Arkan-Disziplin

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Stefan
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Arkan-Disziplin

Beitrag von Stefan » Dienstag 30. Dezember 2003, 23:55

Ich habe in einem meiner Weihnachtsgeschenke den Begriff Arkan-Disziplin gelesen. Er wird darin als frühchristliches Prinzip beschrieben, bei dem bis zur Taufe über die weiteren Riten (?) keine Auskunft gegeben wird.

Kennt jemand den Begriff, woher kommt er und welche Rolle spielt er heute (vermutlich keine, warum nicht?)

Lucia

Beitrag von Lucia » Mittwoch 31. Dezember 2003, 00:09

Arkandisziplin, Pflicht zur Geheimhaltung

Bis ins 4./5. Jahrhundert n. Chr. war in der christlichen Kirche Aussenstehenden die Teilnahme an der Taufe und dem Abendmahl untersagt.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Mittwoch 31. Dezember 2003, 00:10

Arcanum ist das Geheimnis. Als Einstieg der Beginn der ersten mystagogischen Katechese des Cyrill von Jerusalem:
Cyrillus Hierosolymitanus hat geschrieben:»Ihr wahren und ersehnten Kinder der Kirche! Schon lange wollte ich euch diese geistlichen, himmlischen Mysterien erläutern. Weil ich aber sehr genau wußte, daß Sehen viel überzeugender ist als Hören, habe ich den jetzigen Zeitpunkt abgewartet. Durch die Erfahrung des (Tauf)abends seid ihr sehr viel empfänglicher für das, was zu sagen ist. So will ich euch nun an der Hand zur leuchtenden und duftenden Wiese des Paradieses führen. Ihr seid ja nun in der Lage, göttlichere Mysterien zu verstehen – nämlich die der göttlichen, lebenspendenden Taufe. Da jetzt also der Tisch der vollkommeneren Lehren gedeckt werden muß – nun, so wollen wir euch genau unterrichten, damit ihr den Sinn dessen einseht, was an jenem Abend der Taufe mit euch geschehen ist.«
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Mittwoch 31. Dezember 2003, 00:11

Bild Ah! :freude:
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Beitrag von Juergen » Mittwoch 31. Dezember 2003, 00:12

Wie es auch heute noch im byz. Ritus vor der "Liturgie der Gläubigen" heißt:

Alle Katechumenen, geht hinaus, Katechumenen geht hinaus, alle Katechumem geht hinaus. Daß keiner der Katechumenen bleibe, nur die Gläubigen, wieder und wieder lasset uns im Frieden zum Herrn beten.
Zuletzt geändert von Juergen am Donnerstag 1. Januar 2004, 13:34, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
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Stefan
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Beitrag von Stefan » Mittwoch 31. Dezember 2003, 00:12

Ketelhohn hat geschrieben:Arcanum ist das Geheimnis. Als Einstieg der Beginn der ersten mystagogischen Katechese des Cyrill von Jerusalem:
Das ist ja mein Weihnachtsgeschenk ;)

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Beitrag von Juergen » Mittwoch 31. Dezember 2003, 00:12

Ketelhohn hat geschrieben:Bild Ah! :freude:
Ja. - Limburgfahrer wissen mehr! :P
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Niels » Mittwoch 31. Dezember 2003, 10:08

Niemand aber soll essen und auch nicht trinken von eurer Eucharistie als die, die getauft worden sind auf den Namen des Herrn. Denn gerade darüber hat der Herr gesprochen: "Gebt nicht das Heilige den Hunden." (Didache 9,5)

max72
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Beitrag von max72 » Mittwoch 31. Dezember 2003, 12:27

Niels hat geschrieben:Niemand aber soll essen und auch nicht trinken von eurer Eucharistie als die, die getauft worden sind auf den Namen des Herrn. Denn gerade darüber hat der Herr gesprochen: "Gebt nicht das Heilige den Hunden." (Didache 9,5)
Hmmm....

Wie hat man das damals kontrolliert? Kannte da jeder jeden?

