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Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 30. Mai 2008, 20:22
von Chrysostomus
Hallo!
Da ich keinen Thread zu Ikonenmalerei gefunden habe, das Thema einen allerdings sicherlich verdient, nehme ich mir mal die Freiheit, einen neu zu eröffnen.
Ich persönlich bin sehr fasziniert von Ikonen und habe auch Ambitionen, es selbst zu erlernen. Ich habe auch schon Bekanntschaft mit einer Künstlerin gemacht und habe also Kontakte, wo und wie.
Meine Frage richtet sich eher nach Erfahrungen:
Gibt es hier jemanden, der es vielleicht selbst gelernt hat und Ikonen schreibt? Hat es jemand bereits versucht? Was sind eure Erfahrungswerte, eure Erfolge oder auch Enttäuschungen? Könnt ihr einem Neuling Tipps mit auf den Weg geben?
Es wäre schön, wenn ein kleiner Austausch über Ikonen und insb. die Ikonenmalerei zustanden kommen könnte!
Lg, Chrysostomus
Verfasst: Montag 4. August 2008, 14:12
von angelus72
Schau mal hier vorbei, er kann Dir zu 1% weiterhelfen
http://homepages.compuserve.de/mirjambeike/ikonen.htm
vlg
Die Sakristei
Verfasst: Montag 4. August 2008, 16:42
von ieromonach
Lieber Chrysostomos,
Ikonen sind nichts "faszinierendes". Ikonen sind Kultgegenstand und nicht Kunst. Ikonen darf auch nicht jeder schreiben, dazu benötigt man die Erlaubnis des Bischofs bzw. des zuständigen Priesters. Wer Ikonen schreibt muß im kirchlichen Leben seine Wohnung haben. Fasten, Gebete, geistliche Führung sind eine Notwendigkeit.
Viele die meinen "ich kann Ikonen malen", malen Bilder, doch diese Bilder sind tot weil sie nicht mit den Anforderungen und Segen der Kirche (des Bichofs/Priesters) gemalt wurden. Ikonen gehören auch nicht ins Museum oder in Ausstellungen.
+P.Theodoros
Verfasst: Montag 4. August 2008, 17:10
von anneke6
Da herrscht bei uns wohl ein anderes Verständnis. Es gibt hierzulande auch Gemälde, die ich "im Ikonenstil" nennen würde, da sie keine Verwurzelung im Byzantinischen haben. Da wäre z.B. hier
Pater Pio.
So etwas tut einem Orthodoxen vielleicht bereits in der Seele weh. Dasselbe passiert wohl mit einem anständigen Katholiken, wenn er das hier sieht:
Mathatma Gandhi
Ich habe auch ein paar Ikonenreproduktionen auf Papier — eine davon mit einem Stempel "Mit dem Segen von [nicht lesbar]".
Devotionalien, halt.
Verfasst: Montag 4. August 2008, 19:25
von Chrysostomus
Selbst wenn das Verständnis hier anders sein sollte, danke ich ieromonach für seinen Hinweis.

Das ist nicht auf den Schlipps getreten, sondern notwendig. Und deshalb sicherlich zu respektieren.
Gerade wegen solcher Hinweise habe ich nicht gefragt, wo man das erlernen kann, sondern nach euren Erfahrungen... bzw. Wissen. Da gehört das eindeutigerweise dazu.
Die Sakristei
Verfasst: Montag 4. August 2008, 20:21
von ieromonach
Lieber Chrysostomos,
wenn Du was über Ikonologie und Ikonographie wissen möchtest,
einmal bei:
www.orthodox-forum.de.vu
bei: Ikonostase und Ikonographiemacht Freude.
+P.Theodoros
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Donnerstag 12. Februar 2009, 22:36
von julius echter
Servus und Hallo, ich male hin und wieder Ikonen.
Doch ist es für mich oft ein schwerer Akt da ich mich monatelange mit den Vorbreitungen herumschlage - ich mein jetzt nicht das vorbereiten der Tafel, sondern die Vorlage zu finden.
