Die Geistliche Familie “Das Werk”

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.

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gc-148
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Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von gc-148 » Sonntag 20. April 2014, 13:50

hier ein Artikel über "das Werk"- Bericht einer Aussteigerin:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-04 ... s-werk-fso

iustus
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von iustus » Sonntag 20. April 2014, 15:02

"In dieser Kleidung traut man sich nicht mehr auf die Straße. Es verändert das Selbstwertgefühl, wenn man wie eine Achtzigjährige angezogen ist. Man verliert ein Stück Identität", sagt Klara.
Das mag ihr so gegangen sein. Sie mag sich so gefühlt haben. Das war dann wohl wirklich nicht das Richtige für sie. Andere haben mit der Kleidung keine Probleme.
"Das meiste geschieht wortlos. Es gibt nicht viel, worüber man reden kann. Man kennt sich nicht, weiß nichts übereinander, über Träume und Wünsche der anderen. Freundschaften werden nicht geduldet. Wir haben zwar unsere Geburtstage gefeiert, aber ich wusste nicht einmal, wie alt die anderen eigentlich sind. Ich wusste auch nie, woher sie kommen oder was sie mal gemacht haben."
:hmm: Offenbar hat die Dame nie die anderen danach gefragt. Scheint mir sehr introvertiert. Aber dann so etwas der "Zeit" erzählen. :roll:
Nicht einmal Bibeltexte können unvoreingenommen gelesen werden, alles wird im Sinne der Gemeinschaft ausgelegt.
Na und? Mindestens ein Beispiel wäre hier mal schön gewesen.
Finanziert wird alles aus Spenden, Erbschaften und aus dem, was die Mitglieder verdienen. Wenn Schwestern oder Priester bei einer Diözese arbeiten, wenn sie lehren, pflegen oder geistlichen Beistand leisten, bekommen sie dafür ein Gehalt. Das landet zwar auf ihrem persönlichen Konto, doch sie spenden es nahezu vollständig der Gemeinschaft.
Ganz normal in einem Orden - wird ja weiter unten in dem Artikel auch mitgeteilt.
Doch entscheidend ist, wie diese Regeln gelebt werden. "Man nimmt eben nicht das Stück Brot vom Teller, das einem am besten schmeckt", beschreibt Klara die im Werk erwartete Haltung. Das funktioniert auch beim Geld. "Man traut sich nicht, das Geld auszugeben", sagt ein anderer Aussteiger. Manche Brüder und Schwestern machten weniger als 100 Euro Ausgaben für sich selbst geltend – für ein ganzes Jahr. Kontrolle durch schlechtes Gewissen.
Na und? :achselzuck:
Nie allein zu sein, nichts selbst entscheiden zu dürfen, engt sie ein. Die vielen ungeschriebenen Regeln empfindet sie als Willkür. Jede Kleinigkeit wird angewiesen, korrigiert. Nicht einmal Kartoffeln darf sie so schälen, wie sie es für richtig hält. Gehorsam ist Freiheit, lehrt Das Werk.

"Ich lebte in einem Zustand ständiger Bestrafbarkeit", sagt Klara. Vier Jahre nach ihrem Eintritt fühlt sie sich einsam, eingesperrt, depressiv, denkt an Selbstmord.

Es gibt ein Bild von Klara, aufgenommen in dieser Zeit. Sie steht dort zwischen vier anderen Schwestern. Eine junge Frau mit kurzen Haaren und Nickelbrille. Die anderen vier lachen, sie lächelt nur vorsichtig, schaut von unten in die Kamera. Die Schultern sind schief, die Hände hat sie zu Fäusten geballt, die Füße eng nebeneinander gestellt. Nichts spricht von Lebensfreude, nichts von Neugier oder gar Glück. Dort steht eine gebeugte Frau, ein junger Mensch ohne Selbstvertrauen.
Das Leben dort war offenbar wirklich nix für sie. Aber das spricht noch nicht gegen das Leben dort.
Dort begegnet sie zwei jungen Mitbrüdern, mit denen sie sich versteht. Sie reden miteinander, lachen sogar, obwohl das eigentlich unerwünscht ist.
Ich werde dort mal nachfragen.
Durch die Entmündigung entstehe eine psychische Abhängigkeit, sagt Klara. Wer gehen wolle, müsse damit fertig werden, seine einzigen verbliebenen Bezugspersonen für immer zu verlassen. "Es ist schließlich auch eine Berufung. Wer austritt, tut es in dem Bewusstsein, die Berufung und damit das eigene Lebensglück verspielt zu haben." Das sei, wie in die Verbannung zu ziehen. "Keiner geht in dem Bewusstsein, nun ein besseres Leben zu beginnen."
Das mag ja sein. Aber wieso soll diese "psychische Abhängigkeit durch die Entmündigung entstehen"? Das geht auch ganz ohne "Entmündigung".
Psychische Abhängigkeit genügt den Ermittlern nicht als Begründung bei einer erwachsenen Frau. Die Struktur des Ordens, die von ihm erzeugte Hilf- und Wehrlosigkeit, wurde offensichtlich nicht berücksichtigt.
Mir ist noch immer schleierhaft, wie die Struktur Hilf- und Wehrlosigkeit bei erwachsenen Frauen erzeugt. Jedenfalls bei normal entwickelten. Dass es Ausnahmen gibt, bei solchen, deren Persönlichkeit nicht normal entwickelt ist, mag sein.
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Bibelleser » Sonntag 20. April 2014, 15:14

Ein peinlicher Artikel zu Ostern.

Siard
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Siard » Sonntag 20. April 2014, 15:44

Bibelleser hat geschrieben:Ein peinlicher Artikel zu Ostern.
Das finde ich auch.
iustus hat geschrieben:Mir ist noch immer schleierhaft, wie die Struktur Hilf- und Wehrlosigkeit bei erwachsenen Frauen erzeugt. Jedenfalls bei normal entwickelten. Dass es Ausnahmen gibt, bei solchen, deren Persönlichkeit nicht normal entwickelt ist, mag sein.
Man darf gruppendynamische Prozesse nicht unterschätzen, natürlich können sie das, besonders, wenn noch Personen im Umfeld dazu kommen, die (absichtlich oder unabsichtlich) Druck ausüben oder ungleich (unter den gleichen Umständen) behandeln.
(Einfach mal kurz skizziert)

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Thomas Morus
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Thomas Morus » Sonntag 20. April 2014, 21:52

Ein flüchtiger Blick auf die Website des Ordens macht deutlich, daß es auch dort ein Noviziat gibt. Davon wird in dem Zeitungsartikel nichts erwähnt. Fiel dem Mädel denn damals nichts auf? Darüber hinaus finde ich es merkwürdig, daß manüberhaupt in einem Orden genommen wird, ohne eine alternative Berufsausbildung zu haben. Ich dachte, sowas ginge heute gar nicht mehr, eben für den Fall, daß man den Orden verläßt und dann ohne alles dasteht.
Und wenn es so viele Aussteigerberichte gibt und ein Buch darüber, das shcon 1996 erschienen ist, kannte sie das nicht, hat sie sich nirgends erkundigt? Immerhin eine Lebensentscheidung, ähnlich einer Ehe.
Und wenn sie all die Jahre davor nicht gelernt hat, Beziehungen welcher Art auch immer oder Freundschaften aufzubauen, dann ist wohl wirklich was schief gelaufen.

Aber es ist wohl der "Erwählungseffekt" Der Wunsch, unbedingt dazu zu gehören. Kenne ich nur zu gut aus einer evangelischen Freikirche. Mein Bericht würde streckenweise ähnlich klingen (ohne Mißbrauch). Im Nachhinein frage ich mich wie konntest du so doof sein? :patsch: Nun ja, ohne den Haufen wäre ich vielleicht nie katholisch geworden. :achselzuck:
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von gc-148 » Sonntag 20. April 2014, 22:14

Bibelleser hat geschrieben:Ein peinlicher Artikel zu Ostern.
ob der Artikel peinlich ist, kann ich nicht beurteilen......

Ich möchte lieber wissen, was in dieser Organisation so vor sich geht .... ist sie dermaßen nach außen abgeschottet ... wird dermaßen viel Druck auf die einzelnen Mitglieder ausgeübt?
Kann der Beichtvater nicht frei gewählt werden?
etc etc

Ich bin nicht gewillt, diesen Bericht nur auf einem Reflex einer Enttäuschten zuzuschreiben.

