Dostojewskij

Ostkirchliche Themen.

Moderator: Walter

Julius
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Dostojewskij

Beitrag von Julius » Donnerstag 9. Februar 2006, 20:32

Heute vor 125 Jahren starb Fjodor Dostojewskij.
Als junger Erwachsener habe ich seine Bücher größtenteils gelesen. Figuren wie Raskolnikow, Fürst Myschkin, die Brüder Karamasow haben mich fasziniert.
Er gilt als religiöser Mensch, dennoch sind mir in seinen Büchern wirklich christliche Antworten kaum hängen geblieben.
Wie seht ihr? Wie sieht die orthodoxe Kirche Dostojewskij heute?
Gruß Julius

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Walter
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Re: Dostojewskij

Beitrag von Walter » Donnerstag 9. Februar 2006, 21:49

Julius hat geschrieben:Heute vor 125 Jahren starb Fjodor Dostojewskij.
Als junger Erwachsener habe ich seine Bücher größtenteils gelesen. Figuren wie Raskolnikow, Fürst Myschkin, die Brüder Karamasow haben mich fasziniert.
Er gilt als religiöser Mensch, dennoch sind mir in seinen Büchern wirklich christliche Antworten kaum hängen geblieben.
Wie seht ihr?
Mein Tipp:Noch einmal lesen!

Dir ist wohl viel entgangen. Mir fällt jetzt kein Roman der Weltliteratur ein, in dem mehr christliche Fragestellungen (und das auf höchstem) Niveau behandelt werden als "Die Brüder Karamasow". Allein die Legende vom Großinquisitor wurde ja noch fast zu Lebzeiten Dostojewskijs als eigenständige theologische Abhandlung über das Theodizee-Problem herausgegeben.

Allein diesen Abschnitt noch einmal zu lesen, lohnt sich (gibt's auch extra als Taschenbuch "Der Großinquisitor"). ;)

Julius
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Beitrag von Julius » Donnerstag 9. Februar 2006, 23:01

Hallo Walter,

ich mag die Bücher sehr und die Karamassow habe ich im Schrank,wobei was den Großinquisitor betrifft, es ja auch die Deutung gibt das D hier den Papst abbilden wollte.
Die Problematik bei Dostojewskij ist für mich nicht der Mangel an Fragen, sondern die Schwierigkeit der Antwort. Raskolnikow bekehrt sich nach seinem Mord eigentlich überhaupt nicht, und in den Romanen wie "Der Spieler" oder in der Erzählung vom Kellerschlupfmenschen ist die Hauptfigur ziemlich düster.
Kaum jemand hat so faszinierend das Innere grundverschiedener Menschen beschrieben wie Dostojewskij, doch weil die Hauptfiguren so im eigenen Sumpf leben, finde ich muß man sich anstrengen eine Botschaft zu finden.
Ist auch schon länger her das ich ihn gelesen habe, vieles habe ich vergessen und würde es heute besser verstehen.
Gruß Julius

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Walter
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Beitrag von Walter » Freitag 10. Februar 2006, 21:31

"Wirklich christliche Antworten" gibt Dostojewskij auch in den Reden und Lehren des Starez Sosima (ebenfalls in "Die Brüder Karamasow") wieder. Besonders gut gefällt mir die Rede vom Gebet und von der Liebe; sie beginnt so:
Dostojewskij hat geschrieben:
Vom Gebet, von der Liebe und von der Berührung mit anderen Welten
Jüngling, vergiss nicht das Gebet! Jedes Mal wird in deinem Gebet, wenn es aufrichtig ist, ein neues Gefühl entstehen, und mit ihm ein neuer Gedanke, den du bis dahin nicht kanntest, und der dir von neuem Mut machen wird; und du wirst begreifen, dass Gebet Erziehung bedeutet. Und präge dir noch etwas ein : an jedem Tag, und so oft es dir möglich ist, sprich vor dich hin: »Herr, erbarme dich aller derer, die heute vor dir erschienen sind.« Denn jeder Tag und jeden Augenblick werfen Tausende ihr Leben von sich auf dieser Erde und ihre Seelen erscheinen vor dem Herrn. Und wie viele von ihnen haben die Welt einsam verlassen, von keinem gekannt, in Trauer und Schmerz darüber, dass niemand sie beweinen wird, ja, dass man überhaupt nicht weiß, ob sie gelebt haben oder nicht. Und nun, vielleicht am anderen Ende der Welt, steigt plötzlich dein Gebet für seine Seelenruhe zu Gott, obwohl du ihn überhaupt nicht kanntest und er dich ebenso wenig. Wie wird es seine Seele, die in Angst vor dem Herrn steht, bewegen, wenn er in dem Augenblick fühlt, dass auch er jemand hat, der für ihn betet, und dass auf Erden ein menschliches Wesen ist, das ihn liebt. Und Gott wird mit mehr Barmherzigkeit auf euch beide sehen; denn wenn schon du ihn so sehr bemitleidest, wie viel mehr wird der ihn bemitleiden, der unendlich barmherziger und liebevoller ist als du. Und um deinetwillen wird er ihm vergeben.
[...]
Lesenswert ist auch die Betrachtung von der Hölle und vom höllischen Feuer.

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