Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften.
Salmantizenser
Beiträge: 452
Registriert: Sonntag 14. Oktober 2012, 19:17
Wohnort: Exil-Limburger
Kontaktdaten:

Re: Verschiedene Fragen zur alten Messe

Beitrag von Salmantizenser » Sonntag 2. Juni 2013, 15:35

Puh, langsam komm ich hier ein bisschen durcheinander. Also, Johannes XXIII. hat in den 1960er Rubricae Generalis folgendes definiert, um gerade eben die Frage zu klären, was es denn mit der Missa cantata sine Ministris auf sich hat:
271. Missarum species duae sunt: Missa in cantu et Missa lecta.
Missa dicitur in cantu, si sacerdos celebrans partes ab ipso iuxta rubricas cantandas revera cantu profert; secus dicitur lecta.
Missa in cantu porro, si celebratur cum assistentia ministrorum sacrorum, appellatur Missa solemnis; si celebratur absque ministris sacris, vocatur Missa cantata.
Missa solemnis demum, quae ab Episcopo vel ab aliis facultatem habentibus celebratur cum solemnitatibus in libris liturgicis statutis, dicitur Missa pontificalis.
Laut diesem Dokument ist also ein nicht-levitiertes Hochamt kein Hochamt sondern schlicht eine Missa cantata. Meines Wissens nach sprechen die römischen Dikasterien auch vor den 1960er Reformen nicht von Hochämtern, wenn von Missa cantata sine Ministris die Rede ist.

Benutzeravatar
Protasius
Moderator
Beiträge: 5833
Registriert: Samstag 19. Juni 2010, 19:13

Re: Verschiedene Fragen zur alten Messe

Beitrag von Protasius » Sonntag 2. Juni 2013, 15:37

Die einen sagen zur missa lecta Messe, zur missa cantata Amt und zur missa solemnis Hochamt; die anderen sagen zur missa cantata Hochamt und zur missa solemnis Levitenamt.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Benutzeravatar
Firmian
Beiträge: 971
Registriert: Dienstag 16. September 2008, 14:08
Wohnort: Wien

Re: Verschiedene Fragen zur alten Messe

Beitrag von Firmian » Sonntag 2. Juni 2013, 15:50

Jetzt blicke ich aber auch nicht mehr durch.

"Missa solemnis" ist immer levitiert und wird mal mit Hochamt, mal mit Levitenamt übersetzt.

"Missa cantata" ist immer unlevitiert und wird mal mit Amt, mal mit Hochamt übersetzt. Und die gibt's mit oder ohne Weihrauch.

Richtig?
Zuletzt geändert von Firmian am Sonntag 2. Juni 2013, 16:22, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Protasius
Moderator
Beiträge: 5833
Registriert: Samstag 19. Juni 2010, 19:13

Re: Verschiedene Fragen zur alten Messe

Beitrag von Protasius » Sonntag 2. Juni 2013, 15:58

missa in cantu ist eine Messe mit Gesang, mag sie nun levitiert sein oder nicht. Missa cantata ist ohne Leviten, missa solemnis ist mit Leviten.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Benutzeravatar
Firmian
Beiträge: 971
Registriert: Dienstag 16. September 2008, 14:08
Wohnort: Wien

Re: Verschiedene Fragen zur alten Messe

Beitrag von Firmian » Sonntag 2. Juni 2013, 16:23

Ok, jetzt hab' ich's. Danke.

Fragesteller
Beiträge: 1691
Registriert: Freitag 18. Mai 2012, 10:41

Re: Verschiedene Fragen zur alten Messe

Beitrag von Fragesteller » Sonntag 2. Juni 2013, 20:17

Verstehe ich recht, dass sowohl eine Messe mit deutschen Liedern als auch eine mit Gregorianik liturgierechtlich in die selbe Kategorie Missa Cantata fällt, sofern wenigstens der Priester singt, und jeder Unterschied, den man da im Deutschen evtl. macht, willkürlich ist?

Benutzeravatar
Protasius
Moderator
Beiträge: 5833
Registriert: Samstag 19. Juni 2010, 19:13

Re: Verschiedene Fragen zur alten Messe

Beitrag von Protasius » Sonntag 2. Juni 2013, 20:22

Fragesteller hat geschrieben:Verstehe ich recht, dass sowohl eine Messe mit deutschen Liedern als auch eine mit Gregorianik liturgierechtlich in die selbe Kategorie Missa Cantata fällt, sofern wenigstens der Priester singt, und jeder Unterschied, den man da im Deutschen evtl. macht, willkürlich ist?
Im Prinzip ja, aber nur aufgrund eines Indultes für Deutschland, daß volkssprachlichen Gesang in der missa cantata erlaubt. An sich sollte eine missa cantata ein Choralamt sein oder die vorgeschriebenen Texte sollten anderweitig (z.B. polyphon oder recto tono) vorgetragen werden. Außerhalb Deutschland ist dieser Unterschied durchaus gerechtfertigt, weil das Indult mW nur für den deutschen Sprachraum gilt; außerhalb Deutschlands würde der Priester allerdings die Messe auch nicht singen, wenn statt des Propriums Volkslieder gesungen werden.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

CIC_Fan
Beiträge: 9368
Registriert: Donnerstag 24. April 2014, 14:08

Re: Stille Messe

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 19. Juni 2015, 14:04

es ist eine auch für mich bedauerliche entwicklung das seit summorum Pontificum,warum das so ist weiß ich nicht,fast überall die stillen Messen durch die Missa dialogata ersetzt werden

Benutzeravatar
Hubertus
Beiträge: 11765
Registriert: Montag 3. Mai 2010, 20:08

Re: Stille Messe

Beitrag von Hubertus » Freitag 19. Juni 2015, 14:36

CIC_Fan hat geschrieben:es ist eine auch für mich bedauerliche entwicklung das seit summorum Pontificum,warum das so ist weiß ich nicht,fast überall die stillen Messen durch die Missa dialogata ersetzt werden
Ja, nach meinem Geschmack ist das auch überhaupt nicht. Auch daß Epistel und Evangelium gleich auf Deutsch und versus populum vorgetragen werden, empfinde ich als unstimmig. :(
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

Robert Weemeyer
Beiträge: 278
Registriert: Dienstag 26. Februar 2013, 22:38

Re: Stille Messe

Beitrag von Robert Weemeyer » Freitag 19. Juni 2015, 17:23

Wem sollen sie denn wohl sonst vorgetragen werden, wenn nicht dem Volke? Gott braucht man Gottes Wort wohl nicht vorzutragen.

Benutzeravatar
Siard
Beiträge: 5626
Registriert: Dienstag 25. August 2009, 22:31
Wohnort: Die Allzeit Getreue

Re: Stille Messe

Beitrag von Siard » Freitag 19. Juni 2015, 17:59

Robert Weemeyer hat geschrieben:Wem sollen sie denn wohl sonst vorgetragen werden, wenn nicht dem Volke? Gott braucht man Gottes Wort wohl nicht vorzutragen.
Diese Sichtweise ist nicht besonders liturgisch, sehr wohl aber rational.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 23414
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13

Re: Stille Messe

Beitrag von Niels » Freitag 19. Juni 2015, 20:30

Robert Weemeyer hat geschrieben:Wem sollen sie denn wohl sonst vorgetragen werden, wenn nicht dem Volke? Gott braucht man Gottes Wort wohl nicht vorzutragen.
Achwas?! Aber die Kleriker und alle, die es mal werden wollen, sollen täglich die Psalmen rezitieren? :hmm:

Robert Weemeyer
Beiträge: 278
Registriert: Dienstag 26. Februar 2013, 22:38

Re: Stille Messe

Beitrag von Robert Weemeyer » Freitag 19. Juni 2015, 21:24

Die Psalmen sind Gebete. Das sind die Episteln und die Evangelien nicht. Ihr Vortrag dient der Unterweisung und der Verkündigung.

Fragesteller
Beiträge: 1691
Registriert: Freitag 18. Mai 2012, 10:41

Re: Stille Messe

Beitrag von Fragesteller » Freitag 19. Juni 2015, 21:50

Ist eigentlich das deutsche Singen der Lesungen in der ao. Form irgendwo üblich? Den Wechsel vom Singen zum Sprechen, wenn sie auf deutsch vorgetragen werden, empfinde ich als wesentlich gravierender (und auch weniger sinnvoll) als den Sprachwechsel.

Benutzeravatar
Hubertus
Beiträge: 11765
Registriert: Montag 3. Mai 2010, 20:08

Re: Stille Messe

Beitrag von Hubertus » Freitag 19. Juni 2015, 23:52

Robert Weemeyer hat geschrieben:Wem sollen sie denn wohl sonst vorgetragen werden, wenn nicht dem Volke? Gott braucht man Gottes Wort wohl nicht vorzutragen.
Robert Weemeyer hat geschrieben:Die Psalmen sind Gebete. Das sind die Episteln und die Evangelien nicht. Ihr Vortrag dient der Unterweisung und der Verkündigung.
:neinfreu:
http://www.alte-messe.de/08_vormesse.html#lesung hat geschrieben:Um ihren Sinn zu verstehen, muss man bedenken, dass auch sie - wie alles in der Liturgie - zunächst zum Lob und zur Verherrlichung Gottes dienen und in zweiter Linie zur Belehrung und Erbauung des Volkes. Beides gehört untrennbar zusammen, und es wäre viel zu kurz geschaut, wenn die Lesungen nur als Belehrung gesehen würden.
Primär haben die Lesungen den Charakter einer Laudatio. Sie verkünden rühmend die Großtaten Gottes. Der Verkünder muss nach traditionellem Verständnis mit einer besonderen amtlichen Vollmacht ausgestattet sein [deputatio ad cultum divinum]. Diese wird stufenweise verliehen in den Weihen zum Lektor, Subdiakon und Diakon und befähigt dazu, im Namen der Kirche Gott das Opfer des Lobes [sacrificium laudis] darzubringen.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

CIC_Fan
Beiträge: 9368
Registriert: Donnerstag 24. April 2014, 14:08

Re: Stille Messe

Beitrag von CIC_Fan » Samstag 20. Juni 2015, 10:24

wenn dem so wäre könnte man dann also Lesung und Evangelium in der Privatmesse weglassen

Benutzeravatar
Protasius
Moderator
Beiträge: 5833
Registriert: Samstag 19. Juni 2010, 19:13

Re: Stille Messe

Beitrag von Protasius » Samstag 20. Juni 2015, 11:00

CIC_Fan hat geschrieben:wenn dem so wäre könnte man dann also Lesung und Evangelium in der Privatmesse weglassen
Man kann in der Privatmesse gemäß Universae ecclesiae 26 die lateinische Lesung von Epistel und Evangelium unterlassen und sie direkt auf deutsch vortragen.
26. Ad ea quae constabilita sunt in Litteris Apostolicis Summorum Pontificum, ad articulum 6, dicendum est quod lectiones Sanctae Missae, quae in Missali anni 1962 continentur, proferri possunt aut solum Latine, aut Latine, vernacula sequente versione, aut in Missis lectis etiam solum vernacule.
26. Wie in Art. 6 des Motu proprio Summorum Pontificum vorgesehen, können die Lesungen der heiligen Messe nach dem Missale von 1962 entweder nur auf Latein oder auf Latein und in einer volkssprachlichen Übersetzung oder, in gelesenen Messen, nur in der Volkssprache vorgetragen werden.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

CIC_Fan
Beiträge: 9368
Registriert: Donnerstag 24. April 2014, 14:08

Re: Stille Messe

Beitrag von CIC_Fan » Samstag 20. Juni 2015, 11:25

Protasius hat geschrieben:
CIC_Fan hat geschrieben:wenn dem so wäre könnte man dann also Lesung und Evangelium in der Privatmesse weglassen
Man kann in der Privatmesse gemäß Universae ecclesiae 26 die lateinische Lesung von Epistel und Evangelium unterlassen und sie direkt auf deutsch vortragen.
26. Ad ea quae constabilita sunt in Litteris Apostolicis Summorum Pontificum, ad articulum 6, dicendum est quod lectiones Sanctae Missae, quae in Missali anni 1962 continentur, proferri possunt aut solum Latine, aut Latine, vernacula sequente versione, aut in Missis lectis etiam solum vernacule.
26. Wie in Art. 6 des Motu proprio Summorum Pontificum vorgesehen, können die Lesungen der heiligen Messe nach dem Missale von 1962 entweder nur auf Latein oder auf Latein und in einer volkssprachlichen Übersetzung oder, in gelesenen Messen, nur in der Volkssprache vorgetragen werden.
ich meinte es grundsätzlich wenn es verkündigung und idt und in der Privatmesse kein volk anwesend ist
im Übrigen ist universae ecclaesie nur für jene interessant die das MP Summorum Pontificum in Anspruch nehmen warum sollte ein Dokument von Interesse sein das von der Legitimität der Liturgie Reform Paul VI ausgeht ?

Benutzeravatar
Protasius
Moderator
Beiträge: 5833
Registriert: Samstag 19. Juni 2010, 19:13

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Protasius » Donnerstag 4. Februar 2016, 19:46

Im Kalendarium von Le Barroux steht bei manchen Tagen die Bemerkung "Celebrat R. D. Abbas ritu abbatiali" oder "Celebrat R. D. Abbas pontificaliter". Weiß jemand, welchen Unterschied es zwischen diesen beiden gibt?

Ich würde raten, daß pontificaliter ein Pontifikalamt vom Thron oder Faldistorium bezeichnet, und ritu abbatiali ein Levitenamt mit presbyter assistens, weiß aber nichts genaueres.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18734
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von taddeo » Donnerstag 4. Februar 2016, 19:52

Protasius hat geschrieben:Im Kalendarium von Le Barroux steht bei manchen Tagen die Bemerkung "Celebrat R. D. Abbas ritu abbatiali" oder "Celebrat R. D. Abbas pontificaliter". Weiß jemand, welchen Unterschied es zwischen diesen beiden gibt?

Ich würde raten, daß pontificaliter ein Pontifikalamt vom Thron oder Faldistorium bezeichnet, und ritu abbatiali ein Levitenamt mit presbyter assistens, weiß aber nichts genaueres.
Ohne daß ich es wirklich wüßte: könnte es nicht sein, daß "pontificaliter" einfach "mit Mitra und Stab", also mit den Pontifikalien, bedeutet, "ritu abbatiali" aber einfach, daß er normal zelebriert, aber eben er selber als Vorsteher der Konventmesse?

Benutzeravatar
Amigo
Beiträge: 522
Registriert: Freitag 12. Dezember 2003, 16:58
Wohnort: Wien

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Amigo » Freitag 2. November 2018, 11:17

Ich hab heute in der Frühmesse etwas erlebt, das ich noch nicht kannte: Der Priester (FSSP) zelebrierte die Traditionelle Messe, und kaum war er damit fertig, begann er sofort die nächste. Ohne Aus- und Einzug. Nur die Ministranten wechselten: die zwei, die bei der ersten Messe assistierten, begaben sich an den Außenrand des Altarraums, und die zwei, die dort zuvor die ganze Zeit gesessen hatten, kamen in die Mitte, um in der zweiten Messe zu assistieren.

Dementsprechend konnte auch das anwesende Kirchenvolk gar nicht "passend" reagieren, sondern es resultierte in einem mehr oder weniger ständigen Kommen und Gehen, wie ich das bisher nur von orthodoxen Messen kannte.

Ist so eine "unmittelbar verkettete Messfeier" eine eigene Form der Traditionellen Messe oder einfach eine geübte Praxis an Tagen wie heute (Allerseelen), wo viele Messintentionen "bestellt" wurden?

Benutzeravatar
Lycobates
Beiträge: 2085
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Lycobates » Freitag 2. November 2018, 11:43

Amigo hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 11:17
Ich hab heute in der Frühmesse etwas erlebt, das ich noch nicht kannte: Der Priester (FSSP) zelebrierte die Traditionelle Messe, und kaum war er damit fertig, begann er sofort die nächste. Ohne Aus- und Einzug. Nur die Ministranten wechselten: die zwei, die bei der ersten Messe assistierten, begaben sich an den Außenrand des Altarraums, und die zwei, die dort zuvor die ganze Zeit gesessen hatten, kamen in die Mitte, um in der zweiten Messe zu assistieren.

Dementsprechend konnte auch das anwesende Kirchenvolk gar nicht "passend" reagieren, sondern es resultierte in einem mehr oder weniger ständigen Kommen und Gehen, wie ich das bisher nur von orthodoxen Messen kannte.

Ist so eine "unmittelbar verkettete Messfeier" eine eigene Form der Traditionellen Messe oder einfach eine geübte Praxis an Tagen wie heute (Allerseelen), wo viele Messintentionen "bestellt" wurden?
An Allerseelen kann jeder Priester drei Messen zelebrieren (an Allerseelen sind auch alle Altäre privilegiert, d.h. mit einem vollkommenen Ablaß für die Verstorbenen verbunden); es ist nicht unüblich, daß die drei Messen unmittelbar verkettet gefeiert werden, das muß aber nicht sein.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Juergen
Beiträge: 23949
Registriert: Mittwoch 1. Oktober 2003, 21:43
Kontaktdaten:

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Juergen » Freitag 2. November 2018, 11:57

Lycobates hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 11:43
An Allerseelen kann jeder Priester drei Messen zelebrieren (an Allerseelen sind auch alle Altäre privilegiert, d.h. mit einem vollkommenen Ablaß für die Verstorbenen verbunden); es ist nicht unüblich, daß die drei Messen unmittelbar verkettet gefeiert werden, das muß aber nicht sein.
Theoretisch ist das so, praktisch ist es allerdings so, daß man froh sein muß, wenn ein Priester überhaupt an so einem Werktag wie Allerseelen, an dem die Gläubigen Arbeiten müssen, eine Messe feiert; und wehe der Tag fällt auf den liturgiefreien Montag…
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Benutzeravatar
Lycobates
Beiträge: 2085
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Lycobates » Freitag 2. November 2018, 12:05

Juergen hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 11:57
Lycobates hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 11:43
An Allerseelen kann jeder Priester drei Messen zelebrieren (an Allerseelen sind auch alle Altäre privilegiert, d.h. mit einem vollkommenen Ablaß für die Verstorbenen verbunden); es ist nicht unüblich, daß die drei Messen unmittelbar verkettet gefeiert werden, das muß aber nicht sein.
Theoretisch ist das so, praktisch ist es allerdings so, daß man froh sein muß, wenn ein Priester überhaupt an so einem Werktag wie Allerseelen, an dem die Gläubigen Arbeiten müssen, eine Messe feiert; und wehe der Tag fällt auf den liturgiefreien Montag…
ich nerv mal wieder bisschen: wir haben heute, bei zwei Priestern, sechs Messen.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Benutzeravatar
Amigo
Beiträge: 522
Registriert: Freitag 12. Dezember 2003, 16:58
Wohnort: Wien

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Amigo » Freitag 2. November 2018, 12:06

Juergen hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 11:57
und wehe der Tag fällt auf den liturgiefreien Montag…
Was ist bitte der liturgiefreie Montag?

