Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

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Moderator: Protasius

In welcher Form wird bei euch der Segensspruch an die Türen geschrieben?

Umfrage endete am Mittwoch 12. Mai 2010, 19:37

Mit geweihter Kreide an die Tür oder die Wand daneben.
32
57%
Mit geweihter Kreide auf einen Tafelaufkleber.
4
7%
Ein vorgedruckter Aufkleber wird auf die Tür geklebt.
11
20%
Ich hatte keinen Besuch von Sternsingern.
7
13%
Dieser Brauch ist mir gar nicht bekannt.
0
Keine Stimmen
Sonstige. (Bitte im Thread beschreiben.)
2
4%
 
Abstimmungen insgesamt: 56

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cantus planus
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Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von cantus planus » Dienstag 12. Mai 2009, 19:37

Nachdem wir im Nachbarthread beiläufig auf das Thema "Sternsinger" kamen, darf ich hier kurz um Abstimmung bitten, wie flächendeckend die Unsitte der geweihten "Segens"-Aufkleber schon verbreitet ist.

Vorgesehen ist ja eigentlich die Benutzung geweihter Kreide. Ich spreche jetzt nicht von den Aufkleben, die aus schultafelähnlichem Material bestehen, und auf die man dann mit Kreide den Segen schreiben kann. Das ist nicht verwerflich, und viele Türen sind in der Tat schwer oder gar nicht zu beschriften, wie ich als kleiner Junge selbst mehrfach feststellen konnte.

Ich spreche von jenen vollständig vorgedruckten und körbeweise gesegneten Dingern hier:
Bild
Meine Meinung dazu tat ich ja schon an anderer Stelle kund, als ich berichtete, dass ich die Sternsinger - die für diesen Unsinn freilich persönlich nichts können - wieder weggeschickt habe:
Die wollten mir allen Ernstes einen "vorgedruckten geweihten Aufkleber" an die Tür heften. Ich habe sie nachdrücklich gebeten, wiederzukommen, wenn sie geweihte Kreide dabei hätten.

Demnächst kriegt man die Krankensalbung in Form eines mit geweihtem Öl getränkten ABC-Pflasters, dass man sich dann selbst an den Hintern kleben kann. So beginnt der Untergang des Abendlandes!
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Juergen
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Juergen » Dienstag 12. Mai 2009, 19:46

Ich hatte keine Besuch von Sternsingern!

Als ich noch in meiner Heimatgemeinde Sternsinger war, gingen wir von Haus zu Haus. Wer uns aufmachte, bei dem wurde gesungen; wer nicht aufmachte, dort eben nicht.
Hier ist es inzwischen so, daß man die Sternsinger bestellen muß. Sie klingeln dann nur dort, wo sie hinbestellt wurden.
Gruß
Jürgen

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incarnata
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von incarnata » Dienstag 12. Mai 2009, 19:51

Hast Du Deinen Segen dann noch gekriegt ?
Hier gib´s die Unsitte zum glück noch nicht;allerdings die Variante,dass man sich,wenn man zu der zeit wenn die Sternsinger kommen nicht daheim ist,geweihte Kreide aus der Kirche mitnehmen kann aus der Kirche und den Haussegen mit Aufschrift selbst ausführen !
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
Licht aus der Höhe.......(Lk1,76)

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cantus planus
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von cantus planus » Dienstag 12. Mai 2009, 19:53

incarnata hat geschrieben:Hast Du Deinen Segen dann noch gekriegt ?
Jein. Nachdem sich wochenlang nichts tat, habe ich mir in der Sakristei dann ein Stück geweihter Kreide vom Vorjahr besorgt, und selbst Hand angelegt. :sauer:
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Juergen » Dienstag 12. Mai 2009, 20:03

Ist der Segen eigentlich ungültig, wenn die Kreide nicht geweiht ist? :freude:
Gruß
Jürgen

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Pit
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Mai 2009, 20:08

