Lesungen aus dem alten Brevier

Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften.

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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 21. Mai 2017, 14:26

Montag in der Bittwoche

Lesung 1-3
Luk. 11, 5-13
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Hier haben wir wieder eine Stelle, die uns nahelegt, zu jeder Zeit, nicht nur bei Tage, sondern auch bei Nacht zu beten. Du siehst ja, wie dem, der mitten in der Nacht aufstand, von seinem Freunde drei Brote sich erbat und von seiner Bitte nicht abließ, das Erbetene nicht verweigert wurde. Was sind drei Brote anderes, als die himmlische Gnadenspeise? Wenn du den Herrn, deinen Gott liebst, dann kannst du sie nicht nur für dich, sondern auch für andere erbitten. Welcher Freund steht uns näher als der, der für uns seinen Leib dahingegeben hat? Von ihm erbat David Brot mitten in der Nacht und erhielt es; er erbat es nämlich, als er sprach; um Mitternacht erheb ich mich, um dich zu preisen. Darum verdiente er sich das Brot, das er uns zur Speise vorlegte. Er begehrte es als er sprach: Ich benetzte mit Tränen jede Nacht mein Lager. Er fürchtete nicht, ihn im Schlafe zu stören; denn er wußte, daß er stets wacht. So wollen wir denn, der Schrift eingedenk, Tag und Nacht im Gebete verharren und um Verzeihung unserer Sünden flehen! Denn wenn dieser, mit Regierungssorgen überladene heilige König sieben mal am Tage den Herrn anbetete und für das Morgen- und Abendopfer eifrig besorgt war, was müssen wir erst tun, die wir um so mehr zu beten haben, je häufiger wir in folge der Schwäche unseres Geistes und Fleisches fallen, damit uns, wenn wir auf dem Weg ermüden und von dem Gang durch diese Zeit und von der mühevollen Wanderung des Erdenlebens ermatten, das erquickende Lebensbrot nicht fehle, das das Herz des Menschen stärkt? Der Herr lehrt uns, daß wir nicht nur um Mitternacht, sondern sozusagen jeden Augenblick wachen sollen: denn er kommt ebenso zur Abendstunde, wie zur zweiten und dritten Nachtwache und pocht an. Selig dann jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 23. Mai 2017, 12:38

Mittwoch in der Bittwoche
Lesung 1-3
Joh. 17, 1-11
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Unser Herr, der Eingeborene und dem Vater gleich ewige Sohn, konnte in der Knechtsgestalt und infolge seiner Knechtsgestalt, so oft es nötig war, im stillen beten; aber er wollte uns zeigen, wie er zum Vater betete, weil er eben wußte, daß er unser Lehrer ist. Darum tat er das Gebet, das er für uns verrichtete, auch uns kund; denn bei einem so erhabenen Lehrmeister ist nicht nur der Vortrag, den er seinen Jüngern hält, für sie eine Erbauung, sondern auch das Gebet, das er für sie zum Vater sendet. Und wenn das für die gilt, die damals dabei waren, die seine Worte vernehmen konnten, so gewiß auch für uns, die wir sie später in den Schriften lesen sollten. Wenn er daher sprach: Vater, die Stunde ist gekommen, verherrliche Deinen Sohn, so zeigt er damit, daß jede Zeit und alles, was er irgendwann tut oder geschehen läßt, von ihm bestimmt ist, der keiner Zeit unterworfen ist; denn was zu jedem einzelnen Zeitpunkt geschehen soll, hat in der Weisheit Gottes seine bewirkende Ursache, in der es keine Zeit gibt. Man darf also nicht glauben, diese Stunde sei vom Schicksal herbeigeführt worden, sondern sie ist von Gott bestimmt worden. Auch keine von den Sternen bewirkte Notwendigkeit hat das Leiden Christi herbeigeführt; denn unmöglich können Sterne den Schöpfer der Sterne zum Sterben zwingen. Manche meinen, der Sohn sei vom Vater dadurch verherrlicht worden, daß er ihn nicht geschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben habe. Doch wenn man sagt, er sei durch sein Todesleiden verherrlicht worden, wieviel mehr durch seine Auferstehung? Denn beim Leiden zeigt sich mehr seine Erniedrigung, als seine Verherrlichung; gemäß dem Zeugnis des Apostels: er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zu seinem Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Dann fährt er fort und spricht von seiner Verherrlichung: Darum hat ihn Gott auch erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist; auf daß im Namen Jesu sich beugen alle Knie derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind und alle Zungen bekennen, daß der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters ist. Das ist die Verherrlichung unseres Herrn Jesus Christus, die mit der Auferstehung ihren Anfang genommen hat.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 24. Mai 2017, 13:56

Hl. Papst und Bekenner Gregor VII 25. Mai
Lesung 4-6
Papst Gregor VII. hieß vorher Hildebrand; er wurde zu Soana in Etrurien geboren. Er zeichnete sich durch Gelehrsamkeit, Heiligkeit und durch jegliche Tugend mehr als alle anderen aus und verherrlichte so in wunderbarer Weise die ganze Kirche Gottes. Als Knabe, da er noch gar nicht lesen konnte, spielte er einst zu den Füßen eines Zimmermanns, der gerade Holz spaltete; da stellt er, wie berichtet wird, mit den abgefallenen Spänen zufällig die Worte Davids zusammen: Von Meer zu Meer erstreckt sich seine Herrschaft. Gott selbst leitete nämlich die Hand des Kindes und deutete damit an, daß er einst in der Welt ein gewaltiges Ansehen haben werde. Später kam er nach Rom und wurde unter dem Schutz des heiligen Petrus erzogen. Als er größer wurde und mit Schmerz sehen mußte, wie die Freiheit der Kirche durch die Laien gehemmt wurde und wie die Geistlichen so entartet waren, nahm er im Kloster Cluny, in dem damals unter der Regel des heiligen Benedikt eine strenge Ordenszucht blühte, das Mönchsgewand. Er diente Gott dem Allmächtigen mit solchem Eifer, daß er von den heiligmäßigen Vätern dieses Klosters zum Prior gewählt wurde. Aber die göttliche Vorsehung hatte noch Größeres mit ihm vor; darum mußte er zum Segen für viele bald von Cluny scheiden. Zunächst wurde er zum Abt des Klosters St. Paul vor den Mauern Roms erwählt, dann wurde er zum Kardinal der römischen Kirche ernannt. Unter den Päpsten Leo IX., Viktor II., Stephan IX., Nikolaus II. und Alkexander II. wurde er mit wichtigen Aufgaben und Gesandtschaften betraut; vom heiligen Petrus Damiani wurde er ein Mann mit ganz heiligen und reinen Absichten genannt. Papst Vikor II. sandte ihn als seinen persönlichen Legaten nach Frankreich. Dort zwang er durch ein Wunder den simonistischen Bischof von Lyon zum Geständnis seines Vergehens. Auf dem Konzil von Tours veranlaßte er Berengar, seiner Irrlehre nochmals abzuschwören; auch das Schisma des Cadolous unterdrückte er durch sein tatkräftiges Auftreten. Nach dem Tode Alexanders II. wurde er gegen seinen Willen zu seinem größten Leidwesen am 22. Mai 1073 einstimmig zum Papst gewählt. Wie eine Sonne leuchtete er nun im Hause Gottes. Mächtig in Tat und Wort bemühte er sich mit allem Eifer, die kirchliche Zucht wiederherzustellen, den Glauben auszubreiten, die Freiheit der Kirche zurückzugewinnen, die Irrlehren und die Sittenverderbnis auszurotten. Seit den Zeiten der Apostel soll es keinen Papst mehr gegeben haben, der für die Kirche Gottes größere Mühen und Bedrängnisse auf sich genommen, der für ihre Freiheit mutiger gekämpft hätte. Mehrere Länder reinigte er von dem Laster der Simonie. Gegen die rechtswidrigen Eingriffe des Kaisers Heinrich stand er wie ein mutiger Streiter auf, er blieb unerschrocken und stellte sich furchtlos als Schutzmauer für das Haus Israel hin. Als Heinrich immer tiefer sank, schloß er ihn aus der Gemeinschaft der Gläubigen aus, sprach ihm die Königswürde ab und löste seine Untertanen von ihrem Treueid. Bei der Feier der heiligen Messe sahen fromme Männer, wie eine Taube vom Himmel herabflog, sich auf seine rechte Schulter niederließ und mit ihren ausgespannten Flügeln sein Haupt bedeckte. So wurde deutlich gezeigt, daß er bei der Regierung der Kirche vom Heiligen Geist, nicht von menschlicher Klugheit und Überlegung sich leiten ließ. Vom Heere des gottlosen Kaisers Heinrich wurde er in Rom eingeschlossen und schwer bedrängt; eine von den Feinden verursachte Feuersbrunnst löschte er durch das Zeichen des heiligen Kreuzes. Durch den Normannenherzog Robert Guiscard wurde er schließlich aus der Hand seiner Feinde gerettet. Er begab sich nach Monte Cassino. Von da ging er nach Salerno, um die Kirche des heiligen Apostels Matthäus zu weihen. Dort hielt er eines Tages eine Predigt. Gleich darauf wurde er vor Erschöpfung krank. Er wurßte, daß er sterben werde. Seine letzten Worte vor dem Tode waren: Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehaßt, deshalb sterbe ich in der Verbannung. Gar nicht zu schildern ist, was er alles mutig auf sich genommen hat. Zu Rom hielt er mehrere Synoden ab und erließ viele weise Verordnungen. Er war ein wahrhaft heiliger Mann, ein strenger Richter über alles Böse, ein entschiedener Verteidiger der Kirche. Zwölf Jahre lenkte er das Steuer der Kirche; dann ging er in den Himmel ein im Jahre des Heiles 1085. Im Leben und nach dem Tode wurde er durch viele Wunder verherrlicht. Sein heiliger Leib wurde in der Domkirche zu Salerno ehrenvoll beigesetzt.

Hl. Papst und Martyrer Urban I. 25. Mai
9. Lesung
Urban aus Rom bekehrte zur Zeit des Kaisers Alexander Severus durch seine Gelehrsamkeit und Heiligkeit viele zum christlichen Glauben, darunter auch Valerian, den Bräutigam der heiligen Cäcilia, und dessen Bruder Tiburtius. Beide erlitten später mutig das Martyrium. Betreffs der Kirchengüter schrieb er folgendes: Was die Gläubigen dem Herrn opfern, darf nur für kirchliche Zwecke und für die Bedürnisse der christlichen Brüder, vor allem der Armen, verwendet werden. Denn es sind Weihegeschenke der Gläubigen, Lösegelder für die Sünden, das Erbgut der Armen. Er leitete die Kirche 6 Jahre, 7 Monate und 4 Tage und errang dann die Marterkrone am 25. Mai. Er wurde im Cömeterium des Prätextatus bestattet. Im Monat Dezember nahm er fünf Weihen vor und weihte neun Priester, fünf Diakone und acht Bischöfe für die verschiedenen Orte.
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Protasius
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Protasius » Mittwoch 24. Mai 2017, 23:24

Hochfest der Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus

4.–6. Lesung
Predigt des hl. Papstes Leo

Heute sind es vierzig Tage seit der segenbringenden und ruhmreichen Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, durch den Gottes Macht den durch die Bosheit der Juden zerstörten wahren Gottestempel wieder aufrichtete. Nach ihrem hochheiligen Ratschlusse waren diese Tage dazu bestimmt, uns zu fördern und zu belehren. Dadurch nämlich, daß der Herr noch so lange mit seinem Leibe auf Erden weilte, sollte der Glaube an die Auferstehung durch notwendige Beweise gestützt werden; denn der Tod Christi hatte seine Jünger sehr verwirrt. Infolge der Kreuzigung Jesu, seines Verscheidens und der Bestattung seines entseelten Leibes hatte eine Art lähmenden Mißtrauens ihre von Schmerz erfüllten Herzen beschlichen.

Dadurch wurden die hochseligen Apostel und alle Jünger, die über den Tod am Kreuze bestürzt und in ihrem Glauben an die Auferstehung unsicher geworden waren, derart durch die nun sichtbare Wahrheit gefestigt, daß sie nicht Trauer, sondern große Freude empfanden, als der Herr zu den Himmelshöhen emporstieg. Und in der Tat hatte die heilige Jüngerschar unsagbar viele Gründe, sich zu freuen, als vor ihren Augen die menschliche Natur hoch über allen Geschöpfen des Himmels ihren Platz einnahm, um nunmehr über den Chören der Engel und den erhabenen Erzengeln zu stehen und erst auf dem Sitze des ewigen Vaters das Endziel ihrer Erhebung zu finden und auf diesem Throne die Herrlichkeit dessen zu teilen, mit dessen Wesen sie durch den Sohn in Verbindung stand.

Weil also die Himmelfahrt Christi unsere eigene Erhebung bedeutet und unser Leib hoffen kann, dorthin berufen zu werden, wohin ihm des Hauptes Herrlichkeit vorangegangen ist, so wollen wir, Geliebteste, voll geziemender Freude frohlocken und diese Freude durch gottgefälligen Dank zum Ausdruck bringen! Heute ist uns nicht nur der Besitz des Paradieses bestätigt worden, heute sind wir auch durch Christus in die Höhen des Himmels eingezogen. Wertvoller ist das, was uns durch die unbeschreibliche Gnade des Herrn zuteil wurde, als was wir durch des Teufels Neid verloren hatten. Jene, die der giftige Feind aus der Glückseligkeit ihres ursprünglichen Wohnsitzes vertrieb, hat Gottes Sohn sich einverleibt und zur Rechten des Vaters gesetzt, mit dem er lebt und waltet in der Einheit des Heiligen Geistes als Gott in alle Ewigkeit. Amen.

(Übersetzung entnommen aus der Bibliothek der Kirchenväter)

7.–9. Lesung
Mk 16, 14–20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Daß die Jünger die Auferstehung des Herrn nur zögernd glaubten, ist nicht allein ihre Schwäche, sondern sozusagen auch unsere zukünftige Stärke. Denn eben die Auferstehung wurde den Zweifelnden durch viele Belege gezeigt: wenn wir sie lesend anerkennen, was geschieht da anderes, als daß wir durch ihre Zweifel bestärkt werden? Denn mir steht weniger Maria Magdalena nahe, die schnell glaubte, sondern Thomas, der lange zweifelte. Dieser berührte sogar zweifelnd die Narben seiner Wunden, und nahm so aus unserer Brust die Wunde des Unglaubens fort.

Um die Wahrheit der Auferstehung des Herrn zu bestätigen, müssen wir beachten, was Lukas berichtet, wenn er sagt: „Als er mit ihnen aß, befahl er ihnen nicht von Jerusalem wegzugehen.“ Und ein Stück weiter: „Während sie ihn sahen, wurde er in den Himmel emporgehoben, und eine Wolke verbarg ihn vor ihren Blicken.“ Bedenkt diese Worte, erkennt die Geheimnisse. Nachdem er aß, wurde er in den Himmel emporgehoben. Er aß und stieg auf: damit gleichsam durch das Essen die Wahrhaftigkeit des Fleisches erwiesen werde. Markus wiederum berichtet uns, daß er vor seiner Himmelfahrt die Jünger ob ihrer Hartherzigkeit und ihres Unglaubens schalt.Was soll das anderes bedeuten, als daß der Herr die Jünger, die er dem Leibe nach verläßt, zurechtweist, damit die Worte, die er ihnen bei seiner Auffahrt sagte, um so fester in ihren Herzen eingeschrieben seien?

Nachdem er also ihre Härte gescholten hat, hören wir, was er zur Ermahnung sagt: „Geht in alle Welt, und verkündigt das Evangelium aller Kreatur.“ Soll denn, meine Brüder, das Evangelium den gefühllosen Dingen und wilden Tieren gepredigt werden, daß er den Jüngern sagt: „Predigt aller Kreatur“? Mit aller Kreatur aber ist der Mensch gemeint. Denn der Mensch hat von jedem Geschöpf etwas; das Sein ist ihm gemeinsam mit den Steinen, das Leben mit den Bäumen, das Fühlen mit den Tieren, das Verstehen mit den Engeln. Wenn der Mensch also mit allem etwas gemein hat, so ist der Mensch gewissermaßen alles Geschöpf. Wenn nur dem Menschen gepredigt wird, wird also jeder Kreatur das Evangelium verkündet.