iustus
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von iustus » Sonntag 20. April 2014, 22:21

gc-148 hat geschrieben: Ich möchte lieber wissen, was in dieser Organisation so vor sich geht .... ist sie dermaßen nach außen abgeschottet ... wird dermaßen viel Druck auf die einzelnen Mitglieder ausgeübt?
Kann der Beichtvater nicht frei gewählt werden?
etc etc
Wenn Du etwas rausbekommst, berichte bitte.
Ich bin nicht gewillt, diesen Bericht nur auf einem Reflex einer Enttäuschten zuzuschreiben.
Der Bericht klingt nicht so, als sei er allein der Bericht einer Enttäuschten. Er ist offenbar auch der Bericht einer für dieses Leben ungeeigneten Persönlichkeit.
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von heiliger_raphael » Sonntag 20. April 2014, 22:25

Ob der Artikel eine Art Textbaustein aus dem Archiv ist, der früher schon beim Opus Dei oder den Jesuiten veröffentlicht wurde? Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an die klassischen gegenüber dem Werk Gottes.

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von gc-148 » Sonntag 20. April 2014, 22:37

heiliger_raphael hat geschrieben:Ob der Artikel eine Art Textbaustein aus dem Archiv ist, der früher schon beim Opus Dei oder den Jesuiten veröffentlicht wurde? Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an die klassischen gegenüber dem Werk Gottes.
und die Vorwürfe gegen das Opus Dei sind ja wohl absolut berechtigt.

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von heiliger_raphael » Sonntag 20. April 2014, 22:45

kann ich nicht beurteilen, dennoch scheinen sich öffentliche Vorwürfe einer bestimmten Art gegen katholische Gruppen immer zu wiederholen.
Meistens sind es Dinge wie Gehorsamseid, das Arbeiten mit Schuld und Sühne, vermeintlicher Druck durch die Möglichkeit einer Hölle, also irgendwie Sachen, die ich als gut katholisch empfinde.
Dann wird noch mit Begriffen wie Sekte gearbeitet, dabei sind in der Kirche alle Gruppen dem Papst untergeordnet und doch zumindest vom Ortsbischof erlaubt. Jeder Außenstehende denkt dann: da werden Leute in finstere Strukturen hineingezogen. Dass die Verpflichtung in solchen Strukturen meist ein mehrjähriges Bemühen des Interessenten, sowie eine Erprobungszeit und dergleichen voraussetzen, wird verschwiegen, weil es nicht in die Rattenfängerdiskursstrategie passt.

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Gallus
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Gallus » Sonntag 20. April 2014, 22:50

gc-148 hat geschrieben:
heiliger_raphael hat geschrieben:Ob der Artikel eine Art Textbaustein aus dem Archiv ist, der früher schon beim Opus Dei oder den Jesuiten veröffentlicht wurde? Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an die klassischen gegenüber dem Werk Gottes.
und die Vorwürfe gegen das Opus Dei sind ja wohl absolut berechtigt.
Ach ja? Welche denn?

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Thomas Morus
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Thomas Morus » Montag 21. April 2014, 02:15

heiliger_raphael hat geschrieben:kann ich nicht beurteilen, dennoch scheinen sich öffentliche Vorwürfe einer bestimmten Art gegen katholische Gruppen immer zu wiederholen.
Meistens sind es Dinge wie Gehorsamseid, das Arbeiten mit Schuld und Sühne, vermeintlicher Druck durch die Möglichkeit einer Hölle, also irgendwie Sachen, die ich als gut katholisch empfinde.
Dann wird noch mit Begriffen wie Sekte gearbeitet, dabei sind in der Kirche alle Gruppen dem Papst untergeordnet und doch zumindest vom Ortsbischof erlaubt. Jeder Außenstehende denkt dann: da werden Leute in finstere Strukturen hineingezogen. Dass die Verpflichtung in solchen Strukturen meist ein mehrjähriges Bemühen des Interessenten, sowie eine Erprobungszeit und dergleichen voraussetzen, wird verschwiegen, weil es nicht in die Rattenfängerdiskursstrategie passt.
Nun, "gut katholisch" allein erklärt es nicht. Auch wenn ich den Artikel für überzogen und einseitig halte, eben weil z.B. nicht auf das Noviziat eingegangen wird, betrifft sowas nicht allein Katholiken und nicht jeder hat einen Papst auf den er sich berufen kann. Und nicht alles, was Orden so treiben ist im Sinne einer päpstlichen Approbation. Wenn dem so wäre, bräuchte es keine Visitationen etc., wie sie z.B. gerade bei den Franziskanern der Immaculata laufen. Was man so liest, geht es dort um eine zu starke Fixierung auf den Ordensgründer und eine Überbetonung marianischer Lehren, die ein genaueres Hinsehen erfordern, aber das nur am Rande.
Das Problem mit Schuld und Sühne und der Hölle ist, daß solche Begriffe bzw. christlichen Lehren leicht instrumentalisiert und einseitig ge(miß)braucht werden. Da ist dann keine Rede mehr davon, daß alle vor Gott Sünder sind und von Barmherzigkeit ist auch nicht mehr die Rede (und ich will hier keine Diskussion um einen überstrapazierten Barmherzigkeitsbegriff).
Natürlich ist das Ordensleben kein Ponyhof und erfordert ein hohes Maß an Unterordnung und Leidensbereitschaft, aber ebenso auch Augenmaß und Einfühlungsvermögen von den Vorgesetzten. Das Gesetz ist auch dort für den Menschen da, nicht der Mensch für das Gesetz.
Qui Mariam absolvisti, et latronem exaudisti, mihi quoque spem dedisti.

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von heiliger_raphael » Montag 21. April 2014, 08:19

Thomas Morus hat geschrieben: Nun, "gut katholisch" allein erklärt es nicht. Auch wenn ich den Artikel für überzogen und einseitig halte, eben weil z.B. nicht auf das Noviziat eingegangen wird, betrifft sowas nicht allein Katholiken und nicht jeder hat einen Papst auf den er sich berufen kann. Und nicht alles, was Orden so treiben ist im Sinne einer päpstlichen Approbation. Wenn dem so wäre, bräuchte es keine Visitationen etc., wie sie z.B. gerade bei den Franziskanern der Immaculata laufen.
Natürlich besteht bei allen sozialen Strukturen immer Gefahren des Missbrauchs, das wollte ich nicht in Abrede stellen. Mir fällt nur auf, dass häufig Vorwürfe geäußert werden, die sich auf katholische Eigenheiten beziehen, und nicht auf vermeintliche Sonderwege der kritisierten Gruppierung.
Wenn beispielsweise der Gehorsamseid missbraucht wird, muss das kritisiert werden, aber wenn der Gehorsamseid an sich oder die Hölle oder das Böse Teil des Anstoßes ist, dann handelt es sich um eine verzerrte Darstellung.

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Gallus
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Gallus » Montag 21. April 2014, 09:24

Gallus hat geschrieben:
gc-148 hat geschrieben:
heiliger_raphael hat geschrieben:Ob der Artikel eine Art Textbaustein aus dem Archiv ist, der früher schon beim Opus Dei oder den Jesuiten veröffentlicht wurde? Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an die klassischen gegenüber dem Werk Gottes.
und die Vorwürfe gegen das Opus Dei sind ja wohl absolut berechtigt.
Ach ja? Welche denn?
Ich warte immer noch auf eine Antwort. Hat Umusungu belegbare Vorwürfe, oder wollte er nur mal wieder verleumden?

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Siard » Montag 21. April 2014, 11:44

Thomas Morus hat geschrieben:Nun, "gut katholisch" allein erklärt es nicht. Auch wenn ich den Artikel für überzogen und einseitig halte, eben weil z.B. nicht auf das Noviziat eingegangen wird, betrifft sowas nicht allein Katholiken und nicht jeder hat einen Papst auf den er sich berufen kann. Und nicht alles, was Orden so treiben ist im Sinne einer päpstlichen Approbation. Wenn dem so wäre, bräuchte es keine Visitationen etc., wie sie z.B. gerade bei den Franziskanern der Immaculata laufen. Was man so liest, geht es dort um eine zu starke Fixierung auf den Ordensgründer und eine Überbetonung marianischer Lehren, die ein genaueres Hinsehen erfordern, aber das nur am Rande.
Das Problem mit Schuld und Sühne und der Hölle ist, daß solche Begriffe bzw. christlichen Lehren leicht instrumentalisiert und einseitig ge(miß)braucht werden. Da ist dann keine Rede mehr davon, daß alle vor Gott Sünder sind und von Barmherzigkeit ist auch nicht mehr die Rede (und ich will hier keine Diskussion um einen überstrapazierten Barmherzigkeitsbegriff).
Natürlich ist das Ordensleben kein Ponyhof und erfordert ein hohes Maß an Unterordnung und Leidensbereitschaft, aber ebenso auch Augenmaß und Einfühlungsvermögen von den Vorgesetzten. Das Gesetz ist auch dort für den Menschen da, nicht der Mensch für das Gesetz.
:klatsch:

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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von gottsucherin » Montag 21. April 2014, 12:09

Berichte von Aussteigern geben immer nur eine einseitige Sicht der Dinge. Aussteiger kommen nie mit der Lebensform zurecht, sonst wären sie ja keine Aussteiger, sondern wären drin geblieben.
Was mich aber wirklich schockiert, ist der sexuelle Missbrauch und der Umgang damit. Hier ist eine Frau, die dringend Hilfe braucht, und zwar nicht die Hilfe einer Zeitung. Hier hat das Werk ganz offensichtlich versagt und auch die katholische Kirche, wenn dieser Frau nicht geholfen wird, das Erlebte zu verarbeiten. Zynisch (und eine typische männliche Sicht=Sicht des Täters) finde ich, von "gegenseitigem Einverständnis" zu reden. Allerdings weiß ich auch nur, was in dem Artikel stand.
Und natürlich ist dieser Artikel wieder Öl ins Feuer der Kirchenkritiker und Feinde.

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von HeGe » Montag 21. April 2014, 12:21

Gallus hat geschrieben:
gc-148 hat geschrieben:
heiliger_raphael hat geschrieben:Ob der Artikel eine Art Textbaustein aus dem Archiv ist, der früher schon beim Opus Dei oder den Jesuiten veröffentlicht wurde? Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an die klassischen gegenüber dem Werk Gottes.
und die Vorwürfe gegen das Opus Dei sind ja wohl absolut berechtigt.
Ach ja? Welche denn?
Ich habe gehört, die sollen Brunnen vergiften und kleine Kinder fressen. :ja:
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Thomas Morus
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Thomas Morus » Montag 21. April 2014, 13:05

gottsucherin hat geschrieben:Berichte von Aussteigern geben immer nur eine einseitige Sicht der Dinge. Aussteiger kommen nie mit der Lebensform zurecht, sonst wären sie ja keine Aussteiger, sondern wären drin geblieben.
Was mich aber wirklich schockiert, ist der sexuelle Missbrauch und der Umgang damit. Hier ist eine Frau, die dringend Hilfe braucht, und zwar nicht die Hilfe einer Zeitung. Hier hat das Werk ganz offensichtlich versagt und auch die katholische Kirche, wenn dieser Frau nicht geholfen wird, das Erlebte zu verarbeiten. Zynisch (und eine typische männliche Sicht=Sicht des Täters) finde ich, von "gegenseitigem Einverständnis" zu reden. Allerdings weiß ich auch nur, was in dem Artikel stand.
Und natürlich ist dieser Artikel wieder Öl ins Feuer der Kirchenkritiker und Feinde.
Seit Matussek "die vaterlose Gesellschaft" bin ich persönlich etwas skeptisch, was "typisch männlich" angeht. Genauso gibt es bei sowas ein typisch weibliches Verhalten. Das muß die Betroffene mit dem Orden ausmachen. Therapeutische Hilfe hat sie wohl nicht in Anspruch genommen? Jedenfalls ist kein Thema besser geeignet, Emotionen zu schüren als Mißbrauch. Gerade weil Frauen per se als Opfer gehandelt werden und diese Rolle aus Gründen der pc nicht hinterfragt werden darf.
Auch wenn ich hier als Nestbeschmutzerin auftrete - Männer sind nicht automatisch nur Täter.
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 22. April 2014, 06:12

Interessant, daß sich etliche der Leser über die Tatsache beschweren, daß die Zeit den Artikel passend zu Ostern veröffentlicht.
Aber gerade das finde ich richtig. Wer meint, sein persönlicher österlicher Friede dürfe davon nicht gestört werden, der hat wohl den Ernst des Themas nicht verstanden.
"Die Frau ist für die Kirche unabdingbar und wichtiger als manche Bischöfe." (Papst Franziskus)

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 22. April 2014, 07:11

gc-148 hat geschrieben:
Bibelleser hat geschrieben:Ein peinlicher Artikel zu Ostern.
ob der Artikel peinlich ist, kann ich nicht beurteilen......

Ich möchte lieber wissen, was in dieser Organisation so vor sich geht .... ist sie dermaßen nach außen abgeschottet ... wird dermaßen viel Druck auf die einzelnen Mitglieder ausgeübt?
Kann der Beichtvater nicht frei gewählt werden?
etc etc

Ich bin nicht gewillt, diesen Bericht nur auf einem Reflex einer Enttäuschten zuzuschreiben.
Wie heisst das in der Feuerzangenbowle: Wat is enne Orde?
Da stelle mer uns jetz mal janz dumm ..
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iustus
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Re: über "Das Werk"

Beitrag von iustus » Dienstag 22. April 2014, 07:37

Gallus hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
gc-148 hat geschrieben:
heiliger_raphael hat geschrieben:Ob der Artikel eine Art Textbaustein aus dem Archiv ist, der früher schon beim Opus Dei oder den Jesuiten veröffentlicht wurde? Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an die klassischen gegenüber dem Werk Gottes.
und die Vorwürfe gegen das Opus Dei sind ja wohl absolut berechtigt.
Ach ja? Welche denn?
Ich warte immer noch auf eine Antwort. Hat Umusungu belegbare Vorwürfe, oder wollte er nur mal wieder verleumden?
Ja, eine Antwort ist geboten.
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Re: über "Das Werk"

Beitrag von Gallus » Dienstag 22. April 2014, 19:33

iustus hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
gc-148 hat geschrieben:
heiliger_raphael hat geschrieben:Ob der Artikel eine Art Textbaustein aus dem Archiv ist, der früher schon beim Opus Dei oder den Jesuiten veröffentlicht wurde? Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an die klassischen gegenüber dem Werk Gottes.
und die Vorwürfe gegen das Opus Dei sind ja wohl absolut berechtigt.
Ach ja? Welche denn?
Ich warte immer noch auf eine Antwort. Hat Umusungu belegbare Vorwürfe, oder wollte er nur mal wieder verleumden?
Ja, eine Antwort ist geboten.
Da kommt wohl nix mehr von Umu. Wieder mal nichts als heiße Luft von Hochwürden.

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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Senensis » Sonntag 27. April 2014, 20:09

Der Artikel ist in höchsten Maße tendenziös. Ich kann aus allererster Hand bestätigen, daß die Patres vom Werk absolut zuverlässig sind. Was "Klara" als Mißbrauch darstellt, war eine bedauerliche Liebesgeschichte... Offensichtlich kann sie es (und ich kann das verstehen) nicht verarbeiten, mit einem Priester etwas gehabt zu haben. Um sich nicht der Schuld stellen zu müssen, projiziert sie alles in eine Opfergeschichte hinein. Natürlich war sie nicht allein schuld, aber sie war auch nicht allein unschuldig. Offensichtlich hat sie sich nicht gewehrt, als sie von dem Priester ausgezogen wurde. Und das kann jede Frau, es sei denn, sie will es nicht.
Überdies wurde die Geschichte gemeinschaftsintern längst aufgearbeitet, der Priester hat die Sache sehr aufrichtig bereut, und ich empfinde es als heftig, daß "Klara" ihn nach so langer Zeit einfach öffentlich noch in die Pfanne haut.
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von phylax » Sonntag 27. April 2014, 21:46

Selbst wenn man es so "wohlwollend" sieht, womit ich Probleme habe, aber Du scheinst ja über internes WIssen zu verfügen, hätte sich der Priester, wenn er mit dem Zölibat nicht mehr klar kommt, seinen Oberen offenbaren müssen. Dass er das nicht getan hat, lässt die Frage zu, ob es in diesem Orden Platz für solche Probleme eines GEistlichen gibt, oder ob allein der Gedanke daran schon des Teufels ist.
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Senensis » Montag 28. April 2014, 12:35

Es ist in der Gemeinschaft vorgesehen, daß das Gespräch mit den Oberen rechtzeitig (aufgrund der teilweise gemischten Lebensweise sogar: sehr rechtzeitig) gesucht wird. Natürlich steht es in der Verantwortung des Einzelnen, daß er (oder sie) das auch tut. Eigenverantwortung wird in der Gemeinschaft großgeschrieben, was natürlich eine gewisse psychische Reife und Stärke voraussetzt.

Man muß annehmen, daß das außer bei Klaras Erlebnissen funktioniert hat, denn auch die genannten ach so zahlreichen Feinde der Gemeinschaft können sich nur auf diesen einen Fehltritt berufen. Die Kampagne, die derzeit gegen die Gemeinschaft läuft, wird ja von Exmitgliedern betrieben, die sehr gut informiert sind.

Zum Vergleich möchte ich darauf verweisen, welche Fehltrittszahlen anderweitig üblich sind. Offensichtlich läuft es im Werk so gut, daß bereits ein einziger Fehltritt als Katastrophe empfunden wird.

