Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.
Etienne
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Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Etienne » Freitag 10. Januar 2020, 16:40

Warum steigen die Gästezahlen und sinkt die Anzahl der Mönche?
Wieso ist das Interesse für ein paar Tage im Kloster gestiegen und das Interesse einzutreten gleichzeitig gesunken?
Wie ist das Eurer Meinung nach zu deuten?

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Sempre
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Sempre » Freitag 10. Januar 2020, 21:36

Etienne hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 16:40
Warum steigen die Gästezahlen und sinkt die Anzahl der Mönche?
Wieso ist das Interesse für ein paar Tage im Kloster gestiegen und das Interesse einzutreten gleichzeitig gesunken?
Wie ist das Eurer Meinung nach zu deuten?
Es fehlen echte Hirten. Orientierung wird überall gesucht und nirgendwo gefunden.
Niemals sei gesagt es werde je zugelassen, daß ein zum Leben prädestinierter Mensch sein Leben ohne das Sakrament des Mittlers beendet. (St. Augustin, Gegen Julian, V-4)

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Hubertus
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Hubertus » Freitag 10. Januar 2020, 21:47

Etienne hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 16:40
Warum steigen die Gästezahlen und sinkt die Anzahl der Mönche?
Wieso ist das Interesse für ein paar Tage im Kloster gestiegen und das Interesse einzutreten gleichzeitig gesunken?
Wie ist das Eurer Meinung nach zu deuten?
Viele Menschen heute sind spirituell oder "spirituell" auf der Suche - sich ewig binden zu wollen, widerspricht freilich fundamental dem heutigen Lebensverständnis.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

Petrus
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Petrus » Freitag 10. Januar 2020, 21:56

Gute Frage. Meine unsortierten Gedanken dazu.

1) Früher hatte man als "nachgeborener" Bauernsohn keine Berufsaussichten. (ich weiß das von meinem Großvater väterlicherseits, Gott hab ihn selig). Also: man ging ins Kloster (damit Ihr nicht Rätselraten müßt: Er erkannte dann seine Berufung als evang. Missionar).

2) Die Zeiten ändern sich. Vielleicht gibt es für die "Alten Orden" keine Zukunft mehr. Formen der Spiritualität und des gemeinschaftlichen Lebens sind auch dem Wandel unterworfen. Beispiel: Als Franz nach Assisi kam, gab es dort viele Benediktinerklöster. Heute dort kein einziges mehr.

3) Das abendländische Mönchtum kennt nur die "Verpflichtung auf Lebenszeit" - anders als das buddhistische. Dort kannst Du in ein Kloster eintreten, vier Wochen dort bleiben, fünf Jahre - oder auch ein Leben lang. (Die Initiative "ein Jahr im Kloster" in D/A kommt ein bißchen arg spät.

4) Individualismus. ich denke da an mich: Alle drei Tage "Gummisemmeln" (von den Vortagen) zum Frühstück essen zu müssen, wäre für mich ein Graus. Und die Alternative zwischen Brathering und Hering in Tomatensoße am Freitag abend finde ich auch nicht sooo lecker.

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Lycobates
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Lycobates » Freitag 10. Januar 2020, 21:56

Sempre hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 21:36
Etienne hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 16:40
Warum steigen die Gästezahlen und sinkt die Anzahl der Mönche?
Wieso ist das Interesse für ein paar Tage im Kloster gestiegen und das Interesse einzutreten gleichzeitig gesunken?
Wie ist das Eurer Meinung nach zu deuten?
Es fehlen echte Hirten. Orientierung wird überall gesucht und nirgendwo gefunden.
Das stimmt allerdings.
Darüber hinaus schreckt unser schnellebiger, oberflächlicher Zeitgeist vor bleibenden Bindungen zurück.
Man merkt das an allem.
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Stefan
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Stefan » Freitag 10. Januar 2020, 21:57

Weil Gäste eine gute Einnahmequelle sind, bieten Klöster gezielt Gastangebote an.
So können sie sich gut finanzieren.
Warum weniger Mönche? Vielleicht weil Klöster keinerlei Werbung machen?
Es ist für uns an der Zeit aufzuwachen und uns zu erheben. (Benedikt von Nursia)

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Stefan » Freitag 10. Januar 2020, 21:59

Lycobates hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 21:56
Das stimmt allerdings.
Darüber hinaus schreckt unser schnellebiger, oberflächlicher Zeitgeist vor bleibenden Bindungen zurück.
Man merkt das an allem.
Die Bindung an Smartphone nimmt bei vielen kontemplative Züge an.
Und bei nicht wenigen sind die Zustände im Job die Hölle, verglichen mit Bindung im Kloster.
Es ist für uns an der Zeit aufzuwachen und uns zu erheben. (Benedikt von Nursia)

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Petrus » Freitag 10. Januar 2020, 22:07

Stefan hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 21:57
Weil Gäste eine gute Einnahmequelle sind, bieten Klöster gezielt Gastangebote an.
So können sie sich gut finanzieren.
Aus meiner Erfahrung kann ich das so nicht bestätigen. ein Kloster machte sogar mal ein (gescheitertes) Experiment: Freie Kost und Logis gegen Mitarbeit. Die Mitarbeit bestand darin, beim Essen "kräftig" zuzulangen.

Soweit ich sehe, wird auch für finanziell Schwächere Ermäßigung angeboten.
Warum weniger Mönche? Vielleicht weil Klöster keinerlei Werbung machen?
hmm - Klöster machen schon Werbung (z. B. im Internet). Aber vielleicht zu wenig? Oder nicht zielgruppengerecht? da bin ich überfragt. Hast Du Ideen?

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Lycobates
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Lycobates » Freitag 10. Januar 2020, 22:08

Stefan hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 21:59
Lycobates hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 21:56
Das stimmt allerdings.
Darüber hinaus schreckt unser schnellebiger, oberflächlicher Zeitgeist vor bleibenden Bindungen zurück.
Man merkt das an allem.
Die Bindung an Smartphone nimmt bei vielen kontemplative Züge an.
Und bei nicht wenigen sind die Zustände im Job die Hölle, verglichen mit Bindung im Kloster.
Der ehrwürdige Thomas von Kempen schrieb, daß wer durch einen Klostereintritt danach strebt, „die Hölle“, sein tägliches Kreuz, loszuwerden, sie auch dort, im Kloster, finden wird.
Jeder trägt seine „Hölle“ mit sich, wo er geht.
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Stefan
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Stefan » Freitag 10. Januar 2020, 22:17

Petrus hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 22:07
hmm - Klöster machen schon Werbung (z. B. im Internet). Aber vielleicht zu wenig? Oder nicht zielgruppengerecht? da bin ich überfragt. Hast Du Ideen?
Ich habe noch nie eine Stellenausschreibung für einen Mönch gesehen.
Es mag sich auf den ersten Blick provokativ anhören, aber das ist nun mal der/ein Weg,
wie heutzutage junge Menschen auf ihre Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden.

(Ich gebe zu: Jobprofil Benediktinermönch bei monster.de hätte schon was schräges...) :achselzuck:
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Herr v. Liliencron » Samstag 11. Januar 2020, 08:04

Das ist doch völlig klar. Weil diese Kloster-auf-Zeit-Angebote längst mehrheitlich quasi-esoterisch oder zumindest wie Wellnesswochenenden gestaltet werden.

Für viele Gemeinschaften ist es eine Art, ihre lehrstehenden Räumlichkeiten, die häufig von Anfang an (19. Jarh.) zu groß geplant und erbaut wurden, irgendwie sinnvoll zu nutzen und sich über Wasser zu halten.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Etienne » Samstag 11. Januar 2020, 08:19

Naja als echte Einnahmequelle funktioniert ein Gästebetrieb nicht - höchstens mit Subvensionen vom Bistum.

Petrus
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Petrus » Samstag 11. Januar 2020, 11:09

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 08:04
Das ist doch völlig klar. Weil diese Kloster-auf-Zeit-Angebote längst mehrheitlich quasi-esoterisch oder zumindest wie Wellnesswochenenden gestaltet werden.

