Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Ostkirchliche Themen.
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ad-fontes
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Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von ad-fontes »

Die Theologische Kommission der Orth. Bischofskonferenz schreibt:
Wenn die Orthodoxen ihre Berufung als Christen, die in der Liturgie zum Ausdruck kommt, ernst nehmen, erscheint es nicht nur selbstverständlich, sondern auch notwendig, mit anderen Christen zusammen zu beten.
[...]
Es ist trotzdem eine Tatsache, dass sich die Frage nach dem „Wann“ und „Wie“ des ökumenischen Zusammenbetens für viele orthodoxe Christen in Deutschland vor allem daraus ergibt, dass sie sich in einem Land befinden, in dem die Orthodoxe Kirche traditionell nicht beheimatet war. Es gilt zunächst einmal zu betonen, dass die Orthodoxen dazu aufgerufen sind, diese Situation durch volle auf ihre Mitchristen und ohne Berührungsängste zu bewältigen. Zweitens muss hervorgehoben werden, dass das ökumenische Mitbeten auch für Orthodoxe in Deutschland zu einer „Tradition“ geworden ist. So entdeckten viele Orthodoxe die Wichtigkeit, ja die Notwendigkeit und Unentbehrlichkeit, mit anderen Christen zusammen zu beten, wenn man dem Evangelium Jesu Christi treu sein möchte.
[...]
Solche „ökumenischen Gottesdienste“ würden innerhalb des ÖRK als „gemeinsame interkonfessionelle Andachten“ bezeichnet.
BTW: Als das Christentum zu uns kam, war es die katholisch-orthodoxe Variante, nicht die arianische. :ja:

P.S. Wenn sich die orthodoxie nicht als Konfession versteht, warum ist sie dann Mitglied im Weltrat der Kirchen (ÖRK)?
Zuletzt geändert von taddeo am Donnerstag 28. Juli 2011, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Link repariert.
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anneke6
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von anneke6 »

Sind ja auch nicht alle orthodoxen Kirchen im ÖRK. Die Auslandskirche ist nicht drin, und die Kirchen von Bulgarien und Georgien sind ausgetreten.
???

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ad-fontes
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von ad-fontes »

anneke6 hat geschrieben:Sind ja auch nicht alle orthodoxen Kirchen im ÖRK. Die Auslandskirche ist nicht drin, und die Kirchen von Bulgarien und Georgien sind ausgetreten.
Und hier wünscht man sich genau, die Einigkeit, die Ralf vermißt, so daß man erkennt: Die Orthodoxie ist eins.
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Nassos
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Nassos »

ad-fontes hat geschrieben:Die Theologische Kommission der Orth. Bischofskonferenz schreibt:
Wenn die Orthodoxen ihre Berufung als Christen, die in der Liturgie zum Ausdruck kommt, ernst nehmen, erscheint es nicht nur selbstverständlich, sondern auch notwendig, mit anderen Christen zusammen zu beten.
[...]
Es ist trotzdem eine Tatsache, dass sich die Frage nach dem „Wann“ und „Wie“ des ökumenischen Zusammenbetens für viele orthodoxe Christen in Deutschland vor allem daraus ergibt, dass sie sich in einem Land befinden, in dem die Orthodoxe Kirche traditionell nicht beheimatet war. Es gilt zunächst einmal zu betonen, dass die Orthodoxen dazu aufgerufen sind, diese Situation durch volle auf ihre Mitchristen und ohne Berührungsängste zu bewältigen. Zweitens muss hervorgehoben werden, dass das ökumenische Mitbeten auch für Orthodoxe in Deutschland zu einer „Tradition“ geworden ist. So entdeckten viele Orthodoxe die Wichtigkeit, ja die Notwendigkeit und Unentbehrlichkeit, mit anderen Christen zusammen zu beten, wenn man dem Evangelium Jesu Christi treu sein möchte.
[...]
Solche „ökumenischen Gottesdienste“ würden innerhalb des ÖRK als „gemeinsame interkonfessionelle Andachten“ bezeichnet.
BTW: Als das Christentum zu uns kam, war es die katholisch-orthodoxe Variante, nicht die arianische. :ja:

P.S. Wenn sich die orthodoxie nicht als Konfession versteht, warum ist sie dann Mitglied im Weltrat der Kirchen (ÖRK)?
Assisi lässt grüßen.
Ich glaube; hilf meinem Unglauben

Ralf

Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Ralf »

Nassos, ich (als Laienfranziskaner) behaupte einfach mal, Du hast weder die päpstlichen Aussagen zu Assisi I und II gelesen noch verfolgt, was genau da passiert ist, sondern basierst Deine Meinung auf den +gang und sonstige Internetquellen.

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Nassos
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Nassos »

Hallo Ralf,

hat der Papst und die Vertreter der Konfessionen und Religionen gemeinsam gebetet (oder von mir aus: jeder zu seinem Gott, das ist nämlich egal)?

Ja oder nein?

Gruß,
Nassos
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Ralf

Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Ralf »

Ach Nassos, auf solche "Ja oder Nein" MesseraufdieBrust-Aufforderungen lasse ich mich nicht ein. Lies was der Papst dort gesagt und getan hat.

Ich mache es Dir sogar ganz leicht:

http://www.vatican.va/holy_father/john_ ... al_en.html

http://www.vatican.va/holy_father/john_ ... si_en.html

http://www.vatican.va/holy_father/john_ ... si_en.html

Aus dem letzten Link darf ich mal zitieren. Der Hl. Vater sagt:
The fact that we have come here does not imply any intention of seeking a religious consensus among ourselves or of negotiating our faith convictions. Neither does it mean that religions can be reconciled at the level of a common commitment in an earthly project which would surpass them all. Nor is it a concession to relativism in religious beliefs, because every human being must sincerely follow his or her upright conscience with the intention of seeking and obeying the truth.

Our meeting attests only - and this is its real significance for the people of our time - that in the great battle for peace, humanity, in its very diversity, must draw from its deepest and most vivifying sources where its conscience is formed and upon which is founded the moral action of all people.

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Nassos
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Nassos »

Mein lieber Ralf,

ich habe machmal meine Phasen, das gebe ich zu. Ich hätte es durchaus höflicher formulieren können.
Sicherlich lag es mir fern, Dir das Messer auf die Brust zu setzen, nichtsdestotrotz hätte ich hier eine klare Antwort erwartet von jemandem, der einfach etwas behauptet (und das ist nicht ironisch gemeint).

Du kannst gerne der Frage ausweichen, aber ich werde Dir sehr gerne ein paar Sachen sagen, die auch Walters Frage in einem Parallelstrang beantworten sollen.
Sicherlich kann es sein, dass ich gewaltig auf dem Holzweg bin, aber das ist meine Meinung.

Jeder jubelt über die Interreligiosität von Assisi. Es wird Wert auf Gemeinsamkeit gelegt, alle haben sich lieb und beten zusammen. Dann werden Erklärungen abgegeben, dass es nicht so gemeint ist, zumal vom Nachfolger Petri.

In der gesamten Kirchengeschichte lässt sich kein Treffen dieser Art finden. Seit zweitausend Jahren treffen sich Christen und beginnen ihre Doxologie mit der Nennung der Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Mit der Fleischwerdung des Logos kam das Licht der Wahrheit in die Welt und lehrt und verkündet von nun an die Menschen das Evangelium - immerhin ein direkter und eniziger Auftrag des Herrn an die Apostel: die Wahrheit zu verkünden und zu bekennen und die Seelen zur Errettung zu führen.

Als die Apostel Petrus und Johannes vor die Juden gebracht wurden, sehnten sie kein gemeinsames Beisammensein herbei, sondern kritisierten diese wegen der Ablehnung und der Hinrichtung Christi.
Um den Frieden der Welt wurde und wird stets in den Gebeten gedacht - nach meinem christlichen Verständnis DER richtige Ort der Fürbitte. In der Kirche, in der Gemeinde.
"Wir sahen das wahre Licht, empfingen den himmlischen Geist, fanden wahren Glauben, wir preisen die Unteilbare Dreiheit..." kann im Gottesdienst gesungen werden, aber sicher nicht in Assisi. Dort gab es viele Völker, an andere Götter glaubend, die eben nicht den wahren Glauben fanden.

Ich bin wahrlich kein Spezialist und Detailkenner, aber selbst das parallele Gebet und die Unterlassung der Verkündigung des Evangeliums - sicherlich eine sehr schwere Aufgabe zumal in unserer Zeit - sind für mich besorgniserregende Faktoren.
Die Liebe zum Mitmenschen muss da sein, sie darf aber nie die Wahrheit verdecken oder annulieren, sie muss stets mit ihr verbunden sein. Wir müssen unseren Mitmenschen nicht nur körperlich umarmen, sondern auch geistig.

