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Desinvoltura

Verfasst: Donnerstag 16. Juni 2005, 21:35
von Ewald Mrnka
"Über die rechte Art zu verachten


Desinvoltura 

Desinvoltüre Kampfmittel aller Vaterlandsfreunde in scheinbar aussichtsloser Lage als Überlebens- und Kampfmittel. (Machiavelli)

Von Haus aus nichts weiter als „Ungezwungenheit“, „Lässigkeit“ bedeutend, meint in der machiavellistischen Version eine Art von Geistesboykott, ein höheres Mobbing, ein hochironisches, genau überlegtes „Arbeiten nach Vorschrift“.

Man läßt den aufgeblasenen Machthaber spüren: „Wir können zwar (noch) nichts gegen dich machen, aber wir halten jede deiner Behauptungen und vor allem jede deiner Anweisungen für vollkommenen Unfug, für den puren Ausfluß von Dummheit oder von Feigheit oder von Frechheit oder von allen dreien zusammen“. Den Machthabern wird intensiv beigebracht, daß sie momentan zwar über die Hände und vielleicht über die Worte der Anständigen und Anspruchsvollen gebieten, doch nie und nimmer über ihre Seelen und Herzen.

Parallel dazu muß ein Aufbau von Gegenwelten gegen die offizielle, von den Medien propagierte Welt der Mächtigen passieren: Geheimsprachen und andere Zeichensysteme, mit deren Hilfe man sich ungestört untereinander verständigen kann.

Ferner ist auf seiten der Desinvoltüre Übenden ein gerütteltes Maß Unempfindlichkeit gegenüber Zumutungen nötig.

Die Kampagnen der Machthaber müssen von den Verächtern abperlen wie Wassertropfen von einem Krokodilpanzer. Es gilt, in allen Lagen gelassen, humorvoll und liberal zu bleiben.

Um Desinvoltüre zu üben ist eine (altpersische) Weisheit vonnöten, die bei Schopenhauer steht:

„Der Spötter Witz kann nichts verächtlich machen,
was wirklich nicht verächtlich ist“.

Verfasst: Donnerstag 16. Juni 2005, 22:05
von Petra
Interessant.

Aber liest du auch mal was Heiteres, Ewald? Z.B. Heinz Erhardt, Eugen Roth, Kästner? Keine Ahnung, ob die nun cc (catholisch correct) sind, aber die Lektüre hebt das Gemüt. Man muss doch zwischendurch auch mal lachen können. :ja:

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 05:54
von Ewald Mrnka
Liebe Petra, ich lese auch Heiteres und ich lache gern. Ich bin auch albern und finde manchmal Situation komisch, die andere als ernst empfinden. Umgekehrt spüre ich in manchen "lustigen" oder "heiteren" Stücken Wehmut und leise Trauer. Zum ersten Male war mir das vor vielen Jahren aufgefallen, als ich die "Kleine Nachtmusik" hörte.

Ich lese nicht nur "Katholisch-korrektes" - die wenigsten Bücher, die ich gelesen habe, sind katholisch und fromm. Im Forum lernt man sich kaum kennen. Du bist vermutlich ein mitfühlender, sensibler Mensch, vielleicht romantisch disponiert und dabei versöhnlich. Es tut mir leid, daß ich Dich neulich so derb und sarkastisch angezählt habe. Ich bitte Dich um Verzeihung.[color=#] [/color]

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 14:11
von Petra
:freude:

Schön. Dann werde ich zukünftig sanfter auf deine Beiträge reagieren. *ganzfestvornehm* ;)