Von der Zwangsbeglückung der Entlatinisierung durch vatikanische Stellen der letzten Jahrzehnte

Ostkirchliche Themen.
Isidor Matamoros
Beiträge: 96
Registriert: Sonntag 7. Januar 2018, 18:08

Von der Zwangsbeglückung der Entlatinisierung durch vatikanische Stellen der letzten Jahrzehnte

Beitrag von Isidor Matamoros » Sonnabend 27. Januar 2018, 19:57

Hier in diesem Forum wurde in der Vergangenheit beständig und hartnäckig über die angebliche Gemeinheit der Latinisierungen gesprochen, die einige Ostkirchen im Rahmen ihrer Union mit dem Hl. Stuhl haben durchmachen müssen. Was man auch immer dazu sagen mag, nichts führt an er Tatsache vorbei, daß es innerhalb der Kirche einen beständigen kulturellen Austausch gab, der sich bis heute fortgesetzt hat. Wieviele Marienfeste, die uns lieb und teuer sind, kommen aus dem Osten, aber wenn jemand in einer Ostkirche den hl. Joseph verehrt, dann ist das unerträglich. Das Mönchtum kam aus dem Osten, aber wenn die koptisch-katholische Kirche das Herz-Jesu-Fest kennt, dann ist das kulturelle Überfremdung. Jedermann kann die Liste selbst weiterführen.
Es gibt in einigen Ostkirchen Latinisierungen, die haben ein Alter von Jahrhunderten erreicht und die Gläubigen dieser Riten wünschten sich die alten Zustände genauso wenig zurück, wie die Katholiken in England vor dem Konzil den Sarum-Ritus, bzw. das Missale von Salisbury. Dieser Archäologismus ist künstlich und fernab der Wirklichkeit.
In unserer Epoche haben die syro-malabarischen Bischöfe nicht ein einziges Mal für die vollständige Wiederherstellung der alten ostsyrischen Liturgie in ihren Landen gestimmt, weil unter diesem Vorwand außerdem noch Dinge mit eingeführt wurden, die nichts weniger als sehr modern und abwegig sind. Die syro-malabarischen Bischöfe hatten 1896 Jahren nur einen Wunsch: ihr gemischtes Pontifikale möge das das römische sein, allerdings ganz in aramäischer Sprache. Sie bemühten sich sogar darum, selbst eine Übersetzung anzufertigen und in Rom einzureichen. Man war drauf und dran ihrem Wunsch zu entsprechen, aber der Purist Msgr. René Graffin, als Orientalist ein Mann, auf den man sich oft verließ, war vehement dagegen gewesen. Der folgende Artikel erzählt, wie alles anders kam und wie gegen den Widerstand der syro-malabarischen Bischöfe am Ende sogar die Anaphoren des Mar Nestorios und des Mar Diodoros eingeführt wurde, von denen Kardinal Mar Joseph Parecattil noch sagte, sie seien häretisch:

http://dukhrana.in/the-east-syrian-anap ... opsuestia/

 Fr. Joseph Kalathil http://dukhrana.in/restoration-attempts ... r-qurbana/
Kalathil ist selbst Anhänger all dieser Veränderungen, aber den Widerstand, der eigentlich bis zum Jahr 2013, kann auch er nicht leugnen. Die Seele dieser Geschichte einer beständigen Bevormundung, welche die Syro-Malabaren zu einem liturgischen Versuchskanninchen auf Dauer machte, war Kardinal Tisserant. Seit 1936 war er Präfekt der Ostkirchenkongregation und hielt den Posten bis 1957, etwa fünfzehn Monate vor dem Tod von Pius XII.
Um zu seinem Ziel zu gelangen, zögerte Tisserant nicht, sämtliche Gegner zu diskretieren. Er fürchte vor allem die gutachterische Macht der Maroniten, denn sie wurden oft wegen ihrer guten Kenntnisse der aramäischen Sprache konsultiert, vor allem, wenn es auch um liturgische Fragen ging, die sowohl den Nestorianismus als auch den Monophysitismus vermeiden sollten. Der Kardinal startete eine jahrelange Verleumdungskampgane und bediente sich dabei der Hilfe des französischen Orientalisten Jean-Baptiste Chabot. Alles was man in den Archiven finden konnte, was darauf hätte hindeuten können, daß die Maroniten lausige Übersetzer und Fälscher waren, sollte durch Chabot ans Tageslicht gebracht werden. Er handelte sich alsbald einen solch üblen Ruf ein, daß die Maroniten ihm den Zutritt zu ihren Archiven verweigerten. Dafür kam dann der Kardinal selbst und holte sich ab, was er wollte, um es Chabot zu geben. Besonderns hatte es Tisserant auf die Assemanis und die von ihnen erstellten abgesehen, denn er wollte beweisen, daß sie Benedikt XIV. mutwillig hinter das Licht geführt hatten. Die Maroniten haben keinen von der Kirche getrennten Widerpart als einzige Ostkirche. Sie mußten auf niemanden Rücksicht nehmen. Wenn ihnen ein Text nestorianisch oder gnostisch vorkam, dann meldeten sie es auch.
Jedenfalls paßten die Maroniten nicht in Tisserants Konzept
Prof. Dr. Dr. Michael Breydey brichtet in der Reihe Forschungsberichte des Landes NRW im Jahr 1985 von diesem Konflikt (Geschichte der syro-arabischen Literatur vom VII. Bis zum XVI. Jahrhundert). Die Seiten 99 – 103 enthalten die Kritiken an Tisserant und Chabot, jedoch wechselt es auf Google-Books von Tag zu Tag, welche Seiten man einsehen kann. Es ist jedenfalls bemerkenswert, daß Prof. Breydey seinen französischen Kollegen J.-B. Chabot in einem Forschunsgbericht offen als gestörten Narzißten beschreibt.
https://books.google.fr/books?id=XO3KBg ... n&f=false

Breydey war aber nicht in der Lage, den Sinn des Spieles zu durchschauen. Es ist vollkommen klar, daß die archäologistischen Liturgie-Ideologen, welche schon damals ihre Blaupausen für das Konzil vorbereiteten, keine Kritiker in der Nähe haben wollten, welche ihnen auf die Finger hätten schauen können, wenn es z.B. um die „Reform“ der abendländischen Bischofsweihe ging, deren Texte ja angeblich nach wie vor „magna ex parte“ von Kopten und Westsyrern benutzt würden. Und was wird man nicht noch alles im neuen Pontifikale der Syromalabaren finden? Es war sehr zweckdienlich gewesen, den Ruf der Maroniten nachhaltig zu zerstören. Sie sollten als Störenfriede gelten, die es z. B. verschuldeten, daß wir nach wir vor keine Einigung hinsichtlich der Christologie mit Nestorianern haben.


Benutzeravatar
Lycobates
Beiträge: 1501
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: Von der Zwangsbeglückung der Entlatinisierung durch vatikanische Stellen der letzten Jahrzehnte

Beitrag von Lycobates » Sonnabend 27. Januar 2018, 22:21

Isidor Matamoros hat geschrieben:
Sonnabend 27. Januar 2018, 19:57
Hier in diesem Forum wurde in der Vergangenheit beständig und hartnäckig über die angebliche Gemeinheit der Latinisierungen gesprochen, die einige Ostkirchen im Rahmen ihrer Union mit dem Hl. Stuhl haben durchmachen müssen. Was man auch immer dazu sagen mag, nichts führt an er Tatsache vorbei, daß es innerhalb der Kirche einen beständigen kulturellen Austausch gab, der sich bis heute fortgesetzt hat. Wieviele Marienfeste, die uns lieb und teuer sind, kommen aus dem Osten, aber wenn jemand in einer Ostkirche den hl. Joseph verehrt, dann ist das unerträglich. Das Mönchtum kam aus dem Osten, aber wenn die koptisch-katholische Kirche das Herz-Jesu-Fest kennt, dann ist das kulturelle Überfremdung. Jedermann kann die Liste selbst weiterführen.
Es gibt in einigen Ostkirchen Latinisierungen, die haben ein Alter von Jahrhunderten erreicht und die Gläubigen dieser Riten wünschten sich die alten Zustände genauso wenig zurück, wie die Katholiken in England vor dem Konzil den Sarum-Ritus, bzw. das Missale von Salisbury. Dieser Archäologismus ist künstlich und fernab der Wirklichkeit.
In unserer Epoche haben die syro-malabarischen Bischöfe nicht ein einziges Mal für die vollständige Wiederherstellung der alten ostsyrischen Liturgie in ihren Landen gestimmt, weil unter diesem Vorwand außerdem noch Dinge mit eingeführt wurden, die nichts weniger als sehr modern und abwegig sind. Die syro-malabarischen Bischöfe hatten 1896 Jahren nur einen Wunsch: ihr gemischtes Pontifikale möge das das römische sein, allerdings ganz in aramäischer Sprache. Sie bemühten sich sogar darum, selbst eine Übersetzung anzufertigen und in Rom einzureichen. Man war drauf und dran ihrem Wunsch zu entsprechen, aber der Purist Msgr. René Graffin, als Orientalist ein Mann, auf den man sich oft verließ, war vehement dagegen gewesen. Der folgende Artikel erzählt, wie alles anders kam und wie gegen den Widerstand der syro-malabarischen Bischöfe am Ende sogar die Anaphoren des Mar Nestorios und des Mar Diodoros eingeführt wurde, von denen Kardinal Mar Joseph Parecattil noch sagte, sie seien häretisch:

http://dukhrana.in/the-east-syrian-anap ... opsuestia/

 Fr. Joseph Kalathil http://dukhrana.in/restoration-attempts ... r-qurbana/
Kalathil ist selbst Anhänger all dieser Veränderungen, aber den Widerstand, der eigentlich bis zum Jahr 2013, kann auch er nicht leugnen. Die Seele dieser Geschichte einer beständigen Bevormundung, welche die Syro-Malabaren zu einem liturgischen Versuchskanninchen auf Dauer machte, war Kardinal Tisserant. Seit 1936 war er Präfekt der Ostkirchenkongregation und hielt den Posten bis 1957, etwa fünfzehn Monate vor dem Tod von Pius XII.
Um zu seinem Ziel zu gelangen, zögerte Tisserant nicht, sämtliche Gegner zu diskretieren. Er fürchte vor allem die gutachterische Macht der Maroniten, denn sie wurden oft wegen ihrer guten Kenntnisse der aramäischen Sprache konsultiert, vor allem, wenn es auch um liturgische Fragen ging, die sowohl den Nestorianismus als auch den Monophysitismus vermeiden sollten. Der Kardinal startete eine jahrelange Verleumdungskampgane und bediente sich dabei der Hilfe des französischen Orientalisten Jean-Baptiste Chabot. Alles was man in den Archiven finden konnte, was darauf hätte hindeuten können, daß die Maroniten lausige Übersetzer und Fälscher waren, sollte durch Chabot ans Tageslicht gebracht werden. Er handelte sich alsbald einen solch üblen Ruf ein, daß die Maroniten ihm den Zutritt zu ihren Archiven verweigerten. Dafür kam dann der Kardinal selbst und holte sich ab, was er wollte, um es Chabot zu geben. Besonderns hatte es Tisserant auf die Assemanis und die von ihnen erstellten abgesehen, denn er wollte beweisen, daß sie Benedikt XIV. mutwillig hinter das Licht geführt hatten. Die Maroniten haben keinen von der Kirche getrennten Widerpart als einzige Ostkirche. Sie mußten auf niemanden Rücksicht nehmen. Wenn ihnen ein Text nestorianisch oder gnostisch vorkam, dann meldeten sie es auch.
Jedenfalls paßten die Maroniten nicht in Tisserants Konzept
Prof. Dr. Dr. Michael Breydey brichtet in der Reihe Forschungsberichte des Landes NRW im Jahr 1985 von diesem Konflikt (Geschichte der syro-arabischen Literatur vom VII. Bis zum XVI. Jahrhundert). Die Seiten 99 – 103 enthalten die Kritiken an Tisserant und Chabot, jedoch wechselt es auf Google-Books von Tag zu Tag, welche Seiten man einsehen kann. Es ist jedenfalls bemerkenswert, daß Prof. Breydey seinen französischen Kollegen J.-B. Chabot in einem Forschunsgbericht offen als gestörten Narzißten beschreibt.
https://books.google.fr/books?id=XO3KBg ... n&f=false

