Nassos hat geschrieben:1.) Ich erlaube mir, mich gegen "Schwarz-Weiß-Denke" zu wehren. "Unkenntnis" träfe es besser.
2.) In der Sakristei sei mir erlaubt, mich auf die sieben ökumenischen Konzilien zu beschränken.
Natürlich sind nicht alle Konzilsbeschlüsse für immer gültig. Spätere Konzile können erweitern, verbessern, was weiß ich...
Doch bei Konzilen, die vorgeben (im Hl. Geist), dass an einer Entscheidung nichts zu rütteln sei, wird der Ewigkeitsstempel aufgedrückt.
Was ich bis jetzt verstanden habe ist: für die RKK sind die Konzilien vom Hl. Geist beseelt. Korrekt?
Konzilsbeschlüsse sind nicht bindend, auch wenn ein Konzilsbeschluss immer noch "aktuell ist". Falsch?
Vielen Dank!
Ralf hat die richtige Antwort schon angedeutet: Das hängt davon ab.
Konzilien haben sich in den letzten Jahrhunderten zu vielen Dingen geäußert, für die man den hl. Geist nicht unbedingt verantwortlich machen sollte. Deshalb bedürfen ihre Beschlüsse für die Kirche von Rom einer Bestätigung durch den Papst, und deshalb hat sich neuerdings unter ihren Dokumenten eine Unterscheidung entwickelt zwischen solchen, die dogmatische Aussagen treffen wollen ("dogmatische" Konstitution), solchen, die die Art der Verkündigung betreffen ("pastorale" Konstitution), solchen, die Recht setzen (Dekrete) und solche die eine offenbar nicht dogmatische, aber gewichtige Aussage treffen wollen (Erklärung). Wobei die beiden letzteren nur auf Deutsch unterschiedlich benannt werden (Dekret bzw. Erklärung), während sie auf Latein gleicherweise "Decretum" heißen.
Ich halte das für eine wenig glückliche Entwicklung. Die früheren Konzile des 2. Jahrtausends kannten soweit ich weiß nur eine Unterscheidung zwischen dogmatischen Aussagen, die durch die berühmte Formel "anathema sit" (verurteilt sei, wer etwas anderes sagt) markiert waren, und allgemeinen Erklärungen, die eine aktuelle Stellungnahme ausdrückten, die aber keine Glaubenswahrheiten formulieren wollten. Die Dogmen sind Ausdruck unwandelbarer Wahrheit, die Erklärungen beziehen sich auf Zeitgebundenes und können mit diesem vergehen oder ihren Charakter verändern. Das wurde so gehandhabt bis zum 1. Vatikanum einschließlich.
Das 2. Vatikanum wurde ausdrücklich einberufen als Pastoralkonzil, das keine neuen Wahrheiten definieren und keine Verurteilungen neuer Irrtümer aussprechen sollte, sondern den unveränderten Bestand des Glaubens wo erforderlich in einer dem modernen Menschen verständlicheren Form präsentieren sollte. Von daher ist Papst Benedikts "Hermeneutik der Kontinuität" nichts als eine reine Selbstverständlichkeit.
Was uns heute Probleme bereitet, ist
a) daß die nicht immer sehr klaren Aussagen des 2. Vatikanums von vielen Umstürzlern in der Kirche völlig undifferenziert so dargestellt, werden, als ob sie Dogmenrang hätten und
b) ein "Geist des Konzils" erfunden wurde, den es zwar in einigem Umfang tatsächlich gab, den aber mit dem Hl. Geist zu identifizieren nicht der geringste Grund besteht.
Und so stehen wir plötzlich da mit einer Theologie und mit vielen Bischöfen, die aus dem definitiv nichts dogmatisieren wollenden Vatikanum II ein "Superdogma" machen und die den jeweils nach eigenem Gusto definierten "Geist des Konzils" zum Ausdruck des hl. Geistes umdeuten. Im einzelnen sehr unterschiedlich, in der generellen Richtung völlig gleichlaufend: Anpassung an die säkularen Tendenzen.
Da müssen wir jetzt nun durch. Und da es sich bei dem Ganzen um ein Problem der Artikulation der Kirche in einer modernen säkularisierten Gesellschaft handelt, werdet Ihr da auch noch durchmüssen, nachdem die "Zeitkapsel", die eine gewisse Zeit lang die Kerngebiete der Orthodoxie umfangen hat, aufgeplatzt ist.