(Eigene Übersetzung)
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 25. Mai 2017, 16:19

Hl. Bekenner Philippus Neri 26. Mai
4.-6. Lesung
Philippus Neri war der Sohn frommer, rechtschaffener Eltern in Florenz. Schon in früher Jugend zeigte er deutliche Spuren seiner späteren Heiligkeit. Als er älter wurde, ging er nach Rom und studierte dort Philosophie und die heilige Wissenschaft; die reiche Erbschaft seines Onkels schlug er aus und gab sich ganz Christus hin. Seine Enthaltsamkeit war so groß, daß er häufig drei Tage lang ohne Nahrung blieb. Er fand seine Freude an Nachtwachen und am Gebete; häufig besuchte er die sieben Hauptkirchen Roms; in der Nähe der Kallistuskatakomben verbrachte er dabei unter Betrachtung himmlischer Dinge die Nächte. Im Gehorsam empfing er die Priesterweihe; nun ging er ganz in der Arbeit für das Heil der Seelen auf. Im Beichthören war er unermüdlich bis zu seinem Sterbetag; unzählige gewann er für Christus. Die Wiedergewonnenen wollte er täglich durch das Brot des Wortes Gottes, durch häufigen Empfang der Sakramente, durch ständiges Gebet und andere fromme Übungen kräftigen; zu diesem Zwecke gründete er die Kongregation der Oratorianer. Die Liebe Gottes hatte sein Herz verwundet und verzehrte ihn. Sie glühte so heftig in ihm, daß sie in seinem Innern nicht Raum genug zu finden schien, so daß der Herr seine Brust wunderbar erweiterte; es brachen ihm nämlich zwei Rippen entzwei und bogen sich nach außen. Beim heiligen Meßopfer oder wenn er innig betete, sah man manchmal, wie er in die Höhe schwebte und von einem wunderbaren Lichtschein rings umflossen war. Der Notleidenden und Armen nahm er sich auf jede mögliche Weise an; einmal durfte er sogar einem Engel in der Gestalt eines Armen ein Almosen reichen. Als er einmal nachts Armen Brot bringen wollte, fiel er in eine Grube; von einem Engel wurde er unverletzt wieder herausgezogen. Von Ehrungen wollte er in seiner Demut nichts wissen; kirchliche Würden, auch ganz hervorragende, die ihm mehr als einmal angeboten wurden, lehnte er ganz entschieden ab. Er war ausgezeichnet mit der Gabe der Weissagung; ebenso konnte er wunderbarerweise die Herzen durchschauen. Die Jungfräulichkeit bewahrte er stets unversehrt; dazu besaß er die Gabe, reine Seelen an einem Wohlgeruch, die andern dagegen an einem Pesthauch zu erkennen. Bisweilen erschien er in der Ferne und kam Gefährdeten zu Hilfe. Sehr vielen Kranken und Sterbenden gab er die Gesundheit wieder; selbst einen Toten hat er zum Leben erweckt. Häufig wurde er der Erscheinung himmlischer Geister und selbst der jungfräulichen Gottesmutter gewürdigt; auch sah er die Seelen sehr vieler Menschen in herrlichem Lichtglanz zum Himmel aufsteigen. Schließlich entschlief er im Herrn im Alter von 80 Jahren im Jahre des Heils 1595, am 26. Mai, dem Fronleichnamstag, nachdem er noch in höchster Seligkeit die heilige Messe gefeiert und seine priesterlichen Verpflichtungen erfüllt hatte, kurz nach Mitternacht zu der Stunde, die er vorhergesagt hatte. Da er durch Wunder verherrlicht wurde, nahm ihn Gregor XV. in die Zahl der Heiligen auf.

hl. Papst Eleutherius
9. Lesung

Eleutherius stammte aus Nikopolis in Griechenland; er war Diakon des Papstes Anizet. Zur Zeit der Kaisers Kommodus leitete er die Kirche. Gleich zu Beginn seines Pontifikates erhielt er ein Bittgesuch des Königs Luzius von England, er möge doch ihn und sein Volk in die Zahl der Christen aufnehmen. Da sandte er Fugatius und Damian, zwei gelehrte, fromme Männer, nach England; so nahmen der König und sein ganzes Volk das Christentum an. Während seiner Regierungszeit kamen Irenäus, der Schüler des hl. Polykarp nach Rom und fand bei ihm freundliche Aufnahme. Damals genoß die Kirche Gottes den höchsten Frieden und die größte Ruhe; auf der ganzen Erde, namentlich zu Rom, nahm der Glaube zu. Eleutherius regierte 15 Jahre und 23 Tage. Er nahm im Monat Dezember drei Weihen vor und weihte 12 Priester, 8 Diakone und 15 Bischöfe für die verschiedenen Orte. Er wurde im Vatikan neben dem hl. Petrus beigesetzt.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 25. Mai 2017, 16:28

Freitag in der Oktav von Himmelfahrt
Lesung 4-6
Predigt des hl. Papstes Leo

Geliebteste! Unsere gnadenvolle Erlösung, die der Weltenschöpfer den Preis seines Blutes wert erachtete, ist nun gemäß dem Ratschluß seiner Erniedrigung von dem Tage seiner leiblichen Geburt an bis zum Ende seines Leidens vollbracht worden. Und wenn auch durch seine Knechtsgestalt viele Zeichen seiner Gottheit hindurchstrahlten, so diente doch sein ganzes Wirken während dieser Zeit hauptsächlich dazu, die Wirklichkeit der von ihm angenommenen Menschennatur zu bezeugen. Nach seinem Leiden aber zerrissen die Bande des Todes; da verlor dieser seine Gewalt, weil er auch an den sich herangemacht hatte, der die Sünde nicht kannte. Da ging die Schwäche in Allmacht, die Sterblichkeit in Unsterblichkeit, die Schmach in Herrlichkeit über; diese offenbarte der Herr Jesus Christus in zahlreichen offenkundigen Erscheinungen vor den Augen vieler, bis er seinen herrlichen Sieg, den er über den Tod errungen, auch in den Himmel hineintrug. Wie also beim Osterfest die Auferstehung des Herrn der Grund unserer Freude war, so ist heute seine Himmelfahrt der Gegenstand unserer Freude; denn wir begehen und feiern in gebührender Weise jenen Tag, an dem unsere niedrige Menschennatur in Christus über die ganze himmlische Heerschar, über alle Chöre der Engel, selbst über die höchsten himmlischen Mächte bis zu Gottes, des Vaters, Thron erhoben wurde. Durch diese glanzvollen Werke Gottes sind wir fest gegründet und auferbaut worden. Die Gnade Gottes sollte um so wundervoller sich zeigen, wenn den Blicken der Menschen entschwand, was mit Recht Ehrfurcht erwecken mußte, und wenn dennoch der Glaube nicht nachließ, die Hoffnung nicht wankte und die Liebe nicht erkaltete. Denn darin zeigt sich die Kraft großer Geister und die Erleuchtung gläubiger Seelen, wenn sie unerschüttlich glauben, was man mit dem Auge des Leibes nicht schauen, und wenn ihre Sehnsucht sich dort hinrichtet, wo der Blick nicht hindringen kann. Wie sollte auch diese fromme Gesinnung in unseren Herzen erwachen, oder wie könnte einer durch den Glauben gerechtfertigt werden, wenn unser Heil nur in dem begründet wäre, was uns vor Augen liegt? Daher hat auch der Herr jenem Manne, der an seiner Auferstehung zweifeln wollte, wenn er nicht an seinem Leibe die Leidensspuren schauen und betasten und prüfen könnte, gesagt: Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du; selig, die nicht sehen und doch glauben.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 25. Mai 2017, 16:38

Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 24. Mai 2017, 23:24
(Eigene Übersetzung)
Hast du das auf die Schnelle gestern übersetzt oder noch mehr davon irgendwo schon länger rumliegen?
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Protasius » Donnerstag 25. Mai 2017, 21:37

Marion hat geschrieben:
Donnerstag 25. Mai 2017, 16:38
Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 24. Mai 2017, 23:24
(Eigene Übersetzung)
Hast du das auf die Schnelle gestern übersetzt oder noch mehr davon irgendwo schon länger rumliegen?
Nein, das ist gestern entstanden. Auf die Schnelle wäre allerdings übertrieben, das hat schon etwas gedauert; und ein paar Stellen habe ich auch mithilfe einer englischen Übersetzung des Breviers formuliert (Marquess of Bute, Ende des 19. Jh.s).
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von ad-fontes » Freitag 26. Mai 2017, 09:38

Marion hat geschrieben:
Donnerstag 25. Mai 2017, 16:28
Freitag in der Oktav von Himmelfahrt
Lesung 4-6
Predigt des hl. Papstes Leo

Geliebteste! Unsere gnadenvolle Erlösung, die der Weltenschöpfer den Preis seines Blutes wert erachtete, ist nun gemäß dem Ratschluß seiner Erniedrigung von dem Tage seiner leiblichen Geburt an bis zum Ende seines Leidens vollbracht worden. Und wenn auch durch seine Knechtsgestalt viele Zeichen seiner Gottheit hindurchstrahlten, so diente doch sein ganzes Wirken während dieser Zeit hauptsächlich dazu, die Wirklichkeit der von ihm angenommenen Menschennatur zu bezeugen. Nach seinem Leiden aber zerrissen die Bande des Todes; da verlor dieser seine Gewalt, weil er auch an den sich herangemacht hatte, der die Sünde nicht kannte. Da ging die Schwäche in Allmacht, die Sterblichkeit in Unsterblichkeit, die Schmach in Herrlichkeit über; diese offenbarte der Herr Jesus Christus in zahlreichen offenkundigen Erscheinungen vor den Augen vieler, bis er seinen herrlichen Sieg, den er über den Tod errungen, auch in den Himmel hineintrug. Wie also beim Osterfest die Auferstehung des Herrn der Grund unserer Freude war, so ist heute seine Himmelfahrt der Gegenstand unserer Freude; denn wir begehen und feiern in gebührender Weise jenen Tag, an dem unsere niedrige Menschennatur in Christus über die ganze himmlische Heerschar, über alle Chöre der Engel, selbst über die höchsten himmlischen Mächte bis zu Gottes, des Vaters, Thron erhoben wurde. Durch diese glanzvollen Werke Gottes sind wir fest gegründet und auferbaut worden. Die Gnade Gottes sollte um so wundervoller sich zeigen, wenn den Blicken der Menschen entschwand, was mit Recht Ehrfurcht erwecken mußte, und wenn dennoch der Glaube nicht nachließ, die Hoffnung nicht wankte und die Liebe nicht erkaltete. Denn darin zeigt sich die Kraft großer Geister und die Erleuchtung gläubiger Seelen, wenn sie unerschüttlich glauben, was man mit dem Auge des Leibes nicht schauen, und wenn ihre Sehnsucht sich dort hinrichtet, wo der Blick nicht hindringen kann. Wie sollte auch diese fromme Gesinnung in unseren Herzen erwachen, oder wie könnte einer durch den Glauben gerechtfertigt werden, wenn unser Heil nur in dem begründet wäre, was uns vor Augen liegt? Daher hat auch der Herr jenem Manne, der an seiner Auferstehung zweifeln wollte, wenn er nicht an seinem Leibe die Leidensspuren schauen und betasten und prüfen könnte, gesagt: Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du; selig, die nicht sehen und doch glauben.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
Könntest du die Lesungen der dritten Nokturn (Homilie 29 des hl. Papstes Gregor) noch nachtragen? Würde mich auch freuen, die gestrige Homilie in der Übersetzung von Schenk kennenzulernen.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 26. Mai 2017, 12:53

Auf das Fest der Himmelfahrt des Herrn

Lesung 4-6
Predigt des hl. Papstes Leo
Geliebteste! Heute gehen die vierzig heiligen Tage zu Ende, die nach der seligen, glorreichen Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, da er den von den gottlosen Juden abgebrochenen wahren Tampel durch seine göttliche Macht in drei Tagen wieder aufbaute, auf Gottes Anordnung hin eingeschoben und zu unserem Nutzen und zu unserer Belehrung zugelassen wurden. Auch in diesem Zeitraum war der Herr noch leiblich gegenwärtig, damit der Glaube an seine Auferstehung durch zwingende Beweise erhärtet werde. Der Tod Christi hatte nämlich die Herzen der Jünger sehr verwirrt. Bei seiner schmachvollen Kreuzigung, seinem Tod und bei der Bestattung seines entselten Leichnames waren ihre Herzen vor Kummer ganz niedergedrückt worden und Verzagtheit und Mißtrauen hatten sich eingeschlichen. Dann aber wurden die seligen Apostel und alle Jünger, die über seinen Kreuzestod erschreckt und im Glauben an seine Auferstehung unschlüssig waren, durch die offenkundige Tatsache im Glauben so gefestigt, daß sie, als der Herr zu den Himmelshöhen auffuhr, nicht nur von keiner Trauer befallen, sondern sogar mit hoher Freude erfüllt wurden. Und wahrlich, groß und unaussprechlich war der Anlass zur Freude, da vor den Augen der heiligen Jüngerschar die menschliche Natur auffuhr, als sie über alle himmlischen Wesen sich erhob, höher gestellt wurde als die Chöre der Engel, emporgehoben wurde über die höchsten Erzengel, ja in ihrer Erhebung über alle himmlischen Geister keine Grenze fand, bis sie den Platz mit dem ewigen Vater teilen und auf dem Himmelsthron an seiner Herrlichkeit teilnehmen durfte, nachdem sie mit seiner Wesenheit schon im Gottessohn vereinigt war. Weil also Christi Auffahrt unsere Erhebung ist, und weil die Hoffnung des Lebens dorthin gelenkt wird, wohin das verherrlichte Haupt vorrausging, so wollen wir, Geliebteste, in rechter Freude frohlocken und in kindlicher Dankbarkeit uns freuen. Denn heute wurden wir nicht blos in den Besitz des Paradieses wieder eingesetzt, sondern wir sind mit Christus sogar in die Himmelshöhen eingezogen und haben durch Christi unaussprechliche Gnade Größeres erlangt, als wir durch den Neid des Teufels verloren hatten. Denn der giftige Feind hat uns aus unserem ersten glücklichen Wohnsitz vertrieben, der Sohn Gottes aber hat uns seinem Leibe eingefügt und zur rechten des Vaters gesetzt, mit dem er lebt und als König herrscht in Einheit mit dem Heiligen Geiste, als Gott in alle Ewigkeit. Amen.

Lesung 7-9
Markus 16, 14-20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Daß die Jünger erst nach langem Zögern an die Auferstehung des Herrn glaubten, war nicht so sehr eine Schwäche von ihnen, als vielmehr, wenn ich mich so ausdrücken darf, für die Zukunft eine Stärkung unseres Glaubens. Denn wegen ihres Zweifelns wurde die Auferstehung durch zahlreiche Erscheinugen ihnen bewiesen; wenn wir davon lesen und daran glauben, was ist das anders, als daß wir durch ihre Zweifel im Glauben befestigt werden? Maria Magdalena die schnell glaubte, hat uns weniger genützt als Thomas, der lange zweifelte. Denn er durfte wegen seiner Zweifel die Wundmale des Herrn berühren und nahm so die Wunde des Zweifels aus unserem Herzen. Um die wirkliche Auferstehung unseres Herrn euch klarzumachen, müssen wir auch beachten, was Lukas berichtet: Er aß mit ihnen und befahl ihnen, von Jerusalem nicht wegzugehen; und kurz danach: Er ward vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke entzog ihn ihren Blicken. Achtet auf jedes Wort und denkt an seinen tiefen Sinn! Er aß mit ihnen und ward emporgehoben; er speiste und stieg empor; durch den Genuß von Speise sollte die Wirklichkeit seines Leibes bewiesen werden. Markus aber berichtet, daß der Herr, bevor er sich in den Himmel erhob, die Jünger wegen ihrer Herzenshärte und ihres Unglaubens getadelt hat. Was sollen wir hierbei anderes denken, als daß der Herr deswegen die Jünger tadelte, bevor er dem Leibe nach von ihnen schied, damit die Worte, die er beim Abschied sprach, um so fester in den Herzen der Zuhörer eingeprägt blieben? Nun wollen wir noch hören, welche Mahnung er ihnen gab, nachdem er ihnen ihre Herzenshärte verwiesen hatte. Gehet hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. Wie, meine Brüder, sollte denn das Evangelium auch den leblosen Dingen oder den vernunftslosen Tieren gepredigt werden? Er sagte ja seinen Jüngern: Predigt allen Geschöpfen. Doch mit diesem Ausdruck: alle Geschöpfe, ist der Mensch gemeint. Der Mensch hat mit jedem Geschöpf etwas gemeinsam. Er hat das Sein mit den Steinen, das Leben mit den Pflanzen, das Empfinden mit den Tieren und das Denken mit den Engeln gemeinsam. Wenn also der Mensch mit jedem Geschöpf etwas gemeinsam hat, so ist der Mensch in gewissem Sinne ein jedes Geschöpf. Allen Geschöpfen wird also das Evangelium gepredigt, wenn es dem Menschen allein gepredigt wird.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 26. Mai 2017, 13:07

Samstag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn
Lesung 4-6
Aus der Predigt des hl. Papstes Leo
Was an unserem Erlöser sichtbar war, das ist in die heiligen Geheimnisse übergegangen; damit der Glaube vollkommener und fester werde, ist an die Stelle des Schauens die Glaubenslehre getreten; ihr sollen nun die Gläubigen, die vom himmlischen Gnadenlicht erleuchtet wurden, folgen. Diesen Glauben, der durch die Himmelfahrt des Herrn vermehrt und durch die Herabkunft des Heiligen Geistes gestärkt wurde, konnten keine Fesseln, kein Kerker, keine Verbannung, nicht der Hunger, nicht das Feuer, nicht die Zerfleischung durch wilde Tiere, nicht die von grausamen Verfolgern ausgedachten Qualen erschüttern. Für diesen Glauben kämpften überall in der Welt nicht nur Männer, sondern auch Frauen, nicht nur unmündige Knaben, sondern auch zarte Jungfrauen bis zum letzten Blutstropfen. Dieser Glaube trieb Teufel aus, heilte Krankheiten, erweckte Tote zum Leben. Selbst die heiligen Apostel, welche trotz der vielen Wunder und trotz der vielen Predigten beim qualvollen Leiden des Herrn in Verwirrung geraten waren und erst nach langem Zögern an die Wirklichkeit der Auferstehung geglaubt hatten, wurden durch die Auffahrt des Herrn in ihrem Glauben so gekräftigt, daß das, was ihnen früher Furcht eingeflößt hatte, nunmehr ein Grund zur Freude wurde. Denn ihr ganzes Sinnen und Denken war jetzt auf die göttliche Natur dessen gerichtet, der zur rechten des Vaters throhnt. Der Anblick seines Leibes hinderte sie nicht mehr, die ganze Kraft ihres Geistes darauf hinzuwenden, daß er bei seiner Herabkunft sich nicht vom Vater getrennt und auch bei seiner Auffahrt seine Jünger nicht verlassen hatte. Damals, Geliebteste, wurde der Menschensohn auf herrlicher und erhabener Weise als Gottessohn kundgemacht, als er in die Herrlichkeit der Majestät des Vaters zurückkehrte; und seit dem ist er auf eine ganz unaussprechliche Art seiner Gottheit nach uns nahe, während er seiner Menschheit nach von uns ging. Nun konnte der erleuchtete Glaube zu dem dem Vater wesensgleichen Sohn geistigerweise hinzutreten, ohne auf die Berührung mit der leiblichen Wesenheit Christi, durch die er geringer ist als der Vater, verzichten zu müssen. Denn wenn auch die Natur des verklärten Leibes blieb, so wurde doch der Glaube der Jünger dahin gelenkt, wo man den Eingeborenen, der dem Vater gleich ist, nicht leiblicherweise mit der Hand, sondern geistigerweise mit dem Verstande fassen kann. Daher kommt es auch, daß der Herr nach seiner Auferstehung zu Maria Magdalena, die ein Bild der Kirche ist, als sie auf ihn zueilte, um ihn zu berühren, sprach: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater; d.h.: ich will nicht, daß du dich körperlich mir näherst, und nicht daß du mich mit den Sinnen deines Leibes erkennst; auf Höheres verweise ich dich; Größeres bereite ich dir vor; wenn ich zum Vater aufgefahren bin, dann wirst du mich vollkommener und wahrhaftiger berühren; dann wirst du erfassen, was du nicht berührst, und glauben was du nicht siehst.

Lesung 7-9
Mark. 16, 14-20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Es werden aber denen, die glauben, diese Wunder folgen: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, in neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden. Meine Brüder, seid ihr nun etwa keine rechten Gläubigen, weil ihr diese Wunder nicht wirken könnt? Doch; diese Wunder waren notwendig in den ersten Zeiten der Kirche; damit die Menge der Gläubigen im Glauben wachse, mußte sie durch Wunder genährt werden. Wir begießen ja auch, wenn wir junge Bäumchen pflanzen, diese so lange mit Wasser, bis wir merken, daß sie im Boden Wurzeln gefaßt haben. Haben sie einmal Wurzeln geschlagen, dann hören wir auf, sie zu begießen. Darum sagt auch der hl. Paulus: Die Sprachengabe ist ein Wunderzeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen. In diesen Wunderwerken aber liegt noch etwas, was wir genauer betrachten müssen. Die heilige Kirche tut nämlich alle Tage in geistiger Weise das, was sie ehemals durch die Apostel in leiblicher Weise getan hat. Denn wenn ihre Priester den Gläubigen beim Exorzismus die Hände auflegen und die Teufel nicht mehr länger in ihnen wohnen lassen, was tun sie da anderes, als daß sie die Teufel austreiben? Und die Gläubigen, die von den weltlichen Gesprächen, die sie früher immer führten, ablassen und nun über die heiligen Geheimnisse des Glaubens reden und nach Kräften das Lob und die Macht ihres Schöpfers verkünden, was tun sie da anderes, als daß sie in neuen Sprachen reden? Und wenn sie durch fromme Mahnungen die Bosheit aus den Herzen der andern nehmen, heben sie da nicht Schlangen auf? Und wenn sie schlechte Redensarten anhören müssen, aber denoch zu keiner schlechten Handlung sich verleiten lassen, so ist der Trank den sie nehmen, zwar tödlich, aber er kann ihnen nicht schaden. Sooft sie merken, daß ihre Nächsten im Guten nachlässig werden, und ihnen dann mit ihrer ganzen Kraft zu Hilfe eilen und durch ihr gutes Beispiel die andern, die in ihrem Tun wankend werden, wieder stärken, was tun sie da anderes, als daß sie Kranken die Hände auflegen, daß sie gesund werden? Fürwahr, diese Wunderzeichen sind um so größer, je geistiger sie sind; sie sind um so wichtiger, weil nicht der Leib, sondern die Seele zu neuem Leben erweckt wird.


(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 26. Mai 2017, 13:23

Hl. Kirchenlehrer Beda, der Ehrwürdige 27.Mai
Lesung 4-6

Der Priester Beda stammte aus Yorm an der Grenze von England und Schottland; mit sieben Jahren wurde er dem heiligen Benedikt Biskop, Abt von Wiremuth, zur Erziehung übergeben. Er wurde später Mönch und lebte so gewissenhaft, daß er, obwohl er sich ganz dem Studium der Künste und Wissenschaften hingab, doch keine von seinen Verpflichtungen als Ordensmann vernachlässigte. Es gab kein Wissensgebiet, in das er sich nicht mit allem Fleiße vertieft hätte. Seine hauptsächlichste Beschäftigung aber war die Betrachtung der Heiligen Schrift; um deren Sinn besser zu verstehen, lernte er Griechisch und Hebräisch. Mit 30 Jahren empfing er auf Befehl seines Abtes die Priesterweihe. Auf Veranlassung des Bischofs Akka von Hagulstad begann er nun sofort, die heiligen Bücher zu erklären. Dabei hielt er sich getreu an die Auffassung der heiligen Väter und lehrte nichts, was er nicht durch Aussprüche von ihnen belegen konnte, ja, er hielt sich sogar genau an ihre Ausdrucksweise. Den Müßiggang haßte er; vom Studium ging er zum Gebet, vom Gebet zum Studium. Dabei geriet sein Herz so in Feuer, daß ihm oft während des Studiums oder während des Vortrags die Tränen kamen. Um nicht durch die Sorge für vergängliche Dinge abgelenkt zu werden, lehnte er beharrlich die ihm angebotene Abtswürde ab. Der Name Bedas wurde infolge seiner Gelehrsamkeit und seiner Frömmigkeit bald so berühmt, daß der heilige Papst Sergius sich ernstlich mit dem Gedanken trug, ihn nach Rom zu rufen, damit er dort mitarbeite an der Lösung der großen Schwierigkeiten in Glaubenssachen, die damals aufgetaucht waren. Er schrieb mehrere Bücher, um die Sittlichkeit unter den Gläubigen zu heben, um die Glaubenswahrheiten zu verteidigen und zu erklären. Dadurch erwarb er sich bei allen ein solches Ansehen, daß der heilige Bischof und Martyrer Bonifatius ihn eine Leuchte der Kirche nannte, daß Lanfrank ihn als den Lehrer Englands und das Konzil von Aachen ihn als einen staunenswerten Lehrer bezeichnete. Seine Schriften wurden schon bei seinen Lebzeiten öffentlich in den Kirchen gelesen. Dabei nannte man ihn, weil man ihn nicht als heilig bezeichnen durfte, den Ehrwürdigen. Diese Bezeichnung blieb dann auch später, als ob sie zu seinem Namen gehören würde. Seine Lehren machten um so größeren Eindruck, weil sie durch sein heiligmässiges Leben, seine Tugenden und Frömmigkeit ihre Bestätigung fanden. Infolgedessen erzog er auch seine Schüler, deren er viele und hochbegabte hatte, durch seinen Eifer und durch sein Beispiel nicht nur zu ausgezeichneten Gelehrten, sondern auch zu großen Heiligen. Von Alter und Mühen gebrochen, wurde er schließlich schwer krank. Mehr als 50 Tage lag er darnieder, ließ aber nicht ab, wie gewöhnlich zu beten und die Schrift zu erklären. Während dieser Zeit übersetzte er das Johannesevangelium für seine Volksgenossen ins Englische. Am Vorabend von Christi Himmelfahrt merkte er, daß der Tod nahe. Da verlangte er nach den Sterbesakramenten der Kirche; dann umarmte er seine Mitbrüder, ließ sich auf den Boden auf ein Bußgewand legen, wiederholte immer wieder die Worte: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, und entschlief im Herrn. Sein Leib, so wird berichtet, verbreitete einen angenehmen Geruch. Er wurde im Kloster Yorm bestattet; später wurde er zusammen mit den Gebeinen des heiligen Cuthbert nach Durham übertragen. Von den Benediktinern und anderen Orden und Diözesen wurde er schon länger als Kirchenlehrer verehrt. Leo XIII. aber erklärte ihn auf Vorschlag der heiligen Ritenkongregation zum Lehrer der allgemeinen Kirche und bestimmte, daß an seinem Festtag die Messe und das Stundengebet der Kirchenlehrer überall gefeiert werde.

Lesung 7-8
Matth. 5, 13-19
Auslegung des hl. Priesters Beda Venerabilis

Mit der Erde ist die menschliche Natur, mit dem Salz die wahre Weisheit gemeint. Denn durch Ausstreuung von Salz wird die Erde unfruchtbar. Darum lesen wir von manchen Städten, daß sie von den Siegern in ihrem Zorne mit Salz bestreut wurden. Das ist ja auch die Wirkung der Lehre der Apostel, daß sie durch das Salz der Weisheit im Menschen die Lust der Welt oder die häßlichen Laster in Schranken hält und sie nicht mehr hochkommen läßt. Wenn aber das Salz schal geworden ist, womit soll man dann noch salzen? Das heißt: Wenn ihr, durch die die Völker gesalzen werden sollen, aus Furcht vor Verfolgungen oder aus Angst das Himmelreich verliert, so stellt ihr euch außerhalb der Kirche und müsst zweifellos die Schmähungen der Feinde über euch ergehen lassen. Ihr seid das Licht der Welt. Das heißt: Ihr seid vom wahren Licht erleuchtet und müsst darum denen, die in der Welt sind, ein Licht sein. Eine Stadt, die auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben, d.h. die Lehre der Apostel, die auf Christus beruht, oder die Kirche, die aus vielen Völkern durch den einen Glauben auf Christus erbaut wurde und durch das Band der Liebe zusammengehalten wird. Sie ist für den, der ihr beitritt, eine Sicherheit, für den, der ihr von außen naht, voll von Schwierigkeiten. Sie schützt den, der in ihr wohnt, und schließt aus, wer ihr feindlich gesinnt ist. Man zündet kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter. Unter den Scheffel stellt es, wer das Licht des Glaubens durch die Sorge um irdische Vorteile verdunkelt und verdeckt, auf den Leuchter aber, wer sich derart dem Dienste Gottes hingibt, daß ihm die wahre Lehre mehr gilt als die Pflege des Körpers. In anderer Weise hat unser Erlöser ein Licht angezündet, als er die Hülle der Menschlichen Natur mit dem Feuer seiner Gottheit erfüllte und dieses auf den Leuchter erhob, d.h. seiner Kirche übergab, indem er in unseren Köpfen den Glauben an seine Menschheit fest verankerte. Diese Licht konnte nicht unter den Scheffel gestellt, d.h. nicht in die Grenzen des alten Gesetzes eingeschlossen werden. Es leuchtet ja auch nicht nur in Judäa, sondern in der ganzen Welt.

Lesung 9
Hl. Papst und Martyrer Johannes I.

