Bei dieser Fragestellung geht es um den besondern Aspekt eines Gottesbeweises, nicht um die Theodizeefrage. Es geht um eine Kernfrage der Schöpfungsgeschichte. Diese erzählt, dass das Wesen des Gutes seinen Ausdruck im All, im Universum gefunden hat, anders ausgedrückt: das All hat ein gutes Wesen, alles ist gut.
Der Ausdruck Wesen des Guten vereint die personale und sachliche Verständnismöglichkeit von Wesen (Person, Charakter, Sein) und des Guten. In der theologischen Erzählweise der Bibel wird die personale und sachliche Sprechweise differenziert in Gott und gut. Gerade nordeuropäische Sprachen haben für Gott und gut, Dübel und übel, God and good, devil and evil, sehr ähnlich klingende Worte gewählt, je nach subjektiver und objektiver Betrachtung,, je nachdem ob die Ursache oder die Wirkung beschrieben werden soll.
Die Schöpfunggeschichte erzählt also nicht nur über die Werdung der Welt, sondern auch über deren Wertung. Dabei erfolgt die Wertung durch die Erkenntnis von gut und böse. Die Geschichte vom Baum erzählt also auch die Geschichte von der Gotteserkenntnis. Während am Anfang alles Gott war und nichts außer Gott war, differenziert im Lauf der Zeit die Erkenntnis zwischen Gott und böse.
Das kindliche Urvertrauen weicht einem Fremdeln: für Eltern, die die Entwicklung ihrer Säuglinge und Kinder beobachten, ein natürlicher Vorgang. Es wäre allerdings nicht sinnvoll, das Bild vom Baum der Erkenntnis nur auf einen bestimmten Zeitpunkt in der Entwicklung des menschlichen Lebens zu reduzieren. Natürlich kann man auch das Kindergartenalter, die Einschulung, den Wechsel zur weiterführenden Schule, die mittlere Reife oder das Abitur unter dem Bild des Baumes der Erkenntnis betrachten. Kirchlicherseits bietet sich der Zeitpunkt der Beichtfähigkeit oder der Firmung zur Betrachtung des Baumes der Erkenntnis von gut und böse an.
Wichtig ist jedoch, dass es Gott gibt und jeder die Erfahrung Gottes macht. Thomas hat dies mit der Widerlegung seines Anti-Gottesbeweises unterstrichen. Gott ist der Anfang und das bleibende Prinzip des Guten. Wir können das Gute personal und sachlich betrachten, subjektiv und objektiv, und die Betrachtung noch weiter differenzieren: etwa nach der Intensität. Aber wenn auch etwas nur wenig gut erscheinen mag, das Gute daran ist gut, das Wesen des Guten ist immer gleich.
Man kann sich zwar aus idiotischen Gründen gegen das Wort Gott wehren, aber Gott erfährt jeder, dem etwas Gutes widerfährt.
Gott und böse
Re: Gott und böse
Natürlich stellt sich die Frage, was wir unter Gott und Gütern verstehen. Während Gott das Wesen des Guten allgemein ist und im Allgemeinen (Jesus: Nur einer ist der Gute. Mt 19,17), handelt es sich bei Gütern, um gute Sachen, um Wertsachen oder Sachwerte. Diese Werte können materiell, aber auch ideell sein: ein Landgut oder Gutheit.
Die Gutheit erweist sich darin, was wir gut finden, hoch achten, lieben.
Der Gute erweist sich dadurch, dass er Güter macht und Gutes tut.
Die Gutheit erweist sich darin, was wir gut finden, hoch achten, lieben.
Der Gute erweist sich dadurch, dass er Güter macht und Gutes tut.
Re: Gott und böse
Bei dieser Fragestellung geht es um den besondern Aspekt eines Gottesbeweises, nicht um die Theodizeefrage
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach
M. v. Ebner- Eschenbach
Re: Gott und böse
Ja, sicher, du hast es selbst gesagt: Gottesbeweis und Theodizeefrage hängen zusammen, sind aber verschiedene Sachen.Lioba hat geschrieben:Bei dieser Fragestellung geht es um den besondern Aspekt eines Gottesbeweises, nicht um die TheodizeefrageDann ist klar, warum das im anderen Strang schief laufen musste. So, wie du es jetzt darlegst, kommt man auch ein Stück weiter.
Gottesbeweiser sagen: Gott ist im Prinzip alles, die Welt ist gut. Theodizeelogen sagen: Nichts ist Gott, die Welt ist schlecht. Die Entscheidung darüber ist eine Frucht vom Baum der Erkenntnis von gut und böse.
Re: Gott und böse
Über Gott als Inbegriff und Name des Guten hatten wir jetzt am Tisch eine Debatte. Dabei kam der Hinweis, dass Pilger natürlich Gott mit dem Guten verbinden, indem sie ihren Dank ausdrücken. Der Einwand lautete, nicht alle Gebete werden erfüllt. Aber auch Gebete bringen die Sehnsucht nach dem Guten zum Ausdruck.
Re: Gott und böse
Gott hört wohl alle Gebete aber er erhört nicht alle so wie der Bittende sich das selber vorstellt. Aber wenn wie du schreibst, im Gebet die grundsätzliche Sehnsucht nach dem Guten zum Ausdruck kommt wie reagiert Gott darauf- indem er diese Sehnsucht sieht und ihr entgegenkommt- das Gebet auf Seine Weise beantwortet?
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach
M. v. Ebner- Eschenbach
Re: Gott und böse
Natürlich beantwortet Gott das in ihn gesetzte Vertrauen auf seine Weise und ein Gläubiger wird niemals von ihm enttäuscht.