Opfer/Rechtfertigung/Zorn Gottes etc. in der Ostkirche
Verfasst: Donnerstag 29. März 2007, 14:12
Hallo allerseits,
mich würde einmal interessieren, was ostkirchliche Gläubige bzw. Eure Gemeinde hierüber denken und lehren.
Ich habe mich in den letzten Jahren verstärkt in ostkirchliche Theologie eingelesen und dabei einen Akzent auch auf das gesetzt, was man westkirchlich als Gnaden- oder Rechtfertigungslehre bezeichnen würde.
Dabei – und in Besuchen der Göttlichen Liturgie und Gesprächen mit dem Priester – ist mir schon deutlich geworden, dass der Ansatz der Theosis ein ganz anderer ist als die westlichen Denkkategorien. Auch ist mir klar geworden, dass Christus mehr als Arzt denn als Richter gesehen wird, der alles für unsere Heilung bereitstellt, die Verbindung zu den ungeschaffenen Energien wieder schließt. Befreiung aus der Gefangenschaft des Teufels und des Todes, Sprengung des Todes von innen heraus.
Eine orthodoxe amerikanische Autorin hat deshalb auch geschrieben, dass das Opfer Christi mit einem jungen Polizeibeamten vergleichbar sei, der sich dem Polizeichef freiwillig für die Rettung von Geiseln aus der Hand eines Kriminellen anbietet und hierbei sein Leben opfert. Das Opfer sei auch dem Chef gewidmet gewesen, der dieses aber nicht verlangt hatte.
Was mich irritiert ist, dass teilweise in der Ostkirche davon ausgegangen wird – so habe ich z. B. Lossky verstanden –, dass der juridische Aspekt der Bezahlung unserer Schuld (und nicht nur der Opfergedanke) durchaus Teil des göttlichen Erlösungsgeschehens sei, dieses aber weiter sei und nicht auf diese Kategorien beschränkt werden könne.
Andere – z. B. die Stellungnahmen der amerikanischen OCA und der HOCNA (Letztere in Unterstützung von Dr. Kalamiros, der in seinem Werk The River of Fire eine ziemlich extreme Position darlegt) – scheinen hingegen die Ansicht zu vertreten, dass Gott selbst des Opfers Christi keinesfalls zur Vergebung unserer Schuld bedurft hätte, dass Christus zwar ein Opfer erbracht habe, aber nur zu unserem Besten, dass der Zorn Gottes letztlich nur eine Metapher sei. Der Mensch müsse sich ändern.
Manchmal geht dieser Widerspruch m. E. sogar durch ein Dokument: In What Christ Accomplished on the Cross von Hieromonk Damascene findet sich beispielsweise einerseits ausgeführt:
Why did the Son have to offer Himself in sacrifice to the Father? Why did God sacrifice Himself to God? Here we get at the crux of the mystery of Redemption. St. Gregory the Theologian urges us not to try to conform this mystery to human logic, not apply to it human conceptions that are unworthy of God. He says: "The Father accepts the sacrifice not because He demanded it or felt any need of it, but on account of economy," [19] that is, to fulfill the Divine plan of our salvation in accordance with the Divine ordering of creation.
Dann fährt er aber andererseits fort:
“St. Gregory Palamas sheds more light on this question. He says that God could have found other ways of saving man from sin, mortality and servitude to the devil. But He saved man in the way He did—by coming to earth, dying and resurrecting—because this was according to justice and righteousness. [20] As the Psalmist says: God is righteous and loveth righteousness … and there is no unrighteousness in Him (Ps. 11:7, 92:15). Death was the just penalty for sin, and Christ paid that penalty. But because He was sinless, His death was unjust. Therefore, He justly destroyed death. This was God's economy, completely in accordance with His righteousness.
The devil thought He could destroy Christ by inciting people to put Him to death. But Christ's death proved to be the devil's undoing because, unlike every other person who had ever lived, Christ did not deserve death. St. John Chrysostom offers us a vivid image to highlight this teaching: "It is as if, at a session of a court of justice, the devil should be addressed as follows: ‘Granted that you destroyed all men because you found them guilty of sin; but why did you destroy Christ? Is it not very evident that you did so unjustly? Well then, through Him the whole world will be vindicated." [21]
Christ saved us in the way He did not only to manifest His justice and righteousness, but also to manifest His love.”
Irgendwie macht das doch keinen Sinn: Entweder erfordert die göttliche Gerechtigkeit, dass die Sünden der Menschen gesühnt werden oder nicht. Entweder ist das Opfer Christi zur Vergebung der Sünden nötig oder es ist es nicht.