Benutzeravatar
Iuxta crucem
Beiträge: 112
Registriert: Sonntag 20. Mai 2018, 11:18
Wohnort: Erzbistum Bamberg

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Iuxta crucem » Freitag 2. November 2018, 12:08

Priester haben Montag ihren freien Tag,
Behauptet man landläufig und auch einige Priester nehmen sich das zu Herzen
Crux fidelis, inter omnes arbor una nobilis,
Nulla talem silva profert fronde, flore, germine,
Dulce lignum, dulce clavo dulce pondus sustinens. +

Benutzeravatar
Amigo
Beiträge: 522
Registriert: Freitag 12. Dezember 2003, 16:58
Wohnort: Wien

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Amigo » Freitag 2. November 2018, 12:18

Ahso, verstehe. Kein spezifisches Element der Meßordnung also :roll: Danke (speziell auch an Lycobates) für die hilfreichen Erklärungen, wieder was gelernt!

Benutzeravatar
Lycobates
Beiträge: 2085
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Lycobates » Freitag 2. November 2018, 19:15

Amigo hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 12:18
Ahso, verstehe. Kein spezifisches Element der Meßordnung also :roll: Danke (speziell auch an Lycobates) für die hilfreichen Erklärungen, wieder was gelernt!
Ähnliches kann es auch an Weihnachten geben.
Bekanntlich werden dann im Idealfall auch drei Messen, die Mitternachtsmesse, die Missa in aurora, und die Tagesmesse gefeiert.
Ich habe es vor vielen vielen Jahren einmal erlebt, in einer größeren Kirche, an der fünf Priester wirkten, daß die Mitternachtsmesse von drei der Geistlichen als levitiertes Hochamt am Hochaltar gefeiert wurde, ein Priester inzwischen als Beichtvater zur Verfügung stand, und der fünfte an einem Seitenaltar nacheinander die drei Messen als Stillmesse feierte, und zwar sehr erbaulich, er war damit etwa zeitgleich mit dem Hochamt fertig.
Das waren Zeiten.
Heute haben wir selten fünf Priester zugleich vor Ort.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Benutzeravatar
Lycobates
Beiträge: 2085
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Lycobates » Samstag 3. November 2018, 07:03

Iuxta crucem hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 12:08
Priester haben Montag ihren freien Tag,
Behauptet man landläufig und auch einige Priester nehmen sich das zu Herzen
Schnarchen die dann in ihrer Hängematte?
:unbeteiligttu:
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Benutzeravatar
Raphael
Beiträge: 13979
Registriert: Samstag 11. Oktober 2003, 19:25
Wohnort: Erzdiözese Köln

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Raphael » Samstag 3. November 2018, 07:19

Lycobates hat geschrieben:
Samstag 3. November 2018, 07:03
Iuxta crucem hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 12:08
Priester haben Montag ihren freien Tag,
Behauptet man landläufig und auch einige Priester nehmen sich das zu Herzen
Schnarchen die dann in ihrer Hängematte?
:unbeteiligttu:
Die Veranlagung zum Schnarchen ist eindeutig ein Weihehindernis! :narr:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

Juergen
Beiträge: 23949
Registriert: Mittwoch 1. Oktober 2003, 21:43
Kontaktdaten:

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Juergen » Samstag 3. November 2018, 12:49

Lycobates hat geschrieben:
Samstag 3. November 2018, 07:03
Iuxta crucem hat geschrieben:
Freitag 2. November 2018, 12:08
Priester haben Montag ihren freien Tag,
Behauptet man landläufig und auch einige Priester nehmen sich das zu Herzen
Schnarchen die dann in ihrer Hängematte?
:unbeteiligttu:
:ja:
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Juergen
Beiträge: 23949
Registriert: Mittwoch 1. Oktober 2003, 21:43
Kontaktdaten:

Re: Bezeichnungen im tridentinischen Messritus

Beitrag von Juergen » Montag 12. November 2018, 09:43

Gestern hatten wir ja das Evangelium, in dem ein Feind Lolch/Unkraut über die gute Saat säte. Da fiel mir das Wort „superseminavit“ auf.

Nun gibt es ja die dt. Tradition in der alte Messe „drüber zu singen“, d.h. der Priester betet leise das Ordinarium auf Latein und das Volk singt mehr oder weniger passende Kirchenlieder dazu.

drübersingen… das heißt dann wohl: supercantare
Mithin müßte die Messe dann: Missa supercantata heißen. – Oder?
:hmm:
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema