Nachwuchsmangel im Kloster - warum?

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.
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spectator
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Beitrag von spectator »

Wolfgang hat geschrieben:Sollte es den aktiven Christen nicht um die Menschen gehen ?
Nö. Du verwechselst das Ordenswesen und die Kirche mit dem Roten Kreuz oder einer Notaufnahme im Krankenhaus.
Im Christentum geht es vor allem um Gott, denn nur er kann erlösen und nur durch ihn erlangt man die Ewigkeit. Menschen aus eigener Kraft können das nicht.
Wolfgang hat geschrieben: (" Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan / wie könnt ihr sagen, ihr liebt Gott, den ihr nicht seht, wenn ihr euren Bruder hasst, den ihr seht " )
Hasst die Kirche oder hassen die Orden die Menschen?
Wolfgang hat geschrieben:Offenbart sich Gott nicht gerade in den Mitmenschen ?
Ja, das hat er vor 2000 Jahren getan. Wer sich heute in dem nach Liebe, Annerkennung und Reformen schreienden Volkshaufen offenbart, brauchen wir nicht lange überlegen.
Wolfgang hat geschrieben:Schließlich soll man doch Salz der Erde und Licht der Welt sein.
ist das die Kirche und das Ordenswesen nicht?
Wolfgang hat geschrieben:Und vielen großen Ordensgründern ( Franziskus, Dominikus, Ignatius, etc.) lagen die Menschen und die Mitmenschlichkeit am Herzen. Und genau das hat große Kreise gezogen und Begeisterung geweckt.
Du kennst den "Vater" des abendländischen Mönchtums nicht und die größten Ordensgründer auch nicht. Sie suchten vor allem Gott. Ihre Glaubensverkündigung für die Menschen resultierte vor allem aus der Kraft, die sie in ihrer Distanzierung von der Welt fanden.

Jojo
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Beitrag von Jojo »

spectator hat geschrieben:
Wolfgang hat geschrieben:Schließlich soll man doch Salz der Erde und Licht der Welt sein.
ist das die Kirche und das Ordenswesen nicht?
Da habe ich allerdings so meine Zweifel. Schaut man in viele völlig verbürgerlichte Gemeinden und Konvente, ist es nicht mehr weit her mit dem Salz. Stattdessen endlose Debatten um Probleme, die keine sind und weitgehende Beschäftigung mit sich selbst.
Gerade weil dem Ordenswesen noch so viele Klischeebilder anhaften, interessiert das noch eine bestimmte Klientel. Da sind Leute, die sich scheinbar von der Welt zurückziehen und ja so ganz anders leben als Ottonormalmensch. Frommes Wunschdenken. Es geht nirgendwo normaler und weltlicher zu als in einem Orden, jedenfalls ist das die Regel, nicht die Ausnahme. Ein quantitativ ausgeprägtes Gebetsleben tut da auch nichts zur Sache, es trägt zur Darstellung des klischeehaften Gesamtkunstwerkes bei und der Pflege des Selbstbildes des "Wir-sind-anders", mehr aber auch oft nicht.
Beistpielsweise hat ein Bundespräsidenten, der aufruft, für Katastrophenopfer zu beten, wesentlich mehr Salzpotential als ein vielbeschäftiget Workaholic-Abt, ein Feuerwehrmann, der Leben rettet, ist näher an den geringsten seiner Brüder als der Konvent, der in endlosen Konventssitzungen den täglichen Kleinkrieg zelebriert.
Brustkreuze, Kutten, feierliche Zermonien, das ist alles gut für das Klischee, das wir alle so sehr lieben.
Aber wehe einer tritt mal ein und schaut sich das alles mal aus der Nähe an. Irgendwann hockt er in seiner Zelle und stellt fest: Schön, auf Frau und Kinder musst du verzichten, auf ein bisschen Freiheit und Eigenständigkeit auch. Aber sonst ist eigentlich alles genau gleich. Früher hast du fünf Minuten gebetet, heute betest du drei Stunden. Das ist gut zum Wohlfühlen und für die innere Harmonie. Näher zu Gott, gotteszentrierter, oder wie auch immer man es nennen mag, wird es dadurch aber auch nicht. Fromme Theorie, die, wenn du dir die Mitbrüder so anschaust, wohl meistens den Praxistest nicht besteht, was kein Vorwurf ist, manches ist eben gut gemeint und in sich trotzdem nicht funktionstüchtig.
Last but not least, die Begeisterung für die Sache haben längst andere für sich gebucht, siehe Freikirchen, Charismatiker und ähnliches. Oft mit haarsträubendem religiösen Überbau und äußerst bedenklichem praktischen Unterbau, aber immerhin mit Begeisterung und nicht zu übersehender Sogwirkung.

Mich wundert gar nichts.

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spectator
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Beitrag von spectator »

Hallo Jojo,
ich weiß, dass du diese Realität kennst und auch treffend beschreibst. Was ich eigentlich meinte, sind die Absichten der Ordensgründer und ihr Leben. Das ist das Salz der Erde.

Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Und totzdem muß es den Christen genauso um die Mitmenschen gehen.( Mt. 22,39 " das andere( Gebot der Gottesliebe ) aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.")

Interessanterweise ist der Maßstab bei der Gerichtsrede Jesu ( Mt. 25,31-46) die Mitmenschlichkeit. Da wird nicht gefragt, wie oft und lange man gebetet hat, sondern einfach wie man sich seinem Nächsten gegenüber verhalten hat: " Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben,etc.....)

Sicher gibt es verschiedene Wege Gott zu suchen und zu finden. Auch Jesus hat sich ab und an in die Einsamkeit zurückgezogen, aber er ging die meiste Zeit auf die Menschen zu, und holte sie dort ab , wo sie waren.( Ihm war das Volk mit seinen Freuden und Sorgen wichtig.)

Wenn die Kirchen und Ordensgemeinschaften auf Dauer glaubhaft existieren wollen, sollten Sie sich wieder an den Wurzeln des Christentums orientieren und das Feuer der Begeisterung weitergeben.

Aber das ist natürlich Ansichtssache. :ja:

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Hallo JoJo.

Deine Sichtweise erschreckt mich schon irgendwie. Du hast da offensichtlich einschlägige Erfahrungen gemacht.

Bist du der Ansicht, dass sei überall so? Oder sind das ein paar wenige Ausrutscher?

Würdest du noch jemandem raten, einem Orden beizutreten?

HeGe

Jojo
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Beitrag von Jojo »

HeGe hat geschrieben:Hallo JoJo.

Deine Sichtweise erschreckt mich schon irgendwie. Du hast da offensichtlich einschlägige Erfahrungen gemacht.

Bist du der Ansicht, dass sei überall so? Oder sind das ein paar wenige Ausrutscher?

Würdest du noch jemandem raten, einem Orden beizutreten?

HeGe

Ich denke, es ist in der Regel so. Aber ich kenne natürlich nicht alle Klöster und kann nicht ausschließen, dass es auch Konvente geben mag, in denen viel Geist weht.

Jeder, der sich dazu berufen fühlt, ins Koster zu gehen, sollte es probieren. Nein, abraten würde ich auf keinen Fall. Ich denke, es hängt viel von der Fähigkeit des Einzelnen ab, zwischen eigenen Erwartungen und der Realität Kompromisse zu schließen.
Was für den einen eine fauler Kompromiss ist, muss es für den andern noch längst nicht sein.

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Hallo JoJo.

Aber du sagst im Prinzip: im Kloster ist nichts besser als "in der Welt", aber vieles schlechter. Man hat die gleichen Kämpfe auszutragen wie im weltlichen Leben und verzichtet zusätzlich noch auf Ehe und Familie und seine persönliche Freiheit.

Hast du mit dem Klosterleben keinerlei positive Erfahrungen gemacht? Irgendetwas von dem konzentrierteren, bewussteren Leben, dem auf Gott ausgerichteten Leben, das die verschiedenen Ordensgründer erreichen wollten? Und was würdest du vielleicht anders machen, wenn du entscheiden dürftest?

HeGe

Jojo
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Beitrag von Jojo »

HeGe hat geschrieben:Hallo JoJo.

Aber du sagst im Prinzip: im Kloster ist nichts besser als "in der Welt", aber vieles schlechter. Man hat die gleichen Kämpfe auszutragen wie im weltlichen Leben und verzichtet zusätzlich noch auf Ehe und Familie und seine persönliche Freiheit.

Hast du mit dem Klosterleben keinerlei positive Erfahrungen gemacht? Irgendetwas von dem konzentrierteren, bewussteren Leben, dem auf Gott ausgerichteten Leben, das die verschiedenen Ordensgründer erreichen wollten? Und was würdest du vielleicht anders machen, wenn du entscheiden dürftest?

HeGe
Na, ich sage ja nicht, dass es nicht auch positive Erfahrungen gibt. Wenn auch die gleichen Kämpfe auszutragen sind, wie im weltlichen Leben auch, so besteht auch das Klosterleben aus erfreulichen Dingen.
Aber ob Ordensleben wirklich konzentrierter und bewusster ist? Ich habe da wirklich meine Zweifel. Sicher ist es das vom äußeren Rahmen her schon, das Religiöse ist ständig gegenwärtig.
Die Frage wäre hier auch, ob die allgemeine Vorstellung heute vom bewusst und konzentriert auf Gott ausgerichteten Leben unbedingt der der Ordensgründer entspricht.
Der moderne Mensch setzt eher bei der geistigen Ebene an und landet dann bei der praktische Umsetzung vor Ecke im Buchladen mit der Esoterikliteratur, in Exerzitienkursen oder eben im Kloster.

Aus meiner Sicht war der Ansatz der Ordensgründer meist eher umgekehrt und von ganz pragmatischer Natur, woraus sich dann der geistliche Kontrast zu dem, was drumherum geschah, ergab. Also, z.B. die Erfindung des geregelten klösterlichen Gemeinschaftslebens als Gegenpol zu dem Schlendrian des völlig ins Kraut geschossenen Wüstenvätertums, die Erfindung der Bettelorden als Gegenpol zum ins Kraut geschossenen Umgang der Kirche mit Macht und Geld, die Erfindung einer papsttreuen Elitetruppe in Zeiten der Gegenreformation. (Damit ist auch die Frage, was ich denn anders machen würde, schon angeschnitten. Ich habe keine Lösung. Solche Lösungen entstehen immer dann, wenn die Leute zur richtigen Zeit die richtige Idee haben (s. Ordensgründer). Es ist das gleiche Problem wie mit der Frage, was müssen wir anders machen, damit wieder mehr Leute in die Kirche gehen.)

Wie ich schon sagte, heute sind Gemeinden und Klöster genau so verbürgerlicht, wie ihre Umgebung auch.
So, wie junge Frauen irgendwann anfingen, sich zu fragen, warum sie in einen caritativen Schwesterorden eintreten sollten, wenn sie genau so gut heute zwischen einer vielzahl sozialer Berufe wählen können, so ähnlich geht es auch dem jungen Mann, wenn er irgendwann in seiner Zelle sitzt und feststellt, dass es so viel anders als "draußen" gar nicht ist. Aber ich will auch nochmal ausdrücklich sagen: das muss nicht für jeden gleichermaßen irgendwie zum Problem werden. Es hilft auch wenig, daraus einen Vorwurf zu machen und nun zu meinen, die Klöster auffordern zu müssen: so, nun macht mal alles anders. Im Nachwuchsmangel der Klöster spiegelt sich nur im "Kleinen" die Lage der Kirche (in unseren Regionen) im Allgemeinen.
Es ist nur ein Erklärungsversuch zur Threadfrage.

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Jojo hat geschrieben:Aus meiner Sicht war der Ansatz der Ordensgründer meist eher umgekehrt und von ganz pragmatischer Natur, woraus sich dann der geistliche Kontrast zu dem, was drumherum geschah, ergab. Also, z.B. die Erfindung des geregelten klösterlichen Gemeinschaftslebens als Gegenpol zu dem Schlendrian des völlig ins Kraut geschossenen Wüstenvätertums, die Erfindung der Bettelorden als Gegenpol zum ins Kraut geschossenen Umgang der Kirche mit Macht und Geld, die Erfindung einer papsttreuen Elitetruppe in Zeiten der Gegenreformation. (Damit ist auch die Frage, was ich denn anders machen würde, schon angeschnitten. Ich habe keine Lösung. Solche Lösungen entstehen immer dann, wenn die Leute zur richtigen Zeit die richtige Idee haben (s. Ordensgründer). Es ist das gleiche Problem wie mit der Frage, was müssen wir anders machen, damit wieder mehr Leute in die Kirche gehen.)
Das würde ja bedeuten, dass man als Orden eine gewisse Haltbarkeit hat, dass bei Erledigung des Problems auch der Orden sich erledigt hat.

Sicher trifft das beispielsweise zu einem guten Teil für die karitativen Orden zu, aber m.E. sind manche Ordensregeln zwar als Gegenpol zu einem gesellschaftlichen Problem geschrieben worden, diese Probleme sind aber in gewisser Weise zeitlos. Es werden immer Anfeindungen an die Kirche herangetragen werden, wozu man eine Gesellschaft Jesu (oder heute die LCs) braucht. Auch das Problem der Macht und des Reichtums ist noch nicht wirklich erledigt. Und die Benediktsregel ist für mich in gewisser Weise zeitlos, weil es einfach eine andere Lebensform darstellt, die immer eine Alternative sein kann.

Ich würde also die Ordensregeln nicht aufgeben und die Spiritualität der Orden ist für mich eigentlich nicht das Problem, warum der Ordensnachwuchs ausbleibt.

HeGe

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Ich würde also die Ordensregeln nicht aufgeben und die Spiritualität der Orden ist für mich eigentlich nicht das Problem, warum der Ordensnachwuchs ausbleibt.
Die Vernachlässigung, die Nichteinhaltung von Ordensregeln und die mangelnde oder nicht mehr vorhandene Spiritualität in den Orden sind das Problem. Der potentielle Novize findet in solch einem Kloster nicht mehr das, wonach er innerlich gesucht hat. Dann denkt er, daß er genau so gut auch außerhalb des Kloster bleiben könne.

Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Ich habe den Eindruck daß viele Menschen wieder nach einem tieferen Sinn des Lebens suchen und langsam der reinen Spaß-und Action Gesellschaft den Rücken kehren. ( Hier kann ich natürlich nur von meinem Umfeld sprechen)
Pilgerwege wie z.B nach Santjago d. C. oder Vezelay boomen regelrecht und auch die Warteliste in Klöstern zum Mitleben oder bei Kar-und Ostertagen wird immer länger auf Grund der immer stärker werdenden Nachfrage.
Und trotzdem scheint der Funke der Begeisterung irgendwie nicht richtig überzuspringen, wenn ich sehen, wieviele doch der Kirche ablehnend gegenüber stehen und es mittlerweile sogar eine Bewegung " neues Heidentum" gibt, das viele Anzieht.
Mein Eindruck ist halt, daß es in vielen Gemeinden / Orden eine feste, etablierte kleine Gruppe gibt,die nicht bereit ist, sich nach außen zu öffnen und eher ängstlich an der eigenen Macht festhält.
In unserem Bistum gibt es zur Zeit die Aktion "Aufbruch im Umbruch."
An sich theoretisch eine gute Sache, aber in der Praxis vor Ort in den Gemeinden nicht richtig funktionabel. Bringt man den Vorschlag z.B. nach dem Gottesdienst noch Kirchen kaffe anzubieten, um die Gemeinschaft unter den Gottesdienstbesuchern etwas zu fördern, wird man schon allein für den Vorschlag für Verrückt erklärt.
Wenn schon die Begeisterung in den Gemeinden vor Ort immer mehr stirbt, dann ziehen wir Christen auch immer weniger Menschen an und dann wird auch der Gedanke an ein radikaleres Leben in einem Orden oder kirchl. Beruf immer mehr verblassen.

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

ad_hoc hat geschrieben:Die Vernachlässigung, die Nichteinhaltung von Ordensregeln und die mangelnde oder nicht mehr vorhandene Spiritualität in den Orden sind das Problem. Der potentielle Novize findet in solch einem Kloster nicht mehr das, wonach er innerlich gesucht hat. Dann denkt er, daß er genau so gut auch außerhalb des Kloster bleiben könne.
Das die Vernachlässigung der Ordensregeln dazu beiträgt, bin ich mir nicht so sicher. Das ist schließlich kein neues Phänomen und ist früher wahrscheinlich noch viel schlimmer gewesen, weil viele ja kaum freiwillig im Orden waren, sondern aus irgendwelchen Zwängen heraus.
(P.S.: Das soll jetzt nicht heißen, dass die Einhaltung der Ordensregeln völlig wurscht ist, ganz im Gegenteil. Es hat nur m.E. wenig mit diesem Problem hier zu tun.)

Dass ein Novize eventuell wieder geht, weil er nicht die Spiritualität vorfindet, die er sich erhofft hat, stimmt wohl eher. Aber das Problem fängt doch schon da an, dass kaum noch jemand das Noviziat wagt, also viel früher.

HeGe

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spectator
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Beitrag von spectator »

Wolfgang hat geschrieben:Bringt man den Vorschlag z.B. nach dem Gottesdienst noch Kirchen kaffe anzubieten, um die Gemeinschaft unter den Gottesdienstbesuchern etwas zu fördern, wird man schon allein für den Vorschlag für Verrückt erklärt.
Und? ist es schlimm?
Worum geht es in der Kirche – um Gott oder um den Kaffee?

Was du innerhalb der Kirche vermisst, ist: die Begeisterung, die Gemeinschaft, das Miteinander <- das sind aber keine Kräfte, die dem Menschen Gott näher bringen, das sind Umstände, die dem Menschen eine gewisse soziale Sicherheit vermitteln können/sollen. Das ist kein Glaube, das ist keine Kirche Gottes.


P.S. Kaffee kann man überall trinken.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Bevor wir ganz vom Thema abkommen, interessierte mich an dieser Stelle, einmal sozusagen aus erster Hand Eindrücke aus einem Kloster ganz anderer Tradition zu erfahren, zum Beispiel aus dem ostkirchlichen Rußland. Ob das möglich ist?
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

spectator hat geschrieben:
Wolfgang hat geschrieben:Bringt man den Vorschlag z.B. nach dem Gottesdienst noch Kirchen kaffe anzubieten, um die Gemeinschaft unter den Gottesdienstbesuchern etwas zu fördern, wird man schon allein für den Vorschlag für Verrückt erklärt.
Und? ist es schlimm?
Worum geht es in der Kirche – um Gott oder um den Kaffee?

Was du innerhalb der Kirche vermisst, ist: die Begeisterung, die Gemeinschaft, das Miteinander <- das sind aber keine Kräfte, die dem Menschen Gott näher bringen, das sind Umstände, die dem Menschen eine gewisse soziale Sicherheit vermitteln können/sollen. Das ist kein Glaube, das ist keine Kirche Gottes.


P.S. Kaffee kann man überall trinken.

Zur Kirche Gottes gehört aber das menschliche Miteinander, die Gemeinschaft der Christen, sowie sie in den Evangelien und der Apostelgeschichte gefordert und beschrieben wird.
Eine Kirche, die bloß auf Ritualen aufbaut und das Miteinander vernachlässigt, ist tot.

Natürlich kann man überall Kaffee trinken. Es ist halt eine schöne Möglichkeit, daß die Leute nach dem Gottesdienst noch kurz miteinander ins Gespräch kommen können und mehr über ihren Nächsten erfahren.In einigen Gemeinden wird das erfolgreich praktiziert, was die Lebendigkeit und Ausstrahlung derselben erhöht hat.

Stefan

Beitrag von Stefan »

Wolfgang hat geschrieben:Zur Kirche Gottes gehört aber das menschliche Miteinander, die Gemeinschaft der Christen, sowie sie in den Evangelien und der Apostelgeschichte gefordert und beschrieben wird.
Eine Kirche, die bloß auf Ritualen aufbaut und das Miteinander vernachlässigt, ist tot.
Beides gehört zueinander, Wolfgang, da hast Du völlig Recht. Der Frühschoppen nach dem feierlichen Hochamt gehört ebenso dazu wie andere Gemeindeaktivitäten.
spectators (ihm eigenthümliche) Reaktion wird wohl daher rühren, daß es heute oft Einseitigkeiten zugunsten des Gemeinschaftsgedankes auf Kosten der Gottesanbetung gibt. Das umgekehrte Extrem ist aber ebenso schädlich; Christen leben nicht nur für das Jenseits, sondern für das diesseits. Das heißt, das Reich Gottes ist in seiner Kirche bereits heute angebrochen und der Gottesdienst muß konkret im Menschendienst münden.

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spectator
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Beitrag von spectator »

Wolfgang hat geschrieben:Zur Kirche Gottes gehört aber das menschliche Miteinander, die Gemeinschaft der Christen, sowie sie in den Evangelien und der Apostelgeschichte gefordert und beschrieben wird.
das hast du doch in der Welt, warum suchst du dasselbe im Kloster?
Wolfgang hat geschrieben:Eine Kirche, die bloß auf Ritualen aufbaut und das Miteinander vernachlässigt, ist tot.
was du nicht sagst, Mr. Schlaumeier? und wer redet hier vom Ritus?
Wolfgang hat geschrieben:Natürlich kann man überall Kaffee trinken. Es ist halt eine schöne Möglichkeit, daß die Leute nach dem Gottesdienst noch kurz miteinander ins Gespräch kommen können und mehr über ihren Nächsten erfahren.
das kann man auch zu Hause, auf der Strasse, in der Kneipe, in der Starssenbahn, im Zug.... überall.
Wolfgang hat geschrieben:In einigen Gemeinden wird das erfolgreich praktiziert, was die Lebendigkeit und Ausstrahlung derselben erhöht hat.
Man muß blind sein, um nicht zu sehen, dass man eben mit solchen Mitteln: Kaffee&Kuchen, Frühschoppen, Eintopf mit Würstchen, Bier nach der Fronleichnamprozession... usw. versucht seit Jahren die Kirche attraktiver zu machen. Was daraus geworden ist, zeigen die Statistiken.

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Hannelore
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mangelnder Nachwuchs

Beitrag von Hannelore »

Ich bin hier neu im Forum und habe mir alle Beiträge zur Nachwuchsfrage angesehen. Ich habe sehr viel Einleuchtendes gelesen, am Ende meiner Lektüre bleibt aber folgende Frage: Am 19.7. war in einem Beitrag zu lesen: Edith hat folgendes geschrieben:och... es gehen deutlich mehr rein... als drin bleiben.
Im Schnitt bleiben so 15%... würde ich jetzt mal schätzen.

Ob diese Schätzung nun stimmt... Quellenmaterial über Austritte, wie häufig, wo, während Postulat, -Noviziat oder gar nach der ewigen Profess... darüber erfährt man nichts.
Aber kann es nicht auch sein, dass neben völlig falschen Vorstellungen, die manche Kandidaten mitbringen, darüber hinaus auch so etwas wie ein Kommunkigationsproblem besteht. Ich meine dies in der Weise, dass Noviziatsleitungen doch häufig mit älteren Kandidaten zu tun bekommen als es früher der Fall war, dass die Lebenswirklichkeiten der Einzutretenden, (die oft doch schon ein völlig autarkes Leben geführt haben) und der langjährigen klostererfahrenen Novizenmeister nur schwer überbrückt werden können. Enttäuschungen wären auf beiden Seiten die Folge.
Mir sind zwei Personen begegnet, die z.T. voll Bitterkeit über ihre Klostererfahrung berichtet hatten. Einer einseitigen Schuldzuweisungen will ich auch keinen Glauben schenken, aber eines schien offensichtlich und unabhängig voneinander klar formuliert: die Noviziatsleitung war nicht befähigt, Konflikte zu bearbeiten.
Einzelfälle können nie das Phänomen des Nachwuchsmangels erklären und sicher gehören viele Aspekte dazu, aber wenn denn nun ca. 15% bloß bleiben, können es doch so wenig Berufungen gar nicht sein (unter der Berücksichtigung, dass es heute weniger 9-Kinder-Familien gibt)
Grundsätzlich glaube ich nicht, dass Orden ihren Gründungsauftrag, bzw. deren Vollzug ändern müssten, denn z.B. der Geist der Regel Benedikts hat so viele Jahrhunderte tragen können, da er eine Lebenswirklichkeit enthält, die auch für den heutigen Menschen noch gültig ist.
Gelegentlich war in einigen Beiträgen von einzelnen Klöstern die Rede, dass diese keinerlei Nachwuchsprobleme haben. Kann mir jemand ein benediktinisches (Frauen) Kloster nennen, bei dem keine ungewöhnlich hohe Fluktuation im Noviziatsbetrieb herrscht?

Stefan

Beitrag von Stefan »

Gott zum Gruße und Herzlich Willkommen im Kreuzgang, Hannelore :)

Deine Frage interessiert mich auch; ich stelle mir das Leben in etwas strengeren Klöstern sehr schwierig vor. Selbst mit den üblichen Konfliktlösungsmethoden sind m.E. Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich vorprogrammiert - und wie Du schon schreibst, hat die Regel des Hl. Benedikts ja dennoch eine gute Basis über die Jahrhunderte geboten.

Vielleicht liegen die Gründe auch eher außerhalb: In einer geänderten Erziehung, schulischen Bildung oder Bedürfnissen unserer modernen Welt, die den Gegensatz zum klösterlichen Leben noch weiter verstärken als es gerade junge Menschen aushalten können.

Aber vielleicht hat ja sonst jemand hier bessere Detailkenntnisse bzgl. benediktinischer Frauenklöster - ich habe sie schon per definitionem nicht ;)

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Niels
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Re: mangelnder Nachwuchs

Beitrag von Niels »

Hannelore hat geschrieben:Ich bin hier neu im Forum
Herzlich willkommen! :ja:
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

Stefan

Beitrag von Stefan »

Diskussion um Kartäuser abgesplittet und einen eigenen Thread eröffnet.

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Hannelore
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Nachwuchsmangel - mögliche Gründe?

Beitrag von Hannelore »

Erst einmal Danke für die herzliche Begrüßung hier im Kreuzgang. Das hat mich sehr freudig überrascht, dass mein Beitrag so schnell Antworten erfahren hat. :)
Ich habe noch lange über meine Frage nachgedacht. Und als ich heute den Beitrag zu den Kartäusern las (2 von 10 ist ein guter Schnitt!!), kam mir der Gedanke, dieser Nachwuchsmangel in den Orden ist wohl insgesamt ein Verlust von Treue!? Treue keinesfalls in der Weise: „Augen zu, Zähne aufeinander, Kopf unterm Arm, Licht aus und durch.“ Die persönlichen Grenzen sind da und müssen akzeptiert werden. Ich glaube, ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist eine gewisse Stabilität und Verlässlichkeit in seinen Beziehungen zu finden, vor allem bei den Familien wird das Fehlen derselben so offensichtlich. Da bröselt es ja nun ziemlich. Und Kinder haben nicht nur ein Recht, sondern einen Anspruch darauf. Woran mangelt es? Wenn ich beschließe, einem Orden beizutreten, um Christus nachzufolgen, dann sehe ich doch auch Kreuz und Leid, was soll ich den anderes erwarten, wenn ich Ihm folgen will, als das, was Er mir vorgelebt hat? Wenn ich mich bedingungslos auf seine Liebe stütze, die er ja nun niemandem vorenthält, dann kann ich es tragen. Da spielt es eigentlich keine Rolle ob jemand vor oder hinter der Klostermauer lebt. Doch vor der Klostermauer hat man mehr Möglichkeiten des Ausweichens und Verdrängens. Kann es damit zu tun Haben: mangelnde Treue, Stabilität, Verlässlichkeit oder geringere Belastbarkeit? Dann könnte man den Gedanken noch ein Stück weiter konstruieren und auch auf weniger tragfähiges Vertrauen kommen? Dies natürlich keinesfalls unter Ausschluss der Menschen, die den Mut haben, aber an ihre Grenzen kommen, oder ganz andere Grenzen erst erkennen. Ich glaube, ich habe mich auf ein weites Feld begeben, ich höre hier mal auf.
Nur der Schwache wappnet sich mit Härte. Wahre Stärke kann sich Toleranz, Verständnis und Güte leisten. (T. Boesche-Zacharow)

Stefan

Beitrag von Stefan »

Meinst Du denn die Problem mit der Treue, wenn Du es als Ursache ansiehst, beschränken sich heute auf die Orden bzw. Klöster?
Leben wir nicht insgesamt in einer Zeit der Flüchtigkeit?

Ich meine, wer geht beim ersten Arbeitgeber in die Rente, wer bleibt 50 Jahre oder mehr mit der gleichen Person verheiratet, wer fährt sein Auto 25 Jahre etc.etc.?

Daß Orte, die die Stabilitas loci quasi zum Gütesiegel machen, in dieser Zeit erhebliche Probleme bekommen, ist m.E. nachvollziehbar. Eine interessante Frage ist aber die, wie die Orden auf die faktische Veränderung in der Bevölkerung reagieren sollten.

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Hannelore
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Beitrag von Hannelore »

Stefan hat folgendes geschrieben:
Meinst Du denn die Problem mit der Treue, wenn Du es als Ursache ansiehst, beschränken sich heute auf die Orden bzw. Klöster?
Leben wir nicht insgesamt in einer Zeit der Flüchtigkeit?

Ich meine, wer geht beim ersten Arbeitgeber in die Rente, wer bleibt 50 Jahre oder mehr mit der gleichen Person verheiratet, wer fährt sein Auto 25 Jahre etc.etc.?


Geanu das meine ich, dass das Nachwuchsproblem eine grundsätzliche Ursache hat, die sich ebenfalls in allen Gesellschaftsbereichen widerspiegelt. Was Du mit der Flüchtigkeit benannt hast, das meinte ich mit dem Verdrängen und Ausweichen.

Übrigens, ich fahre mein Auto schon seit 15 Jahren und das nun nahezu täglich, wenn das keine "stabilitas" bedeutet :D
:jump:
Nur der Schwache wappnet sich mit Härte. Wahre Stärke kann sich Toleranz, Verständnis und Güte leisten. (T. Boesche-Zacharow)

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Heike
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Beitrag von Heike »

Hannelore hat geschrieben:Übrigens, ich fahre mein Auto schon seit 15 Jahren und das nun nahezu täglich, wenn das keine "stabilitas" bedeutet :D
:jump:
Dann wird es Dir ja bald zu tatsächlicher "stabilitas" verhelfen ;-)

Stefan

Beitrag von Stefan »

Hannelore hat geschrieben:Übrigens, ich fahre mein Auto schon seit 15 Jahren und das nun nahezu täglich, wenn das keine "stabilitas" bedeutet :D
:jump:
Nun, eine stabilitas loci im engeren Sinn ist ja bei einem Auto nicht so unbedingt erstrebenswert :D
Aber nun habe ich Dir das Wort im Munde herumgedreht ;D

Du klingst so, als würdest Du Dich mit dem Benediktinischen und alles was dazugehört, auskennen?

Jojo
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Re: Nachwuchsmangel - mögliche Gründe?

Beitrag von Jojo »

Hannelore hat geschrieben: Doch vor der Klostermauer hat man mehr Möglichkeiten des Ausweichens und Verdrängens.


Nein, das stimmt definitiv nicht. Das geht auch hinter Klostermauern ausgezeichnet.
Kann es damit zu tun Haben: mangelnde Treue, Stabilität, Verlässlichkeit oder geringere Belastbarkeit?


Das ist das Standardargument, das immer wieder zu hören ist. Es kann schon deshalb einfach nicht stimmen, weil die meisten ehemaligen Ordensangehörige in stabilen Verhältnissen leben. Das wäre wohl kaum möglich, wenn alle diese Leute ein Problem mit Treue, Verlässlichkeit und Belastbarkeit hätten 8)

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Jojo hat geschrieben:»Das ist das Standardargument, das immer wieder zu hören ist. Es kann schon deshalb einfach nicht stimmen, weil die meisten ehemaligen Ordensangehörige in stabilen Verhältnissen leben. Das wäre wohl kaum möglich, wenn alle diese Leute ein Problem mit Treue, Verlässlichkeit und Belastbarkeit hätten«
Was wäre denn deine Erklärung, Jojo?
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Jojo
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Beitrag von Jojo »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Jojo hat geschrieben:»Das ist das Standardargument, das immer wieder zu hören ist. Es kann schon deshalb einfach nicht stimmen, weil die meisten ehemaligen Ordensangehörige in stabilen Verhältnissen leben. Das wäre wohl kaum möglich, wenn alle diese Leute ein Problem mit Treue, Verlässlichkeit und Belastbarkeit hätten«
Was wäre denn deine Erklärung, Jojo?
Ich denke, es liegt eher an den äußeren Ramenbedingungen und Umständen. Glaube, katholisch sein, Kirche und eben auch Kloster sind keine selbstverständliche Lebenswirklichkeit mehr.
Die meisten Gründe, die heute ein junger Mensch aufführen würde, weshalb er sich ein Klosterleben nicht vorstellen könnte, hätten früher in der Form gar nicht existiert bzw. wären als Frage gar nicht aufgekommen.
Heute stehen auch individuelle Sinnsuche und private Frömmigkeit verbunden mit diffusen Sehnsüchten mehr im Vordergrund, früher eher die gesellschaftlichen (Vor)gegebenheiten. Diesen Bedürfnissen können aber Klöster nicht entsprechen, das können sie vermutlich per se auch gar nicht leisten.
Umgekehrt ist nach meiner Ansicht bis heute auch noch keine wirkliche Antwort der Kirche im allgemeinen und der Klöster im besonderen auf diese veränderte Welt geglückt. Versuche der totalen Öffnung wie auch des Gegenteils fahren sich meistens gegen die Wand.
Was die Klöster betrifft, so werden sich in Zukunft möglicherweise völlig neue Formen herausbilden, so schwebt etwa die Idee des Mönches auf Zeit schon in der Luft, vielleicht geht es aber auch in ganz andere Richtung.

Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Jojo hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Jojo hat geschrieben:»Das ist das Standardargument, das immer wieder zu hören ist. Es kann schon deshalb einfach nicht stimmen, weil die meisten ehemaligen Ordensangehörige in stabilen Verhältnissen leben. Das wäre wohl kaum möglich, wenn alle diese Leute ein Problem mit Treue, Verlässlichkeit und Belastbarkeit hätten«
Was wäre denn deine Erklärung, Jojo?
Ich denke, es liegt eher an den äußeren Ramenbedingungen und Umständen. Glaube, katholisch sein, Kirche und eben auch Kloster sind keine selbstverständliche Lebenswirklichkeit mehr.
Die meisten Gründe, die heute ein junger Mensch aufführen würde, weshalb er sich ein Klosterleben nicht vorstellen könnte, hätten früher in der Form gar nicht existiert bzw. wären als Frage gar nicht aufgekommen.
Heute stehen auch individuelle Sinnsuche und private Frömmigkeit verbunden mit diffusen Sehnsüchten mehr im Vordergrund, früher eher die gesellschaftlichen (Vor)gegebenheiten. Diesen Bedürfnissen können aber Klöster nicht entsprechen, das können sie vermutlich per se auch gar nicht leisten.
Umgekehrt ist nach meiner Ansicht bis heute auch noch keine wirkliche Antwort der Kirche im allgemeinen und der Klöster im besonderen auf diese veränderte Welt geglückt. Versuche der totalen Öffnung wie auch des Gegenteils fahren sich meistens gegen die Wand.
Was die Klöster betrifft, so werden sich in Zukunft möglicherweise völlig neue Formen herausbilden, so schwebt etwa die Idee des Mönches auf Zeit schon in der Luft, vielleicht geht es aber auch in ganz andere Richtung.
Das denke ich auch.
In unserem Nachbarland Frankreich entstehen seit jüngster Zeit neue Gemeinschaften die momentan einigen Zulauf zu haben scheinen. Letzten Mai war ich mit ein paar Leuten auf einer Pilgerfahrt nach Chartres und Mont St Michel. An beiden Orten lernten wir neuere Gemeinschaften kennen, die sich um die geistl. Belebung der jeweiligen stark touristenmäßig frequentierten Gotteshäuser kümmern. In der Kathedrale von Chartres ist das " le chemin neuf" und in Mont. St. Michel " le monastique de Jerusalem".
Auffallend war die hohe Anzahl an Mitgliedern und das junge Durchschnittsalter.
Die Schwesten in Mt. St. Michel waren höchstens Anfang 20.
Beim "le chemin neuf" gibt es verschiedene Lebensformen innerhalb der Gemeinschaft: man lebt zölibater oder entscheidet sich für die Ehe, man übt einen kirchlichen Beruf aus oder einen weltlichen.Aber alle treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Gebetszeiten und praktizieren ein gemeinsames Miteinander im Alltag. :roll:

Stefan

Beitrag von Stefan »

In unserem Nachbarland Frankreich entstehen seit jüngster Zeit neue Gemeinschaften die momentan einigen Zulauf zu haben scheinen.
Diese Gemeinschaften würden mich generell interessieren, weil immer wieder mal Leute hier her kommen und nach solchen Möglichkeiten suchen. Gibt es zufällig Links dorthin, um sich zu informieren?

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Der Chémin neuf sitzt hier in Berlin in meiner Ortspfarrei, Herz Jesu im Prenzlauer Berg.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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