Juergen hat geschrieben:Ist der Segen eigentlich ungültig, wenn die Kreide nicht geweiht ist? :freude:
Ich habe die Frage mal vor einigen Jahren einem befreundeten Priester gestellt, die Antwort war eine Gegenfrage:
Ist der Segen vom Segnenden abhängig oder von Gott?
Oder: (anderes Beispiel)
Ist die Zusprechung der Vergebung bei der Beichte ungültig, weil der Priester nicht daran glaubt?
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Juergen » Dienstag 12. Mai 2009, 20:11

Meine Frage stellte ich deswegen, weil ich in dem "Pochen" auf geweihte Kreide doch ein quasi-mystisches bzw. quasi-magisches Verständnis mitschwingen zu hören meinte.
Gruß
Jürgen

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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Mai 2009, 20:14

Juergen hat geschrieben:Meine Frage stellte ich deswegen, weil ich in dem "Pochen" auf geweihte Kreide doch ein quasi-mystisches bzw. quasi-magisches Verständnis mitschwingen zu hören meinte.
...eben so, als- deswegen auch meine "Einschränkung" - als käme es auf die Kreide und nicht auf den Segen an.
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Peregrin
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Peregrin » Dienstag 12. Mai 2009, 20:15

Damit kann man gleich alle Sakramentalien kippen und die Sakramente dazu.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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cantus planus
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von cantus planus » Dienstag 12. Mai 2009, 20:16

Ich habe doch gravierende Zweifel, dass das massenhafte Verteilen von "vorgeweihten" Aufklebern einen tatsächlichen Segen darstellt.
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taddeo
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von taddeo » Dienstag 12. Mai 2009, 20:49

cantus planus hat geschrieben:Ich habe doch gravierende Zweifel, dass das massenhafte Verteilen von "vorgeweihten" Aufklebern einen tatsächlichen Segen darstellt.
Nicht, daß ich jetzt hier einen Diskurs über Form und Materie des Sternsingersegens beginnen möchte. Aber Eure Diskussion ist doch irgendwie schon ein bißchen auf Abwege geraten, nicht wahr?

Der "Segen" besteht doch eigentlich im Beten oder Singen des Segensspruchs, vielleicht noch untermauert durch etwas Weihrauch. Aber der Spruch an der Haustür ist ja doch nur das äußere Zeichen dafür, daß man sich wünscht, der ausgesprochene Segen möge hoffentlich bis zum nächsten Jahr anhalten. Ich messe dem Schrieb nicht mehr Bedeutung zu als so nem Fisch-Bapperl auf dem Autohintern. In mancher Wohnsiedlung erfüllt der CBM-Aufkleber sogar denselben Zweck: den ganzen Heiden ringsum zu signalisieren "auweia, da wohnen wohl Katholens".

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cantus planus
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von cantus planus » Dienstag 12. Mai 2009, 20:52

Für mich gehört eben das Anbringen des Segens - und zwar per Hand - mit geweihter Kreide zu diesem kleinen Ritus dazu. Wenn eine Kirche geweiht wird, schreibt man ja auch das lateinische und griechischen Alphabet, und benutzt dafür keine Aufkleber. Warum sollte es da nicht gehen?

Ich meine, an solchen Zeichen zeigt es sich, wie ernst wir die Sache nehmen. Wenn ich mich in die Rolle eines Heiden hineinversetze, der sieht, dass man Segen per Aufkleber verteilt, könnte ich das nicht ernst nehmen. Kann ich - jetzt tatsächlich als Katholik - wirklich nicht.
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anneke6
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von anneke6 » Dienstag 12. Mai 2009, 20:53

So einen Aufkleber habe ich schon mal auf dem Amaturenbrett eines Autos gesehen, in einem Haus noch nicht. Kreide gehört nun einmal zu den Dingen, die die Kirche seit langer Zeit weiht, ähnlich wie Salz, Wasser und Öl…einen gesegneten Aufkleber müßte man zu dem nach Ablauf des Jahres auch noch vergraben oder verbrennen…die Kreide hingegen löst sich im Laufe des Jahres von selbst auf.
Obwohl, wenn man das Prinzip von Lavoisier anwendet…anneke6, mittlerweile das Geheimnis der Asche im Bett gelöst habend.
???