Breydey war aber nicht in der Lage, den Sinn des Spieles zu durchschauen. Es ist vollkommen klar, daß die archäologistischen Liturgie-Ideologen, welche schon damals ihre Blaupausen für das Konzil vorbereiteten, keine Kritiker in der Nähe haben wollten, welche ihnen auf die Finger hätten schauen können, wenn es z.B. um die „Reform“ der abendländischen Bischofsweihe ging, deren Texte ja angeblich nach wie vor „magna ex parte“ von Kopten und Westsyrern benutzt würden. Und was wird man nicht noch alles im neuen Pontifikale der Syromalabaren finden? Es war sehr zweckdienlich gewesen, den Ruf der Maroniten nachhaltig zu zerstören. Sie sollten als Störenfriede gelten, die es z. B. verschuldeten, daß wir nach wir vor keine Einigung hinsichtlich der Christologie mit Nestorianern haben.

E molto più che non credi son le tombe carche ...
:(

Guter Beitrag.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Isidor Matamoros
Beiträge: 96
Registriert: Sonntag 7. Januar 2018, 18:08

Jean-Baptiste Chabot, der Fälscher im Auftrage des Kardinals Tisserant

Beitrag von Isidor Matamoros » Mittwoch 31. Januar 2018, 18:13

Die Fälschungsarbeiten Chabots im Auftrage Tisserants gegen die Maroniten:

Ich habe schon oben im Haupttrakt den Link auf die Arbeit von Prof. Breydy gesetzt, jedoch hängt es auf Google-Books vom Tage ab, ob man die Seiten einsehen kann, wo er Chabot und Tisserant angreift. Ich habe heute Glück gehabt und die Seiten kopiert.



https://www.dropbox.com/s/ex6kxs9bz1xr8 ... .pdf?dl=0

Kirchenjahr
Beiträge: 581
Registriert: Dienstag 10. März 2009, 20:07

Re: Von der Zwangsbeglückung der Entlatinisierung durch vatikanische Stellen der letzten Jahrzehnte

Beitrag von Kirchenjahr » Donnerstag 1. Februar 2018, 20:31

Isidor Matamoros hat geschrieben:
Mittwoch 31. Januar 2018, 18:13
Die Fälschungsarbeiten Chabots im Auftrage Tisserants gegen die Maroniten:

... Ich habe heute Glück gehabt und die Seiten kopiert.

https://www.dropbox.com/s/ex6kxs9bz1xr8 ... .pdf?dl=0
Mal sehen, wie lange dropbox die Datei bereitstellt. "Vidi quae fiunt cuncta sub sole et ecce universa vanitas et adflictio spiritus." (Kohelet 1, 14)

Isidor Matamoros
Beiträge: 96
Registriert: Sonntag 7. Januar 2018, 18:08

Re: Von der Zwangsbeglückung der Entlatinisierung durch vatikanische Stellen der letzten Jahrzehnte

Beitrag von Isidor Matamoros » Montag 12. Februar 2018, 19:01

Kirchenjahr hat geschrieben:
Donnerstag 1. Februar 2018, 20:31
Isidor Matamoros hat geschrieben:
Mittwoch 31. Januar 2018, 18:13
Die Fälschungsarbeiten Chabots im Auftrage Tisserants gegen die Maroniten:

... Ich habe heute Glück gehabt und die Seiten kopiert.

https://www.dropbox.com/s/ex6kxs9bz1xr8 ... .pdf?dl=0
Mal sehen, wie lange dropbox die Datei bereitstellt. "Vidi quae fiunt cuncta sub sole et ecce universa vanitas et adflictio spiritus." (Kohelet 1, 14)
Das ist gar nicht mehr notwendig! Das hat meine Frau schon besorgt. In der Meinung, die Dropbox sei nicht extern, sondern eine Anwendung auf ihrer Festplatte, von wo man auch Zugang hat, hat sie alles gelöscht, weil sie nicht wußte, was das ist. Zum Glück hat sie den Papierkorb nicht geleert, so daß ich alles retten konnte, jedoch sind die Links zerstört. Wer neue haben will, soll sich melden.

:achselzuck:

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema