Kurze Fragen - kurze Antworten VI

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Raphael
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Raphael »

Da es hier um kurze Fragen geht, die kurze Frage vorweg:

Wie ist die Tätigkeit eines kriminalpolizeilichen Ermittlers, der im Bereich Kinderpornographie arbeitet, moraltheologisch zu beurteilen? :hmm:


Hintergrund der Frage ist der dritte Skandal (Münster, Bergisch-Gladbach und Lügde) in meinem Heimatland NRW, der nun in kurzer Zeit an die breite Öffentlichkeit gelangt. Kriminalpolizeiliche Ermittler werden im Rahmen ihrer Tätigkeit zwangsläufig zu Konsumenten von Kinderpornographie, denn sie werden derlei Schund anschauen müssen, um es auszuwerten und für das Gericht verwertbar zu machen. Daß die "Tätigkeit an sich" strafrechtlich nicht relevant sein kann, ist meines Erachtens unstreitig.

Nichtsdestoweniger bleibt die Tätigkeit des kriminalpolizeilichen Ermittlers ein Verstoß gegen das 6. Gebot. :glubsch:

Darüber hinaus hilft die moralische Grundregel, daß man nichts Böses tun darf, um etwas Gutes zu erreichen, nicht weiter. Denn sie wird ebenfalls nicht eingehalten werden können.
Eine echte Dilemma-Situation. Wie ist sie moraltheologisch lösbar? :achselzuck:
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
(Georg Christoph Lichtenberg)

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holzi
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von holzi »

Raphael hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2020, 20:01
[...] Kriminalpolizeiliche Ermittler werden im Rahmen ihrer Tätigkeit zwangsläufig zu Konsumenten von Kinderpornographie, denn sie werden derlei Schund anschauen müssen, um es auszuwerten und für das Gericht verwertbar zu machen. [...]
Vergleich's mal mit 'nem Frauenarzt: Wenn der sich Tag um Tag Muschis anschaut, dann kaum um sich daran sexuell zu erregen. Einen Kripo-Ermittler, der den Kinderschändern auf den Fersen ist, sollten diese sexuell auch nicht erregen. Ansonsten wäre das die falsche Person auf diesem Posten.

Oder mit dem Vergleich eines Metzgers mit einem Tierquäler. Beide töten Tiere. Und nur bei einem ist es böse. (Nein, liebe Veganer - der Metzger an sich ist nicht böse! ;) ). Der eine tut seinen Job, der andere labt sich am Leid der Tiere.
Diese Nachricht wurde CO²-neutral, umweltfreundlich, aus wiederverwerteten Buchstaben von weggeworfenen E-Mails geschrieben und ist digital voll abbaubar.

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Juergen
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Juergen »

Raphael hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2020, 20:01
Nichtsdestoweniger bleibt die Tätigkeit des kriminalpolizeilichen Ermittlers ein Verstoß gegen das 6. Gebot. :glubsch:
Wie? Der bricht dadurch die Ehe? :roll:
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Siard
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

Juergen hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2020, 12:15
Raphael hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2020, 20:01
Nichtsdestoweniger bleibt die Tätigkeit des kriminalpolizeilichen Ermittlers ein Verstoß gegen das 6. Gebot. :glubsch:
Wie? Der bricht dadurch die Ehe? :roll:
Unter Umständen schon. Kinder"ehe" ist ja auf dem Vormarsch. :tuete:

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Raphael
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Raphael »

Juergen hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2020, 12:15
Raphael hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2020, 20:01
Nichtsdestoweniger bleibt die Tätigkeit des kriminalpolizeilichen Ermittlers ein Verstoß gegen das 6. Gebot. :glubsch:
Wie? Der bricht dadurch die Ehe? :roll:
Haben wir heute morgen ein bißchen Literalismus gefrühstückt? :pfeif:

Unkeusches Verhalten ist ein Verstoß contra sextam. :huhu:

Schweinische Bilder angucken ist unkeusch ...........................
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Lycobates
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Lycobates »

Raphael hat geschrieben:
Montag 8. Juni 2020, 20:01
Nichtsdestoweniger bleibt die Tätigkeit des kriminalpolizeilichen Ermittlers ein Verstoß gegen das 6. Gebot. :glubsch:
Sankt Thomas antwortet (IIª-IIae, q. 154 a. 4 co):
Respondeo dicendum quod aliquid dicitur esse peccatum mortale dupliciter. Uno modo, secundum speciem suam. Et hoc modo osculum, amplexus vel tactus, secundum suam rationem non nominant peccatum mortale. Possunt enim haec absque libidine fieri, vel propter consuetudinem patriae, vel propter aliquam necessitatem aut rationabilem causam. Alio modo dicitur aliquid esse peccatum mortale ex sua causa, sicut ille qui dat eleemosynam ut aliquem inducat ad haeresim, mortaliter peccat propter intentionem corruptam. Dictum est autem supra quod consensus in delectationem peccati mortalis est peccatum mortale, et non solum consensus in actum. Et ideo, cum fornicatio sit peccatum mortale, et multo magis aliae luxuriae species, consequens est quod consensus in delectationem talis peccati sit peccatum mortale, et non solum consensus in actum. Et ideo, cum oscula et amplexus et huiusmodi propter delectationem huiusmodi fiant, consequens est quod sint peccata mortalia. Et sic solum dicuntur libidinosa. Unde huiusmodi, secundum quod libidinosa sunt, sunt peccata mortalia.
Wenn der aspectus rei pravae, wie es hier der Fall ist, propter aliquam necessitatem aut rationabilem causam geschieht (geschehen muß), und absque libidine, liegt keine (schwere) Sünde vor.

Natürlich ist jeder, nach seinem Temperament, das wohl jeder selber am besten kennt, dazu gehalten, Gelegenheiten zur Sünde zu meiden, bzw. eine nächste Gelegenheit in eine entfernte umzuwandeln (sofern sie nicht ganz vermieden werden kann). Das bedeutet, daß wer erfahrungsgemäß regelmäßig turpiter commovetur, um mit den Moraltheologen zu sprechen, sich eine andere Betätigung suchen muß.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
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Siard
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

Hat Bergolio sich eigentlich zu O/BLM und /oder Priyamvada Gopal geäußert?

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kirchenchor400
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von kirchenchor400 »

PascalBlaise hat geschrieben:
Montag 7. März 2016, 12:31
Wieso gibt es keine Kommunion für Säuglinge und Kleinkinder?
Warum das Konzept einer zeitlich von der Taufe getrennten Erstkommunion?
Mit der Erstkommunion empfängt man ja zum ersten mal den Leib Christi. Einem kleinen Baby, das gerade erst getauft wurde kann noch gar nicht bewusst sein was das eigentlich bedeutet. Gewöhnlich empfangen die Kinder in der dritten Klasse, also im Alter von acht bis neun Jahren, die erste Kommunion. Die Kirche gibt kein Alter vor, setzt aber voraus, dass das Kind in der Lage ist, den Unterschied zwischen gewöhnlichem Brot und der geweihten Hostie zu erkennen, also frühestens mit ca. 8 Jahren.

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Siard
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

kirchenchor400 hat geschrieben:
Montag 3. August 2020, 20:27
Mit der Erstkommunion empfängt man ja zum ersten mal den Leib Christi. Einem kleinen Baby, das gerade erst getauft wurde kann noch gar nicht bewusst sein was das eigentlich bedeutet. Gewöhnlich empfangen die Kinder in der dritten Klasse, also im Alter von acht bis neun Jahren, die erste Kommunion. Die Kirche gibt kein Alter vor, setzt aber voraus, dass das Kind in der Lage ist, den Unterschied zwischen gewöhnlichem Brot und der geweihten Hostie zu erkennen, also frühestens mit ca. 8 Jahren.
Den Unterschied kennen heute ja nichtmal die Tischmütter und Handreichungsverfasser.
Die Kirche des Westens (und nur dort) hat das Alter der Unterscheidung bis zum Begin des 19. Jh. deutlich später angesetzt, auch wurde damals die Reihenfolge der Sakramentsspendung von Taufe, Firmung, (Erst-)Kommunion auf Taufe, (Erst-)Kommunion, Firmung geändert.
Und offensichtlich können auch manche Priester den Unterschied heute nicht mehr erkennen – oder sie wissen es besser, weil sie nicht tun wollten, was die Kirche tut.

