Weihnachten - Fest Christi Geburt 2006/2007

Ostkirchliche Themen.
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Nietenolaf
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Weihnachten - Fest Christi Geburt 2006/2007

Beitrag von Nietenolaf »

Gesegnete Weihnachten an alle julianischen "Nachzügler"! :D
Alexij II, Patriarch von Moskau, hat geschrieben:
Die Erde hat ihre Schultern ausgestreckt und nimmt den Schöpfer auf,
der von den Engeln Ehre, von den Himmeln den Stern, von den Hirten Lobpreis,
von den Magiern Geschenke und von der ganzen Welt Erkenntnis annimmt.

Troparion der 3. Ode des Kanons aus dem Apodeipnon der Vorfeier von Christi Geburt
Im Herrn geliebte hochgeweihte Bischöfe, Gott liebende Priester und Diakone, ehrwürdige Mönche und Nonnen, die ihr den guten Kampf kämpft (2 Tim 4,7), und alle orthodoxe Christen, die ihr im Hort der Kirche lebt! "Gnade sei mit euch und Friede in Fülle durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn. (2 Petr 1,2).

Mit Freude im Herzen beglückwünsche ich euch alle zum großen Fest - zur Geburt unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesus Christus!

In diesen heiligen Tagen durchleben wir erneut im Gebet das überragende Ereignis in der Geschichte der Menschheit. In Seiner großen Demut gefiel es dem Herrn in Menschengestalt auf die Erde zu kommen; Er wurde nicht in einem reichen Palast geboren, nicht in der Wohnung der Mächtigen dieser Welt, sondern in einer ärmlichen Höhle inmitten der Wüste. Als erste erfuhren nicht Könige und Fürsten von der Geburt Christi, sondern einfache Hirten, die ihre Herden unweit der Höhle von Bethlehem weideten. Gerade an sie, die einfachen Menschen, waren die Worte des Engels gerichtet, die der Welt den Beginn einer neuen, christlichen Ära verkündeten: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; Er ist der Messias, der Herr" (Lk 2,10-11).

Meine Lieben! Hören wir die Verkündigung des Engels: "Ich verkünde euch eine große Freude!" Häufig vergessen wir diese ewige, unvergängliche Freude, denn wir leben in einer Welt, die mit Sünde und Tod behaftet ist, in der wir an Krankheiten und Schwächen leiden, in der wir bisweilen Trennung und Schmerz erfahren und auf Gewalt und Grausamkeit treffen. Aber unser Glaube lehrt uns sogar inmitten der Trauer des Lebens in unserem Herzen jene Freude zu bewahren und sie allen Menschen zu verkünden, die von Oben zu uns gekommen ist und von der im Evangelium gesagt wird, dass sie uns niemand nehmen wird (Joh 16,22).

Gott, der in der Gestalt eines Kindes zu uns kam, möchte, dass unser Herz zu einer Höhle und zu einer Krippe wird, wo Er ruhen kann, und dass in unserer Seele ewig der Lobpreis der Engel ertöne: "Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade (Lk 2,14). Das Wunder und die Kraft des christlichen Glaubens liegen darin, dass diese "große Freude" uns heute in ihrer ganzen Fülle gegeben wird, so wie vor zweitausend Jahren. Wir erinnern uns nicht bloß - wir feiern die Geburt Christi, denn obwohl sie nur einmal geschah, erfüllt sie die Menschen ewig mit Frieden und Freude!

Der Herr Jesus Christus steht immer im Zentrum unseres Lebens und unseres Zeugnisses in der Welt. Und auch unsere Kirche hört nicht auf den Weg zu gehen, den ihr Gott selbst vorgegeben hat, und verkündet die Heil bringende Lehre Christi, "damit die Welt glaubt" (Joh 17,21).

Unsere Freude, unser Glaube, unser Gebet, unsere guten Werke - alles, was das geistliche Leben eines orthodoxen Menschen ausmachen soll - möge für die Nahen und Fernen ein Zeugnis für Christus sein und uns zum Salz der Erde und zum Licht der Welt (Mt 5,13f) machen, das alle erleuchtet, die die Wahrheit, Liebe und Reinheit suchen.

