Gedichte

Gespräche über ausgewählte litterarische Texte.
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cathol01
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Auf der Suche nach Sinn

Beitrag von cathol01 » Sonntag 27. Juni 2004, 22:36

Wie findet ihr folgendes Gedicht eines Jugendlichen?

Warum lebe ich?
Was werde ich einmal tun?
Was will ich auf der Welt?
Und was will die Welt von mir?
Ich habe die Musik laut aufgedreht,
liege da.
In meinem Kopf dröhnen die Bässe,
und ich denke nach.
Ich bin komisch drauf.
Schon seit Wochen.
Ich will mit mir allein sein.
Ich bin auf der Suche.
Nach etwas, von dem ich weiß,
dass es nicht erreichbar ist.
Aber ich will es verstehen.
Was soll das Leben?
Warum gehe ich jeden Tag in die Schule
und lerne diesen ganzen Kram?
Ist die Welt wirklich?
Gibt es sie so, wie ich sie sehe?
Oder bilden wir das alles nur ein?
Unsere Stärke?
Unsere Liebe?
Lieben wir mit dem Herzen
oder sind wir ferngesteuert?
Von einem Gott?
Von irgendwem?
Ist stark wer Macht und Geld hat?
Oder der, der alles erträgt
Und am Ende dafür belohnt wird?
Wer bin ich?
Und wo will ich hin?
Will ich eine Freundin haben?
Oder einen Freund?
Will ich lächeln?
Will ich cool sein?
In meinem Kopf dreht sich alles wie ein Karussell
Wie ein graues Karussell.
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

Biggi
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Beitrag von Biggi » Sonntag 27. Juni 2004, 22:53

Ich denke, es drückt sehr treffend das Lebensgefühl von vielen Jugendlichen aus, zumindest von den nachdenklichen, die sich nicht permanent zudröhnen mit irgendwelchen Oberflächlichkeiten.

Und für mich wäre es ein toller Gesprächsanlass mit dem/der Verfasser/in... - notfalls auch (zunächst) in der Klasse bzw. dem Kurs, aber natürlich viel fruchtbarer unter vier Augen, wenn der/die Betreffende das zulässt.

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Administrator
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Gedicht zum Jahreswechsel

Beitrag von Administrator » Sonntag 2. Januar 2005, 19:37

Gedicht zum Jahreswechsel


Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das Alte unsere Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unseren aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittren,
des Leides, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll'n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Laß uns warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet:
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Dietrich Bonhoeffer
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Juergen
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Re: Gedicht zum Jahreswechsel

Beitrag von Juergen » Sonntag 2. Januar 2005, 19:56

Niggejohr

Dat nigge Johr es kummen,
et kam woahl in deär Nacht.
Dat olle Johr was reype,
trock ai met seyne Kevpe
un heät ues Avschaid saggt.

De Klokke heät all slagen;
de Teyt, dai blitt nicht stohn.
De nigge Dür stäiht oapen;
vey wellt im Gläuwen, Hoapen,
den Weäg niu widder gohn.

Män tau, in Goarres Namen!
Hört, Luie, weyt im Land:
Vey wünsket Glück uch allen!
Un söll in Näut bai fallen,
hai fällt in Goarres Hand.
Theodor Pröpper

Biggi
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Beitrag von Biggi » Sonntag 2. Januar 2005, 21:26

Jahresweihe

Ich leg in Deine guten Vaterhände,
Was Du an Sorgen schickst, an Freuden schenkst.

Ich weihe Dir die Meinen, die ich liebe,
Damit Du gnädig ihre Wege lenkst.

Ich weihe Dir die Menschen, die ich führe,
Führ Du sie einmal in den Himmel ein.

Ich weihe Dir die Arbeit, die ich schaffe,
Laß meine schwache Hand gesegnet sein.

Ich weihe Dir die Freude des Erfolges,
In dem ich dankbar Deinen Ansporn seh’.

Ich weihe Dir den Ansturm der Versuchung,
Gib Du mir Kraft, daß ich ihr widersteh’.

Ich weihe Dir mein Herz und was es einschließt.
Ich weihe Dir mein Wollen, gut zu sein.

Komm, mächt’ger Vater, gib mir Deinen Segen,
Bleib bei mir, hilf mir, laß mich nicht allein!