Petrus
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Petrus »

kirchenchor400 hat geschrieben:
Montag 3. August 2020, 20:27
PascalBlaise hat geschrieben:
Montag 7. März 2016, 12:31
Wieso gibt es keine Kommunion für Säuglinge und Kleinkinder?
Warum das Konzept einer zeitlich von der Taufe getrennten Erstkommunion?
Mit der Erstkommunion empfängt man ja zum ersten mal den Leib Christi. Einem kleinen Baby, das gerade erst getauft wurde kann noch gar nicht bewusst sein was das eigentlich bedeutet. Gewöhnlich empfangen die Kinder in der dritten Klasse, also im Alter von acht bis neun Jahren, die erste Kommunion. Die Kirche gibt kein Alter vor, setzt aber voraus, dass das Kind in der Lage ist, den Unterschied zwischen gewöhnlichem Brot und der geweihten Hostie zu erkennen, also frühestens mit ca. 8 Jahren.
Nun,

Da irren wohl unsere orthodoxen Brüder und Schwestern?

Kleines Baby wird getauft, gefirmt, und kriegt dann die Erstkommunion.

Und dann ist alles gut.

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Lycobates
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Lycobates »

Petrus hat geschrieben:
Dienstag 4. August 2020, 14:40
kirchenchor400 hat geschrieben:
Montag 3. August 2020, 20:27
PascalBlaise hat geschrieben:
Montag 7. März 2016, 12:31
Wieso gibt es keine Kommunion für Säuglinge und Kleinkinder?
Warum das Konzept einer zeitlich von der Taufe getrennten Erstkommunion?
Mit der Erstkommunion empfängt man ja zum ersten mal den Leib Christi. Einem kleinen Baby, das gerade erst getauft wurde kann noch gar nicht bewusst sein was das eigentlich bedeutet. Gewöhnlich empfangen die Kinder in der dritten Klasse, also im Alter von acht bis neun Jahren, die erste Kommunion. Die Kirche gibt kein Alter vor, setzt aber voraus, dass das Kind in der Lage ist, den Unterschied zwischen gewöhnlichem Brot und der geweihten Hostie zu erkennen, also frühestens mit ca. 8 Jahren.
Nun,

Da irren wohl unsere orthodoxen Brüder und Schwestern?

Kleines Baby wird getauft, gefirmt, und kriegt dann die Erstkommunion.

Und dann ist alles gut.
Ja, sie irren.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
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PascalBlaise
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von PascalBlaise »

Siard hat geschrieben:
Dienstag 4. August 2020, 00:49
kirchenchor400 hat geschrieben:
Montag 3. August 2020, 20:27
Mit der Erstkommunion empfängt man ja zum ersten mal den Leib Christi. Einem kleinen Baby, das gerade erst getauft wurde kann noch gar nicht bewusst sein was das eigentlich bedeutet. Gewöhnlich empfangen die Kinder in der dritten Klasse, also im Alter von acht bis neun Jahren, die erste Kommunion. Die Kirche gibt kein Alter vor, setzt aber voraus, dass das Kind in der Lage ist, den Unterschied zwischen gewöhnlichem Brot und der geweihten Hostie zu erkennen, also frühestens mit ca. 8 Jahren.
Die Kirche des Westens (und nur dort) hat das Alter der Unterscheidung bis zum Begin des 19. Jh. deutlich später angesetzt, auch wurde damals die Reihenfolge der Sakramentsspendung von Taufe, Firmung, (Erst-)Kommunion auf Taufe, (Erst-)Kommunion, Firmung geändert.
Wieso-weshalb-warum? Das würde mich interessieren. Hat da jemand weitere Details?
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Protasius
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Protasius »

PascalBlaise hat geschrieben:
Dienstag 4. August 2020, 20:59
Siard hat geschrieben:
Dienstag 4. August 2020, 00:49
kirchenchor400 hat geschrieben:
Montag 3. August 2020, 20:27
Mit der Erstkommunion empfängt man ja zum ersten mal den Leib Christi. Einem kleinen Baby, das gerade erst getauft wurde kann noch gar nicht bewusst sein was das eigentlich bedeutet. Gewöhnlich empfangen die Kinder in der dritten Klasse, also im Alter von acht bis neun Jahren, die erste Kommunion. Die Kirche gibt kein Alter vor, setzt aber voraus, dass das Kind in der Lage ist, den Unterschied zwischen gewöhnlichem Brot und der geweihten Hostie zu erkennen, also frühestens mit ca. 8 Jahren.
Die Kirche des Westens (und nur dort) hat das Alter der Unterscheidung bis zum Begin des 19. Jh. deutlich später angesetzt, auch wurde damals die Reihenfolge der Sakramentsspendung von Taufe, Firmung, (Erst-)Kommunion auf Taufe, (Erst-)Kommunion, Firmung geändert.
Wieso-weshalb-warum? Das würde mich interessieren. Hat da jemand weitere Details?
Das Dekret Quam singulari der Sakramentenkongregation Pius' X. behandelt die Frage des Unterscheidungsalters in großer Ausführlichkeit.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Siard
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

Lycobates hat geschrieben:
Dienstag 4. August 2020, 14:42
Ja, sie irren.
Nun ja, die Früchte des Westens seit der Umstellung sind doch etwas zweifelhaft.
Vermutlich irren sich einfach alle "Christen" und die Muselmanen haben die Wahrheit. :pfeif:

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Siard
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

Quam Singulari hat geschrieben:Die Religionskenntnis, die für das Kind erforderlich ist, um sich entsprechend auf die erste heilige Kommunion vorzubereiten, besteht darin, die zur Seligkeit unumgänglich notwendigen Glaubensgeheimnisse nach dem Maß seiner Fassungskraft zu verstehen und das eucharistische Brot vom gewöhnlichen leiblichen Brot zu unterscheiden, und mit einer seinem Alter entsprechenden Andacht zum Tisch des Herrn hinzutreten.
Das war's dann je wohl für 90% der deutschsprachigen Katholiken. Die kommen nie soweit.
Speziell Tischmütter. :tuete:

PascalBlaise
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von PascalBlaise »

@Protasius: Danke. Weshalb aber überhaupt die Einführung eines Unterscheidungsalters? Ersetzt nicht die kindliche Unschuld eigentlich notwendiges Verstehen? Verwehrt man nicht ohne Not sakramentale Gnaden? "Lasst die Kinder zu mir kommen, aber nicht die unter x Jahren? "
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Protasius
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Protasius »

PascalBlaise hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 18:11
@Protasius: Danke. Weshalb aber überhaupt die Einführung eines Unterscheidungsalters? Ersetzt nicht die kindliche Unschuld eigentlich notwendiges Verstehen? Verwehrt man nicht ohne Not sakramentale Gnaden? "Lasst die Kinder zu mir kommen, aber nicht die unter x Jahren? "
Wenn eine Verunehrung (bspw. durch Ausspucken) ausgeschlossen ist, kann man aber grundsätzlich auch Kindern die Kommunion spenden.
Bartmann, Lehrbuch der Dogmatik (1911) hat geschrieben:Sechstes Buch. Die Lehre von den Sakramenten
Zweiter Abschnitt. Die besondere Sakramentenlehre
Drittes Kapitel. Die Eucharistie
§ 183. Spender und Empfänger
[…]
Die Kinderkommunion ist so alt wie die Kindertaufe und ist wohl aus deren Einfluß entstanden. Wie man den Erwachsenen sofort nach der Taufe Firmung und Eucharistie spendete, so auch konsequent den Kindern. Diese Sitte dauerte bis weit ins Mittelalter hinein, nicht etwa bis ins 12. Jahrhundert. Und zwar spendete man ihnen das Sakrament sowohl unter beiden Gestalten als unter der Gestalt des Weines; auch die Art der Mischung beider Gestalten kam bei klein und groß vor. […] Die Kommunion der Neugetauften ist in der griechischen Kirche noch heute Sitte. So gut als in der alten Kirche die Kinder die Kommunion empfingen, können es heute auch die Schwachsinnigen (semifatui), wenn sie zunächst das Sakrament nicht verunehren und dann dafür eine gewisse positive Disposition in ihrem Leben und Vorleben bieten. Vgl. hierüber die Pastoraltheologie.
Wenn ein Kind noch nicht das Allerheiligste von gewöhnlicher Speise unterscheiden kann, drängt sich mir allerdings der erste Korintherbrief auf:
1 Kor 11, 27ff. hat geschrieben:Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Juergen
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Juergen »

Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 18:36

Wenn ein Kind noch nicht das Allerheiligste von gewöhnlicher Speise unterscheiden kann, drängt sich mir allerdings der erste Korintherbrief auf:
1 Kor 11, 27ff. hat geschrieben:Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.
Ich möchte mal wissen, wer das „ohne zu bedenken“ in der alten Einheitsübersetzung verbrochen hat.
Gruß Jürgen

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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Protasius »

Juergen hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 18:43
Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 18:36

Wenn ein Kind noch nicht das Allerheiligste von gewöhnlicher Speise unterscheiden kann, drängt sich mir allerdings der erste Korintherbrief auf:
1 Kor 11, 27ff. hat geschrieben:Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.
Ich möchte mal wissen, wer das „ohne zu bedenken“ in der alten Einheitsübersetzung verbrochen hat.
Von mir aus kann ich das auch gern nach Hamp-Stenzel-Kürzinger zitieren:
Wer daher unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig am Leibe und Blute des Herrn. Es prüfe ein jeder sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch. Denn wer [unwürdig] ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, da er den Leib [des Herrn] nicht unterscheidet.
Dein Leib [des Herrn] nicht unterscheiden und ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, kommen mir jetzt wenigstens für den Zweck dieser Diskussion nicht wesentlich bedeutungsverschieden vor.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

PascalBlaise
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von PascalBlaise »

Kann ein Kind, das noch nicht zum Vernunftgebrauch fähig ist, sich schuldig machen? Kann es in dem Sinne "unwürdig" sein? War dann die frühchristliche Praxis, Kindstaufe und Kommunion zu verbinden, auch nicht ideal bzw. richtig?
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Siard
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 18:48
Dein Leib [des Herrn] nicht unterscheiden und ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, kommen mir jetzt wenigstens für den Zweck dieser Diskussion nicht wesentlich bedeutungsverschieden vor.
Nö, daher dürfte ein Großteil der Kirchenmitglieder und Kleriker dem Gericht verfallen, da sie es besser wissen sollten. Mangels ausreichender Vorbereitung in vielen Gemeinden, ist die Frühkommunion ein Verbrechen an den Kindern, wenn man von ihnen etwas erwartet, was zu leisten die "Ausbildenden" nicht im Stande sind (und auch nicht für nötig halten).

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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

PascalBlaise hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 19:17
Kann ein Kind, das noch nicht zum Vernunftgebrauch fähig ist, sich schuldig machen? Kann es in dem Sinne "unwürdig" sein? War dann die frühchristliche Praxis, Kindstaufe und Kommunion zu verbinden, auch nicht ideal bzw. richtig?
Wir wissen heute eben alles besser, als die Seppen früher. :unbeteiligttu:

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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von PascalBlaise »

Siard hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 19:25
PascalBlaise hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 19:17
Kann ein Kind, das noch nicht zum Vernunftgebrauch fähig ist, sich schuldig machen? Kann es in dem Sinne "unwürdig" sein? War dann die frühchristliche Praxis, Kindstaufe und Kommunion zu verbinden, auch nicht ideal bzw. richtig?
Wir wissen heute eben alles besser, als die Seppen früher. :unbeteiligttu:
Hm... hast Du auch eine Antwort ohne Ironieanteil?
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Siard
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

PascalBlaise hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 19:27
Hm... hast Du auch eine Antwort ohne Ironieanteil?
Ich fürchte inzwischen nicht mehr, denn das sind Fragen einer inzwischen untergegangenen Religion.

Meine Antworten ohne Ironie wären:
Kann ein Kind, das noch nicht zum Vernunftgebrauch fähig ist, sich schuldig machen? –
Nein.

Kann es in dem Sinne "unwürdig" sein? –
Nein.

War dann die frühchristliche Praxis, Kindstaufe und Kommunion zu verbinden, auch nicht ideal bzw. richtig? –
Sie war richtig und vernünftig.

Ich würde die vorherige Antwort auch nicht als Ironie bezeichnen.

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Juergen
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Juergen »

