syrisch-orthodoxe Kirche

Ostkirchliche Themen.
Stefan

syrisch-orthodoxe Kirche

Beitrag von Stefan »

Ich würde gerne in diesem Thread Informationen über die syrisch-orthodoxe Kirche sammeln.
Vorab ein Hinweis auf eine interessante Internetpräsenz (Forum) zu diesem Thema:

http://www.suryoyo-online.org/

Vielleicht schaut der eine oder andere einmal dort vorbei :)

Stefan

Beitrag von Stefan »

Um einen ersten Überblick über die syrisch-orthodoxe Kirche zu geben, hier ein Text aus http://www.oerbb.de.

Vielleicht liest zufällig jemand mit, der Hinweise auf Adressen syrisch-orthodoxer Gemeinden im deutschsprachigen Gebiet kennt und hier bekanntgeben möchte.


Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien

Zur Geschichte

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche (SOK) gehört zu den ältesten Kirchen der Welt. Sie geht auf den Apostel Petrus zurück, der als ihr erster Patriarch gilt. Ihre Heimat ist das Grenzgebiet zwischen der Türkei, Syrien, Irak, Iran und dem Libanon. In der Liturgie der SOK wird bis heute Aramäisch gesprochen, die Sprache Jesu.

In den ersten Jahrhunderten ging eine rege Missionstätigkeit von der SOK aus. Ihr Einflussbereich umfasste einst ganz Asien. Insbesondere im 4. Jahrhundert wurden viele syrisch-orthodoxe Klöster gegründet, die zum Teil bis heute erhalten sind. Die SOK hat bedeutende Theologen, Historiker, Dichter und Gelehrte hervorgebracht. Sie waren ein Bindeglied zwischen Abendland und Orient vor allem in der Blütezeit der arabischen Kultur.


Verfolgung und Auswanderung

Die SOK ist immer wieder grausam verfolgt worden, zunächst von anderen Kirchen, im ausgehenden 13. Jahrhundert dann durch mongolisch-islamische Fanatiker. Am Ende des vorigen Jahrhunderts nahmen die Verfolgungen wieder entsetzliche Züge an. Ihren Höhepunkt erreichten sie 1915 mit der Deportationen von Millionen Christen aus ihrem Stammland durch die Türken. Nach zwei großen Auswanderungswellen ist die alte Heimat inzwischen von Christen fast verwaist und in die Hände muslimischer Kurden übergegangen, so dass es kein Zurück mehr gibt.


Berlin

Zur Zeit gibt es etwa 150.000 syrisch-orthodoxe Christen in Europa. 1997 wurde eine eigene Erzdiözese für Deutschland gegründet, in der heute etwa 55.000 syrisch-orthodoxe Christen in 42 Gemeinden leben.
In Berlin leben etwa 2.500 syrisch-orthodoxe Christen, die sich auf der Gemeinden aufteilen.

An ökumenischen Veranstaltungen in dieser Stadt nehmen sie regelmäßig teil. Sie haben den Wunsch, ihr kulturelles Erbe zu bewahren und zugleich ihre Eingliederung in die Gesellschaft hier zu vollziehen.

In diesem Zusammenhang übertragen sie Teile der syrisch-orthodoxen Liturgie sowie Lehrbücher in die deutsche Sprache, um ihre Glaubensinhalte der Generation, die hier geboren und aufgewachsen ist, vermitteln zu können.

Außerdem möchten sie den Kulturaustausch zwischen syrisch-orthodoxen Einwohnern und anderen gesellschaftlichen Gruppen dieser Stadt fördern.

Syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien
St. Ludgeruskirche
Potsdamer Straße 94, 10785 Berlin
Tel.: 2 62 26 19
Kontakt:
A. Gorgis

Liturgie auch
Kapelle auf dem Alten Luisenstadtkirchhof
Südsternstraße 8/10/12, 10961 Berlin
sonntags 9.30 Uhr

Benutzeravatar
Robert Ketelhohn
Beiträge: 25248
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26
Wohnort: Velten in der Mark
Kontaktdaten:

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Bloß noch eine Erläuterung. Es handelt sich um einen Zweig der antiochenischen oder westsyrischen (im Gegensatz zur ostsyrischen, chaldäischen) Tradition des alten Patriarchats von Antiochien, dessen erster Bischof tatsächlich Petrus war, bevor er sich nach Rom begab.

Dieser Patriarchat hat sich nach dem Konzil von Chalcedon aufgrund seiner eigenen monophysitischen Ausrichtung von der übrigen Kirche getrennt – was damals im Orient vor allem hieß: von den Griechen. Allerdings sind nicht alle Gläubigen jenes Patriarchats diesen Weg mitgegangen. Namentlich die Mönche des heiligen Maron und das ihrer Seelsorge unterliegende Volk hielten am chalcedonensischen Glauben ebenso fest wie an der Einheit mit der übrigen Kirche, hier also dem griechisch-melchitischen Patriarchen von Antiochien.

Als um 660 Kaiser Constans II. den Melchiten (wie der ganzen byzantinischen Kirche) seine monotheletistische Irrlehre zu diktieren versuchte, trennten sich die – inzwischen an Zahl beträchtlich angewachsenen – Maroniten von den Melchiten und bildeten einen eigenen Patriarchat von Antiochien, der auch fortbestand, nachdem bei den Griechen der Monotheletismus überwunden war. Die Verbindung der Maroniten mit Rom war also nie förmlich unterbrochen – worauf die Maroniten stolz sind –, wenn auch faktisch über Jahrhunderte bis zur Zeit der Kreuzzüge kaum Beziehungen bestanden.

Die nicht-chalcedonensischen Westsyrer oder Antiochener (auch als Jakobiten bezeichnet, nach einem der wichtigsten geistigen Väter, Jakob Baradai) bildeten unterdessen einen größeren Verband mit den Kopten, Äthiopiern und Armeniern. Ihre Blüte erlebten sie etwa zu der Zeit, da die Kreuzzüge begannen. Seit dem „hohen Mittelalter“ ging ihre Zahl zurück, während die Maroniten zunahmen.

Ende des 18. Jahrhunderts schloß sich ein Teil der „Jakobiten“ dem römischen Papst an. Sie unterstellten sich jedoch nicht den Maroniten, sondern bilden bis heute einen eigenen Patriarchat innerhalb der „unierten“ katholischen Ostkirchen. Der ehemalige Patriarch, Kardinal Ignatius Mūssa I. Daūd, ist heute Präfekt der römischen Ostkirchenkongregation.

Getrennt verblieben ist seitdem die heutige »Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien«. Nach den jüngsten christologischen Erklärungen wird man sie nicht mehr mit Recht als monophysitisch bezeichnen können. Monophysitische Theologen hatte sie zweifellos, aber ob das auch für den Glauben des Volks galt und nicht am Anfang der Trennung überhaupt eher sprachlich-begriffliche Probleme standen denn Gegensätze in der Lehre, das möchte ich nicht entscheiden.

In jüngerer Zeit hat die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien noch einmal schwere Verfolgungen erdulden müssen, namentlich – auf dem Gebiet der heutigen Türkei – nach der Staatsgründung des Kemal Pascha und dann noch einmal in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts unter der Regierung des Bülent Ecevit.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema