Orthodoxe Gottesdienste

Ostkirchliche Themen.

Moderator: Walter

Justus
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Orthodoxe Gottesdienste

Beitrag von Justus » Sonntag 10. Juli 2005, 21:33

Nennt sich der Gottesdienst der Orthodoxen auch heilige Messe? Haben die Orthodoxen einen Tabernakel und praktizieren sie die eucharistische Anbetung? Welche Unterschiede gibt es in der Liturgie? Vielleicht hat ja hier schon einmal jemand einen orthodoxen Gottesdienst gesehen und kann mal ein paar Unterschiede nennen.

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Juergen
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Re: Orthodoxe Gottesdienste

Beitrag von Juergen » Sonntag 10. Juli 2005, 21:48

Justus hat geschrieben:Nennt sich der Gottesdienst der Orthodoxen auch heilige Messe?
Eher: göttliche Liturgie.
Gruß
Jürgen

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Alexander
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Beitrag von Alexander » Sonntag 10. Juli 2005, 21:49

Also, wir sagen nicht heilige Messe, sondern göttliche Liturgie. Was eucharistische Anbetung ist, versteh ich nicht genau, erkläre mir diesen Terminus, und dann kann ich Dir sagen, ob wir das haben.
Eucharistie (Danksagung) ist bei uns eigentlich nur ein anderes Wort für die göttliche Liturgie. In diesem Gottesdienst opfern wir Brot und Wein. Brot und Wein werden zu den wahrhaften Leib und Blut Christi. Nur Gott allein weiß, wie. Das heilige Opfer Christi wird Gegenwart.
Tabernakel haben wir auch, unsere sind meist kleiner.
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonntag 10. Juli 2005, 21:54

Wird der im Tabernakel anwesende Herr auch verehrt? - Wenn ja wie?
Im Westen wird z.B. eine Kniebeuge (gibts ja im Osten so nicht) in Richtung des Tabernakels gemacht, wenn man die Kirche betritt.

"Eucharistischen Anbetung" meint die Anbetung des im Tabernakel gegenwärtigen Herrn.

Daß der Tabernakel im Osten kleiner ist, ist verständlich: Der Osten hat ja den Tabernakel vor allem für die Krankenkommunion.
Zuletzt geändert von Juergen am Sonntag 10. Juli 2005, 21:56, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
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Alexander
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Re: Orthodoxe Gottesdienste

Beitrag von Alexander » Sonntag 10. Juli 2005, 21:55

Justus hat geschrieben:Vielleicht hat ja hier schon einmal jemand einen orthodoxen Gottesdienst gesehen und kann mal ein paar Unterschiede nennen.
Da müßte ich ein ganzes Buch als Antwort schreiben...
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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonntag 10. Juli 2005, 22:02

Justus hat geschrieben:Vielleicht hat ja hier schon einmal jemand einen orthodoxen Gottesdienst gesehen und kann mal ein paar Unterschiede nennen.
zwei Bücher:

Michael Kunzler: Wir haben das wahre Licht gesehen. Einführung in Geist und Gestalt der byzantinischen Liturgie Trier 1991.

Michael Kunzler: Archieratikon. Einführung in Geist und Gestalt der bischöflichen Liturgie im byzantinischen Ritus der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine. Paderborn 1998.


Zum Autor
1951- geboren in Saarbrücken

1970-75 Studium der Theologie und Philosophie in Trier, München, Saarbrücken

1978 Promotion zum Dr. theol. an der Theologischen Fakultät Trier

1980 Priesterweihe, Beauftragung zur Seelsorge im byzantinischen Ritus durch die Römische Ostkirchenkongregation

1980-84 Seelsorgstätigkeit als Priester der Diözese Trier

1984-88 Hochschulseelsorge und Gymnasialunterricht in Saarbrücken

1987 Habilitation an der Universität Tübingen

1988 Ernennung zum o. ö. Professor der Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn

1995 Ernennung zum Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik Paderborn.

1996 Aufnahme in das Wissenschaftliche Direktorium der Internationalen Theologischen Lehrbuchreihe AMATECA

1998 Zusätzliche Ernennung zum Visiting Professor an der Pontificia Universitas Lateranensis Rom

1999 Zusätzliche Ernennung zum Visiting Professor an der Facoltà di Teologia di Lugano

2001 Berufung zum Berater der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz

1999-2002 Zusätzlicher Lehrauftrag für byzantinische Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Kath. Universität Eichstätt für Studierende des Collegium Orientale

2002 Erhebung zum staurophoren Protopresbyter der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche
Angeblich wurde ihm vor kurzem irgendein Ehrentitel (keine Ahnung wie der heißt) von der Apostolische Exarchie für katholische Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien verliehen, der ihm das Recht einräumt die Mitra zu tragen. Ich habe das nur am Rande mitbekommen.
Gruß
Jürgen

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Re: Orthodoxe Gottesdienste

Beitrag von Khatja » Montag 11. Juli 2005, 09:45

Justus hat geschrieben:Nennt sich der Gottesdienst der Orthodoxen auch heilige Messe? Haben die Orthodoxen einen Tabernakel und praktizieren sie die eucharistische Anbetung? Welche Unterschiede gibt es in der Liturgie? Vielleicht hat ja hier schon einmal jemand einen orthodoxen Gottesdienst gesehen und kann mal ein paar Unterschiede nennen.
Also eine Frage, welche von den "nicht-orthodoxen Gästen" beim Besuch einer orthodoxen Kirche gestellt wird, lautet: "Und wo ist hier denn die Orgel?"... ;D

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 11. Juli 2005, 09:52

Hilarion Alfejew (russisch-orthodoxer Bischof von Wien und Österreich) hat geschrieben:[right]http://www.nikolsobor.org/pictures/vlhilarion.jpg[/right]Das Sakrament der Eucharistie in der Orthodoxen Kirche

Die heilige Eucharistie ist »das Sakrament der Sakramente« der orthodoxen Kirche. Sie ist das Herzstück der Kirche, ihre Grundlage, ihr Fundament, ohne das die Existenz der Kirche undenkbar ist.

Das Sakrament der Eucharistie oder das hlg. Abendmahl wurde von Christus selbst bei seinem letzten Abendmahl eingesetzt, als er Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandelte. Er ließ seine Jünger daran teilhaben und forderte sie auf, dieses Sakrament in Zukunft zu seinem Gedächtnis zu feiern. Auch nach seinem Kreuzestod und seiner Auferstehung versammelten sich die Jünger am ersten Tag der Woche - am so genannten »Fest der Sonne«, dem Tag der Auferstehung Christi - zum »Brotbrechen«.

Ursprünglich war die Eucharistie ein Mahl, das durch Lesen der Schrift und Singen von Psalmen, durch Predigt und Gebet begleitet wurde. Manchmal dauerte es die ganze Nacht. Parallel zum Wachstum der christlichen Gemeinden wandelte sich allmählich die Eucharistie von einem Abend-Mahl in einen Gottesdienst. In der modernen Praxis der orthodoxen Kirche wird die Eucharistie täglich, mit Ausnahme der Wochentage in der großen Fastenzeit - der Passionszeit - gefeiert.

In der christlichen Kirche des Ostens wurde jede eucharistische Gottesdienstordnung in der Regel mit dem Namen des einen oder anderen Apostels oder Heiligen verbunden. In der modernen Praxis der orthodoxen Kirche werden zwei eucharistische Gottesdienstordnungen verwendet - die Liturgie des Hlg. Basilius des Großen (330-379 n. C.) und die Liturgie des Hlg. Johannes Chrysostomus (354-107 n. C). Die Liturgie des Hlg. Basilius des Großen wird zehn Mal im Jahr gefeiert, hauptsächlich zu den großen Festen oder am Vorabend dieser Feste. Die Liturgie des Hlg. Johannes Chrysostomus wird an allen Tagen des Jahres, mit Ausnahme der Wochentage der großen Fastenzeit, gefeiert. Mittwochs und freitags während der großen Fastenzeit wird die Liturgie der vorgeweihten Gaben - eine nicht-eucharistische Liturgie - gefeiert. Sie trägt den Namen des Hlg. Gregorios Dialogos, des römischen Papstes Gregor des Großen.

Die eucharistische Darbringung ist nach ihrem Sinn ein Opfer, in dem Christus selbst »der Darbringende und der Dargebrachte, der Empfangende und der Austeilende« ist - so das Gebet des Priesters während des Cherubim-Hymnus. Christus selbst ist der alleinige Vollzieher der Eucharistie. Er ist unsichtbar in der Kirche anwesend und wirkt durch den Priester.

Für die orthodoxen Christen ist die Eucharistie keine einfache symbolische Handlung, die als Erinnerung an das letzte Abendmahl vollzogen wird. Sie ist das Abendmahl selbst, das täglich von Christus wieder gefeiert und seit der Osternacht, in der Christus mit seinen Jüngern am Tisch saß, ununterbrochen in der Kirche fortgeführt wird. »Des geheimnisvollen Gastmahls mache mich heute teilhaftig, Sohn Gottes«, spricht der Kommunizierende beim Empfang der heiligen Gaben. Bei jeder Liturgie wird nicht nur das Abendmahl, sondern auch das Opfer Christi auf Golgatha neu dargebracht: »Der König der Könige und der Herr der Herren wird geschlachtet und den Gläubigen als Speise dargeboten« - so in der Liturgie des Karsamstags.

Die orthodoxe Kirche glaubt fest daran, daß sich in der Eucharistie Brot und Wein in den wirklichen Leib und in das wahre Blut Christi verwandeln und keine rein symbolische Darstellung des Leibes und Blutes sind. Ein solches Verständnis der Eucharistie war für die christliche Kirche seit den Zeiten der Apostel charakteristisch. Das bezeugt auch der Hlg. Josephus Flavius (2. Jahrhundert), der sagte: »Diese Speise ist der Leib und das Blut dieses fleischgewordenen Jesus.« Der Hlg. Ignatius von Antiochien (2. Jahrhundert) bekräftigte auch, daß »die Eucharistie der Leib unseres Heilandes Jesu Christi ist, der für unsere Sünden gelitten hat«. Jesus selbst sagt: »Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich in ihm« (Johannes 6,55-56).

In der Eucharistie vollzieht sich nach orthodoxem Glauben die Vereinigung des Gläubigen mit Christus nicht symbolisch und bildlich, sondern wirklich, real und vollständig. So wie Christus Brot und Wein durchdringt und sie mit seiner Göttlichkeit erfüllt, so geht er auch in den Menschen ein und erfüllt seinen Leib und seine Seele mit seiner lebensschaffenden Präsenz und göttlichen Energie. In der Eucharistie werden wir, nach dem Ausdruck der heiligen Väter, »des gleichen Fleisches« mit Christus. Er geht in uns ein wie in den Schoß der Jungfrau Maria.

Der ehrwürdige Simeon, der Neue Theologe (11. Jahrhundert), schreibt darüber, daß Christus, indem er sich mit uns vereinigt, alle Glieder unseres Körpers göttlich macht: »Du bist uns dem Fleisch nach verwandt, und wir sind dir verwandt nach deiner Göttlichkeit. Du verbleibst mit uns jetzt und immerdar, du nimmst in jedem deine Wohnung, und du wohnst in allen. Jeder von uns einzeln ist mit dir, o Heiland, ganz mit dem Ganzen, und du bleibst in jedem Einzelnen. So werden alle Glieder von jedem von uns zugleich Glieder Christi und wir gemeinsam werden zu Gott, da wir alle zusammen in Gott sind.«

In den Worten des Hlg. Simeon kann man die Verbindung von Eucharistie und Vergöttlichung nachvollziehen, die das Ziel des christlichen Lebens ist. Zugleich wird der spürbare, leibliche Charakter der Vereinigung mit Christus betont: Unser Fleisch erhält in der Eucharistie so etwas wie einen »Sauerteig der Unverweslichkeit« und wird vergöttlicht, und wenn es stirbt und verwest, wird dieser Sauerteig zum Unterpfand der zukünftigen Auferstehung.

Wegen dieses besonderen Charakters der Eucharistie schenkt die Orthodoxe Kirche diesem Sakrament eine besondere, mit nichts zu vergleichende Bedeutung in Bezug auf die Erlösung des Menschen. Ohne Eucharistie gibt es weder eine Erlösung noch eine Vergöttlichung, weder wahres Leben noch die Auferstehung und ewiges Leben. »Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage« (Johannes 6,53-54). Diese Worte Christi werden in der orthodoxen Kirche wörtlich und nicht symbolisch verstanden.

Aus diesem Grund wird den Gläubigen empfohlen, regelmäßig das Sakrament der Eucharistie zu empfangen. In der modernen Praxis der orthodoxen Kirche werden die Gläubigen aufgerufen, jeden Sonntag die heiligen Gaben zu empfangen. Manche Gläubige gehen nur einmal im Monat oder sogar nur einmal im Jahr zum hlg. Abendmahl. So wurde es zum Beispiel in Rußland vor der Revolution 1917 praktiziert. Allerdings kehrte die Mehrheit der Gläubigen in der Zeit der Verfolgungen zum häufigeren Empfang des heiligen Abendmahls zurück.

Die Frage, wie oft man die heiligen Gaben empfangen soll, wurde in Rußland besonders intensiv am Anfang des 20. Jahrhunderts, während der Vorbereitung des Lan deskonzils der Russischen Orthodoxen Kirche von 1917-1918 diskutiert. Es wurde empfohlen, zur urchristlichen Praxis zurückzukehren und das Abendmahl jeden Sonntag zu empfangen. Zwar sei der Mensch dieses großen Sakramentes nie würdig, weil alle Menschen Sünder sind. Aber die Eucharistie sei dazu eingesetzt worden, damit die Menschen, indem sie die heiligen Gaben empfangen und sich mit Christus vereinigen, immer reiner und Gott würdiger werden.

Die orthodoxe Kirche betont zwar, daß kein Mensch der Eucharistie wahrhaftig würdig sein kann. Zugleich erinnert sie den Gläubigen aber daran, daß jeder, der das Sakrament empfängt, zu einer Begegnung mit Christus vorbereitet sein muß. Die Vorbereitung auf das hlg. Abendmahl darf sich nicht auf das Lesen einer bestimmten Zahl von Gebeten und auf die Enthaltung vom Genuß bestimmter Speisen beschränken. In erster Linie besteht die Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Gaben in der Läuterung des Gewissens, im Ablegen der Feindseligkeit gegen den Nächsten und der Verärgerung über jemanden sowie in der Versöhnung mit allen Menschen: »Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß dort vor dem Altar deine Gabe und geh hin und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe« (Matthäus 5,23-24). Ein Hindernis für die Teilnahme an der Eucharistie stellen die von einem Menschen begangenen schweren Sün den dar. Diese müssen unbedingt im Sakrament der Buße gebeichtet werden.

In der orthodoxen Kirche ist es üblich, die Gaben nüchtern zu empfangen, weil der menschliche Körper durch das Fasten vorgereinigt werden soll. Der Patriarch von Konstantinopel, der Hlg. Gennadij, sagte einmal: »Wer den Kaiser in sein Haus einlädt, wird zuerst sein Haus reinigen; so sollst auch du, wenn du Gott in dein fleischliches Haus aufnehmen möchtest, zuerst deinen Körper durch Fasten heiligen«. Das hlg. Abendmahl auf nüchternen Magen zu empfangen ist eine alte Tradition. Sie geht auf die Zeit zurück, als die Liturgie aufhörte, Fortsetzung der Agape - des Liebesmahles - zu sein und sich in einen feierlichen Gottesdienst verwandelte, der in den Morgenstunden gefeiert wurde.

Alle Vorschriften bezüglich der Vorbereitung auf die Eucharistie sind darauf gerichtet, daß der das Sakrament empfangende Mensch sich seiner Sündhaftigkeit bewußt wird und mit dem Gefühl der innigen Buße an den Kelch herantritt. Im Gebet vor dem hlg. Abendmahl wiederholt der Priester mit dem ganzen Volk die Worte des Apostels Paulus, und jeder bezeichnet sich als »den ersten der Sünder«: »Herr, ich glaube und bekenne, daß du in Wahrheit der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist, der in die Welt gekommen ist, um die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.« Allein das Bewußtsein der eigenen Unwürdigkeit macht einen Menschen würdig, an der Eucharistie teilzunehmen.

Die Zerknirschung über die eigene Sündhaftigkeit hindert den Christen nicht, die Eucharistie als Fest und Freude zu empfinden. Ihrer Natur nach ist die Eucharistie eine Danksagung, ihre Hauptstimmung daher der Lobpreis Gottes. Es ist kein Zufall, daß an den Wochentagen der großen Fastenzeit nicht die ganze Liturgie gefeiert wird: Der traurigen Stimmung dieser Tage entspricht nicht der jauchzende Charakter der eucharistischen Gebete.

Darin besteht das Paradoxon und das Geheimnis der Eucharistie: Man soll sich ihr in Bußgesinnung und zugleich mit Freude nähern - reumütig wegen des Bewußtseins der eigenen Unwürdigkeit und mit Freude, weil der Herr den Menschen in der Eucharistie reinigt, heiligt und vergöttlicht, ihn würdig macht trotz seiner Unwürdigkeit. In der Eucharistie wird nicht nur Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt, sondern auch der Kommunizierende selbst wird aus einem alten in einen neuen Menschen verwandelt; er wird befreit von der Last der Sünde und erleuchtet durch das göttliche Licht.
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Beitrag von Alexander » Montag 11. Juli 2005, 12:02

Juergen hat geschrieben:Michael Kunzler: Wir haben das wahre Licht gesehen. Einführung in Geist und Gestalt der byzantinischen Liturgie Trier 1991.

Michael Kunzler: Archieratikon. Einführung in Geist und Gestalt der bischöflichen Liturgie im byzantinischen Ritus der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine. Paderborn 1998.
Solche Bücher sind gut, wenn man das liturgische Leben der Unierten kennenlernen möchte. Es gibt mittlerweile große Unterschiede zwischen den Unierten und den Orthodoxen, was das liturgische und vor allem das sakramentale Leben anbetrifft. Und auch in der liturgischen Theologie.
Die Unierten nehmen allmählich viele lateinische Gewohneiten an -- z.B. die für einen Orthodoxen haarsträubende Praxis, kleine Kinder nicht kommunizieren zu lassen.
Für das Studium der orthodoxen Praxis empfehle ich, orthodoxe Quellen zu nutzen.
>>>Hier gibt es ein paar Sachen zum Nachlesen.
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Beitrag von Nietenolaf » Montag 11. Juli 2005, 12:15

Alexander hat geschrieben:Solche Bücher sind gut, wenn man das liturgische Leben der Unierten kennenlernen möchte. Es gibt mittlerweile große Unterschiede zwischen den Unierten und den Orthodoxen, was das liturgische und vor allem das sakramentale Leben anbetrifft.
Nicht zu vergessen wären die Sitzbänke in den Kirchen :mrgreen: ... das sah ich u.a. im "Russicum" in Rom. Auch die anwesenden Geistlichen (freilich nicht zelebrierenden) erhoben sich nur vom Trisagion bis zum Vaterunser und zum eucharistischen Kanon aus dem Sitzen, wenn ich mich recht entsinne.

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Beitrag von Justus » Montag 11. Juli 2005, 12:49

Gibt es in orthodoxen Kirchen keine Orgel? Auch keine anderen Instrumente?

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Beitrag von Alexander » Montag 11. Juli 2005, 12:56

Justus hat geschrieben:Gibt es in orthodoxen Kirchen keine Orgel? Auch keine anderen Instrumente?
Menschenkehlen.
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Beitrag von Justus » Montag 11. Juli 2005, 13:03

Und sonst wirklich KEINE Instrumente? Warum nicht? Wie wird das begründet? Also, das würde mir aber sehr fehlen.

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Beitrag von Nietenolaf » Montag 11. Juli 2005, 13:10

Justus hat geschrieben:Und sonst wirklich KEINE Instrumente? Warum nicht? Wie wird das begründet? Also, das würde mir aber sehr fehlen.
Zum Lobpreis Gottes ist nur das beste Instrument, das es gibt, gut genug; und das ist nicht von Menschen-, sondern von Gotteshand geschaffen, und das ist natürlich die menschliche Stimme.
(Hach, was habe ich lange gewartet, diese herrliche apologetische Aussage endlich einmal auch hier anbringen zu können...)

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Beitrag von Justus » Montag 11. Juli 2005, 13:14

@Nietenolaf: Dann hast du mich aber noch nicht singen hören! :mrgreen:

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Beitrag von Alexander » Montag 11. Juli 2005, 13:16

Justus hat geschrieben:@Nietenolaf: Dann hast du mich aber noch nicht singen hören! :mrgreen:
Du betest aber gewiß inbrünstiger, als jede Orgel. Darauf kommt's an. Die Kirche ist zum Beten da.
Wir haben zuweilen (ursprünglich und bei den Griechen heute noch immer) Glöckchen an den Weihrauchfässern.
Und vor allem das Glockengeläut.
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Beitrag von Juergen » Montag 11. Juli 2005, 16:39

Justus hat geschrieben:@Nietenolaf: Dann hast du mich aber noch nicht singen hören! :mrgreen:
Du wirst schon einen passenden Ton finden; wird doch die Oktav nicht wie bei uns in 12 Teile, sondern 68 Teile eingeteilt.

Aber "DIE" Kirchenmusik scheint es mir bei den Ostkirchen nicht zu geben, sondern eher verschiedene Richtungen, die auch von verschiedenen Seiten beeinflußt wurden.

Jedenfalls ist es nicht generell ein - wie etwa in machen westlichen Klöstern noch heute zu hörender - einstimmiger Gesang: 24, 36 oder 48stimmige Liturgien gibt's da wohl auch...
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Nietenolaf » Montag 11. Juli 2005, 21:11

Alexander hat geschrieben:Und vor allem das Glockengeläut.
Das ist allerdings ein dankbar angenommener "Westimport".

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 11. Juli 2005, 22:27

Sagt an, wie haltet ihr’s denn mit der Harfe?
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Beitrag von Alexander » Dienstag 12. Juli 2005, 20:22

Juergen hat geschrieben:Jedenfalls ist es nicht generell ein - wie etwa in machen westlichen Klöstern noch heute zu hörender - einstimmiger Gesang: 24, 36 oder 48stimmige Liturgien gibt's da wohl auch...
So ein Unsinn, echt. Und in Afrika gibt es Menschen mit Hundeköpfen und Schwimmhäuten.
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Beitrag von Alexander » Dienstag 12. Juli 2005, 20:23

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Sagt an, wie haltet ihr’s denn mit der Harfe?
Sie wird im Gottesdienst nicht benutzt.
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Beitrag von Alexander » Dienstag 12. Juli 2005, 20:40

Juergen hat geschrieben: "Eucharistischen Anbetung" meint die Anbetung des im Tabernakel gegenwärtigen Herrn.

Daß der Tabernakel im Osten kleiner ist, ist verständlich: Der Osten hat ja den Tabernakel vor allem für die Krankenkommunion.
Genau so ist es. Der Tabernakel steht bei uns auf dem Altartisch und ist daher nicht zu sehen, wenn kein Gottesdienst ist. Wir beten den im Kelch gegenwärtigen Herrn in der göttlichen Liturgie an.
Wenn wenn ich den Altarraum betrete, verneige ich mich vor dem Altartisch mit dem Tabernakel bzw. werfe mich davor nieder, je nach dem Wochentag.
Es ist auch ein sehr schöner Anblick, wenn in der Liturgie der vorgeweihten Gaben bei dem großen Einzug der Kelch mit dem Leib und Blut Christi hinausgetragen wird und die ganze Gemeinde sich zu Boden wirft. An normalen Sonntagen tut man das normalerweise nicht, da man den Herrntag dadurch ehrt, daß man große Metanien (das Sich-Niederwerfen) unterläßt. Man macht da kleine Metanien.
Der Priester macht aber immer eine Prostration nach der Konsekration.
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Tacitus
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Beitrag von Tacitus » Dienstag 12. Juli 2005, 22:49

Ich bin ab und an im Benediktinerkloster Niederaltaich in Niederbayern, wo der lateinische und der östliche Ritus gepflegt werden. Im Laufe der Zeit wurden - soweit ich weiß - sämtliche liturgischen Texte auch ins Deutsche übertragen.
Ich muss sagen, dass mich die Gottesdienste dort jedesmal tief beeindrucken und mir dadurch zudem die ganz andere Welt der östliche Liturgie nahegekommen ist.

Soweit ich weiß sind die Niederaltaicher zusammen mit einem Benediktinerkloster in Belgien die einzigen, die hier im Westen auch den östlichen Ritus pflegen.

Ich nehme mal an, dass Du Niederaltaich kennst, Alexander.
Mich würde mal interessieren, wie Du das Projekt der Niederaltaicher Mönche beurteilst.

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 12. Juli 2005, 23:37

Alexander hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Sagt an, wie haltet ihr’s denn mit der Harfe?
Sie wird im Gottesdienst nicht benutzt.
Das ist mir schon klar. Ich dachte auch mehr an theoretische Überlegungen über Davids Harfe …
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Beitrag von Juergen » Mittwoch 13. Juli 2005, 15:29

Tacitus hat geschrieben:Soweit ich weiß sind die Niederaltaicher zusammen mit einem Benediktinerkloster in Belgien die einzigen, die hier im Westen auch den östlichen Ritus pflegen.
viewtopic.php?t=3548
Gruß
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Beitrag von Alexander » Mittwoch 13. Juli 2005, 22:56

@Robert
Die Harfe Davids war ein gutes Ding. Sie entsprach dem damaligen, noch ziemlich sinnlichen, aber doch so erhabenen Glauben.
Jetzt im Neuen Bund ist ein neues geistliches Zeitalter. Das heißt nicht, daß die Sinne abgeschafft sind. Übermäßige Vergeistlichung ist der Orthodoxie fremd. Doch ist es in puncto Lobpreis klar, daß der Mensch als ein geistig-fleischliches, also lebendiges Wesen für den Lobpreis Gottes besser qualifiziert ist, als eine tote Harfe. Die Sinne müssen auch geheiligt werden, daher die Ikonen, der Weihrauch und der Gesang --- Gasang der Menschen, Menschen, die für den Lobpreis Gottes geschaffen wurden, die eigentlich den Engeln gleich sein bzw. werden sollten.
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Beitrag von Alexander » Mittwoch 13. Juli 2005, 23:08

Tacitus hat geschrieben:Ich bin ab und an im Benediktinerkloster Niederaltaich in Niederbayern, wo der lateinische und der östliche Ritus gepflegt werden. Im Laufe der Zeit wurden - soweit ich weiß - sämtliche liturgischen Texte auch ins Deutsche übertragen.
Ich muss sagen, dass mich die Gottesdienste dort jedesmal tief beeindrucken und mir dadurch zudem die ganz andere Welt der östliche Liturgie nahegekommen ist.

Soweit ich weiß sind die Niederaltaicher zusammen mit einem Benediktinerkloster in Belgien die einzigen, die hier im Westen auch den östlichen Ritus pflegen.

Ich nehme mal an, dass Du Niederaltaich kennst, Alexander.
Mich würde mal interessieren, wie Du das Projekt der Niederaltaicher Mönche beurteilst.
Also, die Niederaltaicher und die Belgier Benediktiner sind nicht die einzigen, die hier im Westen den byzantinischen Ritus pflegen --- da wären noch z.B. die im Westen lebenden Orthodoxen!
Außerdem gibt es eine Reihe von unierten Pfarreien, es sind ukrainische und rumänische Gemeinden, vielleicht gibt es auch andere Unierten hier.
Juergen hat ja ein paar Sachen angeführt.
So weit ich weiß haben die Niederaltaicher nicht alles übersetzt --- das riesige Menäon z.B. ist erst angefangen. Frag sie bei Deinem nächsten Besuch, wie weit sie mit dem Menäon sind.
Was ich von Niederaltaich halte? Der byzantinische Ritus ist natürlich schön --- zu jeder Form gehört allerdings der entsprechende Inhalt, welcher das eigentlich Wichtige ist. Darum würde ich jedem am östlichen Ritus interessierten empfehlen, sich an die Orthodoxe Kirche zu wenden, um das Gefäß samt seinem Inhalt kennenzulernen.
Zuletzt geändert von Alexander am Donnerstag 14. Juli 2005, 14:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Juergen » Donnerstag 14. Juli 2005, 13:45

Alexander hat geschrieben:...Darum würde ich jedem am östlichen Ritus interessierten empfehlen, sich an die Orthodoxe Kirche zu wenden, um das Gefäß samt seinem Inhalt kennenzulernen.
Willst Du damit zum Ausdruck bringen, daß die unierten Kirchen nur noch die äußere Form gewahrt haben, aber mehr auch nicht?
Gruß
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Beitrag von Alexander » Donnerstag 14. Juli 2005, 14:06

Juergen hat geschrieben: Willst Du damit zum Ausdruck bringen, daß die unierten Kirchen nur noch die äußere Form gewahrt haben, aber mehr auch nicht?
Nein, Juergen -- auch ihre äußere Form wird allmählig immer mehr lateinisch beeinflußt. In den inhaltlichen Sachen richten sie sich erst recht nach Rom.
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Beitrag von Alexander » Sonntag 17. Juli 2005, 16:10

Bemerkung am Rande: der liturgische Tageskreis sieht in der Orthodoxie so aus: Abendamt, Komplet, Mitternachtsgottesdienst, Morgenamt (Orthros), erste Stunde (Hore), dritte Stunde, sechste Stunde, göttliche Liturgie (oder die "Typika", wenn keine Liturgie gefeiert wird) und zu allerletzt die neunte Stunde (vor der Vesper).
Am Sonntagvorabend oder an den Vorabenden von großen Festen verschmelzen bei dem Teil der Orthodoxen, der nach dem Jerusalemer Typikon (Sabbas des Geweihten) lebt, aber auch nach manchen Athos-Typika, das Abend- und das Morgendamt zu einer Vigil.
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Beitrag von Nietenolaf » Sonntag 17. Juli 2005, 18:52

Alexander hat geschrieben::...auch ihre äußere Form wird allmählich immer mehr lateinisch beeinflußt.
> Episkopat der UGKK; (für Insider) zu beachten ist besonders der Name des Bischofs Роберт Москаль. Robert???

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 17. Juli 2005, 21:16

Alexander hat geschrieben:Bemerkung am Rande: der liturgische Tageskreis sieht in der Orthodoxie so aus: Abendamt, Komplet, Mitternachtsgottesdienst, Morgenamt (Orthros), erste Stunde (Hore), dritte Stunde, sechste Stunde, göttliche Liturgie (oder die "Typika", wenn keine Liturgie gefeiert wird) und zu allerletzt die neunte Stunde (vor der Vesper).
Am Sonntagvorabend oder an den Vorabenden von großen Festen verschmelzen bei dem Teil der Orthodoxen, der nach dem Jerusalemer Typikon (Sabbas des Geweihten) lebt, aber auch nach manchen Athos-Typika, das Abend- und das Morgendamt zu einer Vigil.
Das klingt eigentlich gut lateinisch. ;D
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