Stephen Dedalus hat geschrieben:
Das mag für die Großstädte gelten. Für das platte Land wohl noch nicht. Diese Entwicklung ist Teil der neuen Multikulti- und Multioptionsgesellschaft.
Ich habe die ersten Jahre meines Lebens auf dem wohl "plattesten Land" verbracht, nämlich in einem winzigen Weiler, der heute etwa 150 Bewohner zählt (zu meiner Zeit waren es weniger) und wo es zu Fuss auf die eine Seite mindestens 15 min dauert, bis man das nächste Kaff erreicht, in alle anderen Richtungen mind. ca. 30-45 min.
Man war da erzreformiert, wir waren in der Tat die einzigen Nicht-Reformierten. Meine Spiel- und später Schulkameraden mussten jeden Sonntag in die Sonntagsschule und die Eltern waren allgemein sehr fromm.
Heute leben da ein, zwei Ausländer, Christen aber.
Und trotzdem hat sich da religiös sehr viel getan. Die Leutchen haben sich nämlich von der reformierten Kirche abgewandt, entweder in den Atheismus oder vielfach zum Freikirchentum. Erst vor kurzer Zeit hat eine ehemalige Schulfreundin die Gläubigentaufe empfangen. Ein anderer Schulkamerad ist Prediger in einer Freikirche.
Auch auf dem Land ist der religiöse Wechsel spürbar. Die übergekommenen - und heute erzliberalen - Gemeinschaften gehen auch da ein und neue Gruppierungen bilden sich. Die Tage der liberalen (Ex-)Christen sind gezählt.
Die Orthodoxie wäre nicht schlecht beraten, wenn sie dort Missionen eröffnen würde. Wer unter freiem Himmel lebt, hat viel Zeit - mangels Kontakten zu vielen Menschen - sich mit Gott und der Welt zu beschäftigen. Fruchtbarer Boden, wenn die Landeskirchen sich selbst entchristlicht haben.