Auch höre ich verstärkt die göttliche Liturgie.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 5. Juni 2009, 12:05
von overkott
Zeig doch mal eine deiner Ikonen.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 5. Juni 2009, 12:18
von julius echter
Nun Photos habe ich keine davon aber es hängen drei Stück in der Domsakristei zu Würzburg.
Ich muss aber zugeben dass ich nicht viel male, es fehlt die Zeit - leider.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 21:48
von Nassos
Guten Abend,
ich darf hier vielleicht unseren Priester aus dem orthodoxen Forum rezitieren, bezüglich der Verwendung des Wortes "Schreiben" bei der Agiographia.
Im Griechischen gibt es tatsächlich nur diese eine Wort ("grapho") sowohl für diese Art des Malens wie auch für das Schreiben. Die deutsche Sprache kennt zwei. Habt keinerlei Bedenken, den Reichtum der deutschen Sprache zu nutzen, und seid nicht immer wortwörtlich in der Übersetzung.
"standing ovations" heißt ja auch nicht "stehende Ovationen".
"Schreiben" ist schlichtweg falsch hierfür, es ist ein Malen.
Wie sieht es denn eigentlich im Russischen aus?
Danke.
Nassos
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 23:17
von Nietenolaf
Nassos hat geschrieben:"Schreiben" ist schlichtweg falsch hierfür, es ist ein Malen.
Wie sieht es denn eigentlich im Russischen aus?
"Иконопись", wörtl. "Ikonenschreiben". Allerdings gibt es auch das Wort "живопись", wörtl. sowas wie "Lebenschreiben" (?), aber es heißt "Malerei". Das "-schreiben" hat also eine Bedeutungsnuance, die es im deutschen nicht hat.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 23:44
von Nassos
Hallo Nietenolaf,
danke für den Beitrag. Kannst Du noch die Aussprache der kyrillischen Wörter mit angeben? Mir sind leider nicht alle Buchstaben geläufig.
Ich finde Sprachen hochfaszinierend, vor allem die Nuancen!
Meister Tolkien verehre ich sehr, nicht so sehr wegen der netten Geschichte in "Lord of the Rings", aber um die Entwicklung der Sprachen. Daher ist das "Silamarillion" für mich interessanter...
Nassos
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Dienstag 9. Juni 2009, 12:12
von Nietenolaf
Nassos hat geschrieben:...die Aussprache der kyrillischen Wörter
Klar...
иконопись = ['ikənəpʲisʲ]
живопись = ['ʒyvəpʲisʲ]
So ungefähr...
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 12. Juni 2009, 19:26
von anneke6
An die Ikonenexperten…besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dieser Darstellung:

und dieser

Der wesentliche Unterschied scheint ja zu sein, daß bei der oberen Version das siebte Schwert von unten kommt. Bei der anderen sind die Schwerter links und rechts assymetrisch angeordnet, so wie es bei den "Schmerzhafte Mutter" Darstellungen im Westen oft der Fall ist.
Kann mich jemand in dieser Hinsicht aufklären?
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 12. Juni 2009, 19:47
von Teutonius
Nassos hat geschrieben:Im Griechischen gibt es tatsächlich nur diese eine Wort ("grapho") sowohl für diese Art des Malens wie auch für das Schreiben. Die deutsche Sprache kennt zwei. (...)
"Schreiben" ist schlichtweg falsch hierfür, es ist ein Malen.
Wie sieht es denn eigentlich im Russischen aus?
malen, zeichnen = рисовать [rißowatj]
schreiben = писать [pißatj]
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 17. Juli 2009, 18:40
von julius echter
overkott hat geschrieben:Zeig doch mal eine deiner Ikonen.
http://www.kirchenserver.net/bwo/dcms/r ... _id=272993
Hier ein Bild von den "Werken" die ich geschrieben habe - leider ist die Auflösung nicht besonders gut
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 17. Juli 2009, 18:41
von cantus planus
Sieht aber schön aus! (Die Würzburger Ministrantenkleidung ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

)
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Freitag 17. Juli 2009, 18:43
von julius echter
cantus planus hat geschrieben:Sieht aber schön aus! (Die Würzburger Ministrantenkleidung ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

)
Nun ja es ist eine Helferbesprechung für den Tag der Ehejubilare im Rahmen der Kilianioktav - übrigens ca 3500 Gottesdienstbesucher waren da
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 19:07
von anneke6
Heute ist mir ein Gedanke gekommen…ich habe gedacht, es wäre ganz nett, wenn ich einen Platz hätte, um mir eine richtige Ikonenecke einzurichten. Meine Ikonen hängen nämlich über dem Bett. Das ist in meinem Wohnklo wohl der beste Platz. Halten wir mal fest: Nordseite. Zwei Fenster, davor steht der Schreibtisch mit dem Computer. An der Ostseite steht das Bett. Zwischen Bett und Schreibtisch kann man nicht durchgehen. Am unteren Ende des Bettes steht der Eßtisch. In der nächsten Ecke steht der Herd. Dann kommt die Tür. Die nächste Ecke ist nicht besonders geeignet, da die Tür sich in diese Richtung öffnet und dagegenschlägt. Die Westwand…dort stehen zwei Bücherregale, voll mit Büchern. Und in der letzten Ecke ist mein Drucker/Scanner untergebracht.
Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Menschen, die von einer 2-Zimmerwohnung träumen, um eine Ikonenecke einrichten zu können.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 20:19
von bwv232
Ich hätte eine Frage und vielleicht passt die ganz gut in diesen Thread. Ich habe mir schon immer mal vorgestellt, in meiner Gebetsecke eine kleine Ikone aufzustellen. Ikonen zentrieren mein Gebet und richten mich innerlich aus. Was mich bisher abgeschreckt hat, Ikonen kommen mir irgendwie 'unkatholisch' vor. Wie haltet ihr das? Kann man Ikonen auch im Haus haben? Wie wird das etwa in der Orthodoxie gehandhabt?
viele Grüße
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 20:27
von anneke6
Erst einmal zur katholischen Frage: Auch römisch-katholische Christen können Ikonen zuhause haben. Ich bin übrigens katholisch.
Ein Beispiel für eine in der katholischen Kirche sehr verehrte Ikone:
http://www.kathpedia.com/index.php/Mari ... nden_Hilfe
Katholiken werden sich vielleicht keine Ikonen von Photius oder Nicodemus, dem Agioriten aufhängen…aber guck mal, Du findest bestimmt etwas.
Zur zweiten Frage: Nach orthodoxem Verständnis kann man Ikonen zuhause haben — und man sollte es.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 20:34
von Joseph
anneke6 hat geschrieben:
Zur zweiten Frage: Nach orthodoxem Verständnis kann man Ikonen zuhause haben — und man sollte es.
Anneke, SOLL man.... die Ikonen sind der zentrale Teil der "Hauskirche" die jedes Orthodoxe Haus sein sollte.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 20:42
von anneke6
Hier ein Beispiel für eine sehr schöne Ikonenecke:

Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 20:43
von Joseph
Nice.....!
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 20:48
von bwv232
anneke6 hat geschrieben:Erst einmal zur katholischen Frage: Auch römisch-katholische Christen können Ikonen zuhause haben. Ich bin übrigens katholisch.
Ein Beispiel für eine in der katholischen Kirche sehr verehrte Ikone:
http://www.kathpedia.com/index.php/Mari ... nden_Hilfe
Katholiken werden sich vielleicht keine Ikonen von Photius oder Nicodemus, dem Agioriten aufhängen…aber guck mal, Du findest bestimmt etwas.
Zur zweiten Frage: Nach orthodoxem Verständnis kann man Ikonen zuhause haben — und man sollte es.