Geliebte! Das vergangene Jahr wurde für uns zu einem Jahr der Gnade Gottes. Durch Seine Gnade wurde der erfolgreiche Aufbau des kirchlichen Lebens in Russland und in anderen Ländern fortgesetzt, wohin die Sorge und die pastorale Verantwortung unserer Kirche reichen. Unser Volk kehrt immer mehr zum Glauben unserer Väter zurück. In vielen Städten und Dörfern erhalten Kinder und Jugendliche Wissen über den orthodoxen Glauben und die orthodoxe Kultur. Die Kirchen füllen sich mit Gläubigen aller Altersstufen und Berufe. Millionen von Menschen beten zu Gott, lesen geistliche Literatur und nehmen Anteil an den kirchlichen Angelegenheiten. Ich wurde Zeuge all dessen, als ich in diesem Jahr die Diözesen von Vladimir, Kaliningrad, Niznij Novgorod, St. Petersburg und Saransk besuchte. Für die Erhaltung der Einheit unter den Gläubigen waren unser Besuch der Lettischen Orthodoxen Kirche und die Begegnungen und Gespräche mit den staatlichen Vertretern Lettlands sowie die Gebetsgemeinschaft mit dem orthodoxen Volk sehr wichtig.

Ein sichtbares Zeichen des Wohlwollens Gottes an unserer Kirche war der Besuch der rechten Hand des hl. Propheten, Vorläufers und Täufers des Herrn Johannes. Viele Kinder unserer Kirche erhielten den Segen der Hand, die einst auf das Haupt des Erlösers bei Seiner Taufe gelegt worden war. Unser Land besuchten auch andere Heiligtümer, die auf dem heiligen Berg Athos aufbewahrt werden: die ehrwürdige Hand der heiligen apostelgleichen Maria Magdalena, Partikel des Lebensspendenden Kreuzes des Herrn und Reliquien des hl. Märtyrers Kerykos. Viele Gläubige, die diese Heiligtümer verehrten, erhielten durch sie Hilfe und Trost.

Ein wichtiger Meilenstein im kirchlichen Leben des vergangenen Jahres war die 300-Jahr-Feier des Mariä-Entschlafungs-Klosters in Sarov, am Ort des asketischen Lebens des ehrwürdigen Serafim von Sarov. Das Jubiläum war von der Wiedererrichtung des monastischen Lebens in diesem glorreichen Kloster gekennzeichnet. Von nun an wird unter den Gewölben der einst zerstörten und jetzt wieder errichteten Kirchen das unblutige Opfer "von allen und für alles" dargebracht werden.

Im vergangenen Jahr würdigte mich der Herr erneut in dem meinem Herzen so teuren Valaam-Kloster zu weilen. Es ist erfreulich, dass in dem altehrwürdigen Kloster des Nordens das Leben der Skiten wieder ersteht. Ein neues Zeugnis für dieses Wiedererstehen waren die von uns vorgenommene Grundsteinlegung der Kirche des hl. apostelgleichen Fürsten Vladimir in der Vladimir-Skite und die Weihe der Kirche zur Auferstehung Christi in der Auferstehungs-Skite. Alle treuen Gläubigen müssen auch die Erfolge bei der Annäherung der Kirche in der Heimat und unserer Mitbrüder erfreuen, die in der Russischen Kirche im Ausland vereint sind. Die Einheit und Gemeinschaft, die als Resultat der tragischen Ereignisse vor mehr als 80 Jahren abgebrochen waren, werden heute wiederhergestellt, worin wir das Wohlwollen Gottes erblicken.

Gewaltigen Schmerz fügten die tragischen Ereignisse im Heiligen Land den Herzen aller Gläubigen zu. Dort, wo vor zweitausend Jahren die Engel verkündeten "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden", floss erneut das Blut von unschuldigen Menschen. Wir bitten Gott, dass das Land, welches durch die Geburt, das Leben, das Leiden und die Auferstehung unseres Erlösers geheiligt ist, endlich zu einem Ort wird, wo sich "Gerechtigkeit und Friede küssen" (Ps 84,11).

