Lesungen aus dem alten Brevier

Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften.
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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion »

Hl. Bischof und Bekenner Norbert 6. Juni
Lesung 4-6

Norbert war der Sohn sehr vornehmer Eltern. In seiner Jugend studierte er die schönen Wissenschaften; später kam er an den kaiserlichen Hof, lernte hier aber die Freuden der Welt verachten und beschloß, in den geistlichen Stand zu treten. Sobald er die heiligen Weihen empfangen, legte er alle weichlichen, kostbaren Kleider ab, trug ein härenes Gewand und widmete sich ganz der Verkündigung des Wortes Gottes. Er verzichtete auf seine reichen Pfründe, verteilte sein väterliches Erbe unter die Armen, aß nur einmal am Tage, am Abend, und zwar nur Fastenspeisen, ging barfuß und mit einem zerrissenen Gewande, auch bei der strengsten Winterkälte, und führte also ein Leben voll staunenswerter Strenge. Mächtig in Wort und Tat, brachte er zahllose Irrgläubige zum wahren Glauben, Sünder zur Buße und Entzweite zu Frieden und Eintracht. Als er in Laon weilte, bat ihn der Bischof, seine Diözese nicht zu verlassen; und so wählte er sich dort eine einsame Gegend, die Prémontré genannt. Hier gründete er mit dreizehn Gefährten den Orden der Prämonstratenser nach der Regel des heilgen Augustin, die er in einer Erscheinung von Gott empfangen hatte. Der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich von Tag zu Tag immer mehr, und so kamen jeden Tag zahlreiche Schüler zu ihm. Darum wurde sein Orden von Honorius II. und anderen Päpsten bestätigt. Er konnte mehrere Klöster errichten und ihn so in wunderbarer Weise ausbreiten. Norbert wurde später nach Antwerpen berufen und rottete dort die gottlose Irrlehre Tanchelins aus. Er war auch mit der Gabe der Weissagung und Wunder ausgestattet. Schließlich wurde er trotz seines Sträubens zum Erzbischof von Magdeburg ernannt. Energisch setzte er sich für kirchliche Zucht, besonders für die Ehelosigkeit der Geistlichen ein. Auf der Kirchenversammlung von Rheims trat er entschieden für Innozenz II. ein. Mit anderen Bischöfen ging er auch nach Rom und unterdrückte dort das Schisma Pierleonis. Schließlich entschlief der Mann Gottes, reich an Verdiensten und voll des Heiligen Geistes, zu Magdeburg im Herrn, am 6. Juni im Jahre des Heils 1034.
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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion »

Mittwoch in der Oktav von Pfingsten
Lesung 1-3
Joh. 6, 44-52
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Glaube ja nicht, daß du gegen deinen Willen gezogen wirst! Auch durch Liebe kann das Herz gezogen werden. Wir brauchen auch nicht zu fürchten, daß wir von Menschen, welche die Worte kritisch abwägen, aber vom Verständnis göttlicher Dinge weit entfernt sind, wegen dieses Wortes der Heiligen Schrift vielleicht getadelt werden und daß sie uns sagen: Wie ist mein Glaube eine freie Willenstat, wenn ich gezogen werde? Ich sage: Vom freien Willen ist noch zu wenig, zu wirst auch von der Lust gezogen werden. Habe deine Lust an dem Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt. Es gibt eine Lust des Herzens, der das Himmelsbrot süß ist. Wenn ferner der Dichter sagen durfte: Jeden zieht seine eigene Lust, also nicht die Notwendigkeit, nicht die Pflicht, sondern die eigene Lust; mit welch größerem Rechte dürfen wir dann sagen, daß der Mensch zu Christus hingezogen wird, wenn er seine Lust hat an Wahrheit, Seligkeit, Gerechtigkeit, am ewigen Leben; denn das alles ist Christus. Oder haben nur die Sinne des Leibes ihre Freude, muss die Seele die Freude ganz entbehren? Wie könnte es dann aber heißen: Die Menschenkinder suchen Schutz im Schatten deiner Flügel; sie werden satt von deines Hauses Fülle und mit dem Strome deiner Wonne tränkst du sie. In dir ist ja der Born des Lebens, und in deinem Lichte schauen wir das Licht. Bring mir einen der Liebe hat: der versteht was ich sage. Bring mir einen der Sehnsucht hat, der hungert, einen, der in dieser Wüste pilgert, der dürstet nach dem Quell des ewigen Vaterlandes; einen solchen bring mir; der weiß was ich sagen will. Wenn ich es einem kühlen Menschen sage, der versteht freilich nicht, was ich sage. So waren die, die untereinander murrten. Wen der Vater zieht, heißt es, der kommt zu mir. Was soll das aber heißen: Wen der Vater zieht, da doch Christus selbst zieht? Warum wollte er sagen: Wen der Vater zieht? Wenn wir gezogen werden müssen, dann sollen wir doch von dem gezogen werden müssen, zu dem eine liebende Seele gesprochen hat: Wir eilen dem Wohlgeruch deiner Salben nach. Was er damit sagen wollte, das wollen wir überlegen, meine Brüder, und soweit als möglich erfassen. Der Vater zieht zum Sohne alle, die deshalb an den Sohn glauben, weil sie wissen, daß er Gott zum Vater hat. Denn Gott der Vater zeugte aus sich den wesensgleichen Sohn. Wer weiß, und im Glauben festhält und zu erfassen sucht, daß der Sohn, an den er glaubt, dem Vater wesensgleich ist, den zieht der Vater zum Sohne. Arius hielt ihn für ein Geschöpf; ihn zog der Vater nicht; denn der kennt den Vater nicht, der den Sohn nicht für wesensgleich mit dem Vater hält. Was sagst du Arius? Was sagst du, Häretiker? Was behauptest du? Wer ist Christus? Er ist nicht wahrer Gott, sagst du, sondern nur ein Geschöpf des wahren Gottes. Dich hat der Vater nicht gezogen; denn du kennst den Vater nicht, da du seinen Sohn leugnest. Du behauptest etwas anderes: Er sei gar nicht der Sohn. du wirst also weder vom Vater gezogen, noch zum Sohne hingezogen. Denn etwas anderes ist der Sohn und etwas anderes, was du sagst. Photinus behauptete: Christus ist ein bloßer Mensch, er ist nicht Gott. Wer so glaubt, auch den hat der Vater nicht gezogen. Wen zieht nun der Vater? Den, der spricht: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Wenn du dem Schafe einen grünen Zweig hinhälst, ziehst du es zu dir; wenn man einem Knaben Nüsse zeigt, lockt man ihn damit an. Wem er nachläuft, von dem wird er angezogen, durch Liebe, ohne körperlichen Zwang, durch Zuneigung des Herzens. Wenn also das, was an irdischen Gelüsten und Freuden den Liebhabern vorgehalten wird, sie lockt und anzieht, weil das Wort eben wahr ist: Jeden zieht seine eigene Lust - wie sollte da der vom Vater geoffenbarte Christus nicht anziehen? Denn was verlangt die Seele heißer als die Wahrheit?
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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion »

Donnerstag in der Oktav von Pfingsten
Lesung 1-3
Luk. 9, 1-6
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Welche Eigenschaften ein Apostel des Reiches Gottes haben muss, das zeigt uns das Evangelium: er solle ohne Stab, ohne Reisetasche, ohne Schuhe, ohne Brot, ohne Geld, d.h. unbekümmert um zeitliche Bedürfnisse sein; dagegen muss er fest im Glauben und überzeugt sein, daß, je weniger er sich um diese Dinge kümmert, desto mehr ihm davon zur Verfügung stehen wird. Wenn wir wollen, können wir das so auslegen, daß diese ganze Stelle nur die innere Gesinnung angeben will; daß wir nämlich gleichsam das Gewand des Körpers ablegen sollen, indem wir auf Macht verzichten, die Reichtümer dieser Welt verschmähen, allen Lüsten des Fleisches entsagen. Vor allem gibt der Herr seinen Aposteln allgemein das Gebot des Friedens und der Beharrlichkeit; sie sollen den Frieden bringen, beharrlich sein, das Gastrecht in ehren halten; denn für einen Prediger des himmlischen Reiches passe es nicht, meint er, von Haus zu Haus laufen und so die Gesetze der unumstößlichen Gastfreundschaft umzustoßen. Einerseits soll man ihnen also eine gütige Aufnahme schenken, andererseits wird ihnen aber auch geboten, da, wo sie nicht aufgenommen werden, den Staub von ihren Füßen zu schütteln und die Stadt zu verlassen. Der Lohn für die Gastfreundschaft ist also nicht gering. Wir sollen dem freundlichen Gastgeber nicht nur den Frieden bringen, sondern es sollen auch die Fehler, die in folge menschlicher Schwäche vielleicht seine Seele verdunkeln, durch die Aufnahme der Prediger getilgt werden. Nicht ohne Grund sollen nach Matthäus die Apostel des Haus, in das sie eintreten wollen, sorgsam auswählen, damit sie später keine Veranlassung haben, das Haus zu wechseln und so das Gastrecht zu verletzen. Dem Gastgeber jedoch wird diese Vorsicht nicht geboten, damit nicht dadurch, daß er sich seinen Gast selbst auswählt, seine Gastfreundlichkeit eine Minderung erleide. Im wörtlichen Sinne ist dies also eine Anleitung zur Übung des ehrwürdigen Gastrechtes, aber das Wort des Herrn legt auch eine mystische Bedeutung nahe. Wenn man ein entsprechendes Haus sucht, dann wählt man sich damit einen würdigen Gastgeber. Wir wollen darum sehen, ob nicht etwa die Kirche und Christus gemeint sind, die wir uns wählen sollen. Denn welches Haus wäre würdiger, daß die Apostel dorthin ihre Schritte lenken als die heilige Kirche? Und wen sollten wir uns lieber uns zum Gastgeber wählen als Christus, der seinen Gästen sogar die Füsse wäscht? Er läßt keinen, den er in sein Haus aufnimmt, mit schmutzigen Füssen darin wohnen, sondern er tilgt huldvoll alle Makel seines früheren Lebens und bewahrt für die Zukunft alle seine Schritte rein. Er allein ist es also, den niemand verlassen, von dem niemand wegehen darf; ihm wurde mit Recht zugerufen: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
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Lycobates
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Lycobates »

Wo bleibt eigentlich das alte Brevier?
Die Pfingstoktav ist hier ja noch nicht abgeschlossen.

Ich lese das zwar in Latein, wenn ich Zeit finde, leider nicht alle Tage, aber es gibt hier bestimmt Freunde des Vernakels.
Also: macte animo!

Man sollte sich vom Kleingeist nicht verscheuchen lassen.
:huhu:
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*
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*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Raphael

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Raphael »

Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 29. Juni 2017, 22:46
Man sollte sich vom Kleingeist nicht verscheuchen lassen.
:huhu:
Eher friert die Hölle zu! ;D

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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion »

Hl. Bischof, Bekenner und Kirchenlehrer Robert Bellarmin - Vita aus dem Brevier
13. Mai

4.-6. Lesung
Robert stammte aus dem Patriziergeschlecht der Bellarmini zu Montepulciano; er hatte eine sehr fromme Mutter, Cynthia Cervini, eine Schwester des Papstes Marzellus II. Schon früh zeichnete er sich durch große Frömmigkeit und Sittenreinheit aus; er hatte nur den einen Wunsch, Gott zu gefallen und Seelen für Christus zu gewinnen. In seiner Vaterstadt besuchte er das Kolleg der Jesuiten und erntete ob seiner Begabung und seiner Bescheidenheit vieles Lob. Mit 18 Jahren trat er zu Rom in diese Ordensgesellschaft ein und wurde nun für alle ein Vorbild in den klösterlichen Tugenden. Nach Beendigung der philosophischen Studien in Rom wurde er zum Studium der Theologie zunächst nach Florenz, dann nach Monreale und später nach Padua gesandt. Schließlich kam er nach Löwen; obwohl noch kein Priester, versah er hier schon mit wunderbarem Erfolge das Amt eines Predigers. Zu Löwen vollendete er seine theologische Ausbildung und wurde dort auch zum Priester geweiht. Dort trug er auch die Theologie so vorzüglich vor, daß er viele Irrgläubige in den Schoß der Kirche zurückführte und als Theologe in ganz Europa gefeiert wurde. Der heilige Bischof Karl von Mailand und andere baten dringend, er solle zu ihnen kommen. Auf Wunsch des Papstes Gregor XIII. wurde er nach Rom gerufen und übernahm im Römischen Kolleg den Lehrstuhl für Apologetik. Dort wurde er auch zum Lehrer im geistlichen Leben bestellt und wurde so auch dem engelgleichen Jüngling Aloisius Führer auf dem Weg der Heiligkeit. Eine Zeitlang leitete er das Römische Kolleg, dann die Ordensprovinz von Neapel, ganz im Geiste des heiligen Ignatius. Wiederum nach Rom zurückgekehrt, wurde er von Klemens VIII. zu wichtigen Geschäften in der Leitung der Kirche beigezogen, zum größten Segen für die katholische Sache. Bald darauf wurde er, gegen seinen Willen, obwohl er sich sträubte, in das Kardinalskollegium aufgenommen. Der Papst selbst erklärte öffentlich, daß es damals keinen in der Kirche Gottes gab, der ihm an Wissen gleichgekommen wäre. Von dem genannten Papste wurde er auch zum Bischof geweiht und leitete drei jahre lang die Erzdiözese Kapua in ganz heiligmäßiger Weise. Dann legte er dieses Amt wieder nieder und lebte nun bis zu seinem Tod in Rom. Stets war er ein uneigennütziger und treuer Berater des Papstes. Er gab auch viele ausgezeichnete Schriften heraus und erwarb sich damit vor allem das Verdienst, daß er nach dem Vorbild des heiligen Thomas entsprechend den Bedürfnissen seiner Zeit durch die unwiderstehliche Wucht seiner Beweisführung und durch eine große Fülle von Belegstellen aus der Heiligen Schrift und aus dem reichen Schatz der Kirchenväter die neuen Irrlehren überwand; er war auch ein entschlossener Vorkämpfer für die katholische Überlieferung und für die Rechte des Papstes. Auch mehrere kleinere Erbauungschriften gab er heraus und vor allem seinen goldenen Katechismus. Trotz seiner Überlastung mit anderen wichtigen Arbeiten ließ er es sich zu Kapua und auch zu Rom nicht nehmen, Kinder und Unwissende darin zu unterrichten. Ein gleichaltriger Kardinal sagte einmal, Robert sei eigens von Gott gesandt, die Katholiken zu lehren, die Frommen zu leiten, die Irrgläubigen abzuwehren. Der heilige Franz von Sales nannte ihn eine Quelle der Weisheit; Papst Benedikt XIV. bezeichnete ihn als den Hammer der Irrgläubigen, und Bendikt XV. stellte ihn allen, die die katholische Religion verbreiten und verteidigen, als Vorbild hin. Er war ein Eiferer für die Ordenszucht und hielt sich auch noch als Kardinal in vorbildlicher Weise daran. Er wollte keinen Besitz, der über das Notwendige hinausging. Er war mit wenigen Dienern, mit geringem Aufwand, mit bescheidener Kleidung zufrieden. Er suchte nicht seine Verwandten zu bereichern und ließ sich nur mit Mühe dazu bewegen, das eine oder das andere Mal ihnen in der Not beizuspringen. Von sich selbst dachte er sehr gering und besaß eine wunderbare Herzenseinfalt. Die Gottesmutter verehrte er in besonderer Weise; viele Stunden brachte er täglich im Gebete zu. Er aß nur wenig; dreimal in der Woche fastete er. Gegen sich selbst war er stets sehr streng, gegen den Nächsten aber voll Liebe und wurde sehr häufig Vater der Armen genannt. Mit Eifer war er darauf bedacht, daß er seine Taufunschuld auch nicht durch einen kleinen Makel beschmutzte. Fast 80 Jahre alt, fiel er im Ordenshause neben der Kirche des heiligen Andreas auf dem Quirinal in eine schwere Krankheit; nun glänzten seine Tugenden nur noch heller. Im Sterben standen ihm Papst Gregor XV. und mehrere Kardinäle zur Seite, voll Trauer, daß diese Säule der Kirche nun fallen müsse. Am Tag der Stigmatisation des heiligen Franziskus, deren allgemeine Gedächtnisfeier er veranlaßt hatte, entschlief er im Herrn im Jahre 1621. An seinem Leichenbegängnis beteiligte sich die ganze Stadt; alle bezeichneten ihn einstimmig als einen Heiligen. Papst Pius XI. hat ihn zuerst selig und dann heilig gesprochen; bald darauf hat er ihn auf Vorschlag der heiligen Ritenkongregation zum Lehrer der allgemeinen Kirche erklärt. Sein Leib wird in Rom in der Kirche des heiligen Ignatius neben der Grabstätte des heiligen Aloisius, wie er es selbst gewünscht hatte, fromm verehrt.
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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion »

Hl. Martyrer Bonifatius - Vita aus dem Brevier

14. Mai
Bonifatius, ein römischer Bürger, führte eine Zeitlang mit Aglaë, einer vornehmen Frau, ein sündhaftes Leben; bald aber ergriff ihn eine große Reue über seine Verirrungen und er entschloß sich, zur Sühne die Leichen der Martyrer aufzusuchen und zu bestatten. Er trennte sich daher von seinen Reisegefährten. Als er sah, wie zu Tarsus viele um des christlichen Glaubens willen mannigfach gepeinigt wurden, küßte er ihre Ketten und feuerte sie an, standhaft die Martern zu ertragen; das Leiden sei ja nur kurz, aber dann werde eine ewige Ruhe folgen. Deshalb wurde er ergriffen und mit eisernen Krallen zerfleischt; auch wurden ihm zwischen die Fingernägel und das Fleisch spitze Stifte getrieben und flüssiges Blei in den Mund gegossen. Bei all diesen Qualen hörte man aber nur das eine Wort aus dem Munde des Bonifatius: Ich danke Dir, Herr Jesus Christus, Du Sohn Gottes! Darauf warf man ihn kopfüber in einen Kessel mit siedendem Pech; doch er kam unverletzt wieder heraus. Da ward der Richter zornig und ließ ihn enthaupten. Im Augenblick seiner Hinrichtung entstand ein großes Erdbeben, so daß viele Heiden sich zum Glauben an Christus bekehrten. Tags darauf wollten ihn seine Freunde aufsuchen; aber sie mußten erfahren, daß er den Martertod gestorben war. Da kauften sie seinen Leichnam um 500 Goldstücke los, balsamierten ihn ein, hüllten ihn in ein Leinentuch und ließen ihn nach Rom bringen. Durch einen Engel erfuhr dies die Matrone Aglaë, die inzwischen auch in sich gegangen war und sich nunmehr guten Werken widmete. Sie eilte dem heiligen Leichnam entgegen und baute zu seiner Ehre eine Kirche; dort wurde der Leichnam bestattet am 5. Juni; seine Seele war am 14. Mai in den Himmel eingegangen. Sein Martyrium erfolgte in Tarsus in Cilicien, unter der Regierung der Kaiser Diokletian und Maximian.
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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion »

5. Sonntag nach Ostern
Hl. Bischof Augustinus - aus dem Brevier
Lesung 7-9
Joh. 16,23-30

Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Wir haben jetzt das Wort des Herrn zu betrachten: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werden, so wird er es euch geben. Schon in den vorhergehenden Teilen dieser Rede des Herrn wurde wegen derer, die etwas vom Vater im Namen Christi begehren, es aber nicht erhalten, dargelegt, daß man nicht im Namen des Heilands bittet, sooft man etwas erbittet, was dem Heile zuwider ist. Denn man darf nicht den Klang der Buchstaben oder der Silben nehmen, sondern das, was der Klang selbst bedeutet und was darunter richtig und wahrheitsgemäß verstanden wird. Das, so müssen wir annehmen, hatte Christus im Sinne, als er sagte: In meinem Namen. Wer daher von Christus denkt, was man vom Eingeborenen Sohne nicht denken darf, der bittet nicht in seinem Namen, wenn er auch den Buchstaben und Silben nach den Namen Christus ausspricht. Denn er bittet nur im Namen dessen, an den er in seiner Bitte denkt. Wer aber von Christus denkt, was man denken muss, der bittet wirklich in seinem Namen und er erhält auch, was er begehrt, soweit es nicht seinem ewigen Heil zuwider ist. Er erhält es, wenn er es haben darf. Denn manches wird uns nicht gerade versagt, wohl aber hinausgeschoben und erst zur gelegenen Stunde uns gegeben. Das Wort: Er wird es euch geben, ist so zu verstehen: Es soll damit auf jene Gnaden hingewiesen werden, die die Bittenden persönlich angehen. Denn alle Heiligen werden erhört, wenn sie für sich selbst etwas erbitten, aber nicht immer, wenn sie für ihre Freunde oder Feinde oder für sonst jemanden bitten; denn es heißt nicht ohne weiteres: Er wird es geben, sondern er wird es e u ch geben. Bisher habt ihr, heißt es, um nichts in meinem Namen gebeten; bittet und ihr werdet empfangen, auf daß eure Freude vollkommen werde. Diese vollkommene Freude, von der er spricht, ist keine fleischliche, sondern eine geistige; und wenn sie einmal so groß ist, daß sie gar nicht mehr zunehmen kann, dann ist sie zweifellos vollkommen. Was immer ihr erbittet, um diese Freude zu erlangen, das müssen wir im Namen Christi erbitten, wenn wir überhaupt die Gnade Gottes verstehen, wenn wir wirklich nach dem ewigen Leben verlangen. Alles andere, was wir sonst noch erbitten können, ist nichts; nicht als ob die Sache selbst nichts wäre, sondern weil im Vergleiche mit diesem hohen Gute alles andere, was wir begehren, nichts ist.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion »

Hl. Bischof und Martyrer Bonifatius - Vita aus dem Brevier
5. Juni

Bonifatius, vorher Winfried genannt, wurde gegen Ende des 7. Jahrhunderts in England geboren. Schon in früher Jugend faßte er aus Überdruß vor der Welt den Entschluß, ins Kloster zu gehen. Sein Vater versuchte vergeblich, durch weltliche Freuden ihn umzustimmen. So trat er denn ins Kloster ein und suchte unter der Leitung des heiligen Wolphard jegliche Tugend und Wissenschaft zu erlangen. Mit 30 Jahren empfing er die Priesterweihe. Nun verkündete er unermüdlich das Wort Gottes; zum größten Gewinn für die Seelen versah er dieses Amt. Gleichwohl war er unzufrieden und konnte nur unter Tränen an die vielen heidnischen Völker denken, die in Finsternis und Unwissenheit dahinlebten und dem Teufel dienten. Seine Sehnsucht war, mitzuarbeiten an der Ausbreitung des Reiches Christi. Sein Eifer für die Seelen wuchs von Tag zu Tag und steigerte sich zu ganz unwiderstehlichem Verlangen. Unter Tränen und Gebeten suchte er den Willen Gottes zu erkennen und erlangte schließlich vom Vorsteher seines Klosters die Erlaubnis, nach Deutschland zu gehen. Mit zwei Begleitern fuhr er von England ab und kam nach Dorestade in Friesland. Da aber damals gerade ein heftiger Krieg zwischen dem Friesenkönig Radbod und Karl Martell ausgebrochen war, blieb seine Predigt ohne Erfolg. Deshalb kehrte er nach England zurück; er ging wieder in sein Kloster und wurde dort gegen seinen Willen sogar zum Obern gewählt. Nach zwei Jahren legte er mit Zustimmung des Bischofs von Vinton sein Amt wieder nieder und ging nach Rom, um vom Apostolischen Stuhl sich die Vollmacht zu erwirken, den Heiden predigen zu dürfen. In Rom wurde er von Gregor II. freundlich aufgenommen; der Papst gab ihm auch statt Winfried den Namen Bonifatius. Er wies ihn nach Deutschland. Bonifatius verkündete also zuerst in Thüringen und Sachsen den christlichen Glauben. Inzwischen war auch der Friesenkönig Radbod, der grimmige Feind des Chirstentums, gestorben; darum kehrte Bonifatius nach Friesland zurück und verkündigte hier an der Seite des heiligen Willibrord drei Jahre lang das Evangelium mit solchem Erfolg, daß er die Götzenbilder zerstörte und zahllose Gotteshäuser errichten konnte. Der heilige Willibrord wollte ihn zum Bischof weihen, doch er lehnte ab, um sich ungehinderter der Bekehrung der Ungläubigen widmen zu können. Er ging wieder nach Deutschland und bewog mehrere tausend Hessen, von ihrer Abgötterei abzulassen. Von Papst Gregor wurde er nach Rom gerufen. Er legte ein feierliches Glaubensbekenntnis in die Hand des Papstes ab und wurde von ihm zum Bischof geweiht. Dann kehrte er nach Deutschland zurück und reinigte Hessen und Thüringen vollständig von den Überresten des Götzendienstes. Wegen dieser hohen Verdienste wurde er von Gregor III. zum Erzbischof erhoben und bei seiner dritten Romreise vom Papst zum Legaten des Apostolischen Stuhles bestellt. Kraft dieser Vollmacht errichtete er vier Bistümer und hielt verschiedene Kirchenversammlungen ab; unter diesen ist die von Estiennes besonders bemerkenswert; sie fand in Belgien im Bistum Cambrai statt; damals tat Bonifatius auch sehr viel, um den Glauben in Belgien zu fördern. Vom Papst Zacharias wurde er zum Erzbischof von Mainz ernannt; auf Geheiß dieses Papstes salbte er auch Pipin zum Frankenkönig. Nach dem Tode des heiligen Willibrord übernahm er die Leitung der Kirche von Utrecht, zunächst durch seinen Vertreter Eoban, dann persönlich; er gab nämlich das Bistum Mainz wieder ab und nahm in Utrecht seinen Sitz. Da die Friesen wieder ins Heidentum zurückgefallen waren, zog er noch einmal dorthin, um ihnen das heilige Evangelium zu verkünden. Mitten in dieser Tätigkeit wurde er mit Bischof Eoban und vielen anderen an der Borna von verbitterten Heiden grausam ermordet und so mit der Palme des Martyriums geziert. Der Leib des heiligen Bonifatius wurde nach Mainz gebracht und, wie er selbst bei Lebzeiten gewünscht hatte, im Kloster Fulda, das er errichet hatte, beigesetzt; dort wurde er durch viele Wunder verherrlicht. Papst Pius IX. dehnte das Stundengebet und die Messe zu seiner Ehre auf die ganze Kirche aus.
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