Sowohl Klara als auch der Priester haben sich ohne äußeren Druck einige Zeit nach den Vorkommnissen den Oberen geoffenbart. Die Geschichte wurde dann, wie gesagt, gemeinschaftsintern aufgearbeitet. Klaras Austritt erfolgte erst einige Zeit später, und an die Zeitung ist sie wieder erst eine geraume Zeit später gegangen. Für mich ist das auch ein sehr klares äußeres Indiz dafür, daß sich ihre Überzeugung, ein Opfer geworden zu sein, erst Jahre nach dem Vorfall herausgebildet hat.
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Sperling » Montag 28. April 2014, 14:33

Senensis hat geschrieben: Offensichtlich hat sie sich nicht gewehrt, als sie von dem Priester ausgezogen wurde. Und das kann jede Frau, es sei denn, sie will es nicht.
Unabhängig von diesem konkreten Fall, den ich nicht beurteilen kann und will und für den dein Einwand durchaus richtig sein kann:

Aber bitte nicht verallgemeinern, wie es der 2. Satz tut: Das ist der übliche Vorwurf vor Gericht, der Frauen entgegengehalten wird, wenn sie einen Missbrauch anzeigen...
Viele psychologisch bedingte Umstände werden dabei vergessen...und viele Frauen aufs Neue und noch tiefer verletzt...

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Senensis
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Senensis » Montag 28. April 2014, 16:33

Hi Sperling,
ja, das ist im allgemeinen absolut richtig. Ich habe auch schon Priester (also jetzt Priester außerhalb des Werkes, Priester allgemein) erlebt, die Frauen durch eine verantwortungslose Liebelei seelisch total ausgenommen haben, auch wenn es dabei nicht zum Sex kam, und sie nachher fallenließen. Das ist in jedem einzelnen Fall eine totale Katastrophe.

Gerade deswegen möchte ich die Patres vom Werk verteidigen, von denen ich und viele andere nie anders als respektvoll und unter Wahrung einer herzlichen, aber konstruktiven Distanz behandelt wurden! Es gibt nämlich gerade für den Umgang mit dem anderen Geschlecht im Werk klare Regeln, an die sich die Patres mit großer Treue halten. Es kann nicht sein, daß die ganze Gemeinschaft in den Schmutz gezogen wird, weil einer schwach geworden ist.
et nos credidimus caritati

Johanna4
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Johanna4 » Montag 28. April 2014, 22:03

Leider ist an diesem Fall vieles "typisch" für Missbrauch:
- Bewusstwerdung/Darüber sprechen erfolgt Jahre/Jahrzehnte später.
- Es gibt systematische "Entschuldigungen" und gegenseitige "Vergebungen".
- Einerseits ist jmd. jmd. gegenüber Täter, andereseits ist er gegenüber zig anderen Menschen für seine Freundlichkeit und Distanz bekannt.
- Das Opfer kann sich nie wehren, - sonst wäre es ja kein Opfer. Zum Missbrauch gehört ja geradezu, dass jmd. lange, lange Zeit nicht wahrhaben will / nicht erkennt, dass er Opfer geworden ist.

Aber die Geschichte hat, wie viele andere Missbrauchsfälle ja Gott sei Dank! auch, ein HappyEnd:
Plötzlich kommt die Wende, neue Menchen, neue Orte, neue Lebensmöglichkeiten und der Heilungsweg beginnt, - betone: beginnt.

Ich glaube schon, dass der nach Außen bekannt gewordene Einzelfall zum einen in einem solchen geschlossenen System vermutlich eben kein Einzelfall ist und dass auch ein solcher Fall eine negative Belastung, - vielleicht sogar dämonische Bindung auf das ganze System der gemeinschaft ziehen kann, die wiederum erst richtig zum Nährboden für weitere Fälle werden kann.
Ich vermute, dass ist bei Klöstern, Internaten und best. Familienstrukturen durchaus gleich, in denen eine gewisse örtliche Abgeschiedenheit zu anderen Menschen und sozialen Anbindungen fehlt, in denen ein inneres Kontrollsystem herrscht (z.B. auch ein übermächtiges Elternteil); - von daher empfehle ich eher, sich mit den Strukturen und Systemen auseinanderzusetzen, die dem Missbrauch optional eine Tür öffnen könnten, anstatt mit dem Finger auf ein Kloster zu zeigen.

