Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

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Hubertus
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von Hubertus » Montag 5. Januar 2015, 18:46

Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Juergen
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von Juergen » Dienstag 6. Januar 2015, 19:51

Ich erzählte das gerade jemandem und bekam Interessantes zu hören.

Ich: „Der Sänger der Countryband Truck-Stop ist gestorben.“
„Ja?“
Ich: „Denn kennst Du bestimmt, wenn Du ein Photo siehst.“
„Wie alt war der denn?“
Ich: „72“
„Ja und? Dann wird's ja auch langsam Zeit.“

:auweia:
Gruß
Jürgen

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Ewald Mrnka
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von Ewald Mrnka » Dienstag 6. Januar 2015, 20:34

Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

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Sarandanon
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von Sarandanon » Dienstag 6. Januar 2015, 20:54

Och Leute, muss man diesen Faden denn nun als Satirebox missbrauchen?

Dann nehmt wenigstens den hier: viewtopic.php?f=1&t=14283
Dich, o Herr, kann nur verlieren, wer dich verlässt.
(Augustinus Aurelius)

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Ewald Mrnka
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von Ewald Mrnka » Dienstag 6. Januar 2015, 21:13

Sarandanon hat geschrieben:Och Leute, muss man diesen Faden denn nun als Satirebox missbrauchen?

Dann nehmt wenigstens den hier: viewtopic.php?f=1&t=14283
Ja, Du hast Recht, tut mir leid!
Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

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lutherbeck
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von lutherbeck » Freitag 23. Januar 2015, 10:39

...jemand, der zuließ daß

- Frauen Menschen 2. Klasse sind
- Frauen keinen Führerschein machen dürfen
- Fremdarbeiter wie Leibeigene behandelt werden
- 1000 Peitschenhiebe als Urteil gefällt und vollstreckt werden
- öffentliche Hinrichtungen wie im Mittelalter vollstreckt werden
- eine Kaste von "Prinzen" das Land wie einen Gutshof verwaltet
- Israel als zu vernichtender Feind betrachtet wird
- Christen unnachgiebig verfolgt werden

usf...
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

taddeo
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von taddeo » Freitag 23. Januar 2015, 12:21

Ein Feudalherrscher alter Schule halt. Genau so einer, wie sie seinerzeit Luther hoffähig machten und förderten.

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Yeti
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von Yeti » Freitag 23. Januar 2015, 12:54

lutherbeck hat geschrieben:
...jemand, der zuließ daß

- Frauen Menschen 2. Klasse sind
- Frauen keinen Führerschein machen dürfen
- Fremdarbeiter wie Leibeigene behandelt werden
- 1000 Peitschenhiebe als Urteil gefällt und vollstreckt werden
- öffentliche Hinrichtungen wie im Mittelalter vollstreckt werden
- eine Kaste von "Prinzen" das Land wie einen Gutshof verwaltet
- Israel als zu vernichtender Feind betrachtet wird
- Christen unnachgiebig verfolgt werden

usf...
Trotz alledem, die Alternative zur Feudaldiktatur Ibn Saud wäre noch furchtbarer. Dieses "Land" ist aber ein gutes mikrokosmisches Labor zur Untersuchung der geistigen Rückständigkeit des sunnitischen Islam.
#gottmensch statt #gutmensch

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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Freitag 23. Januar 2015, 21:16

Ich würde eher sagen, Saudiarabien zeigt sunnitischen Islam von seiner brutalsten und besonders verengten Seite. Die hohe Schule von Kairo würde ich eher als typischen Ausdruck des sunnitischen Islam sehen, wie er von den meisten Konservativen verstanden wird, Jordanien und Tunesien heben sich da noch mal positiv ab.

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Yeti
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Yeti » Sonnabend 31. Januar 2015, 13:03

Für mich war er ein unerträglich moralinsaurer Bügelfalten-Rhetoriker mit sehr manieriertem Redestil; einer, der sich an seiner eigenen Affektiertheit berauschte. Ein Volkserzieher der alten bundesrepublikanischen Sorte. Was das Volk wirklich dachte, war ihm völlig wurscht.
#gottmensch statt #gutmensch

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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Lupus » Sonnabend 31. Januar 2015, 15:26

eben "von"; geboren im Schtuegerter Schloss!
+L.
Christus mein Leben, Maria meine Hoffnung, Don Bosco mein Ideal!

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Siard
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Siard » Sonnabend 31. Januar 2015, 15:30

Für mich war er ein unerträglich moralinsaurer Bügelfalten-Rhetoriker mit sehr manieriertem Redestil; einer, der sich an seiner eigenen Affektiertheit berauschte.
Für mich war er ein guter Bundespräsident, vielleicht der beste.
Die gefährlichste Scheinehe Deutschlands ist die der Kanzlerin mit der Union bzw. mit diesem Land. (Alexander Wallasch)

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Yeti
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Yeti » Sonnabend 31. Januar 2015, 16:22

Lupus hat geschrieben:eben "von"; geboren im Schtuegerter Schloss!
+L.
Das mag in seinem Fall dem Narzissmus Vorschub gegeben haben, ja...
#gottmensch statt #gutmensch

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cantus planus
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von cantus planus » Sonnabend 31. Januar 2015, 17:45

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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Ewald Mrnka » Sonnabend 31. Januar 2015, 18:50

Yeti hat geschrieben:
Für mich war er ein unerträglich moralinsaurer Bügelfalten-Rhetoriker mit sehr manieriertem Redestil; einer, der sich an seiner eigenen Affektiertheit berauschte. Ein Volkserzieher der alten bundesrepublikanischen Sorte. Was das Volk wirklich dachte, war ihm völlig wurscht.
Ja, er war ein verlogener, widerlicher Opportunist.
Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

Fragesteller
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Fragesteller » Sonnabend 31. Januar 2015, 19:31

Ewald Mrnka hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:
Für mich war er ein unerträglich moralinsaurer Bügelfalten-Rhetoriker mit sehr manieriertem Redestil; einer, der sich an seiner eigenen Affektiertheit berauschte. Ein Volkserzieher der alten bundesrepublikanischen Sorte. Was das Volk wirklich dachte, war ihm völlig wurscht.
Ja, er war ein verlogener, widerlicher Opportunist.
Er vertrat doch offenbar gerne auch Positionen, die von der Parteilinie abwichen. Speziell die Entspannungspolitik nach Osten war, als er begann, sie zu vertreten, nicht unbedingt Common Sense (wohl nciht nur parteiintern).

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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von cantus planus » Sonnabend 31. Januar 2015, 20:30

Was für eine Entspannungspolitik? Freiwillig den ganzen deutschen Osten aufzugeben - um dem bankrotten Ostblock Mitteldeutschland zur "Wiedervereinigung" abzuluchsen? Es gibt Grund genug, alleine diese Entscheidung zu kritisieren. Und auch andere Aussagen v. Weizsäckers sind mehr als fragwürdig. Er hat letztlich die deutsche Demutshaltung zur Staatsraison gemacht.
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Gallus » Sonnabend 31. Januar 2015, 21:54

http://www.bundespraesident.de/SharedDo ... B.2_cid388

Diese Rede gehört immer noch zum Besten und Wichtigsten, was im Deutschen Bundestag je gesagt wurde. Man kann jeden Satz unterschreiben.

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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von cantus planus » Sonnabend 31. Januar 2015, 22:06

Gallus hat geschrieben:http://www.bundespraesident.de/SharedDo ... B.2_cid388

Diese Rede gehört immer noch zum Besten und Wichtigsten, was im Deutschen Bundestag je gesagt wurde. Man kann jeden Satz unterschreiben.
Sogar die WELT sieht das kritischer: http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... itaet.html

Die geistreichste Rede vor dem Bundestag war immer noch diese: https://www.youtube.com/watch?v=siw-MAiKVtA
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Yeti » Sonnabend 31. Januar 2015, 22:45

cantus planus hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:http://www.bundespraesident.de/SharedDo ... B.2_cid388

Diese Rede gehört immer noch zum Besten und Wichtigsten, was im Deutschen Bundestag je gesagt wurde. Man kann jeden Satz unterschreiben.
Sogar die WELT sieht das kritischer: http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... itaet.html

Die geistreichste Rede vor dem Bundestag war immer noch diese: https://www.youtube.com/watch?v=siw-MAiKVtA
Ja, ich finde eigentlich gerade diese Rede schwierig. Man kann nicht per ordre de Mufti sagen, dass die Kapitulation für alle eine Befreiung war bzw. zu sein hat und dass das deutsche Volk einfach die Folgen der Niederlage klaglos zu ertragen hat. Was für eine Arroganz, ja absolute Vaterlandslosigkeit. Ja, er war ein widerlicher Opportunist. Wie sein Vater, wie seine Vorfahren.
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Fragesteller » Sonntag 1. Februar 2015, 11:29

cantus planus hat geschrieben:Was für eine Entspannungspolitik? Freiwillig den ganzen deutschen Osten aufzugeben - um dem bankrotten Ostblock Mitteldeutschland zur "Wiedervereinigung" abzuluchsen? Es gibt Grund genug, alleine diese Entscheidung zu kritisieren.
Mag sein. Aber eine Position zu vertreten, die im eigenen Umfeld höchst unpopulär ist, ist kein Opportunismus - ob diese Unpopularität nun berechtigt ist oder nicht.

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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von cantus planus » Sonntag 1. Februar 2015, 11:35

Es hat ja auch niemand gesagt, dass er der eigenen Partei gegenüber opportunistisch war. :breitgrins:
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Sarandanon » Sonntag 1. Februar 2015, 13:39

Yeti hat geschrieben:Man kann nicht per ordre de Mufti sagen, dass die Kapitulation für alle eine Befreiung war bzw. zu sein hat und dass das deutsche Volk einfach die Folgen der Niederlage klaglos zu ertragen hat.
Sondern?
Dich, o Herr, kann nur verlieren, wer dich verlässt.
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Yeti » Sonntag 1. Februar 2015, 14:49

Sarandanon hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:Man kann nicht per ordre de Mufti sagen, dass die Kapitulation für alle eine Befreiung war bzw. zu sein hat und dass das deutsche Volk einfach die Folgen der Niederlage klaglos zu ertragen hat.
Sondern?
Dass es eben viele Deutsche gab, die keine Nazis waren und die die militärische Niederlage samt allen Folgen als schweren Schicksalsschlag erlebten. Zum Beispiel die 12 Millionen Vertriebenen, die Ausgebombten, diejenigen, die ihre Familie verloren haben, die Halb- oder Vollwaisen etc. Natürlich, es war jahrzehntelang bei einer bestimmten politischen Clique en vogue, ja ein Dogma, diesbezüglich immer auf die Verursacher des Krieges zu verweisen. Das aber ist auch Auf- bzw. Abrechnung und zwar mit der eigenen Nation, ihrer Geschichte und ihrer Kultur und zwar so, dass teilweise bis heute die deutsche Geschichte auf zwölf Jahre reduziert wird. Diese Leute haben ein gebrochenes Verhältnis zur deutschen Geschichte. Einer ihrer Hauptprotagonisten war der verstorbene Ex-Bundespräsident und zwar in zweifacher Hinsicht: Hinsichtlich seiner Nation und hinsichtlich seiner eigenen Familie. Übrigens: Der Historikerstreit hat da zur Aufklärung über den Umgang mit der jüngeren deutschen Geschichte (die jüngste ist es nämlich auch nicht mehr) viel beigetragen:
Historikerstreit hat geschrieben:Joachim Fest reagierte am 6. September 1986: Seit Ende der 1960er Jahre sei es üblich, abweichende historische Wahrnehmungen einer Komplizenschaft mit dem „Faschismus“ zu bezichtigen. Nicht um wissenschaftliche Befunde, sondern um „häufig bloß vermutete […] Motive“ gehe es. Diese „elende Praxis“ führe Habermas fort, der einige renommierte Historiker unter „Nato-Verdacht“ stelle. Fest verteidigte Nolte, der die Singularität der NS-Vernichtungsaktionen gar nicht leugne, aber in einen kausalen Zusammenhang mit dem Bolschewismus stelle:

„Falls es sich nicht um eine Form akademischer Legasthenie handelt, bleibt nur die Annahme, daß hier ein ideologisches Vorurteil sich die Dinge erst zurechtrückt, um sie dann attackieren zu können. […] Gewiß bedeuten die Gaskammern […] eine besonders abscheuerregende Form des Massenmords […]. Aber läßt sich wirklich sagen, daß jene Massenliquidierung durch Genickschuß, wie sie während des Roten Terrors über Jahre hin üblich waren, etwas qualitativ anderes waren? Ist nicht, bei allen Unterschieden, das Vergleichbare doch stärker?“
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von ar26 » Sonntag 1. Februar 2015, 17:36

Wenn man nach 1945 zu denjenigen Deutschen gehörte, die ohne Verlust der Heimat in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben konnte, lässt sich selbstverständlich leicht von der Befreiung reden. Wenn nicht, dann ist die Sache wohl differenzierter. Letztlich hat von Weizsäcker mit dieser Rede vom 08.05.1985 zum Ausdruck gebracht, lediglich den saturierten Teil des deutschen Staates und der deutschen Gesellschaft zu vertreten. Das ist legitim. Allerdings hätte er dann konsequenterweise 1990 zurücktreten müssen, weil er durch die Rede deutlich gemacht hat, die deutsche Bevölkerung in Mitteldeutschland als Staatsoberhaupt nicht repräsentieren zu wollen.
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Sarandanon » Sonntag 1. Februar 2015, 19:49

Yeti hat geschrieben:Dass es eben viele Deutsche gab, die keine Nazis waren und die die militärische Niederlage samt allen Folgen als schweren Schicksalsschlag erlebten. Zum Beispiel die 12 Millionen Vertriebenen, die Ausgebombten, diejenigen, die ihre Familie verloren haben, die Halb- oder Vollwaisen etc. Natürlich, es war jahrzehntelang bei einer bestimmten politischen Clique en vogue, ja ein Dogma, diesbezüglich immer auf die Verursacher des Krieges zu verweisen. Das aber ist auch Auf- bzw. Abrechnung und zwar mit der eigenen Nation, ihrer Geschichte und ihrer Kultur und zwar so, dass teilweise bis heute die deutsche Geschichte auf zwölf Jahre reduziert wird. Diese Leute haben ein gebrochenes Verhältnis zur deutschen Geschichte. Einer ihrer Hauptprotagonisten war der verstorbene Ex-Bundespräsident und zwar in zweifacher Hinsicht: Hinsichtlich seiner Nation und hinsichtlich seiner eigenen Familie.
Naja, man kann von dem Verstorbenen nun halten, was man will. Meine eigene Mutter hat ihre Flucht aus Schlesien sicherlich auch nicht als Befreiung empfunden. Allerdings sind das leider Gottes die Folgen dieser grausam geführten Diktatur gewesen, dazu gehört auch das unzählbare Leid, dass anderen Menschen angetan wurde. Klar kann man auch darüber diskutieren, wie viele denn keine Nazis waren. Fakt ist aber, dass diejenigen, die aktiv in den Widerstand gingen, verschwindend gering in ihrer Anzahl waren. Die anderen Nicht-Nazis haben sich zumindest mit dem Regime arrangiert, um wenigstens einigermaßen unbehelligt leben zu können. Die große Masse waren wohl Mitläufer, Bejubler und Überzeugte.

Ich für meinen Teil bin froh, dass wir als deutsche Nation heute in der Lage sind, uns die Schuld an dieser massenhaften Vernichtung von Leben einzugestehen. Und zwar in dem Sinne, dass wir nun in einer wesentlich besser gestalteten Gesellschaft leben und uns diese bewahren sollten. In diesem Kontext kann man auch von einer Befreiung reden, imho, ohne dabei die Verteibungen und Schicksale deutscher Kriegsopfer zu vergessen. Und da können wir durchaus Selbstbewusstsein an den Tag legen und keine andauernde Selbstkasteiung und Reduzierung auf zwölf Jahre deutscher Geschichte. Das sah meine Mutter übrigens ebenso. Ich finde es auch überaus traurig, dass eine solche Aufarbeitung, wie sie bei uns nach dem Krieg stattfand, nicht im Zusammenhang mit dem Bolschewismus und dessen Greultaten, stattgefunden hat, der ja nicht weniger menschenverachtend war.
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Yeti » Sonntag 1. Februar 2015, 23:31

Ich kann dir in allen Punkten zustimmen, außer in diesem:
Sarandanon hat geschrieben:Allerdings sind das leider Gottes die Folgen dieser grausam geführten Diktatur gewesen, dazu gehört auch das unzählbare Leid, dass anderen Menschen angetan wurde. Klar kann man auch darüber diskutieren, wie viele denn keine Nazis waren. Fakt ist aber, dass diejenigen, die aktiv in den Widerstand gingen, verschwindend gering in ihrer Anzahl waren. Die anderen Nicht-Nazis haben sich zumindest mit dem Regime arrangiert, um wenigstens einigermaßen unbehelligt leben zu können. Die große Masse waren wohl Mitläufer, Bejubler und Überzeugte.
Dass alle Folgen unabwendbar, ja sogar "gerecht" gewesen sein sollten, weil ja "auf der Gegenseite" auch wenige wirklichen Widerstand leisteten, eben das ist in meinen Augen ebenso Aufrechnung wie das Vorrechnen irgendwelcher Opferzahlen. Abgesehen davon halte ich es für bedenklich, historische Entwicklungen als "Strafe" - und sei es auch nur der Begriff "Folge" - für ein ganzes Volk zu betrachten, denn dahinter steckt ja notwendigerweise die Kollektivschuldthese. Die aber ist im Grunde wiederum selbst Rassismus und offenbart ein ganz anderes Problem, das weniger historischer denn psychologischer Natur ist. Ganz unabhängig jetzt davon bin ich dafür, mich irgendwelcher Urteile über in der Vergangenheit gelebter Generationen zu enthalten, schon weil wir niemals wirklich wissen können, wie wir selbst uns verhalten hätten. Wir können vermuten, dass wir vielleicht nicht bei den wirklichen Schlächtern in der SS oder irgendwelchen Sondereinsatzgruppen dabei gewesen wären, aber das wäre es auch gewesen an Sicherheiten. Den Helden zu spielen wäre sicherlich den Wenigsten von uns in die Wiege gelegt worden; schon gar nicht, wenn man Familienvater war und noch andere Menschen damit von der eigenen Existenz abhängig waren. Die "Gnade der späten Geburt", von der Helmut Kohl damals sprach - und dafür verhöhnt wurde - ist tatsächlich in diesem historischen Zusammenhang eine Gnade.
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Sarandanon » Montag 2. Februar 2015, 18:29

Yeti hat geschrieben:Dass alle Folgen unabwendbar, ja sogar "gerecht" gewesen sein sollten, weil ja "auf der Gegenseite" auch wenige wirklichen Widerstand leisteten, eben das ist in meinen Augen ebenso Aufrechnung wie das Vorrechnen irgendwelcher Opferzahlen. Abgesehen davon halte ich es für bedenklich, historische Entwicklungen als "Strafe" - und sei es auch nur der Begriff "Folge" - für ein ganzes Volk zu betrachten, denn dahinter steckt ja notwendigerweise die Kollektivschuldthese. Die aber ist im Grunde wiederum selbst Rassismus und offenbart ein ganz anderes Problem, das weniger historischer denn psychologischer Natur ist. Ganz unabhängig jetzt davon bin ich dafür, mich irgendwelcher Urteile über in der Vergangenheit gelebter Generationen zu enthalten, schon weil wir niemals wirklich wissen können, wie wir selbst uns verhalten hätten. Wir können vermuten, dass wir vielleicht nicht bei den wirklichen Schlächtern in der SS oder irgendwelchen Sondereinsatzgruppen dabei gewesen wären, aber das wäre es auch gewesen an Sicherheiten. Den Helden zu spielen wäre sicherlich den Wenigsten von uns in die Wiege gelegt worden; schon gar nicht, wenn man Familienvater war und noch andere Menschen damit von der eigenen Existenz abhängig waren. Die "Gnade der späten Geburt", von der Helmut Kohl damals sprach - und dafür verhöhnt wurde - ist tatsächlich in diesem historischen Zusammenhang eine Gnade.
Da hast Du mich zumindest ein wenig missverstanden. Ich wollte überhaupt nichts aufrechnen oder das Verhalten einzelner bzgl. der Diktatur bewerten, ich hab mich da lediglich um eine sachliche Darstellung bemüht, die auch durch Erzählungen meiner Eltern gepägt ist. Ich sehe die Folgen auch nicht als Strafe im historischen Sinne, sie sind einfach nur eingetreten, verursacht durch die menschenverachtende und kriegstreibende Diktatur.
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Yeti » Montag 2. Februar 2015, 20:25

Sarandanon hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:Dass alle Folgen unabwendbar, ja sogar "gerecht" gewesen sein sollten, weil ja "auf der Gegenseite" auch wenige wirklichen Widerstand leisteten, eben das ist in meinen Augen ebenso Aufrechnung wie das Vorrechnen irgendwelcher Opferzahlen. Abgesehen davon halte ich es für bedenklich, historische Entwicklungen als "Strafe" - und sei es auch nur der Begriff "Folge" - für ein ganzes Volk zu betrachten, denn dahinter steckt ja notwendigerweise die Kollektivschuldthese. Die aber ist im Grunde wiederum selbst Rassismus und offenbart ein ganz anderes Problem, das weniger historischer denn psychologischer Natur ist. Ganz unabhängig jetzt davon bin ich dafür, mich irgendwelcher Urteile über in der Vergangenheit gelebter Generationen zu enthalten, schon weil wir niemals wirklich wissen können, wie wir selbst uns verhalten hätten. Wir können vermuten, dass wir vielleicht nicht bei den wirklichen Schlächtern in der SS oder irgendwelchen Sondereinsatzgruppen dabei gewesen wären, aber das wäre es auch gewesen an Sicherheiten. Den Helden zu spielen wäre sicherlich den Wenigsten von uns in die Wiege gelegt worden; schon gar nicht, wenn man Familienvater war und noch andere Menschen damit von der eigenen Existenz abhängig waren. Die "Gnade der späten Geburt", von der Helmut Kohl damals sprach - und dafür verhöhnt wurde - ist tatsächlich in diesem historischen Zusammenhang eine Gnade.
Da hast Du mich zumindest ein wenig missverstanden. Ich wollte überhaupt nichts aufrechnen oder das Verhalten einzelner bzgl. der Diktatur bewerten, ich hab mich da lediglich um eine sachliche Darstellung bemüht, die auch durch Erzählungen meiner Eltern gepägt ist. Ich sehe die Folgen auch nicht als Strafe im historischen Sinne, sie sind einfach nur eingetreten, verursacht durch die menschenverachtende und kriegstreibende Diktatur.
Ja, das kann ich für mich akzeptieren, wenn die Folgen nichts mit Strafe zu tun haben. Bei den Nürnberger Prozessen wurde auch kein Volk angeklagt, sondern Einzeltäter, derer man habhaft werden konnte.
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Re: Der Nekrolog

Beitrag von Yeti » Montag 9. Februar 2015, 20:58

Christine100 hat geschrieben:Sieger Köder
Er ruhe in Frieden. Ich kann sagen, dass ich mit seinen Bildern in meiner Gemeinde kirchlich sozialisiert wurde.
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Re: Diskussionen und Kommentare zum Nekrolog

Beitrag von Juergen » Montag 9. Februar 2015, 21:54

Christine1 hat geschrieben:Sieger Köder
Endlich hatte der Herr ein Einsehen.

https://www.youtube.com/watch?v=tXVt5ScQSqA
Gruß
Jürgen

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