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cantus planus
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von cantus planus » Dienstag 12. Mai 2009, 21:00

Um das Thema vollends ins off topic zu führen: aus dem von mir in meinem letzten Posting formulierten Grund bin ich auch gegen elektrische Kerzen auf dem Altar. Ich finde das einfach furchtbar, auch, wenn es z. B. in Frankreich Gang und Gäbe ist.
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Raimund J.
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Raimund J. » Dienstag 12. Mai 2009, 21:05

anneke6 hat geschrieben:…einen gesegneten Aufkleber müßte man zu dem nach Ablauf des Jahres auch noch vergraben oder verbrennen…die Kreide hingegen löst sich im Laufe des Jahres von selbst auf.
"... segne diese Aufkleber ..." das ist doch im Rituale gar nicht vorgesehen! :hmm:
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von taddeo » Dienstag 12. Mai 2009, 21:05

cantus planus hat geschrieben:Um das Thema vollends ins off topic zu führen: aus dem von mir in meinem letzten Posting formulierten Grund bin ich auch gegen elektrische Kerzen auf dem Altar. Ich finde das einfach furchtbar, auch, wenn es z. B. in Frankreich Gang und Gäbe ist.
Aha, dann biste wohl auch gegen Kirchenmusik von der CD? Soll man sich denn stattdessen das unsägliche Gejaule von unfähigen Live-Gläubigen antun? Da vergeht einem ja oft noch die letzte Frömmigkeit, also wirklich, so was von rückständig aber auch ...
Bild

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Juergen
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Juergen » Dienstag 12. Mai 2009, 21:05

cantus planus hat geschrieben:Um das Thema vollends ins off topic zu führen: aus dem von mir in meinem letzten Posting formulierten Grund bin ich auch gegen elektrische Kerzen auf dem Altar. Ich finde das einfach furchtbar, auch, wenn es z. B. in Frankreich Gang und Gäbe ist.
Ich kenn das aus Israel. Dort besuchte ich eine Franziskanerkirche und derjenige, der sie uns zeigte, machte per Fernbedinung die Lichter an -- inklusive des "Ewigen Lichtes".

:vogel:
Gruß
Jürgen

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anneke6
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von anneke6 » Dienstag 12. Mai 2009, 21:08

Raimund Josef H. hat geschrieben:
anneke6 hat geschrieben:…einen gesegneten Aufkleber müßte man zu dem nach Ablauf des Jahres auch noch vergraben oder verbrennen…die Kreide hingegen löst sich im Laufe des Jahres von selbst auf.
"... segne diese Aufkleber ..." das ist doch im Rituale gar nicht vorgesehen! :hmm:
Es gibt im Benediktionale ein Formula für "religiöse Abzeichen" — das ist alles und nichts, also auch Aufkleber.

@ Jürgen: Noch besser wäre so ein Klatschmechanismus gewesen.
???

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Kantorin
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Kantorin » Dienstag 12. Mai 2009, 21:20

taddeo hat geschrieben: [...] Der "Segen" besteht doch eigentlich im Beten oder Singen des Segensspruchs, vielleicht noch untermauert durch etwas Weihrauch. Aber der Spruch an der Haustür ist ja doch nur das äußere Zeichen dafür, daß man sich wünscht, der ausgesprochene Segen möge hoffentlich bis zum nächsten Jahr anhalten. Ich messe dem Schrieb nicht mehr Bedeutung zu als so nem Fisch-Bapperl auf dem Autohintern. In mancher Wohnsiedlung erfüllt der CBM-Aufkleber sogar denselben Zweck: den ganzen Heiden ringsum zu signalisieren "auweia, da wohnen wohl Katholens".
:daumen-rauf: :daumen-rauf: :daumen-rauf:
An unserer lackierten Wohnungstür hält die Kreide nicht, die Aufkleber werden übereinander geklebt und werden nicht abgeknibbelt, vergraben, verbrannt, in den Müll geworfen o.ä. Bei Freunden hatten die Sternsinger mit roter Kreide auf weißen Lack geschrieben - beim Auszug durften sie die Tür streichen, weil die bunte Kreide auf den Lack abgefärbt hat. Dann doch lieber den Aufkleber... Den Segen von ungeweiht/geweiht - Kreide/Aufkleber - Schönschrift/krakelig - schöner/schräger Gesang - viel/wenig/kein Weihrauch etc. abhängig zu machen, empfinde ich als kleinkariert und unpassend. Der Segen Gottes hängt nicht von solchen Äußerlichkeiten ab, oder? Bild
Mein huldreicher Gott kommt mir entgegen. (Psalm 59)

Raimund J.
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Raimund J. » Dienstag 12. Mai 2009, 21:27

Na ja, man hängt halt gerne an solchen "Äusserlichkeiten", als kleinkariert würde ich das nicht bezeichnen. Ich würde schon auch Kreide bevorzugen. Auch wenn es mit krakeliker Kinderhand geschrieben ist, bleibt es so geschrieben. Das ist individuell und ausdrucksstark.

Mit Aufklebern kann man ggf. auch Türen leicht beschädigen, wenn die nicht wieder abgehen. Ich finde die Sternsinger sollten grundsätzlich Kreide dabeihaben und für denen, die das so wollen ein paar Aufkleber. Man könnte ja auch einen unbeschrifteten Aufkleber anbringen und darauf mit Kreide schreiben.
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Pit
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Mai 2009, 21:50

taddeo hat geschrieben: ...
Der "Segen" besteht doch eigentlich im Beten oder Singen des Segensspruchs, vielleicht noch untermauert durch etwas Weihrauch. Aber der Spruch an der Haustür ist ja doch nur das äußere Zeichen dafür, daß man sich wünscht, der ausgesprochene Segen möge hoffentlich bis zum nächsten Jahr anhalten. ...
Ich habe als ich 2000 in Israel war mit unserem israelisch-jüdischen Reiseleiter über einige rituell-religiöse Dinge wie die Teffilin und die Mesusa gesprochen.
Und er sagte, die Mesusa- mit dem Segensspruch in der Kapsel- würde nicht ansich etwas bewirken, sondern würde für den Segen Gottes über dem Haus und seinen Bewohnern stehen.
Also nicht die Sache (Sakramentalie) bewirkt etwas, sondern der Segen.
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anneke6
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von anneke6 » Dienstag 12. Mai 2009, 22:00

Ob ein israelisch-jüdischer Reiseleiter nun Autorität für Christen sein sollte, sei einfach mal dahingestellt.
Der Segen selbst gilt dem Menschen…aber er ist verbunden mit der Sakramentalie. Ein Priester kann ja auch nicht sagen "Herr, segne diesen Rosenkranz und alle, die ihn zur Ehre Deiner Mutter in die Hand nehmen" wenn Du ihm keinen bringst. Und Du würdest wahrscheinlich auch komisch gucken, wenn der Priester, der Deine Wohnung segnen soll, einen leeren Weihwasserkessel hat ("Wissen Sie, der ist mir im Auto immer umgekippt, wenn ich um die Ecke gebogen bin, und es kommt ja nicht auf das Wasser drauf an…")
???

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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Mai 2009, 22:08

anneke6 hat geschrieben:Ob ein israelisch-jüdischer Reiseleiter nun Autorität für Christen sein sollte, sei einfach mal dahingestellt.
Der Segen selbst gilt dem Menschen…aber er ist verbunden mit der Sakramentalie. Ein Priester kann ja auch nicht sagen "Herr, segne diesen Rosenkranz und alle, die ihn zur Ehre Deiner Mutter in die Hand nehmen" wenn Du ihm keinen bringst. Und Du würdest wahrscheinlich auch komisch gucken, wenn der Priester, der Deine Wohnung segnen soll, einen leeren Weihwasserkessel hat ("Wissen Sie, der ist mir im Auto immer umgekippt, wenn ich um die Ecke gebogen bin, und es kommt ja nicht auf das Wasser drauf an…")
Richtig, aber wofür steht das CMB?
Christus mansionem benedicat (Lateiner mögen es mir nachsehen, wenn ich es falsch geschrieben habe):
Christus segne dieses Haus.
Wohlbemerkt Christus, nicht der Priester und auch nicht die "Sternsinger".
Und- da bin ich fest überzeugt - wenn die Sternsinger losziehen und der Pfarrer hat dieses Stück Kreide versehentlich vorher nicht geweiht, dann wird Gott nicht an den betroffenen Häusern sagen:
"Ätsch, ihr bekommt meinen Segen nicht!"
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Leguan » Dienstag 12. Mai 2009, 22:28