Für viele Gemeinschaften ist es eine Art, ihre lehrstehenden Räumlichkeiten, die häufig von Anfang an (19. Jarh.) zu groß geplant und erbaut wurden, irgendwie sinnvoll zu nutzen und sich über Wasser zu halten.
hmm - da kennst Du Dich vielleicht besser aus als ich. Hast Du da konkrete Informationen?

danke im Voraus,
Petrus.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Herr v. Liliencron » Samstag 11. Januar 2020, 12:17

Vor allem natürlich leerstehend. Dass mir das passiert. Lies doch mal die Angebote und Beschreibungen dieser Klöster.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Stefan » Samstag 11. Januar 2020, 20:55

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 12:17
Vor allem natürlich leerstehend. Dass mir das passiert. Lies doch mal die Angebote und Beschreibungen dieser Klöster.
Hast Du mal ein Beispiel?
Es ist für uns an der Zeit aufzuwachen und uns zu erheben. (Benedikt von Nursia)

Herr v. Liliencron
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Herr v. Liliencron » Samstag 11. Januar 2020, 21:36

Im Moment sehe ich einen Film an. Das Haus von Montevideo. SWR.

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Hanspeter
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Hanspeter » Samstag 11. Januar 2020, 22:42

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 21:36
Im Moment sehe ich einen Film an. Das Haus von Montevideo. SWR.
Ich bevorzuge die Version mit Curt Goetz.

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Lycobates
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Lycobates » Samstag 11. Januar 2020, 23:16

Hanspeter hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 22:42
Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Samstag 11. Januar 2020, 21:36
Im Moment sehe ich einen Film an. Das Haus von Montevideo. SWR.
Ich bevorzuge die Version mit Curt Goetz.
Ich hatte nie ein Fernsehen, nicht einmal in der Stadtwohnung.
Ich höre Lehár mit Richard Tauber.
;D
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Herr v. Liliencron » Sonntag 12. Januar 2020, 07:44

Ad primum: Ich habe auch erst ein Fernsehen, seit ich verheiratet bin.
Ad secundum: Mir gefällt Das Haus von Montevideo am besten als Theaterstück. Wird es aber im Fernsehen gezeigt, kann ich nun einmal nur die Verfilmung anschauen, die ausgestrahlt wird.

Zur eigentlichen Frage hier: Fast in allen Klöstern werden Exerzitien und Einkehrtage angeboten, die zumindest halbwegs esoterische Elemente enthalten: meditativer Tanz zB oder man malt gleich Mandalas. Da muss man nur ein bißchen auf den Homepages stöbern, um auf derlei zu stoßen. Ich verlinke den Schmarrn hier nicht auch noch!

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Petrus » Sonntag 12. Januar 2020, 08:01

Jetzt, wo Du's sagst, fällt mir das auch auf. Ich merke: Ich habe das immer "überlesen" oder ausgeblendet, weil es mich nie interessiert hat.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Herr v. Liliencron » Sonntag 12. Januar 2020, 08:49

Sehr beliebt ist es auch, Methoden von Yoga oder Zen-Meditation zu übernehmen.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Petrus » Sonntag 12. Januar 2020, 09:06

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Sonntag 12. Januar 2020, 08:49
Sehr beliebt ist es auch, Methoden von Yoga oder Zen-Meditation zu übernehmen.
Einen guten Sonntagmorgen wünsche ich Dir, Herr v. Liliencron.

Das allerdings sehe ich differenziert. Willigis Jäger (früher OSB), ist meiner Meinung nach a bisserl arg sehr"abgedriftet" (ich kenne Holzkirchhausen, habe auch den dortigen "Kloster-Shop" besucht, wo mir aufgefallen ist: dort gibt es alles, nur kein Kreuz :blinker: )

Als ich in Gries war (Franz Jalics SJ), habe ich mit einer Benediktiner-Äbtissin "gesessen"; Die dann zur Heimreise wieder ihren Habit angezogen hat.

Meine Meinung: es gibt verschiedene Meditationsarten. Wenn's mich zu Jesus hinführt, finde ich das super.

mir hat die Zen(?) Meditation geholfen, das rechte Gebet zu finden. zum "Jesus-Gebet".

ich habe meinen Weg gefunden. (naja, zunächst halt).

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Raphaela » Donnerstag 16. Januar 2020, 21:15

Petrus hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 21:56
Gute Frage. Meine unsortierten Gedanken dazu.

4) Individualismus. ich denke da an mich: Alle drei Tage "Gummisemmeln" (von den Vortagen) zum Frühstück essen zu müssen, wäre für mich ein Graus. Und die Alternative zwischen Brathering und Hering in Tomatensoße am Freitag abend finde ich auch nicht sooo lecker.
Ich kenne Klöster von innen. - Da hat sich aber am Essen einiges geändert. -Und: Wer es trotzdem auch nicht lecker empfindet, macht sich eben selbst was.
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Siard » Donnerstag 16. Januar 2020, 22:33

Raphaela hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 21:15
Ich kenne Klöster von innen. - Da hat sich aber am Essen einiges geändert. -Und: Wer es trotzdem auch nicht lecker empfindet, macht sich eben selbst was.
Ein Kloster, in dem man sich selbst was anderes zu essen macht? Womöglich nicht an der Mahlzeit teilnimmt? Sehr merkwürdig.
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Benedikt » Freitag 17. Januar 2020, 10:48

Petrus hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2020, 21:56
4) Individualismus. ich denke da an mich: Alle drei Tage "Gummisemmeln" (von den Vortagen) zum Frühstück essen zu müssen, wäre für mich ein Graus. Und die Alternative zwischen Brathering und Hering in Tomatensoße am Freitag abend finde ich auch nicht sooo lecker.
In den meisten Klöstern wird extern gekocht, entweder durch Angestellte oder durch einen Caterer. Eine Küche, die der klösterlichen Askese entspricht, ist somit nicht mehr möglich. Jeden Freitag Brathering anstelle von Wildlachs- oder Schollenfilet vom Fischhändler wäre der Askese noch angemessen, Askese soll nämlich nicht schmecken. Meiner Erfahrung nach wird in den meisten Klöstern viel zu opulent gegessen. Jeden Tag Menüs mit mehreren Gängen, Abends auch noch warm, Frühstück wie im Hotel. Dabei braucht der Mensch so wenig zum Leben und Festessen kann man sich für die Feste sparen.
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Niels » Freitag 17. Januar 2020, 13:32

Benedikt hat geschrieben:
Freitag 17. Januar 2020, 10:48
Brathering
Zum Thema Brathering: https://www.youtube.com/watch?v=ykLoK1HATco
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Siard » Freitag 17. Januar 2020, 16:10

Benedikt hat geschrieben:
Freitag 17. Januar 2020, 10:48
In den meisten Klöstern wird extern gekocht, entweder durch Angestellte oder durch einen Caterer.
Wo ist da Problem bei Angestellten? Caterer habe ich bisher nicht erlebt.
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Benedikt » Freitag 17. Januar 2020, 18:41

Siard hat geschrieben:
Freitag 17. Januar 2020, 16:10
Benedikt hat geschrieben:
Freitag 17. Januar 2020, 10:48
In den meisten Klöstern wird extern gekocht, entweder durch Angestellte oder durch einen Caterer.
Wo ist da Problem bei Angestellten? Caterer habe ich bisher nicht erlebt.
Weil ein Kloster eine Lebensgemeinschaft ist, die die alltäglichen Arbeiten nicht "outsourct". Sonst hat man Zustände wie in einigen Klöstern, wo überhaupt keine manuelle Arbeit mehr verrichtet wird. Und kochen kann jeder (lernen).

Ein traditionelles Kloster wird damit ohnehin keine so großen Probleme haben. Private Wäsche beschränkt sich auf die Unterwäsche und Hosen. Einzig der Habit muss gereinigt und gebügelt werden. Das Kochen ist nur an Festtagen kompliziert. Die Gartenarbeit und das Halten von Hühnern sollte sich gut in den klösterlichen Tagesablauf von Sonnenaufgang bis -untergang einpassen. Dazu kommen Handwerke, die die Brüder/Schwestern erlernen und deren Produkte sie verkaufen können.

Wer solche Arbeit verrichtet, hat auch Luft im Kopf für das Gebet und das Studium der Schrift. Wer studiert oder pastoral tätig ist - sicher auch nötig -, läuft hingegen viel schneller Gefahr spirituell auszubrennen.

Hier ein Zitat aus der Benediktsregel zu der Frage "warum Kloster?"
Für alles, was uns von Natur aus kaum möglich ist, sollen wir die Gnade und Hilfe des Herrn erbitten.
Wir wollen den Strafen der Hölle entfliehen und zum unvergänglichen Leben gelangen.
Noch ist Zeit, noch sind wir in diesem Leib, noch lässt das Licht des Lebens uns Zeit, all das zu erfüllen.
Jetzt müssen wir laufen und tun, was uns für die Ewigkeit nützt.
Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten.
Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen.
Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern und die Liebe zu bewahren,
dann lass dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng.
http://www.benediktiner.de/index.php/regula-prolog.html
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Siard » Samstag 18. Januar 2020, 04:45

Benedikt hat geschrieben:
Freitag 17. Januar 2020, 18:41
http://www.benediktiner.de/index.php/regula-prolog.html
Du hängst dem Irrglauben an, daß alle Klöster benediktinisch sind.
Weiters haben die Klöster sein Benedikt eine lange Entwicklung hinter sich – Retortenbenediktiner (wie oft in BRDtl.) sind nicht die einzige, und mMn nicht die richtige Antwort.

Außerdem ist das gemeinsame Gebet durch "DAS Konzil" gestärkt worden, von diesem wären die Mitglieder in der Küche dann aber (zumindest mittags) regelmäßig ausgeschlossen.
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Petrus » Montag 20. Januar 2020, 09:35

1) Aber alle Klöster gehören doch zur "benediktinischen Familie"? (Benediktiner, Zisterzienser, Olivetaner, Kamaldulenser, Zisterzienser von der strengen Observanz, Venio, um aus dem Gedächtnis "auswahlmäßig" zu zitierren)

Die späteren Vereinigungen (Franziskanser etc., Jesuiten. Dominikaner …) hatten kein Klosterleben, sondern Niederlassungen. Richtig?

2) "Retortenbenediktiner". Was meintest Du? Vielleicht diejenigen, welche wir damals "Wasserbenerdiktiner" genannt hatten (Münsterschwarzach z. B., ich möchte aber den Mönch mit den langen Haaren und mit dem gepflegten Bart hier nicht schlechtmachen, und sonst auch nicht) ich bin neugierig auf Deine Antwort, Siard.

3) Das gemeinsame Gebet ist wirklich(!) durch DASKonzil gestärkt worden. Vorher war das so:

Die Patres rezitierten das Chorgebet "recto tono" (allesaufeinentonwirddasgesungen) im Chor. Die fratres beteten zeitgleich das "deutsche Brevier" im sog. "Brüderchor".

4) aaaber: es ging bei DASKonzil nicht nur um das Chorgebet. Sondern wirklich um Gemeinschaft - im Kloster.

Vorher (vor DASKonzil) haben nur die Patres (unter der Leitung des Abtes) untereinander beraten. Die fratres standen (wirklich) vor der verschlossenen Tür, und haben dann geblödelt (selbst erfahren): Komm, wir brauchen jetzt eine Schubkarre, damit wir das ganze Stroh, das die da drinnen dreschen, dann abfahren können! :)


insoweit und insofern finde ich DASKonzil - das ist aber nur meine persönliche Meinung - gar nicht so schlecht.

Petrus.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Petrus » Montag 20. Januar 2020, 09:43

Benedikt hat geschrieben:
Freitag 17. Januar 2020, 10:48
Meiner Erfahrung nach wird in den meisten Klöstern viel zu opulent gegessen.
oh - welche Klöster mit opulentem Essen kannst Du mir da empfehlen? Vielleicht so eine kleine Auswahl?

danke Dir im Voraus,

Petrus.

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Hanspeter » Montag 20. Januar 2020, 10:00

Mit "Retortenbenediktiner" sind diejenigen aus den deutschen Klöstern gemeint, die, Im Gegensatz zu den Klöstern in z.B. Östereich nicht auf eine ununterbrochene Tradition zurückblicken können. Alle Benediktinerklöster in Deutschland wurden im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die deutschen Abteien sind allesamt Neugründungen des 19. und 20. Jhdts. sozusagen künstlich durch Mönche aus nicht deutschen Klöstern befruchtet.

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