Kann mir da jemand helfen? Über Antworten würde ich mich freuen.
Viele Grüße von M.
mich würde einmal interessieren, was ostkirchliche Gläubige bzw. Eure Gemeinde hierüber denken und lehren.
Ich habe mich in den letzten Jahren verstärkt in ostkirchliche Theologie eingelesen und dabei einen Akzent auch auf das gesetzt, was man westkirchlich als Gnaden- oder Rechtfertigungslehre bezeichnen würde.
Dabei – und in Besuchen der Göttlichen Liturgie und Gesprächen mit dem Priester – ist mir schon deutlich geworden, dass der Ansatz der Theosis ein ganz anderer ist als die westlichen Denkkategorien. Auch ist mir klar geworden, dass Christus mehr als Arzt denn als Richter gesehen wird, der alles für unsere Heilung bereitstellt, die Verbindung zu den ungeschaffenen Energien wieder schließt. Befreiung aus der Gefangenschaft des Teufels und des Todes, Sprengung des Todes von innen heraus.
Eine orthodoxe amerikanische Autorin hat deshalb auch geschrieben, dass das Opfer Christi mit einem jungen Polizeibeamten vergleichbar sei, der sich dem Polizeichef freiwillig für die Rettung von Geiseln aus der Hand eines Kriminellen anbietet und hierbei sein Leben opfert. Das Opfer sei auch dem Chef gewidmet gewesen, der dieses aber nicht verlangt hatte.
Was mich irritiert ist, dass teilweise in der Ostkirche davon ausgegangen wird – so habe ich z. B. Lossky verstanden –, dass der juridische Aspekt der Bezahlung unserer Schuld (und nicht nur der Opfergedanke) durchaus Teil des göttlichen Erlösungsgeschehens sei, dieses aber weiter sei und nicht auf diese Kategorien beschränkt werden könne.
Andere – z. B. die Stellungnahmen der amerikanischen OCA und der HOCNA (Letztere in Unterstützung von Dr. Kalamiros, der in seinem Werk The River of Fire eine ziemlich extreme Position darlegt) – scheinen hingegen die Ansicht zu vertreten, dass Gott selbst des Opfers Christi keinesfalls zur Vergebung unserer Schuld bedurft hätte, dass Christus zwar ein Opfer erbracht habe, aber nur zu unserem Besten, dass der Zorn Gottes letztlich nur eine Metapher sei. Der Mensch müsse sich ändern.
Manchmal geht dieser Widerspruch m. E. sogar durch ein Dokument: In What Christ Accomplished on the Cross von Hieromonk Damascene findet sich beispielsweise einerseits ausgeführt:
Why did the Son have to offer Himself in sacrifice to the Father? Why did God sacrifice Himself to God? Here we get at the crux of the mystery of Redemption. St. Gregory the Theologian urges us not to try to conform this mystery to human logic, not apply to it human conceptions that are unworthy of God. He says: "The Father accepts the sacrifice not because He demanded it or felt any need of it, but on account of economy," [19] that is, to fulfill the Divine plan of our salvation in accordance with the Divine ordering of creation.
Dann fährt er aber andererseits fort:
“St. Gregory Palamas sheds more light on this question. He says that God could have found other ways of saving man from sin, mortality and servitude to the devil. But He saved man in the way He did—by coming to earth, dying and resurrecting—because this was according to justice and righteousness. [20] As the Psalmist says: God is righteous and loveth righteousness … and there is no unrighteousness in Him (Ps. 11:7, 92:15). Death was the just penalty for sin, and Christ paid that penalty. But because He was sinless, His death was unjust. Therefore, He justly destroyed death. This was God's economy, completely in accordance with His righteousness.
The devil thought He could destroy Christ by inciting people to put Him to death. But Christ's death proved to be the devil's undoing because, unlike every other person who had ever lived, Christ did not deserve death. St. John Chrysostom offers us a vivid image to highlight this teaching: "It is as if, at a session of a court of justice, the devil should be addressed as follows: ‘Granted that you destroyed all men because you found them guilty of sin; but why did you destroy Christ? Is it not very evident that you did so unjustly? Well then, through Him the whole world will be vindicated." [21]
Christ saved us in the way He did not only to manifest His justice and righteousness, but also to manifest His love.”
Irgendwie macht das doch keinen Sinn: Entweder erfordert die göttliche Gerechtigkeit, dass die Sünden der Menschen gesühnt werden oder nicht. Entweder ist das Opfer Christi zur Vergebung der Sünden nötig oder es ist es nicht.
Kann mir da jemand helfen? Über Antworten würde ich mich freuen.
Viele Grüße von M.