Pit hat geschrieben: Wohlbemerkt Christus, nicht der Priester und auch nicht die "Sternsinger".
Und- da bin ich fest überzeugt - wenn die Sternsinger losziehen und der Pfarrer hat dieses Stück Kreide versehentlich vorher nicht geweiht, dann wird Gott nicht an den betroffenen Häusern sagen:
"Ätsch, ihr bekommt meinen Segen nicht!"
Und wenn die Sternsinger losziehen und ein Haus aus versehen vergessen, sagt Gott auch nicht "Ätsch, ihr bekommt meinen Segen nicht!"

-> Sternsinger abschaffen.
If any stupid priest or bishop in Nigeria feels he wants to copy the American model, then there is something wrong with his head. --Olubunmi Anthony Kardinal Okogie

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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Mai 2009, 22:33

Leguan hat geschrieben:
Pit hat geschrieben: Wohlbemerkt Christus, nicht der Priester und auch nicht die "Sternsinger".
Und- da bin ich fest überzeugt - wenn die Sternsinger losziehen und der Pfarrer hat dieses Stück Kreide versehentlich vorher nicht geweiht, dann wird Gott nicht an den betroffenen Häusern sagen:
"Ätsch, ihr bekommt meinen Segen nicht!"
Und wenn die Sternsinger losziehen und ein Haus aus versehen vergessen, sagt Gott auch nicht "Ätsch, ihr bekommt meinen Segen nicht!"

-> Sternsinger abschaffen.


Muss ich das jetzt verstehen?
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Leguan » Mittwoch 13. Mai 2009, 00:04

Pit hat geschrieben:Muss ich das jetzt verstehen?
Wenn man sagt, es ist wurscht, ob man Kreide verwendet oder einen Aufkleber, weil der Segen ja nicht aus der Kreide, sondern von Gott kommt, und deswegen die Kreide abschafft, kann man mit der gleichen Argumentation genausogut die Sternsinger abschaffen, weil der Segen ja nicht von den Sternsingern kommt, sondern von Gott.
Dieser Utilitarismus ("brauche mer net obedingt, lasse mer's weg") beraubt uns der schönsten Bräuche und Traditionen.
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von michaelis » Mittwoch 13. Mai 2009, 09:35

Für den Segen bedarf es natürlich nicht zwingend des "schreibens", genausowenig wie für die gültige Feier der Eucharistie zwingend eine Kasel gefordert ist. Im Notfall geht es auch ohne.

Aber diese "Äußerlichkeiten" helfen eben dabei, das nachzuvollziehen, was da gerade unsichtbar geschieht. Und deswegen sind sie vollkommen zu recht in den Riten vorgeschrieben.

Ein Sternsinger (oder Hausbewohner), der, während er den Segen spricht, das C * M * B auch schreibt, macht für alle anwesenden viel deutlicher, was er gerade tut, als wenn er hinterher den "fertigen" Spruch aufklebt.

Allerdings sollte er den Segen auch sprechen. Und zwar hörbar! (wo ist der Smilie mit der Flüstertüte?)

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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Pit » Mittwoch 13. Mai 2009, 16:38

Ich bezog es nicht auf die Kreide - diese Aufkleber finde ich, berechtigte Ausnahme abgesehen, schrecklich - sondern darauf, ob der Segen Gott wirksam ist, wenn die Kreide versehentlich nicht vorher geweiht wurde.
Leguan hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:Muss ich das jetzt verstehen?
Wenn man sagt, es ist wurscht, ob man Kreide verwendet oder einen Aufkleber, weil der Segen ja nicht aus der Kreide, sondern von Gott kommt, und deswegen die Kreide abschafft, kann man mit der gleichen Argumentation genausogut die Sternsinger abschaffen, weil der Segen ja nicht von den Sternsingern kommt, sondern von Gott.
Dieser Utilitarismus ("brauche mer net obedingt, lasse mer's weg") beraubt uns der schönsten Bräuche und Traditionen.
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Chrysostomus
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von Chrysostomus » Mittwoch 13. Mai 2009, 18:08

Ich wohne hier im Studentenwohnheim - da kommen keine Sternsinger vorbei. Also waren diese Aufkleber ganz nett, denn wir konnten sie untereinander verteilen und an die jeweiligen Zimmertüren bappen. Auch eine Form des christlichen Bekenntnisses in einem gemischt-religiösen Wohnheim, so im Nebeneffekt.

