Enzyklika des Ökumenischen Patriarchates

Ostkirchliche Themen.
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Nassos
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Re: Enzyklika des Ökumenischen Patriarchates

Beitrag von Nassos »

Hallo Bernado,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Aber meine Frage bezieht sich wirklich nur auf die 7 Konzile. Gilt dort die selbe Betrachtungsweise wie bei den römischen Konzilen?

Ein Säkularisierung ist wohl durchaus festzustellen. Dennoch würde ich wagen zu behaupten - was die Griechen angeht - dass der Glaube immer noch einen wesentlichen (bewußten und unbewußten) Aspekt des Alltags und des Lebens ausmacht.

Ich habe sogar manchmal den Gedanken, dass man dem Westen weniger Glauben zutraut (und zwar aus westlicher und östlicher Sicht), als es tatsächlich der Fall ist. Wie gesagt, nur ein Eindruck.

Gruß,
Nassos
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Bernado
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Re: Enzyklika des Ökumenischen Patriarchates

Beitrag von Bernado »

Nassos hat geschrieben:vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Aber meine Frage bezieht sich wirklich nur auf die 7 Konzile. Gilt dort die selbe Betrachtungsweise wie bei den römischen Konzilen?
Das westliche Glaubensbewußtsein ist weniger stark konziliar akzentuiert als das östliche. Bei uns steht das Lehramt im Vordergrund - wobei als selbstverständlich unterstellt wird, daß dieses Lehramt vom hl. Geist geführt wird und sich auch in den Konzilien ausdrückt und an ihnen orientiert. Das Bewußtsein der Nicht-Kirchenhistoriker reicht aber bestenfalls bis zum Konzil von Trient zurück.

Die Konzilien werden also im Wesentlichen durch den "Filter" des Lehramtes (insbesondere des Katechismus) hindurch wahr-genommen, wobei als selbstverständlich unterstellt wird, daß das Lehramt sich in dem, was zum Glauben gehört, von der Tradition aus der Gesamtheit der Konzilien leiten läßt. Deshalb hat das Konzil des 20. Jh. ja eine so große Erschütterung ausgelöst: Es hat die Vorstellung zugelassen oder sogar begünstigt, daß ein Konzil aus der ungebrochen dahinfließenden Tradition heraustreten könnte und erklärt: Bis heute war das so - aber ab jetzt gilt etwas anderes.

Damit stehen wir in Gefahr, in eine Aporie zu geraten: Folgten wird dem Geist des Konzils, wie er gerne dargestellt wird, müssten wir uns von vielem verabschieden, was frühere Konzilien lehrten - bleiben wir bei der Lehre der Tradition, müssten wir ernst wie nie zuvor fragen, ob und in wie weit ein Konzil in die Irre gehen kann.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Nassos
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Re: Enzyklika des Ökumenischen Patriarchates

Beitrag von Nassos »

Und nochmals danke, Bernado.

Ich sehe schon, dass es nicht so einfach ist, auf eine vermeintlich einfache Frage eine Antwort zu bekommen (also so, wie ich sie erwarte). Es ist schon unheimlich, wie weit Betrachtungsweisen auseinanderliegen können. Vor allem, wenn man nicht den Aufwand betreibt, sie nachzuvollziehen.

Mir prägt sich die Frage auf, inwieweit wir wirklich Theologisches diskutieren können oder wir im Endeffekt aneinander vorbeisprechen und daher auch oft mißverstehen und/oder nicht akzeptieren.
Es steckt also viel mehr hinter dem Schisma als nur das Beharren auf der eigenen Position (wenn ich das so nennen darf).

Ohne das Verständnis für des anderen Verständnis ist es wohl weniger zielführend, große Themen wie die hier in der Sakristei am meisten gesperrten zu diskutieren...

Oder bin ich jetzt zu negativ?

Gruß,
Nassos

P.S.: ich rede trotzdem gerne mit "Euch" ;D
Ich glaube; hilf meinem Unglauben

Ralf

Re: Enzyklika des Ökumenischen Patriarchates

Beitrag von Ralf »

Nassos hat geschrieben:Ich sehe schon, dass es nicht so einfach ist, auf eine vermeintlich einfache Frage eine Antwort zu bekommen (also so, wie ich sie erwarte). Es ist schon unheimlich, wie weit Betrachtungsweisen auseinanderliegen können. Vor allem, wenn man nicht den Aufwand betreibt, sie nachzuvollziehen.

Mir prägt sich die Frage auf, inwieweit wir wirklich Theologisches diskutieren können oder wir im Endeffekt aneinander vorbeisprechen und daher auch oft mißverstehen und/oder nicht akzeptieren.
Es steckt also viel mehr hinter dem Schisma als nur das Beharren auf der eigenen Position (wenn ich das so nennen darf).

Ohne das Verständnis für des anderen Verständnis ist es wohl weniger zielführend, große Themen wie die hier in der Sakristei am meisten gesperrten zu diskutieren...

Oder bin ich jetzt zu negativ?
Nein, das bist Du keinesfalls - denn Du triffst den Kern des Dialog-Problems. Vor eine Verständigung hat der Herr das gegenseitige Verstehen gesetzt. Das kann sehr mühsam sein, ist aber Voraussetzung, wenn man ehrlicherweise verstehen will. Dazu kommt auch noch, daß man versuchen muß zu verstehen, ohne gleich das zu beurteilen, was man zu verstehen glaubt - denn es kann sich am Schluß herausstellen, daß die Unterschiede nicht wirklich entscheidend sind. Der Weg dorthin ist nicht gerade und wir sind alle nur Menschen mit dem fehlbaren Mittel der Sprache.

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