Russland: Nur drei Prozent der Orthodoxen leben christlich

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Moderator: Walter

Tacitus
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Russland: Nur drei Prozent der Orthodoxen leben christlich

Beitrag von Tacitus » Dienstag 15. November 2005, 17:39

Die evangelikale Nachrichtenagentur idea berichtet hier, dass nach einer Umfrage der Internet-Agentur „portal-credo.ru“ nur drei Prozent der Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche "wirklich christlich leben".
Nach Angaben des Moskauer Instituts Yuri Levada gehen 55 Prozent der rund 150 Millionen Einwohner der Russischen Föderation nie in eine Kirche. Der Erzpriester Igor Ptschelinzew, Pressesprecher der Eparchie (Diözese) Nishni Nowgorod, sagte bei der Umfrage, daß sich zwar 80 Prozent der 120 Millionen Russen für orthodox halten, aber nur ein bis drei Prozent bemühten sich darum, „wirklich christlich zu leben“. Das wären zwischen 1,2 Millionen und 3,6 Millionen. „Die meisten dieser unserer Orthodoxen konsumieren Horoskope, Wahrsagerei, Esoterik usw. und/oder basteln sich ihre eigene Religion zurecht“, so der Erzpriester.
Ich frage mich - und natürlich auch die orthodoxen Freunde im Forum -, ob die Zahl der praktizierenden Orthodoxen nun im Steigen begriffen ist (so, wie ich das bisher immer gehört und gedacht habe), oder ob wir uns mit diesen Zahlen abfinden müssen.

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Alexander
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Beitrag von Alexander » Dienstag 15. November 2005, 23:42

Die Zahl der praktizierenden Christen steigt beeindruckend. Die Kirche steht wie Phönix aus der Asche auf. Kirchen werden geöffnet und gefüllt, die Klöster wachsen wie Pilze.
Unter den Kommunisten war eine blutige Christenverfolgung, Kinder wurden im Atheismus erzogen, ganze Millionenstädte ohne eine einzige Kirche aufgebaut, nur ein geringer Prozent der Kirchen wurde nicht geschlossen, für eine Zeitlang hatte man alle Männerklöster und fast alle Frauenklöster auf dem von den Sovjets beherrschten Gebiet geschlossen.
Als ich zum Glauben gekommen bin (ich war etwa 12) wurde ich mit dem Problem konfrontiert, daß es in meiner Stadt keine orthodoxe Kirche gab. Alles zerstört.
Doch zu erwarten, daß das Geschwür des Kommunismus und der Säkularisation ohne weiteres schnell verwunden wird, ist naiv. Seit der Wende geißelt der "westliche Lebenswandel" in dem vom Zwangsatheismus entbluteten Rußland um sich. Nicht nur Kirchen sprießen aus dem Boden, sondern auch Bordelle. Banditen beherrschen den Markt. Nicht nur Bibeln und Gebetbücher kann man kaufen, sondern auch die apokalyptischen "Menschenleiber und Menschenseelen". Die Gesellschaft ist sehr antichristlich, nicht einmal den Religionsunterricht in den Schulen darf die Kirche in Rußland bis heute erteilen (es gibt aber min. eine Föderaleinheit als Ausnahme), was ja in Deutschland kein Problem ist.
Tja. Beten, beten...
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

Tacitus
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Beitrag von Tacitus » Mittwoch 16. November 2005, 21:10

Also meinst Du, die Zahl der praktizierenden Christen wird zunehmen?

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Alexander
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Beitrag von Alexander » Mittwoch 16. November 2005, 21:20

Ja. Man beobachtet es ja sichtlich. Sie nimmt eben zu. Aber bedenke: das Laster war doch nie eine Mangelware. Heute weniger als je --- "die Welt liegt im Bösen". Die Erfolge, die in Rußland trotzdem zu verzeichnen sind, geben wirklich Anlaß zur Freude.
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Petra
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Beitrag von Petra » Mittwoch 16. November 2005, 21:35

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