt:
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

@Lutheraner: Bei aller Sympathie für die SELK, die SELK lebt wie alle Freikirchen davon, dass sie die Großkirchen als konstitutives Moment ihrer Existenz benötigt. Das halte ich ekklesiologisch für ein Problem. Ich könnte deshalb nicht so ohne weiteres SELKianer werden. Freikirchen leben konstitutiv von der Abgrenzung her. Ich will vom "magnus consensus ecclesiae" (CA I) her leben. Und den bringe ich in das theologische Gespräch ein, innerkirchlich wie ökumenisch.

Das Amt ist nicht so sekundär, wie Du in Deinem Posting behauptest. Der "Weg zum Heil" und das Amt lassen sich nicht auseinanderdividieren. Nach CA VIII,2 (lateinischer Text) ist das Amt konstitutiv für die Wirksamkeit von Wort Sakrament. Wenn in der evangelischen Kirche, egal welcher Couleur (EKD, SELK etc.) das Amt verdorben wird und nicht mehr rite ist, also dem kanonischen Recht entspricht (CA XIV), dann wird aus der Kirche eine kirchliche Gemeinschaft, die nicht mehr in der Fülle des Heils lebt, wenn auch deren Glieder durch Taufe und Glaube weiterhin Glieder des Leibes Christi sind. Wenn das, was ich versucht habe in diesem Thread darzustellen, zutrifft, dann haben die evangelischen Kirchen in bedenklicher Weise hier eine Grenze überschritten, als sie die eigenen Grundsätze und den Konsens der Kirche verlassen haben, und sie müssen sich jetzt nicht darüber beleidigt wundern (wie z.B. Frau Käßmann dies tut), wenn die römisch-katholische und die orthodoxen Kirchen sie nicht als Kirchen ansehen.

Wenn man so einseitig den "Weg zum Heil" absolut setzt, wie Du es, wenn ich Dich richtig verstehe, eben getan hast, dann kann man sich ja auch irgendeiner Freikirche aus dem Bund evangelischer Freikirchen, Baptisten und Brüdergemeinden anschließen. Dort sind die Fragen nach Amt und Sakramenten sekundär.

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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Bernado »

lutherbeck hat geschrieben:Katholiken, Lutheraner, SELK, VELKD, Orthodoxie oder Altkatholiken mit ihren jeweiligen Untergruppen; von den Anglikanern weiß ich am wenigsten weil ich keinen persönlich kenne - bei ausnahmslos allen scheint schon innerhalb ihrer eigenen Kirche zwischen steinharten Traditionalisten und weichen Modernisten das Tischtuch größtenteils zerschnitten - auf eine gemeinsame Linie können sie sich kaum noch einlassen; aber natürlich können sie das alles mit klugen Worten glaubhaft erklären! Zwischen diesen unversönlichen Positionen aber steht der "normale" Gläubige - und fühlt sich irgendwie zwischen beiden Blöcken zerrieben; nicht wenige verlassen sich irgendwann nur noch auf ihre eigenen ( oft nebulösen ) Gedanken und viele kehren ihrer Kirche gar den Rücken!

Wenn aber schon innerhalb der einzelnen Kirchen so wenig Einigkeit herrscht - wie soll es dann je zwischen den verschiedenen Konfessionen besser funktionieren, wie soll jemals die Einigkeit der Christen wieder hergestellt werden?
Die Einheit der (aller) Christen wird es sicher niemals geben, sie ist uns auch nicht verheißen. Eher im Gegenteil, daß die Spaltungen vor dem Ende noch dramatischer werden. Aber andererseits zeichnet sich durchaus eine Tendenz ab, daß die Traditionalisten und ähnlich auch die Modernisten sich über die Konfessionsgrenzen hinweg näherkommen. Anglicanorum Coetibus ist ja nur ein Indiz dafür.
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:@Lutheraner: Bei aller Sympathie für die SELK, die SELK lebt wie alle Freikirchen davon, dass sie die Großkirchen als konstitutives Moment ihrer Existenz benötigt. Das halte ich ekklesiologisch für ein Problem. Ich könnte deshalb nicht so ohne weiteres SELKianer werden. Freikirchen leben konstitutiv von der Abgrenzung her. Ich will vom "magnus consensus ecclesiae" (CA I) her leben. Und den bringe ich in das theologische Gespräch ein, innerkirchlich wie ökumenisch.


Das Amt ist nicht so sekundär, wie Du in Deinem Posting behauptest. Der "Weg zum Heil" und das Amt lassen sich nicht auseinanderdividieren. Nach CA VIII,2 (lateinischer Text) ist das Amt konstitutiv für die Wirksamkeit von Wort Sakrament. Wenn in der evangelischen Kirche, egal welcher Couleur (EKD, SELK etc.) das Amt verdorben wird und nicht mehr rite ist, also dem kanonischen Recht entspricht (CA XIV), dann wird aus der Kirche eine kirchliche Gemeinschaft, die nicht mehr in der Fülle des Heils lebt, wenn auch deren Glieder durch Taufe und Glaube weiterhin Glieder des Leibes Christi sind.
CA VII:
Es wird auch gelehret, daß alle Zeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heilige Sacrament laut des Evangelii gereicht werden.


Gemäß CA wird doch die Kirche durch den rechten Glauben definiert und nicht durch ein gültiges Amt (wie immer man das definieren mag - es hat bei den deutschen Lutheraner meines Wissens übrigens auch nie "Ordinationsstammbäume" gegeben). Du hattest doch selbst hier geschrieben, dass früher die Ordination der Reformierten nicht anerkannt wurde, weil sie einem falschen Glauben anhingen (z.B. Leugnung der Realpräsenz). Damit wäre die Gültigkeit des Amtes nach evang.-luth. Verständnis (auch) eine Folge des rechten Glaubens und nicht der rechte Glaube Folge eines gültigen Amtes.

Evagrios Pontikos hat geschrieben: Wenn man so einseitig den "Weg zum Heil" absolut setzt, wie Du es, wenn ich Dich richtig verstehe, eben getan hast, dann kann man sich ja auch irgendeiner Freikirche aus dem Bund evangelischer Freikirchen, Baptisten und Brüdergemeinden anschließen. Dort sind die Fragen nach Amt und Sakramenten sekundär.
Die meisten Baptisten u.ä. sind Synergisten und damit lehren sie - je nach Ausprägung - auch nicht unbedingt den rechten Weg zum Heil. Aber wenn ich in einer Gegend landen würde, wo es keine Lutheraner gibt, dann würde ich mir zuerst einmal alle Gemeinden, die sich "evangelisch" nennen sehr gründlich anschauen.
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Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Bernado hat geschrieben:Die Einheit der (aller) Christen wird es sicher niemals geben, sie ist uns auch nicht verheißen. Eher im Gegenteil, daß die Spaltungen vor dem Ende noch dramatischer werden. Aber andererseits zeichnet sich durchaus eine Tendenz ab, daß die Traditionalisten und ähnlich auch die Modernisten sich über die Konfessionsgrenzen hinweg näherkommen. Anglicanorum Coetibus ist ja nur ein Indiz dafür.
Kennt Ihr von Solowjew die "Kurze Erzählung vom Antichrist"? Sehr interessant, vor allem die dort erzählerisch skizzierte Ökumene.

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Florianklaus
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Florianklaus »

Lutheraner hat geschrieben:
Evagrios Pontikos hat geschrieben:@Lutheraner: Bei aller Sympathie für die SELK, die SELK lebt wie alle Freikirchen davon, dass sie die Großkirchen als konstitutives Moment ihrer Existenz benötigt. Das halte ich ekklesiologisch für ein Problem. Ich könnte deshalb nicht so ohne weiteres SELKianer werden. Freikirchen leben konstitutiv von der Abgrenzung her. Ich will vom "magnus consensus ecclesiae" (CA I) her leben. Und den bringe ich in das theologische Gespräch ein, innerkirchlich wie ökumenisch.


Das Amt ist nicht so sekundär, wie Du in Deinem Posting behauptest. Der "Weg zum Heil" und das Amt lassen sich nicht auseinanderdividieren. Nach CA VIII,2 (lateinischer Text) ist das Amt konstitutiv für die Wirksamkeit von Wort Sakrament. Wenn in der evangelischen Kirche, egal welcher Couleur (EKD, SELK etc.) das Amt verdorben wird und nicht mehr rite ist, also dem kanonischen Recht entspricht (CA XIV), dann wird aus der Kirche eine kirchliche Gemeinschaft, die nicht mehr in der Fülle des Heils lebt, wenn auch deren Glieder durch Taufe und Glaube weiterhin Glieder des Leibes Christi sind.
CA VII:
Es wird auch gelehret, daß alle Zeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heilige Sacrament laut des Evangelii gereicht werden.


Gemäß CA wird doch die Kirche durch den rechten Glauben definiert und nicht durch ein gültiges Amt (wie immer man das definieren mag - es hat bei den deutschen Lutheraner meines Wissens übrigens auch nie "Ordinationsstammbäume" gegeben). Du hattest doch selbst hier geschrieben, dass früher die Ordination der Reformierten nicht anerkannt wurde, weil sie einem falschen Glauben anhingen (z.B. Leugnung der Realpräsenz). Damit wäre die Gültigkeit des Amtes nach evang.-luth. Verständnis (auch) eine Folge des rechten Glaubens und nicht der rechte Glaube Folge eines gültigen Amtes.

Evagrios Pontikos hat geschrieben: Wenn man so einseitig den "Weg zum Heil" absolut setzt, wie Du es, wenn ich Dich richtig verstehe, eben getan hast, dann kann man sich ja auch irgendeiner Freikirche aus dem Bund evangelischer Freikirchen, Baptisten und Brüdergemeinden anschließen. Dort sind die Fragen nach Amt und Sakramenten sekundär.
Die meisten Baptisten u.ä. sind Synergisten und damit lehren sie - je nach Ausprägung - auch nicht unbedingt den rechten Weg zum Heil. Aber wenn ich in einer Gegend landen würde, wo es keine Lutheraner gibt, dann würde ich mir zuerst einmal alle Gemeinden, die sich "evangelisch" nennen sehr gründlich anschauen.

M.W. lehren unter den Protestanten nur die Lutheraner die Realpräsenz im Abendmahl. Würdest Du dich dennoch, soweit eine lutherische Kirche nicht erreichbar ist, unter Umständen zu einer anderen Denomination halten?
Zuletzt geändert von Florianklaus am Mittwoch 20. Januar 2010, 13:44, insgesamt 1-mal geändert.

Evagrios Pontikos
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Evagrios Pontikos »

Lutheraner hat geschrieben:CA VII:
Es wird auch gelehret, daß alle Zeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heilige Sacrament laut des Evangelii gereicht werden.


Gemäß CA wird doch die Kirche durch den rechten Glauben definiert und nicht durch ein gültiges Amt (wie immer man das definieren mag - es hat bei den deutschen Lutheraner meines Wissens übrigens auch nie "Ordinationsstammbäume" gegeben). Du hattest doch selbst hier geschrieben, dass früher die Ordination der Reformierten nicht anerkannt wurde, weil sie einem falschen Glauben anhingen (z.B. Leugnung der Realpräsenz). Damit wäre die Gültigkeit des Amtes nach evang.-luth. Verständnis (auch) eine Folge des rechten Glaubens und nicht der rechte Glaube Folge eines gültigen Amtes...
Nach CA VIII, 2 (lat. Text) ist das Amt konstitutiv für Wort und Sakramente (macht sie wirksam), die Ordination nach Apol. CA XIII, 9-11 sogar selber ein Sakrament. CA VII, worauf Du hinweist, setzt CA V voraus ("Vom Predigtamt"), das wiederum in CA XIV näher erläutert wird. Predigt und Sakramente fallen eben nicht einfach vom Himmel, sondern geschehen durch das Amt. Gott hat nach CA V nicht nur Evangelium und Sakrament eingesetzt, sondern als deren Voraussetzung das Amt. Eine "Kirche" ohne Amt ist keine Kirche (weshalb z.B. in Apg 14,23 bei der dort erfolgten Weihe der Presbyter die neu gegründeten Gemeinden erstmals "Gemeinde" genannt werden).

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Lutheraner
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Florianklaus hat geschrieben:M.W. lehren unter den Protestanten nur die Lutheraner die Realpräsenz im Abendmahl. Würdest Du dich dennoch, soweit eine ltherische Kirche nicht erreichbar ist, unter Umständen zu einer anderen Denomination halten?
Ich kann mir nicht vorstellen bei einer Gemeinschaft, die nicht die Realpräsenz glaubt und bekennt das Hl. Abendmahl zu empfangen (aber das ist nicht alles: Saft, Einzelkelche, Kelchverweigerung, unwürdige Austeilung des Sakraments, etc. sind für mich eigentlich auch Tabus).
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Bernado
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Bernado »

Evagrios Pontikos hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:Die Einheit der (aller) Christen wird es sicher niemals geben, sie ist uns auch nicht verheißen. Eher im Gegenteil, daß die Spaltungen vor dem Ende noch dramatischer werden. Aber andererseits zeichnet sich durchaus eine Tendenz ab, daß die Traditionalisten und ähnlich auch die Modernisten sich über die Konfessionsgrenzen hinweg näherkommen. Anglicanorum Coetibus ist ja nur ein Indiz dafür.
Kennt Ihr von Solowjew die "Kurze Erzählung vom Antichrist"? Sehr interessant, vor allem die dort erzählerisch skizzierte Ökumene.
Ich habe sie hier schon mehrfach angeführt - samt der beeindruckenden Ausbreitung des Themas im "Herrn der Welt" von R. H. Benson.

Und was sicher viel interessanter ist, Josef Ratzinger kennt sie auch und hat sie in einigen seiner Bücher zustimmend angeführt.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Stephen Dedalus »

lutherbeck hat geschrieben:Katholiken, Lutheraner, SELK, VELKD, Orthodoxie oder Altkatholiken mit ihren jeweiligen Untergruppen; von den Anglikanern weiß ich am wenigsten weil ich keinen persönlich kenne - bei ausnahmslos allen scheint schon innerhalb ihrer eigenen Kirche zwischen steinharten Traditionalisten und weichen Modernisten das Tischtuch größtenteils zerschnitten - auf eine gemeinsame Linie können sie sich kaum noch einlassen; aber natürlich können sie das alles mit klugen Worten glaubhaft erklären! Zwischen diesen unversönlichen Positionen aber steht der "normale" Gläubige - und fühlt sich irgendwie zwischen beiden Blöcken zerrieben; nicht wenige verlassen sich irgendwann nur noch auf ihre eigenen ( oft nebulösen ) Gedanken und viele kehren ihrer Kirche gar den Rücken!
Sehr treffend.
Eines der größten Probleme der gegenwärtigen Christenheit.

Beide Fehlentwicklungen (Traditionalismus und Modernismus - treffender vielleicht "Progressismus", der allerdings keinswegs "weich" daherkommt) werfen sich gegenseitig vor, die Kirche zu zerstören, gleichzeitig preisen sie sich selbst als Remedium für zahlreiche Mißstände an.

Daß sich gerade diese Radikalisierung an beiden Enden als kirchenzerstörend erweist, kümmert gerade die am wenigsten, die von den Rändern her das Heil verkünden.

Darin liegt die Tragik.
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
lutherbeck hat geschrieben:Katholiken, Lutheraner, SELK, VELKD, Orthodoxie oder Altkatholiken mit ihren jeweiligen Untergruppen; von den Anglikanern weiß ich am wenigsten weil ich keinen persönlich kenne - bei ausnahmslos allen scheint schon innerhalb ihrer eigenen Kirche zwischen steinharten Traditionalisten und weichen Modernisten das Tischtuch größtenteils zerschnitten - auf eine gemeinsame Linie können sie sich kaum noch einlassen; aber natürlich können sie das alles mit klugen Worten glaubhaft erklären! Zwischen diesen unversönlichen Positionen aber steht der "normale" Gläubige - und fühlt sich irgendwie zwischen beiden Blöcken zerrieben; nicht wenige verlassen sich irgendwann nur noch auf ihre eigenen ( oft nebulösen ) Gedanken und viele kehren ihrer Kirche gar den Rücken!
Sehr treffend.
Eines der größten Probleme der gegenwärtigen Christenheit.
War das früher anders? Es mag ruhigere Phasen gegeben haben, aber Zwist und Streit gab es doch schon immer in den einzelnen Denominationen. Der Unterschied ist heutzutage doch nur, dass zusätzlich zu den Theologen auch theologieinteressierte Laien ihre Meinungen laut kundtun und in unserer Mediengesellschaft alles schneller öffentlich wird.
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben:War das früher anders? Es mag ruhigere Phasen gegeben haben, aber Zwist und Streit gab es doch schon immer in den einzelnen Denominationen. Der Unterschied ist heutzutage doch nur, dass zusätzlich zu den Theologen auch theologieinteressierte Laien ihre Meinungen laut kundtun und in unserer Mediengesellschaft alles schneller öffentlich wird.
Ja, früher war es anders. Natürlich gab es Konflikte und unterschiedliche theologische Schulen. Aber erstens war die Entwicklung langsamer - schon des langsameren Informationsflusses wegen. Zum anderen gab es für die Einzelnen in der Regel weniger Optionen. Lebte man in Sachsen, war man eben lutherisch, in Spanien katholisch. Heute kann jeder, egal wo er lebt, sich irgendeiner Religionsgemeinschaft anschließen. Ich kann russisch-orthodox in London oder protestantisch-charismatisch in Brasilien sein. Es gibt heute Optionen, die unseren Vorfahren nie in den Sinn gekommen wären.

Ebenso sind einzelne pressure groups sehr gut darin, sich international zu vernetzen und durch Medienpräsenz eine Größe vorzutäuschen, die sie im realen Leben nicht haben. Die mediale Vernetzung wird u.a. dazu genutzt, ein Rauschen im Blätterwald zu erzeugen, wenn irgendetwas irgendwo passiert. Ein Pfarrer Breitenbach in Schweinfurt oder eine aus dem Ruder gelaufene Fronleichnamsprozession in Linz hätten früher nur auf die direkte Umgebung ausgestrahlt. Heute wird es von einzelnen Medien so sehr verstärkt, daß selbst aus den USA Proteste an den Ortsbischof von Linz geschickt werden. Andere Vorfälle, wie jüngst der Fall einer kleinen Pfarre in der Normandie, zeigen das ebenso.
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Lutheraner »

Ich habe den Eindruck, dass die Konservativen die Vergangenheit völlig verklären. Es war weder die evang.-luth. Kirche so brav bekenntnistreu, wie manche es sich erträumen, noch war die Kath. Kirche so, wie die Piusler&Co sich das ausmalen. Streit, Häresien und Flügelkämpfe hat es immer gegeben.
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Christ86 »

Lutheraner hat geschrieben:Ich habe den Eindruck, dass die Konservativen die Vergangenheit völlig verklären.
Und die Modernisten tun selbiges mit dem Jetzt. Jetzt ist alles besser: wir sind bessere Menschen und bessere Theologen, mit besseren "neuen Erkenntnissen" (will heissen zumeist bereits verurteilte Häresien). Wir wissen alles besser als die alten Trottel früherer Jahrhunderte. Eine "bessere Bibel" haben wir auch noch, ja sogar einen "besseren Gott", weil unser "Gottesbild" sich zum besseren verändert hat.

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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Stephen Dedalus »

Christ86 hat geschrieben: Und die Modernisten tun selbiges mit dem Jetzt.
Nein. Die echten Progressisten wollen nicht im Jetzt verbleiben, sie wollen eine andere Kirche.
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Christ86
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Christ86 »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben: Und die Modernisten tun selbiges mit dem Jetzt.
Nein. Die echten Progressisten wollen nicht im Jetzt verbleiben, sie wollen eine andere Kirche.
Das "Jetzt" bezog sich auf unsere Zeit. Nicht auf die jetzige Kirche. Natürlich wollen sie eine neue daraus machen, eine die nur nach ihrem eigenen Gusto geformt ist und nichts bewahrt, was immer geglaubt wurde, aber den Modernisten ein Dorn im Auge ist.
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Bernado
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Bernado »

Wer in den aktuellen (noch) innerkirchlichen Auseinandersetzungen nur Extreme sieht, von denen man sich gleicherweise distanziert, um den begehrten Platz des Weltkindes in der Mitten einnehmen zu können, macht es sich zumindest aus der Sicht von Josef Ratzinger zu einfach. Ich zitiere aus Weggemeinschaft des Glaubens - Kirche als Communio, Augsburg 2002, S. 232 f.
Josef Ratzinger hat geschrieben:Beim Nachdenken über die Lage der Ökumene und die Lage der Christenheit überhaupt kommt mir in letzter Zeit immer häufiger Solowjews Geschichte vom Antichrist in den Sinn. Im Augenblick der letzten Entscheidung zeigt es sich dort, daß in allen drei Gemeinschaften, bei Petrus, Paulus wie bei Johannes Parteigänger des Antichrist leben, die ihm in die Hände spielen und sich ihm unterwerfen; aber ebenso zeigt es sich, daß es bei allen dreien wahre Christen gibt, die dem Herrn die Treue halten bis in die Stunde seines Kommens hinein. Im Angesicht Christi erkennen sich die Getrennten um Petrus, Paulus, Johannes als Brüder; es erkennen sich die getrennten wahren Christen als immer schon einig, wie umgekehrt die Schar des Antichrist ihrer Lüge überführt wird. Im Licht des Erlösers zeigt sich, wer die einen wie die anderen waren und sind.

Es wäre völlig verfehlt zu denken, diese Vision des leidenschaftlichen Ökumenikers Solowjew verschiebe die Sache der christlichen Einheit auf das Ende der Zeiten oder überhaupt ins Nach-Zeitliche. In der Vision Solowjews ist Eschatologie biblisch richtig verstanden: Sie ist nicht das datumsmäßig Späte, das im Nacheinander der Tage in einer unbestimmbar fernen Zukunft einmal kommt und heute eben nicht da ist. Nein, das Eschatologische ist das eigentlich Wirkliche, das einmal als solches offenbar wird, aber immer schon all unsere Tage prägt. Man hätte nichts verstanden von Solowjews Erzählung, würde man sagen, sie verschiebe die christliche Einheit ans Ende der Tage. Sie zeigt vielmehr, daß diese Einheit „eschatologisch" im wahren Sinne des Wortes ist: immer schon gegenwärtig und doch innerhalb der Zeit nie vollendet,
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Stephen Dedalus
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Re: Luther, die Reformation und die apostolische Sukzession

Beitrag von Stephen Dedalus »

Bernado hat geschrieben:Wer in den aktuellen (noch) innerkirchlichen Auseinandersetzungen nur Extreme sieht, von denen man sich gleicherweise distanziert, um den begehrten Platz des Weltkindes in der Mitten einnehmen zu können, macht es sich zumindest aus der Sicht von Josef Ratzinger zu einfach. Ich zitiere aus Weggemeinschaft des Glaubens - Kirche als Communio, Augsburg 2002, S. 232 f.
Es gibt ja nicht nur die Fehlentwicklungen des Traditionalismus und des Progressismus. Neben diesen Extremen gibt es durchaus tragfähige Positionen - auch wenn diese aufgrund ihrer differenzierten Positionen in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen und von den extremen Rändern her ihrer vermeintlichen "Lauheit" wegen wenig goutiert werden .

Wer übrigens meint, ein Werk wie das von Solowjew "für andere" lesen zu müssen, verfehlt damit dessen tiefsten Sinn.
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