Über den Tod hinaus

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overkott
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Über den Tod hinaus

Beitrag von overkott »

An diesem Sonntag geht es um die Zukunftslehre der Kirche. Auf Griechisch nennen wir die Zukunftslehre auch Eschatologie. Geisteswissenschaftler sprechen nämlich gerne mal Griechisch. Schließlich war das ganze Neue Testament ursprünglich in Griechisch geschrieben.

Die Eschatologie oder die Zukunftslehre der Kirche beginnt nicht erst mit dem letzten Buch der Bibel. Schon die zweite Geschichte der Bibel endet mit einem Gericht. In dieser Sicht erscheint die Welt, in der wir leben, als Gottesferne. Und tatsächlich können wir uns über einen Mangel an Sünde in dieser Welt auch nicht beklagen. Im Gegenteil. Es gibt zuviel davon. Seit dem stellt sich die Frage nach der Rückkehr zum paradiesischen Urzustand. Denn im Anfang, das erzählt schon die erste Geschichte, war alles gut.

Im Lauf der Bibel geht es dann auch immer wieder um die Frage der Umkehr zu Gott, also um die Rückkehr zum Guten, ins Paradies. Werden wir am Ende unseres Lebens endgültig zu Gott und damit zum Guten zurückgekehrt sein? Das ist die Kardinalfrage der Bibel. Darüber wird der Menschensohn am Ende unserer Tage richten.

Natürlich geht es dabei um nackte Tatsachen. Denn was soll das eigentlich bedeuten: zu Gott zurückkehren? Jesus hat das schon im Vaterunser angedeutet: Es geht um Gottes Willen, um Gutwilligkeit, um Liebe. Geil, werden manche sagen, um nackte Tatsachen! Es geht offenbar um Sex! Nein, sagt die Bibel. Es geht darum, die Nackten zu bekleiden. Zum Beispiel. Es geht darum, die Hungernden zu sättigen, den Durstigen zu trinken zu geben, die Traurigen zu trösten, den Weinenden die Tränen zu trocknen.

Am Ende, macht uns die Bibel Mut, wird es bei Gott kein Leid mehr geben und keine Tränen und keine Trauer. Vorher aber werden wir in Leid, Tränen und Trauer geprüft wie in einem reinigenden Feuer, das Gold und Schlacke voneinander trennt. Die Heiligen, die zu Gott gekommen sind, werden aber über den Tod hinaus im Heiligen Geist verbunden bleiben.

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overkott
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Re: Über den Tod hinaus

Beitrag von overkott »

Kann man das so stehenlassen?

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Protasius
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Re: Über den Tod hinaus

Beitrag von Protasius »

Ich habe Eschatologie noch nie mit Zukunftslehre übersetzt (das klingt so nach Futurologie und Science-Fiction); ich würde "Lehre von den letzten Dingen" schreiben (to eschaton = das letzte).
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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overkott
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Re: Über den Tod hinaus

Beitrag von overkott »

Das Neueste muss nicht immer das Letzte sein. Im äußersten ( = eschaton ! ) Fall kann es sowohl Alpha als auch Omega bedeuten und damit die ewigen Dinge meinen.

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overkott
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Re: Über den Tod hinaus

Beitrag von overkott »

Manchen mag diese ganze biblische Bildhaftigkeit zu modern erscheinen. Das Festhalten am Fegefeuer zum Beispiel mag ja in geistiger Lesart Sinn machen. Aber historisch-kritisch kann man da nicht dran festhalten. Dem Fegefeuer konnte noch kein Schlackehaufen eindeutig zugeordnet werden.

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overkott
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Re: Über den Tod hinaus

Beitrag von overkott »

Der Anlass für diese Gedanken sind aktuelle Predigten, die aus Katechismus-Versatzstücken bestehen, die den biblischen Zusammenhang nicht mehr erkennen lassen. Wenn dabei nur so etwas wie ein dumpfes Donnerstagsgefühl rumkommt, ist das als politische Windmaschine vielleicht ganz praktisch, aber eine Unterbewertung christlicher Vernunft, wenn nicht Missbrauch christlicher Verkündigung.

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