Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.
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Juergen
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Beitrag von Juergen » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:35

Manches von dem, was Du schreibst, halte ich durchaus für richtig.
Auch die Kleiderordnung, die dort in Eichstätt angesprochen wurde, ist sicher nicht falsch.
Gut, für mich wäre so eine Ordnung im Seminar überflüssig gewesen, da ich im Schrank eh' nur weiße Hemden und schwarze oder dunkelgraue Hosen hängen hatte. Mindestens 2/3 in meinem Semester hätten einer solchen Ordnung nicht bedurft, da es für uns selbstverständlich war, nicht in Bermudashorts und Hawaihemd rumzulaufen. Sonn- und Feiertags war für uns ebenso ein Anzug selbstverständlich.

Priesterkleidung:
nun, das ist ein etwas schwieriges Thema, das bei uns häufig diskutiert wurde. Die Argumente reichten pro: "Man muß auch "in der Welt" zeigen, wer man ist und auf welchen Beruf man sich vorbereitet"; contra: "Mensch, ihr definiert euch doch durch eure Kleidung, die Kleidung ist egal, wichtig ist, daß man durch das Leben Zeugnis gibt, nicht durch die Kleidung." etc. etc. - So unter den Studenten.
Offiziell sieht es anders aus: ab der Admissio dürfen die Seminaristen Klerikerkleidung tragen (Soutane, Kollarhemd, Tip-Ex, sog. 'Paderborner Weste'). ABER: der Regens sieht es teils genausogerne, wenn die Seminaristen es nicht tun. - Denn er meint, dadurch würden sie "eingeengt" in ihrer Entscheidung Priester zu werden - alle Optionen sollen bis zum Schluß offen gehalten werden. In einem Brief an die Priester, bei welchen jene Seminaristen ins Praktium gingen, die kurz vor der Diakonenweihe standen (etwa 3/4 Jahr vor der Weihe), schrieb der Regens, der Priester solle die Seminaristen in der Gemeinde nicht als solche vorstellen, die sich auf das Priesteramt vorbereiten, sondern vielmehr als (normale) "Praktikanten", damit der Seminarist sich "frei" entscheiden könne, ob er den Weg zuende geht (und das nach 5 Jahren Studium und Seminarzeit).

Geld:
nun, das ist auch so ein Punkt: warum sollte ein Seminarist nicht auch lernen, mit dem Geld "zu wirtschaften", welches er hat? Warum sollte er nicht frei - nach den zur Verfügung stehenden Mitteln - entscheiden können, ob er sich z.B. ein Lehrbuch kauft (um auch Anmerkungen darin machen zu können etc.) oder es sich ausleiht (sofern ein anderer nicht schneller war)?

Internet:
Daß man es ganz verbieten soll, halte ich für übertrieben. An jeder Uni gibt es inzwischen Pool-Räume oder sonstige Möglichkeiten für den Internetzugang. In Paderborn an der Uni (noch nicht an der Theol. Fakultät) ist es inzwischen ein "muß", daß ein Student einen Internetzugang hat, alleine aus der Tatsache heraus, daß Anmeldungen für bestimmte Lehrveranstaltungen nur noch über emal-Anmeldung erfolgen können.
Ebenso ist es hilfreich bei "Fernleihen" von Büchern etc.
Daß es auch verwerfliche Dinge im Internet gibt, ist keine Frage. Hier müßte eine "Güterabwägung" getroffen werden: Man könnte z.B. im Seminar einen Computerraum einrichten, der einen Internetzugang hat aber für bestimmte Seiten gesperrt ist.

Verpflichtende Veranstaltungen / Messen:
Ich persönlich emfpand die "Plicht-Messen" nicht als Last. Ob ich nun sowieso in die Messe gehe, oder dies eine "Pflicht-Messe" ist, macht eigentlich keinen Unterschied.
Wir hatten nur 2 bzw. 3 Pflichtmessen (Di, Do und So. sofern man im Haus war und keine Sonderdinge liefen).
Manche waren der Meinung, das sei zu wenig, andere es sei zu viel. Die Hausleitung meinte, man "könne" bzw wollte nicht mehr verpflichtend machen, da es auch Leute gab, die man langsam an den täglichen Messbesuch heranführen wollte, weil sie es nicht gewohnt waren. Auf diese wollte man Rücksicht nehmen.

Verpflichtende Veranstaltungen / Essen:
In Paderborn ist man vor einigen Jahren (Anfang der 90er) dazu übergegangen, daß die Seminaristen nur noch das Mittagessen gemeinsam einnahmen. Die übrigen Mahlzeiten wurden in sog. WG-Küchen (Wohngruppen-Küchen) eingenommen. Zu jeder Wohngruppe gehörten 6-10 Studenten. Das führe dazu, daß es nicht immer ein gemeinsames Frühstück gab, außer an den Tagen, an denen alle wegen der Kommunitätsmesse gleich früh aufstehen mußten; dann gab es das Essen nach der Messe. Sonst fanden sich meist 2 oder 3 zusammen, die gemeinsam frühstückten. Beim Abendbrot war weitgehend die gesamte Wohngruppe anwesend.
Ich persönlich hätte ein gemeinsames Frühstück und Abendbrot mit der ganzem Gemeinschaft besser gefunden.