Und was bedeutet das fuer heute?

max

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Beitrag von Niels » Donnerstag 1. Januar 2004, 13:28

Hier ein interessanter Link zur altkirchlichen Arkandisziplin:
http://www.krb-selbstverlag.de/bk_3.htm
max72 hat geschrieben: Wie hat man das damals kontrolliert? Kannte da jeder jeden?
Da es in den ersten Jahrhunderten meist überschaubare Hausgemeinden gab, ist das anzunehmen.
Dafür gab es eigens als "Türsteher" den Ostiarier (bis zur Liturgiereform einer der niederen Weihegrade),

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Beitrag von Juergen » Donnerstag 1. Januar 2004, 13:45

Juergen hat geschrieben:Wie es auch heute noch im byz. Ritus vor der "Liturgie der Gläubigen" heißt:

Alle Katechumenen, geht hinaus,
Katechumenen geht hinaus.
Alle Katechumem geht hinaus. Daß keiner der Katechumenen bleibe, nur die Gläubigen, wieder und wieder lasset uns im Frieden zum Herrn beten.
Всі оглашенні, вийдіть.
Всі оглашенні, вийдіть.
Всі оглашенні, вийдіть. Воб ніxто з оглашенниx не залишився. Тільки вірні, ще і ще в мирі Господєві помолімся.

(Ich hoffe, ich hab das richtig abgetippt :roll: )
Gruß
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 1. Januar 2004, 15:47

Ukrainisch. In der zweiten Zeile ist ein „всі“ zuviel. Das „воб“ ist mir verdächtig. Steht das so da? Soll anscheinend dem russischen und kirchenslawischen bekräftigenden „да“ entsprechen. Dafür allerdings sagt man ukrainisch normalerweise „нехай“.

Die Entlassung der Katechumenen (оглашенні) endet übrigens schon mit dem vorletzten Satz. Mit »Тільки вірні« beginnt die Messe der Gläubigen, also die eigentliche Eucharistie. Ist übrigens nicht ganz exakt übersetzt, denn es bedeutet so ungefähr: »allein die Gläubigen«. Griechisch und kirchenslawisch heißt es »alle Gläubigen«, in Parallele zur vorigen Rede von »allen Katechumenen«.

In meiner ukrainisch-unierten Fassung der Göttlichen Liturgie kommen Gebet für die Katechumenen und deren Entlassung leider überhaupt nicht vor. Da steht bloß eine kurze, nicht ganz unbekannte Floskel: »An dieser Stelle kann für die Katechumenen …«. Der Ungeist der Neuerung und der Beliebigkeit hat also auch da Einzug gehalten.
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Beitrag von Juergen » Donnerstag 1. Januar 2004, 17:12

Ketelhohn hat geschrieben:Ukrainisch. In der zweiten Zeile ist ein „всі“ zuviel. Das „воб“ ist mir verdächtig. Steht das so da?
Bild
(Entschuldigt die schlechte Qualität des Bildes - mein Scanner und Computer sind nicht mehr die Jüngsten.)
Quelle: M. Kunzler: Archieratikon. Einführung in Geist und Gestalt der bischöflichen Liturgie im byzantinischen Ritus der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine. Paderborn 1998; S. 423.

Das Buch enthält nach eine Einfühung und Erklärung der Liturgie am Ende zweisprachig den Text der Liturgie (S. 377-460). Es ist natürlich kein offizielles liturgisches Buch.
Ketelhohn hat geschrieben:Ist übrigens nicht ganz exakt übersetzt, denn es bedeutet so ungefähr: »allein die Gläubigen«. Griechisch und kirchenslawisch heißt es »alle Gläubigen«, in Parallele zur vorigen Rede von »allen Katechumenen«.
Die Übersetzung ist von M. Kunzler, nicht von mir; ich kann die Sprache nicht.
Ketelhohn hat geschrieben:In meiner ukrainisch-unierten Fassung der Göttlichen Liturgie kommen Gebet für die Katechumenen und deren Entlassung leider überhaupt nicht vor. Da steht bloß eine kurze, nicht ganz unbekannte Floskel: »An dieser Stelle kann für die Katechumenen …«. Der Ungeist der Neuerung und der Beliebigkeit hat also auch da Einzug gehalten.
Darin schreibt Kunzler zu dem Thema (S.308):
...Je mehr aber die Kindertaufe die Erwachsenentaufe und damit auch das Katechumenat ersetzte, desto anachronistischer wurde im Laufe der Zeit auch die Entlassung der Katechumenen aus der Liturgie. Schon der heilige Bekenner Maximus erwähnt Mitte des 7. Jahrhunderts, daß die Entlassungsriten auch jene beträfen, die sich zur Mitfeier der Liturgie unwürdig fühlten. Obwohl der Entlassungsritus auch heute noch in allen liturgischen Büchern des byzantinischen Ritus enthalten ist, wird er in der ukrainischen und in den meisten griechischen Kirchen wegen seines anachronistischen Charakters übergangen. Es wäre jedoch zu überlegen, ob dieser Entlassungsritus in heutigen Zeiten, in denen das gelebte Christsein zunehmend weniger selbstverständlich wird und in denen sich wieder vermehrt erwachsene Taufbewerber in einem längeren Katechumenat bewußt für den Glauben entscheiden, nicht wieder einen Sinn haben könnte. Zumindest sollte für die Katechumenen gebetet werden, wie dies ja auch die abendländischen Fürbitten tun, da besonders während der österlichen Bußzeit in den Fürbitten der Vesper die Bitte für Taufbewerber ständig wiederkehrt.
...
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Stefan » Donnerstag 1. Januar 2004, 21:42

Danke für die Antworten.

- Ist es so, daß Zyrill von Jerusalem als Erster die Praxis der Arkandisziplin dokumentiert oder gibt es frühere Hinweise darauf? Niels' Hinweis auf die Didache ist mir nicht ganz klar.
Ist es somit eine chrisltiche Erfindung oder ist die Arkandisziplin eher als ein übliches Verhalten im religösen Kontext bei Bedrohungen zu verstehen (also ein außerchristlicher Begriff)

- Der Begriff arcanum bedeutet also Geheimnis - warum habe ich dieses Wort nicht im Lateinunterricht gelernt? Ich kenne nur Mysterium...

- In der Orthodoxie gibt es das mal wieder immer noch. Wann ist es denn in der lateinischen Kirche verschwunden? Mit der konstantinischen Wende? Kann ja nicht sein, wenn es im Ostritus wo etwas noch gibt...spricht eher für ein Verschwinden nach 1054, oder?

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 1. Januar 2004, 22:26

Das dokumentiert nicht Cyrill als erster, Stefan, sondern alle Quellen vorher und auch noch lange nach ihm. Die Arkandisziplin wurde faktisch obsolet, als die ganze Gesellschaft praktisch christlich war und alle als Kinder getauft wurden. Der Sinn wurde sozusagen vergessen. Als dieser Umstand mit der zunehmenden Entchristlichung wegfiel, hat man sich nicht mehr an die Arkandisziplin und deren Sinn erinnert.

(In unseren neokatechumenalen Gemeinschaften allerdings werden ungetaufte Mitglieder, deren es einige gibt, nach der „Wortliturgie“ mit dem Katechumenensegen entlassen.)
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 1. Januar 2004, 22:49

Jürgen: Also „щоб“ und nicht „воб“. Das paßt schon besser („daß, damit“). Das »тільки вірні etc.« gehört aber doch ganz eindeutig in das Erste Gebet der Gläubigen. Genau damit wird die Liturgie der Gläubigen eingeleitet. Irgendwas ist hier durcheinandergekommen. Vielleicht weil man normalerweise Ektenie und Entlassung der Katechumenen wegzulassen pflegt und das hier wiederherzustellen versucht hat.

(Aber das ist natürlich überhaupt bloß eine Randbemerkung, die zum Thema nichts beiträgt. Ach, da fällt mir noch eine ein: „архиерей“ heißt eigentlich „Erzpriester“, nicht „Bischof“. Der Träger dieses Titels kann meines Erachtens auch ein Bischof sein, ist es in der Regel aber eher nicht. Doch dazu kann Nietenolaf sicher Kompetenteres sagen.)
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Beitrag von Stefan » Donnerstag 1. Januar 2004, 23:48

Danke, Robert :ja: , das hilft mir beim Einordnen des Begriffs, dem ich noch nie zuvor begegnet bin :nein:

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Beitrag von Nietenolaf » Donnerstag 1. Januar 2004, 23:55

Ketelhohn hat geschrieben:„Aрхиерей“ heißt eigentlich „Erzpriester“, nicht „Bischof“. Der Träger dieses Titels kann meines Erachtens auch ein Bischof sein, ist es in der Regel aber eher nicht.
"Архиерей" heißt "Erzpriester" und ist der allgemeine Titel für die dritte - höchste - Stufe des christlichen Klerus (die Stufen sind Diakon (диакон) - иерей (Priester) - архиерей (Erzpriester)). Zu den Erzpriestern gehören Patriarchen, Mitropoliten, Erzbischöfe, Bischöfe - im Prinzip alles nur Ehrentitel oder "Funktionsbezeichnungen" eines Erzpriesters.

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Beitrag von Juergen » Freitag 2. Januar 2004, 11:06

Nietenolaf hat geschrieben:
Ketelhohn hat geschrieben:„Aрхиерей“ heißt eigentlich „Erzpriester“, nicht „Bischof“. Der Träger dieses Titels kann meines Erachtens auch ein Bischof sein, ist es in der Regel aber eher nicht.
"Архиерей" heißt "Erzpriester" und ist der allgemeine Titel für die dritte - höchste - Stufe des christlichen Klerus (die Stufen sind Diakon (диакон) - иерей (Priester) - архиерей (Erzpriester)). Zu den Erzpriestern gehören Patriarchen, Mitropoliten, Erzbischöfe, Bischöfe - im Prinzip alles nur Ehrentitel oder "Funktionsbezeichnungen" eines Erzpriesters.
Welche Übersetzung richtig ist kann ich nicht sagen.
In dem ganzen lit. Text wird der Begriff durchgehend mit "Bischof" übersetzt - es handelt sich ja auch in diesem Fall um die lit. Text der bischöflichen Liturgie. Schon am Anfang bei den Gebeten und Riten in der bischöflichen Residenz wird dieser Begriff verwandt.

Nebenbei: der Autor selbst wurde 2002 zum Protopresbyter der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche erhoben. Damals wurde in der Presse auch der Begriff "Erzpriester" benutzt - ich weiss aber nicht, ob das das Gleiche ist. :roll:
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 2. Januar 2004, 16:03

Hm. Laß mich noch mal nachfragen, Nietenolaf. Haben wirklich alle orthodoxen Priester, die unter dem Titel „Erzpriester“ firmieren, die dritte Stufe des Weihesakraments empfangen, oder kann es sich nicht auch um einen Ehrentitel handeln, vielleicht in gewisser Weise dem katholischen Mosignore vergleichbar?
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Beitrag von Juergen » Freitag 2. Januar 2004, 16:06

Ketelhohn hat geschrieben:Hm. Laß mich noch mal nachfragen, Nietenolaf. Haben wirklich alle orthodoxen Priester, die unter dem Titel „Erzpriester“ firmieren, die dritte Stufe des Weihesakraments empfangen, oder kann es sich nicht auch um einen Ehrentitel handeln, vielleicht in gewisser Weise dem katholischen Mosignore vergleichbar?
Wenn ich die Ernennung von Kunzler in den Medien richtig verstanden habe, und unter der Voraussetzung, daß Erzpriester und Protopresbyter das gleiche ist, dann ist dort wohl der zweite Fall gegeben.
Gruß
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Beitrag von Juergen » Freitag 2. Januar 2004, 16:17

Aus dem LThK

Erzpriester (archipresbyter). 1. Seit dem 4. Jh. gibt es in der Kriche den E. mit unterschiedl. Aufgaben u. Diensten. Zunächst Stellvertreter des Bf. bei liturg. Feiern u. im Falle der bfl. Sedisvakanz, wurde er später Vorsteher der Titelkirchen in der Bf.-Stadt und Großpfarrer der Taufkirchen auf dem Land. Seit der Zeit Karls d. Gr. war er Vorsteher der Geistlichen in einem Dekanat, hatte die Pflicht der Visitation der Pfarreien, z. Rechenschaftsablegung gegenüber Archidiakon u. Bf. u. gerichtl. Vollmacht im Sendgericht.
2. Gemäß geltendem universalkirchl. Recht ist E. auch Bez. für Dekan (Dechant), als Vorsteher eines Dekanates (c. 553 §1). Der im CCEO genannte "protopresbyter" übt als Vorsteher mehrerer Pfarreien einer kath. Ostkirche im Namen des Bf. einer Eparchie die gleichen Aufgaben und Befugnisse wie der E. der lat. Kirche aus (vgl. cc. 276-278)
Zuletzt geändert von Juergen am Freitag 2. Januar 2004, 16:18, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 2. Januar 2004, 16:17

Архиерей
(греч. старший священник, начальник священников) – священнослужитель, относящийся к третьей, высшей степени священства. Имеет благодать совершать все таинства (в т.ч. рукоположение) и руководить церковной жизнью. Каждый архиерей (кроме викариев) управляет епархией. В древности архиереи делились по объему административной власти на епископов, архиепископов и митрополитов, в настоящее время эти звания сохраняются как почетные титулы. Из числа архиереев поместный собор избирает патриарха (пожизненно), который осуществляет руководство церковной жизнью поместной церкви (некоторые поместные церкви возглавляются митрополитами или архиепископами). Согласно учению церкви, апостольская благодать, принятая от Иисуса Христа, передается через рукоположение архиереям от самых апостольских времен и т.о. в церкви осуществляется благодатная преемственность. Рукоположение в архиереи совершается собором архиереев (должно быть по крайней мере два рукополагающих архиерея – 1 правило св. Апостолов; согласно 60 правилу Карфагенского поместного собора 318 г. – не менее трех). Согласно 12 правилу Шестого Вселенского собора (680-681 гг. Константинополь) архиерей должен быть безбрачен, в настоящей церковной практике принято поставлять в архиереи из монашествующего духовенства. К архиерею принято обращаться: к епископу „Ваше Преосвященство“, к архиепископу или митрополиту – „Ваше Высокопреосвященство“; к патриарху „Ваше Святейшество“ (к некоторым восточным патриархам – „Ваше Блаженство“). Неофициальное обращение к архиерею – „владыко“.
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Beitrag von Juergen » Freitag 2. Januar 2004, 16:21

Gruß
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 2. Januar 2004, 23:17

Jürgen hat geschrieben:»Mönsch Robert«
Jürgen, ich hatte vorhin keine Zeit mehr, das zu erläutern. Der russische Text bestätigt und erläutert im wesentlichen das zuvor von Nietenolaf Gesagte.

Im übrigen bin ich in der Sache einem übersetzerischen Kurzschluß erlegen. Ich habe das russische Wort „aрхиерей [älter: aрхіерей]“ (< griech. ἀρχιερεύς) wörtlich als „Erzpriester“ übersetzt (und darum die zahlreichen bekannten orthodoxen „Erzpriester“, die definitiv keine Bischöfe sind, für solche „aрхіереевъ“ gehalten).

Das ist aber semantisch falsch. Der ἀρχιερεύς oder aрхіерей ist immer ein Bischof. Als Abendländer kann man zum besseren Verständnis daran denken, daß auch wir im Lateinischen verschiedene Alternativbegriffe für episcopus haben, so etwa pontifex oder antistes, wenn auch deren Verwendungsbereich nicht dem des Begriffs ἀρχιερεὺς entspricht.

Wenn im Deutschen mit Bezug auf ostkirchliche Priester der Begriff „Erzpriester“ auftaucht, dann gibt das nicht ἀρχιερεύς oder aрхіерей wieder, sondern ἀρχιπρεσβύτερος (aрхіпресбитеръ), πρωτοιερεὺς (протоіерей), πρωτοπρεσβύτερος (протопресбитеръ, протопопъ) oder eine sonstige höhere priesterliche, aber nicht bischöfliche Würde.

Habe heute was gelernt!
:ja:
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonntag 4. Januar 2004, 01:42

Bild

:freude:
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Beitrag von Juergen » Sonntag 4. Januar 2004, 11:19

Ketelhohn hat geschrieben:Bild

:freude:
Man gönnt sich ja sonst nichts ;)
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Stefan » Sonntag 1. Februar 2004, 21:55

Gerade gefunden :)
Entlassungsritus

Eingedenk des Wortes des Herrn: ?Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie nicht diese zertreten unter ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen? (Mt 7,6) herrschte in der Urkirche vor allem in Zeiten der Verfolgung eine strenge Arkandisziplin (arcanus = heimlich ). In der alten Kirche war es Praxis, von ihrer Lehre und ihrem Gottesdienst vor Nichtchristen vieles geheim zu halten, um das Heilige zu schützen und es nicht der Gefahr einer Profanierung auszusetzen. Die Heiden hätten es ja sowieso nicht verstanden und hätten über solche Dinge, die den Christen heilig sind, gespottet. Auch die Katechumenen (= Taufbewerber) wurden langsam und schrittweise in die Geheimnisse des Glaubens eingeführt. Man entwickelte gleichsam eine Geheimsprache, die den Ungläubigen nichts enthüllte, den Gläubigen aber verständlich war. Beispiel dafür ist das Symbol des Fisches, durch welches die Christen sich einander zu erkennen gaben.

Eben solch ein Arkanwort ist auch der Begriff Messe. Er ist dem Entlassungsruf ?Ite, missa est? entnommen. Was damit gemeint war, war nur den Eingeweihten verständlich. Das Wort missa ist verwandt mit dem Wort missio = Sendung. Wörtlich übersetzt würde es also bedeuten: ?Es ist gesandt worden?.

Über den Sinn des Ite missa est gibt der heilige Thomas von Aquin eine schöne allegorische Auslegung (vgl. Summa theologica III,83,4 ad 9). Er betrachtet sie als Hinweis darauf, daß in der Messe unsere Gebete und Opfer zu Gott emporgesandt und Christus als Opfergabe zu uns hinabgesandt worden ist, worauf die Gläubigen antworten: Deo gratias! - Dank sei Gott!

Gewöhnlich aber wird das Ite missa est gedeutet im Hinblick auf die apostolische Sendung der Kirche: ?Gehet hin, ihr seid gesand!? Nachdem wir selbst erleuchtet worden sind vom Licht der göttlichen Wahrheit und gestärkt mit dem Brot des Lebens, werden wir hinausgesandt in die Welt: Gehet hin, nicht daß ihr euch der Welt anpaßt, sondern daß die Welt durch euch gewandelt werde! Seid Sauerteig! Seid Licht! Seid Salz der Erde! ?Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz schal geworden ist, womit soll man es salzen? Es taugt zu nichts weiter, als daß es hinausgeworfen und zertreten wird von den Menschen. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt nicht verborgen bleiben, die droben liegt auf dem Berge. Auch zündet man nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit sie allen leuchte, die im Hause sind. So leuchte euer Licht vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist.? (Mt 5,13 - 16) Damit aber das Salz nicht schal wird, bedenken wir die Worte des heiligen Apostels Paulus: ?Macht euch nicht die Art dieser Welt zu eigen, sondern wandelt euch um durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist, was gut, wohlgefällig und vollkommen.? (Röm 12,2)
Quelle: Schlussritus der alten Messel

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