Es fällt mir schwer, das alles zu schreiben, aber ich vermute durchaus, dass Assisi vielleicht auch den einen oder anderern Katholiken (wie auch Orthdoxen, unsere Kleriker haben ja auch daran teilgenommen) ebenfalls Unbehagen bereitet. Ich muss auch zugeben, dass mir auch das Bild des koranküssenden Johannes Paul II. vorschwebt.

Irre ich?

Lieben Gruß,
Nassos
Zuletzt geändert von Nassos am Montag 1. August 2011, 01:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Melody
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Melody »

Zumindest ich bin da ganz bei Dir, lieber Nassos... :daumen-rauf:
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Nassos
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Nassos »

Meine liebe Melody,

ich fühle mich bei so etwas nicht sehr wohl, es ist eine Gewissenssache.

Meine Meinung zum gemeinsamen Gebet habe ich anderorts mal zum Besten gegeben. Ich hofffe, dass man zumindest merkt, dass mir das überhaupt keinen Spaß macht.

Lieben Gruß,
Nassos
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Melody
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Melody »

Danke für die Verlinkung.

Okay, Du siehst es krasser als ich.

Der Gedanke, dass Du also mit uns Katholiken (auch) nicht beten kannst, ist tatsächlich traurig. :(

Ich sehe es wohl schon etwas anders.

Bei uns Christen ist die Grundlage die Bibel und das NT.
Ein "Vaterunser" kann ich also auch MIT Protestanten oder Orthodoxen beten.
Ich kann auch ihre Gottesdienste besuchen und glauben, dass Gott "da" ist.
Okay, letzteres ginge wohl besser bei Orthodoxen als bei Protestanten.
Aber ich denke, es ist doch derselbe Gott, auch wenn wir Gläubigen keine sichtbare Einheit haben. Aber wir beten zum selben Gott, und wir glauben, dass Christus für uns gestorben ist.

Nicht gemeinsam beten könnte ich mit Buddhisten, Moslems, Hindus etc. pp.

Aber vielleicht sehe ich das alles zu naiv und undifferenziert?! :achselzuck:

PS: Mir war gar nicht aufgefallen, dass dieser Thread in der Sakristei ist.
Sorry, hier lese ich eigentlich nie... :tuete:
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Nassos
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Nassos »

Melody hat geschrieben:Der Gedanke, dass Du also mit uns Katholiken (auch) nicht beten kannst, ist tatsächlich traurig. :(
Du ahnst nicht, wie [Punkt] :traurigtaps:
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Melody »

Dafür gibt's ne recht einfache Lösung:

Zurück in den Schoß der katholischen Kirche kommen! ;D

([Punkt])
(ich mag nicht darüber nachdenken, dass auch uns so viel trennt)
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Nassos
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Nassos »

Melody hat geschrieben:Dafür gibt's ne recht einfache Lösung:

Zurück in den Schoß der katholischen Kirche kommen! ;D

([Punkt])
(ich mag nicht darüber nachdenken, dass auch uns so viel trennt)
Meine Liebe,

ich weiß genau, wie Du das meinst. Dein reines Herz ehrt Dich und rührt mich sehr.

Ganz lieben Gruß,
Nassos
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lifestylekatholik
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von lifestylekatholik »

Melody hat geschrieben:Bei uns Christen ist die Grundlage die Bibel und das NT.
Nein.

Das ist protestantisch.

Bei uns Christen sind die Grundlage die apostolische Tradition und die heiligen Schriften (Bibel).
Melody hat geschrieben:Ein "Vaterunser" kann ich also auch MIT Protestanten oder Orthodoxen beten.
Ich kann auch ihre Gottesdienste besuchen und glauben, dass Gott "da" ist.
Okay, letzteres ginge wohl besser bei Orthodoxen als bei Protestanten.
Die Orthodoxen bewahren die apostolische Tradition (mit wenigen Unterschieden – die allerdings schwerwiegend sind – zu uns).
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Melody
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Melody »

lifestylekatholik hat geschrieben:
Melody hat geschrieben:Bei uns Christen ist die Grundlage die Bibel und das NT.
Nein.

Das ist protestantisch.

Bei uns Christen sind die Grundlage die apostolische Tradition und die heiligen Schriften (Bibel).
Ich hab ja nicht "Katholiken" gesagt.
Bei den Katholiken ist die Grundlage die Bibel, die Tradition und außerdem das Lehramt.
Bei den Protestanten nur die Bibel.

