Sepulkralkultur

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civilisation
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Sepulkralkultur

Beitrag von civilisation » Dienstag 13. November 2012, 13:46

Leicht off topic

Die Presse und auch Facebook schießen mal wieder gegen die pöhse, pöhse Kirche. - Und das schon seit Monaten, indem ein an Krebs verstorbenes Kind instrumentalisiert wird.

Kirche weigert sich
BVB-Grabstein: Wirbel um letzten Wunsch von Jens Pascal (†9)
=> http://www.berliner-kurier.de/fussball/ ... 571.html
Der eingereichte Entwurf des Grabmals sieht eine Stele mit dem Namen des verstorbenen Kindes, dem Geburts- und Sterbedatum, einem Fußball, dem BVB-Logo und der Inschrift „Echte Liebe“ vor.

„Bei einer Betrachtung der eingereichten Entwurfsskizze kam der Kirchenvorstand einstimmig zu dem Ergebnis, dass in der Gesamtheit dieser Gestaltung kein christlicher Bezug erkennbar ist. Der Entwurf in dieser Form ist dem Ort eines katholischen Friedhofs nicht angemessen“, heißt es in einer Mitteilung auf der Homepage der Gemeinde.

Obwohl die Eltern von Jens Pascal keine Kirchenmitglieder sind und auch das Kind selber nicht getauft war, hatte die Gemeinde der Beisetzung auf ihrem Friedhof zugestimmt. Aufgrund der teilweise heftigen Reaktionen will die Gemeinde aber noch einmal das Gespräch mit den Eltern suchen.

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Yeti
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Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Yeti » Dienstag 13. November 2012, 18:34

Ich eröffne mal nach Verwendung der Suchfunktion einen neuen Strang für solche Meldungen über (christliche) Begräbnisse.

Hier eine Stellungnahme der Kirchengemeinde zu diesem Fall.

Die ersten Informationen dazu bekam ich heute Vormittag von Schülern, etwa in diesem O-Ton: "Wissen Sie schon, die katholische Kirche hat den Eltern von einem an Krebs gestorbenen Jungen verboten, ihn auf dem Friedhof zu begraben!"

Da haben wir wieder den Salat.
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HeGe
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Re: Welcher Fußballmannschaft drückst du die Daumen und warum?

Beitrag von HeGe » Dienstag 13. November 2012, 18:55

Ich nehme an, wenn man mal die wirklich Betroffenen fragen würde, nämlich diejenigen, die den Friedhof besuchen, weil dort ihre Angehörigen liegen, wäre die weitaus überwiegende Mehrheit gegen so einen Schwachsinn. Aber wen interessiert in unserer Diktatur schon, was die Mehrheit will, gerade, wenn man gegen die Kirche wettern kann.

Vielleicht sollte ich mir wünschen, dass mein Grabstein aussieht, wie ein riesiger Haufen Hundekacke. Und wehe, das lehnt jemand ab! :roll:
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civilisation
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von civilisation » Dienstag 13. November 2012, 19:06

Ich sehe gerade, daß es offenbar einen "Kompromiss" gibt.
Jens Pascal Schmidt bekommt seinen BVB-Grabstein. Nach Druck durch die Medien und aus dem sozialen Netzwerk Facebook setzten sich Vertreter der katholischen Gemeinde Mariä Heimsuchung und die Eltern des verstorbenen Neunjährigen im Streit um den Grabstein zusammen. ...
Der schwarzweiße Fußball wird von der Säule herunter genommen und neben der Säule auf einer Platte angebracht. "Dadurch ist der Fußball nicht mehr so dominant", sagt Michael Bodin, Sprecher der katholischen Gemeindeverwaltung. Auf der Granitsäule wird zusätzlich zum BVB-Logo und dem Schriftzug „Echte Liebe“ eine kleine Friedenstaube eingraviert. „Die passt gut zu uns, mein Vater hat Tauben gezüchtet.“
(Blaudruck von mir. :roll: )

=> http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/d ... 3,1823416

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 13. November 2012, 19:59

Was wäre davon zu halten, wenn dieser Kirchenvorstand mal alle Personen, die während Ihres Lebens aus der Kirche ausgetreten und dort bestattet sind, exhumieren lässt und in den nächsten Müllcontainer wirft ?

Dann wäre er glaubwürdig!
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Melody » Dienstag 13. November 2012, 20:10

@Viri

In gewisser Weise dachte ich zwar erstmal ähnlich, aber auf der anderen Seite muss man doch versuchen, objektiv zu bleiben.

In dem Artikel heißt es:
Obwohl die Eltern von Jens Pascal keine Kirchenmitglieder sind und auch das Kind selber nicht getauft war, hatte die Gemeinde der Beisetzung auf ihrem Friedhof zugestimmt.
Da frage ich mich zunächst einmal, warum die Eltern ihren Sohn dann überhaupt auf einem katholischen Friedhof haben beerdigen lassen.

Ich glaube nicht unbedingt, dass sie mit ihrem Grabstein auf einem städtischen Friedhof durchgekommen wären. Es gibt sehr strenge Auflagen. Warum das dem Steinmetz nicht bewusst war und er diesen Grabstein überhaupt angefertigt hat, ohne die Eltern zu warnen, frage ich mich.

Auf der anderen Seite gibt es auf städtischen Friedhöfen auch Dinge, die daneben sind.
Auf einem unserer größten Friedhöfe sitzt die übermenschengroße Skulptur eines nackten Mannes auf der Grabplatte.
Wenn ich als altes Mütterchen das Grab daneben zu versorgen hätte, würde ich mich bedanken. :/
Ewa Kopacz: «Für mich ist Demokratie die Herrschaft der Mehrheit bei Achtung der Minderheitenrechte, aber nicht die Diktatur der Minderheit»

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 13. November 2012, 21:22

'pfarrer@heimsuchung-bodelschwingh.de'

Hochwürdiger Herr Pfarrer,

mit Abscheu lese ich von den Querelen bezüglich des Grabmals eines 9 jährigen auf ihrem Kirchlichen Friedhof. Ein Kirchenvorstand ist sich offenbar nicht zu schade, hier mit den Eltern eines toten Neunjährigen, der mit Sicherheit in seiner letzten Lebensphase kaum noch klar denken konnte, über die Frage zu verhandeln, ob und wo an seinem Grabstein ein Fussball und das Emblem seines Vereins hängen darf.



Vielleicht sollte sich Ihr Kirchenvorstand zunächst dazu entschliessen, alle Leichen von Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind und auf Ihrem Friedhof ruhen, exhumieren zu lassen und diese in einen Müllcontainer zu werfen. Dann wäre er zunächst mal glaubwürdig.



Wie sagt es unser Herr: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es Ihnen nicht“









Mit freundlichen Grüssen



Ein katholischer Mitchrist aus dem S...land &
Kirchenvorstandsmitglied

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Re: Welcher Fußballmannschaft drückst du die Daumen und warum?

Beitrag von Clementine » Dienstag 13. November 2012, 21:29

HeGe hat geschrieben:Ich nehme an, wenn man mal die wirklich Betroffenen fragen würde, nämlich diejenigen, die den Friedhof besuchen, weil dort ihre Angehörigen liegen, wäre die weitaus überwiegende Mehrheit gegen so einen Schwachsinn. Aber wen interessiert in unserer Diktatur schon, was die Mehrheit will, gerade, wenn man gegen die Kirche wettern kann.

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von taddeo » Dienstag 13. November 2012, 21:38

@ VP

Gerade ein Kirchenvorstandsmitglied müßte ein Mindestmaß an Verständnis dafür aufbringen, daß die Einhaltung gewisser allgemeiner Vorschriften im Interesse ALLER ist, und daß auf einem katholischen Friedhof Grabsteine ohne den geringsten christlichen Bezug zurecht verboten werden können, wie es die Satzung dort offenbar vorsieht.
Außerdem dürfte es in einer Großstadt wie Dortmund wohl auch (nicht nur) einen "weltlichen" Friedhof geben. Wie Melody schon gesagt hat: Ob man dort mit so einem Ansinnen durchkäme, ist stark zu bezweifeln. Aber wenn die Kirche "Nein" sagt, um die Interessen der Hunderten übrigen Toten auf dem Friedhof und deren Angehörigen zu schützen, dann wird sie zum Buhmann gemacht.
Pfui Teufel. Immer die gleich widerwärtige Methode. :würg:

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Clementine » Dienstag 13. November 2012, 21:39

Vir Probatus hat geschrieben:'Ein Kirchenvorstand ist sich offenbar nicht zu schade, hier mit den Eltern eines toten Neunjährigen, der mit Sicherheit in seiner letzten Lebensphase kaum noch klar denken konnte, über die Frage zu verhandeln, ob und wo an seinem Grabstein ein Fussball und das Emblem seines Vereins hängen darf.
Was ist denn das für eine Argumentation? Soll das überhaupt eine Argumentation sein?
Vir Probatus hat geschrieben:Wie sagt es unser Herr: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es Ihnen nicht“
Dieses Zitat ist nicht zusammenhanglos dort anzubringen, wie Kinder vorkommen.

Wer soll denn dem Kind verwehren, zu Christus zu gehen? Wodurch will es hier konkret zu Christus gehen? Durch einen Fußball? Geht's wirklich um Christus? Und will das Kind tatsächlich zu Christus gehen? Oder wollen das seine Eltern? Geht's wirklich darum? Oder geht es nur darum, dass das Wort Kind vorkommt und ein "wehret es ihnen nicht" und es somit super in die persönliche Vorstellung passt, dass man dem Kind bzw. seinen Eltern mit diesem Zitat den Fussball nicht abschlagen/eigentlich: gar nichts abschlagen darf...?

Jaja, mir ist klar, das bringt hier nix...
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von iustus » Dienstag 13. November 2012, 21:45

Clementine hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:'Ein Kirchenvorstand ist sich offenbar nicht zu schade, hier mit den Eltern eines toten Neunjährigen, der mit Sicherheit in seiner letzten Lebensphase kaum noch klar denken konnte, über die Frage zu verhandeln, ob und wo an seinem Grabstein ein Fussball und das Emblem seines Vereins hängen darf.
Was ist denn das für eine Argumentation? Soll das überhaupt eine Argumentation sein?
Es ist schlicht eine unverschämte Lüge! Der Fußball und das Vereinsemblem waren doch nie ein Problem! Es geht einzig und allein darum, dass sich auf dem Grabstein kein einziger Bezug zum Glauben findet.
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 13. November 2012, 21:48

iustus hat geschrieben:
Clementine hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:'Ein Kirchenvorstand ist sich offenbar nicht zu schade, hier mit den Eltern eines toten Neunjährigen, der mit Sicherheit in seiner letzten Lebensphase kaum noch klar denken konnte, über die Frage zu verhandeln, ob und wo an seinem Grabstein ein Fussball und das Emblem seines Vereins hängen darf.
Was ist denn das für eine Argumentation? Soll das überhaupt eine Argumentation sein?
Es ist schlicht eine unverschämte Lüge! Der Fußball und das Vereinsemblem waren doch nie ein Problem! Es geht einzig und allein darum, dass sich auf dem Grabstein kein einziger Bezug zum Glauben findet.
Solche Grabsteine findet man überall und das wird nirgendwo beanstandet.
Ich kenne einen mit der Inschrift der Witwe "Deine treue Dienerin", auch auf einem katholischen Friedhof.
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von iustus » Dienstag 13. November 2012, 21:51

Vir Probatus hat geschrieben:
iustus hat geschrieben:
Clementine hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:'Ein Kirchenvorstand ist sich offenbar nicht zu schade, hier mit den Eltern eines toten Neunjährigen, der mit Sicherheit in seiner letzten Lebensphase kaum noch klar denken konnte, über die Frage zu verhandeln, ob und wo an seinem Grabstein ein Fussball und das Emblem seines Vereins hängen darf.
Was ist denn das für eine Argumentation? Soll das überhaupt eine Argumentation sein?
Es ist schlicht eine unverschämte Lüge! Der Fußball und das Vereinsemblem waren doch nie ein Problem! Es geht einzig und allein darum, dass sich auf dem Grabstein kein einziger Bezug zum Glauben findet.
Solche Grabsteine findet man überall und das wird nirgendwo beanstandet.
Hier schon - und das zu Recht.
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Kilianus
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Kilianus » Dienstag 13. November 2012, 22:44

Vir Probatus hat geschrieben:'pfarrer@heimsuchung-bodelschwingh.de'

Hochwürdiger Herr Pfarrer,

mit Abscheu lese ich von den Querelen bezüglich des Grabmals eines 9 jährigen auf ihrem Kirchlichen Friedhof. Ein Kirchenvorstand ist sich offenbar nicht zu schade, hier mit den Eltern eines toten Neunjährigen, der mit Sicherheit in seiner letzten Lebensphase kaum noch klar denken konnte, über die Frage zu verhandeln, ob und wo an seinem Grabstein ein Fussball und das Emblem seines Vereins hängen darf.
Vielleicht könntest Du ja mal so etwas wie einen abstrakten Grundsatz formulieren, gegen die hier verstoßen wurde. Das mag Dir jetzt schon wieder herzlos-katholisch-konservativ erscheinen, entspräche aber auch zum Beispiel gut kantianischer und damit aufklärerischer Tradition. Vielleicht wär's für Dich damit ja doch annehmbar?

1. Gestaltungsvorgaben für Grabstätten sind grundsätzlich abzulehnen.
2. Gestaltungsvorgaben für Grabstätten sind nicht grundsätzlich abzulehnen, sollten aber außer Kraft treten, wenn sie dem ausdrücklich formulierten Willen Verstorbener (verstorbener Minderjähriger? verstorbener Minderjähriger, die bei Formulierung ihres letzten Willens "mit Sicherheit nicht mehr klar denken konnnten?) entgegenstehen.
3. Gestaltungsvorgaben sind nicht grundsätzlich abzulehnen, aber auf konfessionellen Friedhöfen.

Irgendwo in diesem Bereich müßte es sich wohl bewegen ...

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Torsten
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Torsten » Dienstag 13. November 2012, 23:03

taddeo hat geschrieben:Außerdem dürfte es in einer Großstadt wie Dortmund wohl auch (nicht nur) einen "weltlichen" Friedhof geben. Wie Melody schon gesagt hat: Ob man dort mit so einem Ansinnen durchkäme, ist stark zu bezweifeln. Aber wenn die Kirche "Nein" sagt, um die Interessen der Hunderten übrigen Toten auf dem Friedhof und deren Angehörigen zu schützen, dann wird sie zum Buhmann gemacht.
Pfui Teufel. Immer die gleich widerwärtige Methode. :würg:
Ich frage mich, was das für Eltern sind. Da können sie ihr Kind auf einem Friedhof bestatten, der für sie besser erreichbar ist. Ein katholischer Friedhof. Und statt im Stillen einen Kompromiss auszuhandeln, wie dem Willen des Kindes Genüge getan werden kann, ohne den Friedhof dabei zu verunstalten, wird das instrumentalisiert und an eine Glocke gehängt, wo wieder alle Finger auf die Kirche zeigen. Ihr könnt mir sagen was ihr wollt, aber die Eltern geben hier ein Bild ab, was davon spricht, dass es mit ihnen nicht sehr weit her sein kann ...

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Maurus » Dienstag 13. November 2012, 23:12

Ich find, es kommt auf die Gestaltung an. Wenn da irgendwo eine BVB-Plakette gehangen hätte, so what? Sich wegen so einer Sache hinter Vorschriften zu verstecken, finde ich daneben. Die alten Römer wussten schon: summum ius, summa iniuria. Und über schlechte Presse darf man sich da erst recht nicht wundern. Die hätte jeder bekommen, auch eine kommunale Friedhofsverwaltung.

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Torsten » Dienstag 13. November 2012, 23:16

Maurus hat geschrieben:Ich find, es kommt auf die Gestaltung an.
Ja, das finde ich auch.
civilisation hat geschrieben: http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/d ... 3,1823416

Der schwarzweiße Fußball wird von der Säule herunter genommen und neben der Säule auf einer Platte angebracht. "Dadurch ist der Fußball nicht mehr so dominant", sagt Michael Bodin

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Maurus » Dienstag 13. November 2012, 23:22

Torsten hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Ich find, es kommt auf die Gestaltung an.
Ja, das finde ich auch.
civilisation hat geschrieben: http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/d ... 3,1823416

Der schwarzweiße Fußball wird von der Säule herunter genommen und neben der Säule auf einer Platte angebracht. "Dadurch ist der Fußball nicht mehr so dominant", sagt Michael Bodin
Gelesen habe ich das, aber ich kann mir solche Beschreibungen nicht bildlich vorstellen.

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Melody » Dienstag 13. November 2012, 23:24

Maurus hat geschrieben:Ich find, es kommt auf die Gestaltung an. Wenn da irgendwo eine BVB-Plakette gehangen hätte, so what? Sich wegen so einer Sache hinter Vorschriften zu verstecken, finde ich daneben.
Es ging aber nicht um eine kleine Plakette, sondern um einen großen Fußball oben auf dem Stein (der nun im Kompromiss irgendwo daneben kommt).

Hier kannst Du ein Bild sehen: http://www.bild.de/news/inland/headline ... .bild.html

Ich muss sagen, dass ich es sehr großzügig finde, dass man es nun so erlaubt.

Auf Friedhöfen muss es Regeln geben. Gerade hier, wo die Toten ihre letzte Ruhe finden und wir Hinterbliebenen am Verletzlichsten sind, ist wohl nicht der passende Ort, seine Individualität auszuleben. Grabsteine sollten nicht zum Ärgernis werden.

Wenn man alles erlauben würde, wo soll das hinführen?

Und es kann sich doch jeder frei entscheiden, auf welchem Friedhof er seine Toten bestatten lässt. In Großstädten hat man da eine große Auswahl. Es muss niemand einen katholischen Friedhof wählen. Früher wären Nichtgetaufte dort wahrscheinlich gar nicht beerdigt worden, oder doch?! :achselzuck:
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Torsten » Dienstag 13. November 2012, 23:31

Vater Andreas sagte verbittert in einem SAT.1-Interview: "Das ist wie ein Schlag in die Fresse."
Genau das habe ich vermutet, das entspricht dem Bild, was ich so habe. Das Kind ist da, wo es jetzt ist, bestens aufgehoben.

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Maurus » Dienstag 13. November 2012, 23:41

Melody hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Ich find, es kommt auf die Gestaltung an. Wenn da irgendwo eine BVB-Plakette gehangen hätte, so what? Sich wegen so einer Sache hinter Vorschriften zu verstecken, finde ich daneben.
Es ging aber nicht um eine kleine Plakette, sondern um einen großen Fußball oben auf dem Stein (der nun im Kompromiss irgendwo daneben kommt).

Hier kannst Du ein Bild sehen: http://www.bild.de/news/inland/headline ... .bild.html
Ah, danke...naja. Das ist schon etwas ungewöhnlich. Aber ob's das jetzt wert war?
Melody hat geschrieben:Auf Friedhöfen muss es Regeln geben. Gerade hier, wo die Toten ihre letzte Ruhe finden und wir Hinterbliebenen am Verletzlichsten sind, ist wohl nicht der passende Ort, seine Individualität auszuleben. Grabsteine sollten nicht zum Ärgernis werden.
Das ist richtig. Aber das kam leider so nicht zum Ausdruck. Hängen blieb das Bild von einem Kirchenvorstand, der einem 9-jährigen seinen letzten Willen versagt.
Melody hat geschrieben:Wenn man alles erlauben würde, wo soll das hinführen?
Von alles ist keine Rede. Von einer Abwägung schon. Den Kompromiss, den man jetzt gefunden hat, hätte man auch ohne Medientheater erreichen können. Warum kann man so etwas nicht im voraus bedenken und abwägen?

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 14. November 2012, 03:37

Maurus hat geschrieben:
Ah, danke...naja. Das ist schon etwas ungewöhnlich. Aber ob's das jetzt wert war?
Melody hat geschrieben:Auf Friedhöfen muss es Regeln geben. Gerade hier, wo die Toten ihre letzte Ruhe finden und wir Hinterbliebenen am Verletzlichsten sind, ist wohl nicht der passende Ort, seine Individualität auszuleben. Grabsteine sollten nicht zum Ärgernis werden.
Das ist richtig. Aber das kam leider so nicht zum Ausdruck. Hängen blieb das Bild von einem Kirchenvorstand, der einem 9-jährigen seinen letzten Willen versagt.
Melody hat geschrieben:Wenn man alles erlauben würde, wo soll das hinführen?
Von alles ist keine Rede. Von einer Abwägung schon. Den Kompromiss, den man jetzt gefunden hat, hätte man auch ohne Medientheater erreichen können. Warum kann man so etwas nicht im voraus bedenken und abwägen?
Das finde ich auch.
Hier in der Gegend musste eine Witwe das Grabmal Ihres Mannes abreissen lassen, nur weil es aus Edelstahl war, ansonsten war nichts. Mitteilung der politischen Gemeinde: "Die Friedhofsordnung sehe Edelstahl nicht vor". Die Friedhofsordnungen sind da in begründetem Verdacht, lediglich die örtlichen Steinmetze zu protegieren.

Ich frage mich auch. ob jemand in besagtem Kirchenvorstand den gleichen Aufwand getrieben hat, den Eltern das "warum?" des Schicksals Ihres Sohnes zu erklären, wie er in die Modifikation des Grabsteins gesteckt wurde.

Die Frage ob es das Wert war, kann ich nur dann bejahen, wenn ich der Meinung bin, daß "Kirche" in allem wo sie an einem längeren Hebel sitzt, diesen auch zu nutzen hat.
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Robert Ketelhohn » Mittwoch 14. November 2012, 03:39

Melody hat geschrieben:Hier kannst Du ein Bild sehen: http://www.bild.de/news/inland/headline ... .bild.html
Daraus:
Die Eltern hatten die Wahl zwischen betenden Händen, einem Kreuz und einer Taube als Symbol für den Heiligen Geist.

Sie entschieden sich für die Taube – weil der Opa des Kindes selbst Tauben hatte.
:vogel: :vogel: :vogel:

Der arme Junge. Aber diese Eltern hätte man von vornherein an einen städtischen Friedhof verweisen sollen.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 14. November 2012, 04:05

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Melody hat geschrieben:Hier kannst Du ein Bild sehen: http://www.bild.de/news/inland/headline ... .bild.html
Daraus:
Die Eltern hatten die Wahl zwischen betenden Händen, einem Kreuz und einer Taube als Symbol für den Heiligen Geist.

Sie entschieden sich für die Taube – weil der Opa des Kindes selbst Tauben hatte.
:vogel: :vogel: :vogel:

Der arme Junge. Aber diese Eltern hätte man von vornherein an einen städtischen Friedhof verweisen sollen.
Ruhrnachrichten hat geschrieben:Aber ein städtischer Friedhof war für die Eltern von Jens Pascal (Mutter Nicole Schmidt ist evangelisch, Vater Andreas Flamme neuapostolisch) keine Option. „Der Städtische ist zu weit weg“, sagt Nicole Schmidt. Ihr Vater liege auch auf dem Friedhof der katholischen Gemeinde Mariä Heimsuchung begraben.
In meiner Jugend waren die Trennstriche, die den Katholischen Teil vom Evangelischen Teil der Schulhöfe trennten, gerade abgeschafft worden. Hier möchte sie mancher sicher baldmöglichst wieder einführen.
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Kilianus » Mittwoch 14. November 2012, 12:49

Dein Abscheu würde sich natürlich auch gegen eine jüdische Gemeinde richten, die die Beisetzung eines Nichtjuden auf ihrem Friedhof gestattet, sich aber nicht damit anfreunden will, daß dessen Angehörigen Blumen auf dem Grab pflanzen wollen. Überhaupt sollte es Deiner Argumentation nach ja keine jüdischen Friedhöfe geben, Du hast schließlich was gegen Trennstriche.

Muslimische Grabfelder natürlich auch nicht ...

Clementine
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Clementine » Mittwoch 14. November 2012, 20:17

Maurus hat geschrieben:
Melody hat geschrieben:Wenn man alles erlauben würde, wo soll das hinführen?
Von alles ist keine Rede. Von einer Abwägung schon. Den Kompromiss, den man jetzt gefunden hat, hätte man auch ohne Medientheater erreichen können. Warum kann man so etwas nicht im voraus bedenken und abwägen?
Das Problem ist: ich wäre mir nicht so sicher, was im Vorfeld nicht bereits als Kompromiss angeboten wurde (vielleicht wurde auch nichts angeboten - kann sein.). Irgendwie habe ich aber halt den Verdacht, dass man es in der Presse auch nicht lesen würde, wenn was angeboten wurde. Und vielleicht - wie gesagt - vielleicht haben sich die Eltern auch gedacht, mit einer entsprechenden medienwirksamen Gestaltung den Willen ganz durchsetzen zu können.

Wenn für die Eltern ein anderer Friedhof schon nicht in Betracht kam, weil die soweit weg liegen und der Opa da schon liegt... würde es mich nicht wundern. Da muss die Kirche doch wirklich Rücksicht drauf nehmen! Und nicht etwa umgekehrt...
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von HeGe » Donnerstag 15. November 2012, 00:44

Clementine hat geschrieben:Das Problem ist: ich wäre mir nicht so sicher, was im Vorfeld nicht bereits als Kompromiss angeboten wurde (vielleicht wurde auch nichts angeboten - kann sein.). Irgendwie habe ich aber halt den Verdacht, dass man es in der Presse auch nicht lesen würde, wenn was angeboten wurde. Und vielleicht - wie gesagt - vielleicht haben sich die Eltern auch gedacht, mit einer entsprechenden medienwirksamen Gestaltung den Willen ganz durchsetzen zu können.
Wie das Verfahren tatsächlich abgelaufen ist und dass sich die Kirchengemeinde die Entscheidung vermutlich nicht leicht gemacht hat, interessiert leider nicht nur die Presse nicht, sondern selbst die hier im Forum tätigen probaten Viren äußern lieber erst einmal ihre "Abscheu" und fangen das geifern an. Fakten sind ja auch meistens hinderlich beim Aufregen, daher bemüht sich gar nicht erst, mehr in Erfahrung zu bringen.
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von obsculta » Donnerstag 15. November 2012, 10:31

HeGe hat geschrieben:
Clementine hat geschrieben:Das Problem ist: ich wäre mir nicht so sicher, was im Vorfeld nicht bereits als Kompromiss angeboten wurde (vielleicht wurde auch nichts angeboten - kann sein.). Irgendwie habe ich aber halt den Verdacht, dass man es in der Presse auch nicht lesen würde, wenn was angeboten wurde. Und vielleicht - wie gesagt - vielleicht haben sich die Eltern auch gedacht, mit einer entsprechenden medienwirksamen Gestaltung den Willen ganz durchsetzen zu können.
Wie das Verfahren tatsächlich abgelaufen ist und dass sich die Kirchengemeinde die Entscheidung vermutlich nicht leicht gemacht hat, interessiert leider nicht nur die Presse nicht, sondern selbst die hier im Forum tätigen probaten Viren äußern lieber erst einmal ihre "Abscheu" und fangen das geifern an. Fakten sind ja auch meistens hinderlich beim Aufregen, daher bemüht sich gar nicht erst, mehr in Erfahrung zu bringen.
:daumen-rauf:

Vir Probatus
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Vir Probatus » Donnerstag 15. November 2012, 11:20

HeGe hat geschrieben:
Clementine hat geschrieben:Das Problem ist: ich wäre mir nicht so sicher, was im Vorfeld nicht bereits als Kompromiss angeboten wurde (vielleicht wurde auch nichts angeboten - kann sein.). Irgendwie habe ich aber halt den Verdacht, dass man es in der Presse auch nicht lesen würde, wenn was angeboten wurde. Und vielleicht - wie gesagt - vielleicht haben sich die Eltern auch gedacht, mit einer entsprechenden medienwirksamen Gestaltung den Willen ganz durchsetzen zu können.
Wie das Verfahren tatsächlich abgelaufen ist und dass sich die Kirchengemeinde die Entscheidung vermutlich nicht leicht gemacht hat, interessiert leider nicht nur die Presse nicht, sondern selbst die hier im Forum tätigen probaten Viren äußern lieber erst einmal ihre "Abscheu" und fangen das geifern an. Fakten sind ja auch meistens hinderlich beim Aufregen, daher bemüht sich gar nicht erst, mehr in Erfahrung zu bringen.
Ich frage mich schon, was eigentlich schlimmer ist:
Einem bekennenden Atheisten posthum das Kreuz auf den Grabstein zu malen, weil es die Friedhofsordnung vorschreibt oder einen Ungetauften ohne Kreuz, Taube und betende Hände hier seine letzte Ruhe finden zu lassen?
Das ist eben "messen mit zweierlei Mass", und mein Aufbegehren dagegen könnt ihr auch gerne "geifern" nennen.
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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Protasius » Donnerstag 15. November 2012, 12:48

Vir Probatus hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:
Clementine hat geschrieben:Das Problem ist: ich wäre mir nicht so sicher, was im Vorfeld nicht bereits als Kompromiss angeboten wurde (vielleicht wurde auch nichts angeboten - kann sein.). Irgendwie habe ich aber halt den Verdacht, dass man es in der Presse auch nicht lesen würde, wenn was angeboten wurde. Und vielleicht - wie gesagt - vielleicht haben sich die Eltern auch gedacht, mit einer entsprechenden medienwirksamen Gestaltung den Willen ganz durchsetzen zu können.
Wie das Verfahren tatsächlich abgelaufen ist und dass sich die Kirchengemeinde die Entscheidung vermutlich nicht leicht gemacht hat, interessiert leider nicht nur die Presse nicht, sondern selbst die hier im Forum tätigen probaten Viren äußern lieber erst einmal ihre "Abscheu" und fangen das geifern an. Fakten sind ja auch meistens hinderlich beim Aufregen, daher bemüht sich gar nicht erst, mehr in Erfahrung zu bringen.
Ich frage mich schon, was eigentlich schlimmer ist:
Einem bekennenden Atheisten posthum das Kreuz auf den Grabstein zu malen, weil es die Friedhofsordnung vorschreibt oder einen Ungetauften ohne Kreuz, Taube und betende Hände hier seine letzte Ruhe finden zu lassen?
Das ist eben "messen mit zweierlei Mass", und mein Aufbegehren dagegen könnt ihr auch gerne "geifern" nennen.
Ich kann dir jetzt nicht ganz folgen :hae?:
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von Reinhard » Donnerstag 15. November 2012, 12:50

Vir Probatus hat geschrieben:Ich frage mich schon, was eigentlich schlimmer ist:
Einem bekennenden Atheisten posthum das Kreuz auf den Grabstein zu malen, weil es die Friedhofsordnung vorschreibt oder einen Ungetauften ohne Kreuz, Taube und betende Hände hier seine letzte Ruhe finden zu lassen?
Nun mal halblang ! - wenn der "bekennende Atheist" (was die Leute in diesem Fall nicht einmal waren, sie waren wohl irgend eine Art Freikirchler) unbedingt auf dem katholischen Friedhof begraben werden möchte, dann muss er ja auch einige Randbedingungen in Kauf nehmen, die dranhängen. Ich kann mir ja auch nicht eine schwere Limousine kaufen, und dann den Hersteller verklagen, weil er mir so'n unhandliches, schweres Auto verkauft hat !

Zweitens - hat man der Trauerfamilie verschiedene Symbole angeboten, nur kein Kreuz. Man hat ihnen also gerade das Kreuz nicht auf die Nase gedrückt, die von Dir angenommenen Herzlosigkeit gab es also so gar nicht.

Definitiv: von "seelischer Vergewaltigung" kann hier keine Rede sein.

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Re: Christliche Sepulkralkultur

Beitrag von obsculta » Donnerstag 15. November 2012, 14:09

Ich frage mich schon, was eigentlich schlimmer ist:
Schlimmer ist, das die Eltern, die offensichtlich zumindest einen rudimentären,
christlichen Hintergrund haben, also beide wissen, um was es bei der Taufe geht,
diese ihrem sterbenskranken Kind nicht haben zuteil werden lassen.

Stattdessen echauffieren sie sich breitformatig in der Öffentlichkeit über Grabsteine in Fußballform
und die angebliche Grausamkeit, die dahinterstecke, weil man ihrem Willen nicht entspricht.

Das läßt ganz tief blicken und um Robert zu zitiern: " Der arme Junge!"

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