Gedichte

Gespräche über ausgewählte litterarische Texte.
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lutherbeck
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Re: Gedichte

Beitrag von lutherbeck » Freitag 15. Januar 2016, 17:14

ungleiche brüder

kain erwarb ein schloss,
abel ‘s erdgeschoss.
kain fuhr mit dem bus,
abel ging zu fuss.
kain die nacht durchwachte,
abel ‘s tagwerk machte.
kain schlief mit den schwestern,
abel war von gestern.
kain ass hirsch und has‘,
abel kaute gras.
kain trank bier und wein,
abel wässerlein.
kain zog an zigarren,
abel schwere karren.
kain nahm kokain,
abel sah man knien.
kain zu lachen wusste,
abel weinen musste.
kain ward alt, uralt,
abel starb schon bald.

Gerhard Rühm
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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Peti
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Re: Gedichte

Beitrag von Peti » Sonntag 7. Oktober 2018, 16:10

Heimat
ist für mich dort,
wo ein Mensch ist,
zu dem ich kommen kann,
ohne gefragt zu werden warum ich da bin,
der mir einen Tee anbietet,
weil er weiß, dass ich Tee trinke,
und wo ich bei dieser Tasse Tee
schweigen darf.

Reiner Kunze
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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martin v. tours
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Re: Gedichte

Beitrag von martin v. tours » Sonntag 7. Oktober 2018, 17:24

Klingt als hätte Reiner Kunze dieses Gedicht seinem Kellner in seinem Stammkaffee gewidmet. 8)
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Peti
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Re: Gedichte

Beitrag von Peti » Sonntag 7. Oktober 2018, 17:46

Ganz sicher nicht. Kunze ist alles andere als plump.
http://www.planetlyrik.de/reiner-kunzes ... c/2015/09/
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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martin v. tours
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Re: Gedichte

Beitrag von martin v. tours » Sonntag 7. Oktober 2018, 20:19

Mensch Peti
Das sollte ein Scherz sein (hat wohl nicht funktioniert)
:tuete:
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Peti
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Re: Gedichte

Beitrag von Peti » Sonntag 7. Oktober 2018, 20:37

Entschuldige. War da ein bißchen überempfindlich.
Meine Frau ist heute nach einem schwierigen Krankenhausaufenthalt
wieder heimgekommen.
Drum ist mir das Gedicht eigentlich eingefallen.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Niels
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Re: Gedichte

Beitrag von Niels » Montag 8. Oktober 2018, 09:00

Hauptsache, Deiner Frau geht es jetzt einigermaßen gut.

Ich habe Herrn Kunze vor einigen Jahren persönlich kennengelernt - ein sehr angenehmer und interessanter Mensch.
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Peti
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Re: Gedichte

Beitrag von Peti » Montag 8. Oktober 2018, 19:32

Ende der siebziger Jahre hab ich mit großem Interesse seine
"wunderbaren Jahre" gelesen.
Und wenn in den letzten Jahren einige Kollegen voller Ostalgie schwärmten,
hab ich sie manchmal auf ihn hingewiesen.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Juergen
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Re: Gedichte

Beitrag von Juergen » Montag 8. Oktober 2018, 19:41

Wenn eins Geräusch den Raum durchfährt,
das des Vortags Zwiebel ehrt,
verlaß das Zimmer ganz geschwind,
denn eklig ist des Darmes Wind.


:ikb_sick:
Gruß
Jürgen

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Peti
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Re: Gedichte

Beitrag von Peti » Dienstag 16. Oktober 2018, 19:15

Liebesgedicht nach dem Start
oder
Mit dir im selben Flugzeug

Sieh den schatten auf der erde den winzigen schatten der
mit uns fliegt

So bleibt die größte unserer Ängste
unter uns zurück

Nie ist die Wahrscheinlichkeit geringer daß der eine
viel früher als der andere stirbt

Reinen Kunze
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Niels
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Re: Gedichte

Beitrag von Niels » Donnerstag 18. Oktober 2018, 16:07

Wenn Du mit "Reinen Kunze" den von mir geschätzten Reiner Kunze meinst, habe ich eine Frage:

Warum sind die beiden "Schatten" kleingeschrieben und der Rest nicht? Absicht des Autors oder Copy&Paste ohne Nachdenken?
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Peti
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Re: Gedichte

Beitrag von Peti » Donnerstag 18. Oktober 2018, 16:29

Ich hab das Gedicht aus seinem aus seinem Gedichtband
"auf eigene hoffnung" :

Beide Schatten schreibt Kunze klein.
Erde schreibt er auch klein.

Und ich merk grad einen Fehler:
Ängste hat er auch kleingeschrieben.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Niels
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Re: Gedichte

Beitrag von Niels » Donnerstag 18. Oktober 2018, 16:43

Danke!
Das hatte ich mir schon gedacht. :)
Da hat mal irgendwer Copy&Paste gemacht und viele haben es so übernommen.
O Herr, verleih, dass Lieb' und Treu'
in dir uns all verbinden,
dass Hand und Mund zu jeder Stund'
dein' Freundlichkeit verkünden,
bis nach der Zeit den Platz bereit'
an deinem Tisch wir finden.

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Juergen
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Re: Gedichte

Beitrag von Juergen » Donnerstag 18. Oktober 2018, 16:50

Kurt Schwitters hat geschrieben:'So, so!'


Vier Maurer saßen einst auf einem Dach.
Da sprach der erste: "Ach!"
Der zweite: "Wie ists möglich dann?"
Der dritte: "Daß das Dach halten kann!"
Der vierte: "Ist doch kein Träger dran!"
Und mit einem Krach
Brach das Dach.
Gruß
Jürgen

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