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Ich werd halt alt

Beitrag von sofaklecks » Mittwoch 13. Mai 2009, 19:11

Ich merk immer deutlicher, ich werde langsam alt.

Was ist das Wichtige bei den Sternsingern? Doch offenbar das, den Menschen das Christkind nahezubringen und sie aufzufordern, sich auch den Weg zu ihm zu machen. Und als äusseres Zeichen dafür den Segen an die Haustür zu malen.

Dass man sich dafür dann mit einem Obolus bedankt, ist eine Selbstverständlichkeit, aber nicht Zweck des Ganzen.

Man korrigiere mich bitte, wenn ich das falsch sehe.

Diesen Segen "spenden" als Boten die Sternsinger kraft ihres Auftrages. Segen und Trost, das ist es, was ein Mensch vom anderen erwartet.

Das sollte eine persönliche Segensspendung sein. Selbstgemalt sozusagen. Mit geweihter Kreide.

Nun kann man aus Nützlichkeitserwägungen auch solche Aufkleber anbringen. Geweihte natürlich. Erinnert mich sehr an meinen alten Mandanten, Gott hab ihn selig, der in den Vatikan Heiligenmedaillen lieferte. Er wunderte sich als Protestant, dass die ein Mehrfaches kosteten, nachdem sie "heiliggepinselt", also geweiht worden waren. Da Ganze läuft damit Gefahr, als Segensbepserverkauf missverstanden zu werden neben dem Verlust des Brauchtums.

Einfach lieb- und gedankenlos und unschön.

Aber ich werd halt alt. Ich hab mich auch mit meiner Schwester gezofft, weil sie in die Grablaterne bei unseren Eltern eine ungemein praktische, am USB-Port wiederaufladbare elektrische Kerze hineingestellt hat. Und sie hat sich genauso gewundert über meine Philippika wie einige Damen hier über die Ablehnung der Bepser. Wo ich immer dachte, gerade Damen hätten einen Sinn für Schönheit.

Schönheit ist eine der weiblichen Formen Gottes. Eine Kreideschrift eines Kindes, das den Segen bringt, das ist etwas Schönes und wenn sie noch so krakelig ist oder unleserlich wird.

Ein Segensbepser an der Hausür ist so schön wie ein Lockenwickler in den Haaren einer schönen Frau. Mit Verlaub.

sofaklecks

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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von azs » Mittwoch 13. Mai 2009, 19:31

Mh...ich finde ebenfalls, dass der Segen mit Kreide entweder auf die Tür oder auf die vorher angebrachten Tafelteile geschrieben werden sollte - selbstredend mit geweihter Kreide. Der Fall mit dem Studentenwohnheim ist ja eben einer dieser Notfälle, an denen ich so einen Aufkleber eben auch dulden könnte.

Wenn hier manche schreiben, dass es nicht auf die Äußerlichkeiten ankommt, fangen bei mir alle Alarmglocken an zu tuten. Was diese Einstellung uns gebracht hat, sehen wir an den ganzen kahlen Modernistenkirchen und an der heutigen Kirchenkrise, am verlorengegangenen Rsepekt vor dem Allerheiligsten, Chaos in der Liturgie, Chaos im Glaubensleben etc. etc. etc.

Man sollte vielleicht auch mal die Augen aufmachen und aus den letzten Jahren lernen ---> :glubsch:
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Re: Sternsinger: »Selbstklebender Segen«?

Beitrag von cantus planus » Mittwoch 13. Mai 2009, 19:32

Wenn du alt wirst, lieber Sofaklecks, leide ich unter bedenklicher Frühvergreisung!
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