Qualitätspredigten

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overkott
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Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

Predigten können häufig erheblich verbessert werden. Nicht selten sind sie schlecht strukturiert. Manchmal haben sie die Struktur Rührei: alles durcheinander.

Dabei gibt die Bibel im Hinblick auf die Struktur ein gutes Beispiel. Die Anordnung der Bücher im Alten Testament und parallel im Neuen Testament folgt der Grundstruktur: Geschichtsbücher, Weisheitsbücher, Prophetenbücher - Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft - Einleitung, Hauptteil, Ausblick. Entsprechend strukturiert sind die Evangelien: Kindheitsgeschichte, Lehr- und Wundertätigkeit, Tod und Auferstehung.

Idealerweise dienen Predigten dem Verständnis der Bibel im Allgemeinen und der Lesungen im Besonderen. Sie beugen theologischer Einfaltigkeit vor und stärken ein differenziertes Gottesverständnis. Dabei gehen sie davon aus, dass Gott kein unbegreifliches Wesen und kein Sams ist, sondern sich in Schöpfung und Schrift als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. Gleichzeitig betonen sie die besondere Würde der Gottesmutter. Sie stärken den Glauben und das tägliche Leben der Gemeinde und bereiten auf die Eucharistiefeier vor.

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Niels
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Niels »

Das macht nach Manfred Lütz eine "gute Predigt" aus: ein Drittel Bekanntes, ein Drittel Neues und ein Drittel Unverständliches. :doktor:
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overkott
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Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

Predigten können häufig erheblich verbessert werden. Nicht selten sind sie schlecht strukturiert. Manchmal haben sie die Struktur Rührei: alles durcheinander. Dann fehlt ihnen die Leitidee.

Dabei gibt die Bibel im Hinblick auf die Struktur ein gutes Beispiel. Die Anordnung der Bücher im Alten Testament und parallel im Neuen Testament folgt der Grundstruktur: Geschichtsbücher, Weisheitsbücher, Prophetenbücher - Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft - Einleitung, Hauptteil, Ausblick. Entsprechend strukturiert sind die Evangelien: Kindheitsgeschichte, Lehr- und Wundertätigkeit, Tod und Auferstehung.

Idealerweise dienen Predigten dem Verständnis der Bibel im Allgemeinen und der Lesungen im Besonderen. Sie beugen theologischer Einfaltigkeit vor und stärken ein differenziertes Gottesverständnis. Dabei gehen sie davon aus, dass Gott kein unbegreifliches Wesen und kein Sams ist, sondern sich in Schöpfung und Schrift als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. Gleichzeitig betonen sie die besondere Würde der Gottesmutter. Sie öffnen Herzen und Hände. Sie stärken den Glauben und das tägliche Leben der Gemeinde und bereiten auf die Eucharistiefeier vor.

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Peregrin
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Peregrin »

Ich vermute, die Struktur von Anfang, Mitte und Schluß ist den meisten Priestern zumindest intuitiv klar.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Lupus
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Lupus »

Wie wär´s , Ihr Klugsch......, wenigstens mit Dispositionen, wenn nicht gar ausgearbeiteten Predigten und Homilien?

Schwätza ond kluschaißa ka i au, abbr ebbes rechts saga, isch net so oifach!

+L.
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Juergen
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Juergen »

Es gibt vermutlich zu viele gute Predigten, sonst würde man nicht folgendes lesen:
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 74539.html

Rüffel für die Kirchen
CSU-Minister ärgert sich über politische Prediger

"Ich bin nicht immer glücklich mit den Botschaften von der Kanzel": Innenminister Friedrich rügt die Kirchen für politische Themen im Gottesdienst. Manch ein Prediger mache es sich zu einfach, sagte der CSU-Politiker - etwa "bei Fragen um Krieg und Frieden"…
Wenn Politiker sich zu Predigten äußern, dann wurden die Politiker wohl auf dem richtigen Fuß getroffen.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Reinhard
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Reinhard »

Lupus hat geschrieben:Wie wär´s , Ihr Klugsch......, wenigstens mit Dispositionen, wenn nicht gar ausgearbeiteten Predigten und Homilien?

Schwätza ond kluschaißa ka i au, abbr ebbes rechts saga, isch net so oifach!

+L.
+1 ! :daumen-rauf:

Ich weiß aus meiner Zeit als (prot.) Lektor sehr gut, dass eine Predigt jedenfalls nur so gut ist wie das Gebet das dahinter steht.
Damals habe ich selber eigene Predigten gehalten, aber ohne einige Tage brüten und beten wär es nur Gerede geworden.

Nur Struktur und Rhetorik, das tut's nicht ...

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overkott
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

In der Tat stellt sich die Frage: Lebt denn der Prediger auch seine Predigt?

Deshalb kann man schlecht eine Predigt aus dem Schubfach ziehen.

Aber ein schlechtes Leben ist noch keine Rechtfertigung für eine schlechte Predigt.

Andersrum ist eine gute Predigt eine gute Vorlage für ein gutes Leben.

Raphael

Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:In der Tat stellt sich die Frage: Lebt denn der Prediger auch seine Predigt?

Deshalb kann man schlecht eine Predigt aus dem Schubfach ziehen.

Aber ein schlechtes Leben ist noch keine Rechtfertigung für eine schlechte Predigt.

Andersrum ist eine gute Predigt eine gute Vorlage für ein gutes Leben.
Boah ey , ovi, du siehst ja Zusammenhänge auf die wäre ich im Leben niemals nich' gekommen! :nuckel:

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Peregrin
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Peregrin »

Lupus hat geschrieben:Wie wär´s , Ihr Klugsch......, wenigstens mit Dispositionen, wenn nicht gar ausgearbeiteten Predigten und Homilien?
Dafür gibt's ja schon die catena aurea. :D
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Protasius
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Protasius »

Peregrin hat geschrieben:
Lupus hat geschrieben:Wie wär´s , Ihr Klugsch......, wenigstens mit Dispositionen, wenn nicht gar ausgearbeiteten Predigten und Homilien?
Dafür gibt's ja schon die catena aurea. :D
Und es gibt Predigtsammlungen für jedes Evangelium, das (im tridentinischen Ritus) im Jahr vorkommen kann:
Homiliae, sive conciones praestantissimorum Ecclesiae catholicae doctorum in totius anni evangelia, um nur ein Beispiel zu nennen. Da sind gleich mehrere Predigten und Homilien für jedes Evangelium.

Und es gibt wenigstens in meinem Brevier zum Sonntagsevangelium immer eine Homilie in der Matutin. (Ich bin allerdings nicht sicher, wie das beim 62er-Brevier mit seiner Stummelsonntagsmatutin aussieht; die hat ja nur 3 Lesungen.)
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Maurus
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Maurus »

Ein Prediger sollte seinen eigenen Sermon predigen und nicht die Gedanken eines anderen. Ansonsten ist das Institut der Predigt überflüssig, der Pfarrer drückt einfach jedem Gemeindemitglied eine Predigtsammlung des Kirchenlehrers seiner Wahl in die Hand.

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overkott
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

Maurus hat geschrieben:Ein Prediger sollte seinen eigenen Sermon predigen und nicht die Gedanken eines anderen. Ansonsten ist das Institut der Predigt überflüssig, der Pfarrer drückt einfach jedem Gemeindemitglied eine Predigtsammlung des Kirchenlehrers seiner Wahl in die Hand.
Das ist richtig. Wir haben mal die Predigt eines liebenswürdigen indischen Paters gehört, der von Zeitschriften in Arztpraxen vor seiner Anreise erzählt hat. Da konnte irgendwas nicht stimmen. Jetzt haben wir einen liebenswürdigen afrikanischen Pater, der einfach, lebendig und authentisch predigt.

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Peregrin
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Peregrin »

Maurus hat geschrieben:Ein Prediger sollte seinen eigenen Sermon predigen und nicht die Gedanken eines anderen. Ansonsten ist das Institut der Predigt überflüssig, der Pfarrer drückt einfach jedem Gemeindemitglied eine Predigtsammlung des Kirchenlehrers seiner Wahl in die Hand.
Es ist dem Prediger ja nicht verboten, seine eigenen Gedanken auszubreiten. Hier ging es aber um den Fall, daß ihm nichts (oder nicht genug, oder nicht schnell genug) einfällt. Predigten umzuarbeiten ist oft leichter und schneller, als sie komplett neu zu erstellen. Meistens läßt sich auch viel beibehalten. Was erdacht wurde, wird wieder erdacht werden: es gibt nichts Neues unter der Sonne.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Protasius
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Protasius »

Peregrin hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Ein Prediger sollte seinen eigenen Sermon predigen und nicht die Gedanken eines anderen. Ansonsten ist das Institut der Predigt überflüssig, der Pfarrer drückt einfach jedem Gemeindemitglied eine Predigtsammlung des Kirchenlehrers seiner Wahl in die Hand.
Es ist dem Prediger ja nicht verboten, seine eigenen Gedanken auszubreiten. Hier ging es aber um den Fall, daß ihm nichts (oder nicht genug, oder nicht schnell genug) einfällt. Predigten umzuarbeiten ist oft leichter und schneller, als sie komplett neu zu erstellen. Meistens läßt sich auch viel beibehalten. Was erdacht wurde, wird wieder erdacht werden: es gibt nichts Neues unter der Sonne.
Abgesehen davon ist es sehr weit verbreitet, sich solcher Predigtkonzepte zu bedienen; ich habe jetzt in zwei aufeinanderfolgenden Jahren dieselbe Weihnachtspredigt im Hochamt gehört, und Bekannte aus dem Kirchenchor haben mir berichtet, daß sie am selben Tag in zwei unterschiedlichen Beerdigungen bei verschiedenen Priestern die gleiche Predigt gehört haben.

Und ich wäre so manchesmal sehr froh, wenn ein Priester sich einer solchen Konservenpredigt bedient, anstatt die Verklärung in einem "Interview" mit dem Evangelisten Markus als Märchen darzustellen; oder der Ruheständler, dessen Predigten an die zwanzig Minuten dauern und bei denen man in vielen Fällen am Ende schon wieder vergessen hat, womit er angefangen hat. Beide Priester haben ihre lichten Momente mit tollen Predigten, aber es kommt oft genug vor, daß man einfach auf das Ende wartet.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Pilgerer
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Pilgerer »

Wie feurig eine Qualitätspredigt sein? Wie ruhig-langweilig muss sie sein?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Maurus
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Maurus »

Pilgerer hat geschrieben:Wie feurig eine Qualitätspredigt sein? Wie ruhig-langweilig muss sie sein?
Das kommt auf den Anlass an. Bei der Beerdigung eines ermordeten Kindes ist ein "feuriger" Habitus des Predigers wohl nicht ganz so angebracht.

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overkott
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

Maurus hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Wie feurig eine Qualitätspredigt sein? Wie ruhig-langweilig muss sie sein?
Das kommt auf den Anlass an. Bei der Beerdigung eines ermordeten Kindes ist ein "feuriger" Habitus des Predigers wohl nicht ganz so angebracht.
Eine Qualitätspredigt vermittelt. Der Qualitätsprediger hat nicht nur seine Botschaft im Kopf, sondern auch seine Gemeinde.

Ein Priester im Ruhestand kann vermutlich eine Gemeinde seiner Generation eher ansprechen als ein junger Priester. Ein junger Priester, der zu Firmlingen und Kindern predigt, sollte allerdings die Firmlinge nicht vergessen.

Linuxfreak
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Linuxfreak »

Kennt ihr den Wiener Domprediger, der immer am Sonntag um 21 Uhr Gottesdienst feiert?
Er, so finde ich, predigt ziemlich gut.
Gut strukturiert. Verständlich im Inhalt und Zusammenhan. Ansprechend. Seelsorglich.
Linuxfreak

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overkott
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Jesus - Gotteskind oder Kindergott?

Beitrag von overkott »

"Gott schaut uns mit Kinderaugen an", meinte der Kardinal heute zum Kölner Dreikönigsfest. Wie ist das wohl gemeint? Am Sonntag verstieg sich ein Prediger zu dem Satz: "Als Gott auf Erden lebte..."

Wie infantil sollten Predigten sein?

Sollten wir einen Vernunft begründeten Glauben an keinen Gott außer dem einen der akademischen Debatte an den Universitäten überlassen?

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Edi
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Re: Jesus - Gotteskind oder Kindergott?

Beitrag von Edi »

overkott hat geschrieben:"Gott schaut uns mit Kinderaugen an", meinte der Kardinal heute zum Kölner Dreikönigsfest. Wie ist das wohl gemeint? Am Sonntag verstieg sich ein Prediger zu dem Satz: "Als Gott auf Erden lebte..."

Wie infantil sollten Predigten sein?
Beide Aussagen müssen nicht infantil sein, sollten aber dann zumindest genauer erläutert werden. Jesus war Gott in Fleische wie die Bibel es ausdrückt und daran konnte der Prediger anknüpfen. Was er tatsächlich sagte, wissen wir ja nicht, wenn wir nur den einen Satz hören. Dasselbe gilt für die "Kinderaugen". Ohne weitere Erläuterungen mag sich das schon komisch anhören.
Da du fragst wie das gemeint sei, fehlt wohl diese nähere Erläuterung? !
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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overkott
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Re: Jesus - Gotteskind oder Kindergott?

Beitrag von overkott »

Edi hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:"Gott schaut uns mit Kinderaugen an", meinte der Kardinal heute zum Kölner Dreikönigsfest. Wie ist das wohl gemeint? Am Sonntag verstieg sich ein Prediger zu dem Satz: "Als Gott auf Erden lebte..."

Wie infantil sollten Predigten sein?
Beide Aussagen müssen nicht infantil sein, sollten aber dann zumindest genauer erläutert werden. Jesus war Gott in Fleische wie die Bibel es ausdrückt und daran konnte der Prediger anknüpfen. Was er tatsächlich sagte, wissen wir ja nicht, wenn wir nur den einen Satz hören. Dasselbe gilt für die "Kinderaugen". Ohne weitere Erläuterungen mag sich das schon komisch anhören.
Da du fragst wie das gemeint sei, fehlt wohl diese nähere Erläuterung? !
Tatsächlich gibt es Prediger, die den Fleischgott verehren und am Fleisch und Blut Anteil haben wollen. Die deutschsprachigen Übersetzer der Bibel drücken sich häufig so rätselhaft aus, dass man es besser bei der geistreichen lateinischen Übersetzung belassen sollte. Ein besonderes Problem der Prediger liegt darin, dass sie erklären, ohne zu erklären, auf dass man sich selbst erklärt, was die Prediger im Zweifel so nicht erklärt haben möchten.

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overkott
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

Eigentlich geht es nicht um eine Qualitätspredigt. Die Zusammenlegung ist von daher falsch.

Es geht um die Gottesfrage. Ist Gott zutiefst der letztendlich rechtsformalistische finale Endgott? Ist Jesus dieser Endgott?

Wer ist eigentlich dieser aus dem Alten Testament wegretouchierte Christus? Was hat er mit David und seiner Familie zu tun? Weshalb spielen Bethlehem und Jerusalem dabei eine vernünftig nachvollziehbare Rolle? Inwieweit versteht sich Jesus als dieser Christus, der als Nachfolger Davids in Jerusalem eines Tages den Frieden bringt? War bereits das Volk Israel Gottes Sohn?

Inwieweit abstrahiert sich diese theologische Idee im Lauf der Geschichte zur exklusiven Gottessohnschaft Jesu, der schließlich zum Schöpfer in der Krippe mutiert? Ersetzt der Sohn den Vater? Oder ist das nach heutiger Hermeneutik der Bibel und Tradition theologisch nicht mehr vertretbar? Oder muss es betont vertreten werden, weil es so schön rechts klingt?

Ist heidnischer Aberglaube inklusive allem Interesse am Götzenopferfleisch "religiöser" als der geistreiche Glaube Jesu?

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mensch
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von mensch »

Im allgemeinen bin ich recht gelassen, wenn es um Predigten geht.
Allerdings bekomme ich Bauchschmerzen, wenn die Predigt zum Entertainment wird. Erst kürzlich habe ich erlebt, wie ein Diakon eine Predigt ausschließlich sozial-politischer Natur hielt und darin die anwesenden Kinder zu ihren Essgewohnheiten interviewte. Danach wusste die Gemeinde, wer gerne Pizza und Nudeln isst. Einen Bezug zum Evangelium habe ich vergeblich gesucht.

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overkott
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

Der Kölner Kardinal hat in seiner Dreikönigspredigt insbesondere Werbung für Sprache gemacht. Die Kirche solle sich vor allem einer vormodernen, märchenhaften Sprache bedienen, meinte er.

Aber entspricht dies dem Denken Jesu? Der Tradition der Kirche?

Der biblischen Geschichte nach sprach Jesus Umgangssprache. Er hatte den Akzent aus Galiläa, jenseits des Jordans. Damit fiel er in Jerusalem absolut auf. Er war kein Ausländer wie Parther, Meder, Elamiter. Aber seine Sprache verriet ihn. Keinesfalls sprach er eine Art Kirchenlatein oder eine Art Märchensprache wie wahrscheinlich die Schriftgelehrten oder Hochwürden im Tempel.