Ach das reicht erstmal, sonst wird das ein Endlos-Posting.
Gruß
Jürgen
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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:40

Ketelhorn, um welche Berliner Ordnung handelt es sich? Um das diözesane Priesterseminar des Erzbistums Berlins von Kard. Sterzinsky?

Edith
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Beitrag von Edith » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:41

Geronimo hat geschrieben:Grüß Gott,
....
Ich als Laie habe kein Problem mit weltfremden Priestern, sondern eher mit denen, die keine reine Ausstrahlung haben (falls jemand versteht, was ich damit meine).
Gruß
Geronimo
Ich als Laie habe auch eher ein Problem mit Priestern, die dem Spirituellen fremd sind.

Frag mal einen "Welt - Priester" (sic!) nach geistlicher Begleitung.

Aber.... WIE die die jungen Seminaristen an ein geistliches Leben heranführen sollten.... darüber kann ich kein Urteil abgeben.
Ich stelle nur fest, daß die Orden da eine alte Erfahrung haben.... die ich nicht leicht vom Tisch wischen würde.

Edith
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Beitrag von Edith » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:42

cathol01 hat geschrieben:Ketelhorn, ....
hihi... :D süüß! :mrgreen:

Petra
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Beitrag von Petra » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:48

Dirk hat geschrieben:...Ein Seminarist..... soll Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung lernen...
Mit solchen Regeln lernt man nicht, sich selbst zu beherrschen, sondern sich von anderen beherrschen zu lassen. Selbstbeherrschung lernt man nur, wenn man alle Freiheiten der „Welt“ hat, schon um mal zu sehen, wo man anfällig/schwach ist. Auch auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere stolpert - dann merkt er's eben schon im Seminar und nicht erst nach der Weihe.

Mit Verboten erzieht man zur Unselbstständigkeit.

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otto
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Gegen die Lauheit

Beitrag von otto » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:57

Ich sehe die Probleme aus einem anderen Licht. Ich denke das sich viele Fragen die in diesen Thread aufgeworfen werden, dann von alleine lösen wenn man berücksichtigt das Jesus die Lauheit im Glauben missbilligt.

Wer nicht mit brennenden Herzen, brennend im Eifer und in der Liebe Jesus folgen will, sollte es sein lassen.

Wer nur das Ansehen? eines Priesters und dessen wirtschaftliche Sicherheit sieht, wer der Welt näher steht als Gott, wer sich seiner Berufung nicht 100 % Sicher ist, der möge der Welt dienen aber nicht Gott.

Zu viele haben den Ansehen der Kirche durch ihr Fehlverhalten geschadet.
Zu viele beflecken die Hl. Kirche Jesus durch ihr Fehlverhalten, wer nicht zölibatär leben kann, der soll es auch nicht versuchen.
Wer den "Weltgeist" für mächtiger und wichtiger, als den "Heiligen Geist" hält ,ist in einem Priesterseminar der kath. Kirche fehl am Platz.


Offb. 3,14-22
An die Gemeinde in Laodizea
14 An den Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: So spricht Er, der «Amen» heißt, der treue und zuverlässige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:
15 Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß!
16 Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.

17 Du behauptest: Ich bin reich und wohlhabend und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, dass gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt.
18 Darum rate ich dir: Kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst; und kaufe von mir weiße Kleider und zieh sie an, damit du nicht nackt dastehst und dich schämen musst; und kaufe Salbe für deine Augen, damit du sehen kannst.
19 Wen ich liebe, den weise ich zurecht und nehme ihn in Zucht. Mach also Ernst und kehr um!


Nichts ist dem Herrn Jesus Christus nach Johannes unerträglicher als die Lauheit. Lieber kalt als lau! Warum wohl? Lauheit ist mit Unwahrheit behaftet. Und alle Unlauterkeit verabscheut Jesus aufs stärkste. Sie widerspricht seinem Wesen. Denn er ist die Wahrheit in Person. Aus einem Kalten kann leichter noch etwas werden als aus einem Lauen, der im Selbstbetrug dahingeht. Der Heiland möchte brennende Herzen haben, brennend im Eifer und in der Liebe.
"Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Matthäus 16,24

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:57

Edith hat geschrieben:Aber.... WIE die die jungen Seminaristen an ein geistliches Leben heranführen sollten.... darüber kann ich kein Urteil abgeben.
In Paderborn gab folgende Dinge:
1) Jeder Seminarist mußte einen geistlichen Begleiter haben
2) Einmal pro Woche kam ein Priester in die Wohngruppe und es fand in der Gruppe ein geistliches Gespräch statt.
3) Donnerstags abends gab es nach einige Punkta des Spirituals (20:30) mit einem darauffolgenden strikten Silentium anschließend die Mögl. der Anbetung und dann eine Komplet (21:30).
4) Samstags gab eine (sofern es eine normales Haus-Wochenende war) in der Komplet die Punkta des Direktors mit einem darauffolgenden strikten Silentium im Seminar, das Ende bildete das gemeinsame Hochamt am Sonntagmorgen.
5) Mehrmals im Semester gab es eine Recollectio: Vesper anschließend Silentium, Abendessen, Invocatio mit Aussetzung, die die ganze Nacht über andauerte, Laudes, Frühstück, Vortrag (oft mit Gastrednern), das ganze endete mit dem Hochamt.
6) sog. geistl. (thematische) Wochenenden, jeweils 1x pro Semester für die Studenten eines Semesters - oft in Exerzitienhäusern
Zuletzt geändert von Juergen am Dienstag 30. Dezember 2003, 12:58, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
Jürgen
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Edith
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Beitrag von Edith » Dienstag 30. Dezember 2003, 12:58

Petra hat geschrieben:
Dirk hat geschrieben:...Ein Seminarist..... soll Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung lernen...
Mit solchen Regeln lernt man nicht, sich selbst zu beherrschen, sondern sich von anderen beherrschen zu lassen.
äh... nein Petra, das sehe ich anders.
In der klassischen Gebetsschule gehts es immer damit los, daß man verzichtet. Und gehorcht. Mal die Kontrolle abgeben... über die Dinge.... etwas, was uns heute extreem schwer fällt. Aber wichtig ist, um offen zu werden.

Das ist allerdings der Anfang des Weges.... nicht das Ziel, schon klar.
Aber ohne Anfang... kein Ziel....

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Dienstag 30. Dezember 2003, 13:03

Wohl wahr! Ich habe Jahre gebraucht, bis ich einen Weltpriester fand, der sich nicht als Sozialarbeiter und Psychologe mißverstand. Jetzt habe ich Glück gehabt. Ich kann ja nicht für jede Beichte in mein Kloster fahren.
Was mir immmer auffällt, ist die Blitzgescheitheit vieler Klosterpriester und ihre ...Menschenkenntnis. Obwohl sie doch so weitab vom Schuss leben ....
Geronimo



Edith hat geschrieben:
Geronimo hat geschrieben:Grüß Gott,
....
Ich als Laie habe kein Problem mit weltfremden Priestern, sondern eher mit denen, die keine reine Ausstrahlung haben (falls jemand versteht, was ich damit meine).
Gruß
Geronimo
Ich als Laie habe auch eher ein Problem mit Priestern, die dem Spirituellen fremd sind.

Frag mal einen "Welt - Priester" (sic!) nach geistlicher Begleitung.

Aber.... WIE die die jungen Seminaristen an ein geistliches Leben heranführen sollten.... darüber kann ich kein Urteil abgeben.
Ich stelle nur fest, daß die Orden da eine alte Erfahrung haben.... die ich nicht leicht vom Tisch wischen würde.

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Dienstag 30. Dezember 2003, 13:05

Ach ja,
einige Infos gibt's natürlich auch im Netz:
http://www.erzbistum-paderborn.de/leokonvikt/
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Edith
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Beitrag von Edith » Dienstag 30. Dezember 2003, 13:19

Geronimo hat geschrieben:Wohl wahr! .....
Was mir immmer auffällt, ist die Blitzgescheitheit vieler Klosterpriester und ihre ...Menschenkenntnis. Obwohl sie doch so weitab vom Schuss leben ....
Geronimo
*unterschreib* :ja:

Ich treffe immer wiedxer auf die (wie ich meine - irrige) Meinung, man müsse alles erlebt haben, um sich zu allem äußern zu können.
Gerade Ordensleute sind der lebende Gegenbeweis.

So wird zB einem zöibatär Lebenden oftmals die Kompetenz angesprochen, sich über Liebe oder Beziehung zu äußern.
Welch Unsinn! Sogar Eremiten können sich extrem kompetent über Beziehung äußern!

Wenn ich zu mir selbst gefunden habe, werde ich erst fähig Beziehungen einzugehen. (habe ich eine Beziehung zu mir selber, so wie ich wirklich bin?) Und sich seiner selbst stellen - ohne Kontrolle über den Fernseher und das Internet etc pp - ist ein wichtiger Lernschritt, meine ich. Wenn auch ein recht harter.
Lernen, sich mal auszuhalten. Ohne Ablenkung.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 30. Dezember 2003, 13:50

cathol01 hat geschrieben:»Ketelhorn, um welche Berliner Ordnung handelt es sich? Um das diözesane Priesterseminar des Erzbistums Berlin von Kard. Sterzinsky?«
Um das diözesane, von den neokatechumenalen Gemeinschaften getragene Priesterseminar »Redemptoris Mater« des Erzbistums Berlin von Kardinal Georg Sterzinsky. (Ein anderes dürftes es bald ohnehin nicht mehr geben.)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

max72
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Beitrag von max72 » Dienstag 30. Dezember 2003, 15:37

Na ja, mir scheint, dass man hier gute Intentionen hat, aber Gefahr laeuft den Geist der Regeln damit erschlaegt, dass man unnoetige Details ueberreglementiert:
Verpflichtende Zeiten
Also dass ein Priester von sich Interesse an Messe und Gebet hat sollte klar sein. Aber wie sinnvoll ist eine Ausgehverbot? Oder dass jeder Besuch erlaubt werden muss?
Kleiderordnung
Ich denke hier soll gesagt werden, dass man sich ordentlich und gepflegt kleidet. Aber das kann man nun wirklich nicht am Jeansverbot und "Hemdenknopfzwang" aufhaengen!! Ich habe oft zu guten Anlaessen solche Hemden mit so ner Art Rollkragen, ohne Knoepfe. Das waere dann also nicht ok? Und eine schwarze Jeans kann oft gepflegter sein als irgendeine schaebige Stoffhose...
TV
zugegeben, auf TV kann man wirklich gut verzichten. Wer hatte gesagt, dass Fernsehen das schaedlichste fuer Religion und Spiritualitaet ist, weil man sich nur noch ablenken und berieseln laesst? Aber einen einzelnen Sender zu sperren... Vielleicht nur noch EWTN zulassen?
Diese Regeln sind zum Schutz der Alumnen ergriffen worden.
Fuer mich zeigen diese Regeln ein absolut mangelndes Vertrauen in die Studenten. Jemand dessen Internetzugang ich so kontrollieren muss, damit er ja nicht dumme Sachen macht, der ist fuers Priesteramt eh nicht geeignet. Wie sollen wir diesen leuten dann Vertrauen wenn sie das Seminar verlassen? Dort weo sie dann all dem begegnen, vor dem sie beschuetzt worden waren?

Ich denke wir fallen zu leicht von einem extrem ins andere. In den einen Priesterseminaren werden keine Ansprueche gestellt, in den anderen wird alles total reglementiert...

Gruesse

max
Zuletzt geändert von max72 am Dienstag 30. Dezember 2003, 17:13, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von max72 » Dienstag 30. Dezember 2003, 16:57

Daß keine Abendveranstaltungen außerhalb des Hauses besucht werden dürfen, sofern nicht unabweisbar nötig, ist wichtig für den Schutz der Seminaristen. In Eichstätt vermisse ich allerdings eine sehr kluge Schutzregel, die wir hier haben, daß nämlich die Seminaristen stets nur zu zweit (oder zu mehreren) außerhalb des Seminars unterwegs sein dürfen.
aehm, ich versteh wirklich nicht ganz. Schutz vor was? Der gefaehrlichen Welt da draussen? Was koennte denn passieren wenn einer alleine unterwegs ist? Da hat ja ein Moench mehr Freiheiten als ein Priesteramstkandidat...

Also das versteh ich wirklich nicht ganz...

Gruesse

max

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Dienstag 30. Dezember 2003, 17:17

In unserer globalisierten, digitalisierten und individualisierten Gesellschaft kommen wir als Kirche nicht umhin, uns geistig wie auch überhaupt mit dieser Gesellschaft auseinander zu setzen. Das ist meiner Meinung nach nicht möglich, wenn RTL - übrigens, einer der Forumsteilnehmer hat vorhin bei RTL das "L" weggelassen, wogegen ich mich als Luxemburger doch vehement wehren muss, denn schliesslich fing bei uns in der Villa Louvigny alles an! -, Internet usw. gesperrt werden.

Übrigens: Jesus verliess auch Nazareth und ging nach Kapharnaum - dorthin, wo das (multikulturelle) Leben spielte. Das sollten wir auch tun, und nicht erst, wenn wir gestandene Männer sind, sondern jetzt. Gerade als jugendlicher Christbegeisterter hat man eine Reihe Pluspunkte, die einem es erleichtern, die Botschaft in die Welt zu tragen. Und dafür ist m. E. nicht unbedingt die Klerikerkleidung die vorteilhafteste Kleidung.

Jojo
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Beitrag von Jojo » Dienstag 30. Dezember 2003, 17:32

Dirk hat geschrieben:Ich finde diese Regeln gut. Ein Seminarist entscheidet sich für ein geistliches Leben und für die Heiligkeit, d.h. er soll Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung lernen - Eigenschaften, die für einen Priester sehr wichtig sind. Ausserdem sollte er sich innerlich freihalten von den Einflüssen der Welt, damit er sich während der Ausbildung ganz dem Geistlichen widmen kann. Ideal wäre es, wenn sich die Seminaristen diese Regeln selbst auferlegen würden, aber so ist es auch gut. Wir brauchen heilige Priester und die Gnade setzt eben die Natur voraus.
Ich wünsche allen, die nach diesen Idealen streben, dass sie daran nicht zerbrechen mögen und bitte um Nachsicht mit denen, die sie nicht erfüllen konnten.
Ich wünsche allen, die an diesen Idealen zerbrochen sind, die Erfahrung, das auch aus Zerbrochenem Großes werden kann.

Jojo
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Beitrag von Jojo » Dienstag 30. Dezember 2003, 18:00

Edith hat geschrieben:
Geronimo hat geschrieben:Wohl wahr! .....
Was mir immmer auffällt, ist die Blitzgescheitheit vieler Klosterpriester und ihre ...Menschenkenntnis. Obwohl sie doch so weitab vom Schuss leben ....
Geronimo
*unterschreib* :ja:
Ach, Geronimo&Edith, ihr beiden Kloster-Liebhaber,
die Klöster scheinen ja zu strotzen vor Weisheit und Spiritualität!
Warum sind dann die Mönchszellen leer?
Priesterseminar oder Noviziat, es ist dasselbe in grün. Mönche sind nicht weiser oder spiritueller als Weltpriester. Was beim Mann im Pfarrbüro offensichtlich, ist beim Mann hinter Mauern nur besser getarnt.
Nimm die vermeintlich beschauliche Klosterumgebung, nimm ein Sprechzimmer, geh im schwarzen Gewand hin und mach die Kerze an. Du bist die Ruhe selbst, du bist schon früh drauf trainiert, dir nichts anmerken zu lassen. Auf der Arbeitszelle stapeln sich die Akten, du hast auch noch ein paar Kleinigkeiten zu regeln, die deinem Gegenüber nicht im Traum einfallen würden, aber du strahlst eben diese Gelassenheit aus. Es ist wirklich nicht schwer, jeder Anfänger beherrscht es relativ schnell.

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Dienstag 30. Dezember 2003, 18:25

Ja, Jojo,
so macht halt jeder seine unterschiedlichen Erfahrungen ...
Ich kenne dich nicht, aber ich könnte fast wetten, dass du Klostererfahrung hast. Den Tonfall kenne ich nämlich, das kommt immer von Leuten, die mal im Kloster waren, sich dort verabschiedet haben und nun sich anschicken, die Welt über das Klosterleben insgesamt aufzuklären.
Nimms mir nicht übel, aber dieser Ton der Allwissenheit, was angeblich in Klöstern abläuft, geht mir etwas auf die Nerven. Dieser merkwürdige Unterton -Ach, ihr wisst ja nicht, was läuft, Leute,wenn ihr da mal hinter die Kulissen schauen tätet etc etc. Miesepeterismus im liberalen Mäntelchen, sonst nichts.
Vergiß es. Das ist dasselbe Phänomen wie bei Leuten, die eine Scheidungschlacht hinter sich haben und dann über Ehe und Familie referieren und meinen, sie müssten alle belehren, wie man eine Ehe richtig führt.
Komisch ist inzwischen, dass eine ganze Reihe ungeweihter Gläubiger mehr Gespür dafür hat, was Sache ist, als manche, die sich anschicken, die Weihen zu empfangen. Verkehrte Welt irgendwo. Da nun aber jedes Töpfchen sein Deckelchen findet, hoffen wir nur, dass die schnäubeligen Priesterkandidaten, von denen hier die Rede ist, auch auf die anspruchslosen Gläubigen treffen, die nichts von ihnen erwarten.Sonst gibts sicher ein böses Erwachen. Schon mancher Pfarrer hat sich gefragt, warum bei ihm die Beichtstühle leer sind und woanders voll. Und dann aus der Not eine Tugend gemacht und die Beichtstühle schlichtweg verschachert.
Am Ende sind wir Laien es, die den Priesterverdruss erzeugen? Zu viel Ansprüche an unsere Leithammel stellen? Vielleicht etwas von ihnen erwarten, was ihnen nicht genehm ist? Tut mir irgendwie leid, dass wir mehr erwarten von diesen Burschen als sie vermuten. Für mich ist ein Priester nicht irgendeiner von uns, der Kumpel von nebenan, sondern was ganz Besonderes und an seinem Glauben richte ich mich auf. Und konnte dies auch bisher bei den Priestern, die ich traf. Durch was für Seminare die wohl gegangen sind?
:kratz:

Geronimo :roll:

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Dienstag 30. Dezember 2003, 18:58

Jojo hat geschrieben:
Ich wünsche allen, die nach diesen Idealen streben, dass sie daran nicht zerbrechen mögen und bitte um Nachsicht mit denen, die sie nicht erfüllen konnten.
Ich wünsche allen, die an diesen Idealen zerbrochen sind, die Erfahrung, das auch aus Zerbrochenem Großes werden kann.
Und ich wünsche allen, sich vorher gut zu überlegen, bevor sie diesen Weg gehen, dass sie es in der Tat mit Idealen zu tun haben und dass viele Menschen sich werden an ihnen orientieren wollen und andere Dinge von ihnen erwarten werden, als sie vielleicht momentan meinen.
Wer das nicht verkraftet, ist nicht geeignet für das Priestertum. Es geht nicht um Nachsicht von außen, sondern um Einsicht in das eigene Tun.

Es geht doch nicht darum, welches Priesterbild man selbst von sich spazieren trägt, sondern darum, in was man evtl. hineingeworfen wird.

Ich weiß nicht mehr, ich glaube, es war Pascal, der sagte: Das größte Unglück der Menschen ist, dass sie nicht allein in ihrem Zimmer bleiben können, oder so ähnlich. (ich schlag's mal nach, wo es genau steht).


Geronimo (Kloster-Liebhaber) :mrgreen:

Jepp - ich habs gefunden. Es lautet: "....das alles Unglück der Menschen einem entspringt, nämlich, dass sie unfähig sind, in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben zu können." (Pascal,Pensee 139)

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Beitrag von cathol01 » Dienstag 30. Dezember 2003, 19:30

Jepp - ich habs gefunden. Es lautet: "....das alles Unglück der Menschen einem entspringt, nämlich, dass sie unfähig sind, in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben zu können." (Pascal,Pensee 139)
Im Original heisst es so:
"J'ai découvert que tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos, dans une chambre."
Das Werk Pascals heisst allerdings nicht "Pensee", sondern "Pensées", und die entsprechende Stelle befindet sich auch nicht unter der Nummer 139, sondern unter 205

;)
Zuletzt geändert von cathol01 am Dienstag 30. Dezember 2003, 19:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Jojo » Dienstag 30. Dezember 2003, 19:30

Geronimo hat geschrieben:Nimms mir nicht übel, aber dieser Ton der Allwissenheit, was angeblich in Klöstern abläuft, geht mir etwas auf die Nerven. Dieser merkwürdige Unterton -Ach, ihr wisst ja nicht, was läuft, Leute,wenn ihr da mal hinter die Kulissen schauen tätet etc etc.
Nimms mir nicht übel, aber weißt du, was mir auf die Nerven geht? Dieser Ton der Allwissenheit der Leute, die scharenweise die Gästetrakte von Klöstern bevölkern und ganz genau wissen, was angeblich in Klöstern abläuft.
Miesepeterismus im liberalen Mäntelchen, sonst nichts.
Wenn es miespeterich herüberkam, so bitte ich um Entschuldigung! Ich bin der letzte, der geistliches Leben, egal ob im Kloster oder als Weltpriester miesepeterich machen würde. Aber ich bin entschieden gegen Verklärung, weil es ganz einfach nicht den Tatsachen entspricht. Vielleicht ist Nüchternheit nicht das, was manche gut verkraften. Trotzdem meine ich, dass es gesagt werden sollte.

Der Priesterfilm gestern mit Herrn Lauterbach war kitschig, zugegeben. Aber an einer Stelle gefiel er mir ausgesprochen gut, nämlich der Dialog des Klosterlehrlings mit dem Mönch.
"Warum sind Sie ins Kloster gegangen?"
"Weil ich es meiner Mutter versprochen habe"
"Glauben Sie an Gott?"
"Immer weniger"
"Warum sind Sie dann noch hier?"
"Weil ich ein Suchender bin, und ich trotz allem glaube, dass ich hier her gehöre"
Das ist grottenaufrichtig. Es könnte ein Originalzitat sein, geklaut aus dem wahren Leben. Da ist ein schwacher und zweifelnder Mensch, nichts großartig spirituelles, nichts heroisches. Und doch in seiner Kreuzehrlichkeit groß. Dem Lehrling hat's jedenfalls gefallen.
Am Ende sind wir Laien es, die den Priesterverdruss erzeugen? Zu viel Ansprüche an unsere Leithammel stellen?
Du wirst es nicht glauben, aber genau das ist es, was einen großen Teil des Problems ausmacht. Nicht nur, aber es ist eben kein unwichtiger Faktor. Das ist nicht alleine meine persönliche Überzeugung.

Die Laien haben inzwischen mancherorts eine so gewaltige Hausmacht aufgebaut, dass der Priester nicht mehr viel zu vermelden hat, sondern aufgerieben zwischen verschieden Erwartungshaltungen, hochidealisierten Ansprüchen und diversen Interessensgruppen ein hartes Dasein fristet.
Aber es gibt auch Anlass zur Hoffnung: vermehrt gerade auch junge Priester mit einer tiefen Spiritualität, die ihren Standpunkt behaupten.
Ob freilich die oben diskutierte Seminarordnung dazu beiträgt, solche Priester zu fördern, steht auf einem anderen Blatt.

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Dienstag 30. Dezember 2003, 19:34

Vielleicht könnte man ja hier noch einige weitere Gedanken Pascals einfügen:

La tyrannie consiste au désir de domination, universel et hors de son ordre. (244)

La continuité dégoûte en tout... (319)

Tous les hommes se haïssent naturellemnt l'un l'autre. (134)

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Beitrag von cathol01 » Dienstag 30. Dezember 2003, 19:35

Heute abend kommt der zweite Teil dieses Priesterfilms!

Jojo
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Beitrag von Jojo » Dienstag 30. Dezember 2003, 19:41

Geronimo hat geschrieben:
Und ich wünsche allen, sich vorher gut zu überlegen, bevor sie diesen Weg gehen, dass sie es in der Tat mit Idealen zu tun haben
Zweifelsohne!
Aber kann's sein, du bist noch relativ jung, Geronimo? In 20 Jahren sind die Ideale geerdet, wirst seh'n! ;-)
(Was nicht heißt, dass man dann keine mehr hätte)

Antonio
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Priesterseminar Eichstätt

Beitrag von Antonio » Dienstag 30. Dezember 2003, 19:43

Grüß Euch herzlich!

Möchte ganz kurz auf diese Dinge antworten, die hier behandelt werden.
Da ich selber Seminarist in Eichstätt bin und ich glaube einiges wird hier sicher falsch dargestellt.
Nicht immer kann man von außen alles beurteilen, somit möchte ich sagen, dass alles seinen Sinn hat und ich denke in einem Gespräch würde das wieder anders ausschauen. Also ich glaube, dass ich es wirklich verteidigen muß und dabei sagen, dass es immer und überall Sachen gibt die einem nicht passen.

Deshalb wünsche ich Euch einen guten Rutsch und ein gesegnetes, gesundes Neues Jahr, Gottes Segen!!

Euer Antonio

P.S. Außerdem finde ich es nicht korrekt wenn jemand Sachen aus dem Regentenforum in die Öffentlichkeit stellt. Fraglich ob so jemand diskret ist.

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Juergen
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Re: Priesterseminar Eichstätt

Beitrag von Juergen » Dienstag 30. Dezember 2003, 19:52

Antonio hat geschrieben:P.S. Außerdem finde ich es nicht korrekt wenn jemand Sachen aus dem Regentenforum in die Öffentlichkeit stellt.
Der zitierte Text ist im Internet allgemein zugänglich.
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Dienstag 30. Dezember 2003, 20:05

Genau. Es muss wohl jemand aus der Eichstätter Kommunität diese Informationen an die Öffentlichkeit gebracht haben - was ich nicht mal kritisieren möchte.

max72
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Re: Priesterseminar Eichstätt

Beitrag von max72 » Dienstag 30. Dezember 2003, 20:47

Antonio hat geschrieben:Grüß Euch herzlich!

Möchte ganz kurz auf diese Dinge antworten, die hier behandelt werden.
Da ich selber Seminarist in Eichstätt bin und ich glaube einiges wird hier sicher falsch dargestellt.
Nicht immer kann man von außen alles beurteilen, somit möchte ich sagen, dass alles seinen Sinn hat und ich denke in einem Gespräch würde das wieder anders ausschauen. Also ich glaube, dass ich es wirklich verteidigen muß und dabei sagen, dass es immer und überall Sachen gibt die einem nicht passen.

Deshalb wünsche ich Euch einen guten Rutsch und ein gesegnetes, gesundes Neues Jahr, Gottes Segen!!

Euer Antonio

P.S. Außerdem finde ich es nicht korrekt wenn jemand Sachen aus dem Regentenforum in die Öffentlichkeit stellt. Fraglich ob so jemand diskret ist.
Hei Antonio,

wuerde mich dann aber wirklich interessieren das ganze von Deiner Sicht zu hoeren. Vielleicht sieht das ja ganz anders? Du kennst das Leben ja aus eigener Erfahrung, eben auch die Vorteile dann?

Gruesse

Max

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Poldi
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Anmerkungen eines Außenstehenden

Beitrag von Poldi » Dienstag 30. Dezember 2003, 21:05

Hallo zusammen!

Zum Thema Seminarordnung in Eichstätt möchte ich nur einige Bemerkungen (stichwortartig) loswerden:

1.) Antonio ist zuzustimmen, es ist erst mal eine seminarinterne Angelegenheit, die von außen wohl nicht ganz gerecht beurteilt werden kann.

2.) Dieses Regentenforum hat vor über einem Jahr stattgefunden. Mir scheint, dass sich da einiges bewegt und seine dauerhafte Form erst noch finden muss.

3.) Ich hatte, nachdem ich von einigen dieser Regelungen gehört hatte, einmal die Gelegeheit, mit dem Regens bei einem Festbankett ausführlicher darüber zu sprechen. Ich hatte den Eindruck, dass er für alle diese Regelungen gute Gründe hatte, auch wenn ich sie nicht alle nachvollziehen konnte. Dennoch halte ich es für verständlich, dass ein Regens seine Verantwortung auch dadurch wahrnimmt, dass er seine Vorstellung einbringt und solche Regelungen trifft.

4.) Wichtiger als solche konkrete Regelungen halte ich allerdings, dass dem Seminaristen auch der Hintergrund klar gemacht wird. Er soll ja nicht nur eine bestimmte Regelung verinnerlichen, sondern eine Lebenshaltung, die dem Priesterberuf angemessen ist.

5.) Für bedenklich halte ich, dass man Seminaristen im Seminar etwas verbietet, wozu sie außerhalb des Hauses und später ungehindert Zugang haben (z.B. Internet, Fernsehen). Anstatt etwas zu verbieten sollte man sich eben mit einem sinnvollen und angemessenen Umgang auseinandersetzen. Da kann man auch als junger Mensch von den Erfahrungen älterer Priester profitieren.

6.) Aber nicht nur junge Männer treten in Seminare ein. Eine Kern-Herausforderung der Priesterausbildung ist für mich das Anerkennen der jeweiligen und eigenen Persönlichkeit eines PAK. Da sind die Lebensgeschichten und Erfahrungen wesentlich differenzierter als noch vor 50 Jahren (auch die Ansprüche der Seminaristen an die Ausbildung sind gewachsen). Der klassische Weg (human. Abitur, Knabenseminar, Priesterseminar) ist da eben nur noch die Ausnahme. Sicher kann man Männer reiferen Alters, die vielleicht schon Jahre in einem Beruf gestanden haben, nicht von "oben herab" in eine Seminarordnung zwängen, die Persönlichkeitsbereiche tangiert, die zu detailiert zu regeln einem Regens nicht zusteht. In diesem Sinne wird es sicher auch Einzelfallregelungen geben.

7.) Ich bin mir sicher, dass ein Regens, der Seminaristen nicht nur als "Menschenmaterial" im langfristigen Personalplan eine Diözese sieht, das Gespräch mit den Seminaristen suchen und die Seminarregeln nicht absolut setzen wird.

Beste Grüße aus der Hauptstadt,
Poldi

Petra
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Beitrag von Petra » Dienstag 30. Dezember 2003, 21:09

Edith hat geschrieben:
Petra hat geschrieben:
Dirk hat geschrieben:...Ein Seminarist..... soll Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung lernen...
Mit solchen Regeln lernt man nicht, sich selbst zu beherrschen, sondern sich von anderen beherrschen zu lassen.
äh... nein Petra, das sehe ich anders.
In der klassischen Gebetsschule gehts es immer damit los, daß man verzichtet. Und gehorcht. Mal die Kontrolle abgeben... über die Dinge.... etwas, was uns heute extreem schwer fällt. Aber wichtig ist, um offen zu werden.
Alles Lernen und jede Schule geht mit Verzicht los, klar.

Darum ging’s aber nicht. Oben sprach ich ausdrücklich von der Selbstbeherrschung. Dazu gehört, dass ich dieses „Selbst“ auch mit seinem Unangemessenen erst mal kennen lerne. Um dann selbst zu versuchen, Ziele zu setzen und die richtigen Wege einzuschlagen. Wer nur gehorcht, gibt diesen wichtigen Schritt im Reifungsprozess ab. Dabei kann ein 100% gelungenes Leben rauskommen, nur ist „selbstbeherrscht“ der falsche Ausdruck, dann sollte man es eher „gehorsam“ nennen. Was ja im Prinzip nichts Schlechtes ist. Die Herren, die so eine Ausbildung durchlaufen, wie oben beschrieben, also mit den Kleidervorschriften, dem Abend-Ausgehverbot, den TV- und Internetbeschränkungen und Roberts Vorschlag die Ausgaben zu kontrollieren, diese Herren geben bestimmt super Ehemänner ab..... 8) ,aber als Vorbereitung für einen Gemeindemanager/Verwaltungsfachmann/Seelsorger und als Zielscheibe für Kritik aus der Gemeinde scheint es mir .... naja.

Mein Vorschlag wäre, in Ehren und Dienst ergraute Priester nach ihren Ideen für die Seminaristenausbildung zu befragen, vielleicht auch die Abbrecher nach ihrer Meinung, entsprechend unterschiedliche aber gleichberechtigte „Seminarmodelle“ anzubieten, und so den zur Weihe Berufenen mehrere Möglichkeiten zu lassen, mit wie viel Kontrolle ihre Seminarzeit ablaufen soll.

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Dienstag 30. Dezember 2003, 21:26

Jojo hat geschrieben:
Geronimo hat geschrieben:
Und ich wünsche allen, sich vorher gut zu überlegen, bevor sie diesen Weg gehen, dass sie es in der Tat mit Idealen zu tun haben
Zweifelsohne!
Aber kann's sein, du bist noch relativ jung, Geronimo? In 20 Jahren sind die Ideale geerdet, wirst seh'n! ;-)
(Was nicht heißt, dass man dann keine mehr hätte)
*Grins* - das ist nett, dass mich jemand für relativ jung hält! Passiert mir nicht alle Tage! Komm ich etwa so jugendfrisch rüber ;D Sollte mich freuen!

Geronimo

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Dienstag 30. Dezember 2003, 21:37

Unter 205 steht bei meiner Ausgabe:
"Die Stoiker sagen: Haltet Einkehr bei euch selbst, dort werdet ihr eure Ruhe finden. Und das ist nicht wahr.
Die anderen sagen: Wendet euch nach außen, suchet das Glück, indem ihr euch zerstreut. Und das ist nicht wahr. Es kommen die Krankheiten.
Das Glück ist weder außer uns noch in uns; es ist in Gott, und sowohl außer uns als auch in uns."
In der Ausgabe von Rüttenauer steht das andere Zitat übrigens irgendwo im Text verbaggert unter 178.

Gruß
Geronimo



cathol01 hat geschrieben:
Jepp - ich habs gefunden. Es lautet: "....das alles Unglück der Menschen einem entspringt, nämlich, dass sie unfähig sind, in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben zu können." (Pascal, Pensee 139)
Im Original heisst es so:
"J'ai découvert que tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos, dans une chambre."
Das Werk Pascals heisst allerdings nicht "Pensee", sondern "Pensées", und die entsprechende Stelle befindet sich auch nicht unter der Nummer 139, sondern unter 205

;)

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