Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.
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cantus planus
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Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von cantus planus »

sr.meike hat geschrieben:
Und was mich immer wieder mal bei verschiedenen Klosterbüchern stört ist dieses "ich komme, um Gott zu suchen". Suchen ist gut, aber irgendwann hat die Suche ein Ende, weil Gott selbst verheißt, dass er sich finden lässt (Jer.29,13f)! Würde da lieber von Sehnsucht nach Begegnung sprechen. Also ich bin eingetreten, weil Gott mich gefunden hatte und gezogen. Weil ich eine persönliche Beziehung mit Jesus habe. Diese Freundschaft mit Jesus kommt mir in den Lebensbeschreibungen der Kartäusernovizen einfach zu kurz, bleibt unkonkret. Liturgie und Studium dominieren. Meist wird von "Gott" gesprochen. Ich glaub wir müssen das heutzutage genauer definieren, wen wir damit meinen. Ich meine den dreieinigen Gott, der sich in der Bibel offenbart - mit Absolutheitsanspruch (Apg.4,12).
Schon länger gehe ich mit einer Frage (oder einer Beobachtung?) schwanger, und dieser schöne Beitrag von Sr. Meike (hier nachzulesen) bringt mich heute dazu, einige kritische Gedanken zum Thema Berufungspastoral zur Diskussion zu stellen.

Seit längerer Zeit, sogar schon seit der Zeit unmittelbar vor dem II. Vaticanum, wird über eine Krise des Ordenslebens und der Priesterberufungen geredet. Über die vielfältigen Probleme in dieser Hinsicht wurde hier schon in einigen anderen Threads (zu finden hier im Oratorium) ausgiebig diskutiert. Ich möchte das Augenmerk nun auf jene richten, die ihre Berufung bereits gefunden haben (zu haben glauben). Nun richtet dieser Mensch Anfragen an verschiedene Klöster, Seminare und Gemeinschaften.

Und hier kommt eben nach meiner Beobachtung ein interessanter Punkt ins Spiel:

Wenn man nun an die Pforte der ausgewählten Gemeinschaft klopft und dort mit der "Berufungspastoral" in Kontakt kommt, wird häufig empfohlen zu warten, sorgfältig zu schauen, zuerst "noch einmal etwas zu erleben", erst noch eine Ausbildung zu machen, erst einmal über 30 Jahre alt zu sein (kein Witz!), immer wieder hinterfragt, ob man sich wirklich berufen fühlt, Kandidaten jahrelang begleitet, etc.

Dagegen ist nichts einzuwenden, und in gewisser Hinsicht kann diese Form der Begleitung eine Notwendigkeit sein. Allerdings beobachte ich auch die wachsende Tendenz - und hier kommt Sr. Meikes Beitrag ins Spiel - den Weg bereits zum Ziel zu erklären. Es scheint für manche Gemeinschaften vollkommen auszureichen, wenn immer wieder Gäste im Konvent sind, Kandidaten kommen und gehen, und "ein bisschen was mitnehmen".

Kann es sein, dass aus Angst vor einem zu missionarischen Auftreten viele in der Berufungspastoral Tätige sich nicht trauen, einem Kandidaten oder Interessenten konkret anzusprechen? Jemanden, der "Gott sucht" den Weg zu öffnen, wie er konkret in dieser Gemeinschaft auf Gottessuche gehen kann?

Mit anderen Worten: ist es möglich, dass zu viele Gemeinschaften zwar die Menschen da abholen, "wo sie sind" - aber dann vergessen, dass "abholen" nicht "stehenbleiben" bedeutet?

Wie ist eure Meinung? Habt ihr ähnliche Beobachtungen/Erfahrungen?
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Raphaela
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Beitrag von Raphaela »

Ich denke, es kommt mehreres zusammen, was manche Ordensleute selber auch wissen, aber nicht jede Gemeinschaft unternimmt etwas.
- Vor einiger Zeit habe ich mit einer Ordensschwester gesprochen, die ganz klar gesagt hat, es es eigentlich logisch ist, dass seit Jahren kein Nachwuchs mehr kommt, weil die ganze Gemeinschaft nur noch auf Konsum aufgerichtet ist. Es werden große Krankenhäuser und Altenheime gebaut und alle sind auf Profit aus.
- Vor ein paar Tagen ist mir von eine Frau aus Österreich erzählt worden, dass ein Kloster in der Nähe sozusagen in "Konkurs" gegangen ist, weil sie darauf aus waren Profit zu machen und bei ihren Kursen auch Sachen angeboten haben, die gar nicht christlich sind, wie z. B. Tai Chi oder Reiki
-Früher gingen unter anderem Frauen ins Kloster, die zwar nicht berufen waren, aber einen Beruf ausüben wollten.

Jeden anzusprechen, ob er nicht eintreten will ist nicht so Ohne. Dazu muss man diese Person gut kennen. Es gibt manchmal Gäste im Kloster, die wirklich zum ersten Mal überhaupt in einer religiösen Umgebung sind.
Andere sind auf der Suche, sind dann aber bereit, auch ein Gespräch zu führen.
Und es gibt Klöster, die ganz bewusst Kurse für junge Leute anbieten, die sich mit dem Gedanken tragen, in das Kloster einzutreten. Hier wird dann über das Ordensideal gesprochen und die Gebetszeiten werden von den Gästen mitgemacht.


Meines Erachtens ist es wirklich zu wenig, in ein Kloster einzutreten, mit der Begründung, um Gott zu suchen. Es muss schon eine Beziehung gewachsen sein, dieser Schritt kann nur aus Liebe zu Gott getan werden.

Eine andere Erfahung, die ich schon gemacht haben: Gäste unterhalten sich untereinander über ihren Berufungsweg, machen sich Mut, den Schritt zu probieren und geben dem andern Rückmeldung und manchmal bleibt dieser Kontakt bestehen oder man sieht sich als Kandidat von einem Kloster wieder :)

Raphaela
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Beitrag von Raphaela »

Zum Thema Berufungspastoral ist mir heute "nebenbei" folgender Gedanke gekommen:
Was bringt die ganze Berufungspastoral, wenn in einer Gemeinschaft nicht an die Macht des Gebetes geglaubt wird? - Getan werden kann Vieles, aber ist das auch immer Gottes Willen.

Ich habe jetzt zwei Gemeinschaften erlebt, die so gut wie keinen Nachwuchs haben. Bei der einen sind vor 14 Jahren das letzte mal Schwestern eingetreten, bei der andern treten in der europäischen Provinz alle paar Jahre Schwestern ein. Bei beiden Gemeinschaften habe ich es erlebt, dass sich Schwestern darüber wundern, wenn jemanden das Gebet wichtig ist, da es anders Wichtigeres gibt, oder das ganz klar gesagt wird, das ein Gebet nichts nutzt. :hmm:

Was also nutzt in so einem Fall Berufungspastoral?

Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo »

In diesem Fall muss es wohl so sein, dass nichts nachkommt - und dass die Gemeinschaft ausstirbt (mehr oder weniger)... Berufungspastoral kann auch sein, einfach vor-leben... und je nachdem, WIE man vor-lebt, kann das dann auch zu was führen...die Suche von sehr vielen Leuten kann man nicht leugnen; die Frage ist nur, was gesucht wird... :/
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cantus planus
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Beitrag von cantus planus »

Ecce Homo hat geschrieben:In diesem Fall muss es wohl so sein, dass nichts nachkommt - und dass die Gemeinschaft ausstirbt (mehr oder weniger)
In der Tat. Wenn eine geistliche Gemeinschaft nicht mehr auf das Gebet vertraut, ist der Boden nicht mehr fruchtbar.

Ecce Homo hat geschrieben:Berufungspastoral kann auch sein, einfach vor-leben... und je nachdem, WIE man vor-lebt, kann das dann auch zu was führen
Unbedingt! :ja:

Ecce Homo hat geschrieben:...die Suche von sehr vielen Leuten kann man nicht leugnen; die Frage ist nur, was gesucht wird... :/
Und genau das ist der Punkt, den ich kritisiere. Ich meine zu beobachten, dass immer mehr Häuser und Gemeinschaften alle möglichen "Suchveranstaltungen" anbieten, aber immer weniger "Findeveranstaltungen". Offenbar gibt es innerhalb vieler Gemeinschaften eine gewisse Scheu, Leute einzuladen, sich auf diesen konkreten Weg zu machen. Da fehlen mir manchmal einfach die entscheidenden Impulse.

Wie sehr könnten wir da vom Heiligen Franziskus lernen, der wirklich jedem die Frohe Botschaft gepredigt hat. Sogar dem Wolf von Gubbio und den Vögeln des Feldes! Und auch im Lager des Sultans. Das war reine Begeisterung für Gott, auch wenn wir das in dieser Radikalität wohl kaum vermöchten!
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Asperges1976
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Beitrag von Asperges1976 »

Hier auch mal ein gutes Beispiel:
http://www.swr.de/-/id=3239752/property ... /index.jpg

Frau Lea Ackermann mag zwar engagiert sein.

Aber ein Aushängeschild für einen Orden oder einen geistlichen Eindruck, die aus Spiritualität lebt, macht die Dame nicht.

Wenn sowas Vorbild ist, dann brauche ich in keinen Orden mehr einzutreten, dann kann ich genauso gut als "normaler Mensch" mich in jeder X-Beliebigen Organisation betätigen.

Raphaela
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Beitrag von Raphaela »

cantus planus hat geschrieben: Und genau das ist der Punkt, den ich kritisiere. Ich meine zu beobachten, dass immer mehr Häuser und Gemeinschaften alle möglichen "Suchveranstaltungen" anbieten, aber immer weniger "Findeveranstaltungen". Offenbar gibt es innerhalb vieler Gemeinschaften eine gewisse Scheu, Leute einzuladen, sich auf diesen konkreten Weg zu machen. Da fehlen mir manchmal einfach die entscheidenden Impulse.
Das mit den "Suchveranstaltungen" ist genau das, was ich auch in meinem ersten Beitrag dazu geschrieben habe: Die fragwürigen Angebote, die in einigen Klöstern gemacht werden


Mir ist heute Früh noch eine dritte Schwesterngemeinschaft eingefallen, die nur noch sechs Schwestern hat. Denen ist nicht mal unbedingt die Messe wichtig. - Und glücklich/zufrieden sehen sie auch nicht aus.... :hmm:

Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo »

Ja mei, dann soll es eben so sein... selbst schuld... :)
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angelica
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Beitrag von angelica »

Ich habe den Verdacht, manche Gemeinschaften suchen junge, kostenlose Arbeitskräfte, damit ein überalterter Konvent künstlich "am Leben erhalten" werden kann - irgendwer muss ja die Hausarbeiten machen in den überdimensionierten Gebäuden. Natürlich sagt man das den Interessentinnen nicht vorher. Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung - wegen Krankheit durch Überarbeitung habe ich den Konvent verlassen - bestimmt besser so für beide.

Maja
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Maja »

Ich frage mich, was ich davon halten soll:
http://berufung.org/material/wh-material-2/

Was meint ihr?
"Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin." 1 Kor 12

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taddeo
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von taddeo »

Maja hat geschrieben:Ich frage mich, was ich davon halten soll:
http://berufung.org/material/wh-material-2/

Was meint ihr?
Meinst Du konkret diese "Monstranz"? Naja, Geschmackssache ... aber eine "Monstranz", die absichtlich "wegen der Bescheidenheit" aus Holz fabriziert ist, verfehlt komplett ihren eigentlichen Sinn. "Einfach, aber wertig" ist ein ebenso beliebter wie in diesem Kontext schwachsinniger Marketing-Gag. Meine Meinung.

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umusungu
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von umusungu »

ist eine Monstranz aus Gold Glaubensgut?

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Gallus
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Gallus »

umusungu hat geschrieben:ist eine Monstranz aus Gold Glaubensgut?
Ja, wenn Sie Berufungen unbedingt vermeiden und jedes Interesse von Nichtchristen an der Kirche unbedingt im Keim ersticken wollen, dann sorgen Sie dafür, dass das Auftreten der Kirche so klein, unauffällig, rücksichtsvoll, zurückhaltend und "bescheiden" wie möglich ist.

Althippies, die glauben, mit der Ästhetik der 1970er "die Menschen von heute" erreichen zu können, es ist "beyond comedy", wie die Amerikaner sagen.

Raphaela
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Raphaela »

Gallus hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben:ist eine Monstranz aus Gold Glaubensgut?
Ja, wenn Sie Berufungen unbedingt vermeiden und jedes Interesse von Nichtchristen an der Kirche unbedingt im Keim ersticken wollen, dann sorgen Sie dafür, dass das Auftreten der Kirche so klein, unauffällig, rücksichtsvoll, zurückhaltend und "bescheiden" wie möglich ist.

Althippies, die glauben, mit der Ästhetik der 1970er "die Menschen von heute" erreichen zu können, es ist "beyond comedy", wie die Amerikaner sagen.
Also, für mich ist der Inhalt der Montranz, als die Hostie wesentlich wichtiger als die Monstranz selbst.
Und noch etwas: Es gibt Monstranzen aus Gold, die absolut hässlich sind, z. T. von der Anbetung ablenken.
Diese Montranz würde noch helfen, besser anzubeten.
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

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Juergen
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Juergen »

Gallus hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben:ist eine Monstranz aus Gold Glaubensgut?
Ja, wenn Sie Berufungen unbedingt vermeiden und jedes Interesse von Nichtchristen an der Kirche unbedingt im Keim ersticken wollen, dann sorgen Sie dafür, dass das Auftreten der Kirche so klein, unauffällig, rücksichtsvoll, zurückhaltend und "bescheiden" wie möglich ist.

Althippies, die glauben, mit der Ästhetik der 1970er "die Menschen von heute" erreichen zu können, es ist "beyond comedy", wie die Amerikaner sagen.
Wenn schon schlicht, dann doch bitte richtig schlicht. 500,-€ sind ja kein Pappenstiel. Das geht doch preiswerter.

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Maja
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Maja »

Raphaela hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben:ist eine Monstranz aus Gold Glaubensgut?
Ja, wenn Sie Berufungen unbedingt vermeiden und jedes Interesse von Nichtchristen an der Kirche unbedingt im Keim ersticken wollen, dann sorgen Sie dafür, dass das Auftreten der Kirche so klein, unauffällig, rücksichtsvoll, zurückhaltend und "bescheiden" wie möglich ist.

Althippies, die glauben, mit der Ästhetik der 197er "die Menschen von heute" erreichen zu können, es ist "beyond comedy", wie die Amerikaner sagen.
Also, für mich ist der Inhalt der Montranz, als die Hostie wesentlich wichtiger als die Monstranz selbst.
Und noch etwas: Es gibt Monstranzen aus Gold, die absolut hässlich sind, z. T. von der Anbetung ablenken.
Diese Montranz würde noch helfen, besser anzubeten.
Ich sehe das wie Raphaela. Ich finde gerade Schlichtheit hilft sich wirklich IHM zuzuwenden und nicht an Äußerlichkeiten hängenzubleiben. ER soll im Mittelpunkt stehen, nicht die Monstranz.

Ehrlich gesagt schockiert mich Ihre Ansicht, Gallus. Bzw. ich frage mich wo Sie leben bzw. wen Sie da im Blick haben.
Wenn ich mir anschaue, welche Reaktionen auf den verschwenderischen Umgang mit Geld eines Tebartz van Elst erfolgt sind und wie sich Menschen angezogen fühlen von der Schlichtheit eines Papst Franziskus, so kann ich Ihrer These nicht folgen.

Meine Gedanken, als ich das mit der Berufungsmonstranz las, gingen eher in die Richtung, dass ich mich fragte, welche Schwerpunkte das Zentrum für Berufungspastoral setzt.

Ich finde es gibt relativ wenige Angebote für suchende junge (und ältere) Menschen und ehrlich gesagt frage ich mich, was die fünf hauptamtlichen MitarbeiterInnen des ZfB eigentlich den lieben langen (Arbeits-)Tag über machen.

Bei den Diözesanstellen wiederum gibt es quantitativ und qualitativ höchst unterschiedliche Angebote (http://berufung.org/berufung-berufe/dioezesanstellen/). Aber insgesamt m.E. doch auch eher wenig. Erst recht für Menschen über 35.
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umusungu
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von umusungu »

Es gibt zu wenig Angebote für Absolventen schon eines Hochschul-Studiums.
17-jährige nach dem Abitur sind heute keine ideale Zielgruppe mehr.

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Juergen
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Juergen »

Maja hat geschrieben:Ich sehe das wie Raphaela. Ich finde gerade Schlichtheit hilft sich wirklich IHM zuzuwenden und nicht an Äußerlichkeiten hängenzubleiben. ER soll im Mittelpunkt stehen, nicht die Monstranz…
H.U.v. Balthasar: Würde der Liturgie. In: IKaZ 7 (1978), 485f. hat geschrieben:"Wenn ein Geschlecht keine echten religiösen Bilder für die Kirche zu schaffen vermag, soll sie nicht sagen, leere Wände konzentrieren den Geist wirksamer auf das Wesentliche. Wenn wir kleine Leute geworden sind, sollten wir das Mysterium, das wir feiern, nicht auf unser Format zu reduzieren suchen. Und wenn wir weithin würdelos geworden sind, sollten wir durch unser Glaubensbekenntnis immerhin soviel Sinn für die Majestät Gottes behalten haben, daß wir dort, wo wir ihr begegnen, den Abstand noch fühlen - größere Zeitalter mögen ihn stärker gefühlt haben - und uns Gott gegenüber echt benehmen."
Gruß Jürgen

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Reinhard
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Reinhard »

Juergen hat geschrieben:
Maja hat geschrieben:Ich sehe das wie Raphaela. Ich finde gerade Schlichtheit hilft sich wirklich IHM zuzuwenden und nicht an Äußerlichkeiten hängenzubleiben. ER soll im Mittelpunkt stehen, nicht die Monstranz…
H.U.v. Balthasar: Würde der Liturgie. In: IKaZ 7 (1978), 485f. hat geschrieben:"Wenn ein Geschlecht keine echten religiösen Bilder für die Kirche zu schaffen vermag, soll sie nicht sagen, leere Wände konzentrieren den Geist wirksamer auf das Wesentliche. Wenn wir kleine Leute geworden sind, sollten wir das Mysterium, das wir feiern, nicht auf unser Format zu reduzieren suchen. Und wenn wir weithin würdelos geworden sind, sollten wir durch unser Glaubensbekenntnis immerhin soviel Sinn für die Majestät Gottes behalten haben, daß wir dort, wo wir ihr begegnen, den Abstand noch fühlen - größere Zeitalter mögen ihn stärker gefühlt haben - und uns Gott gegenüber echt benehmen."
Es ist nicht der Prunk an sich, der uns näher zu Gott hinführt. Sehr deutlich sieht man das am Beispiel der Karthäuser mit ihrer Frömmigkeit.

Die Rechnung "je mehr Barock, desto näher bei Gott" geht einfach nicht auf, sondern es gibt verschiedene Mittel, die uns helfen, uns Gott mehr zuzuwenden.
Letztlich sind diese Dinge aber immer nur Mittel, die - wenn es gut ist - uns eine Eselsbrücke zu Gott hin bauen. Mehr ist es doch nicht ...

Ich denke, der von mir fett markierte Halbsatz gibt den Schlüssel dafür, welcher Stil für uns, für mich persönlich richtig und welcher falsch ist.

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Raphael
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Raphael »

Reinhard hat geschrieben:Die Rechnung "je mehr Barock, desto näher bei Gott" geht einfach nicht auf, sondern es gibt verschiedene Mittel, die uns helfen, uns Gott mehr zuzuwenden.
Die Rechnung macht niemand auf, daher handelt es sich bei der Ablehnung barocker Pracht mehr um das Bashen von Strohmännern.

Allerdings ist für die Verehrung Gottes das Beste gerade gut genug und da sollte das Nardenöl der Sünderin als Vorbild gelten.
Reinhard hat geschrieben:Ich denke, der von mir fett markierte Halbsatz gibt den Schlüssel dafür, welcher Stil für uns, für mich persönlich richtig und welcher falsch ist.
Diese Subjektivierung des Glaubensausdruckes wurde bereits Protestantismus versucht.
Der "Erfolg" ist in den letzten 500 Jahren offensichtlich geworden ..............
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
(Georg Christoph Lichtenberg)

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Florianklaus
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Florianklaus »

Reinhard hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:
Maja hat geschrieben:Ich sehe das wie Raphaela. Ich finde gerade Schlichtheit hilft sich wirklich IHM zuzuwenden und nicht an Äußerlichkeiten hängenzubleiben. ER soll im Mittelpunkt stehen, nicht die Monstranz…
H.U.v. Balthasar: Würde der Liturgie. In: IKaZ 7 (1978), 485f. hat geschrieben:"Wenn ein Geschlecht keine echten religiösen Bilder für die Kirche zu schaffen vermag, soll sie nicht sagen, leere Wände konzentrieren den Geist wirksamer auf das Wesentliche. Wenn wir kleine Leute geworden sind, sollten wir das Mysterium, das wir feiern, nicht auf unser Format zu reduzieren suchen. Und wenn wir weithin würdelos geworden sind, sollten wir durch unser Glaubensbekenntnis immerhin soviel Sinn für die Majestät Gottes behalten haben, daß wir dort, wo wir ihr begegnen, den Abstand noch fühlen - größere Zeitalter mögen ihn stärker gefühlt haben - und uns Gott gegenüber echt benehmen."
Es ist nicht der Prunk an sich, der uns näher zu Gott hinführt. Sehr deutlich sieht man das am Beispiel der Karthäuser mit ihrer Frömmigkeit.

Die Rechnung "je mehr Barock, desto näher bei Gott" geht einfach nicht auf, sondern es gibt verschiedene Mittel, die uns helfen, uns Gott mehr zuzuwenden.
Letztlich sind diese Dinge aber immer nur Mittel, die - wenn es gut ist - uns eine Eselsbrücke zu Gott hin bauen. Mehr ist es doch nicht ...

Ich denke, der von mir fett markierte Halbsatz gibt den Schlüssel dafür, welcher Stil für uns, für mich persönlich richtig und welcher falsch ist.
Hier ein Beispiel für eine schön schlichte Karthäuserkirche: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Itt ... kirche.jpg :)

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Peti
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Peti »

Juergen hat geschrieben:
H.U.v. Balthasar: Würde der Liturgie. In: IKaZ 7 (1978), 485f. hat geschrieben:"Wenn ein Geschlecht keine echten religiösen Bilder für die Kirche zu schaffen vermag, soll sie nicht sagen, leere Wände konzentrieren den Geist wirksamer auf das Wesentliche. Wenn wir kleine Leute geworden sind, sollten wir das Mysterium, das wir feiern, nicht auf unser Format zu reduzieren suchen. Und wenn wir weithin würdelos geworden sind, sollten wir durch unser Glaubensbekenntnis immerhin soviel Sinn für die Majestät Gottes behalten haben, daß wir dort, wo wir ihr begegnen, den Abstand noch fühlen - größere Zeitalter mögen ihn stärker gefühlt haben - und uns Gott gegenüber echt benehmen."
Im gleichen Aufsatz heißt es aber auch:
Ob "schöne" Liturgie (die um schön zu sein, gewiß nicht des für die meisten unverständlichen Lateins bedarf)
nur für gewisse Generationen schön ist, während nachfolgende ihre Schönheit nicht mehr wahrnehmen vermögen,
kann als Frage offen bleiben. "Auch das Schöne muß sterben", und Einbalsamierungen bekommen ihm nicht."
Und:
"Es gibt objektiv würdige Formen liturgischen Betens, die sich in Zeitaltern echter subjektiver Geisteshaltung ausbilden konnten.
Sich von diesen Formen tragen zu lassen, kann hilfreich sein. Aber allein sich von bestimmten Formen tragen zu lassen,
verbürgt noch nicht für die rechte Glaubenshaltung. Da kann eine zeitbedingte ästhetische Würde auch ein Übergewicht bekommen.
Und wenn bestimmte Formen nicht mehr zugänglich sind, kann die Kirche auch über neue Formen nachdenken."
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Niels
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Niels »

Florianklaus hat geschrieben:Hier ein Beispiel für eine schön schlichte Karthäuserkirche: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Itt ... kirche.jpg :)
Die ist mir zu pauperistisch. :narr: ;)
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Gallus
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Gallus »

Maja hat geschrieben:Wenn ich mir anschaue, welche Reaktionen auf den verschwenderischen Umgang mit Geld eines Tebartz van Elst erfolgt sind und wie sich Menschen angezogen fühlen von der Schlichtheit eines Papst Franziskus, so kann ich Ihrer These nicht folgen.
Ich sehe ehrlich gesagt nicht, wer sich von der "Schlichtheit eines Papst Franziskus" angezogen fühlt. Der Petersplatz ist bei Audienzen zu 4/5 leer, die Kirchenaustritte werden nicht weniger, die Eintritte nicht mehr und die Kirchen Sonntags nicht voller. Der Mann hat gute Presse, aber eine positive Wirkung auf Glaube und Spiritualität ist offensichtlich nicht festzustellen.

Unabhängig von Franziskus erleben wir seit Jahrzehnten eine zunehmende Verschlichterung so ziemlich aller liturgischen Formen in der Praxis. Mit welchem Ergebnis für die Spiritualität und Partizipation der Gemeindemitglieder?

In der mittleren Großstadt in der ich früher lebte, mit einigen Pfarreien in problemloser Erreichbarkeit, gingen die Leute Sonntags dahin, wo man mit dem Weihrauch nicht sparte und sich des barocken Vortragekreuzes nicht schämte. Leider ist so eine Abstimmung mit den Füßen ja nicht überall möglich.

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Juergen
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Juergen »

Maja hat geschrieben:Wenn ich mir anschaue, welche Reaktionen auf den verschwenderischen Umgang mit Geld eines Tebartz van Elst erfolgt sind und wie sich Menschen angezogen fühlen von der Schlichtheit eines Papst Franziskus, so kann ich Ihrer These nicht folgen.
Apropos T.v.E. und anderen… vor allen anderen…
Da hat Peter Winnemöller gestern was schönes geschrieben:
http://katholon.de/216/4/21/wenn-zwei ... eiche-tun/
Gruß Jürgen

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Marcus, der mit dem C
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Marcus, der mit dem C »

Juergen hat geschrieben:
Maja hat geschrieben:Wenn ich mir anschaue, welche Reaktionen auf den verschwenderischen Umgang mit Geld eines Tebartz van Elst erfolgt sind und wie sich Menschen angezogen fühlen von der Schlichtheit eines Papst Franziskus, so kann ich Ihrer These nicht folgen.
Apropos T.v.E. und anderen… vor allen anderen…
Da hat Peter Winnemöller gestern was schönes geschrieben:
http://katholon.de/216/4/21/wenn-zwei ... eiche-tun/
Und ich kann nicht verstehen, warum TvE immer nur mit dem Geld in Verbindung gebracht wird, vor allem nachdem Domkapitular & Stadtdekan zu Eltz in einem Interview klar gesagt hat, worum es wirklich ging:

Die Zeit vom 3.4.214, Seite 6 hat geschrieben:zu Eltz: Es ging nur vordergründig um Geld. Tebartz
war kein Verschwender und kein Protzbischof.
Es ging um Macht.
"Das katholische Modell ist ja seit 2000 Jahren am Scheitern und daher dringend ablösungsbedürftig"

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Niels
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Niels »

Marcus, der mit dem C hat geschrieben:
Die Zeit vom 03.04.2014, Seite 60 hat geschrieben:zu Eltz: Es ging nur vordergründig um Geld. Tebartz
war kein Verschwender und kein Protzbischof.
Es ging um Macht.
:!: :!: :!:
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Senensis
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Senensis »

@Niels und Marcus: Allerdings.
et nos credidimus caritati

thesaurus
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von thesaurus »

Es gibt zu wenig Angebote für Absolventen schon eines Hochschul-Studiums.
17-jährige nach dem Abitur sind heute keine ideale Zielgruppe mehr.
Hat den hier jemand Ideen, wie solche Angebote aussehen sollten?

lg thesaurus http://katholischeschatzkiste.blogspot.de/

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Senensis
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von Senensis »

Anders :tuete: :pfeif:
et nos credidimus caritati

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umusungu
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Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von umusungu »

in den Hochschulstädten müßten in allen Kirchen Plakate hängen mit Angeboten "zu einer zweiten Entscheidung".
in den Hochschulgemeinden müßten ebenfalls diese Plakate hängen.
die katholischen Studentenverbindungen müßten auf Angebote aufmerksam gemacht werden

thesaurus
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Registriert: Mittwoch 18. Mai 2016, 18:31

Re: Berufungspastoral: Kritische Gedanken

Beitrag von thesaurus »

Wenn ich selbst an Berufungspastoral denke, stehe ich etwas hilflos da.
Es gibt in vielen Bistümern so etwas wie Tage der Begegnung. Das ist dann die Gelegenheit, ganz unverfänglich mal den Regens, die Seminaristen und andere Interessierte kennenzulernen. Eigentlich ne tolle Sache, wenn es die Hemmschwelle für einen Erstkontakt mit dem Regens senkt. Aber wer geht zu so etwas? In der Regel doch nur Männer, die bereits in der Kirche beheimatet sind und in ihrer Pfarrei darauf aufmerksam wurden. Es muss ja bereits ein Grundinteresse da sein.

Wie aber schafft man es, dass (junge) Männer überhaupt erst einmal anfangen über so eine Frage nachzudenken? Wenn man heute einen langjährigen Ministranten kurz vor dem Schulabschluss (vermutlich mit Freundin) anspricht, ob er nicht über das Priesterwerden nachdenken möchte, dann zeigt er doch zu meist den Vogel. Das kann natürlich Jahre später in einer Sinnkrise noch mal Früchte tragen. Gottes Wege sind ja unergründlich.
Wenn aber selbst engagierte (junge) Männer, die sich über Jahre im Binnenkreis der Pfarrei bewegen, über ihre Berufung kaum nachdenken, wie lässt sich das ändern? Braucht es mehr Predigten über die Frage der Berufung? Müssen Priester junge Männer offensiver ansprechen?

Noch schwieriger wird es Männer zu erreichen, die zwar katholisch groß geworden sind, der Kirche aber momentan mehr oder weniger den Rücken zugekehrt haben. Hilft es da, wenn Plakate aushängen, die zu einer zweiten Entscheidung auffordern? Wie müssten den Veranstaltungen aussehen, die solch eine zweite Entscheidung begleiten?

Würde es vielleicht schon helfen, über ein "Einstiegshindernis" wie den Zölibat besser aufzuklären? Wenn man Priester erlebt, die den Zölibat leben und glücklich sind ohne zugleich seine Aufhebung zu fordern, dann überzeugt das vielleicht.

Ist vielleicht auch das Leben in einem Priesterseminar ein abschreckendes Hindernis? Wirken unsere Seminare wirklich offen und anziehend? Oder vielleicht manchmal abstoßend? Kann man da etwas ändern?

Und nicht zu guter letzt: Hat Kirche Zukunft oder ist sie ein Auslaufmodel? Wer wird schon gern Kapitän auf einem sinkenden Schiff? Wir müssen vermitteln, dass Kirche trotz aller Austrittszahlen und Krisenphänomene eine Zukunft hat, weil sie als Ort der Gottesbegegnung unersetzbar ist. Es braucht klare Visionen. Nur dann fangen Männer an über ihre Berufung nachzudenken, nur dann kann Berufung wachsen. Berufung ist natürlich ein geistliches Geschehen. Aber diese weltlichen Hindernisse können das geistliche Wachstum eben verhindern.

Selbstverständlich brauchen wir wohl auch mehr Gebet um Berufungen. Das dürfte fast noch das einfachste sein....
lg thesaurus http://katholischeschatzkiste.blogspot.de/

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