Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften.

Moderator: Hubertus

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ad-fontes
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von ad-fontes » Mittwoch 11. April 2018, 11:54

Wird im Officium und der Messe zum Namen Jesu auch inkliniert, wenn er in AT-Texten vorkommt, z.B. im Canticum des Habakuk:
Ego autem in Dómino gaudébo: * et exsultábo in Deo Jesu meo.?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

Christophorus
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Beitrag von Christophorus » Mittwoch 11. April 2018, 16:21

Warum nicht?
Christus resurrexit, alleluja!

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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von ad-fontes » Donnerstag 19. April 2018, 12:50

In der Missae praesanctificatorum entfernt der Zelebrant die Binde von dem Kelch, bevor er die Hostie auf das Korporale zum liegen bringt. Leider finde ich bei den Rubrizisten nichts zur Beschaffenheit des Tuches (und seinen lateinischen Namen) und wann genau dieses über den Kelch mittels der Binde befestigt wird. Weiß jemand genaueres?

Zum Magnificat der Ostervesper (nach der Vigilmesse) wird inzensiert. Legt Celebrans (im Meßgewand und mit Manipel) nach der Antiphon Weihrauch ein, segnet ihn und nimmt selber die Inzensation des Altares vor?
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Protasius
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von Protasius » Donnerstag 19. April 2018, 14:05

ad-fontes hat geschrieben:
Donnerstag 19. April 2018, 12:50
In der Missae praesanctificatorum entfernt der Zelebrant die Binde von dem Kelch, bevor er die Hostie auf das Korporale zum liegen bringt. Leider finde ich bei den Rubrizisten nichts zur Beschaffenheit des Tuches (und seinen lateinischen Namen) und wann genau dieses über den Kelch mittels der Binde befestigt wird. Weiß jemand genaueres?

Zum Magnificat der Ostervesper (nach der Vigilmesse) wird inzensiert. Legt Celebrans (im Meßgewand und mit Manipel) nach der Antiphon Weihrauch ein, segnet ihn und nimmt selber die Inzensation des Altares vor?
Ad 1. Das geschieht am Gründonnerstag vor der Ablution. Der lateinische Name im Missale ist einfach velum.
Missale Romanum hat geschrieben:Hodie Sacerdos consecrat duas Hostias, quarum unam sumit, alteram reservat pro die sequenti, in quo non conficitur Sacramentum; reservat etiam aliquas particulas consecratas, si opus fuerit, pro infirmis; Sanguinem vero totum sumit: et ante ablutionem digitorum ponit Hostiam reservatam in alio Calice, quem Diaconus Palla et Patena inversa cooperit, et désuper Velum expándit, et in medio Altaris collocat. Deinde fit Communio, et completur Missa.
Ad 2. Affirmative, die Inzensation geschieht wie sonst in der Vesper auch.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von ad-fontes » Freitag 20. April 2018, 11:55

ad 1. Vielen Dank für den Hinweis; - hatte ich übersehen.

ad 2. Küßt Zelebrant wie sonst in der feierlichen Vesper den Altar, bevor er ihn (nur hier in Kasel, Stola und Manipel) inzensiert?
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von taddeo » Sonnabend 20. Oktober 2018, 10:32

Ich hätte eine kurze Frage an unsere hiesigen Rubrizistik-Cracks - ich denke dabei v. a. an Protasius, Lycobates oder ad-fontes:

Gibt es aus der Zeit um 1500 irgendwelche liturgischen Vorgaben, ob sich der Priester vor der Messe die Hände waschen soll?

(Die Frage steht in Zusammenhang mit einem Missale aus dieser Zeit, das dunkle "Gebrauchtspuren" aufweist, ähnlich wie beim vergifteten Buch in "Der Name der Rose".)

Danke schon im Voraus für eventuelle Hinweise!

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Niels
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von Niels » Sonnabend 20. Oktober 2018, 11:57

O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von Lycobates » Sonnabend 20. Oktober 2018, 12:09

Die Händewaschung ist zumindest seit der ausgehenden Karolingerzeit durchaus üblich.
Jungmann gibt Beispiele, Missarum sollemnia I 361.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
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... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von ad-fontes » Sonnabend 20. Oktober 2018, 13:36

taddeo hat geschrieben:
Sonnabend 20. Oktober 2018, 10:32
Ich hätte eine kurze Frage an unsere hiesigen Rubrizistik-Cracks - ich denke dabei v. a. an Protasius, Lycobates oder ad-fontes:

Gibt es aus der Zeit um 1500 irgendwelche liturgischen Vorgaben, ob sich der Priester vor der Messe die Hände waschen soll?

(Die Frage steht in Zusammenhang mit einem Missale aus dieser Zeit, das dunkle "Gebrauchtspuren" aufweist, ähnlich wie beim vergifteten Buch in "Der Name der Rose".)

Danke schon im Voraus für eventuelle Hinweise!
Die Händewaschung vor der Messe (in der Sakristei) oder, wenn die liturgischen Gewänder in der Nähe des Altares angelegt wurden, wie in manchen Orden [bei der Privatmesse] üblich, darf man als allgemeinen Usus annehmen, wie die Beiträge von Niels und Lycobates belegen.

Meine Frage wäre: Welche Stellen des Missale sind dunkel? Bei alten Brevieren hat man das ja oft, daß die Seiten, die täglich gebraucht wurden, sehr stark verschmutzt und abgegriffen sind.
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von taddeo » Sonnabend 20. Oktober 2018, 16:53

ad-fontes hat geschrieben:
Sonnabend 20. Oktober 2018, 13:36
Meine Frage wäre: Welche Stellen des Missale sind dunkel? Bei alten Brevieren hat man das ja oft, daß die Seiten, die täglich gebraucht wurden, sehr stark verschmutzt und abgegriffen sind.
Ich kenne das fragliche Missale selber nicht. Soweit ich die Frage verstanden habe, sind wohl die Stellen schmutzig, an denen die Seiten umgeblättert wurden.

Danke euch allen für die Auskünfte! Ich werde sie so an den Fragesteller weitergeben.

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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von ad-fontes » Montag 29. Oktober 2018, 16:04

Lycobates hat geschrieben:
Freitag 3. November 2017, 11:00
ad-fontes hat geschrieben:
Freitag 3. November 2017, 10:05
Von den drei Messen an Allerseelen muß ein Priester nur die erste lesen, oder? Gibt es an Allerseelen Unterschiede zwischen dem Missale vor Divinu afflatu und nachher?
Er muß keine, da es an Allerseelen strictissime keine Zelebrationspflicht gibt.
Aber wenn nur eine gefeiert wird, wird das erste Formular genommen.
Bei einem gesungenen Amt wird auch immer die erste genommen (wobei die 2. und 3. u.U. antizipiert werden können).

Der Priester darf nur für die erste Messe ein Stipendium annehmen und entsprechend applizieren.
Für die 2. und 3. nicht, die 2. muß er für alle Verstorbenen, die 3. ad mentem Summi Pontificis applizieren, nulla stipe percepta.

Die drei Messen an Allerseelen wurden erst von Papst Benedikt XV. am 10.8.1915 allgemein eingeführt (Konstitution Incruentum altaris AAS 7/1915 401), für Spanien und Portugal gab es das Privileg seit 1748; vorhin gab es nur eine, die erste. Die zweite ist der Messe in anniversario defunctorum entnommen, die dritte der täglichen Totenmesse pro pluribus defunctis.

Darüber hinaus sind an Allerseelen alle Altäre privilegiert. Das ist ein großer Trost, wenn man bedenkt, wie viele privilegierte Altäre in unseren zweckentfremdeten Kirchen heute verwaist dastehen und nie gebraucht werden können.
Das heißt die zweite und dritte Messe sind still zu zelebrieren?

Kann die dritte überhaupt gefeiert werden, wenn keine Meinung des Hl. Vaters bekannt (muß diese dem Zelebranten überhaupt bekannt sein?), oder wenn Sedisvakanz ist?

Wann wurde die Kommunionspendung im Requiem eigentlich eingeführt? Und dann ist mir noch ein Unterschied zwischen einer älteren Ausgabe des Hartmann (vor 1917) und einer jüngeren (1940er Jahre) aufgefallen: In der ersteren heißt es, wenn die Kommunion nach der Messe gespendet wird, geschehe dies im Meßornat; in der letzeren, mit violetter oder weißer Stola. Wo war/ist das geregelt?

Darüber hinaus: Daß gelbe Kerzen zu verwenden sind, auf dem Altar keine Reliquien, Blumenschmuck oder Totenbilder aufgestellt werden dürfen und innerhalb des Seelenamtes keine Predigt gehalten werden darf, steht ja nicht im Ritus servandus. Ist das nur Gewohnheit, oder gibt es das auch schriftlich (z.B. ein Dekret der hl. Ritenkongregation)?
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von Protasius » Montag 29. Oktober 2018, 20:33

ad-fontes hat geschrieben:
Montag 29. Oktober 2018, 16:04
Wann wurde die Kommunionspendung im Requiem eigentlich eingeführt? Und dann ist mir noch ein Unterschied zwischen einer älteren Ausgabe des Hartmann (vor 1917) und einer jüngeren (1940er Jahre) aufgefallen: In der ersteren heißt es, wenn die Kommunion nach der Messe gespendet wird, geschehe dies im Meßornat; in der letzeren, mit violetter oder weißer Stola. Wo war/ist das geregelt?
Das ist im Rituale Romanum geregelt: die Kommunion im Meßornat zu spenden ist vorgesehen, wenn die Kommunion unmittelbar nach der Messe erfolgt; ansonsten trägt man Superpelliceum und eine Stola von der Tagesfarbe (an Allerseelen violett, seit Allerseelen nicht mehr ein Tag in der Allerheiligenoktav mit zusätzlichem Totenofficium ist) oder in weißer Farbe. Das ist auch im Rituale Romanum von 1962 noch so. Im Rituale von 1852 sind die diesbezüglichen Regelungen die gleichen; allerdings kenne ich aus dem Hartmann auch die Regelung, daß man nach einem Requiem die Kommunion nicht in Meßgewändern spendet, da müßte ich nachschauen, ob dafür eine Entscheidung der Ritenkongregation vorliegt.
Darüber hinaus: Daß gelbe Kerzen zu verwenden sind, auf dem Altar keine Reliquien, Blumenschmuck oder Totenbilder aufgestellt werden dürfen und innerhalb des Seelenamtes keine Predigt gehalten werden darf, steht ja nicht im Ritus servandus. Ist das nur Gewohnheit, oder gibt es das auch schriftlich (z.B. ein Dekret der hl. Ritenkongregation)?
Diesbezügliche Regelungen finden sich im Caeremoniale Episcoporum, lib. ii, cap. xi.
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von Lycobates » Montag 29. Oktober 2018, 22:39

Protasius hat geschrieben:
Montag 29. Oktober 2018, 20:33
ad-fontes hat geschrieben:
Montag 29. Oktober 2018, 16:04
Wann wurde die Kommunionspendung im Requiem eigentlich eingeführt? Und dann ist mir noch ein Unterschied zwischen einer älteren Ausgabe des Hartmann (vor 1917) und einer jüngeren (1940er Jahre) aufgefallen: In der ersteren heißt es, wenn die Kommunion nach der Messe gespendet wird, geschehe dies im Meßornat; in der letzeren, mit violetter oder weißer Stola. Wo war/ist das geregelt?
Das ist im Rituale Romanum geregelt: die Kommunion im Meßornat zu spenden ist vorgesehen, wenn die Kommunion unmittelbar nach der Messe erfolgt; ansonsten trägt man Superpelliceum und eine Stola von der Tagesfarbe (an Allerseelen violett, seit Allerseelen nicht mehr ein Tag in der Allerheiligenoktav mit zusätzlichem Totenofficium ist) oder in weißer Farbe. Das ist auch im Rituale Romanum von 1962 noch so. Im Rituale von 1852 sind die diesbezüglichen Regelungen die gleichen; allerdings kenne ich aus dem Hartmann auch die Regelung, daß man nach einem Requiem die Kommunion nicht in Meßgewändern spendet, da müßte ich nachschauen, ob dafür eine Entscheidung der Ritenkongregation vorliegt.
Darüber hinaus: Daß gelbe Kerzen zu verwenden sind, auf dem Altar keine Reliquien, Blumenschmuck oder Totenbilder aufgestellt werden dürfen und innerhalb des Seelenamtes keine Predigt gehalten werden darf, steht ja nicht im Ritus servandus. Ist das nur Gewohnheit, oder gibt es das auch schriftlich (z.B. ein Dekret der hl. Ritenkongregation)?
Diesbezügliche Regelungen finden sich im Caeremoniale Episcoporum, lib. ii, cap. xi.
Eine Ergänzung: In feierlichen Totenmessen die Kommunion nicht zu spenden, ist iuxta praxim Urbis, an die man sich halten sollte (nicht muß, ex rationabili causa), Decr. authent. 4104 vom 28.11.1902 für die Diözese Querétaro.
(bei Querétaro muß ich immer an Karl May und die arme Kaiserin Charlotte denken :tuete: )
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von Lycobates » Montag 29. Oktober 2018, 22:53

ad-fontes hat geschrieben:
Montag 29. Oktober 2018, 16:04
Lycobates hat geschrieben:
Freitag 3. November 2017, 11:00
ad-fontes hat geschrieben:
Freitag 3. November 2017, 10:05
Von den drei Messen an Allerseelen muß ein Priester nur die erste lesen, oder? Gibt es an Allerseelen Unterschiede zwischen dem Missale vor Divinu afflatu und nachher?
Er muß keine, da es an Allerseelen strictissime keine Zelebrationspflicht gibt.
Aber wenn nur eine gefeiert wird, wird das erste Formular genommen.
Bei einem gesungenen Amt wird auch immer die erste genommen (wobei die 2. und 3. u.U. antizipiert werden können).

Der Priester darf nur für die erste Messe ein Stipendium annehmen und entsprechend applizieren.
Für die 2. und 3. nicht, die 2. muß er für alle Verstorbenen, die 3. ad mentem Summi Pontificis applizieren, nulla stipe percepta.

Die drei Messen an Allerseelen wurden erst von Papst Benedikt XV. am 10.8.1915 allgemein eingeführt (Konstitution Incruentum altaris AAS 7/1915 401), für Spanien und Portugal gab es das Privileg seit 1748; vorhin gab es nur eine, die erste. Die zweite ist der Messe in anniversario defunctorum entnommen, die dritte der täglichen Totenmesse pro pluribus defunctis.

Darüber hinaus sind an Allerseelen alle Altäre privilegiert. Das ist ein großer Trost, wenn man bedenkt, wie viele privilegierte Altäre in unseren zweckentfremdeten Kirchen heute verwaist dastehen und nie gebraucht werden können.
Das heißt die zweite und dritte Messe sind still zu zelebrieren?

Kann die dritte überhaupt gefeiert werden, wenn keine Meinung des Hl. Vaters bekannt (muß diese dem Zelebranten überhaupt bekannt sein?), oder wenn Sedisvakanz ist?

Wann wurde die Kommunionspendung im Requiem eigentlich eingeführt? Und dann ist mir noch ein Unterschied zwischen einer älteren Ausgabe des Hartmann (vor 1917) und einer jüngeren (1940er Jahre) aufgefallen: In der ersteren heißt es, wenn die Kommunion nach der Messe gespendet wird, geschehe dies im Meßornat; in der letzeren, mit violetter oder weißer Stola. Wo war/ist das geregelt?

Darüber hinaus: Daß gelbe Kerzen zu verwenden sind, auf dem Altar keine Reliquien, Blumenschmuck oder Totenbilder aufgestellt werden dürfen und innerhalb des Seelenamtes keine Predigt gehalten werden darf, steht ja nicht im Ritus servandus. Ist das nur Gewohnheit, oder gibt es das auch schriftlich (z.B. ein Dekret der hl. Ritenkongregation)?
ad 1)
Nicht unbedingt; man könnte auch alle drei Messen singen, wenn dazu eine praktische Möglichkeit besteht.
(Ich wüßte nicht, daß je verboten wäre, eine Messe zu singen).
ad 2)
Die mens Summi Pontificis ist allgemein zu begreifen, sie betrifft hier weder eine aktuell existierende Meinung des Papstes, noch den jeweils aktuell regierenden Papst, sondern (nach Aertnys-Damen, Theologia moralis II 716 für die Gewinnung von Ablässen, hier wohl per analogiam anwendbar) intentio illa solet esse pro Catholicae Ecclesiae prosperitate et exaltatione, pro exstirpatione haeresum omniumque errantium conversione, ac pro totius populi christiani pace et unitate.
Diese Gebetsmeinung kann und soll also auch während einer Sedisvakanz (was ja bisweilen vorkommt :tuete: ) formuliert werden.
ad 3) et 4) provisum in praecedenti a Protasio. ;)
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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von Hubertus » Dienstag 30. Oktober 2018, 10:06

Lycobates hat geschrieben:
Montag 29. Oktober 2018, 22:53
Die mens Summi Pontificis ist allgemein zu begreifen, sie betrifft hier weder eine aktuell existierende Meinung des Papstes, noch den jeweils aktuell regierenden Papst, sondern (nach Aertnys-Damen, Theologia moralis II 716 für die Gewinnung von Ablässen, hier wohl per analogiam anwendbar) intentio illa solet esse pro Catholicae Ecclesiae prosperitate et exaltatione, pro exstirpatione haeresum omniumque errantium conversione, ac pro totius populi christiani pace et unitate.
Diese Gebetsmeinung kann und soll also auch während einer Sedisvakanz (was ja bisweilen vorkommt :tuete: ) formuliert werden.
:daumen-rauf:
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Detailfragen zu Kalender und Rubrizistik

Beitrag von ad-fontes » Freitag 2. November 2018, 14:12

Vielen Dank für die Informationen!

Da es nicht explizit im Ritus servandus steht, erlaube ich mir die Nachfrage: Wird Per Evangelica dicta im Requiem nicht gesprochen, Laus tibi Christe hingegen schon? Und der Diakon bezeichnet auch das Buch und sich selber vor der Verkündigung?
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