Fragen zum Thema Orthodoxie

Ostkirchliche Themen.

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Pilgerer
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Pilgerer » Sonnabend 7. Juni 2014, 11:12

Hat das Johannes-Evangelium die orthodoxe Theologie stärker beeinflusst als die westliche?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Stephanie
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Stephanie » Sonnabend 7. Juni 2014, 14:35

Pilgerer hat geschrieben:Patriarch Bartholomäus I setzt sich als "grüner Patriarch" auch für Umweltschutz ein. Steht er damit allein oder wird sein Anliegen von den orthodoxen Christen und der orthodoxen Tradition geteilt?
Grundsätzlich gilt es natürlich mit der Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen. Es gibt in der Orthodoxie aber keine spezielle Grüne-Bewegung, falls das gemeint war. Das liegt auch einfach daran, dass die Kirche sich hauptsächlich mit dem jeweiligen Individuum beschäftigt und weniger gesellschafts-politische Bewegungen ins Leben ruft, meistens jedenfalls. Dementsprechend liegt der Fokus auf dem jeweiligen Sünder und seinem Weg zum Heil und nicht so sehr auf "Rettet die Bäume im Amazonasgebiet", auch wenn das ohne Zweifel ein berechtigtes und wichtiges Thema ist, aber eben nicht primär für die Kirche.
Wird kaum der Gerechte gerettet, wo werde ich Sünder erscheinen? Die Last und Hitze des Tages habe ich nicht getragen. Die um die elfte Stunde kamen, denen zähle mich bei, Gott, und sei mein Erretter.

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Ewald Mrnka
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Ewald Mrnka » Sonnabend 7. Juni 2014, 19:30

Stephanie hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Patriarch Bartholomäus I setzt sich als "grüner Patriarch" auch für Umweltschutz ein. Steht er damit allein oder wird sein Anliegen von den orthodoxen Christen und der orthodoxen Tradition geteilt?
Grundsätzlich gilt es natürlich mit der Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen. Es gibt in der Orthodoxie aber keine spezielle Grüne-Bewegung, falls das gemeint war. Das liegt auch einfach daran, dass die Kirche sich hauptsächlich mit dem jeweiligen Individuum beschäftigt und weniger gesellschafts-politische Bewegungen ins Leben ruft, meistens jedenfalls. Dementsprechend liegt der Fokus auf dem jeweiligen Sünder und seinem Weg zum Heil und nicht so sehr auf "Rettet die Bäume im Amazonasgebiet", auch wenn das ohne Zweifel ein berechtigtes und wichtiges Thema ist, aber eben nicht primär für die Kirche.
Das hast Du sehr schön auf den Begriff gebracht! Danke!
Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

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Stephanie
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Stephanie » Sonntag 8. Juni 2014, 10:35

:huhu:

verschwitzte Grüße aus dem Süden :blinker:
Wird kaum der Gerechte gerettet, wo werde ich Sünder erscheinen? Die Last und Hitze des Tages habe ich nicht getragen. Die um die elfte Stunde kamen, denen zähle mich bei, Gott, und sei mein Erretter.

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 8. Juni 2014, 18:51

Stephanie hat geschrieben:Das liegt auch einfach daran, dass die Kirche sich hauptsächlich mit dem jeweiligen Individuum beschäftigt und weniger gesellschafts-politische Bewegungen ins Leben ruft, meistens jedenfalls.
Im 1. Brief des Johannes heißt es, dass alle Ungerechtigkeit Sünde ist (5,17). Dann wäre auch ein ungerechtes Verhalten gegenüber der Natur (Schöpfung) Sünde. Doch wo beginnt diese Sünde oder Ungerechtigkeit?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von taddeo » Sonntag 8. Juni 2014, 20:53

Pilgerer hat geschrieben:
Stephanie hat geschrieben:Das liegt auch einfach daran, dass die Kirche sich hauptsächlich mit dem jeweiligen Individuum beschäftigt und weniger gesellschafts-politische Bewegungen ins Leben ruft, meistens jedenfalls.
Im 1. Brief des Johannes heißt es, dass alle Ungerechtigkeit Sünde ist (5,17). Dann wäre auch ein ungerechtes Verhalten gegenüber der Natur (Schöpfung) Sünde. Doch wo beginnt diese Sünde oder Ungerechtigkeit?
Im Individuum, denn nur das kann sündigen. Das sieht die Orthodoxie genauso wie die Katholische Kirche. "Institutionalisierte Sünden" gibt es nur als Summe des Fehlverhaltens Einzelner. Siehe Mutter Teresas berühmten Satz auf die Frage, was sich in der Welt ändern müsse: "Sie und ich".
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Pit » Sonntag 8. Juni 2014, 22:47

Genau aus dem Grund gibt es seitens der kath. und (!) orthod. Lehre auch keine A
allgemeine (!) Absolution - ausser in wenigen Ausnahmen - weil es immer um das persönliche,individuelle Vergehen geht,deswegen kann (!) eine Bußandacht auch nicht die persönliche Beichte ersetzen.
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Pilgerer » Montag 9. Juni 2014, 10:55

taddeo hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:
Stephanie hat geschrieben:Das liegt auch einfach daran, dass die Kirche sich hauptsächlich mit dem jeweiligen Individuum beschäftigt und weniger gesellschafts-politische Bewegungen ins Leben ruft, meistens jedenfalls.
Im 1. Brief des Johannes heißt es, dass alle Ungerechtigkeit Sünde ist (5,17). Dann wäre auch ein ungerechtes Verhalten gegenüber der Natur (Schöpfung) Sünde. Doch wo beginnt diese Sünde oder Ungerechtigkeit?
Im Individuum, denn nur das kann sündigen. Das sieht die Orthodoxie genauso wie die Katholische Kirche. "Institutionalisierte Sünden" gibt es nur als Summe des Fehlverhaltens Einzelner. Siehe Mutter Teresas berühmten Satz auf die Frage, was sich in der Welt ändern müsse: "Sie und ich".
Welche Sünde des Individuums führt denn genau zu den ökologischen Problemen? Sollten die kirchlichen Prediger da klarer auf die Zusammenhänge hinweisen, auch wenn sie damit reiche Geldspender möglicherweise verärgern?
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Stephanie
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Stephanie » Montag 9. Juni 2014, 11:17

Pilgerer, die Aufgabe der Kirche ist es nicht in der Predigt darüber zu philosphieren, welches Baumaterial man für sein Haus verwendet, ob man lieber Papier- statt Plastiktüten nehmen solle usw.

Ein Mensch, der sich ernsthaft mit seinen Sünden auseinandersetzt, der sich darum bemüht, sich und sein Leben zu verwandeln, muss sich beständig mit dem was er tut und nicht tut, was er denkt oder nicht denkt, was er fühlt oder nicht fühlt auseinandersetzen. Ein Mensch der auf diese Weise mit Reflexion beschäftigt ist, wird sich um einen entsprechenden Umgang mit seiner Umwelt, d.h. Mensch, Tier, Schöpfung insgesamt bemühen. Es gibt keine Theosis, wenn der Mensch sich rücksichtslos bedient. Außerdem gehört Askese zum Leben, eines jeden Leben, mit dazu.
Es spricht überhaupt nichts dagegen, sich in gesellschaftspolitischen Vereinigungen zu engagieren. Es ist aber definitiv nicht Aufgabe des Priesters über die 10 Gebote von Greenpeace zu predigen.

Sünden die zu Umweltproblemen führen, sind die gleichen Sünden, die auch zu Problemen in anderen Beziehungen führen: Gier, Unachtsamkeit, Egoismus, Gleichgültigkeit, Eitelkeit, Stolz, Mitleidlosigkeit, usw. usw.
Es gibt keine eigenen Sündenklassen, die ökologische Probleme verursachen. Das ist Schubladendenken. Alles hängt an der gefallen Natur des Menschen. Wer sich und seine Gefühle, seine Begierden und Wünsche zum Götzen erhebt, verursacht Schaden -sehr freundlich formuliert- gegenüber den Mitmenschen, gegenüber der Welt. Die Orthodoxie lehrt deshalb auch immer, dass meine Sünden, nicht nur meine persönlichen kleinen Sünden sind, die niemanden oder nur mein unmittelbares Umfeld etwas angingen, sondern, dass an meinen Sünden die Welt, die Schöpfung leidet (auch der Leib Christi). Jeder trägt Verantwortung am Ganzen!
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von martin v. tours » Montag 9. Juni 2014, 11:40

Stephanie :daumen-rauf:
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Fragesteller » Dienstag 10. Juni 2014, 11:38

Naja, es ist aber doch eher nicht so, dass Menschen heute gieriger, unachtsamer, egoistischer wären als von 1000 Jahren, und dennoch sind die ökologischen Folgen dieser Verhaltenswesen deutlich gravierender als damals - weil eben die Strukturen andere sind. Dass Sünden immer individuell sind, ist schon klar. Aber es hängen anscheinend nicht alle Probleme an diesen individuellen Sünden, und es wäre zu übelegen, wie die Kirche damit umgehen kann. Vielleicht ist das aber in der Tat nicht ihrer Aufgabe.

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Ralf » Dienstag 10. Juni 2014, 12:18

Fragesteller hat geschrieben:Naja, es ist aber doch eher nicht so, dass Menschen heute gieriger, unachtsamer, egoistischer wären als von 1000 Jahren, und dennoch sind die ökologischen Folgen dieser Verhaltenswesen deutlich gravierender als damals - weil eben die Strukturen andere sind. Dass Sünden immer individuell sind, ist schon klar. Aber es hängen anscheinend nicht alle Probleme an diesen individuellen Sünden, und es wäre zu übelegen, wie die Kirche damit umgehen kann. Vielleicht ist das aber in der Tat nicht ihrer Aufgabe.
Nicht die Strukturen sind andere, sondern die (technischen) Möglichkeiten, im guten wie im schlechten.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Jeremias » Dienstag 10. Juni 2014, 12:26

Was soll denn bitte Sinn der Kirche sein? Uns helfen, unseren Weg zu Gott zu finden oder sich um den Zustand der Weltmeere sorgen? Kirche ist der Ort des Gebets und der Ort, wo Gott mitten unter uns sind. Da sind solche Probleme nur insofern wichtig, wie sie unseren Weg zu Gott behindern.

Das alles hindert uns natürlich nicht daran, uns wie ein Gast auf Erden zu verhalten. Wie ein Gast sollten wir das Gastrecht achten, nicht zuviel Schmutz hinter uns lassen auf unserem Weg zum Hause Gottes.
Orthodoxer. Physikdidaktiker. Rollenspieler. Liberaler. Konservativer. Modernist. Ökumenist.
Alles Titel, mit denen man mich bedenken kann, die deswegen mich trotzdem nicht gänzlich beschreiben.

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 11. Juni 2014, 22:35

Hatte der Kolosser-Brief Einfluss auf die Entstehung der kirchlichen Glaubensbekenntnisse? Die Worte darin erinnern mich sehr an manche Passagen des nizänisch-konstantinopolitanischen Bekenntnisses und muten tatsächlich wie ein Glaubensbekenntnis an:
Jesus Christus "ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. 16 Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. 17 Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. 18 Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei. 19 Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte 20 und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz."
"in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig 10 und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist. ...
12 Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. 13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden."
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von taddeo » Mittwoch 11. Juni 2014, 22:42

Was Du da zitierst, ist der sogenannte "Kolosser-Hymnus", der nach exegetischer Lehrmeinung selbst schon ein Zitat ist, das der Verfasser des Briefes aus der kirchlichen "Tradition" bzw. Liturgie entnommen hat. Insofern ist es naheliegend, daß solch uralte Glaubenssätze über die Liturgie auch Eingang in die Formulierung des Symbola gefunden haben.
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Linus
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Linus » Donnerstag 12. Juni 2014, 08:25

Pit hat geschrieben:Genau aus dem Grund gibt es seitens der kath. und (!) orthod. Lehre auch keine A
allgemeine (!) Absolution - ausser in wenigen Ausnahmen - weil es immer um das persönliche,individuelle Vergehen geht,deswegen kann (!) eine Bußandacht auch nicht die persönliche Beichte ersetzen.
N(!) biß(!)chen(!) viel(!) von (!) :pfeif:
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 12. Juni 2014, 18:06

taddeo hat geschrieben:Was Du da zitierst, ist der sogenannte "Kolosser-Hymnus", der nach exegetischer Lehrmeinung selbst schon ein Zitat ist, das der Verfasser des Briefes aus der kirchlichen "Tradition" bzw. Liturgie entnommen hat. Insofern ist es naheliegend, daß solch uralte Glaubenssätze über die Liturgie auch Eingang in die Formulierung des Symbola gefunden haben.
Könnte ein derartiges biblisches Bekenntnis auch als kirchliches Glaubensbekenntnis verwendet werden?
Was ich interessant finde, ist die Verbindung zum johanneischen Denken im Kolosserbrief, wenn darin Paulus schreibt: "mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. 13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden"
Dieser Schritt vom Tod ins Leben, die Auferstehung durch den Glauben, scheint mir in der westlichen Theologie etwas unter zu gehen. Vor allem die teils von reformierten Christen vertretene Annahme, dass die gestorbenen Christen bis zur zukünftigen Apokalpyse mausetot seien, berücksichtigt diese und ähnliche Bibelstellen zu wenig.
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Linus » Donnerstag 12. Juni 2014, 18:39

Pilgerer hat geschrieben:ieser Schritt vom Tod ins Leben, die Auferstehung durch den Glauben, scheint mir in der westlichen Theologie etwas unter zu gehen. Vor allem die teils von reformierten Christen vertretene Annahme, dass die gestorbenen Christen bis zur zukünftigen Apokalpyse mausetot seien, berücksichtigt diese und ähnliche Bibelstellen zu wenig.
In Stein gehauenes Zeugnis des oben gesagten ist dies hier:


Im Westen als Grabeskirche bekannt im Osten als Anastasis (Auferstehungskirche)
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von ad-fontes » Mittwoch 18. Juni 2014, 13:05

Pit hat geschrieben:Genau aus dem Grund gibt es seitens der kath. und (!) orthod. Lehre auch keine A
allgemeine (!) Absolution - ausser in wenigen Ausnahmen - weil es immer um das persönliche,individuelle Vergehen geht,deswegen kann (!) eine Bußandacht auch nicht die persönliche Beichte ersetzen.
Wann liegt so eine Ausnahme vor? Wie ist das in den orthodoxen Kirchen geregelt?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Protasius » Mittwoch 18. Juni 2014, 23:03

ad-fontes hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:Genau aus dem Grund gibt es seitens der kath. und (!) orthod. Lehre auch keine A
allgemeine (!) Absolution - ausser in wenigen Ausnahmen - weil es immer um das persönliche,individuelle Vergehen geht,deswegen kann (!) eine Bußandacht auch nicht die persönliche Beichte ersetzen.
Wann liegt so eine Ausnahme vor? Wie ist das in den orthodoxen Kirchen geregelt?
Kathpedia legt die Regeln in der katholischen Kirche dar. Zulässig ist die gleichzeitige Spendung der Lossprechung an mehrere Pönitenten ohne Sündernbekenntnis der einzelnen Empfänger nur in Todesgefahr oder wenn in einer Notlage bei einer großen Zahl von Pönitenten die Zahl der Beichtväter nicht ausreicht. Die englische Wikipedia behauptet, daß eine Notlage nach allgemeiner Ansicht gegeben ist, wenn innerhalb eines Monats nicht alle Beichtkinder zur Beichte gehen können. Der Diözesanbischof hat dazu seine Erlaubnis zu geben. Wer die Generalabsolution empfängt, ist verpflichtet zu gegebener Zeit das Sündenbekenntnis in einer Einzelbeichte nachzuholen.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Alt-Katholik » Donnerstag 19. Juni 2014, 19:23

Gibt es eigentlich so was wie "liberale" Orthodoxe? Oder zumindest moderate? Oder zumindest konservative Orthodoxe, die nicht einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie einen schwulen Mann im Fernsehen sehen?

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Stephanie
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Stephanie » Donnerstag 19. Juni 2014, 20:32

Die Frage ist ein wenig merkwürdig.
Theoretisch erkennt man einem Menschen seine sexuellen Vorlieben nicht an, es sei denn, er verwendet sie, um sie in die Welt hinauszuposaunen und irgendwelche politischen oder gesellschaftlichen Ziele umzusetzen. Und hierfür ist die Antwort ziemlich klar: Ausgelebte homosexuelle Neigung ist Sünde (genauso wie viele andere Dinge). Du wirst also von kirchlicher Seite keine Zustimmung zur Segnung von homosexuellen Verbindungen finden. Und die Mehrheit der Gläubigen dürfte das ähnlich sehen. Es ist aber grundsätzlich nie möglich eine Aussage über die Meinung eines jeden einzelnen Gläubigen zu treffen. (Allerdings ist mir noch niemand begegnet, der dergleichen propagiert hätte, andererseits ist das jetzt auch nicht unbedingt ein Thema, das groß diskutiert wird.) Was es nicht gibt (jedenfalls ist mir nichts dergleichen bekannt), sind irgendwelche Strömungen in der Kirche, die für eine Segnung einer solchen Verbindung eintreten.
Für mich gesprochen: Ich bekomme selbstverständlich keinen Herzinfarkt, wenn ich auf homosexuelle Menschen treffe. Ein Arbeitskollege von mir ist bekennender Homosexueller und ich bin weder schreiend davon gelaufen noch weigere ich mich mit ihm essen zu gehen, zu lachen oder auch zu streiten.
Meine Zustimmung hat er dennoch nicht, hätte aber der bekennende ehebrechende Kollege auch nicht.
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Alt-Katholik » Donnerstag 19. Juni 2014, 20:51

Stephanie hat geschrieben:Die Frage ist ein wenig merkwürdig.
Theoretisch erkennt man einem Menschen seine sexuellen Vorlieben nicht an, es sei denn, er verwendet sie, um sie in die Welt hinauszuposaunen und irgendwelche politischen oder gesellschaftlichen Ziele umzusetzen. Und hierfür ist die Antwort ziemlich klar: Ausgelebte homosexuelle Neigung ist Sünde (genauso wie viele andere Dinge). Du wirst also von kirchlicher Seite keine Zustimmung zur Segnung von homosexuellen Verbindungen finden. Und die Mehrheit der Gläubigen dürfte das ähnlich sehen. Es ist aber grundsätzlich nie möglich eine Aussage über die Meinung eines jeden einzelnen Gläubigen zu treffen. (Allerdings ist mir noch niemand begegnet, der dergleichen propagiert hätte, andererseits ist das jetzt auch nicht unbedingt ein Thema, das groß diskutiert wird.) Was es nicht gibt (jedenfalls ist mir nichts dergleichen bekannt), sind irgendwelche Strömungen in der Kirche, die für eine Segnung einer solchen Verbindung eintreten.
Für mich gesprochen: Ich bekomme selbstverständlich keinen Herzinfarkt, wenn ich auf homosexuelle Menschen treffe. Ein Arbeitskollege von mir ist bekennender Homosexueller und ich bin weder schreiend davon gelaufen noch weigere ich mich mit ihm essen zu gehen, zu lachen oder auch zu streiten.
Meine Zustimmung hat er dennoch nicht, hätte aber der bekennende ehebrechende Kollege auch nicht.
Ich meinte selbstverständlich einen Prominenten, dessen Homosexualität bekannt ist.

Also gibt es weder liberale (Laien)strömungen innerhalb der Orthodoxie (wie z.B. "Wir sind Kirche" bei den Römern) noch irgendein Geistlicher, egal ob Bischof, Priester, Diakon, der sich positiv darüber geäußert hat? Die gleiche Frage stelle ich auch in Bezug zur Frauenordination.

Ist die Orthodoxie ein geschlossener Block was das Ganze angeht oder gibt es auch Ortskirchen die liberaler, moderater, konservativer sind als andere?

Wie erklärt sich die Orthodoxie gegenüber dem Rest der Welt, wenn es darum geht, dass einige orthodoxe Christen (darunter auch Geistliche) Seite an Seite mit Rechtsextremen "gegen" Homosexuelle demonstrieren? Fallen da die Schranken nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund"?

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Alt-Katholik » Donnerstag 19. Juni 2014, 20:57

Was denken Orthodoxe über Martin Luther? Ist er dort überhaupt großartig bekannt bzw. inwiefern befasst sich die Orthodoxie im Allgemeinen mit der Reformation (und deren Anliegen)? Kann man einen Konsens ausmachen, der im orthodoxen Klerus vorherrscht?

Danke im Voraus für die Antworten!

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Stephanie
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Stephanie » Donnerstag 19. Juni 2014, 21:20

Alt-Katholik hat geschrieben:Ich meinte selbstverständlich einen Prominenten, dessen Homosexualität bekannt ist.
:achselzuck: Sorry, dazu weiß ich leider nichts. Mir ist keiner bekannt, vielleicht kann dir jemand von meinen Geschwistern diesbezüglich etwas sagen. Homosexuelle Prominente, die in orthodoxen Ländern leben, gibt es ohne Zweifel genügend, aber ich wüsste keinen, der sich explizit dann mit der Kirche in Verbindung bringen würde. Vermutlich hätte er es dann auch sehr schwer.
Alt-Katholik hat geschrieben:Also gibt es weder liberale (Laien)strömungen innerhalb der Orthodoxie (wie z.B. "Wir sind Kirche" bei den Römern) noch irgendein Geistlicher, egal ob Bischof, Priester, Diakon, der sich positiv darüber geäußert hat? Die gleiche Frage stelle ich auch in Bezug zur Frauenordination.
Laienströmungen sind nicht so das Ding der Orthodoxie, um das jetzt mal umgangssprachlich zu formulieren. Diese Neigung 1 Vereine zu gründen, ist dort eher fremd. Das hat vermutlich einerseits kulturelle Hintergründe - d.h. die Herkunftsländer haben ein andere Vorstellung/Tradition von Gesellschaft als bei uns - zum anderen liegt es auch sicherlich in der Orthodoxie und dem Glaubensleben begründet. Bei uns ist die Gemeinde zentral, für den Gottesdienst, für die Beichte, für gemeinsame Feiern, für unseren gemeinsamen Weg zu Gott. Für uns ist der Priester in der Regel auch der geistliche Vater, mit ihm wird das Leben, die Probleme, wasauchimmer besprochen. Alleingänge sind in der Orthodoxie nicht üblich und ohne den Segen des Priesters unternimmt man ohnehin nichts. Die Vorstellung, wir haben eine andere Meinung als die Kirche und die werden wir jetzt durchsetzen, gibt es so tatsächlich nicht. Frauenordination ist eigentlich auch kein großes Thema. Ich habe bislang noch keine orthodoxe Frau getroffen, die diesbezügliche Interessen vertrat und selbst in den orthodoxen Gemeinden der USA scheint dies kein Thema zu sein.
Geistliche, die sich positiv zur Homosexualität - ich nehme an, du meinst, dass sie es als akzeptable und zu segnende Lebensform ansehen - geäußert hätten, sind mir gänzlich unbekannt. Zumal sich dieser Geistliche dann außerhalb der Kirche befände.
Alt-Katholik hat geschrieben:Ist die Orthodoxie ein geschlossener Block was das Ganze angeht oder gibt es auch Ortskirchen die liberaler, moderater, konservativer sind als andere?
Natürlich gibt es auch bei uns Streitereien. Es gibt z.B. die sogenannten Altkalendarier. Oft sind die Unterschiede auch durch die Herkunftsländer bedingt. D.h. dass die Serben vielleicht zu bestimmten Dingen eine andere Haltung haben als die Russen, oder so. Das betrifft in der Regel aber nicht solche grundlegenden Themen wie Sexualität, sondern Fragen zum Brauchtum oder wie häufig gebeichtet werden muss vor der Kommunion usw.
Gemeinhin gilt oft die Einschätzung, dass griechische Gemeinden etwas liberaler seien, weil dort Frauen z.B. auch Hosen tragen oder keine Kopftücher tragen. Ob man das immer so verallgemeinernd behaupten kann, sei mal dahin gestellt. Aber zu den grundlegenden Fragen/Themen der Theologie wirst du keine großen Unterschieden feststellen können.
Alt-Katholik hat geschrieben:Wie erklärt sich die Orthodoxie gegenüber dem Rest der Welt, wenn es darum geht, dass einige orthodoxe Christen (darunter auch Geistliche) Seite an Seite mit Rechtsextremen "gegen" Homosexuelle demonstrieren? Fallen da die Schranken nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund"?
Die Orthodoxie erklärt überhaupt nix dem Rest der Welt. Warum auch? Du denkst entschieden zu römisch! Wer sollte denn da sprechen? Wir haben kein Oberhaupt, dass für DIE Orthodoxie sprechen könnte! Das betrifft die jeweiligen orthodoxen Christen, ihre jeweiligen Gemeinden und Priester, bzw. bei den Geistlichen die Bischöfe. Ich kann als einzelner Gläubiger dazu eine Meinung haben, mein Bischof kann dazu als Christ eine Meinung haben, oder, wenn es einen Priester seines Bistums betrifft, dann kann und wird er ggf. ihn zum Gespräch einladen. Das wird aber nicht gesellschaftlich thematisiert, sondern dann wohl eher intern. Es gibt kein übergeordnetes Lehramt.


Zum Thema Homosexualität und Orthodoxie habe ich schon einmal ein sehenswertes Interview in den KG eingestellt (d.h. aber nicht, dass die Mehrheit dies so sieht, sondern dass dort gute Denkanstöße gegeben werden):
http://www.youtube.com/watch?v=PCdU_UA78o
Zuletzt geändert von Stephanie am Donnerstag 19. Juni 2014, 21:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Stephanie » Donnerstag 19. Juni 2014, 21:29

Alt-Katholik hat geschrieben:Was denken Orthodoxe über Martin Luther? Ist er dort überhaupt großartig bekannt bzw. inwiefern befasst sich die Orthodoxie im Allgemeinen mit der Reformation (und deren Anliegen)? Kann man einen Konsens ausmachen, der im orthodoxen Klerus vorherrscht?

Danke im Voraus für die Antworten!
Martin Luther spielt für die Orthodoxie keine Rolle, er ist quasi ein römisches Problem. Warum sollten wir uns mit den Anliegen der Reformation befassen? :achselzuck: Sie betreffen uns nicht.
Aber es gibt natürlich dahingehend eine Auseinandersetzung, dass die orthodoxen Gläubigen in der heutigen Welt zwangsläufig mit Protestanten zusammentreffen und daher die Unterschiede in der Glaubenslehre erklärt werden müssen.
Was meinst du mit einem Konsens? Dass Luther nach orthodoxer Auffassung irrt, sollte doch wohl klar sein? :achselzuck:

Aber vielleicht ist das hier für dich interessant:

http://de.bogoslov.ru/text/1246959.html
http://de.bogoslov.ru/text/445471.html
http://www.impantokratoros.gr/Protestanten.de.aspx
Wird kaum der Gerechte gerettet, wo werde ich Sünder erscheinen? Die Last und Hitze des Tages habe ich nicht getragen. Die um die elfte Stunde kamen, denen zähle mich bei, Gott, und sei mein Erretter.

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Anselmus
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Anselmus » Donnerstag 19. Juni 2014, 21:34

Zur Sache mit Martin Luther:

Wenn es Dich interessiert und Du gut genug der englischen Sprache mächtig bist: Am Sonntag Nacht kommt auf Ancientfaith-Radio eine Sendung zum Thema des Kontaktes der Reformer mit der Orthodoxie. Diese Sendung ist dann Montags als Podcast zum Download vorhanden.

http://www.ancientfaith.com/podcasts/aftoday

Mary
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Mary » Donnerstag 19. Juni 2014, 23:09

Alt-Katholik hat geschrieben:Was denken Orthodoxe über Martin Luther? Ist er dort überhaupt großartig bekannt bzw. inwiefern befasst sich die Orthodoxie im Allgemeinen mit der Reformation (und deren Anliegen)? Kann man einen Konsens ausmachen, der im orthodoxen Klerus vorherrscht?

Danke im Voraus für die Antworten!
Der orthodoxe Theologe Thomas Hopko fasste es einmal so zusammen:
Die Reformation sei ein Thema nur für die Römische Kirche. Die erste von vielen Spaltungen im Westen.

Obwohl Luther wichtige Impulse in der Westkirche gab - bsp sein Einsatz gegen Ablassmissbrauch - ging seine Reformation nach orthodoxer Sicht nicht weit genug... bsp Erlösung als Satisfaktion gesehen.

ich bin sehr gespannt auf die von Anselmus verlinkte Sendung.

lg Mary
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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Alt-Katholik » Freitag 20. Juni 2014, 11:33

Erst mal ein Dank an Stephanie!
Stephanie hat geschrieben:Die Orthodoxie erklärt überhaupt nix dem Rest der Welt. Warum auch? Du denkst entschieden zu römisch! Wer sollte denn da sprechen? Wir haben kein Oberhaupt, dass für DIE Orthodoxie sprechen könnte! Das betrifft die jeweiligen orthodoxen Christen, ihre jeweiligen Gemeinden und Priester, bzw. bei den Geistlichen die Bischöfe. Ich kann als einzelner Gläubiger dazu eine Meinung haben, mein Bischof kann dazu als Christ eine Meinung haben, oder, wenn es einen Priester seines Bistums betrifft, dann kann und wird er ggf. ihn zum Gespräch einladen. Das wird aber nicht gesellschaftlich thematisiert, sondern dann wohl eher intern. Es gibt kein übergeordnetes Lehramt.
Ich bin altkatholisch, aber ich vermute mal, dass du "römisch" auch als synonym für "westlich" nützt, dann stimmt's. :D

Verstehe mich bitte nicht falsch, aber da macht es sich die Orthodoxie relativ einfach, wenn die Praxis so ist wie du sie beschreibst. Fühlt sich der jeweilige Patriarch (in dem Fall der russische) in keinster Weise dafür verantwortlich, was seine Schäfchen treiben? Zumal es sich bei dem Thema ja nicht um lehramtliche Dinge handelt sondern einfach nur um Homoparaden.

Naja, vielleicht denke ich wirklich zu westlich. Ich kann aber jetzt zumindest nachvollziehen, warum der gesellschaftliche Wandel in slawisch-orthodoxen Ländern so langsam bis gar nicht vorankommt.

Und bei Luther interessiert mich vor allem, was die heutige Orthodoxie an sich über die evangelischen Kirchen denkt, abseits der Homo- bzw. Frauenthematik. Salopp gefragt: ist die evangelische Kirche für Orthodoxe eher Sekte oder eher ernstzunehmende Kirche ("Kirche" aus orthodoxer Sicht).

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Alt-Katholik » Freitag 20. Juni 2014, 11:35

Anselmus hat geschrieben:Zur Sache mit Martin Luther:

Wenn es Dich interessiert und Du gut genug der englischen Sprache mächtig bist: Am Sonntag Nacht kommt auf Ancientfaith-Radio eine Sendung zum Thema des Kontaktes der Reformer mit der Orthodoxie. Diese Sendung ist dann Montags als Podcast zum Download vorhanden.

http://www.ancientfaith.com/podcasts/aftoday
:daumen-rauf:

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von Protasius » Freitag 20. Juni 2014, 12:19

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, gab es im 17. Jahrhundert einige Synoden in der orthodoxen Kirche, auf denen die reformatorischen Lehren verworfen wurden.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Fragen zum Thema Orthodoxie

Beitrag von San Marco » Freitag 20. Juni 2014, 12:56

Mary hat geschrieben:
Obwohl Luther wichtige Impulse in der Westkirche gab - bsp sein Einsatz gegen Ablassmissbrauch - ging seine Reformation nach orthodoxer Sicht nicht weit genug... bsp Erlösung als Satisfaktion gesehen.
Das verstehe ich nicht ganz.

Melanchthon war zumindest an den Orthodoxen interessiert.
Hier mal lesen:

http://books.google.de/books?id=cSicByr ... e&f=false4

Sehr interessant ist hier auch Seite 112. Beim Briefwechsel zwischen Württembergischen Theoloegn und Konstantinopel sah die evangelische Seite nur noch mit Scheuklappen (lutherische Orthodoxie) und hatte offenkundig jede geistige Beweglichkeit verloren.
Zuletzt geändert von San Marco am Freitag 20. Juni 2014, 13:18, insgesamt 3-mal geändert.

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