Die Rechtfertigung des Bösen durch Berufung auf den Glauben ist nicht zu verantworten. Die Teilnehmer des in diesem Sommer in Moskau stattgefundenen Treffens der geistlichen Oberhäupter der Weltreligionen wandten sich an alle gläubigen Menschen des Planeten und riefen sie auf "einander zu achten und anzunehmen, ungeachtet religiöser, nationaler und anderer Unterschiede". Unsere Kirche dient - so wie zu allen Zeiten - dem Wohl der Menschen, und vereint ihre Anstrengungen mit dem Staat, der weltlichen Gesellschaft, den Christen anderer Konfessionen, mit Menschen anderer Religionen und Überzeugungen. Durch gemeinsame Anstrengungen, durch die Teilnahme am Wirken in der Gesellschaft und an Diskussionen müssen wir den Mensch gewordenen Christus bezeugen, und Ihn nicht nur durch Worte verkünden, sondern auch mit unserem ganzen Leben.

Im Herrn geliebte Brüder und Schwestern! Ich wende mich an Euch mit den Worten des Apostels: "Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles, und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt! Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt" (1 Thess 5,19-23).

Nochmals beglückwünsche ich Euch zum großen und die Welt errettenden Fest der Geburt Christi und zum neuen Jahr 2007. Möge der Herr, der Erlöser, Seine Gnade euch allen schenken, alle auf der irdischen Wanderschaft erretten und bewahren und der Freude der Gemeinschaft mit Ihm im künftigen Leben würdigen. "In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen" (Kol 3,15).

+ Aleksij, Patriarch von Moskau und der ganzen Rus'
Weihnachten 2006/2007, Moskau
ἐὰν γὰρ ἀποϑάνῃ ἄνϑρωπος, ζήσεται συντελέσας ἡμέρας τοῦ βίου αὐτοῦ· ὑπομενῶ, ἕως ἂν πάλιν γένωμαι.

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Pit
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Beitrag von Pit »

Irgendwie sollte ich darauf achten, was ich mir extra im Kalender notiere. ;-)

Also auch von mir - ein wenig "verspätet" - die herzlichsten Weichnachtsgrüße und Gottes Segen für alle User orthodoxer Tradition.

Gruß, Pit
carpe diem - Nutze den Tag !

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Irenaeus
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Registriert: Donnerstag 7. Dezember 2006, 09:59

Beitrag von Irenaeus »

Ich wünsche Euch allen auch ein gesegnetes Weihnachtsfest,
unser Hw. Herr Pfarrer hat am Sonntag sehr darauf hingewiesen, dass die Ostkirchen ihr Weihnachtsfest an dem Tag feiern, an dem wir die Taufe des Herrn feiern - ich habe sehr an Euch gedacht.

Grüße, Irenaeus
Per Deum omnia fieri possunt.
Benedicamus Domino!
PAX

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Alexander
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Registriert: Donnerstag 19. Mai 2005, 15:36
Wohnort: Berlin

Beitrag von Alexander »

Danke. Christus ist geboren, verherrlicht ihn!

Bild
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

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Walter
Moderator
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Registriert: Mittwoch 25. Januar 2006, 13:56

Beitrag von Walter »

Falsche Jahreszeit? Falscher Thread? Verzeiht mir bitte!

Aber ich war wirklich sehr überrascht, bei
<img src="http://www.heute.de/ZDF/s_img/15/0,6752 ... -S8,00.jpg" width=717 alt="ZDFheute.de Computer">
folgende Meldung zu finden: :shock:

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/29/ ... 33,00.html

:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
γενηθήτω το θέλημά σου·

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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf »

Gruselig. Ich kann mich gar nicht erinnern, daß ich irgendwem solchen Quatsch erzählt habe. "Man fühlt sich freier." Wahrscheinlich hat man sich diese Phrase gemerkt, denn man muß dazu sagen, daß ich das Interview natürlich (wie immer) mit brennender Fackel und zitterndem Bart gab.

Walter, danke für den Hinweis. Ich bekomme von solchen Publikationen i.d.R. nichts mit. Der Artikel ist übel, denn nicht einmal bei den Äußerlichkeiten gibt es irgendeine wertvolle Information. Natürlich ist das eine einzige Banalität; Dinge stimmen nicht ("Reich des Vaters"?) und werden verdreht. Also nagelt mich bitte nicht auf den Informationen fest, die dieser Artikel gibt.

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