Leute, die aus einem Orden austreten

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Maternus87
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Re: Leute, die aus einem Orden austreten

Beitrag von Maternus87 » Montag 18. Februar 2019, 00:09

Vielleicht von Interesse, gerade wenn es um Gemeinschaften wie Das Werk geht:

Prälat Graulich SDB im Interviwe mit der Tagespost:

Den Blick weiten
https://www.die-tagespost.de/kirche-akt ... 312,195776

Daraus:
Für den geistlichen Missbrauch würde ich das auf jeden Fall bestätigen, denn vielen der neuen geistlichen Gemeinschaften fehlt ein gesunder Abstand zu den Gründergestalten und eine Einordnung des eigenen Charismas in die gesunde Tradition der Kirche. Das macht anfällig für „geistlichen Missbrauch“, der allerdings genau definiert werden muss, andernfalls ließe sich fast alles unter die Kategorie „geistiger Missbrauch“ rechnen, was zur Auflösung jeglicher Fundamente führen und Seelsorge verunmöglichen würde. Frau Wagner nennt in ihrem Buch erschreckende Beispiele für diesen Missbrauch, die in der Regel aus neuen geistlichen Gemeinschaften stammen. Deshalb werden Charismen und Gemeinschaften in der Regel einer eingehenden Prüfung unterzogen, um sicherzustellen, ob sie wirklich von Gott inspiriert sind. Dabei sollten jene Prinzipien nicht vernachlässigt werden, die auf den Erfahrungswerten der traditionellen Orden und Kongregationen beruhen.

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HeGe
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Re: Leute, die aus einem Orden austreten

Beitrag von HeGe » Montag 18. Februar 2019, 11:02

Ein beachtenswerter Gedanke. Orden und Gemeinschaften, die gerade gegründet wurden, haben häufig das "Problem" des anfänglichen Enthusiasmus, der auf besondere Strenge und Radikalität in der Umsetzung der Ordensregel wert legt. Es ist ja ein bekanntes Phänomen, das auch bei vielen der klassischen Orden am Anfang sehr große Radikalität und Strenge herrschte, die Strenge des Anfangs aber irgendwann nachließ. Das führte dann häufiger mal zu Abspaltungen oder Reformbewegungen innerhalb des Ordens, aber dann schon oft begleitet durch die Erfahrung der Jahrhunderte.

Wenn man sich als Beispiel ansieht, was der Hl. Bernhard zu Beginn an Askese forderte oder wie radikal die ersten Franziskaner z.T. die Armut lebten, würde vieles von dem, was da überliefert ist, aus weltlicher Sicht auch als Missbrauch in irgendeiner Weise eingestuft werden können. Aber nach rein weltlichen Maßstäben kann man das nicht messen, denn vieles, was die Orden von ihren Mitgliedern verlangen, hat ja ein eschatologische Begründung. Umso wichtiger ist es aber natürlich, dass erstens auch innerkirchlich eine Aufsicht allzu schlimme Auswüchse verhindert und zweitens, dass das Ganze nicht ins Sektenhafte abgleitet, sondern dass jeder, der sich in eine solche Gemeinschaft begibt, diese wenigstens bis zur ewigen Profess jederzeit und ohne Nachteile wieder verlassen kann.
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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