Erst mal vielen Dank! Darf ich noch was fragen? Auch wenn's vielleicht a bisserl naiv klingt? Wie geht man denn praktisch mit einer Ikone um? Ich habe eine kleine Zweizimmerwohnung und ein Zimmer dient [fast] nur dem Gebet und dem Lesen in der Schrift. Nach Osten habe ich in dem Zimmer meine Gebetsecke. Nur ist der Tisch in dem Zimmer leider der einzige Tisch in meiner ganzen Wohnung und ich mach da auch so profane Sachen wie Frühstück oder Teetrinken. Geht bei mir leider nicht anders, sonst bräuchte ich nämlich eine 3-Zimmer Wohnung. Egal, was ich mich frage, deckt man eine Ikone eigentlich mit einem Tuch ab, wenn man 'profane' Dinge in ihrer Gegenwart tut? Irgendwie kann ich mich erinnern, dass Ikonen ja auch geweihte Gegenstände sind und damit sind sie selber irgendwie aus der Spähre des irdischen enthoben. Ich habe in meiner Wohnung bewusst ein Zimmer [fast] frei von allen Sachen gehalten, um das Heilige vom Weltlichen möglichst klar zu trennen. Vor einer Ikone etwas zu essen ... ich weiß nicht ... irgendwie käme mir das falsch vor. Das ist doch wie vor dem Hochaltar sein Eis zu schlecken, oder? Wie wird das den in der Orthodoxie gehalten? Die Leute haben da doch auch bestimmt sehr enge Wohnverhältnisse, decken die ihre Ikonen vielleicht mit einem Tuch ab oder so?
viele Grüße
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 21:00
von Joseph
Ikonen sind in sich selbst nicht "Heilig." Sie sind wie Bilder unserer Familie und Freunde. Natürlich sind sie gesegnet worden (in manchen Traditionen) aber auch das ist nicht nötig, denn wenn der Ikonograph die Worte mit den heiligen Namen draufschreibt wird sie eine gesegnete Ikone (Sie muss aber nach den kanonischen Regeln der Kirche geschrieben sein). Man behandelt Ikonen daher mit Liebe und Respekt da sie Heilige Menschen, unsere Helfer und Freunde vor Gott, oder gar Jesus Christus und seine Mutter darstellen. Man behandelt ja die Bilder seiner Familie auch mit Liebe und Respekt. Ansonsten sind sie Holz und Farbe...!
So, da sogar Gott in der Form von Christus gegessen hat ist es durchaus kein Problem vor der Ikone auch seine täglichen Arbeiten und Verrichtungen zumachen. Besonders wenn die Wohnverhältnisse etwas beschränkt sind. Man sollte sie aber wenn möglich so hängen, daß man ihnen beim sitzen, essen, Fernsehn schauen oder ähnlichem nicht den Rücken zukehrt. Am Besten behandelst Du eine Ikone im selben Stil als wenn die dargestellte Person gegenwärtig ist (was sie ja auch ist).
Ich hoffe das hilft etwas...
Gruß
Joseph
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 21:09
von anneke6
@ bwv: Es gibt Berichte, daß früher manche Eheleute die Ikonen über dem Ehebett (es gibt mancherorts spezielle "Ehe-Ikonen" zu kaufen, links die Gottesmutter und rechts Jesus) verhüllt haben, wenn sie miteinander schlafen wollten.
Du brauchst Deine Ikonen nicht zu verhüllen, aber es ist eine slawische Tradition (auch bei Katholiken), sie mit Tüchern zu schmücken.
Grundsätzlich machst Du es richtig, den Gebetsort nur oder fast nur dem Gebet zu widmen. Was das Tischproblem angeht — da scheinen wir ein ähnliches Problem zu haben. Wenn Du handwerklich begabt bist, kannst Du Dir ein Bord machen, das unter die Wand mit den Ikonen montiert wird. Dort können dann Kerzen, Weihrauch, Gebetbücher, Rosenkränze liegen. Da ich (siehe meinen Post) kein Tisch oder Bord für meine Ikonen habe, habe ich in einem Bücherschrank eine kleine Etage für sakrale Dinge reserviert. Dort bewahrte ich Bibeln, Gebetbücher, Weihwasser, Weihrauch, geweihte Öle und Antidoron auf.
Wie man mit einer Ikone umgeht: Man hängt sie auf oder stellt sie auf ein Bord. Man zündet Kerzen (am besten hochwertige Kerzen aus Bienenwachs) vor ihr an. Es gibt auch stehende oder hängende Öllampen. Man legt Weihrauch vor ihr auf. Man verbeugt sich vor ihr und bekreuzigt sich. Man betet vor ihr. Man läßt sich mit ihr begraben.
Was das Segnen angeht: Katholiken sind es gewohnt, daß alle möglichen Andachtsgegenstände gesegnet werden. Manche Orthodoxe sagen, daß dies dem 7. ökumenischen Konzil widerspricht (Argument: Das Kreuz und die heiligen Bilder sind an sich heilig und brauchen keine Segnung) aber es gibt Methoden, Ikonen zu segnen, z.B. dadurch, daß sie 40 Tage auf dem Altar liegen bleiben, oder mit Weihwasser, besonders am Tag des Sieges der Orthodoxie über die Ikonoklasten.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 21:19
von bwv232
Joseph hat geschrieben:Ikonen sind in sich selbst nicht "Heilig." Sie sind wie Bilder unserer Familie und Freunde. Natürlich sind sie gesegnet worden (in manchen Traditionen) aber auch das ist nicht nötig, denn wenn der Ikonograph die Worte mit den heiligen Namen draufschreibt wird sie eine gesegnete Ikone (Sie muss aber nach den kanonischen Regeln der Kirche geschrieben sein). Man behandelt Ikonen daher mit Liebe und Respekt da sie Heilige Menschen, unsere Helfer und Freunde vor Gott, oder gar Jesus Christus und seine Mutter darstellen. Man behandelt ja die Bilder seiner Familie auch mit Liebe und Respekt. Ansonsten sind sie Holz und Farbe...!
So, da sogar Gott in der Form von Christus gegessen hat ist es durchaus kein Problem vor der Ikone auch seine täglichen Arbeiten und Verrichtungen zumachen. Besonders wenn die Wohnverhältnisse etwas beschränkt sind. Man sollte sie aber wenn möglich so hängen, daß man ihnen beim sitzen, essen, Fernsehn schauen oder ähnlichem nicht den Rücken zukehrt. Am Besten behandelst Du eine Ikone im selben Stil als wenn die dargestellte Person gegenwärtig ist (was sie ja auch ist).
Ich hoffe das hilft etwas...
Gruß
Joseph
Ja doch, das hilft mir, ebenfalls vielen Dank. Ich habe gerade darüber nachgedacht, ich esse und trinke ja auch vor dem Kreuz in meinem Zimmer und halte das nicht für falsch, warum sollte ich da bei Ikonen größeren Skrupel haben? Und der Hinweis, Ikonen so zu behandeln, als ob die dargestellte Person tatsächlich gegenwärtig ist ... ja das kann ich gut verstehen, nicht anders geht es mir mit der Darstellung des gekreuzigte HERRN, ich halte ihn ja auch für tatsächlich gegenwärtig und trotzdem ist das Kreuz nur ein Stück Holz an meiner Wand und ich verehre ja nicht dieses Stück Holz.
Eine Ikone ist also dann gesegnet, wenn sie nach den kanonischen Regeln der [orthodoxen] Kirche geschrieben worden ist? Und wenn der Heilige Name der dargestellten Person auf sie geschrieben worden ist? Wirklich geweiht wird sie also gar nicht? Das wußte ich nicht, das war mir neu.
Eine Frage hätte ich noch, wie kommt man denn an eine Ikone? Als jemand, der für sein Leben ganz bewusst den Hl. Franziskus zum Vorbild genommen hat, war ich schon immer ein großer Freund der hl. Armut. Gibt es auch Ikonen für den ganz schmalen Geldbeutel?
pace e bene
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 21:26
von anneke6
So ziemlich jede orthodoxe Kirche hat einen Stand, wo man Kerzen kaufen kann, und dort gibt es meist auch kleine Ikonen und andere nützliche Dinge. Christus und die Gottesmutter gibt es als Motiv, die hiesigen Russen haben auch den hl. Nikolaus und Seraphim von Sarow. Viel Geld muß man dort nicht ausgeben, für 5-8 Euro gibt es einen kleinen Druck auf Holzplatte, auf Plastik ist es billiger. Reine Drucke auf Papier oder Holzikonen mit Schäden werden manchmal auch kostenlos/gegen Spende abgegeben — nachfragen lohnt sich.
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 21:42
von bwv232
anneke6 hat geschrieben:@ bwv: Es gibt Berichte, daß früher manche Eheleute die Ikonen über dem Ehebett (es gibt mancherorts spezielle "Ehe-Ikonen" zu kaufen, links die Gottesmutter und rechts Jesus) verhüllt haben, wenn sie miteinander schlafen wollten.
Na ja, da ich keusch lebe, ist das eher nicht mein Problem, aber falls mich mal die Versuchung anfällt und ich ihr nicht widerstehen kann, ist das vielleicht keine schlechte Idee, vor dem sündigen noch schnell alle Ikonen zu verhängen.
Gab's da nicht mal eine Szene bei Don Camillo, wo er den Christus am Hochaltar zuhängte, bevor er Pepone ordentlich einen Tritt in den Hinter verpasste?
anneke6 hat geschrieben:
Grundsätzlich machst Du es richtig, den Gebetsort nur oder fast nur dem Gebet zu widmen. Was das Tischproblem angeht — da scheinen wir ein ähnliches Problem zu haben. Wenn Du handwerklich begabt bist, kannst Du Dir ein Bord machen, das unter die Wand mit den Ikonen montiert wird. Dort können dann Kerzen, Weihrauch, Gebetbücher, Rosenkränze liegen. Da ich (siehe meinen Post) kein Tisch oder Bord für meine Ikonen habe, habe ich in einem Bücherschrank eine kleine Etage für sakrale Dinge reserviert. Dort bewahrte ich Bibeln, Gebetbücher, Weihwasser, Weihrauch, geweihte Öle und Antidoron auf.
Wie man mit einer Ikone umgeht: Man hängt sie auf oder stellt sie auf ein Bord. Man zündet Kerzen (am besten hochwertige Kerzen aus Bienenwachs) vor ihr an. Es gibt auch stehende oder hängende Öllampen. Man legt Weihrauch vor ihr auf. Man verbeugt sich vor ihr und bekreuzigt sich. Man betet vor ihr. Man läßt sich mit ihr begraben.
Ich habe genug Platz und ich habe vor der Ostwand von meinem Zimmer eine kleine Platte aus Marmor aufgestellt, auf dem die Kerzen und eine kleine Räucherschale Platz haben. Der ganze Raum ist leer, bis auf eine Tisch mit zwei Stühle und in der Ecke eine kleine Schachtel, wo ich Kerzen, Räucherwerk und so weiter aufbewahre. Schreiben tue ich auf einen Laptop, denn ich einfach zuklappe und dann ist er weg. Bevor ich bete räume ich alles, was noch auf den Tisch steht weg, lüfte das Zimmer und schmelze dann ein oder zwei kleine Bröckchen Weihrauch. Vor der Platte ist lege ich eine Matte aus und dann habe ich noch einen kleinen Schemel beziehungsweise ein kleines Kissen, zum knien oder sitzen, je nachdem.
