Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.
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Benedikt
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Benedikt » Dienstag 4. Februar 2020, 20:08

Etienne hat geschrieben:
Dienstag 4. Februar 2020, 18:54
Ein kleiner Haken. :pfeif:
Die Wende müsste auch von den Menschen in den bestehenden Orden gewollt sein. :tuete:
Und diese Mögklichkeit sehe ich eher als gering. :schnarch:
Die Wende muss vor allem von denen ernsthaft gewollt sein, die sie durchführen. Auf bestehende Orden sollte nicht gezählt werden. Von denen werden keine Impulse kommen oder, wenn sie kommen, im Keim erstickt werden. Die Gründe hast du selber ja schon benannt.
"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

Ralf
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Ralf » Dienstag 4. Februar 2020, 22:10

Ich würde es nicht für unmöglich halten, daß alte Gemeinschaften sich neuen Impulsen komplett verschließen. Manches Mal braucht es neue Impulsgeber, weil sie es selbst nicht mehr schaffen - doch auch innerhalb von alten Orden kann das gelingen. Nur ist das ein viel langsamerer Prozeß, weil man nicht von Null beginnen kann.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

Ralf
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Ralf » Dienstag 4. Februar 2020, 22:19

Ich möchte mal ein positives Beispiel bringen, in Spanien ist es sehr bekannt.

Sr. Verónica Berzosa brach nach einem Semester ihr Medizinstudium ab, um mit 19 Klarissin zu werden - in einem Kloster, wo sie mit Jahrzehnten Abstand die jüngste war (im Jahr 1984). Ihr um einiges älterer Bruder war Ortsbischof von Ciudad Rodrigo.

Nach zehn Jahren war sie Novizenmeisterin, weil sie ständig Nachwuchs anlockte. Die Gemeinschaft wuchs unaufhörlich. Es waren hauptsächlich Akademikerinnen, die sich dem Kloster anschlossen.

Irgendwann - und hier paßt vielleicht das Vorurteil - war das Korsett der Klarissen ihr zu eng. Sie gründete letztlich 2010 eine neue Gemeinschaft, Iesu Communio. Zehn Jahre später sind es über 200 Frauen, mit Sr. Verónica als Mutter. Wer bei Youtube nach Iesu Communio sucht, wird strahlende Gesichter sehen - und die charismatische Gründerin hält Hammer-Vorträge! Die Spiritualität ist franziskanisch kontemplativ, gleichzeitig aus den Quellen der Väter schöpfend und nicht ganz so streng in der Klausur wie Klarissen (sie geben bspw. Exerzitien für junge Frauen).

Dabei grenzt sie sich strikt von der säkularen Welt ab. Sie geht nicht auf "die Welt" zu - den Schwestern ist es bspw. verboten, nichtkirchlichen Medien Interviews zu geben. Wer gerufen wird, findet seinen Weg.

Seit Teresa von Ávila hat keine Frau mehr in Spanien alleine Klöster so gefüllt.
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Etienne
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Etienne » Mittwoch 5. Februar 2020, 08:24

Ja - danke für den Link. In der Tat strahlende Gesichter. Freut mich sehr...

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Etienne » Mittwoch 5. Februar 2020, 10:10

Ich hoffe allerdings auch, dass es eine kritisch - nüchterne Begleitung gibt, damit man sich später nicht wundert - wie leider in fast allen Fällen von charismatischen Neugründungen in unserer Zeit...

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Etienne » Donnerstag 6. Februar 2020, 10:12

Was ich auch an dieser Neugründung interessant finde ist, dass es offensichtlich nicht möglich war diese im Klarissenorden zu integrieren. Es schieint dann doch ein gewisse "Mutation" nötig damit so eine Bewegung richtig aufblühen kann und nicht in starren Formen und sekundären Gewohnheiten steckenbleibt…
Als ich mir ein Video mit den vielen frohen Frauen angeschaut habe kamen mir beinahe die Tränen - und da wird immer gesagt es gibt keine Berufungen...Quatsch :)

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Ralf » Donnerstag 6. Februar 2020, 11:02

Etienne hat geschrieben:
Donnerstag 6. Februar 2020, 10:12
Was ich auch an dieser Neugründung interessant finde ist, dass es offensichtlich nicht möglich war diese im Klarissenorden zu integrieren. Es schieint dann doch ein gewisse "Mutation" nötig damit so eine Bewegung richtig aufblühen kann und nicht in starren Formen und sekundären Gewohnheiten steckenbleibt…
Als ich mir ein Video mit den vielen frohen Frauen angeschaut habe kamen mir beinahe die Tränen - und da wird immer gesagt es gibt keine Berufungen...Quatsch :)
Das stimmt alles. Vor allem, wenn man sich das Zeugnis der Postulantinnen und Novizinnen anhört, dann sagen sie, daß sie dort Jesus gefunden haben und sich in ihn verliebt haben. Und daß das Leben sie abgrundtief glücklich macht (was nichts mit Leichtigkeit zu tun hat).

Ich denke, darin steckt schon die eigentliche Herausforderung jeder Berufungspastoral: zeigt eine Gemeinschaft einer interessierten Person Jesus oder nicht? Sind sie verliebt in ihn? Und macht sie dieses Leben glücklich und strahlen sie das aus (manchmal auch mit Worten, nicht alle sind extrovertiert)?

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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Etienne » Donnerstag 6. Februar 2020, 15:50

Ja es ist schön so etwas zu sehen.
Diese starken "Emotionen" bes. in einer religiösen Gruppe haben es sicher in jeder Hinsicht in sich.
Wenn die Gründerin dieser enormen Herausforderung und auch Versuchung standhält, diese herausragende (Macht) Position nicht zu missbrauchen dann ist sie sicher eine Heilige.
Ich freue mich sehr über solch eine Erscheinung in unserer Zeit.
Es könnte also durchaus sein das es mehrerer solcher Aufbrüche gibt :)

Ralf
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Ralf » Donnerstag 6. Februar 2020, 16:18

Ein anderes schon etabliertes Beispiel sind die Franciscan Friars of the Renewal (CFR), die ich selbst vor ca. 15 Jahren in London besucht hatte. Authentisches franziskanisches Leben, vor allem auch authentisches brüderliches Gemeinschaftsleben (was so so sehr fehlt in vielen Gemeinschaften hierzulande!) mit wöchentlichen Bibelgesprächen, wöchentlichen Gesprächen über ein geistliches Buch (alles nur in der Gemeinschaft, ich durfte dabei sein). Materiell sehr arm und reich an Freude im Herrn.

Pater Paulus-Maria Tautz CFR ist ein Deutscher in diesem Orden, der ursprünglich in der ostdeutschen Provinz des OFM war, nach der Wende aber die Radikalität vermißte. Ohne Englischkenntnisse wagte er den Weg nach New York zu den CFR und ist mittlerweile wieder hier, um den Menschen Christus zu bringen, besonders der Jugend.
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Re: Warum immer mehr Gäste und weniger Mönche?

Beitrag von Etienne » Donnerstag 6. Februar 2020, 16:35

Ja von denen hatte ich früher schon gehört.
Dann gibt es ja noch die Franziskanische Gemeinschaft von Bethanien in Aschaffenburg.

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