Siard hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 19:51
Kann ein Kind, das noch nicht zum Vernunftgebrauch fähig ist, sich schuldig machen?
Lies mal bei Augustinus im 7. Kapitel des 1. Buches der Bekenntnisse:
Augustinus hat geschrieben:Erhöre mich, o Gott! Wehe über uns sündige Menschen! So spricht der Mensch, und du erbarmst dich seiner, weil du ihn, aber nicht die Sünde in ihm geschaffen hast. Wer erinnert mich wieder an die Sünden meiner Kindheit? Denn vor dir ist niemand sündenrein, auch das Kind nicht, das nur einen Tag auf der Welt gelebt hat. Wer erinnert mich (an meine Sünden, die ich damals begangen)? Jedes beliebige Kindlein, an dem ich das sehe, was meinem Gedächtnis entflohen? Wie sündigte ich also damals? Etwa, weil ich schreiend nach der Mutterbrust verlangte? Denn täte ich jetzt dasselbe, wenn auch nicht nach der Mutterbrust, so doch nach einer meinem Alter entsprechenden Speise gierig verlangend, würde mich da nicht mit vollem Rechte spottender Tadel treffen? Damals tat ich also Tadelnswertes; aber da ich den Tadel nicht verstehen konnte, war es gegen Herkommen und Vernunft, mich zu tadeln. Zwar legen wir derartiges, wenn wir älter werden, ab und entfernen es. Denn nie sah ich einen Verständigen, der beim Sondern des Guten vom Schlechten auch das Gute mit preisgibt. Oder galt es seinerzeit auch für gut, mit Tränen das zu begehren, was mir, wäre es mir gewährt worden, zum Schaden gereicht hätte? Oder denen zu zürnen, die mir nicht untergeben waren, freien und älteren Leuten, oder den Eltern und vielen, die bei größerer Einsicht unserem Eigenwillen nicht willig Folge leisteten, ihnen mit Schlagen und Stoßen möglichst zu schaden, weil sie dem kindlichen Eigensinn ohne Schaden für uns nicht gehorchen konnten? So ist nur die Schwäche der kindlichen Glied maßen unschuldig, nicht die Kindesseele. Mit eigenen Augen beobachtete ich ein zorniges Kind; noch konnte es nicht sprechen und doch sah es bleich mit feindseligbitterem Blick auf seinen Milchbruder. Doch das weiß jeder. Mutter und Ammen sagen, daß sich das gäbe und durch irgendwelche Mittel verlöre. Ist es aber etwa auch Unschuld an der Quelle, die reichlich, ja überreichlich eine Fülle von Milch hervorströmen läßt, den der Hilfe so bedürftigen Bruder nicht zu dulden, der doch nur durch dies eine Nahrungsmittel sein Leben fristen kann? Doch man erträgt es in blinder Zärtlichkeit, nicht als ob es geringfügig oder von gar keiner Bedeutung wäre, sondern weil es sich mit den Jahren verlieren wird. Fände man dasselbe freilich bei einem älteren Menschen, so würde man es nicht mit dem Gleichmute ertragen wie in diesem Falle.Du, mein Gott und Herr, der du dem Kinde Leben und Leib gabst, den du, wie wir sehen, ausstattetest mit den Sinnen, den du aus Gliedern zusammenfügtest und mit Schönheit schmücktest und dem du alle Triebe eines lebenden Wesens zur Erhaltung seines unversehrten Daseins eingepflanzt hast, dein Wille gebeut mir, dich dafür zu preisen und dir zu danken und deinem Namen, du Höchster, zu lobsingen, weil du bist der allmächtige und gütige Gott, auch wenn du nur das geschaffen, was niemand anders schaffen kann denn du allein, dem alles Dasein sein Sein verdankt, du Schönster, der du alles schön geschaffen rund alles ordnest nach deinem Gesetz. Dieses Alter also, o Herr, von dessen Durchleben ich keine Ahnung habe, das ich nur nach anderer Glaubwürdigkeit und andern Kindern gefolgert habe, mag ich, obgleich diese Schlüsse vollen Glauben verdienen, kaum zu dem Leben rechnen, das ich in dieser Zeitlichkeit lebe. Denn der dunkle Schleier der Vergessenheit ruht darüber, gerade wie über jenem Leben, das ich verbracht in meiner Mutter Leibe. Doch wenn ich aus sündlichem Samen gezeuget und meine Mutter mich in Sünden empfangen hat, wo, mein Herr und Gott, o sage es mir, ich flehe dich an, wo oder wann war dein Knecht sündlos? Doch lassen wir jene Zeit, ist mir ja von ihr in meiner Erinnerung keine Spur zurückgeblieben.

Gruß Jürgen

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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten VI

Beitrag von Siard »

Juergen hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 22:23
Siard hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 19:51
Kann ein Kind, das noch nicht zum Vernunftgebrauch fähig ist, sich schuldig machen?
Das sind nicht meine Worte, korrekt wäre gewesen:
Siard hat geschrieben:
Mittwoch 5. August 2020, 19:51
Nein
Daran ändert auch Augustinus nichts.

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