Johannes stammte aus Etrurien; er leitete die Kirche zur Zeit des Kaisers Justinus des Älteren. Zu ihm kam der Papst hilfesuchend nach Konstantinopel, weil der irrgläubige König Theodorich ganz Italien verwüstete. Seine Reise hat Gott auch durch Wunder verherrlicht. Ein vornehmer Mann gab ihm nämlich zu Korinth ein Pferd zur Weiterreise. Zuvor hatte seine Gattin es immer benutzt und es war ganz zahm gewesen. Als der Papst es aber seinem Herrn wieder zurückgab, wurde es ganz wild, wütend bäumte es sich immer wieder auf und warf seine Herrin ab, als ob es nun die Frau nicht mehr tragen wollte, nachdem der Statthalter Jesu Christi darauf gesessen. Darum schenkte sie das Pferd dem Papst. Noch größer war das Wunder, als er zu Konstantinopel beim goldenen Tor vor einer großen Volksmenge, die zusammen mit dem Kaiser dem Papst entgegengezogen war, um ihn zu empfangen, einem Blinden das Augenlicht wiedergab. Da warf sich selbst der Kaiser ihm zu Füßen und huldigte ihm. Nachdem er mit dem Kaiser sich geeinigt hatte, kehrte er nach Italien zurück. Gleich darauf schrieb er an alle Bischöfe Italiens, sie sollten alle Kirchen der Arianer nach katholischem Ritus weihen: Er fügte hinzu; er fügte hinzu: Auch ich habe, als ich zu Konstantinopel war, um Schutz zu suchen für die katholische Religion, sowie auch wegen des Vorgehens des Königs Theodorich, alle Kirchen der Arianer, die ich in jenen Ländern finden konnte, zu katholischen Kirchen geweiht. Theodorich nahm das aber sehr ungnädig auf; er lockte den Papst hinterlistigerweise nach Ravenna und ließ ihn dort in den Kerker werfen. Vor Entbehrungen und Hunger starb er dort schon nach wenigen Tagen. Er hatte 2 Jahre, 9 Monate und 14 Tage regiert und hatte in dieser Zeit 15 Bischöfe geweiht. Bald darauf starb auch Theodorich; ein Einsiedler sah, so berichtet der heilige Gregor, wie er in den Krater des Lipari hineingeworfen wurde. Zu beiden Seiten standen Papst Johannes und der edle Symachus, den er ebenfalls getötet hatte; so sollten also diese beiden, die er getötet hatte, gleichsam Zeugen seines Untergangs sein. Der Leib des Johannes wurde von Ravenna nach Rom gebracht und in der Basilika des heiligen Petrus beigesetzt.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Beitrag von Marion » Freitag 26. Mai 2017, 15:20

Sonntag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn
Lesung 4-6

Predigt des Hl. Bischofs Augustinus
Geliebteste Brüder! Unser Erlöser führ in den Himmel auf; lassen wir uns darum nicht auf der Erde beunruhigen! Dorthin sei unser Sinn gerichtet, und wir werden hier Frieden haben. Erheben wir uns einstweilen im Geiste mit Christus in den Himmel; wenn dann der verheißene Tag anbricht, werden wir ihm auch mit dem Leibe dorthin folgen. Liebe Brüder! Wir müssen aber beherzigen, daß weder der Stolz, noch der Ehrgeiz, noch die Fleischeslust mit Christus in den Himmel auffährt. Keines unserer Laster kann sich mit unserem Arzte erheben. Wenn wir also unserem Arzte folgen wollen, müssen wir unsere Laster und Sünden ablegen. Denn diese alle halten uns wie mit Fesseln nieder und wollen uns in den Schlingen der Sünde festhalten. Darum wollen wir mit Gottes Hilfe, so wie der Psalmist sagt, ihre Bande sprengen, damit wir dann frei und ledig zum Herrn sagen können: Du sprengtest meine Fesseln, drum will ich Dir zum Dank ein Opfer weihen. Die Auferstehung ist unsere Hoffnung; die Himmelfahrt des Herrn unsere Verherrlichung. Das Fest der Himmelfahrt des Herrn feiern wir heute. Wenn wir aber gebührend mit Glauben und Andacht, mit Frömmigkeit und heiligem Sinne die Himmelfahrt des Herrn begehen, dann wollen wir auch mit ihm auffahren, und unser Herz in die Höhe erheben. Wenn wir auffahren, dann wollen wir uns nicht vom Stolze hinreißen lassen und nicht auf unser Verdienst pochen, als hätten wir es uns verdient. Unser Herz muss droben bei Gott wohnen. Wenn wir unser Herz erheben, aber nicht zu Gott, so heißt das Stolz; wenn wir es aber zu Gott erheben, so bedeutet das, bei ihm Hilfe suchen. Seht, Brüder, es ist doch etwas Wunderbares. Erhaben ist der Herr; erhebst du dich, so lässt er sich zu dir herab. Warum dies? Weil der Herr erhaben ist und auf das Niedrige schaut; er kennt das Hohe nur von ferne. Auf die Niedrigen sieht er aus nächster Nähe herab, um sie zu erheben; das Hohe, d.h. die Stolzen kennt er nur von ferne, um sie zu erniedrigen.. Erstanden ist Christus, um uns die Hoffnung zu geben, daß der Mensch der gestorben ist, wieder aufersteht. Er hat uns diese Gewissheit gegeben, damit wir im Tode nicht verzweifeln und glauben, unser Leben sei mit dem Tode beendigt. Wir waren sogar in Sorgen um das Schicksal unserer Seele; aber durch seine Auferstehung hat er uns die Gewissheit gegeben, daß auch unser Leib auferstehen werde. Glaube also damit du rein wirst! Zuerst musst du glauben, damit du dann durch den Glauben Gott schauen darfst. Willst du Gott schauen, so höre seine eigenen Worte: selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Darum sei zuerst auf die Reinigung deines Herzens bedacht, und was du darin Gott Missfälliges findest, das entferne!

Lesung 7-9
Joh. 15, 26-27; 16, 1-4
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

In der Rede, die der Herr Jesus an seine Jünger nach dem Abendmahl richtete, kurz vor seinem Leiden, als er von ihnen scheiden und seiner leiblichen Gegenwart nach sie verlassen wollte - geistigerweise wollte er ja bei den Seinen bis zum Ende der Zeiten bleiben -, in dieser Rede also ermahnte er sie, die Verfolgungen der Gottlosen, die er mit dem Ausdruck Welt bezeichnete, mutig zu ertragen. Doch sagte er auch, daß er selbst seine Jünger aus dieser Welt auserwählt habe, damit sie wüßten, daß sie nur durch die Gnade Gottes sind, was sie sind, durch ihre eigene Schuld aber seien sie gewesen, was sie vorher waren. Dann bezeichnet er ausdrücklich die Juden, als seine und ihre Verfolger, damit ganz klar sei, daß auch sie gemeint seien, mit dem Ausdruck: Verworfene Welt, die die Heiligen verfolgt. Dann sagte er von ihnen, sie kannten den nicht, von dem er gesandt war, und dennoch haßten sie den Vater und den Sohn, d.h., den der gesandt war, und den, der ihn gesandt hatte. Von all dem haben wir schon in anderen Predigten gesprochen. Schließlich kam er zu der Stelle, wo er sagte: Es musste das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetze geschrieben steht: Sie hassen mich ohne Ursache. Hierauf fügte er gleichsam als Schlussfolgerung das Wort bei, von dem wir jetzt sprechen wollen: Wenn aber der Tröster kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugnis von mir geben; und auch ihr werdet Zeugnis geben, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Wie passt dieser Ausspruch zu dem früheren, wo er sagte: Nun aber haben sie meine Werke gesehen und hassen doch mich und meinen Vater; aber es musste das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetze geschrieben steht: Sie hassen mich ohne Ursache. Vielleicht insofern, weil der Tröster, der Geist der Wahrheit, als er kam, alle, die es sahen und dennoch in ihrem Hasse fortfuhren, durch ein gar deutliches Zeugnis widerlegte? Ja, er hat durch seine Erscheinung sogar einige von denen, die sahen und doch haßten, zum glauben, der durch die Liebe wirksam ist, bekehrt.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Beitrag von Marion » Freitag 26. Mai 2017, 15:24

Hl. Bischof und Bekenner Augustin 28. Mai

Lesung 4-6
Augustin war Mönch im Laterankloster zu Rom. Von Gregor dem Großen wurde er im Jahre 597 mit etwa 40 anderen Mönchen nach England geschickt, um jene Völker zum Christentum zu bekehren. Damals war Ethelbert König und Herr von Kent. Als er hörte, warum Augustin gekommen sei, lud er ihn mit seinen Gefährten nach Canterbury, der Hauptstadt seines Reiches, ein und erlaubte ihm in hochherziger Weise, sich dort niederzulassen und das Christentum zu verkünden. Der heilige Mann erbaute also in der Nähe von Canterbury eine Kapelle, blieb selbst längere Zeit dort und lebte mit den Seinen so wie die Apostel. Durch die Predigt der himmlischen Lehre, die durch sehr viele Wunder bekräftigt wurde, sowie durch sein heiligmäßiges Leben gewann Augustin die Bewohner jener Insel; er konnte die meisten von ihnen zum christlichen Glauben führen und schließlich den König selbst mit zahllosem Gefolge taufen, zur größten Freude Berthas, der Gattin des Königs, die schon länger Christin war. Einstmals taufte er am Weihnachtstage über zehntausend Menschen in den Wassern des York; dabei erhielten alle, die mit irgend einer Krankheit behaftet waren, so wird berichtet, mit dem Heil der Seele auch die Gesundheit des Leibes. Auf Gregors Geheiß wurde er zum Bischof geweiht und nahm seinen Sitz in der von ihm erbauten Erlöserkirche in Canterbury, an die er Mönche als Mitarbeiter berief. Er baute in der Vorstadt auch ein Kloster zu Ehren des heiligen Petrus, das später nach ihm benannt wurde. Gregor übersandte ihm auch das Pallium mit dem Rechte, in England die kirchliche Hierarchie zu begründen, und sandte ihm auch neue Mitarbeiter, nämlich Mellitus, Justus, Paulinus und Rufinian. Nachdem Augustin die kirchlichen Verhältnisse geordnet hatte, berief er eine Vesammlung der Bischöfe und Gelehrten der alten Briten, die schon seit langer Zeit bezüglich der Osterfeier und anderer Gebräuche von der römischen Kirche abwichen. Aber er konnte sie weder durch das Ansehen des Apostolischen Stuhles noch durch Wunder dazu bewegen, ihre Sonderbräuche aufzugeben; er weissagte ihnen darum in prophetischem Geiste den Untergang. Nachdem er ganz Großes für Christus geleistet hatte und vielfach durch Wunder verherrlicht worden war, nachdem er Mellitus zum Bischof von London, Justus von Rochester und Laurentius zum Bischof seiner eigenen Kirche eingesetzt hatte, ging er schließlich am 26. Mai unter der Regierung des Königs Ethelbert in den Himmel ein. Er wurde im Kloster des heiligen Petrus beigesetzt, das fortan die Begräbnisstätte der Bischöfe von Canterbury und verschiedener Könige wurde. Mit glühendem Eifer verehrten ihn die Völker Englands; Papst Leo XIII. dehnte das Stundengebet und die Messe zu seiner Ehre auf die ganze Kirche aus.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 26. Mai 2017, 15:53

Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 25. Mai 2017, 21:37
Marion hat geschrieben:
Donnerstag 25. Mai 2017, 16:38
Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 24. Mai 2017, 23:24
(Eigene Übersetzung)
Hast du das auf die Schnelle gestern übersetzt oder noch mehr davon irgendwo schon länger rumliegen?
Nein, das ist gestern entstanden. Auf die Schnelle wäre allerdings übertrieben, das hat schon etwas gedauert; und ein paar Stellen habe ich auch mithilfe einer englischen Übersetzung des Breviers formuliert (Marquess of Bute, Ende des 19. Jh.s).
:daumen-rauf:
Mir fehlen einige Lesungen im Eigenteil der Heiligen zwischen dem 7. August und 10. November der Übersetzung von Dr. Johann Schenk. Es kann zwar sein, daß ich dazu Übersetzungen von Adam Nickel in der Ausgabe von 1855 finde, die mir hier vorliegt, aber sicher ist das nicht. Hier ist was ich bisher habe und wo bei der Schenkübersetzung zwischen den genannten Daten sicher nichts mehr dazukommt (sondern eher wieder wegkommen), weil die Seiten des Buches fort sind: http://herzmariae.blogspot.com.br/p/blog-page_2665.html Ob ich das nun schaff, noch pünktlich festzustellen ob in der Nickelausgabe alles drin ist, und es auch abzutippen, weiß ich nicht. Es wird dann unvollständig. Falls das hier in dem Strang erwünscht ist, daß das vollständig sein soll, brauche ich Hilfe :)

Ich lese es bevor ich es hier immer poste, Korrektur. Es sind also noch seehr viele Tippfehler drin (auf der verlinkten Seite) ab dem heutigen Tag bis Ende Jahr. Das grobe krieg ich aber noch alleine hin. Falls aber hier im Forum dann immernoch Tippfehler da sind, würde ich mich freuen, wenn die gemeldet werden.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 27. Mai 2017, 13:50

Hl. Jungfrau Maria Magdalena von Pazzi 29. Mai
Lesung 4-6

Maria Magdalena stammte aus dem vornehmen Geschlecht der Pazzi in Florenz. Schon fast von der Wiege an ging sie den Weg der christlichen Vollkommenheit. Mit 10 Jahren gelobte sie ewige Jungfräulichkeit; im Kloster der heiligen Maria von den Engeln nahm sie den Schleier der Karmeliterinnen und erwies sich als ein Muster aller Tugenden. Sie war so keusch, daß ihr alles, was die heilige Reinheit verletzen konnte, völlig fremd war. 5 Jahre brachte sie auf Gottes Geheiß nur mit Wasser und Brot zu; nur an den Sonntagen machte sie eine Ausnahme und nahm Fastenspeisen zu sich. Ihren Leib tötete sie mit einem Bußkleid durch Geißeln, Ertragungen von Kälte und Hunger, durch Nachtwachen, Barfußgehen und alle möglichen Arten von Entbehrungen ab. Das Feuer der Gottesliebe war so mächtig in ihr, daß sie es nicht mehr aushalten konnte und mit Wasser ihre Brust abkühlen mußte. Oft war sie den Sinnen ganz entrückt und hatte lange wundersame Verzückungen, wobei sie himmlische Geheimnisse schauen durfte und von Gott mit hohen Gnaden überhäuft wurde. Hier erhielt sie auch die Kraft, einen langen Kampf mit dem Fürsten der Finsternis zu bestehen; sie litt an geistiger Trockenheit, Trostlosigkeit, gänzlicher Verlassenheit und wurde von mannigfachen Versuchungen heimgesucht. Gott ließ dies zu, damit sie ein Muster unbesiegbarer Geduld und tiefster Demut werde. Gegen den Nächsten zeigte sie eine ganz besondere Liebe. Oft brachte sie ganze Nächte schlaflos zu, entweder um ihren Mitschwestern die Arbeit abzunehmen oder um Kranke zu pflegen; deren Geschwüre heilte sie auch manchmal durch einen Kuß. Heiße Tränen vergoß sie über das Unglück der Ungläubigen und Sünder und erbot sich, für ihre Rettung jegliches Leiden auf sich zu nehmen. Viele Jahre vor ihrem Tode verzichtete sie heldenmütig auf alle himmlischen Tröstungen, die sie vorher so reichlich genossen; das Wort, das sie häufig im Munde führte, war: Leiden, und nicht sterben! Nach langer, schwerer Krankheit ging sie schließlich zum himmlischen Bräutigam am 25. Mai 1607, 41 Jahre alt. Im Leben und nach dem Tode wurde sie durch viele Wunder verherrlicht. Darum nahm Klemens IX. sie in die Zahl der heiligen Jungfrauen auf. Ihr Leib ist heute noch unverwest.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 27. Mai 2017, 14:03

Montag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn

Lesung 4-6
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Als Christus zum Himmel auffuhr, brachte er dem Vater die Erstlinge unserer Natur dar. Der Vater blickte mit Bewunderung auf diese Gabe, einerseits wegen der Würde dessen, der sie darbrachte, andererseits auch wegen der Makellosigkeit der Gabe selbst. Er nahm die Gabe bei der Hand, führte sie zu seinem Throne, ja, was noch mehr ist, er setzte sie zu seiner Rechten. Wir wollen sehen wer der ist, der hören durfte: Setze dich zu meiner Rechten! und was für eine Natur es war, zu der Gott sagte: Teile mit mir meinen Thron! Es ist jene Natur, die einst das Wort hören mußte: Du bist Staub, und sollst wieder zu Staub werden. Es war ihm nicht genug, in die Vollkommenheit des Himmels einzuziehen und bei den Engeln zu sein. Er drang vielmehr in den Himmel ein, stieg empor über die Cherobim, erhob sich über die Seraphim und machte nicht eher Halt, als bis er den Thron des Herrn erreicht hatte. Bedenke doch, welch ein Abstand ist zwischen Himmel und Erde, ja, wie weit die Hölle von der Erde entfernt ist, wie weit es ist im Himmel bis zu den obersten Sphären, von da bis zu den Engeln, bis zu den höchsten Mächten, bis zum Throne Gottes selbst! Über all das wurde unsere Natur emporgehoben; der Mensch, der so tief gefallen war, daß er nicht tiefer hätte sinken können, wurde zu einem so erhabenen Throne emporgehoben, daß er nicht mehr höher steigen konnte. Das meint auch Paulus, wenn er sagt: Der hinabstieg, ist derselbe, der auch hinauffuhr. Und wiederum. Er stieg herab auf die Erde hier unten und stieg empor über alle Himmel. Merkt euch also, wer da aufgefahren ist und welche Natur erhoben wurde! Ich verweile gern bei diesem Gegenstand. Wenn wir an das ganze Menschengeschlecht denken, dann können wir nur staunen über die Güte Gottes, der eine solche Ehre und Herrlichkeit unserer Natur verliehen hat. Heute sah man sie erhöht über alles andere; heute sahen sie Engel und Erzengel, wie unsere Natur auf dem Throne des Herrn in unvergänglicher Herrlichkeit glänzte.

Lesung 7-9
Markus 16, 14-20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und sitzet zur Rechten Gottes. Aus der Heiligen Schrift des Alten Bundes wissen wir, daß Elias zum Himmel emporgefahren ist. Allein als Himmel wird sowohl der Luftraum, als auch der Ätherraum bezeichnet. Der Luftraum ist der Erde am nächsten: deswegen sprechen wir auch von den Vögeln des Himmels, weil wir sie in der Luft herumfliegen sehen. Elias ist also in den Luftraum entrückt worden; Er wurde an eine verborgene Stelle der Erde versetzt und soll dort in großer körperlicher und geistiger Ruhe leben, bis er am Ende der Welt wiederkommt und dem Tode seinen Tribut zahlt. Denn der Tod ist für ihn nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Unser Erlöser hat aber den Tod nicht nur hinausgeschoben, sondern besiegt; er hat ihn durch seine Auferstehung vernichtet und hat seine glorreiche Auferstehung durch seine Himmelfahrt besiegelt. Zu beachten ist auch, daß von Elias berichtet wird, er sei auf einem Wagen aufgefahren; so sollte offenbar gezeigt werden, daß ein bloßer Mensch die Hilfe anderer braucht; diese wurde ihm von Engeln geleistet, und zwar in sichtbarer Weise. Er konnte sich also aus eigener Kraft nicht einmal in den Luftraum erheben, da seine schwache Natur ihn zur Erde zog. Von unserem Erlöser hingegen wird nicht berichtet, daß er von einem Wagen oder durch Engelshand emporgetragen wurde; vielmehr schwang er, der alles erschaffen hatte, sich durch eigene Kraft über alles empor. Er kehrte nämlich dahin zurück, wo er schon war, ohne von da wegzugehen, wo er immer bleibt; denn als er mit seiner Menschheit in den Himmel auffuhr, erfüllte er mit seiner Gottheit Himmel und Erde zugleich. Gleichwie Joseph, der von seinen Brüdern verkauft wurde, den Verkauf unseres Erlösers vorbildete, so haben auch Henoch, der an einem anderen Platz entrückt wurde, und Elias, der in den Luftraum emporgetragen wurde, die Himmelfahrt des Herrn vorgebildet. Der Herr hatte also zwei Vorboten und Zeugen seiner Auffahrt, einer vor dem Gesetze, den anderen unter dem Gesetze. Zur rechten Zeit kam er dann selbst und ging in den Himmel ein. So läßt sich bei der Auffahrt dieser Männer eine gewisse Abstufung und Steigerung feststellen. Von Henoch heißt es, er sei entrückt worden, von Elias, er sei zum Himmel emporgefahren; zuletzt kam dann der, der weder entrückt, noch emporgetragen wurde, sondern der aus eigener Kraft in den höchsaten Himmel einging.

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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 29. Mai 2017, 14:37

Dienstag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn
Lesung 4-6
Predigt des hl. Bischofs Maximus

Meine Lieben! Ihr erinnert euch, wie ich den Erlöser mit jenem Adler verglichen habe, von dem wir im Psalme lesen: die Jugend erneuert sich wie die des Adlers. Zwischen beiden besteht tatsächlich eine nicht geringe Ähnlichkeit. Wie der Adler die Erde unten liegen läßt, sich in die Höhe schwingt und dem Himmel nahe zu kommen sucht, so hat auch der Heiland die Tiefen der Unterwelt verlassen, hat zu den Höhen des Paradieses sich aufgeschwungen und ist bis zu den höchsten Regionen des Himmels vorgedrungen. Und wie der Adler den Schmutz der Erde unter sich läßt, sich in die Höhe erhebt und an der frischen, reinen Luft sich labt, so schwang auch der Herr über den Sündenschmutz auf Erden sich empor, erhob sich auf den Flügeln seiner Heiligen und erfreut sich eines reinen , lauteren Lebens. So passt also das Bild des Adlers vollkommen auf unsern Erlöser. Aber was sagen wir dazu, daß der Adler oft nach Beute ausfliegt und häufig fremdes Eigentum wegnimmt? Doch auch hierin ist ihm der Erlöser nicht unähnlich. Denn auch er holte sich sozusagen eine Beute, da er den Menschen, dessen Natur er angenommen hatte, der Hölle entriß und ihn in den Himmel führte, da er ihn, als er unter der Gewalt eines anderen, nämlich des Teufels, stand, aus der Knechtschaft befreite und den Gefangenen zum Himmel führte, wie es beim Propheten geschrieben steht: Er fährt auf in die Höhe und führt mit sich die Gefangenen und gibt Geschenke den Menschen. Er fährt auf in die Höhe, heißt es, und führt mit sich die Gefangenen. Wie herrlich beschreibt der Prophet den Triumph des Herrn! Es war Sitte, so wird berichtet, daß vor dem Wagen der triumphierenden Könige eine Schar von Gefangenen einherzog. Seht, wie der Herr zum Himmel auffuhr, da zog nicht vor ihm her, sondern da begleitete ihn eine glorreiche Schar von Gefangenen; sie wurden nicht vor seinem Wagen hergeführt, sondern sie selbst hoben den Heiland in die Höhe. Während der Gottessohn den Menschensohn zum Himmel erhob, da wurden auch die Gefangenen mit emporgetragen und trugen selbst geheimnisvollerweise den Heiland empor.

Lesung 7-9
Markus 16, 14-20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Nun wollen wir überlegen, was es bedeutet, daß Markus schreibt: Er sitzt zur Rechten des Vaters; Stephanus hingegen sagt: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Was soll das bedeuten, daß Markus ihn sitzen, Stephanus ihn aber stehen sieht? Brüder, ihr wißt es ja, daß das Sitzen dem Richter zukommt, das Stehen aber dem Kämpfer oder einem, der dem Kämpfer Hilfe leistet. Weil also unser Erlöser, nachdem er in den Himmel aufgenommen wurde, nun schon fast alles richtet und vor allem am jüngsten Tage als Richter über die ganze Welt kommen wird, darum schreibt Markus, daß er nach seiner Himmelfahrt auf dem Throne sitze; nach seiner glorreichen Auffahrt wird er ja als Richter am Ende der Welt erscheinen. Stephanus aber stand mitten im harten Kampf; er sah ihn stehen, weil er ihn zum Helfer hatte; denn damit er auf Erden über den Unglauben seiner Verfolger siegen konnte, stritt vom Himmel her die Gnade des Herrn für ihn. Dann heißt es: Sie aber gingen hin und predigten überall, und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte ihr Wort durch die darauffolgenden Wunder. Woran anders sollen wir hier denken, was anders in unserem Gedächnis einprägen, als daß auf den Befehl der Gehorsam, auf den Gehorsam die Wunderzeichen gefolgt sind? Da wir nun mit Gottes Hilfe den Abschnitt des Evangeliums kurz erklärt haben, bleibt nur noch übrig, daß wir über den Inhalt des hohen Festgeheimnisses selbst etwas sagen.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 29. Mai 2017, 14:40

Hl. Papst und Martyrer Felix I. 30. Mai
Felix stammte aus Rom; sein Vater hieß Konstantin. Er regierte die Kirche zur Zeit des Kaisers Aurelian. Er bestimmte, daß die heilige Messe über den Gräbern und Reliquien der Martyrer gefeiert werde. Im Monat Dezember nahm er zwei Weihen vor und weihte 9 Priester, 5 Diakone und 5 Bischöfe für die verschiedenen Orte. Er erlitt den Martertod und wurde an der Aurelianischen Straße beigesetzt in der Basilika, die er selbst gebaut und eingeweiht hatte. Er regierte als Papst 2 Jahre, 4 Monate und 29 Tage.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 29. Mai 2017, 14:41

Hl. Jungfrau Angela Merici 31.Mai
Lesung 4 -6
Angela Merici wurde in dem Städtchen Desenzano am Gardasee in der Diözese Verona, im Gebiet von Venedig von frommen Eltern geboren. Von früher Jugend an hütete sie mit großer Sorgfalt die Lilie der Jungfräulichkeit; sie hatte sich vorgenommen, sie allzeit zu bewahren. Jeder weibliche Schmuck war ihr abhold; absichtlich entstellte sie ihr schönes Antlitz und ihr herrliches Haar, um nur dem himmlischen Seelenbräutigam zu gefallen. In der Blüte der Jugend verlor sie ihre Eltern; nun versuchte sie vor Verlangen nach einer strengeren Lebensweise in die Einsamkeit zu flüchten, aber von ihrem Onkel wurde sie daran gehindert. Sie aber lernte es, zu Hause das zu üben, was ihr in der Einsamkeit nicht vergönnt war. Sie trug ein Bußkleid und geißelte sich häufig; Fleisch nahm sie nur, wenn sie krank war, Wein nur an den Festen der Geburt und der Auferstehung des Herrn; oft nahm sie mehrere Tage lang überhaupt nichts. Sie übte fleißig das Gebet und gönnte sich nur einen kurzen Schlaf auf dem bloßen Boden. Als einst der Teufel in der lichten Gestalt eines Engels sie zu täuschen versuchte, erkannte sie ihn sogleich und schlug ihn in die Flucht. Schließlich verzichtete sie auf ihr väterliches Erbe, nahm das Gewand des Dritten Ordens vom heiligen Franziskus und übte neben der Jungfräulichkeit auch die evangelische Armut. Dem Nächsten versagte sie keinen Liebesdienst; was von den Lebensmitteln, die sie sich erbettelte, übrig blieb, schenkte sie den Armen. Freudig diente sie den Kranken; vielerorts tröstete sie die Betrübten, erlangte den Verurteilten Begnadigung, versöhnte die Entzweiten, zog die Sünder aus dem Schmutz der Laster. Der Ruf der Heiligkkeit ging ihr überall voraus. Häufig stärkte sie sich mit dem Brot der Engel; dies war ihre einzige Sehnsucht; dabei ward sie von solcher Liebesglut zu Gott entflammt, daß sie oftmals ihrer Sinne entrückt wurde. Die heiligen Stätten Palästinas besuchte sie mit großer Andacht. Auf dieser Reise verlor sie bei der Landung an der Küste von Kydon das Augenlicht, erhielt es aber bei der Rückkehr am gleichen Ort wieder. Mit Gottes Hilfe entging sie der Gefangennahme durch die Barbaren und einem drohenden Schiffbruch. Schließlich ging sie nach Rom, um den festen Felsen der Kirche zu verehren und um den großen Jubiläumsablaß zu gewinnen. Es war unter dem Pontifikat Klemens VIII. Der Papst kam mit ihr ins Gespräch, erkannte ihre Heiligkeit und rühmte sie sehr. Er ließ sie auch nicht eher von Rom fort, als bis er erkannte, daß sie von Gott für etwas anderes berufen sei. Nach Brescia zurückgekehrt, mietete sie sich ein Haus neben der Kirche der heiligen Afra und gründete dort nach einer bestimmten Lebensweise auf Grund einer heiligen Regel eine neue Genossenschaft von Jungfrauen, wie es ihr durch eine himmlische Stimme und eine Erscheinung aufgetragen worden war. Sie stellte sie unter den Schutz der heiligen Ursula, der unbesiegbaren Führerin einer Jungfrauenschar, und nannte sie nach deren Namen. Kurz vor ihrem Tode sagte sie den dauernden Bestand dieser Genossenschaft voraus. Fast 70 Jahre alt, ging sie, reich an Verdiensten, am 27. Januar 1540 in den Himmel ein. Ihr Leichnam lag 30 Tage lang unbestattet, blieb aber biegsam, genau so wie ein lebendiger Körper. Schließlich wurde sie in der Kirche der heiligen Afra neben den anderen Heiligenreliquien, an denen diese Kirche reich ist, bestattet. An ihrem Grabe geschahen bald sehr viele Wunder. Die Kunde hiervon verbreitete sich immer mehr; bald hieß sie nicht nur in Brescia und Desenzano, sondern auch in anderen Städten allgemein die Selige, und ihr Bild wurde auf den Altären aufgestellt. Ja, selbst der heilige Karl Borromäus erklärte wenige Jahre später zu Brescia öffentlich, sie verdiene es, vom Apostolischen Stuhl in die Zahl der heiligen Jungfrauen aufgenommen zu werden. Die Verehrung, die ihr vom Volke schon längst erwiesen wurde, die von den Bischöfen gebilligt und selbst von mehreren Päpsten huldvoll in Schutz genommen worden war, hat Papst Klemens XIII. in einem feierlichen Dekret genehmigt und bestätigt. Papst Pius VII. hat sie dann, als sie durch neue Wunder verherrlicht wurde, nach ordentlicher Prüfung dieser Wunder am 24. Mai 1807 in der Peterskirche feierlich heilig gesprochen und in die Zahl der heiligen Jungfrauen aufgenommen.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 29. Mai 2017, 14:48

Mittwoch in der Oktav von Himmelfahrt
Lesung 4-6
Predigt des hl. Gregor von Nyssa

Den heutigen Festtag, der an sich schon groß genug ist, macht der Prophet David noch schöner dadurch, daß er durch seine Psalmen zur Erhöhung der Festtagsfreude beiträgt. Dieser erhabene Prophet schwingt sich empor, als würde er von der Last des Körpers nicht mehr zur Erde herabgezogen, er mischt sich unter die himmlischen Mächte und kündet uns, was sie riefen, als sie den Herrn bei seiner Rückkehr in dem Himmel begleiteten. Da riefen sie den Engeln, die auf Erden weilen und deren Obhut der Herr bei seinem Eintritt in das irdische Leben anvertraut war, zu: Öffnet eure Tore, ihr Fürsten! Tut euch auf, ihr ewigen Tore, daß einziehen kann der König der Herrlichkeit! Doch der Herr, der alles umfasst, richtet sich überall, wo er ist, nach dem Grade der Aufnahmefähigkeit derer, die ihn sehen und hören. So wurde er unter den Menschen ein Mensch; und auch, wenn er unter Engeln weilt, passt er sich derer Ausdrucksweise an. Die Torwächter fragten nun: Wer ist dieser König der Herrlichkeiten? Und sie erhielten die Antwort: Der Heldenstarke, der Kriegsgewaltige. Der Herr war ja ausgezogen zum Kampf wider den, der die menschliche Natur in Knechtschaft und Gefangenschaft hielt; er wollte den besiegen, dem die Macht des Todes gegeben war; er wollte den schlimmen Feind bezwingen und das Menschengeschlecht zur Freiheit und zum Frieden führen. Die Torwächter eilten ihm entgegen und ließen die Tore öffnen, damit er in die Herrlichkeit des Himmels wieder einziehe. Jedoch sie erkannten ihn nicht, weil er das armselige Gewand unserer Menschennatur angezogen hatte, weil sein Kleid gerötet war in der Kelter menschlicher Leiden. Darum fragten sie nochmals seine Begleiter: Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Die Antwort lautete jetzt nicht mehr: Der Heldenstarke, der Kriegsgewaltige; sondern: der Herr der Heerscharen: Er der die Macht über die ganze Welt besitzt, der alles unter sich vereinigt, der alles in seinem Urzustand wieder hergestellt hat, er ist der König der Herrlichkeit.

Lesung 7-9
Markus 16, 14-20
Aus der Auslegung des hl. Papstes Gregor

Zuerst müssen wir fragen, warum von den Engeln, die bei der Geburt des Herrn erschienen, nicht berichtet wird, daß sie weiße Kleider getragen haben; hingegen lesen wir, daß bei der Himmelfahrt des Herrn Engel in weißen Kleidern erschienen. Denn so steht geschrieben: er ward vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke entzog ihn ihren Blicken; und als sie ihm nachschaueten, wie er in den Himmel fuhr, siehe, da standen zwei Männer neben ihnen in weißem Gewande. Weiße Kleider sind ein Ausdruck der Freude und der Festtagsstimmung. Was war also der Grund, daß die Engel nicht bei der Geburt, sondern bei der Himmelfahrt des Herrn in weißen Gewändern erschienen? Sicher nur der, weil es ein großer Festtag für die Engel war, als der Gottmensch in den Himmel einzog. Denn bei der Geburt des Herrn erschien die Gottheit in der Erniedrigung; bei seiner Himmelfahrt aber wurde die menschliche Natur erhöht. Weiße Kleider passen doch besser für die Erhöhung, als für die Erniedrigung. Bei seiner Aufnahme in den Himmel also mußten die Engel in weißem Gewande erscheinen; denn er, der bei seiner Geburt als Gott in Niedrigkeit erschien, zeigte sich bei seiner Himmelfahrt als Mensch in Glanz und Herrlichkeit. Geliebteste Brüder! Am heutigen Festtag müssen wir auch daran denken, daß gerade heute der Schuldbrief unserer Verdammung vernichtet und das über uns ergangene Todesurteil aufgehoben wurde. Denn die Natur, zu der einst gesagt wurde: Du bist Staub und wirst wieder zum Staube zurückkehren, diese Natur durfte heute in den Himmel eingehen. Im Hinblick auf diese Erhöhung unserer Natur nennt der selige Job unseren Herrn bildlich einen Vogel. Weil er voraussah, daß das Judenvolk das Geheimnis seiner Himmelfahrt nicht verstehen werde, darum schilderte er seinen Unglauben mit den Worten: Es kennt den Weg des Vogels nicht. Mit Recht nennt er den Herrn einen Vogel, weil er seinen Leib zum Himmel emporgeschwungen hat; und wer nicht glaubt, daß er zum Himmel aufgefahren ist, der kennt den Weg des Vogels nicht. Von diesem Fest sagt der Psalmist: Hin über Himmelsweiten ausgebreitet leuchtet deine Pracht. Und an anderer Stelle: Gott ist aufgefahren unter Jubelklang, der Herr beim Schalle der Posaunen. Und nochmals heißt es: Er fährt in die Höhe und führt mit sich die Gefangenen und teilt Geschenke an die Menschen aus. Als er nämlich in den Himmel auffuhr, führte er mit sich die Gefangenen; denn er nahm unsere Sterblichkeit durch die Kraft seiner Unsterblichkeit hinweg. Geschenke hat er an die Menschen ausgeteilt, als er seinen Geist vom Himmel sandte, Dem einen das Wort der Weisheit, dem anderen das Wort der Wissenschaft, einem anderen die Gabe, Wunder zu wirken, einem anderen die Gabe zu heilen, einem anderen die Sprachengabe, einem anderen die Auslegung der Reden.


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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 31. Mai 2017, 13:28

Am Oktavtag der Himmelfahrt des Herrn
Lesung 4-6
Predigt des hl. Bischofs Augustinus

Geliebteste! Alle Wunder, die der Herr Jesus Christus hinieden in unserer schwachen Menschennatur wirkte, sind uns zum Nutzen. Als er die menschliche Natur über die Sterne emporhob, zeigte er, daß den Gläubigen der Himmel offen steht; als er sich als Sieger über den Tod zum Himmel schwang, zeigte er den Siegern, wohin sie ihm folgen sollten. Die Himmelfahrt des Herrn war also eine Bekräftigung des katholischen Glaubens, damit wir in Zukunft gläubig dieses gnadenbringende Wunder annehmen, nachdem wir schon jetzt seine Wirkung erfahren haben. Jeder Gläubige soll, da er jetzt schon so große Gnaden verkostet hat, durch die, die er bereits erhalten hat, lernen, auch auf die verheißenen zu warten, und soll so die in Vergangeheit und Gegenwart empfangene Güte Gottes gleichsam als Bürgschaft für die Zukunft betrachten. Über die Höhen des Himmels wird also der irdische Leib emporgehoben. Die kurz zuvor noch in dem engen Grabe eingeschlossenen Gebeine werden unter die Schar der Engel eingereiht; die sterbliche Natur wird in den Schoß der Unsterblichkeit aufgenommen. Dies bezeugt der heilige Bericht der Apostelgeschichte: Als er dieses gesagt hatte, ward er vor ihren Blicken emporgehoben. Wenn du hörst: emporgehoben, so denke an die ihm dienstbaren Heerscharen. Der heutige Festtag kündet uns also die geheimnisvolle Begnadigung Gottes und des Menschen. In einer und derselben Person musst du zweierlei anerkennen: In dem, der ihn emporträgt, den allmächtigen Gott, in dem aber, der emporgetragen wird, einen wirklichen Menschen. Ganz verwerflich ist daher das Gift jener vom Morgenland gekommenen Irrlehre, die aus gottloser Neuerungssucht zu behaupten wagt, der Gottessohn und Menschensohn habe nur eine Natur. Jedesmal verfällt man einem Irrtum: Wenn man ihn für einen bloßen Menschen hält, leugnet man in ihm die Majestät des Schöpfers; bezeichnet man ihn nur als Gott, dann leugnet man die Barmherzigkeit des Erlösers. Unter diesen Umständen kann auch ein Arianer nicht leicht die Wahrheit des Evangeliums für sich in Anspruch nehmen, wo wir doch vom Sohne Gottes einmal lesen, er sei dem Vater gleich, das andere mal, er sei kleiner als dem Vater. Wer nämlich in verderblicher Verblendung glaubt, unser Erlöser besitze nur eine Natur, der muß folgerichtig sagen, entweder es sei nur ein Mensch oder nur Gott gekreuzigt worden. Aber es ist nicht so. Denn wenn er nur Gott wäre, hätte er den Tod nicht erleiden, wenn er nur Mensch, ihn nicht besiegen können.

Lesung 7-9
Mark. 16, 14-20
Aus der Auslegung des hl. Papstes Gregor

Von der glorreichen Himmelfahrt des Heilandes sagt auch Habakuk: Die Sonne erhob sich, und der Mond stand auf seiner Bahn. Wer soll sonst mit dem Ausdruck Sonne gemeint sein, als der Herr, und wer sonst mit dem Ausdruck Mond als die Kirche? Denn bis zur Himmelfahrt des Herrn fürchtete sich die Kirche gar sehr vor den Verfolgungen der Welt. Durch seine Himmelfahrt aber wurde sie gestärkt und verkündigte nun offen, was sie schon vorher im geheimen geglaubt hatte. Die Sonne also erhob sich, und der Mond stand auf seiner Bahn. Nachdem nämlich der Herr in den Himmel aufgefahren war, breitete sich die Kirche durch ihre machtvolle Predigt aus. Deswegen sagt Salomon im Namen der Kirche: Seht, er kommt, springend über die Berge und hüpfend über die Hügel. Salomon sah im Geiste die hohen, erhabenen Pläne Gottes und sprach: Siehe, er kommt, springend über die Berge. Als er nämlich kam uns zu erlösen, hat er, wenn ich mich so ausdrücken darf, einige Sprünge gemacht. Geliebteste Brüder! Wollt ihr wissen welche Sprünge er machte? Vom Himmel kam er in den Schoß der Mutter, vom Mutterschoß in die Krippe, von der Krippe an das Kreuz, vom Kreuz in das Grab und vom Grabe kehrte er in den Himmel zurück. Seht! Um uns schnell nach sich zu ziehen, machte die im Fleisch erschienene Wahrheit für uns gleichsam einige Sprünge; sie frohlockte, so heißt es, wie ein Riese, zu laufen ihren Weg, auf daß wir von Herzen rufen können: Ziehe uns! Wir wollen nacheilen, dem Wohlgeruch deiner Salben nach. Geliebteste Brüder! Wir müssen nun dem Herr im Geiste dorthin folgen, wohin er, wie wir glauben, dem Leibe nach aufgestiegen ist. Wir wollen die irdischen Gelüste fliehen; nichts soll uns mehr auf dieser niederen Erde Freude machen, da wir einen Vater im Himmel haben. Ernstlich wollen wir erwägen, daß der, der voll Sanftmut zum Himmel aufgefahren ist, in furchtbarer Majestät einst wiederkommen wird und alles, was er voll Milde uns befohlen hat, in aller Strenge von uns fordern wird. Keiner soll darum die Zeit, die ihm zur Buße noch geschenkt wird, mißachten. Keiner soll die Sorgen für sein eigenes Heil vernachlässigen, solange es Zeit ist. Denn unser Erlöser wird im Gerichte um so strenger gegen uns verfahren, je mehr er vorher mit uns Geduld gehabt hat.


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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von ad-fontes » Donnerstag 1. Juni 2017, 09:27

ad-fontes hat geschrieben:
Freitag 26. Mai 2017, 09:38
Marion hat geschrieben:
Donnerstag 25. Mai 2017, 16:28
Freitag in der Oktav von Himmelfahrt
Lesung 4-6
Predigt des hl. Papstes Leo

Geliebteste! Unsere gnadenvolle Erlösung, die der Weltenschöpfer den Preis seines Blutes wert erachtete, ist nun gemäß dem Ratschluß seiner Erniedrigung von dem Tage seiner leiblichen Geburt an bis zum Ende seines Leidens vollbracht worden. Und wenn auch durch seine Knechtsgestalt viele Zeichen seiner Gottheit hindurchstrahlten, so diente doch sein ganzes Wirken während dieser Zeit hauptsächlich dazu, die Wirklichkeit der von ihm angenommenen Menschennatur zu bezeugen. Nach seinem Leiden aber zerrissen die Bande des Todes; da verlor dieser seine Gewalt, weil er auch an den sich herangemacht hatte, der die Sünde nicht kannte. Da ging die Schwäche in Allmacht, die Sterblichkeit in Unsterblichkeit, die Schmach in Herrlichkeit über; diese offenbarte der Herr Jesus Christus in zahlreichen offenkundigen Erscheinungen vor den Augen vieler, bis er seinen herrlichen Sieg, den er über den Tod errungen, auch in den Himmel hineintrug. Wie also beim Osterfest die Auferstehung des Herrn der Grund unserer Freude war, so ist heute seine Himmelfahrt der Gegenstand unserer Freude; denn wir begehen und feiern in gebührender Weise jenen Tag, an dem unsere niedrige Menschennatur in Christus über die ganze himmlische Heerschar, über alle Chöre der Engel, selbst über die höchsten himmlischen Mächte bis zu Gottes, des Vaters, Thron erhoben wurde. Durch diese glanzvollen Werke Gottes sind wir fest gegründet und auferbaut worden. Die Gnade Gottes sollte um so wundervoller sich zeigen, wenn den Blicken der Menschen entschwand, was mit Recht Ehrfurcht erwecken mußte, und wenn dennoch der Glaube nicht nachließ, die Hoffnung nicht wankte und die Liebe nicht erkaltete. Denn darin zeigt sich die Kraft großer Geister und die Erleuchtung gläubiger Seelen, wenn sie unerschüttlich glauben, was man mit dem Auge des Leibes nicht schauen, und wenn ihre Sehnsucht sich dort hinrichtet, wo der Blick nicht hindringen kann. Wie sollte auch diese fromme Gesinnung in unseren Herzen erwachen, oder wie könnte einer durch den Glauben gerechtfertigt werden, wenn unser Heil nur in dem begründet wäre, was uns vor Augen liegt? Daher hat auch der Herr jenem Manne, der an seiner Auferstehung zweifeln wollte, wenn er nicht an seinem Leibe die Leidensspuren schauen und betasten und prüfen könnte, gesagt: Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du; selig, die nicht sehen und doch glauben.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
Könntest du die Lesungen der dritten Nokturn (Homilie 29 des hl. Papstes Gregor) noch nachtragen? Würde mich auch freuen, die gestrige Homilie in der Übersetzung von Schenk kennenzulernen.
Danke dir für den Nachtrag zum Fest der Himmelfahrt. Zum Freitag in der Oktav fehlt auch auf deinem Blog die Homilie (7.-9. Lesung). Hat das einen bestimmten Grund?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 1. Juni 2017, 14:35

ad-fontes hat geschrieben:
Donnerstag 1. Juni 2017, 09:27
Hat das einen bestimmten Grund?
Nein

Freitag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn
Lesung 7-9
Mark. 16, 14-20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Wer glaubt und sich taufen läßt, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Vielleicht denkt nun ein jeder bei sich: Ich glaube, also werde ich selig. Das ist wahr, wenn seine Werke dem Glauben entsprechen. Denn wahr ist der Glaube nur dann, wenn einer dem, was er in Worten behauptet, mit den Werken nicht widerspricht. So kommt es, daß Paulus von einigen falschen Gläubigen sagt: Sie geben vor Gott zu kennen, aber mit den Werken verleugnen sie ihn. Darum sagt auch Johannes: Wer sagt er kenne Gott, hält aber seine Gebote nicht, der ist ein Lügner. Wenn sich die Sache so verhält, dann müssen wir die Echtheit unseres Glaubens nach unserem Lebenswandel beurteilen. Denn nur dann sind wir wahrhaft gläubig, wenn wir im Werke vollbringen, was wir mit Worten versprechen. Am Tage unserer Taufe haben wir das Versprechen gegeben, allen Werken des alten Feindes und aller seiner Pracht zu entsagen. Ein jeder von euch stelle daher mit sich selbst eine ernste Prüfung an, und wenn er nach der Taufe das hält, was er vorher gelobt hat, so mag er sicher sein, daß er ein wahrer Gläubiger ist, und sich darüber freuen. Wenn er aber sein Versprechen nicht gehalten hat, wenn er sich zu bösen Werken und zum Verlangen nach irdischer Pracht hat verleiten lassen, dann wollen wir sehen, ob er das, was er gefehlt hat, beweinen will. Denn vor dem barmherzigen Richter wird keiner als Abtrünniger behandelt, der zur Wahrheit zurückkehrt, nachdem er ihr untreu geworden; und der allmächtige Gott bringt dann bei seinem Gerichte unsere Fehler nicht mehr vor, da er unsere Buße gerne aufnimmt.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 1. Juni 2017, 14:45

Freitag nach der Oktav der Himmelfahrt des Herrn
Lesung 4-9
Aus der Predigt des hl. Bischofs Augustinus

Geliebteste! Wenn unser Heiland nicht in unserem Fleische den Teufel überwunden hat, dann war sein Kampf ein bloßes Spiel, kein Sieg zu unserem Heile. Wenn er nicht mit unserem Leibe auferstanden ist, dann hat er unserer Natur durch seine Auferstehung nichts genützt. Wer das behauptet, versteht nicht den Sinn der Menschwerdung, der bringt Verwirrung in die Heilsordnung und nimmt ihr allen Wert. Wenn er nicht in unserem Fleische die Erlösung vollbrachte, dann hat er vom Menschen nur die niedrige Geburt sich erwählt. Doch ferne sei von uns eine solche gefährliche Meinung! Von uns ist, was er hingegeben, von ihm was er uns geschenkt hat. Mein Leib war es, so gestehe ich, der ins Grab sank, damit auch mir die Auferstehung zuteil werde. Mein Leib war es, der im Grabe lag, damit auch mir die Himmelfahrt ermöglicht werde. In dem Leibe unseres Menschentums also hat der Tod Christi und das Leben gebracht, hat seine Auferstehung uns aufgerichtet und seine Himmelfahrt uns geheiligt. In dem Leibe unserer Menschheit hat er im Himmelreich das Unterpfand für unsere einstige Aufnahme in den Himmel hinterlegt. Darum wollen wir uns bemühen, Geliebteste, daß auch wir, so wie der Herr am heutigen Tage mit unserem Leibe zu den himmlischen Höhen aufgefahren ist, mit allen Kräften unsere Hoffnung dorthin richten und ihm im Geiste folgen. Schwingen wir uns mit ihm empor im Geiste und in Wirklichkeit, selbst mit Hilfe unserer Fehler und Leidenschaften! Denn ein jeder von uns, der sich bemüht, sie zu unterdrücken, und sich gewöhnt sie niederzutreten, kann sie sozusagen als Stufenleiter benutzen, auf den er zu den seligen Höhen emporsteigt. Sie werden uns emporheben, wenn sie unter uns liegen. Wir machen uns also eine Leiter aus unseren Fehlern, wenn wir sie niedertreten. Denn mit dem Urheber des Guten kann sich das Böse nicht erheben, mit dem Sohne der Jungfrau nicht Leidenschaft und Wollust. Laster können sich nicht erheben mit dem Vater der Tugend, Sünden nicht mit dem Gerechten, Schwachheiten und Krankheiten nicht mit dem Arzte. Wenn wir daher eingehen wollen in das Reich des Arztes, müssen wir zuvor unsere Wunden heilen. Sorgen wir stets für die rechte Ordnung zwischen Leib und Seele, damit der niedere Teil, der Leib, den höheren, die Seele, nicht in den Abgrund reiße. Vielmehr soll der vornehmere Teil unserer Natur den Leib heiligen und für den Himmel gewinnen. Dazu helfe uns der, der lebt und regiert in alle Ewigkeit! Amen!


Joh. 15, 26-27 16, 1-4
Aus der Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Am Pfingstage kam der Heilige Geist auf 120 Personen herab, die im Saale versammelt waren; darunter waren auch sämtliche Apostel. Sie wurden von ihm erfüllt und redeten die Sprache aller Völker. Voll staunen über dieses Wunder bekehrten sich daraufhin viele von den Anwesenden. Sie sahen ja, wie Petrus in seiner Predigt ein großes und göttliches Zeugnis von Christus ablegte, und zeigte, daß er, der von ihnen gekreuzigt worden und den sie zu den Toten rechneten, wirklich auferstanden war und lebte. Da gingen sie in sich und erlangten Verzeihung für ihre Schuld, daß sie dieses teure Blut so gottlos und herzlos vergoßen hatten. Und sie erlangten Vergebung gerade durch das Blut, das sie vergossen hatten. Denn das Blut Christi ist in solcher Fülle zur Vergebung aller Sünden verflossen, daß es sogar die Sünde tilgen konnte, durch die es vergossen wurde. Im Hinblick darauf sagte der Herr: Sie hassen mich ohne Ursache; und: Wenn aber der Tröster kommt, so wird er von mir Zeugnis geben. Gleichsam, als wollte er sagen: Sie haben mich gehaßt und getötet, als sie mich sahen; aber der Tröster wird ein solches Zeugnis von mir ablegen, daß er sie zum Glauben an mich führen wird, obwohl sie mich nicht sehen. Und auch ihr, fährt er fort, werdet Zeugnis geben, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Zeugnis wird also der Heilige Geist geben, und auch ihr werdet es tun. Weil ihr von Anfang an bei mir seid könnt ihr verkündigen was ihr wißt. Jetzt könnt ihr es noch nicht tun, weil euch noch die Fülle des Heiligen Geist fehlt. Er wird von mir Zeugnis geben; und auch ihr werdet Zeugnis geben. Denn die Liebe zu Gott wird euch Kraft geben, Zeugnis zu geben; sie wird durch den Heiligen Geist, der euch gegeben wird, in euren Herzen ausgegossen. Diese Kraft fehlte dem Petrus noch, als er, durch die Frage einer Magd eingeschüchtert, kein wahres Zeugnis ablegen konnte, sondern entgegen seinem Versprechen durch übergroße Furcht zu dreimaliger Verleumdung sich verleiten ließ. Diese Furcht ist aber in der Liebe nicht mehr zu finden; denn die vollkommene Liebe bannt alle Furcht. Vor dem Leiden des Herrn wurde seine sklavische Furcht von einer Sklavin geprüft, nach seiner Auferstehung aber seine hochherzige Liebe vom Urheber der Freiheit selbst. Deswegen geriet er auch dort in Verwirrung, hier bewahrte er eine heilige Ruhe. Dort verleugnete er den, den er geliebt hatte, hier liebte er den, den er verleugnet hatte. Aber auch hier war seine Liebe noch schwach und eng, bis der Heilige Geist sie stark und weit machte.

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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 1. Juni 2017, 14:57

Hll. Martyrer Marzellinus, Petrus und Bischof Erasmus 2. Juni
Der Exorzist Petrus wurde unter Kaiser Diokletian in Rom vom Richter Serenus wegen seines christlichen Glaubens in den Kerker geworfen; dort befreite er Paulina, die Tochter des Kerkermeisters Artemius, von einem bösen Geiste. Dies bewog die Eltern des Mädchens und ihre ganze Familie sowie die Nachbarn, die auf die Kunde von diesem unerhörten Geschehnis zusammenliefen, den Glauben an Jesus Christus anzunehmen. Petrus führte sie zum Priester Marzellinus, der sie alle taufte. Als Serenus dies erfuhr, ließ er Petrus und Marzellinus zu sich rufen, machte ihnen heftige Vorwürfe und fügte seinen scharfen Worten auch furchtbare Drohungen hinzu, wenn sie sich nicht von Christus lossagten. Mit christlichem Freimut trat ihm Marzellinus entgegen; da ließ er ihn mit Fäusten schlagen und, getrennt von Petrus, nackt in einen mit Glasscherben übersäten Kerker werfen. Ohne Nahrung und ohne Licht mußte er darin liegen. Ebenso ließ er Petrus in schwere Ketten legen. Aber durch diese Marterqualen wuchs ihr Glaubensmut nur noch mehr. Darum wurden sie schließlich enthauptet. So legten sie durch ihr standhaftes Bekenntnis ein herrliches Zeugnis für Jesus Christus ab. - Der Bischof Erasmus wurde unter den Kaisern Diokletian und Maximian in Campanien mit Bleiruten und Geißeln geschlagen und mit Harz, Schwefel, flüssigem Blei, siedendem Pech, Wachs und Öl übergossen, blieb aber dabei ganz unverletzt. Auf dieses Wunder hin bekehrten sich viele zum christlichen Glauben. Erasmus dagegen wurde wieder ins Gefängnis geworfen und in schwere eiserne Ketten gelegt, wurde aber durch einen Engel wunderbarerweise befeit. Hierauf ließ ihn Maximian zu Formiä noch auf mancherlei andere Weise peinigen und mit einem glühenden Eisenmantel bekleiden. Aber auch diese Leiden überstand er mit Gottes Kraft. Nachdem er viele im Glauben bestärkt und zum Glauben bekehrt hatte, errang er endlich die herrliche Marterkrone.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 1. Juni 2017, 15:07

Vigil von Pfingsten

Lesung 4-9

Aus der Abhandlung des hl. Bischofs Augustinus über das Glaubensbekenntnis für die Taufschüler

Durch das Zeichen des hochheiligen Kreuzes hat die heilige Mutter, die Kirche, euch in ihrem Schoß empfangen. In höchster Freude möchte sie euch so wie euren Brüdern geistigerweise das Leben schenken. Doch bis diese hohe Mutter euch, ihre neuen Kinder, durch das heilige Bad der Taufe wiederbeleben und euch dem wahren Lichte zuführen kann, bis dahin will sie euch, während sie euch in ihrem Schoße trägt, mit angemessener Nahrung stärken und, selbst voller Freude, will sie euch in heiliger Freude bis zum Tage der Geburt geleiten. Denn sie ward nicht getroffen von dem Urteil, das über Eva gesprochen wurde. Eva schenkte in Trauer und unter Wehen ihren Kindern das Leben; und selbst ihre Kinder freuen sich nicht bei der Geburt, sondern weinen. Die Kirche aber macht wieder gut, was Eva gefehlt hat. Eva hat durch ihren ungehorsam ihre Nachkommen dem Tode überliefert, die heilige Kirche aber schenkt ihnen durch ihren Gehorsam das Leben wieder. Alle geheimnisvollen Handlungen, die schon an euch vorgenommen wurden oder die noch an euch vorgenommen werden durch die Diener Gottes, alle Beschwörungen, Gebete, geistlichen Lieder, das Anhauchen, eure Bußgewänder, das Neigen des Hauptes, das Barfußgehen, ja selbst die heilige Furcht, die trotz aller Freude notwendig ist, alles das ist eine Speise, die euch wie gesagt, im Mutterschoße der Kirche nähren soll, auf daß die Mutter, wenn ihr wiedergeboren seid durch die Taufe, als fröhliche Kinder euch Christus zuführen kann. Ihr habt schon das Glaubensbekenntnis empfangen; die Mutter übergab es euch als Schutzmittel gegen das Gift der Schlange. In der Offenbarung des Apostels Johannes steht geschrieben, daß der Drache vor dem Weibe stand, das gebären sollte, um ihr Kind gleich nach der Geburt zu verschlingen. Ihr wißt alle, daß der Drache der Teufel ist und daß jenes Weib die Jungfrau Maria bedeutet, die, selbst unversehrt, unser unversehrtes Haupt geboren hat. Maria wiederum ist ein Bild der heiligen Kirche, so wie Maria trotz der Geburt ihres Sohnen unversehrte Jungfrau blieb, ebenso schenkt auch die Kirche immer wieder neuen Kindern, seinen Gliedern, das Leben, ohne die Jungfräulichkeit zu verlieren. Ich habe es mir vorgenommen, unter dem Beistande des Herrn euch den tiefen Sinn des hochheiligen Glaubensbekenntisses zu erklären, um euch den Inhalt der einzelnen Artikel fest einzuprägen. Eure Herzen sind bereit, denn der Feind ist daraus vertrieben. Ihr habt gelobt ihm zu widersagen. Dies Gelöbnis ward nicht von Menschen, sondern von Gott und seinen Engeln aufgezeichnet. Da habt ihr also gesprochen: Ich widersage. Widersagt ihm nun nicht bloß mit Worten, sondern auch in euerm Handeln, nicht nur mit der Stimme, sondern mit der Tat! Nicht nur eure Lippen sollen es aussprechen, sondern auch eure Taten sollen es künden! Wisset, daß ihr mit einem alten, listigen und erfahrenen Feind den Kampf aufgenommen habt. Nach eurer Absage darf er nie mehr seine Werke in euch finden, damit er euch nicht mit Recht in seine Sklaverei ziehe! Denn du wirst ertappt und entlarvt werden, o Christ, wenn du anders handelst als du versprichst, wenn du nur dem Namen nach gläubig bist, aber in deinem Wandel dich anders zeigst, wenn du dein Versprechen nicht treu hälst, wenn du erst in die Kirche gehst, um zu beten, nach kurzer Zeit aber ins Theater, um mit den Possenreißern schamlos zu schreien. Was hast du mit dem Blendwerk des Teufels noch zu schaffen? Dem hast du doch widersagt!


Joh. 14, 15-21
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Wenn der Herr sagt: Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, so zeigt er damit, daß er selbst auch ein Tröster ist; das Wort Tröster bedeutet so viel wie Anwalt. Von Christus heißt es: Wir haben einen Anwalt beim Vater, Jesus Christus den Gerechten. von der Welt aber sagt er, sie könne den Heiligen Geist nicht empfangen, wie auch geschrieben steht: Die Klugheit des Fleisches ist eine Feindin Gottes; denn sie ist dem Gesetze Gottes nicht Untertan und kann es auch nicht sein. Wir sagen ja auch: Ungerechtigkeit kann nie Gerechtigkeit sein. Wenn er hier von der Welt spricht, meint er damit die Liebhaber der Welt; deren Liebe stammt nicht vom Vater. Darum ist dieser Weltliebe, die wir mit allem Fleiße in uns mindern und bekämpfen müssen, die Liebe Gottes entgegengesetzt, welche in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Die Welt kann ihn nicht empfangen; denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Denn die Weltliebe hat keine geistigen Augen, mit denen man den Heiligen Geist schauen kann; man kann ihn nämlich nur auf unsichtbare Weise schauen. Ihr aber, sagt er, werdet ihn erkennen; denn er wird bei euch bleiben und in euch sein. Er wird in ihnen sein, um bei ihnen zu bleiben; aber er wird nicht bei ihnen bleiben, um bei ihnen zu sein. Denn erst muss er irgendwo sein, dann erst kann er dort bleiben. Damit sie aber nicht glaubten, der Ausdruck: Er wird bei euch bleiben, sei so gemeint, wie bei Menschen ein Gast sichtbar anwesend ist, darum erklärte er diesen Ausdruck und fügte hinzu: er wird in euch sein. Man kann ihn also unsichtbar schauen. Wenn er aber nicht in uns weilt, können wir auch keine Kenntnis von ihm haben. Genauso nehmen wir auch unser Bewußtsein in uns wahr. Wir sehen das Angesicht eines anderen, das unsrige aber können wir nicht sehen; dagegen erkennen wir unser Innerstes, in das Innere eines anderen aber können wir nicht schauen. Unser Bewußtsein kann nicht ohne uns sein, aber der Heilige Geist kann auch ohne uns sein. Er wird uns gegeben, auf daß er in uns sei; aber sehen und erkennen können wir ihn nicht, wenn er nicht in uns wohnt. Damit nun keiner glaube, der Herr gebe ihnen den Heiligen Geist anstatt seiner selbst, und er selbst werde dann nicht mehr bei ihnen sein, darum fügte er nach der Verheißung des Heiligen Geistes noch hinzu: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen, ich will zu euch kommen. Obgleich uns also der Sohn Gottes zu Adoptivsöhnen seines Vaters gemacht und gewollt hat, daß wir durch die Gnade den Vater haben, der sein Vater von Natur aus ist, trotzdem zeigt er selbst auch gegen uns gewissermaßen seine väterliche Liebe, indem er sagt: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen.
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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 2. Juni 2017, 12:48

Hl. Bekenner Franz Caracciolo 4. Juni
Lesung 4-6
Franz, anfangs Askanius genannt, stammte aus der vornehmen Familie Caracciolo im Städtchen St. Maria de Villa in den Abruzzen. Schon von früher Jugend an zeichnete er sich durch ein frommes Leben aus. Als Jüngling wurde er einmal schwer krank und beschloß daraufhin, sich ganz dem Dienste Gottes und des Nächsten hinzugeben. Er ging nach Neapel, empfing dort die heilige Priesterweihe und trat einer frommen Genossenschaft bei, in der er sich ganz der Betrachtung und der Gewinnung von Seelen widmete, namentlich aber den zum Tode Verurteilten sich unermüdlich als geistlichen Beistand anbot. Eines Tages wurde ihm irrtümlicherweise ein eigentlich für einen andern bestimmter Brief zugestellt, worin er von den frommen Männern Johannes Augustinus Adorno und Fabrizius Caracciolo zur Mithilfe bei der Gründung eines neuen Ordens eingeladen wurde. Er staunte über diese einzigartige Fügung erkannte darin den Willen Gottes und schloß sich bereitwilligst ihnen an. Sie zogen sich in die Einöde von Kamaldoli zurück und entwarfen dort die Regeln für den neuen Orden; dann gingen sie zusammen nach Rom und erlangten von Sixtus V. deren Bestätigung; der Papst nannte sie Mindere Regularkleriker und gab ihnen außer den drei gewöhnlichen Gelübden noch ein viertes, niemals nach Ehrenstellen zu streben. Er legte die feierlichen Gelübde ab und nahm aus besonderer Verehrung zum heiligen Franz von Assisi den Namen Franz an. Nach zwei Jahren starb Adorno, und nun wurde Franz wider Willen mit der Leitung der ganzen Genossenschaft betraut. In diesem Amt bewährte er sich als leuchtendes Vorbild aller Tugenden. Seine besondere Sorge war die Ausbreitung seiner Genossenschaft; darum flehte er unter Tränen und ständiger Abtötung ohne Unterlaß zu Gott. Dreimal ging er deswegen nach Spanien; im Pilgergewande bettelte er sich dabei von Tür zu Tür das Lebensnotwendige. Unterwegs mußte er die größten Beschwerden erdulden, erfuhr aber auch auf wunderbare Weise die Hilfe des Allmächtigen; so bewahrte er das Schiff, auf dem er fuhr, durch sein Gebet vor dem drohenden Untergang. Es kostete ihn viele Mühe, bis er in jenen Ländern sein Ziel erreichte. Da ihm aber der Ruf großer Heiligkeit vorausging und die katholischen Fürsten Philipp II. und Philipp III. ihn hochherzig unterstützten, konnte er dank seiner zähen Festigkeit den Widerstand seiner Gegner überwinden und mehrere Häuser seines Ordens gründen. Das Gleiche gelang ihm auch in Italien. Seine Demut war so groß, daß er bei seiner Ankunft in Rom in einem Armenhaus um Aufnahme bat und mit einem Aussätzigen zusammenlebte. Auch die ihm von Paul V. angebotenen Ehrenstellen lehnte er mit größter Entschiedenheit ab. Die Jungfräulichkeit bewahrte er stets unversehrt; freche Weiber, die ihn zu Fall bringen wollten, gewann er sogar für Christus. Eine glühende Liebe hatte er zum hochheiligen Sakrament der Eucharistie; fast ganze Nächte verzichtete er auf den Schlaf und verbrachte sie in Anbetung vor demselben; diese fromme Übung schrieb er auch seinem Orden als ganz besondere Eigenheit für immer vor. Die Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter suchte er mit allem Eifer zu fördern. Ganz hervorragend war seine Nächstenliebe. Er besaß auch die Gabe der Weissagung und der Herzensschau. In seinem 44. Lebensjahre, als er gerade im heiligen Hause zu Loreto betete, ward ihm geoffenbart, daß sein Lebensende nahe sei. Sofort begab er sich ins Abruzzenland; im Städtchen Agnona, bei den Schülern des heiligen Philipp Neri, wurde er von einem tödlichen Fieber ergriffen. Mit großer Andacht empfing er die Sakramente der Kirche und entschlief am 4. Juni 1608, am Vorabend des Fronleichnamsfestes, sanft im Herrn. Sein heiliger Leib wurde nach Neapel gebracht und in der Kirche St. Maria Maggiore, wo er auch den Grundstein zu seinem Orden gelegt hatte, ehrenvoll beigesetzt. Da er durch Wunder ausgezeichnet wurde, nahm ihn Papst Klemens XIV. in feierlicher Weise in die Zahl der Seligen auf. Als er daraufhin durch neue Wunder verherrlicht wurde, schrieb ihn Papst Pius VII. im Jahre 1807 in das Verzeichnis der Heiligen ein.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 2. Juni 2017, 12:54

Pfingstsonntag

Lesung 1-3
Johannes 14, 23-31
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Geliebteste Brüder! Wir wollen die Worte des Evangeliums kurz durchgehen, damit wir nachher um so länger bei der Betrachtung dieses hohen Festgeheimnisses verweilen können. Heute kam der Heilige Geist unter plötzlichem Brausen auf die Jünger herab und wandelte ihre noch fleischlich gesinnten Herzen ganz in seine Liebe um. Äußerlich sichtbar erschienen seine feurigen Zungen, im inneren aber entbrannten ihre Herzen; sie erglühten in süßer Liebe, während sie Gott in Gestalt des Feuers aufnahmen. Denn der Heilige Geist ist die Liebe selbst; daher sagt auch Johannes: Gott ist die Liebe. Wer also aufrichtigen Herzens sich nach Gott sehnt, der hat den, nach dem er liebend verlangt, tatsächlich schon im Herzen. Denn niemand könnte Gott wahrhaft lieben, wenn er den, den er liebt, nicht schon in sich hätte. Seht, wenn man jeden einzelnen von euch fragt, ob er Gott liebt, dann gibt er voll Zuversicht und ganz entschieden zur Antwort: Ja ich liebe Gott. Im ersten Satz des heutigen Evangeliums habt ihr gehört, was die ewige Wahrheit spricht: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten. Den Beweis für unsere Liebe bilden also die Werke, die wir tun. Daher schreibt auch Johannes in seinem Briefe: Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hält seine Gebote nicht, so ist er ein Lügner. Denn nur dann haben wir die wahre Liebe zu Gott und beobachten seine Gebote, wenn wir die bösen Gelüste in uns ersticken. Denn wer sich von unerlaubter Begierde leiten läßt, liebt sicherlich Gott nicht, weil er ihm in seinem Willen widerspricht. Und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Geliebteste Brüder! Bedenket, was es für eine Würde ist, Gott in seinem Herzen gastlich aufnehmen zu dürfen! Wenn ein reicher oder mächtiger Freund in unser Haus käme, dann würden wir gewiß mit größter Eile das ganze Haus reinigen, damit sich nichts findet, was die Augen des Freundes bei seinem Eintritt beleidigen könnte. Nun, genauso entferne ein jeder den Schmutz schlechter Werke, wenn er das Haus seines Herzens für Gott bereiten will. Doch beachtet ferner, was die ewige Wahrheit sagt: Wir werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Gott kommt zwar in das Herz mancher Menschen, aber er kann darin keine Wohnung nehmen. Denn wenn sie einmal ihre Sündhaftigkeit erkennen, dann sehnen sie sich nach Gott; aber zur Zeit der Versuchung vergessen sie wieder, was sie erschüttert hatte, und sie kehren wieder zu ihren Sünden zurück, als ob sie dieselben nie beweint hätten.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 4. Juni 2017, 13:56

Montag in der Oktav von Pfingsten
Lesung 1-3
Joh. 3, 16-21
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Wenn der Arzt zu einem Kranken kommt, will er ihn womöglich gesund machen. Wer die Vorschriften des Arztes nicht befolgen will, der nimmt sich selbst das Leben. So kam auch der Erlöser in die Welt. Warum wurde er der Heiland der Welt genannt? Doch nur, weil er die Welt heilen, nicht richten wollte. Willst du dich nicht von ihm retten lassen, so wirst du durch dich selbst gerichtet werden. Was sage ich: Du wirst gerichtet werden? Höre, was er sagt: Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet. Wer aber nicht glaubt, - du meinst sicher, er würde jetzt sagen: der wird gerichtet. Er sagt aber: Der ist schon gerichtet. Noch ist das Gericht nicht abgehalten, und schon ist das Urteil über ihn gesprochen. Der Herr kennt die Seinen; er weiß, wer ausharrt bis zur Krone und wer ausharret bis zur Hölle. Er kennt den Weizen auf seiner Tenne, er kennt auch den Spreu; er kennt die Saat und kennt auch das Unkraut. Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet. Warum schon gerichtet? Weil er an den Namen des eingeborenen Sohnes nicht glaubt. Das aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Meine Brüder, bei wem fand der Herr gute Werke? Bei keinem. Überall fand er böse Werke. Wie haben dann doch einige die Wahrheit getan und sind an das Licht gekommen? Denn es heißt weiter: Wer aber die Wahrheit tut kommt an das Licht. Die Menschen aber liebten die Finsternis mehr als das Licht. So sagte der Herr, und auf dieses Wort legte er den Nachdruck. Viele liebten ihre Sünden, wieder andere bekannten ihre Sünden. Wer seine Sünden bekennt und sich über seine Sünden anklagt, steht schon in Verbindung mit Gott. Gott klagt dich deiner Sünden an; wenn auch du dich anklagst, so handelst du gemeinsam mit Gott. Mensch und Sünder sind gleichsam zwei verschiedene Dinge. Was der Mensch ist, das hat Gott gemacht; was der Sünder ist, das hat der Mensch getan. Vernichte, was du getan; dann wird Gott retten, was er gemacht. Du musst in dir hassen, was dein Werk ist; was Gottes Werk ist, aber lieben. Sobald aber das, was du getan hast, dir nicht mehr gefällt, dann fängst du schon an, Gutes zu tun, da du dich deiner bösen Werke anklagst. Der Anfang guter Werke ist das Bekenntnis der Bösen.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 4. Juni 2017, 14:01

Dienstag in der Oktav von Pfingsten

Lesung 1-3
Joh. 10,1-10
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Der Herr hat in der heutigen Lesung ein Gleichnis vorgelegt von seiner Herde und von der Türe, durch die man in den Schafstall eingeht. Mögen die Heiden also immerhin sagen: Wir führen ein gutes Leben. Wenn sie nicht durch die Tür eingehen, was nützt ihnen das alles, dessen sie sich rühmen? Denn einem jeden muss das gute Leben dazu verhelfen, daß er das ewige Leben erhalte. Was nützt einem ein gutes Leben, wenn man nicht ewig leben kann? Man kann doch nicht von einem guten Leben reden bei denen, die entweder aus Blindheit nicht wissen oder aus Stolz sich nicht darum kümmern, daß das gute Leben einmal ein Ende hat. In Wahrheit und mit Sicherheit kann aber niemand auf ein ewiges Leben hoffen, wenn er nicht das Leben kennt, das Christus ist, und wenn er nicht durch diese Tür in den Schafstall eingeht. Solche Menschen suchen oft auch andere zu überreden, sie sollten ein gutes Leben führen, ohne Christen zu werden. Diese wollen anderswo einsteigen, wollen rauben und morden, nicht wie der gute Hirt die Herde beschützen und retten. So gab es Weltweise, die über die Tugenden und Laster große, tiefschürfende Untersuchungen anstellten, die genau zu unterscheiden und zu definieren wussten, die daraus die scharfsinnigsten Schlussfolgerungen zogen, ganze Bücher vollschrieben, und ihre Weisheit in großen Tönen anpriesen, die sogar die Kühnheit hatten, den Menschen zu sagen: Folget uns nach, haltet euch an unsere Lehre, wenn ihr gut leben wollt. Aber sie gingen nicht durch die Tür, sie wollten nur verderben, schlachten und morden. Doch warum rede ich von diesen? Die Pharisäer lasen selbst die Schrift, redeten auf Grund der Schrift von Christus, warteten auf seine Ankunft, erkannten ihn aber nicht, als er wirklich kam. Sie rühmten sich auch, Sehende, d.h. Weise zu sein, und doch verleugneten sie Christus; sie gingen also nicht durch die Türe ein. Auch sie würden also, wenn sie wirklich andere an sich ziehen, dies nur tun, um sie zu verderben und zu töten, nicht um sie zu retten. Doch auch von diesen wollen wir nicht weiter reden. Wir wollen lieber sehen, ob alle, die sich des Namen Christi rühmen, durch die Tür eingehen. Unzählige nämlich gibt es, die sich nicht nur rühmen, Weise zu sein, sondern sogar als von Christus erleuchtet angesehen werden wollen; und doch sind sie Irrgläubige.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 5. Juni 2017, 12:57

Hl. Bischof und Martyrer Bonifatius 5. Juni

Bonifatius, vorher Winfried genannt, wurde gegen Ende des 7. Jahrhunderts in England geboren. Schon in früher Jugend faßte er aus Überdruß vor der Welt den Entschluß, ins Kloster zu gehen. Sein Vater versuchte vergeblich, durch weltliche Freuden ihn umzustimmen. So trat er denn ins Kloster ein und suchte unter der Leitung des heiligen Wolphard jegliche Tugend und Wissenschaft zu erlangen. Mit 30 Jahren empfing er die Priesterweihe. Nun verkündete er unermüdlich das Wort Gottes; zum größten Gewinn für die Seelen versah er dieses Amt. Gleichwohl war er unzufrieden und konnte nur unter Tränen an die vielen heidnischen Völker denken, die in Finsternis und Unwissenheit dahinlebten und dem Teufel dienten. Seine Sehnsucht war, mitzuarbeiten an der Ausbreitung des Reiches Christi. Sein Eifer für die Seelen wuchs von Tag zu Tag und steigerte sich zu ganz unwiderstehlichem Verlangen. Unter Tränen und Gebeten suchte er den Willen Gottes zu erkennen und erlangte schließlich vom Vorsteher seines Klosters die Erlaubnis, nach Deutschland zu gehen. Mit zwei Begleitern fuhr er von England ab und kam nach Dorestade in Friesland. Da aber damals gerade ein heftiger Krieg zwischen dem Friesenkönig Radbod und Karl Martell ausgebrochen war, blieb seine Predigt ohne Erfolg. Deshalb kehrte er nach England zurück; er ging wieder in sein Kloster und wurde dort gegen seinen Willen sogar zum Obern gewählt. Nach zwei Jahren legte er mit Zustimmung des Bischofs von Vinton sein Amt wieder nieder und ging nach Rom, um vom Apostolischen Stuhl sich die Vollmacht zu erwirken, den Heiden predigen zu dürfen. In Rom wurde er von Gregor II. freundlich aufgenommen; der Papst gab ihm auch statt Winfried den Namen Bonifatius. Er wies ihn nach Deutschland. Bonifatius verkündete also zuerst in Thüringen und Sachsen den christlichen Glauben. Inzwischen war auch der Friesenkönig Radbod, der grimmige Feind des Chirstentums, gestorben; darum kehrte Bonifatius nach Friesland zurück und verkündigte hier an der Seite des heiligen Willibrord drei Jahre lang das Evangelium mit solchem Erfolg, daß er die Götzenbilder zerstörte und zahllose Gotteshäuser errichten konnte. Der heilige Willibrord wollte ihn zum Bischof weihen, doch er lehnte ab, um sich ungehinderter der Bekehrung der Ungläubigen widmen zu können. Er ging wieder nach Deutschland und bewog mehrere tausend Hessen, von ihrer Abgötterei abzulassen. Von Papst Gregor wurde er nach Rom gerufen. Er legte ein feierliches Glaubensbekenntnis in die Hand des Papstes ab und wurde von ihm zum Bischof geweiht. Dann kehrte er nach Deutschland zurück und reinigte Hessen und Thüringen vollständig von den Überresten des Götzendienstes. Wegen dieser hohen Verdienste wurde er von Gregor III. zum Erzbischof erhoben und bei seiner dritten Romreise vom Papst zum Legaten des Apostolischen Stuhles bestellt. Kraft dieser Vollmacht errichtete er vier Bistümer und hielt verschiedene Kirchenversammlungen ab; unter diesen ist die von Estiennes besonders bemerkenswert; sie fand in Belgien im Bistum Cambrai statt; damals tat Bonifatius auch sehr viel, um den Glauben in Belgien zu fördern. Vom Papst Zacharias wurde er zum Erzbischof von Mainz ernannt; auf Geheiß dieses Papstes salbte er auch Pipin zum Frankenkönig. Nach dem Tode des heiligen Willibrord übernahm er die Leitung der Kirche von Utrecht, zunächst durch seinen Vertreter Eoban, dann persönlich; er gab nämlich das Bistum Mainz wieder ab und nahm in Utrecht seinen Sitz. Da die Friesen wieder ins Heidentum zurückgefallen waren, zog er noch einmal dorthin, um ihnen das heilige Evangelium zu verkünden. Mitten in dieser Tätigkeit wurde er mit Bischof Eoban und vielen anderen an der Borna von verbitterten Heiden grausam ermordet und so mit der Palme des Martyriums geziert. Der Leib des heiligen Bonifatius wurde nach Mainz gebracht und, wie er selbst bei Lebzeiten gewünscht hatte, im Kloster Fulda, das er errichet hatte, beigesetzt; dort wurde er durch viele Wunder verherrlicht. Papst Pius IX. dehnte das Stundengebet und die Messe zu seiner Ehre auf die ganze Kirche aus.
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