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Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 01:43
von lifestylekatholik
Salü. Weiß jemand, wo ich im Netz und real detailliertere Infos zu Arten und Verwendung des Semantrons finden kann? Bisher habe ich nur sehr allgemeine Kurzbeschreibungen gefunden.

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 08:41
von Germanus
Interessiert Dich nur die östliche Variante, oder hättest Du auch an Informationen der westlichen Interesse (wo Dir leicht weiterzuhelfen wäre)?
Gruß, G.

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 11:13
von lifestylekatholik
Bis auf ein paar Erwähnungen bei den westlichen Kirchenvätern ist mir keine Verwendung im Westen bekannt.

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 13:10
von Germanus
Im Westen heißt es teilweise "tabula". Hier eine Beschreibung dieses Instruments, wie es bei den Zisterziensern in Gebrauch war.
Gruß, G.

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 15:42
von lifestylekatholik
Das Bild ist ja schlagend :daumen-rauf: , die Beschreibung leider wieder nur sehr allgemein. Weißt du, wie ich Weiteres darüber erfahren kann, wo, wann und in welcher Weise (Schlagrhythmen, Anschlagarten, Material der Hämmer) diese tabulæ benutzt wurden?

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 15:57
von Juergen

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 16:03
von HeGe
lifestylekatholik hat geschrieben:Das Bild ist ja schlagend :daumen-rauf: , die Beschreibung leider wieder nur sehr allgemein. Weißt du, wie ich Weiteres darüber erfahren kann, wo, wann und in welcher Weise (Schlagrhythmen, Anschlagarten, Material der Hämmer) diese tabulæ benutzt wurden?
Falls die Beschreibung des Cistopedia-Artikels richtig ist, müsste dazu ja was im Gebräuchebuch stehen. Der Bernardus-Verlag hat eine Übersetzung im Angebot: Ecclesiastica officia

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 16:06
von lifestylekatholik
@Jürgen: Ja, danke, das ist ein sehr feines Video. :ja:

Darüber bin ich vor einiger Zeit überhaupt auf das Thema gekommen. Aber weitergehende Infos zu Verbreitung, regionalen Besonderheiten, Spielweisen usw. finde ich nicht. Irgendwie fehlt mir der richtige Hebel/Ansatzpunkt. :(

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 16:14
von Juergen
Du mußt ggf. auch mal unter den anderen Bezeichnungen suchen.

Hier was englischsprachiges
http://www.newmusicbox.org/article.nmbx?id=46

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 17:08
von taddeo
Juergen hat geschrieben:Du mußt ggf. auch mal unter den anderen Bezeichnungen suchen.

Hier was englischsprachiges
http://www.newmusicbox.org/article.nmbx?id=46
Ich kenne im Deutschen den Ausdruck "Simandron". Der bringt bei Guugl aber auch nicht das, was Lifey sucht.

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 17:25
von Germanus
Wie bei vielen anderen Verrichtungen hat man sich auch bei den Zisterziensern auf die lebendige Überlieferung verlassen - und folglich war man sehr sparsam in einer genauen Beschreibung des Tabula-Gebrauchs. Sicher ist nur, dass sie beim Sterben eines Zisterziensers mit schnell aufeinanderfolgenen Schlägen geschlagen wurde, woraus sich ergibt, dass das sonst nicht der Fall war. außerdem konnte die Tabula nur jemand bedienen, der gesund und nicht zur Ader gelassen war - des Gewichts und der Anstrengung wegen. Die übrigen Gelegenheiten, die Tabula zu hören, waren: Fußwaschung, Arbeitsbeginn, Haarschneiden, Triduum der Karwoche, besondere Kapitelsvesammlungen, Ankunft von Gästen. Im letzten Fall wir die Tabula mit wiederholten Einheiten von jeweils drei Schlägen geschlagen. Caesarius nennt die Tabula öfters in seinem Dialogus miraculorum - sie war wohl tatsächlich allgegenwärtig in einem Zisterzienserkloster. Ich nehme an, dass es auch regionale Schlaggewohnheiten gab, wie das im Osten ja auch der Fall ist. Die Serben schlagen sie rhythmisch mit unterschiedlicher Schnelligkeit, die Griechen sind, glaube ich, sehr zurückhaltend und haben einen einfachen Rhythmus etc.
Vielleicht noch interessant: Die Zisterzienser kannten neben der hölzernen Tabula noch die metallenen, Cymbalum genannt, die allerdings nur in den ältesten texten erscheint. Mit ihr rief man zur Rasur o.ä.
Gruß, G.

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Dienstag 20. Juli 2010, 20:29
von lifestylekatholik
Das klingt so, als sei das Brett eigentlich nur dran gewesen, wenn die Gelegenheit nicht so festlich war, dass man hätte Glocken läuten wollen, bzw. wenn die Glocken schweigen sollten, also (bei Tod und) Karfreitag, wie es ja auch heute noch allgemein üblich ist, nur dass man die Holzhämmer heute mit einem Gelenk auf dem Brett anbringt und das Brett kleiner geworden ist.

German, weißt du, in welchem Zeitraum das Brett bei den Zisterziensern außer Gebrauch kam?

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Mittwoch 21. Juli 2010, 08:26
von Germanus
Neben dem "hierarchischen" Gebrauch von Glocken, Tabula bzw. Simandron etc. hat auch noch die praktische Seite Bedeutung: Das alte Cymbalum ist nicht sehr weit zu hören bzw. hat einen dünnen Klang. Das wird jeder bestätigen können, der mal in einem östlichen Kloster so ein Instrument gehört hat. Als die Gemeinschaften (Zisterzienser) größer wurden, kam deshalb wohl das Cymbalum schon früh außer Gebrauch. Das Semandron bzw. die Tabula wird vor allem dann geschlagen, wenn die Gemeinde im unmittelbaren Klosterbereich zusammenzurufen ist (aus dem Dormitorium, der Kirche o.ä.) und eben zu ganz bestimmten Gelegenheiten.
In der Photogalerie des Cistopedia-Links findet sich ein Photo eines ziemlich modernen und deshalb wohl so einfach gehaltenen Simandrons, auch in anderen Klöstern wurden diese instrumente noch lange gebraucht, etwa bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Leider hat man dann wohl den Wert dieser instrumente vergessen, vielleicht weil sie so urtümlich sind.
Gruß, G.

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Donnerstag 22. Juli 2010, 03:01
von Nassos
Hallo lifestylekatholik,

auf griechisch nennt man es auch Talanton (Talent). Zur Bezeichnung fand ich folgendes:

Das Wort Talanton ist verbunden mit der Parabel der Talente, eine für das Heil hochwichtige Parabel; desweiteren ist das Wort mit dem entsprechendem Rythmus des Schlages ausgedrückt:

to tà-lan-to,
to tà-lan-to,
to tà-, to tà-, to tà-lan-to

το τά-λα-ντο,
το τά-λα-ντο,
το τά, το τά, το τά-λα-ντο,


Es erinnert den Monasten an das besondere Talent des monastischen Rufes, der wie eine besondere Gunst Gottes gegeben wurde, um es zu vermehren und am Richtertag einen Reichtum an Tugenden vorzuweisen.

Meine beschränkten Kenntnisse kennen die Anwendung am Morgen, um den Mönch zu wecken:

"Das Talent zerschneidet rythmisch die Stille der Nacht.
Und während die Kerzen mehr werden, der Glanz des Katholikon,
Du, mein Ärmster, schläfst und träumst.
Du, mein Ärmster, schläfst und träumst von grauenhaften Szenen der äußeren Welt
" - damit natürlich meinend, dass der Schlaf nicht der Liturgie vorzuziehen ist.

http://www.youtube.com/watch?v=r3CPb9oG ... re=related (hierbei handelt es sich um ein Lied zum Talanto, von dem o.g. Text stammt. Auf dem Talanto selber ist auch die Selbsterklärung eingetragen).

Ich werde mich mal weiter umschauen, ob sich was findet.

Gruß,
Nassos

P.S.: Gute Frage! :ja:

Re: Semantron (Toacă)

Verfasst: Donnerstag 22. Juli 2010, 17:07
von Nassos
Und nochmal hallo lifie!

Eine weitere sehr gute Frage von Dir ist, was der Mönch am Ende des clips sagt.

Er bezieht sich auf den letzten Rythmus und erklärt, der Sage nach basiert das auf eine Aussage Jesu, als er in den Hades hinabstieg. Als er Adam auferstehen ließ sagte er:

Ton Adám
Ton Adám
Ton ewríka ton Adám

(Den Adam
den Adam,
den Adam habe ich gefunden).

Das Holz bezeichnet der Mönch jedoch nicht als Talanton sondern als Kopanos, welches die Predigten der Propheten symbolisiert. (Der user Kommentar auf youtube sagt genau das gleiche: es handelt sich bei dem Holz um einen Kopanos, nicht um ein Talanton. Eventuell ist der Unterschied, dass das eine fix ist, und das andere in der Hand getragen werden kann - werde mich da mal schlau machen).

Das Metall, das zeitgleich zu dieser Aussage erklingt, symbolisiert die Predigt des Prodromos (Vorläufers).
Die Glocken die Predigt des Herrn selbst.

Gruß,
Nassos