Mir war nur tatsächlich völlig neu, dass Christen nicht miteinander ein Vaterunser beten können sollten...?! :achselzuck:
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lifestylekatholik
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von lifestylekatholik »

Melody hat geschrieben:Mir war nur tatsächlich völlig neu, dass Christen nicht miteinander ein Vaterunser beten können sollten...?! :achselzuck:
Wie kann einer Christ sein, der den Herrn vor Augen hat und sich dennoch weigert, seiner Weisung zu folgen, ja, noch nicht einmal den Wunsch dazu verspürt? Wie soll ich mit dem gemeinsam aufrichtig den Herrn preisen?

Nein, Nassos’ Position erscheint mir klar und richtig und hoch anständig.
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Melody »

lifestylekatholik hat geschrieben:
Melody hat geschrieben:Mir war nur tatsächlich völlig neu, dass Christen nicht miteinander ein Vaterunser beten können sollten...?! :achselzuck:
Wie kann einer Christ sein, der den Herrn vor Augen hat und sich dennoch weigert, seiner Weisung zu folgen, ja, noch nicht einmal den Wunsch dazu verspürt? Wie soll ich mit dem gemeinsam aufrichtig den Herrn preisen?
Naja.
Auch wenn ich selbst natürlich davon überzeugt bin, dass es notwendig ist, in die katholische Kirche einzutreten, so respektiere ich doch, dass z. B. Orthodoxe das eben für sich genauso sehen.

Wir wollen doch beide dasselbe.
Wir WOLLEN Gott dienen.
Nach bestem Wissen und Gewissen.
Wir sind nur beide von einem jeweils anderen Weg überzeugt.
Da ist doch kein böser Wille dahinter, keine Schlechtigkeit, keine Verstocktheit?!

Deshalb bin ich gar so irritiert, dass man kein Vaterunser (ich rede ja nicht unbedingt vom Credo) miteinander beten können soll.
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von lifestylekatholik »

Ein bisschen Unterscheidung, z. B. zwischen Evangelen einerseits und Orthodoxen und Kathlen andererseits ist da schon angebracht. Weiter werde ich mich in diesem Unterforum dazu aus verschiedenen Gründen nicht äußern.
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von ad-fontes »

Melody hat geschrieben:Danke für die Verlinkung.

Okay, Du siehst es krasser als ich.

Der Gedanke, dass Du also mit uns Katholiken (auch) nicht beten kannst, ist tatsächlich traurig. :(

Ich sehe es wohl schon etwas anders.

Bei uns Christen ist die Grundlage die Bibel und das NT.
Ein "Vaterunser" kann ich also auch MIT Protestanten oder Orthodoxen beten.
Ich kann auch ihre Gottesdienste besuchen und glauben, dass Gott "da" ist.
Okay, letzteres ginge wohl besser bei Orthodoxen als bei Protestanten.
Aber ich denke, es ist doch derselbe Gott, auch wenn wir Gläubigen keine sichtbare Einheit haben. Aber wir beten zum selben Gott, und wir glauben, dass Christus für uns gestorben ist.

Nicht gemeinsam beten könnte ich mit Buddhisten, Moslems, Hindus etc. pp.

Aber vielleicht sehe ich das alles zu naiv und undifferenziert?! :achselzuck:

PS: Mir war gar nicht aufgefallen, dass dieser Thread in der Sakristei ist.
Sorry, hier lese ich eigentlich nie... :tuete:
Gregorius Hesse hat selbst bzgl. der Teilnahme an einer Novus Ordo Messe, wenn sie sich nicht vermeiden läßt, z.B. aus familiären Gründen, geraten, sich soweit wie möglich passiv zu verhalten, d.h. unter anderem auch nicht mitbeten, kein Amen, keine Kommunion.
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Melody »

lifestylekatholik hat geschrieben:Ein bisschen Unterscheidung, z. B. zwischen Evangelen einerseits und Orthodoxen und Kathlen andererseits ist da schon angebracht. Weiter werde ich mich in diesem Unterforum dazu aus verschiedenen Gründen nicht äußern.
Ja, okay, das würde ich ja auch so sehen.
Wobei es auch ernsthafte Protestanten gibt, die davon überzeugt sind, dass ihr Weg der richtige ist und eben wir Katholiken nicht mehr der Lehre Christi folgen würden.

Aber gerade die Orthodoxen sind uns doch am nächsten... so habe ich das jedenfalls immer gesehen...

Ich wäre bislang nie auf die Idee gekommen, dass ein Orthodoxer nicht mit einem Katholiken ein Vaterunser beten kann.
Ich rede ja nicht von Christen, die das nur auf dem Papier sind.
Ich rede von Christen, denen ihr Glaube ernst ist.
Die Christus wirklich und wahrhaftig folgen wollen.

Ich bin einfach irritiert wie immer, wenn ich etwas höre, was mir neu ist und wo ich von selbst nicht auf die Idee gekommen wäre... :hae?:

Ich bin wohl einfach nicht so richtig "hardcore"-katholisch...
Ich erkenne immer an, wenn jemand aus einer anderen - christlichen - Konfession den Herrn genauso liebt, wie ich das tue...
(selbst wenn ich für mich überzeugt davon bin, dass es besser wäre, derjenige würde zu uns konvertieren, aber es obliegt Gott allein, Seine Kinder zu führen...)
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von lifestylekatholik »

@Melody: Nicht in diesem Unterforum. Ansonsten gern hier.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von ad-fontes »

Melody hat geschrieben:
lifestylekatholik hat geschrieben:Ein bisschen Unterscheidung, z. B. zwischen Evangelen einerseits und Orthodoxen und Kathlen andererseits ist da schon angebracht. Weiter werde ich mich in diesem Unterforum dazu aus verschiedenen Gründen nicht äußern.
Ja, okay, das würde ich ja auch so sehen.
Wobei es auch ernsthafte Protestanten gibt, die davon überzeugt sind, dass ihr Weg der richtige ist und eben wir Katholiken nicht mehr der Lehre Christi folgen würden.

Aber gerade die Orthodoxen sind uns doch am nächsten... so habe ich das jedenfalls immer gesehen...

Ich wäre bislang nie auf die Idee gekommen, dass ein Orthodoxer nicht mit einem Katholiken ein Vaterunser beten kann.
Ich rede ja nicht von Christen, die das nur auf dem Papier sind.
Ich rede von Christen, denen ihr Glaube ernst ist.
Die Christus wirklich und wahrhaftig folgen wollen.

Ich bin einfach irritiert wie immer, wenn ich etwas höre, was mir neu ist und wo ich von selbst nicht auf die Idee gekommen wäre... :hae?:

Ich bin wohl einfach nicht so richtig "hardcore"-katholisch...
Ich erkenne immer an, wenn jemand aus einer anderen - christlichen - Konfession den Herrn genauso liebt, wie ich das tue...
(selbst wenn ich für mich überzeugt davon bin, dass es besser wäre, derjenige würde zu uns konvertieren, aber es obliegt Gott allein, Seine Kinder zu führen...)
Vielleicht ist ja bei dem von mir rotmarkierten der Pferdefuß..Robert hatte vor einigen Jahren sehr gute Ausführungen (und danach immer wieder punktuell drauf hingewiesen) zur Problematik des Konfessionsbegriff gemacht. Wer konfessionell denkt, ist in seinem Denken entweder (immer noch) protestantisch, oder geht den Protestanten auf den Leim, kurz gesagt.


Hat jemand den Link dazu?
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Robert übersieht in seiner Kritik des Konfessionalismus allerdings ein Detail: Nämlich dass die RKK und die hl. Orthodoxie keine Gemeinschaft haben, und zwar nicht nur keine sakramentale Gemeinschaft, sondern auch keine Einheit im Glauben.

Raimund J.
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Raimund J. »