Ich habe lange Zeit mit Patres in einem Kapuzinerkloster gebetet und da ist mir der 'Wert' von leeren Räumen zum ersten mal so richtig bewusst geworden. Die Kraft des Gebetes hat auch viel mit der inneren Sammlung auf IHN zu tun und das wir alles weglassen, was uns zerstreut oder ablenkt. Ich habe etwa in meiner Wohnung kein Fernseher oder Radio oder ähnliches, nicht weil es schlecht wäre, sondern weil es so nebenbei läuft und einem so seine Sammlung raubt. Das Internet ist in der Hinsicht ja manchmal schon schlimm genug.
anneke6 hat geschrieben:
Was das Segnen angeht: Katholiken sind es gewohnt, daß alle möglichen Andachtsgegenstände gesegnet werden. Manche Orthodoxe sagen, daß dies dem 7. ökumenischen Konzil widerspricht (Argument: Das Kreuz und die heiligen Bilder sind an sich heilig und brauchen keine Segnung) aber es gibt Methoden, Ikonen zu segnen, z.B. dadurch, daß sie 40 Tage auf dem Altar liegen bleiben, oder mit Weihwasser, besonders am Tag des Sieges der Orthodoxie über die Ikonoklasten.
Im Zweifelsfall: Fragen sie den Priester ihres Vertrauens? So ein Segen kann ja nicht schaden und wenn Autos oder sonst was gesegnet werden, dann kann ja auch so eine Darstellung eine Segen vertragen, da bin ich wahrscheinlich schon wieder katholisch genug.
Auf jeden Fall vielen Dank für deine hilfreichen Hinweise. Sei behütet.
pace e bene
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 21:51
von bwv232
anneke6 hat geschrieben:So ziemlich jede orthodoxe Kirche hat einen Stand, wo man Kerzen kaufen kann, und dort gibt es meist auch kleine Ikonen und andere nützliche Dinge. Christus und die Gottesmutter gibt es als Motiv, die hiesigen Russen haben auch den hl. Nikolaus und Seraphim von Sarow. Viel Geld muß man dort nicht ausgeben, für 5-8 Euro gibt es einen kleinen Druck auf Holzplatte, auf Plastik ist es billiger. Reine Drucke auf Papier oder Holzikonen mit Schäden werden manchmal auch kostenlos/gegen Spende abgegeben — nachfragen lohnt sich.
Hmhm, hast du schon mal eine Ikone vom hl. Franziskus und dem Seraphin von La Verna gesehen? Vermutlich kein allzu häufiges Motiv in der orthodoxen Ikonographie? Aber das mit der orthodoxen Kirche ist ein guter Hinweis, da wollte ich eh schon ewig mal bei uns in der Stadt vorbeischauen.
pace e bene
Re: Ikonenmalerei
Verfasst: Samstag 5. Dezember 2009, 22:00
von anneke6
Hier geht es zu meinen Ikonen:

Die auf der Bettkante stehenden Ikonen hängen/stehen normalerweise anderswo.
Ich habe: Christus Pantokrator, Gottesmutter von Kasan, heilige Anna, Gottesmutter vom Tor der Morgenröte*, Gastfreundschaft des Abraham, Christusikone "Höchste Barmherzigkeit", Gottesmutter von Tschenstochau* (nicht im Bild) und zwei winzige Triptychen: Seraphim von Sarow/seine Ikone/die Nonnen Alexandra, Helena und Marfa sowie Heiliger Petrus/Christus Pantokrator/Heiliger Paulus.
* Diese Ikonen sind keine "kanonischen" orthodoxen Ikonen, werden aber verehrt. Beide Typen werden im Kiewer Höhlenkloster produziert.
P.S. Einige Nutzer hatten ja bereits die Ehre, meine HQ Hochauflösungs-Webcam kennenzulernen.

P.P.S. Ich weiß nicht, wer Seraphin von La Verna ist, aber eine "Ikone" des hl. Franziskus habe ich bereits gesehen — das war aber letztendlich das beliebte Bild (Fresko?) auf Holz aufgezogen. Aber eben keine echte Ikone. Die Orthodoxen stellen auf ihren Ikonen nur Orthodoxe dar (als Heiligenscheinträger zumindest, siehe Matronaikone mit Stalin…) — aber vielleicht könntest Du bei den Uniierten fündig werden.