Jesus war so etwas wie ein Hamburger in München, würde der heilige Hieronymus sagen. Hieronymus selbst benutzte nämlich nicht nur die Sprache der Gemeinden der Wessis, in die er die Ossi-Bibel übersetzte. Vielmehr übersetzte er unbekannte Namen von Orten und Flüssen gleich mit in den Denkhorizont der Gemeinden. Er verlagerte quasi die Geschichten in eine neue Umgebung, weil es ihm mehr auf die geistige Botschaft der Geschichten ankam, als auf die historisch-kritischen Nebensächlichkeiten. Hieronymus war damit ebenso modern wie Jesus.

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overkott
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

Was folgt denn daraus? Ist denn die Wahrheit gemäß Joh 8,40 nicht gefährlich?

Der Kölner Kardinal wird wegen dieses Hinweises kaum seine Predigt von gestern überdenken. Und es gibt viele in der Kirche mit sicherem Gespür dafür, wer gerade Chef ist. Ergo, also, werden sie weiterhin Gralshüter der Märchensprache sein und mancher Pater wird weiterhin den Bruder Grimm spielen. Wahrheit und Dichtung wird nach Belieben verdreht, wie es gerade dem Formalismus entspricht.

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overkott
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von overkott »

[Eigentlich war die Predigt eine direkte Antwort auf die Frage: Was ist Wahrheit]

Eigentlich hätte man eine Fastenpredigt erwarten können, statt dessen war heute eine Betrachtung zu hören über das Thema: Wer ist Gott? Dabei hatte man den Eindruck, als hätte es den breiten Strom der Offenbarung und Tradition, das Konzil und Benedikt nicht gegeben. Die Predigt war völlig frei ohne direkten Bezug zur Bibel, zu Kirchenlehrern, zu Konzilstexten, zu päpstlichen Lehrschreiben. Eine traditionelle Versöhnung von Glaube und Vernunft, von Theologie und Philosophie in der biblischen Gesamtschau bis zum Höhepunkt der Erkenntnis Gottes als Liebe, Ausgleich und Versöhnung war nicht zu hören. Statt um Frieden ging es um Abgrenzung von anderen Religionen. Man hatte den Eindruck, dass Fundamentalismus mit Fundamentalismus beantwortet werden sollte. Und vor dem Auszug gab es noch einen herrischen Tonfall. Ein schlechtes Omen für die Bonner Kirche.

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Niels
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Niels »

Qualitätspredigten sind besser als Quantitätspredigten.

Oder um mit dem Hl. Bonaventura zu sprechen (folgendes Diktum wird ihm bisweilen zugeschrieben): "Man darf über alles predigen, aber nicht über 10 Minuten."
:doktor: ;D

Raphaela
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Raphaela »

Lupus hat geschrieben:Wie wär´s , Ihr Klugsch......, wenigstens mit Dispositionen, wenn nicht gar ausgearbeiteten Predigten und Homilien?

Schwätza ond kluschaißa ka i au, abbr ebbes rechts saga, isch net so oifach!

+L.
Du kannst nicht wissen, ob einer von uns Usern genau dieses macht. - Ich jedenfalls denke mir, dass ich mir die Anregungen für Ansprachen/Predigten mal durch den Kopf gehen lasse.

Was jedoch für mich wichtig ist, wenn ich diese ausarbeite: Es geht nur mit Gebet.
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

pierre
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von pierre »

Ich gehe in Köln entweder zu den Jesuiten oder zu den Dominikanern,diese predigen wirklich brilliant und treffen den Nagel auf den Kopf

Raphael

Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Raphael »

Mit freundlicher Genehmigung des Authors: :)
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Anfänge der Kirche sind apostolisch. Wir bekennen im Großen Glaubensbekenntnis, dass wir an der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ festhalten. Die zwölf Apostel aber verbinden uns direkt mit unserem Herrn Jesus Christus, von dem sie erwählt und eingesetzt worden sind. Er hat sie über alles Heilsnotwendige unterrichtet und sie ausgesandt zu den Menschen.

Die Kirche als der Anfang des Reiches Gottes auf Erden kann mit einem großen Baum verglichen werden. Am Anfang war dieser Baum ganz klein; alles war in einem Samenkorn verborgen. Doch im Laufe der Geschichte hat sich vieles entfaltet und verzweigt. Die Kraft des Ursprungs zeigt sich eben darin. Jeder Zweig eines Baumes, und sei er noch so weit oben oder von Stamm und Wurzel entfernt, hat seine Kraft aus der Wurzel. Wenn wir uns selber mit einem solchen Zweig vergleichen, dann gilt natürlich, dass unsere übernatürliche Lebenskraft in unserem Herrn Jesus Christus wurzelt. Die Apostel aber stehen gleich am Anfang; ihnen wurde die Lehre Christi um unseres Heiles willen anvertraut; sie empfingen die Vollmacht, die Sakramente zu spenden und das Volk Gottes zu leiten.

Wenn nun der Heilige Geist die Kirche Gottes durch die Zeit hindurch lenkt und leitet, dann ist es eben diese übernatürliche Lebenskraft, die auch uns beseelt. Von Gott her, vom Geheimnis des lebendigen Ursprungs muss die Kirche sich immer wieder erneuern. Denn die Kirche ist zugleich das Werk Gottes und eine menschliche Wirklichkeit. Wie schwach und armselig sind doch wir Menschen immer wieder! Dies gilt sowohl für Amtsträger in der Kirche wie auch für alle übrigen Gläubigen. Wir müssen zugeben, dass wir alle der Gnade Gottes bedürfen. Nicht aus eigener Vollkommenheit sind wir stark; nicht wir selbst können uns von den Sünden lossprechen; all dies bewirkt unser Herr Jesus Christus, der uns erlöst von der Sünde und allem Bösen und der uns das ewige Leben verheißt und schenkt.

Wenn wir das Evangelium nach Markus von der ersten Aussendung der Apostel durch Jesus lesen und hören, dann fallen uns drei Dinge auf: erstens die Einfachheit und Armut der Apostel; zweitens das unbedingte Gottvertrauen und drittens die lebendige Erfahrung des Wirkens Gottes.

Einfach und arm waren die Apostel, als Jesus sie aussandte: sie sollten nur das Nötigste mitnehmen und im übrigen auf die Vorsehung Gottes und die Aufnahmebereitschaft der Menschen vertrauen. Wenn sie in dieser Weise auftreten, dann kann ihnen niemand irgendwelche Nebenabsichten unterstellen. Ihre Botschaft wird leichter Gehör finden, und sie folgen in ihrer Armut und Einfachheit Jesus dem Herrn nach, der selber drei Jahre lang als Wanderprediger unterwegs war und für sich keine Privilegien beansprucht hat.

Das unbedingte Gottvertrauen drückt sich hier aus: Denn es ist keine menschliche Idee, welche verbreitet werden soll, sondern das Wort Gottes soll verkündet werden. Gott selbst sorgt für die Seinen. Sind wir nicht manchmal in der Gefahr zu viel zu jammern und angesichts der Probleme in Welt und Kirche zu verzagen? Dabei hat uns Gott doch seine ganze Liebe geschenkt, und er steht uns bei mit seinem Heiligen Geist!

Und schließlich ist mit der Aussendung der Apostel eine lebendige Erfahrung des Wirkens Gottes verbunden: Kranke werden geheilt, Menschen von dämonischen Einflüssen befreit, die Sünder werden mit Gott versöhnt und die Hoffnung auf das ewige Leben erfüllt die Herzen mit Freude. Auch heute geschehen überall dort große Dinge, wo Menschen sich vorbehaltlos auf das Reich Gottes einlassen. Wenn wir in allem Gott die Ehre geben wollen, dann zeigt sich auch die Wirkmacht der Liebe Gottes. Auch in der gegenwärtigen Zeit und in unserem Leben geschehen wunderbare Dinge!

Lernen wir also von den Aposteln, die dem Wort Christi gefolgt sind; Gott sendet auch uns in je verschiedener Weise zu den Menschen, um ihnen die Freude des Evangeliums zu schenken. Wir bitten die Gottesmutter Maria, den heiligen Josef sowie die Apostel und Heiligen um ihre Fürbitte bei Gott! Amen.

Petrus
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Re: Qualitätspredigten

Beitrag von Petrus »

nun,

ich predigte (homilierte?) (damals war das noch möglich) mit Qualität.

Meine Probe-Predigt wurde bewertet mit der Note (die es ja eigentlich gar nicht gibt) 1+.

Zu Trinitatis (das Thema ist nicht einfach - doch: ein "Dünnbrettbohrer" war und bin ich nicht.)

Mein Schwerpunkt: "Gott ist nicht allein."

Petrus.

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