ad-fontes hat geschrieben:
Melody hat geschrieben: Ich erkenne immer an, wenn jemand aus einer anderen - christlichen - Konfession den Herrn genauso liebt, wie ich das tue...
(selbst wenn ich für mich überzeugt davon bin, dass es besser wäre, derjenige würde zu uns konvertieren, aber es obliegt Gott allein, Seine Kinder zu führen...)
Vielleicht ist ja bei dem von mir rotmarkierten der Pferdefuß..Robert hatte vor einigen Jahren sehr gute Ausführungen (und danach immer wieder punktuell drauf hingewiesen) zur Problematik des Konfessionsbegriff gemacht. Wer konfessionell denkt, ist in seinem Denken entweder (immer noch) protestantisch, oder geht den Protestanten auf den Leim, kurz gesagt.
Was bitte soll denn "Konfessionelles Denken" sein? Konfession ist einfach ein anderer Begriff für Bekenntnis (eine Terminologie wie sie bspw. auch in älteren theologischen Büchern zu finden ist). Zum Beispiel Lexikon für Theologie und Kirche (2. Auflage, 1931):
... Im weiteren Wortgebrauch spricht man von christl. u. nichtchristl. Bekenntnis, in engerer Bedeutung wird es nur vom christlichen gebraucht.
[...]
Im kirchl. und kirchenrechtl. Sprachgebrauch wird Bekenntnis im engeren Sinne als Bekenntnis zur Lehre Christi verwendet.
Gut, ist zwar hier nicht unbedingt das Thema, aber für Katholiken gibt es meines Erachtens keine grundsätzlichen Bedenken gegen ein gemeinsames Vaterunser mit anderen Christen.

Darüberhinaus ist es natürlich immer gut, auch für die Wiedervereinigung aller getrennten Christen mit der kath. Kirche zu beten!
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Nec laudibus, nec timore

Mary
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Mary »

Raimund Josef H. hat geschrieben:
Darüberhinaus ist es natürlich immer gut, auch für die Wiedervereinigung aller getrennten Christen mit der kath. Kirche zu beten!
In diesem Unterforum kann deine Aussage missverstanden werden. Du meinst vermutlich die römische Kirche?
Oder war die Zweideutigkeit Absicht? ;)
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Raimund J.
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Raimund J. »

Mary hat geschrieben:
Raimund Josef H. hat geschrieben:
Darüberhinaus ist es natürlich immer gut, auch für die Wiedervereinigung aller getrennten Christen mit der kath. Kirche zu beten!
In diesem Unterforum kann deine Aussage missverstanden werden. Du meinst vermutlich die römische Kirche?
Oder war die Zweideutigkeit Absicht? ;)
Volle Absicht! ;)
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Mary
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Mary »

Raimund Josef H. hat geschrieben:
Mary hat geschrieben:
Raimund Josef H. hat geschrieben:
Darüberhinaus ist es natürlich immer gut, auch für die Wiedervereinigung aller getrennten Christen mit der kath. Kirche zu beten!
In diesem Unterforum kann deine Aussage missverstanden werden. Du meinst vermutlich die römische Kirche?
Oder war die Zweideutigkeit Absicht? ;)
Volle Absicht! ;)
Ja, dann :P
Tun wir das und vertrauen wir auf den Heiligen Geist.
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Nassos
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Nassos »

Liebe Melody,

wenn es mich schon plagt, dann frage Dich mal, wie es bei interkonfesionellen Ehen ist, wo beide Partner gläubig sind und einander sehr lieben.

Lieben Gruß,
Nassos
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Melody
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Melody »

Ich kenne bislang nur eine römisch-katholisch-orthodoxe Ehe, und da ist "Kennen" auch zu viel gesagt. Es ist Jahre her, dass ich mit dem Pärchen einmal essen war, und ich hatte damals nicht das Gefühl, dass die Frau in der (altrituellen) Hl. Messe nur teilnahmslos daneben gesessen hätte. Sie hatte hier m. W. nichts anderes als eben eine Hl. Messe zur Verfügung, und ich hatte das Gefühl, dass sie mit einer Hl. Messe im alten Ritus leben konnte.
Aber vielleicht hab ich das alles auch in völlig falscher Erinnerung. Ich weiß es nicht mehr.
:achselzuck:
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anneke6
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von anneke6 »

Ich kenne keine orthodox-katholischen Ehen hier, aber eine orthodox-protestantische. Er kommt gelegentlich in die russisch-orthodoxe Kirche, sie besucht seine aber auch. Letztes Jahr (dieses Jahr weiß ich nicht) war sie bei der Osternachtsfeier der lutherischen Gemeinde dabei. Der orthodoxe Priester weiß Bescheid, und es scheint kein Problem für ihn zu sein.
???

Mary
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Re: Gemeinsames Beten mit Heterodoxen

Beitrag von Mary »

anneke6 hat geschrieben:Der orthodoxe Priester weiß Bescheid, und es scheint kein Problem für ihn zu sein.
Ich vermute, dass der Priester hier im Sinn von Oikonomia abwägt. Ausserdem ist auch die gemeinsame Entscheidung des Ehepaars wichtig.

Mary (in orthodox- röm.kath. Ehe lebend)
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