Opfer sind m.E. immer ernst zu nehmen. Selbst wenn der Missbrauch als solcher erlogen wäre, ist selbst dieser Vorwurf ein ernst zu nehmendes Symptom.

Johanna4

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Senensis
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Senensis » Dienstag 29. April 2014, 18:41

Ich sag jetzt mal nix zu... :roll:
Denn im Unterschied zu Dir weiß ich im vorliegenden Fall exakt, wovon ich rede :unbeteiligttu: .
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kreuzzeichen
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von kreuzzeichen » Dienstag 29. April 2014, 23:06

Über den konkreten Fall hinaus war ja hier - von gut informierten Leuten - von einer Kampagne die Rede, die gegen DAS WERK laufen würde. Ich kenne die Gemeinschaft jetzt nicht näher und habe auch noch keine persönlichen Kontakte gehabt. Allerdings würde mich schon interessieren, an welchen Punkten Kritik geäußert wird und was da dran ist.
Außerdem beschäftigt mich schon, dass ja nicht wenige Gemeinschaften / Orden in jüngster Zeit entstanden sind, während andere Gemeinschaften, die eine längere Geschichte haben langsam ausbluten. Kann es auch sein, dass die "Erfahrung", die in einer klassischen Ordensgemeinschaft gewachsen und gespeichert ist (z.B. in Regeln und Gewohnheiten) in den neuen Gemeinschaften noch fehlt? Man kann die neuen Gemeinschaften sicher als Frucht des Hl. Geistes sehen. Aber ich frage mich auch, ob es nicht auch ein Phänomen der Zeit und des Wunsches nach Individualität ist, was zu manchen Neugründungen mit sehr spezifischer Spiritualität führt.
Im konkreten Fall berührt mich das sehr, was geschehen ist. Die Gemeinschaft sollte sich schon intensiv fragen, was in ihren eigenen Strukturen zu einem solchen Fehlverhalten führen konnte. Für mich ist das in jedem Fall ein Mißbrauch gewesen, unabhängig davon, wie groß die Schuld des Priesters letztlich ist. Aber die Begleitumstände, der "Rahmen" dieses Falles zeigen doch, dass hier nicht zwei "gleichberechtigte" Partner aufeinander getroffen sind... Da halte ich es für falsch zu sagen: das betrifft die beiden Personen allen, da darf man nicht stehen bleiben. Auch wenn der Priester bereut, für seine Schuld sühnt, bestraft wird... Für die Frau, die Schwester hat das schlimme Folgen gehabt und letztlich auch für die ganze Gemeinschaft, die eine Mit-Schwester verloren hat und ein Stück des Vertrauens unter den Schwestern und Brüdern der Ordensfamilie.
"Für jedes Problem gibt es eine einfache Lösung – klar, einleuchtend und falsch." (Henry Louis Mencken)

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Senensis
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von Senensis » Mittwoch 30. April 2014, 19:09

Das sind grundsätzlich erwägenswerte Gedanken, ich möchte nur eins zu bedenken geben: In unserer Zeit (und auch früher war das schon so) erlebt es jede "richtig" katholische Gemeinschaft, daß Anfeindungen auftreten, auch in Form von Kampagnen. Das ist das Kreuz, unter dem wir als Christen stehen: "...haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen. Der Jünger steht nicht über seinem Herrn."
Daß Kampagnen auftreten, kann also ein gutes oder schlechtes Zeichen sein. Wenn hingegen keine Anfeindungen vorkommen, muß man sich fragen, wo der Stein des Anstoßes bleibt, der uns Christen doch auch charakterisiert.
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phylax
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Re: Die Geistliche Familie “Das Werk”

Beitrag von phylax » Mittwoch 30. April 2014, 19:21

Die Meinung, es handle sich um Kampagnen, hat schon in der Mißbrauchsdiskussion in der Kirche Deutschlands, nicht hilfreich gewirkt. Man hat uns vorgeworfen, die Schwere der Schuld zu relativieren.
Für den erwähnten Priester gilt, wie für all die schuldig gewordenen Priester in der Kirche allgemein, dass sie, in ihren eigenen Wünschen und Sehnsüchten befangen, an den Einfluss ihres Tuns auf das Vertrauen, dass man einem Priester entgegenbringt,und an den Ruf der ganzen Institution (hier: des Ordens) nicht gedacht haben...
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,/ wenn Du mich mit den Augen Dein/ gar freundlich tust anblicken

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