Amen!
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll.
(Adolph Kolping, Patron des XX. Weltjugendtags 2005)

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pierre10
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Manche Menschen.....

Beitrag von pierre10 » Montag 31. Oktober 2005, 22:19

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es ist,
sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich
ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk des Himmels sind.
Sie wüssten es, würden wir es ihnen sagen.

Von einem unbekannten Autor mit lieben Grüßen von Pierre
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Niels
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Durs Grünbein: Ein letztes Gedicht für...

Beitrag von Niels » Montag 12. Januar 2009, 21:06

den Palast der Republik...

Durs Grünbein: Es gab mal ein Haus in Berlin...
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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ifugao
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Gedichte

Beitrag von ifugao » Freitag 20. März 2009, 19:12

Ob es einen solchen Thread schon gibt weiß ich nicht.
Fangen wir doch mit Matthias Claudius einmal an.

http://www.youtube.com/watch?v=EVltBqQY ... re=related
Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
Mahatma Gandhi

taddeo
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Re: Gedichte

Beitrag von taddeo » Freitag 20. März 2009, 19:40

Direkt einen allgemeinen Gedichte-Thread gibt's scheinbar tatsächlich noch nicht, aber jedenfalls wird diesen hier wohl ein Moderator über kurz oder lang in die Bibliothek schubsen, wo er auch hingehört. ;D

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pierre10
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Re: Gedichte

Beitrag von pierre10 » Freitag 20. März 2009, 22:35

Dürfen es auch eigene Gedichte sein?

Bist Du einsam.....

Bist Du einsam mit dem andern
hast Du nicht nur falsch gewählt.
Vielleicht hast Du nicht verstanden,
dass die Liebe einfach fehlt.

Einsam sein ist fast unmenschlich,
lieber bin ich dann all-ein
such den andern in mir selber
find‘ mich selbst im Sonnenschein.

Und aus diesem Licht heraus
kann den andern neu ich sehen,
mich ihm öffnen, lieben, lachen,
mit ihm eine Weile geh’n.

Hab ich die Endlichkeit verstanden,
leid nicht mehr, wenn’s vorbei
obwohl ein heimlicher Gedanke sagt,
nur mit IHM bin ich endlich frei.

Doch dazu muss ich mich bemühen
Gemeinsamkeit kommt nicht im Nu,
wie alles Leben wächst die Liebe
als Basis für das „Ich und Du“.

Pierre
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ad_hoc
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Re: Gedichte

Beitrag von ad_hoc » Sonnabend 21. März 2009, 00:55

Eines der ergreifendsten Gedichte - Gottseidank - auf youtube :

http://www.youtube.com/watch?v=GifxekQOX-U

...und hier der Text:

http://www.literaturwelt.com/werke/goet ... thule.html

Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

maliems
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Re: Gedichte

Beitrag von maliems » Sonnabend 21. März 2009, 02:54

Bin Fan von Christian Morgenstern,

aber mal was anderes:

mir fehlen 2 Lücken aus:


Der Opa ist ein frommer Mann,
er liest in seiner Bibel
Die Oma ...........
schält in der Küche Zwiebeln

Der Opa ist ein frommer Mann,
er weint ob seiner Sünden.
Die Oma..............
die weint aus andern Gründen.


Kann jemand die Lücken ausfüllen?

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Linus
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Re: Gedichte

Beitrag von Linus » Sonnabend 21. März 2009, 08:28

"nicht anders kann" :D :hae?:
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
"Black holes are where God divided by zero. - Einstein

Maja
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Re: Gedichte

Beitrag von Maja » Sonntag 22. März 2009, 23:18

Unsere tiefste Angst ist nicht, ungenügend zu sein.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir über alle Maßen kraftvoll sind.
Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, was wir am meisten fürchten,
Wir fragen uns, wer bin ich denn, um von mir zu glauben,
dass ich brillant, großartig, begabt und einzigartig bin?
Aber genau darum geht es,
warum solltest Du es nicht sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Dich klein zu machen nützt der Welt nicht.
Es zeugt nicht von Erleuchtung, sich zurückzunehmen,
nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen.
Wir alle sind aufgefordert, wie die Kinder zu strahlen.
Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen.
Sie ist nicht in einigen von uns, sie ist in jedem.
Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen,
geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis,
das Gleiche zu tun.

Nelson Mandela
"Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin." 1 Kor 12

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cantus planus
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Re: Gedichte

Beitrag von cantus planus » Montag 23. März 2009, 14:12

Die Sagen, die der Erde sich entfernen,
vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret,
sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen
wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.

Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen
von der Natur, als wie die Tag' verblassen
im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder,
der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.

In kurzer Zeit hat vieles sich geendet,
der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget,
er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget,
in solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.

Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret
ist wie die Wolke nicht, die Abends sich verlieret,
es zeiget sich mit einem goldnen Tage,
und die Vollkommenheit ist ohne Klage.

(Friedrich Hölderlin)
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

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julius echter
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Re: Gedichte

Beitrag von julius echter » Montag 23. März 2009, 17:16

Kein Gedicht, aber ich mag es:
Nun ward der Winter unsers Mißvergnügen
Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks;
Die Wolken all, die unser Haus bedräut,
Sind in des Weltmeers tiefem Schoß begraben.
Nun zieren unsre Brauen Siegeskränze,
Die schart'gen Waffen hängen als Trophä'n;
Aus rauhem Feldlärm wurden muntre Feste,
Aus furchtbarn Märschen holde Tanzmusiken.
Der grimm'ge Krieg hat seine Stirn entrunzelt,
Und statt zu reiten das geharn'schte Roß,
Um drohnder Gegner Seelen zu erschrecken,
Hüpft er behend in einer Dame Zimmer
Nach üppigem Gefallen einer Laute.
Doch ich, zu Possenspielen nicht gemacht,
Noch um zu buhlen mit verliebten Spiegeln;
Ich, roh geprägt, entblößt von Liebesmajestät
Vor leicht sich dreh'nden Nymphen mich zu brüsten;
Ich, um dies schöne Ebenmaß verkürzt,
Von der Natur um Bildung falsch betrogen,
Entstellt, verwahrlost, vor der Zeit gesandt
In diese Welt des Atmens, halb kaum fertig
Gemacht, und zwar so lahm und ungeziemend,
Daß Hunde bellen, hink ich wo vorbei;
Ich nun, in dieser schlaffen Friedenszeit,
Weiß keine Lust, die Zeit mir zu vertreiben,
Als meinen Schatten in der Sonne spähn
Und meine eigne Mißgestalt erörtern;
Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter
Kann kürzen diese fein beredten Tage,
Bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden
Und feind den eitlen Freuden dieser Tage.
Anschläge macht' ich, schlimme Einleitungen,
Durch trunkne Weissagungen, Schriften, Träume,
Um meinen Bruder Clarence und den König
In Todfeindschaft einander zu verhetzen.
Und ist nur König Eduard treu und echt,
Wie ich verschmitzt, falsch und verräterisch,
So muß heut Clarence eng verhaftet werden,
Für eine Weissagung, die sagt, daß G
Den Erben Eduards nach dem Leben steh'.
Taucht unter, ihr Gedanken! Clarence kommt.

William Shakespeare
RICHARD III
Honi soit qui mal y pense

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pierre10
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Re: Gedichte

Beitrag von pierre10 » Dienstag 24. März 2009, 01:52

Weltliteratur, gut und schön, aber vielleicht doch mehr eigene Gedichte????

Pierre
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Robert Ketelhohn
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Re: Gedichte

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 24. März 2009, 02:13

Schließt sich das aus? ;D
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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pierre10
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Re: Gedichte

Beitrag von pierre10 » Dienstag 24. März 2009, 09:14

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Schließt sich das aus? ;D
Natürlich nicht.

Hier eines meiner ersten vor fast 50 Jahren, wir waren im Ferienhäuschen der Eltern im Hochwald.

Für meine Mädchen

Häuslein klein
Kinderlachen
Tannenrain
Dumme Sachen
Dazu viele
Neue Dinge
Laute Spiele
Carry singe
Neue Lieder
für die Beiden
Immer wieder
Kleine Leiden
Und zum Schluss
Alles gut
Mami Kuss
Neuen Mut

von Pierre 1960
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civilisation
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Re: Gedichte

Beitrag von civilisation » Dienstag 24. März 2009, 17:51

http://www.youtube.com/watch?v=iUG-XcLPxc

Auch das ist ein Gedicht ... ;D

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Robert Ketelhohn
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Re: Gedichte

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 24. März 2009, 23:10

Eben gefunden: http://www.mykath.de/lofiversion/index.php/t1869.html
Daraus:
Ketelhohn (11.1.22, 23:46) hat geschrieben:Wollt ihr so tiefe Gedanken nicht in Distichen fassen?
Goethe und Schiller sogar stünden wohl Pate dem Werk.
Ketelhohn hat geschrieben:Klassischerweise sind zwar, doziert der kundige Dichter,
Distichen Schillern zum Trotz Versmaß der Elegie.
Ketelhohn hat geschrieben:Scharfsinnig Wort jedoch und treffender Witz sind’s würdig:
Gießt sie in Xenien erneut! Internet schillert vor Geist.
Ketelhohn hat geschrieben:Frisch vom Parteitag der Berliner SPD:

Wowereit hat keine Kohle im Säckel, drum läßt er uns darben.
Klausi hat dafür ’nen Freund: Heißa, die Party geht ab!

Sagt ein Genosse: Nee, der Klaus, der hat mehr als einen.
Antwort: Lustknaben sag! Freund hat so einer keinen.
Ketelhohn hat geschrieben:Àpropos „metrische Fehlgeburten“:

Titus, der griff sich ’nen Knüppel und hieb damit drauf auf die Dichter.
Kaum ward Martial des gewahr, schob er’s dem Titus ins Maul.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Robert Ketelhohn
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Re: Gedichte

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 24. März 2009, 23:28

Ach, da hab’ ich noch was … Vor über einem Jahrzehnt, da hatte eine deutsche
Wochenzeitung mal zum Verfassen „neuer Xenien“ aufgerufen. Folgendes hab’ ich
ihnen damals geschickt:
Robert Ketelhohn (September 1998) hat geschrieben:Disticha tria prosodica

Deutsche Zunge in Distichen zwängen heißt ihr Gewalt tun;
Längen und Kürzen kennt welsche Melodik allein.

Goethe und Schiller nennt ihr als Meister, Martialem sogar auch.
Sollen die Zoten Martials wirklich uns Vorbilder sein?

Einige eurer Pointen schillern vor treffsich’rem Witze.
Doch in manchem Gedicht wabert die fixe Idee.

Monendum superfluum lectoris perarguti

Klassischerweise sind, doziert der kundige Leser,
Distichen Schillern zum Trotz Versmaß der Elegie.

Disticha plagiaria

Solcherart sind meine Verse wohl, wie der Wein, den ich koste.
Schrott allein dichtet mein Geist, wenn der Magen mir knurrt.

Bacchus weigert‘ sich eben, mir zu Diensten zu sein;
Mangels eigner Idee kupfert‘ ich anderswo ab.

Erzpoeten hieß man den Mann, von welchem ich freventlich
Stahl, ich gesteh’s euch frank. Habt ihr’s klüglich bemerkt?

Distichon decisivum

Gründe fand ich genug, eurem Ansinnen zu widerstreben.
Doch die Eitelkeit drängt: Drum werd‘ ich euch willfahren.

Lamentatio generalis

Schweift des Dichters von Sorgen getrübter Blick durch die Lande,
Flieht ihn die Muse sogleich; Tränen gebiert er, nicht Sang.

Disticha sagittifera

Aus politisch korrektem Rollstuhle tönt schwarz-grüne
Zukunftsmusik an mein Ohr: Wolfgang hat Joschka studiert.

„Arbeit muß billiger werden“, leiern Schwarz, Rot und Grüne.
Auf! ruf ich, auf zum Sudan! fangt euch, was Sklaven ihr braucht.

„Teurer werd‘ Energie“, so schrei’n die politischen Chöre.
Recht so, tretet’s Pedal, bis der Schornstein euch raucht.

Theo, der hat keine Kohle im Säckel, drum läßt er uns darben.
Theo hat dafür den Kohl, Kohl hat den Theo: welch Glück!

Zaster horten zuhauf die Herren Bankiers und Magnaten.
Doch sind die Schulden enorm, faul ist mancher Kredit.

Unvorstellbare Summen kursier’n im globalen Kasino.
Kommt, Leute, spielt! Auch du! Bist schon mit fünf Mark dabei.

Michel, nun gilt es: Futures, Optionen, Kasino, Kasino:
Setz mit System auf Gewinn. (Los, wir brauchen den Kies!)

Unaufhörlich zieht die weltweite Blase Geld ein.
Doch der Innendruck steigt: Was, wenn die Sumpfblase platzt?

Excursus de navi stultifera

Narrenschiff steuert verderblichen Kurs, den Käpt‘n es wechselt.
Ruft der neue Kap’tän: Steuermann, halte den Kurs!

Narrenschiffs Käpt’n – der Name ist wurst – tut philosophieren:
„Wasser steht mir am Hals. Heißa! Seefahrt tut not.“

Narrenschiffs Käpt’n befiehlt bei stürmischer See seinen Narren:
„Öffnet die Schotten weit! Wir sind global!“ - Gluck, gluck.

Distichorum sagittiferorum continuatio

Theo dem Helmut ‘nen Globus schenkt; entgegnet ihm Helmut:
„Ich bin global!“ – „Warum?“ – „Bin wie der Globus so rund.“

Vielzahl der Währungen hemmt den globalen Umlauf des Geldes.
Her mit dem Euro sofort! Aasgeier warten schon drauf.

Frohe Kunde: Man wird von allen Neurosen uns heilen.
Weg fällt das lästige „N“. Bleibt nur Eurose fortan.

Erubescens profero istud modo Martialis compositum:

Bill, hört man, ließ in der Mittagspause ein Dämchen blasen;
Gerhard hat ihrer drei, während der Oskar kassiert.

Conclusio prior

Wahlen stehen bevor, doch besser nennt‘ man sie Qualen.
Wozu nützt diese Farce? Scheiß‘ auf die Bundestagsqual.

Disticha salutifera

Wachset und mehrt euch, Adams Geschlecht, bevölkert den Erdkreis.
Denn zum Herrn übers All hat Gott den Mann gesetzt.

Auftrag ward dir, o Mensch, daß du allem Geschöpfe gebötest:
Zaudere nicht, deinem Gott würdiges Abbild zu sein.

Adam war’s, der zuerst das Gebot übertrat und zu Fall kam.
Dies bracht‘ den Tod in die Welt. Wächst dawider ein Kraut?

Gott hat uns selber den Heiland gesandt, den Herrn Jesus Christus:
Adams glückliche Schuld, daß sie solches gewann!

Müh‘ dich nur eifrig, o Mensch, doch sieh! mühst stets dich vergebens.
Frucht wächst alleine vom Kreuz: heilsames Holz aller Welt.

Blut entquoll und Wasser der Wunde: ein Strom des Heiles.
Draus die Kirche erwuchs: Sie ist des Lebens Tür.

Neuen Jerusalems Bürger genießen auch irdischen Friedens.
Doch merke wohl dabei: Diese Welt wird vergeh’n.

„Jedermann sei der Obrigkeit untertan, die die Gewalt hat“ –
Schwer ist, Paule, dies Kreuz. Herr, erbarme dich mein.

Conclusio sub æternitatis specie

Pilgerschaft ist dies irdische Leben; sei, was du sein sollst:
Pilger mit flüchtigem Fuß; droben dann Erbe und Sohn.

Disticha perultima „metodica“

Núnquam débeat áltera péntametrí tripodía
Spóndeum ín digití nósse locúm metricí.

Vós autém speró propitiós rudis ésse poétæ:
Sérmo resístit eí óbnititúrque metró.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

obsculta
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Re: Gedichte

Beitrag von obsculta » Dienstag 24. März 2009, 23:35

Mit die schönsten Gedichte,die ich kenne,sind die
Sonette von Shakespeare.

Sonett CXIII

Mein Auge ist,seitdem ich von dir schied,
In meinem Geist und führt mich schlecht umher,
Da es,hab blind,nur halben Dienst versieht,
Und sehend scheint,wenn es in Wahrheit leer.
Denn was an Blumen es und Vögeln schaut,
Kein eindruck wird dem Herzen zugelenkt,
Der Seele keine Süur davon vertraut,
Noch hält es selber fest,was es empfängt.
Denn sieht s Unform oder höchste Pracht,
Ob Mißgestalten oder reisnste Zier,
Ob Berg und Wellen oder Tag und Nacht,
Ob Kräh`und Taube,alles formt`s nach Dir.
Für andres stumpf,macht,voll von dir allein,
Mein treues Herz untreu der Augen Schein.

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Raphael
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Re: Gedichte

Beitrag von Raphael » Mittwoch 25. März 2009, 08:23

:pfeif:

Dunkel war's der Mond schien helle,
Schnee lag auf der grünen Flur
als ein Auto blitzeschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossener Hase,
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Auf 'ner grünen Rasenbanke,
die rot angestrichen war,
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.

Im Arm ne' alte Schrulle,
zählte kaum erst 17 Jahr,
In der Hand ne' Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.

Und verliebt sprach er zu ihr,
mein geliebtes Trampeltier.
Augen hast du wie Korallen,
die dir aus dem Kopfe fallen.
Und eine Nase sag ich dir,
alle Kälber gleichen dir.

Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing der Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.

Und der Wagen fuhr im Trabe,
rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
und mit fürchterlichem Krach,
spielen in des Grases Zweigen
zwei Kamele lautlos Schach.

Und zwei Fische liefen munter,
durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter,
und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht von J.W. Goethe,
schrieb Schiller abends bei der Morgenröte,
als er auf dem Nachttopf saß,
und die Mittagszeitung las.

;D
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

taddeo
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Re: Gedichte

Beitrag von taddeo » Mittwoch 25. März 2009, 08:40

Raphael hat geschrieben:Dies Gedicht von J.W. Goethe,
Goethe - das ist doch der mit der "Kleinen Nachtmusik": Ta-ta-ta-taaaa ... :pfeif:

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ifugao
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Re: Gedichte

Beitrag von ifugao » Sonntag 29. März 2009, 19:27

Ein indianisches Gedicht.





Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.

Ich will wissen, wonach du dich sehnst

und ob du es wagst, davon zu träumen, das Sehnen deines Herzens zu erfüllen.


Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.

Ich will wissen, ob du es riskieren willst, wie ein Verrückter nach Liebe zu

suchen, nach deinen Träumen, nach dem Abenteuer, lebendig zu sein.


Es interessiert mich nicht, welche Sterne deinen Mond kreuzen.

Ich will wissen, ob du das Zentrum deines eigenen Kummers berührt hast,

ob du geöffnet wurdest durch die Treuebrüche oder verwelkt und verschlossen

aus Angst vor weiterem Schmerz.


Ich will wissen, ob du in Schmerz sitzen kannst, deinem oder meinem, ohne dich

zu bewegen, um ihn zu verbergen, zu schmälern oder zu fixieren.


Ich will wissen, ob du in Freude sein kannst, deiner oder meiner;

ob du ausgelassen tanzen und die Ekstase dich füllen lassen kannst bis zu

deinen Finger- und Zehenspitzen, ohne dich in Vorsicht zurückzunehmen,

realistisch zu sein oder die Schranken des Menschseins zu erinnern.


Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.

Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst,

um dir selber treu zu bleiben,

ob du die Anklage eines Treuebruchs aushalten kannst,

ohne deine eigene Seele zu betrügen.


Ich will wissen, ob du vertrauen und deshalb auch vertrauenswürdig sein kannst.

Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst,

selbst wenn es nicht jeden Tag schön ist,

und ob du die Quelle deines Lebens in Gottes Gegenwart finden kannst.


Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem oder meinem und

immer noch am Ufer des Sees stehen

und dem silbernen Vollmond zurufen kannst: „Ja!“


Es interessiert mich nicht zu wissen, wo du lebst oder wie viel Geld du hast.

Ich will wissen, ob du, matt und zerschlagen nach einer Nacht in Kummer und

Verzweiflung, aufstehen kannst und tun, was für die Kinder nötig ist.


Es interessiert mich nicht, wer du bist, wie du herkamst.

Ich will wissen, ob du mit mir im Zentrum des Feuers stehen kannst

ohne zurückzuschrecken.


Es interessiert mich nicht, wo und was und mit wem du studiert hast.

Ich will wissen, was dich von innen stützt, wenn alles andere wegfällt.

Ich will wissen, ob du mit dir selber allein sein kannst und ob du wahrhaftig die

Gesellschaft deiner leeren Augenblicke liebst.
Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
Mahatma Gandhi

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pierre10
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Re: Augen blicken mich an

Beitrag von pierre10 » Montag 30. März 2009, 00:50

Augen blicken mich an,
Fragen stehen darin,
Suchen die Menschen wirklich,
oder gehen sie nur einfach so
durch die Menge der Menschen?

Augen blicken mich an,
oft steht darin die Angst,
angesprochen zu werden.
Ist das nicht ein Zeichen
für fehlende Sicherheit?

Augen blicken mich an,
lächeln verhalten,
weichen meist meinem Blick aus.
Die wirklichen Fragen
kommen erst später, vielleicht nie!

Augen blicken mich an
suchen verhalten Kontakt,
erwarten Antwort, sehnen
sich nach der Lösung, ohne
die Frage stellen zu können.

Augen blicken mich an,
manchmal geht ein Strahlen,
eine innere Energie und Wärme
von ihnen aus und heilt
die anderen drum herum.

Kinderaugen blicken mich an
mit Unverständnis ob der Erwachsenen,
mit Freude über die bunten Dinge,
die Steine, Bilder und Bücher,
den Hintergrund instinktiv erfassend.

Wenige alte Augen blicken mich an
staunen über das Angebot und
die traurigen Seelen der anderen.
Tiefes Wissen, innerer Frieden leuchtet
oft aus ihnen und somit Würde.

Blinde Augen sehen mich an,
denn viele gehen offenen Auges
durch eine Welt von Schönheit
und innerem Reichtum
ohne dies zu erkennen,

Sie sind blind für die Liebe.
Pierre
Grenzen im Kopf sind sehr hinderlich

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pierre10
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Re: noch'n Gedichte

Beitrag von pierre10 » Montag 30. März 2009, 01:23

Die Zeit,

Lieber Gott,
du hast doch die Zeit erschaffen,
ich verzweifle bald daran,
schön, sie heilte manche Wunden,
doch sie machte mich auch alt.

Kannst Du sie nicht anders schalten,
warum, das ist mir nicht klar,
hast Du sie nicht angehalten,
einmal, als ich glücklich war.

und warum muss sie so schleichen,
gerade wenn mich was bedrückt
Ist das nicht ein sichres Zeichen,
dass die Zeit nicht richtig tickt?

Lieber Gott, wie schwer erträglich
hast Du nur die Zeit gemacht.
Oder hast Du Dir womöglich
irgendwas dabei gedacht?

Dieses Gedicht,
von Sonja Martin kam eines Tages übers Internet zu mir.
Da ich nun eine ganz andere Einstellung zur Zeit habe, musste ich darauf antworten.

Die Zeit.... von Pierre

Lieber Gott, Du hast diese Zeit erschaffen,
dafür danke ich Dir sehr,
denn ich durfte Weisheit raffen,
und bekomme immer mehr.

Danken möchte ich Dir heute
dass Du sie nicht angehalten
als die bösartige Meute
mich den „Unwürdigen“ schalten.

Heut im Alter beim Zurückblick
weiß ich dass die Zeit verging,
immer so wie ich es brauchte
um zu lernen um was es ging

Sicher hab ich auch gelitten,
aber immer mich bemüht
Dich um einiges zu bitten
ungeduldig, oft verfrüht.

Immer habe ich’s genossen
Dich zu spüren, lebenslang
Sprech’ ich mit Dir, unverdrossen
Dank für meinen Tatendrang.

Zu Beginn des Lebensabend
freue ich mich mehr und mehr,
über den Moment, erhabend,
meiner neuen Wiederkehr.

Lieber Gott wie gut erträglich
hast Du meine Zeit gemacht,
ich bin sicher, Du hast täglich
immer mal an mich gedacht.

Pierre Januar 2001 nach einer Herzoperation
Grenzen im Kopf sind sehr hinderlich

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Peti
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Re: Gedichte

Beitrag von Peti » Montag 30. März 2009, 08:58

Nur wer die Leier schon hob


Nur wer die Leier schon hob
Auch unter Schatten,
Darf das unendliche Lob
Ahnend erstatten.

Nur wer mit Toten vom Mohn
Aß, von dem ihren,
Wird nicht den leisesten Ton
Wieder verlieren.

Mag auch die Spieglung im Teich
Oft uns verschwimmen:
Wisse das Bild.

Erst in dem Doppelbereich
Werden die Stimmen
Ewig und mild.


Rainer Maria Rilke
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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ifugao
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Re: Gedichte

Beitrag von ifugao » Freitag 17. April 2009, 00:37

Ein Samurai fordert von von einem Priester die Erklärung von Himmel und Hölle. Doch der Priester antwortet nur verächtlich: "Du bist doch nichts als ein Flegel und mit deinesgleichen Pöbel vergeude ich doch nicht meine Zeit." Tief in seiner Ehre getroffen, rasend vor Wut, zieht der Samurai sein Schwert und schreit: "Diese Frechheit sollst du mir büßen! Sterben wirst du!" Gelassen antwortete der Priester: "Das ist die Hölle." Völlig verblüfft und in Erkenntnis der Wahrheit dessen, was der Priester über die Wut gesagt hat, die den Krieger überwältigt hatte, steckt der Krieger sein Schwert in die Scheide zurück und dankt dem Priester mit einer Verbeugung für die Einsicht, die er ihm vermittelt hat. "Und das", sagt der Priester,"das ist der Himmel."
Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
Mahatma Gandhi

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Re: Gedichte

Beitrag von ifugao » Freitag 17. April 2009, 00:48

Insider wissen,
dass der Schafhirte
seiner Herde voran geht

Nur Fremdlinge meinen,
sie müssten hinterher laufen
um die Herde anzutreiben.

Dies jedoch
ist die Aufgabe
der Schäferhunde,
falls wirklich mal eins
überhaupt nicht nachfolgen will.

Der gute Hirte
lockt seine Schafe
mit wenigen, ruhigen Worten
und deshalb vertrauen sie ihm.


Der Grund,
warum soviel christliche Schafe,
heute den Weg nicht mehr finden,
ist, dass ihre Hirten
nicht im Glauben und Beispiel
vorangehen
sondern in wildem Aktionismus
und Managerallüren,
kreuz und quer
durch die Herde laufen,

da und dort anrempeln,
und ein paar bissige Worte verteilen,
wenn die Herde
ob des seltsamen Verhaltens
ihrer Leiter,
erschrocken auseinander stiebt.

Diese Priester und Pastoren,
haben nicht die Qualität eines Hirten,
da sie selbst ziellos umherirren;

sie sind eher
mit den vierbeinigen Kläffern
und Wadenbeissern
zu vergleichen.
Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
Mahatma Gandhi

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Re: Gedichte

Beitrag von ifugao » Mittwoch 3. Juni 2009, 19:46

Gott liebt Tango
Manchmal versteckt sich Oma Hilde
nach dem Gottesdienst im Saal.
Früher, da war sie mal`ne Wilde,
heute wird ihr jeder Schritt zur Qual.
Und wenn sie endlich ganz allein ist,
erklimmt sie endlich den Altar.
Und dann lacht sie: "Gott ist anders."
Und sie strahlt so wie ein Star:
"Ich bin sicher: Gott liebt Tango,
er tanzt mit mir durch diese Welt,
hält mich fest in seinen Armen
und weiß genau was mir gefällt.
Er führt mich aufs Parkett des Lebens,
mit ihm hab ich so manche Nacht
voller Feuer und mit Liebe
bis zum Morgen durchgemacht!"
Plötzlich da zuckt`s in ihren Gliedern
und die Knie werden weich.
zu den alten, flotten Liedern
legt sie los. Doch da steht bleich
in der Eingangstür der Pfarrer
und es trifft ihn fast ein Schuh.
"Hey", ruft Hilde, "Gott ist anders,
als du predigst. Hör mal zu:
Ich bin sicher: Gott liebt Tango ..."
Gegen Abend sieht der Küster,
und der ist ausnahmsweise nett:
Na, jetzt tanzt auch der Herr Pfarrer,
der singt mit Hilde im Duett:
"Ich bin sicher: Gott liebt Tango ..."
Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
Mahatma Gandhi

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