Vater unser / Ave Maria

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Simon
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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Simon » Sonntag 28. Januar 2018, 17:17

@Peti, die von Dir vorgestellte Haltung zu Versuchungen mag der Mentalität Einzelner durchaus gerecht werden.
Aber nicht jeder bedarf der Versuchungen, um sich seiner Schwächen bewusst zu sein.
Von ihm zu verlangen, dass er sich über Versuchungen freut kommt der Forderung gleich, er tickt erst richtig, wenn er masochistische Gefühle entwickeln kann.

Solche Heiligengeschichtchen sind ganz nett, sie mögen ja für die betreffende Person wirklich passen, aber
allgemein gültig sind sie deshalb noch lange nicht. Damit kommen wir ja in den Bereich von Privatoffenbarungen, die kein anderer beachten muss.

Da es meiner Meinung nach in unserer Zeit keinen Menschen gibt, der nie einer Versuchung nach gegeben hätte, halte ich es für sündhaft, sich über Versuchungen zu freuen. Dieses Nichtbeachten der eigenen Schwäche wäre sicher bei vielen Menschen die Frucht von Selbstüberschätzung und Hochmut.

Wir können uns doch mit alle unseren Nöten an Jesus wenden und ihn auch um Hilfe für den Kampf gegen unsere Unvollkommenheit bitten. Das ist meiner Meinung nach besser als sich sehr selbstbewusst nach Prüfungen zu sehnen, durch die man sich Verdienste erwerben kann, WENN man sie besteht.
Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.
Zitat von Albert Schweitzer

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Peti
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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Peti » Sonntag 28. Januar 2018, 19:14

Peti hat geschrieben:
Sonnabend 27. Januar 2018, 13:08
Auf der Seite "Evangelium Tag für Tag"
http://evangeliumtagfuertag.org/M/DE/
ist heute einen guter Kommentar zum Thema:

"Vom guten Umgang mit den Versuchungen"

"Wie der gute Soldat keine Angst hat vorm Kampf, so darf der gute Christ keine Angst haben
vor der Versuchung. […] Die größte Versuchung wäre die, keine zu haben! Man könnte fast sagen,
dass man sich glücklich schätzen kann, welchen zu begegnen:
denn da findet eine Zeit geistlicher Ernte statt, wo wir Schätze für den Himmel auflesen [...]
Wären wir ganz und gar mit der heiligen Gegenwart Gottes erfüllt, wäre es uns ein leichtes,
dem Feind zu widerstehen.
Anhand des Gedankens: „Gott sieht dich an“, würden wir niemals sündigen.

Es war einmal eine große Heilige, ich glaube, es war die heilige Teresa,
die sich nach der Versuchung bei unserem Herrn beklagte. Sie sagte zu ihm:
„Wo warst du, mein liebster Jesus, wo warst du während dieses schrecklichen Unwetters?“
Unser Herr gab ihr zur Antwort: „Ich war im Innersten deines Herzens […].“
Der ganze Text, auch der zweite Absatz, stammt ja vom Hl.Johannes Maria Vianney.
Natürlich ist es nicht klug, damit Mitmenenschen zu provozieren,
die eher glaubensfremd sind. Aber wer sich mit diesem Heiligen näher befasst,
der kann sicher auch für sein Glaubensleben aus dieser Sicht Hilfreiches erkennen.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Juergen
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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Juergen » Montag 29. Januar 2018, 17:22

Liturgiker: Kontroverse Vaterunser-Bitte weglassen

"Und führe uns nicht in Versuchung" – die sechste Vaterunser-Bitte sorgt weiter für Diskussion: Ändern oder lassen, wie sie ist? Der Münsteraner Liturgiker Clemens Leonhard hat einen dritten Vorschlag.

Der Münsteraner Liturgiewissenschaftler Clemens Leonhard plädiert dafür, den Text des Vaterunsers für den Einsatz in der Liturgie zu ändern. Die Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" könne für den liturgischen Gebrauch entweder umformuliert oder sogar ganz gestrichen werden, schreibt er in der aktuellen Ausgabe der Herder-Korrespondenz.


Quelle: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -weglassen
Na klar,
alles was uns in der Bibel nicht gefällt, streichen wir einfach. So einfach ist das. Das wurde ja auch schon oft genug gemacht. :roll:
Gruß
Jürgen

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Simon
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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Simon » Montag 29. Januar 2018, 17:47

Auf meinen Hinweis auf Jakobus schon vor längerer Zeit bekam ich nie eine Antwort.
Der Text "Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt", "Denn Gott lässt sich nicht zum Bösen versuchen, er führt aber auch selbst niemanden in Versuchung."

Ist also der Jakobusbrief nicht nur für Luther, sondern auch für die kK eine "strohene Epistel", die man nicht ernst nehmen muss?
Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.
Zitat von Albert Schweitzer

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Juergen
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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Juergen » Montag 29. Januar 2018, 17:58

Simon hat geschrieben:
Montag 29. Januar 2018, 17:47
Auf meinen Hinweis auf Jakobus schon vor längerer Zeit bekam ich nie eine Antwort.
Der Text "Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt", "Denn Gott lässt sich nicht zum Bösen versuchen, er führt aber auch selbst niemanden in Versuchung."

Ist also der Jakobusbrief nicht nur für Luther, sondern auch für die kK eine "strohene Epistel", die man nicht ernst nehmen muss?
http://kath.net/news/61976
Gruß
Jürgen

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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Simon » Montag 29. Januar 2018, 18:25

@Juergen, herzlichen Dank!
Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.
Zitat von Albert Schweitzer

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Torsten
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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Torsten » Montag 29. Januar 2018, 18:40

http://kath.net/news/61976
Und führe uns nicht in Versuchung
Die Formulierung dieser Bitte ist für viele anstößig: Gott führt uns doch nicht in Versuchung. In der Tat sagt uns der heilige Jakobus: ,,Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung“ (1,13).
Der heilige Jakobus hat recht. Das Böse ist ein Teil der Schöpfung, aber nicht der ganze Gott. So wie der Glanz des Bösen nicht vollkommen gottlos ist. "Und führe uns nicht in Versuchung", das ist genau der Gott, den ich kenne. Der durch die Geschichte, der durch sein Leben rast, und immer wieder genügend findet, die sich davon verführen lassen, als Schreiber der Geschichte hervorzutreten. Da ist nicht einer dabei, der sagt, es ist Gottes Geschichte, Gottes Leben, was sich da niederschreibt und niederschlägt, und was ich gedacht und was ich getan habe, das war die Verführung meines Egos, das ich mit Gott gleich gesetzt habe.

"Und führe uns nicht in Versuchung, sondern führe uns in der Demut."

Das wäre eine Möglichkeit

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Torsten
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Re: Vater unser / Ave Maria

Beitrag von Torsten » Montag 29. Januar 2018, 18:56

Um mit diesem möglicherweise auftretenden Missverständnis aufzuräumen: Gott führt nicht mit Demut. Gott ist Gott. Größer als diese Bühne hier. Und das als Bühne zu erkennen, und uns darauf demütig zu bewegen, darum können wir Gott - demütig - bitten.

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