Orthodox oder katholisch

Ostkirchliche Themen.
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Sarrha
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Orthodox oder katholisch

Beitrag von Sarrha »

Ich habe mal eine sehr persönliche Frage.
Meine Tochter, katholisch getauft, aber nicht gefirmt, möchte heiraten und eine Familie gründen *freu*
Mein zukünftiger Schwiegersohn ist Russe (inzwischen mit deutschem Pass) und entsprechend russisch-orthodox getauft. Er möchte, dass die zukünftigen Kinder auf jeden Fall getauft werden, ob sie nun orthodox oder katholisch erzogen werden, findet er nicht so wichtig.
Jetzt ist meine Tochter am überlegen, ob es nicht gut wäre sich firmen zu lassen und "kirchlich-aktiv" zu werden. Sie hat sich in letzter Zeit nicht viel mit Kirche und Glauben befasst, außer dass sie in einem Gospelchor singt, denkt aber gerne an die Zeiten zurück, in denen sie als Kind in Gemeindeaktivitäten eingebunden war (damals evangelische, weil ich einen Glaubensabstecher zu den Protestanten gemacht hatte)
Sie hat das Gefühl, dass sie auf jeden Fall ihren Kindern etwas nimmt, wenn sie ihnen nicht die Chance gibt, das auch zu erleben - Kindergottesdienste, Gruppen, Bibelgeschichten usw

So - ich, als inzwischen wieder überzeugte Katholikin, freue mich über diese Entwicklung. Aber es "droht" für mich auch die Entscheidung das die Enkelkinderchen russisch-orthodox werden. Ich werde mich hier mal ein bißchen einlesen, aber ich würde gerne einfach mal wissen, wie andere das sehen. Ist es besser, die Kinder in der Konfession ( auch wenn der Glauben im Moment eher schwach ist) der Mutter zu erziehen, oder die väterliche Konfession zu wählen (der zukünftige Vater zeichnet sich allerdings auch nicht durch große kirchliche Aktivität aus) oder findet ihr das ist egal?

Herzliche Grüße
Sarrha

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Wir sind ja auch ’ne Mischfamilie: meine Frau russisch-orthodox, ich
katholisch (protestantisch getauft), Kinder katholisch getauft. – Jetzt
habe ich keine Zeit, aber erinner mich bitte dran, falls ich’s vergesse
zu antworten!
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Erstmal sei dazu angemerkt, es gibt keine orthodoxe, römisch-katholische, Protestantische oder Sarrahainische (im Falle einer Nottaufe in der jeder Christ und Nichtchrist sie Spenden kann) Taufe. Sondern nur ein die Christliche Taufe auf den dreifaltigen Gott. Welche Liturgie oder Nicht jetzt rundherum geschieht ist für das Heil des Kindes in dem Moment nicht relevant.

Zweitens ist die katholische Kirche "konfessionslos" die gibts auch nur einmal ihr gehören prizipiell alle getauften Christen an, deshalb werden die Orthodoxen Kirchen auch als "Schwesternkirche" im Sinne der Gemeinschaft bezeichnet. Katholisch kann daher jeder sein ein Orthodoxer, Protestant, Baptist und sogar der "substituierten" Kirche zugehörig sein ohne eine "Konfessionsbestätigung" zu besitzen (siehe auch Roms entscheidung zum Kirchenaustritt).

Das einizge was die Kirche verlangt ist ja das sie "katholisch erzogen" werden, wo aber hier denke ich mal bei einer katholischen Mutter weniger das Problem besteht. Auch wenn einige gleich wieder wütend aufschreien im Endefeckt übernimmt den wichtigsten Teil der Erzihung besonders in solchen Dingen immer noch die Mutter. Damit ist es eigentlich egal was am "Religionszugehörigkeitszertifikat" steht. Weiters ist ja auch eine "orthodoxe" Erziehung zutiefst katholisch, nur eine andere Tradition, dadurch ändert sich vielleicht die Ausprägung oder Ausformung nicht jedoch der Inhalt. Wenn wir die östliche Trdition nicht als katholisch sehen würden, gäbs auch keine unierten Kirchen östlicher Tradition.

Eines der großen Undinge die die Lutheranische Abspaltung mit sich brachte ist dieses Vereinsmeierdenken.

LG
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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

FioreGraz hat geschrieben:Eines der großen Undinge die die Lutheranische Abspaltung mit sich brachte ist dieses Vereinsmeierdenken.
:!: :!: :!:
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Sarrha
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Beitrag von Sarrha »

Es ist einfach realistisch, dass die Mutter die Kinder erzieht, und das wird in diesem Fall auch so sein. Den Vereinsmeiergedanken finde ich auch ganz passend, nur - wenn jeder katholisch sein kann, warum muß man dann in die katholische Kirche eintreten um die Sakramente empfangen zu können?


Sarrha

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

wenn jeder katholisch sein kann, warum muß man dann in die katholische Kirche eintreten um die Sakramente empfangen zu können?
Das ist gerade aus diesem "Vereinsdenken" entstanden und war nicht immer so (dazu hat Robert an anderer Stelle schon Litaneien gehalten). Die Praxis beweist ja auch das Gegenteil, Kirchenaustritt ist nicht gleich Abfall, die Kommunion von Roger Schutz und auch die "Erlaubnis" im Todes oder sontigen Verhinderungen auch woanders die Sakramente zu empfangen
can. 844 §2 Sooft eine Notwendigkeit es erfordert oder ein wirklicher geistlicher Nutzen dazu rät und sofern die Gefahr des Irrtums oder des Indifferentismus vermieden wird, ist es Gläubigen, denen es physisch oder moralisch unmöglich ist, einen katholischen Spender aufzusuchen, erlaubt, die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung von nichtkatholischen Spendern zu empfangen, in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden.
Weiters wird auch immer wenn von "unerlaubten" niemals von "ungültigen" Sakramentenempfang gesprochen, schon gar nicht bei den orthodoxen.

LG
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Linus
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Beitrag von Linus »

"Normalerweise" werden die Kinder mW innerhalb der Westkirche "dem Vater nach getauft". Das heißt ist der Vater etwa ukrainisch uniert und die Mutter eine römische Katholikin werden die Kinder ukrainisch uniert getauft etc. Ich denke das das durchaus auch für orthodoxe gilt. (und ich würd es auch so halten, wenn dies der Fall bei mir wäre)
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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Linus hat geschrieben:"Normalerweise" werden die Kinder mW innerhalb der Westkirche "dem Vater nach getauft". Das heißt ist der Vater etwa ukrainisch uniert und die Mutter eine römische Katholikin werden die Kinder ukrainisch uniert getauft etc. Ich denke das das durchaus auch für orthodoxe gilt. (und ich würd es auch so halten, wenn dies der Fall bei mir wäre)
Wie gesagt "getauft" werden sie nur christlich, da ist es egal ob vom Patriarchen von Konstantinopel, ob vo Kardinal Lehmann oder von Hans Meier aus der Wohnung drüber.

Und für die Erziehung würde ich das eher anders sehen, ein "Westler" fällt nun mal unter die zuständigkeit des westlichen Patriarchen daher wohl westliche Erziheung wenn möglich, ein "Ostler" unter nem orthdoxen Patriarchen. Mann sollte sich schon der Tradtition zugehörig fühlen in der man aufwächst und mit der man lebt im großen Umfeld und nicht "extra" hier künstlich eine reinverpflanzen. Wie gesagt deine "traditionelle" Vorstellung stammt nur aus deisem Vereinsdenken verstärkt dadurch das die Menschen nun überall sesshaft werden können und konnten das eben plötzlich orthodoxe Geisitliche im Westen und umgekehrt gebraucht werden.

Früher war das ja auch so einfach. Traditionell ist der sich im Westen aufhaltende Orthodoxe zu den Lateiner gegangen und umgekehrt. Wäre auch recht unpraktikabel gewesen jedem vereinzelten Westler/Ostler nen Priester hinterherzuschicken. Die hätten auch niemals daran gedacht sich der Sakramente zu enthalten nur weils Lateiner/Orthodoxe sind.

LG
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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Ich würde mal behaupten, dass es Sarrah doch vor allem darum ging, welcher "Gemeinde" das Kind nachher zugehörig ist, was den Besuch des Gottesdienstes angeht oder die anderen Gruppenaktivitäten für Kinder.

Theologisch gesehen mag es ja daher egal sein, wer die Taufe vornimmt, aber für das spätere Gemeindeleben ist das doch erstmal entscheidend.

Und wie schon gesagt wurde, da ihr ja nicht in Russland oder in Griechenland lebt, würde ich doch eher die "Gemeinschaft" wählen, die hier beheimatet ist, sprich die Katholische Kirche.

Das schließt ja nicht aus, dass der Vater, falls er es einmal wünscht, mit dem Kind auch orthodoxe Gottesdienste besucht oder dem Kind auch darüber berichtet.
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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Ich würde mal behaupten, dass es Sarrah doch vor allem darum ging, welcher "Gemeinde" das Kind nachher zugehörig ist, was den Besuch des Gottesdienstes angeht oder die anderen Gruppenaktivitäten für Kinder.
Was hat das mit der Taufe zu tun? Wenn du von München nach Berlin ziehst, wird dich der dortige Pfarrer auch nicht nach Kirche, Uhrzeit und Priester fragen und danach dein Kind nach München schicken, schief anschauen oder ausschliesen? Die Gemeinde der du zugehörig bist ist heutzutage oft nicht die Gemeinde in der man getauft wurde.

Alle bisher vorgebrachten Argumente sind leider nur engstirniges "Vereinsdenken", bzw. sogar engstirniger denn der Kegelverein von Hintertupfing ist irgenwo im Dachverband organisiert und ich kann bei nem Wohnortwechsel auch in nem Verein von Schiesstadt spielen.

LG
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Sarrha
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Beitrag von Sarrha »

HeGe hat geschrieben:Ich würde mal behaupten, dass es Sarrah doch vor allem darum ging, welcher "Gemeinde" das Kind nachher zugehörig ist, was den Besuch des Gottesdienstes angeht oder die anderen Gruppenaktivitäten für Kinder.

Theologisch gesehen mag es ja daher egal sein, wer die Taufe vornimmt, aber für das spätere Gemeindeleben ist das doch erstmal entscheidend.

Und wie schon gesagt wurde, da ihr ja nicht in Russland oder in Griechenland lebt, würde ich doch eher die "Gemeinschaft" wählen, die hier beheimatet ist, sprich die Katholische Kirche.

Das schließt ja nicht aus, dass der Vater, falls er es einmal wünscht, mit dem Kind auch orthodoxe Gottesdienste besucht oder dem Kind auch darüber berichtet.


Ja, da hast du recht. Danke für dein Einfühlungsvermögen :)
Es wirft schon einige Fragen auf - schon jetzt wird in der Familie meines schwiegersohns in spe zweimal Weihnachten und zweimal Ostern gefeiert . Das finde ich eigentlich nicht so gut...


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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Ja, da hast du recht. Danke für dein Einfühlungsvermögen
Es wirft schon einige Fragen auf - schon jetzt wird in der Familie meines schwiegersohns in spe zweimal Weihnachten und zweimal Ostern gefeiert . Das finde ich eigentlich nicht so gut...
Deiner Enkelin wirds gefallen :mrgreen:

Lg
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Beitrag von Sarrha »

FioreGraz hat geschrieben:
Ja, da hast du recht. Danke für dein Einfühlungsvermögen
Es wirft schon einige Fragen auf - schon jetzt wird in der Familie meines schwiegersohns in spe zweimal Weihnachten und zweimal Ostern gefeiert . Das finde ich eigentlich nicht so gut...
Deiner Enkelin wirds gefallen :mrgreen:

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Die Gören werden schon genug verwöhnt werden ... :mrgreen:

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

FioreGraz hat geschrieben:
Ja, da hast du recht. Danke für dein Einfühlungsvermögen
Es wirft schon einige Fragen auf - schon jetzt wird in der Familie meines schwiegersohns in spe zweimal Weihnachten und zweimal Ostern gefeiert . Das finde ich eigentlich nicht so gut...
Deiner Enkelin wirds gefallen :mrgreen:

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